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By Hans-Christian Spengler und Thorsten A. SiefertNewsNews Commentary
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netkiosk.digital episodes

  • Verkehrsschlager

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Jonas Horsch

    Es ist ein unschlagbar gutes Angebot, das Deutschland-Ticket. Am 3. April begann der Vorverkauf und schon jetzt melden die Deutsche Bahn sowie viele Nahverkehrsverbünde eine mehr als beachtliche Nachfrage. Die DB allein, sie konnte in den ersten drei Tagen seit der Verfügbarkeit des Angebots 250.000 Tickets veräußern. Der Blick in die Regionen bestätigt diesen Trend, die Münchner Verkehrsgesellschaft meldete allein bis zum Mittag des 3. April 15.000 verkaufte Monatsfahrscheine, die Rheinbahn Düsseldorf bis zum Gründonnerstag 11.000.

    Evelyn Palla ist DB-Regionalverkehrschefin. Sie geht davon aus, dass das große Interesse an der Fahrkarte bestehen bleiben wird und erwartet unter Einberechnung schon vorhandener Abos, die voraussichtlich in ein Deutschland-Ticket umgewidmet werden, in der Summe 17 Millionen Kunden für den begehrten Fahrschein allein bei der DB.

    Bleiben wir bei der DB. In die Gesamtkalkulation hat Palla etwa 6 Millionen neue Abokunden eingerechnet. Die Erwartungshaltung derselben dämpft jetzt bereits Verkehrsstaatssekretär Michael Theurer, der auf den enormen Sanierungsbedarf des Netzes hinweist und um Verständnis für zu erwartende Störungen durch Baustellen und Verspätungen wirbt, wie er tagesschau.de gegenüber erklärte. Immerhin liegt die Pünktlichkeitsquote im Nah- und Regionalverkehr bei 92,6 %.

    Unerwähnt lassen sollte man allerdings nicht einige Schwierigkeiten. Diese hier gab es schon beim 9-Euro-Ticket und sie ist bei dem aktuellen Angebot erneut mit von der Partie: Bei der Bahn gilt der beliebte Fahrschein für Züge, die von DB-Regio betrieben werden. Allerdings verkehren auch Verbindungen des DB-Fernverkehrs, die auf bestimmten Strecken dem Nahverkehr zuzurechnen sind, wie golem.de berichtet. In solchen Zügen würde das Ticket ohne weiteres Zutun nicht akzeptiert werden können. Beim Vorläufer des aktuellen Fahrschein-Verkaufsschlagers hatte man dieses Problem durch Verhandlungen mit den Ländern gelöst. Darum bemüht man sich zurzeit erneut.

    Und dann ist da noch die Episode mit der Üstra, dem großen ÖPNV-Betrieb in der niedersächsischen Landeshauptstadt und dem mit ihm verknüpften Nahverkehrsverbund GVH. Das EDV-System der beiden Anbieter wurde Opfer eines Hackerangriffs. In der Folge war das 49-Euro-Ticket nicht buchbar. Seit vergangenen Donnerstag gibt es allerdings einen Workaround: ein Link führt zurzeit von der Internetseite des Großraumverkehrs Hannover zu dem Online-Angebot des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen. Dort kann der Fahrschein dann geordert werden.

    Zusammengefasst: Das Deutschland-Ticket, es startet durch und scheint bereits im Vorverkauf ein voller Erfolg zu sein. Es ist der Preis, der es für die Menschen im Land erschwinglich und damit attraktiv macht. Wo immer eine Nahverkehrs- oder Regional-verbindung verfügbar ist und eine Alternative zum Individualverkehr darstellt, wird sie jetzt stärker nachgefragt werden. Es ist nun am Bund das Netz zu sanieren und an der Bahn ein zuverlässiges und gutes Angebot zu unterhalten. Nur dann besteht eine Chance, dass aus der zweifellos guten Offerte ein langfristiger Erfolg wird.

    4 min
  • Heils Botschaft

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Tima Miroshnichenko

    Ein Osterfest mit heilsamen Botschaften, so etwas schafft außer der Kirche offenbar nur einer, unser Bundesarbeitsminister, Hubertus Heil eben. Und damit die gute Nachricht sich auch angemessen und weit verbreiten möge, wählte er weise die für ihre Kommunikationsperformance bekannte Bild am Sonntag als Gesprächspartnerin. Die Themen, die Heil mit den Journalisten besprach, sie haben für viele Menschen im Land eine große Bedeutung. Die von dem Minister angekündigten Initiativen sollen vor allem eines schaffen, mehr Gerechtigkeit und faire Bezahlung in dem Teil der Arbeitswelt, in welchem der gesetzliche Mindestlohn das Maximum des stündlich Erzielbaren darstellt. Außerdem auf der Heils-Agenda: Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für Beschäftigte von Paketdiensten und die Forderung, dass der Bund bei der Vergabe von Aufträgen zukünftig darauf achtet, dass die jeweiligen Unternehmen sich an die Tarifverträge halten. Schließlich thematisierte der Minister auch noch die mangelnde Wertschätzung jener, die körperlich belastenden Tätigkeiten in der Arbeitswelt nachgehen.

