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Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Tim Mossholder
Hier gab es einfach alles, im Untergeschoss Lebensmittel, im Pattere Lederwaren, Kosmetik, darüber streng nach Geschlecht getrennt die Modeabteilungen. Und was mit Technik zu tun hatte, es wurde irgendwann in das gleichnamige Gebäude nebenan ausgelagert. Dort kaufte ich meinen ersten Schraubendreher – den habe ich immer noch – später Schallplatten, CDs, noch viel später Computer und Drucker. Ein Vollsortimenter, so ein Kaufhaus, unfassbar praktisch, mitten in der Stadt und von Kind an für mich faszinierend. Karstadt Celle hat in den letzten Jahrzehnten viele Wandlungen und Umbauten erlebt, aber es blieb geöffnet. Das wird sich nun ändern.
Die Mitteilung erreichte uns am Montag: Galeria Karstadt Kaufhof, so heißt mittlerweile der Warenhaus-Konzern, wird 52 seiner Läden schließen. Um die 4.300 Arbeitnehmer werden ihren Job verlieren, die einen Ende Juni dieses Jahres, die anderen Ende Januar 2024. Und auch bei den weitergeführten Geschäften sowie in der Zentrale wird es Veränderungen geben, die in Personalabbau münden sollen. Final werden jene in einem Insolvenzplan festgelegten Maßnahmen auf einer Gläubigerversammlung entschieden, die Ende März stattfinden wird. Die einzige Alternative zu dem Entwurf wäre eine komplette Schließung aller Filialen.
Kaufhäuser zu betreiben ist finanziell aufwändig: Löhne für das Personal, Miete, Renovierungs- und Erneuerungsbedarfe sind unter anderem zu bezahlen. Hinzu zu diesen allgemeinen und üblichen Kosten kamen in den letzten Jahren zusätzliche Belastungen, die den Konzern immer wieder und immer mehr in Schwierigkeiten brachten. Corona hinterließ – wie überall im Einzelhandel – ihre Spuren. Zweimal wurde ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren in den zurückliegenden Jahren notwendig. 680 Millionen Euro erhielt das Unternehmen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Alle Bemühungen, um das Überleben der gesamten Warenhauskette zu ermöglichen, sie reichten wohl nicht aus.
Bei der Krise im letzten Herbst waren es die gestiegenen Energiepreise und eine nachlassende Kaufkraft, die das Unternehmen schwer trafen. In einer Presseerklärung gestern äußerte der Galeria-Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz, dass es bei Warenhäusern auf die Flächenproduktivität ankomme, offenbar ein Vergleichskriterium, das die jetzt bald schließenden 52 Geschäfte nicht ausreichend erfüllen.
Was geschieht mit dem Personal der nicht fortbestehenden Häuser nun? Neue Jobs müssen gefunden werden, es wird die Möglichkeit bestehen zu einer Transfergesellschaft zu wechseln, welche die ehemaligen Mitarbeiter bei der beruflichen Weiter-Qualifikation unterstützen soll. Finanziell ist nicht viel zu erwarten, exakt zwei Monatsgehälter, allerhöchstens 7.500 Euro.
Zurück nach Celle. Mitten in der Stadt wird zunächst ein leeres Gebäude stehen. Aus den 60iger Jahren stammend ist es architektonisch umgeben von den für Touristen attraktiven, gut gepflegten Fachwerkbauten und wirkte immer wie ein Fremdkörper, gehörte aber dennoch irgendwie zum Innenstadtbild dazu. Ideen, wie mit der dann leerstehenden Immobilie umzugehen ist, liegen von vorhergehenden und vergleichbaren Schließungen an anderen Orten vor. Die Zeit für Kaufhäuser, sie scheint im Moment schlecht zu sein. Ob die verbleibenden Filialen mit neuem Konzept wirtschaftlich erfolgreich sein werden, wird sich zeigen.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Pixabay
Ganz oben auf der Agenda stehen diese Themen: Überwindung von Rückständen bei der Digitalisierung und Behebung des gravierenden Mangels an Lehrkräften. Aber es gibt noch mehr zu tun. Heute beginnt in Berlin ein zweitägiger Gipfel, ein Bildungsgipfel. Dazu hat die zuständige Ministerin Bettina Stark-Watzinger eingeladen. Es treffen sich Experten und Fachleute, leider haben aber nur zwei von sechszehn der zuständigen Minister aus den Bundesländern ihr Kommen zugesagt. Das macht – da Bildung vornehmlich Ländersache ist – den Austausch und die Verständigung nicht einfacher.