    Beginnen wir mit dem gesetzlichen Mindestlohn. Entschieden über seine Höhe wird üblicherweise alle zwei Jahre. Eine unabhängige Kommission der Tarifpartner beobachtet in diesem Zeitraum die wirtschaftliche Entwicklung und erarbeitet einen Vorschlag, der sowohl die Interessen und Bedarfslagen der Beschäftigten als auch der Arbeitgeber im Blick hat. Das Ergebnis ihrer Betrachtungen gibt das Gremium dann in Form eines Berichtes an die Bundesregierung weiter. Die letzte Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns erfolgte allerdings außer der Reihe und ohne Konsultation mit den damit beauftragten Experten im Oktober 2022, im Koalitionsvertrag wurde ein Betrag von 12 Euro festgelegt. Heils Ziel ist es nun, zum 1. Januar 2024 eine erneute Anhebung – diesmal nach Beratung durch die Kommission – auf den Weg zu bringen. Gestiegene Tarifvergütungen und die Inflation führt der Minister als Begründungen an.

    Die in der Bundesrepublik beförderten Pakete, ihre Zahl lag 2021 nach Angaben Heils bei 4,5 Milliarden im Jahr, 2017 waren es noch 2,6 Milliarden gewesen. Zurzeit werde eine Überarbeitung des Postgesetzes im Hause seines Kollegen Habeck vorbereitet. Der Arbeitsminister stellt sich vor, dass dieses eine Regelung enthalten soll, nach der Sendungen mit einem Gewicht von mehr als 20 kg von zwei Personen anzuliefern sind. Zudem sollen Pakete, die mehr als 10 kg auf die Waage bringen, entsprechend gekennzeichnet sein.

    Die Zusammenarbeit der Häuser Habecks und Weils, sie zeigt sich in der Vorbereitung einer weiteren Gesetzesinitiative, in welcher der Begriff der Tariftreue eine zentrale Rolle spielt. Konkret: Unternehmen, die Aufträge des Bundes bekommen haben und umsetzen, müssen sich an die in der jeweiligen Branche geltenden Tarifverträge halten. Die Idee dahinter: Mehr Arbeitnehmer – ihre Zahl ist seit Jahren stark rückläufig – sollen wieder nach den zwischen den Sozialpartnern ausgehandelten Bedingungen beschäftigt werden.

    Schließlich das Thema Arbeitsbedingungen: Allgemein kritisiert Heil, dass es ein Teil der Menschen sehr bequem habe, während andere unter schlechten Bedingungen arbeiten. Beispiel Reinigungskräfte: Die Nachtarbeit in diesem Bereich, sie gibt es mittlerweile in seinem Hause nicht mehr und er wünscht sich genau dies von allen Bundesbehörden. Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten, aber auch die Tatsache, dass ihre Arbeit durch die Verlegung auf den Tag wieder sichtbar und damit mehr wertgeschätzt wird, sind dem Minister wichtig.

    Schauen wir uns die Osterbotschaft Heils an, so ist es der Begriff „überfällig“, der mir dazu als erstes einfällt. Überfällig, dass die Arbeitsbedingungen im Paketgewerbe verbessert werden. Wir alle bestellen Waren im Internet, sehen die Mitarbeiter der diversen Paketdienste, die uns abgekämpft die begehrten Güter überreichen. Mitunter hören diese noch nicht einmal mal ein „Danke“, von Trinkgeld ganz zu schweigen. Und nur zu gerne geben wir dem ohnehin überlasteten Boten auch noch eine Retoure mit auf den Rückweg zu seinem Fahrzeug. Offenbar hinterlässt die Arbeit der Beschäftigten im Zustelldienst keinen bleibenden Eindruck bei uns, denn nur allzu schnell klicken wir wieder auf „Bestellen“ und das natürlich beim Anbieter mit den günstigsten Versandkosten. Die Veränderungen der Arbeitsbedingungen in diesem Sektor durch den Gesetzgeber müssten sich schon längst auf dem Weg befinden, Heils vorsichtige Vorschläge können nur ein Anfang eines notwendigen Umdenkens sein.

    Die Mitarbeiterinnen im Arbeitsfeld der Raumpflege kommen häufig zum Ende des Arbeitstages in die Unternehmen und Behörden oder eben nachts. Sie sind also folglich entweder unsichtbar oder man rauscht an ihnen auf dem Weg nach Hause vorbei, nimmt sie und ihre wichtige Tätigkeit kaum zur Kenntnis. Als Kolleg:Innen werden die Reinigungskräfte häufig nicht wahrgenommen, Wertschätzung erfahren sie wenig. Auch in diesem Bereich sind Veränderungen überfällig, manches könnten die Tarifparteien auf den Weg bringen, anderes der Gesetzgeber. Und dann gäbe es da noch so etwas wie eine soziale Unternehmens- und Behördenkultur, an deren Neuausrichtung – da ebenso überfällig – man sich dringend begeben muss.

    Abschließend ein Blick auf den gesetzlichen Mindestlohn: Dieser stellt die absolute Lohnuntergrenze dar. Traurig, dass diese überhaupt eingeführt werden musste, dennoch gut, dass es sie gibt. Zurzeit lässt sich so in Vollzeit ein Bruttoverdienst von ca. 2080 € erzielen. Was bleibt nach Abzügen davon übrig? Und wenn nur eine Teilzeitbeschäftigung in Frage kommt, wie viel steht dann auf der Lohnabrechnung? Kommen Menschen, die hart dafür arbeiten, mit einem solchen Einkommen gut aus?  Die Sozialverbände jedenfalls, sie fordern eine Erhöhung auf mindestens 14 € pro Stunde in der nächsten Runde. Das erscheint mir bei Weitem nicht ausreichend zu sein.

    7 min
  • Ostergruß und Episode "Nachts unterwegs"

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Dmitry Alexandrovich

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    Das Thema Reisen. In diesen Tagen hochaktuell, wird doch häufig am Gründonnerstag der Weg zum österlichen Familientreffen bewältigt und am darauf folgenden Montag geht es dann meist zurück oder, sofern es die Zeit erlaubt, zum Skifahren. Alle Jahre wieder: Volle Autobahnen, Flughäfen und Züge. Mehr belastbare Personentransportkapazitäten, nicht nur um Fest- und Feiertage herum, sind in unserer zunehmend bewegten Freizeit-, aber auch Arbeitswelt dringend erforderlich. Eine bislang in diesem Zusammenhang offenbar übersehene Alternative haben jetzt die Verkehrsminister der Bundesländer entdeckt und fordern einen Ausbau des Nachtzugangebotes, wie die Rheinische Post zu berichten weiß.

    Nachtzüge sind nach Meinung der zuständigen Minister, eine klimafreundliche Alternative zum Flugverkehr. Die Nachfrage sei steigend, das Angebot nicht umfangreich genug, man fordert nun die Einrichtung neuer, zusätzlicher Verbindungen. Wie das zu realisieren ist, auch darüber gibt man Auskunft.  Zusätzliches Geld für Wagenmaterial sei bereitzustellen, die Nutzungsentgelte für die Schiene müssten für Nachtverbindungen gesenkt werden. Bezahlen soll das alles im Wesentlichen der Bund.

    Ganz so einfach wird es wohl nicht werden. Zunächst einmal: Seit 2016 bietet die DB selbst überhaupt keine Züge mehr in der Nacht an, die entsprechend ausgestattete Wagen zum Ruhen und Schlafen mit sich führen. Teile der bis dahin bestehenden Verbindungen, sie bedient jetzt die Österreichische Bundesbahn. Die Deutsche Bahn unterstützt diese und weitere Anbieter mit Fahrpersonal und organisatorisch sowie durch den Einsatz von Sitzwagen in den Nachtzugverbänden. Grundsätzlich scheint die bestehende europäische Zusammenarbeit in diesem Sektor und deren Ausbau sinnvoller als einzelne nationale Lösungen, das sagt Experte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Die DB ergänzt das Angebot mit Nachtverbindungen vom Typ IC oder ICE.  Den Einsatz von eigenen Schlaf- oder Liegewagen plant sie nicht, das überlässt sie den mit ihr kooperierenden Anbietern. Beispiel ÖBB: Das Unternehmen präsentierte der Öffentlichkeit unlängst neues Wagenmaterial.

    Ob nun aus den Forderungen etwas wird, das hängt ganz sicher von Berlin ab. Man muss wohl eine längere Wartezeit auf dem Nachtzugausbaugleis in Kauf nehmen. Das Bundes-verkehrsministerium, so berichtet die Rheinische Post, beabsichtigt eine Langzeitstudie zu dieser Thematik in Auftrag zu geben.

    Bis dahin gilt: Wenn eine Nachtverbindung für Sie verfüg- und terminlich realisierbar ist, probieren Sie diese doch einmal aus. Entspannt von A nach B zu reisen, war und ist ein großer Vorteil öffentlicher Verkehrsmittel. Wenn einem die Bewältigung von längeren Distanzen dann noch im Schlaf gelingen kann, muss man wohl von einer unschlagbaren Option sprechen. Und ganz unabhängig von Studien gilt: Eine erhöhte Nachfrage wird irgendwann angebotswirksam. Dies zeigt bereits die Erneuerung des Wagenparks durch die ÖBB. Vielleicht erweitert bei einer Steigerung der Fahrgastzahlen von nächtlich Reisefreudigen die DB ihr Angebot bzw. ihre bisherigen Kooperationen.