Lehrer werden gesucht. Und die Länder werben schon eine Weile um sie. Sei es direkt, indem sie wie zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern dafür Werbekampagnen starten. Aus ihnen kann man entnehmen, dass das Pädagogendasein in dem Bundesland am Meer wunderschön ist und darüber hinaus, welche gut ausgestatteten Schulen einen erwarten. Auch Lebenszeitverbeamtung, gute Bezahlung oder mögliche Zuschläge bleiben nicht unerwähnt. Ein anderes Bundesland, ein vollkommen anderes Vorgehen, das auch für Irritation und Ärger sorgte: Im Februar lockte Bayern mit einer Umzugskostenpauschale und zusätzlich mit einer Regionalprämie von 3000 €, wenn man sich für eine Schule in einem weniger attraktiven Teil des Freistaates entscheidet. Mit einem solchen Vorgehen schafft man ggf. mehr Probleme als das man sie löst.
Zurück nach Berlin, wo heute Experten und die Bundesbildungsministerin aufeinandertreffen werden. Was konkret steht auf der Tagesordnung? Eine aus dem Gipfel hervorgehende Arbeitsgruppe wird die Aufgabe erhalten, Ideen für eine gelungenere Kooperation von Kommunen, Ländern und dem Bund in Sachen Bildung zu entwickeln. Die Umsetzung des Digitalpakts soll beschleunigt werden. Zudem werde Geld für die Renovierung und Instandhaltung von Gebäuden, wie zum Beispiel auch Turnhallen dringend benötigt. Wichtig sei es auch, die Lehrpläne zu überarbeiten um so kommende Generationen kompetenter und zukunftsfähiger zu machen. Dass der Lehrerberuf wieder attraktiv werden muss und dazu auch eine bessere Bezahlung gehört, ist in Berlin ebenso angekommen.
Das alles kostet Geld, viel Geld. Dazu passt sehr gut die Meldung vom gestrigen Vormittag. Die SPD-Chefin Saskia Esken – sie äußerte sich in einem Interview gegenüber der Rheinischen Post – setzt sich für ein Sondervermögen Bildung ein, die Rede ist von 100 Millionen Euro. Damit sollen die notwendigen Investitionen und Ausgaben finanziert werden. Unterstützung erhält Esken von den Linken. Die Vorsitzende Wissler forderte unlängst, dass in Sachen Bildung jetzt mal richtig Geld in die Hand genommen werden muss.
Wenn wir hier in den letzten Wochen immer wieder dieses Thema behandelt haben, dann wurde eines doch klar: Es fehlt am Geld. Und deshalb kann an dieser Stelle nur nochmal erwähnt werden, was schon oft gesagt wurde: Wenn unser Land, unsere Gesellschaft zukunftsfähig werden soll, dann müssen wir für Schulen und Ausbildung Geld bereitstellen. Könnte man sich darauf einigen, wäre ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung getan. Was dann konkret mit den Finanzmitteln unternommen wird, wie man das Bildungswesen modernisiert, auf welche Art und Weise Inhalte anzupassen sind und vieles mehr, muss alsbald besprochen und entschieden werden. Wünschenswert wäre hier ein einheitliches Vorgehen, vielleicht sollte man alsbald ein Folgetreffen ins Auge fassen, dann mit allen Kultusministern.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Markus Spiske
Der technische Aufwand ist groß. Aber das ist es mir wert. Vielleicht liegt es an der Sprache, der anderen Kultur, sicher am Humor und an der Vielfalt, möglicherweise auch daran, dass 50 % meiner Gene von dieser Insel stammen. Wenn ich fernsehe, schaue ich die Programme, die über den Satelliten Astra 28.2 übertragen werden. Dort findet man unter anderem die Sender der BBC, von itv oder auch Channel 4. Gerade die BBC, gleichsam das Role-Model der öffentlich-rechtlichen Sender in der Bundesrepublik, sie weiß mich mit einer immer wieder überraschenden und qualitativ hochwertigen Vielfalt zu begeistern. Und wer sie kennt, der kennt auch Gary Lineker.