    5 min
  • Unsere App

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Foto von Thorsten Siefert

    Es gilt das gesprochene Wort…

    17 min
  • Nach dem Golf ist vor dem Golf

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von lil artsy

    Eine Golf-Geschichte hat eigentlich jeder von uns, beinahe egal, wie alt sie oder er ist. Seit 1974 bewegt sich dieses Fahrzeug in all seinen unterschiedlichen Varianten bis hin zum aktuellen Modell über die Straßen. Tante Frieda, die wohl beste Freundin meiner Großmutter, seinerzeit sich im siebten Lebensjahrzent befindend, konnte bereits im Spätsommer 1974 ihren Golf beim Händler abholen, ein Modell LS automatik, schneeweiß. Sie fuhr ihn viel Jahre, ich war häufig Gast auf der Rückbank. Bis wir eines Tages gegenüber der repulikweit bekannten JVA Celle gegen einen Baum segelten, ganz gemächlich. Der Golf wurde repariert, Tante Frieda fuhr weniger, bis ihr Sohn das Fahrzeug schließlich übernahm. Später war es wieder ein Golf, der mir als Fahrschulwagen begegnete – eine weitere Golf-Episode. Und, woran erinnern Sie sich?

    Zurückblickend können wir wohl sagen, dass der Golf Geschichte geschrieben hat: Ein kompaktes Fahrzeug, alltags- und familientauglich, wandlungsfähig und über viele Jahrzehnte an den Geschmack der jeweiligen Zeit, vor allem aber auch an die rasant verlaufende technische Entwicklung angepasst, bleibt er doch bis heute, betrachtet man all seine Modelliterationen nebeneinander, den Genen, die der ersten Generation mit auf den automobilen Lebensweg gegeben wurden, weitgehend treu und damit wiedererkennbar.

    Schluss damit, die aktuelle Generation 8 des beliebtesten und bestverkauften Fahrzeugs des VW-Konzerns, sie markiert den Schlusspunkt der Golf-Linie, jedenfalls in Form eines Autos, das von einem konventionellen Motor angetrieben wird. Äußerliche Veränderungen und technische Verbesserungen sind noch geplant – in der Sprache der Konzerne spricht man dann wohl von Facelifts –  aber einen Golf 9, der regelmäßig Treibstoff benötigt um sich dank eines Verbrennungsvorganges in Bewegung zu setzten, ihn wird es nach jetzigem Stand nicht geben.

    Und wie wird es weitergehen? Nachdem, was man aus Wolfsburg hört, soll der Markennamen „Golf“ auf keinen Fall aufgeben werden. Vielmehr wird es darum gehen, einen würdigen Nachfolger zu finden, der mit der vom Hersteller aktuell als zukunftsfähig gesetzten Antriebsart ausgestattet sein soll, sich also mit uns unter Verwendung eines Elektromotors über die Straßen bewegen wird. Vor 2028, in diesem Jahr soll eine neue dazu passende Fahrzeugplattform eingeführt werden, ist allerdings nicht damit zu rechnen. Bis dahin bleibt der Konsument also – sofern er ein artiger Golfkunde ist – seinem jetzigen Fahrzeug treu – oder versucht sich im Rahmen einer Interimslösung an einem der zahlreichen ID-Modelle, von denen es in der nächsten Zeit noch einige mehr geben wird.

    Obwohl ich immer für den Golf geschwärmt habe, besessen habe ich nie einen. Gestartet in die Welt des Autofahrens bin ich mit einem gebrauchten schwarzen Twingo, es folgten viele Modelle des französischen Herstellers Renault bis ich zu Audi wechselte. An all diesen Autos hatte ich die meiste Zeit Freude, sie waren und sind bis heute zuverlässige Begleiter im Alltag. Will sagen: Der Golf ist sicher ein fantastisches Auto und sein Erfolg beachtlich, weshalb wir die aktuellen Entwicklungspläne für dieses über Jahrzehnte auch Trends bestimmenden Modells hier beleuchtet haben. Wenn Sie mit einem anderen als diesem Fahrzeugtyp ans Ziel kommen, dann ist das genauso gut. Da VW was die Zukunft der Automobilindustrie betrifft, immer noch stellvertretend für die gesamte Branche gesehen werden kann, ist es grundsätzlich hilfreich zu wissen und interessant, was der große Hersteller aus Niedersachsen so für die nahe Zukunft plant.  Diese wird, nach jetzigem Stand unabhängig vom Emblem auf der dann im eigentlichen Sinne funktionslosen Kühlerhaube, elektrisch sein.

    5 min
  • Einen Kaffee bitte!