Er ist das, was man in England einen Householdname nennt, ehemaliger Nationalspieler und seit vielen Jahren Moderator von Sportsendungen der BBC. Sympathisch, dem Publikum zugewandt und mit Expertise führt er durch die ihm anvertrauten Programme. Nicht so am vergangenen Samstag, denn aktuell ist der Fernsehprofi suspendiert. Der Grund: Er hatte sich kritisch – nicht im Programm sondern über Twitter – zu einer geplanten Änderung des britischen Asylrechts geäußert.
Linekers Thema: Es liegt ein Gesetzesentwurf der Innenministerin Suella Braveman vor. In diesem geht es um Personen, die illegal in das Vereinigte Königreich über den Ärmelkanal als Boots-flüchtlinge einreisen und darum, wie zukünftig mit ihnen verfahren werden soll. Man will sie in Haft nehmen und nach spätestens 28 Tagen in ihr Heimatland abschieben, ggf. in ein anderes Land. Eine Überprüfung daraufhin, ob ihr Asylbegehren begründet ist, erfolgt nicht. Eine rechtliche Möglichkeit, dagegen vorzugehen, haben die Geflüchteten erst, wenn sie England wieder verlassen haben. Ausgenommen sollen von der Regelung nur Menschen unter 18 Jahren oder solche sein, deren Gesundheitszustand dieses Vorgehen nicht erlaubt, ggf. auch, wenn ein Härtefall vorliegt. Der Entwurf, so Braveman, entspricht wahrscheinlich nicht dem britischen Gesetz über Menschenrechte. Das hält sie und die Regierung nicht davon ab, das legislative Verfahren voranzutreiben.
Zurück zu Twitter. Hier schreibt Lineker auf, was er über den Entwurf denkt. Es gebe keinen enormen Zustrom von Flüchtlingen, Großbritannien nehme weniger Menschen auf als andere große europäische Länder. Das geplante Gesetz, es sei Ausdruck einer unfassbar grausamen Politik, die sich gegen Menschen richte, die extrem verletzlich seien. Die Sprache, welche von der britischen Innenministerin in einem Video verwendet werde – Braveman erklärt dort ihren Standpunkt, droht mit Haft und endet mit der Formulierung „We must stop the boats“ – sei der der Politik der 30iger Jahre in Deutschland nicht unähnlich. Beeindruckend die Zustimmung auf Twitter, bemerkenswert der Beitrag der Deutschen Professorin Tanja Bueltmann. Wenn Politiker eine solche Sprache benutzen, dann müsse man das anprangern. Dies zu thematisieren und zurückzuweisen sei, so Bueltmann, eine Pflicht.
Die BBC entschied sich zur Suspendierung von Lineker. Man vertritt hier die Meinung, dass er sich zu parteipolitischen Fragen oder Auseinandersetzungen nicht positionieren soll. Kollegen des Moderators und auch Mitarbeiter der unterschiedlichen Sportabteilungen des Programmanbieters zeigen sich solidarisch und haben ihre Arbeit ausgesetzt. Und auch Spieler der Premier League möchten dem Sender keine Interviews geben. Der Chef der BBC, Tim Davie erklärte, den Konflikt lösen zu wollen, sodass Lineker seine Arbeit fortsetzen kann. Nur wie, das ist noch unklar. Und Premierminister Sunak, er stehe hinter dem Entwurf seiner Innenministerin, ließ er mitteilen. Die Auseinandersetzung zwischen den Programmverantwortlichen und dem Moderator sei deren Sache, nicht die der Regierung. Noch ist also offen, wie der Sender und Gary Lineker zu einer Übereinstimmung kommen werden, die eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft möglich machen wird.