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Igor Haritanovich

    Eigentlich trinke ich keinen. Und ich würde nicht sagen, dass ich ihn mag oder gar ohne ihn nicht leben könnte. In der von meinem Backwarengeschäft des Vertrauens eigens für mich hergestellten Dareichungsform „Latte Macchiato“ allerdings, versüßt mit einem ordentlichen Schuss, einem wirklich ordentlichen Schuss Karamellsirup genieße ich ihn auf meiner täglichen Heimfahrt in selig machenden kleinen Schlucken. Und weil ich dieses Glücksgefühl auch zuhause erleben wollte, erwarb ich ein technisches Wunderwerk, das ein solches Heißgetränk auf Knopfdruck herstellen kann. Das Dumme an der ganzen Sache: Ich bin zu bequem selbst tätig zu werden und zelebriere folglich weiterhin die To-Go-Variante. Den Bäcker freut es, die Maschine schweigt, vermutlich ein wenig beleidigt.

    162 Liter trinken die Deutschen im Durchschnitt pro Jahr und Kopf von ihm, kein anderes Getränk übertrifft in unserem Land die Bestmarke, welche der Kaffee hier setzt. Wie gesund er ist, das zu beurteilen bedarf wohl einer differenzierten Betrachtung. In jedem Fall überwiegen rein subjektiv bei den meisten Menschen die Vorteile: Sie fühlen sich wacher, können sich besser konzentrieren. Schweizer Wissenschaftler aus Basel haben unlängst einen Blick in unsere Köpfe gewagt, um zu schauen, wie sich Kaffee auf das Gehirn sowie seine Struktur auswirkt und auch die Qualität unseres Schlafes mit und ohne Koffein wurde untersucht.

    Das Setting des Experiments: Ein Teil der Probanden erhielt Koffeintabletten für einen gewissen Zeitraum, eine Vergleichsgruppe später nur ein Placebo. Im Fokus der Studie zum einen: Die sogenannte „Graue Substanz“, die aus Nervenzellen besteht und mit der viele Funktionen des Hirns und des zentralen Nervensystems gesteuert werden. Ergebnis: Koffein reduziert für den Zeitraum der Einnahme das Volumen eben dieser grauen Substanz. Dieser Prozess zeigte sich allerdings als reversibel, wenn die Versuchsteilnehmer 10 Tage kein Koffein mehr zu sich nahmen. Was zum anderen die Auswirkung des Wachmachers auf die Schlafqualität der Probanden anging, so zeigte sich, dass der Kaffeegenuss folgenlos blieb.

    Resümee: Kaffee schadet tendenziell nicht. Allerdings heißt es weiter forschen. So erklärten die Wissenschaftler denn auch, den beobachtbaren Änderungen von Gedächtnisleistungen durch den Koffeinkonsum in Zukunft auf die Spur kommen zu wollen. Bis dahin gilt, was ohnehin bei der Aufnahme von Nahrung und Flüssigem immer geboten ist: Ein moderater Umgang.

    3 min
  • Von Fotos, die keine sind!

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Alexas Fotos

    „Machen Sie sich doch mal selbst ein Bild von der Sache.“ Gemeint ist: Verschaffen Sie sich einen eignen Eindruck, bilden Sie sich eine Meinung, positionieren Sie sich ggf. sodann. Hilfreich bei diesem Prozess: Die persönliche Anschauung der Sache um die es geht. Das allein funktioniert leider nur selten, weshalb wir auf zuverlässige Quellen und eine möglichst objektive Berichterstattung angewiesen sind. Bilder sind dabei hilfreich, können aber genauso wie ein Text zum Transportmittel einer Manipulation werden. Es ist entscheidend, aus welcher Perspektive man fotografiert, welchen Moment man wählt usw. Und natürlich gibt es da auch noch das Mittel der Fotomontage, das die Abbildung des Realen verändern kann. Wenn Bilder helfen sollen, Meinungen zu bilden, muss ich mich darauf verlassen können, dass diese sorgsam – genau wie ein Text – auf ihre Zuverlässigkeit und ihren Wahrheitsgehalt geprüft worden sind. Problematisch wird es, und damit erneut ein herzliches Willkommen beim Thema „Künstliche Intelligenz“, wenn der auf den Fotos dargestellte Inhalt so lebensecht und authentisch wirkt, dass man eine Manipulation nicht vermuten mag.

    Das Bild ging Ende letzten Monats um die Welt, fast mit Lichtgeschwindigkeit und freundlicher Unterstützung sozialer Medien wurde es verbreitet: Der Papst in einer üppig wirkenden weißen Daunenjacke, sehr ungewöhnlich, aber doch nicht vollkommen unmöglich. Und genau um diesen Eindruck geht es den Schöpfern solcher Fotos, etwas in die Nähe der Realität zu rücken, macht das zu sehende glaubhaft. Exakt dort liegt die Gefahr manipulierter Aufnahmen. Eine Verschiebung oder Betonung eines Akzents, eines Bildelements reicht mitunter aus, um unsere Wahrnehmung und damit die Einordnung des abgebildeten Inhalts zu lenken, dorthin, wo man sie platziert wissen möchte. Erschaffen wurde der Fake-Daunen-Papst übrigens von KI „Midjourney“, der man in Worten mitgeteilt hatte, was man zu sehen wünschte. Genaues Hinschauen lässt einen jedoch erkennen, dass die Hände des Kirchenoberhauptes noch etwas Optimierungsarbeit in Richtung Realität erfordern und das aktuelle Alter des Papstes nicht ganz getroffen wurde. Diese Mängel erlauben – wenn man es denn möchte – die Überführung der Aufnahme als Fake-Foto. Noch, denn KI-Systeme entwickeln sich stetig weiter und werden schnell besser, viel schneller viel besser.

    Der Vertreter Petrus auf Erden in Daune, ein Einzelfall? So gar nicht. In einem Artikel von tagesschau.de, Unterrubrik Faktenfinder, werden weitere Bilder präsentiert, die ähnlich wie das des Papstes auf den ersten Blick nicht vollkommen irreal erscheinen, es aber sind: Da sehen wir einen vor dem chinesischen Staatschef knienden Putin, der seinem Amtskollegen die Hände küsst. Auch diese Aufnahme enthält Bildfehler, wenn man genau hinschaut. Bei naiver Betrachtung wirkt sie aber durchaus ausreichend realitätsnah.

    Erschreckender eine KI-Bildkonstruktion, die zurzeit vom AfD-Fraktionsvorsitzenden Norbert Kleinwächter auf Instagram geteilt wird. Bildunterschrift: „Nein zu noch mehr Flüchtlingen.“ Männer südländischen Typs sind darauf versammelt, sie wirken aggressiv, wütend, den Mund aufgerissen. Was bei den Betrachtern für ein Gefühl, für eine Stimmung gegenüber den dort zu sehenden Menschen erzeugt werden soll, das ist wohl offensichtlich. Der die Aufnahme verbreitende Kleinwächter sieht in der Verwendung derselben kein Problem. Tagesschau.de schreibt er auf Nachfrage dazu unter anderem, dass die Motive dazu dienen würden, aktuelle Ereignisse für jeden wiedererkennbar zu illustrieren. Und weiter: Von Fake könne keine Rede sein.

    Falls noch Zweifel an den Möglichkeiten von KI-Systemen bestanden: Diese wenigen Beispiele manipulierter Fotos zeigen, welche Gefahren hier schon jetzt von einem gezielten Missbrauch ausgehen. Noch reicht vielleicht genaueres Hinsehen und man entdeckt, dass irgendetwas nicht stimmig ist. Damit es zu diesem Eindruck kommt, muss man allerdings ausreichend irritiert und bereit sein, das zu sehende zu hinterfragen. Problematisch, neben der Weiterentwicklung und Perfektionierung der zugrundeliegenden Technologien ist vor allem aber die Bereitschaft, den Bildinhalt für bare Münze zu nehmen, weil dieser ohnehin eigene Ansichten und Grundeinstellungen positiv bedient. Damit befindet sich der so gesteuerte Betrachter genau an der Stelle, an die er geführt werden sollte. Und das ganz ohne große Mühe. Hier geht es nicht um eine Vorahnung von einer möglichen Gefahr, sie ist leider bereits heute allzu real. Bleiben wir also aufmerksam.

    6 min
  • Auszeit

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Pixabay

    „Nehmen Sie doch einmal eine Auszeit.“ Diese Aufforderung, sie dringt regelmäßig von vielerlei Seiten an mein Ohr und ist mir deshalb vertraut, ich ignoriere sie stetig. Ich bin allerdings nicht sonderlich rücksichtsvoll gegenüber meiner eigenen Person und meinen Bedürfnissen, besonders den meines Körpers. Das alles überbordende Charaktermerkmal der Selbstbestimmung bestimmt bei meinen privaten Entscheidungen alles, was man eigentlich besser einem gesund arbeitenden Verstand erst einmal zur Prüfung vorlegen sollte. Es ist also schwierig mit mir. Stellen wir uns nun etwas vor, das viel klüger ist als ich, geballte Denkkraft, vernetzt, mit Lichtgeschwindigkeit arbeitend. Etwas, dass sich stetig weiterentwickelt und bei dem die Menschen, die es programmiert haben, vieles was aus dem Etwas herauskommt bereits nicht mehr verstehen und erklären können. Eine selbstlernende Maschine. Und der sagen Sie: „Nehmen Sie doch einmal eine Auszeit.“ Was mag wohl die Antwort sein?

    Die Organisation heißt „Future of Life“, sie hat einen Brief aufgesetzt, der genau das fordert, eine Pause machen, genauer: eine Pause machen und nachdenken, ob man nicht Grenzen setzen muss, mancher gebraucht auch die Formulierung „Leitplanken“ schaffen. Gemeint ist: Es ist – im Rahmen einer Entwicklungspause für künstliche Intelligenzen der kommenden Generation – dringend darüber nachzudenken, welches Regelwerk man entwickelt, damit der bereits aus der Flasche gelassene Geist seine Wirkung nicht auf eine Art und Weise entfaltet, die unsere Gesellschaft schnell überfordern und an ihre Grenzen bringen kann. 

    Sechs Monate solle die Pause währen, das fordern die ungefähr 1.000 Unterzeichner des Schreibens, unter ihnen Elon Musk, Steve Wozniak und andere mehr, große Namen aus der IT-Industrie, Leute, die wissen wovon sie reden, wovor sie warnen. Die Rede ist von einem „unkontrollierten Wettlauf“ zwischen den Laboren, die an unterschiedliches Orten der Welt an KI arbeiten. Diese nächste Generation, also zum Beispiel GPT-4 könne „zu massiven ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen führen.“ Man könne quasi Entscheidungen über die Weiterentwicklung dieser Technologie, die so eng verzweigt ist mit der Zukunft der Menschen, nicht nur den Chefs der IT-Abteilungen überlassen. Gefordert wird also ein gesamtgesellschaftlich legitimierter Kontrolleingriff. Das wird auch vom TÜV-Geschäftsführer Joachim Bühler verlangt, er spricht von notwendigen rechtlichen Leitplanken, die zu installieren sind.

    Recht aktuell ist in diesem Zusammenhang die Meldung von Europol von vergangener Woche, die vor den unethischen Herangehensweisen warnte, die Kompetenzen von Chat GPT zu nutzen. Kriminelle könnten mit Hilfe von KI hervorragend Pishing-Tools entwickeln oder Schadsoftware programmieren.

    6 min
  • Königlicher Besuch

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Damir Mijailovic

    Die Königin ist da! Es war 1984, als Queen Elisabeth II. meine Geburtsstadt Celle – engstens verbunden mit dem britischen Königshaus – das erste Mal besuchte. Ich musste nochmal nachfragen, aber die Erinnerung, sie trügt mich nicht: Mein zu dieser Zeit 12jähriger Bruder war mit seinem Rennrad quasi um die Ecke gefahren und hatte damals von der Breiten Straße aus der Monarchin zugewunken. Und, so berichtet er noch heute: Sie hat seinen Gruß freundlich erwidert. Der Besuch der Königin hierließ bei uns damals einen nachhaltigen Eindruck, irgendwie fühlte sich das Leben in den Tagen vor und nach dem Ereignis anders, besonders an. Warum ich das alles erzähle? Gestern war der Auftakt zu einer erneuten Staatsvisite aus dem Vereinigten Königreich: Charles III. und die Queen Consort Camilla werden drei Tage zu Gast sein bei uns in der Bundesrepublik.

    Zu Besuch kommt da jemand, der zwar nach außen zu politischer Neutralität verpflichtet ist, dennoch aber über die letzten Jahrzehnte so etwas wie ein sozial-ökologisches Profil entwickelt hat. Bereits seit mehreren Dekaden sind Umwelt- und Klimaschutz für den König wichtige Themen, an denen er großes Interesse hat. Ebenso erwähnenswert: das soziale Engagement, welches vom dem von ihm 1976 begründeten Prince´s Trust ausgeht, der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Problemen helfen soll, ins Leben zu finden. Beim Thema Asylrecht vertritt Charles III. eine – wenn auch indirekt – klare Position, konträr zu der der aktuellen britischen Regierung, indem er wiederkehrende Empfänge für aus ihrer Heimat vertriebene Menschen gibt.

    Der erste Auslandsbesuch des neuen Königs – eigentlich sollte dieser ja in das zurzeit politisch unruhige Frankreich führen, doch Präsident Macron hatte letzte Woche sicherheits-halber abgesagt – begann gestern in Berlin mit einer offiziellen Begrüßung am Brandenburger Tor. Im weiteren Verlauf des Nachmittags gab es einen Empfang des Bundespräsidenten Steinmeier, der den Besuch des Königs umfänglich begleitet. Thema des Treffens im Schloss Bellevue: Energiewende und Nachhaltigkeit. Am Abend fand dann noch ein Staatsbankett statt.

    Die Highlights heute und morgen: Eine Rede im Bundestag, ein Besuch beim Ankunftszentrum ukrainischer Flüchtlinge in Berlin, ein Treffen mit Soldaten eines deutsch-britischen Bataillons, sodann der Besuch eines Ökohofes. Herausragen wird der morgige Termin beim Denkmal „Kindertransport“ mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal St. Nicolai in Hamburg und später eine Bootsfahrt mit Unternehmer: Innen, dort wird sich der König über grüne Energie und die Hafenentwicklung in Hamburg austauschen und informieren. Inhaltlich also ist das Programm des Staatsbesuches auf Charles III. und seine umwelt- und sozialpolitischen Interessen abgestimmt: Jemand der sich gut auskennt und engagiert, gleichsam Experte ist, trifft auf Menschen, für die diese Themen ebenso bedeutsam sind. Man kann voneinander lernen.

    Schön jedenfalls, dass Charles III. und Camilla da sind. Inhaltlich konsistent und sicher auch voller einmaliger persönlicher Momente wird dieser Besuch den deutsch-britischen Beziehungen guttun, gerade auch nach dem Brexit. Dass die Europäer in einer politisch so schwierigen Zeit beieinanderbleiben, in Kommunikation sind, ist wichtig für den Zusammenhalt, dem entscheidenden friedenserhaltenden Element, welches unser Kontinent mehr denn je dringend benötigt. Man sollte sich öfter besuchen. Ein inhaltlich auf Zukunftslösungen ausgerichteter und lebendiger Austausch ist immer ein gutes Fundament für den Erhalt und Ausbau von Beziehungen.

    5 min
  • Menschen haben Rechte

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Sora Shimazaki

    Menschenrechte, universell, unteilbar und unveräußerlich. Wir sind mit ihnen aufgewachsen und setzen voraus, ohne auch nur einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, dass sie eine Selbstverständlichkeit sind und folglich eingehalten werden. Zumindest bei uns im Land. Alljährlich veröffentlicht Amnesty International einen Bericht, dem wir entnehmen können, wie es wirklich steht um die Einhaltung dieser fundamentalen Rechte eines jeden, draußen in der Welt und bei uns.

    Vorgestern war es dann wieder so weit, die Organisation legte den Menschenrechtsbericht 2022/2023 vor. Die Hauptnachricht dabei, auch in den Schlagzeilen der Medien vom Dienstag: Das Verhalten des Westens zeuge von Doppelmoral. Damit gemeint ist der auffallende Kontrast zwischen dem entschlossenen Reagieren auf den Angriffskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt auf der einen Seite. Auf der andere Seite die offenbare Ignoranz gegenüber Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern: Saudi-Arabien, wo Grundrechte der Bevölkerung zum Teil missachtet werden, politische Gegner in Gefängnissen sitzen, die Anwendung von Folter und Todesstrafe an der Tagesordnung. Oder Israel, hier werden die Palästinenser so eingeschränkt, dass Amnesty bereits im vergangenen Jahr Strukturen anmahnte, die einem Apartheidsystem entsprächen. Der Westen, so die Vereinigung, er sei in diesen Fällen untätig und schweige zu alledem.

    Das Thema Doppelmoral spiegelt sich auch darin, wie unterschiedlich mit Geflüchteten in den Ländern der Europäischen Union umgegangen werde. So sei die Aufnahme- und Hilfsbereitschaft gegenüber den Menschen, die die Ukraine verlassen und im Westen Sicherheit gesucht hatten, eine gute Sache gewesen. Diese Willkommenskultur allerdings werde Flüchtenden aus anderen Ländern in diesem Maße nicht immer zuteil, erinnern wir uns an die Entwürfe zur jüngsten Asylreform in Groß-Britannien, über die wir hier vor einigen Wochen berichtet hatten.

    Ein weiteres wichtiges Thema ist der Umgang mit politischen Protesten. Im Iran kam es seit Herbst letzten Jahres, die Demonstrationen gegen das Regime begannen im September, zu 22.000 Verhaftungen, in der Folge mussten die ihrer Freiheit beraubten Menschen dort mit Misshandlungen und Folter rechnen. Insgesamt stellt  Amnesty im aktuellen Report in 85 Ländern die Ausübung staatlicher Gewalt gegenüber Protestierenden fest. Neu erfasst wurden zum ersten Mal auch Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Meldungen aus der Kriegsregion Ukraine haben die Sensibilität für diesen Themenkomplex erhöht.  

    Gut, dass in der Bundesrepublik Deutschland alles in Ordnung ist. Nicht so ganz, wie man im aktuellen Menschenrechtsbericht nachlesen kann. So sind sind zum Beispiel einige Bundesländer in den Fokus der Kritik geraten, da sie, so der deutsche Amnesty-Generalsekretär Markus Beeko, repressive Versammlungsgesetze erlassen hätten. Erneut betont wird auch besonders mit dem Blick auf unser Land das Thema Doppelmoral, kurz gefasst: Was für ukrainische Flüchtlinge gelte, müsse auch Menschen aus anderen Ländern gewährt werden.

    Schlussendlich: Die Menschenrechte, sie sind ein wichtiges Ergebnis eines langen und mühsamen Entwicklungsprozesses, der uns allen individuelle Rechte und damit verbundene Freiheiten garantiert. Folglich sollten wir diese Errungenschaften wertschätzen, bewahren und gegen Übergriffe schützen, überall auf dieser Welt, aber eben auch vor unserer Haustür müssen wir aufmerksam bleiben.

    4 min

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