Britische Fernsehanbieter zeigen zwischen den Sendungen nicht nur Programmhinweise. Unmittelbar vor der nächsten Ausstrahlung wird ein sogenannter Station Ident gezeigt, ein kurzer Trailer, der neben dem Senderlogo und einer Ansage auch zeigt, wofür man steht, was wichtig ist. Die Idents der BBC, bei ihnen geht es häufig um die Menschen im Land, um das, was sie gemeinsam tun, wofür sie stehen, man fokussiert auf Vielfalt und Integration. Dazu gehört es auch, unterschiedliche Meinungen zuzulassen und diese zu diskutieren, eine Tradition, die in der britischen Kultur fest verwurzelt ist. Das scheint man kurzzeitig vergessen zu haben.
Migration ist kein Phänomen, dessen man sich im 21. Jahrhundert entledigen kann. Die Art und Weise, wie das der Gesetzentwurf der britischen Regierung zu tun versucht, ist unerträglich und mit der Menschenwürde nicht vereinbar. Unsere Zukunft, auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, sie liegt in unserem Umgang mit Migration und darin, wie wir das Beste daraus machen, gemeinsam. Im Jahr 2017 aktualisiert Channel 4 seine Station-Idents. Sie zeigen eine aus Einzelteilen zusammengesetzte 4, die durch Großbritannien zieht. Mal spielt das Logo mit Kindern Fußball, bis eine Scheibe getroffen wird, worauf es zusammen mit den Kids schnell die Flucht ergreift. In einem anderen Spot macht die 4 ein Wettrennen mit behinderten Menschen, kann das Tempo nicht halten und bleibt schließlich außer Atem an einer Laterne stehen. Und dann gibt es da dieses wunderbare Station Ident, in der das Logo Flüchtlinge unterschiedlichster Herkunft vom Meer kommend nach Großbritannien bringt, sie dort an den Felsen sicher absetzt und man sich schließlich zum Abschied fröhlich zuwinkt. Ein stilisierter Entwurf davon, was Flüchtende aus aller Welt eigentlich erwarten dürfen, wenn sie alles hinter sich lassen und zu uns kommen.
Der Umgang mit Migration und Migranten ist für eine Gesellschaft nicht immer einfach und stellt uns auch vor Herausforderungen. Aber wir können uns dem Phänomen, dessen Ursachen menschgemacht sind, nicht entziehen, so wie es die britische Regierung zumindest im Umgang mit den Bootsflüchtlingen gerade versucht. Die geplante ungerechte, unwürdige Behandlung derselben mit einer Bestimmung, die nicht nur Menschenrechte verletzt, sondern eben durch entsprechende Vorkehrungen mögliche Verstöße durch das Aussetzen von Teilen der Gesetze zum Schutz dieser Rechte legitimiert sowie die im Kontext der Diskussion dieser Verordnungen verwendete Sprache als unrichtig anzuprangern, ist das demokratische Recht, eigentlich Pflicht eines jeden Bürgers. Dieser ist Sportmoderator Gary Lineker durch seinen Tweet nachgekommen.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Emir Anık
Die Verkehrswende, von ihr war gestern erst die Rede hier bei Today´s Day. Da sprachen wir über das 49-Euro-Ticket und auch davon, dass man dadurch die Attraktivität des ÖPNV möglicherweise steigern kann. Allerdings: Mit Bus und Stadtbahn fahren setzt voraus, dass diese Verkehrsmittel in einem angemessenen Takt, mit einer guten Vernetzung und nicht zuletzt verlässlich zur Verfügung stehen. Schaut man sich die Situation in den einzelnen Verkehrsverbünden an, so ist diese weit entfernt von dem beschriebenen Ideal. Faktisch werden die Verbindungen schlechter und die Preise steigen. So geht Verkehrswende jedenfalls nicht.
Die entscheidende Ursache für die doch sehr unbefriedigende Situation: Es fehlt an Fahrern. Bei einer Branchenumfrage des Verbands der Verkehrsunternehmen gab jede zweite Firma an, 2022 den Betrieb aus Gründen des Personalmangels wenigstens phasenweise eingeschränkt zu haben. Neben einer bemerkenswerten Krankheitswelle in jenem Jahr sieht man die Hauptursache im Fahrermangel. 2023 ist die Lage kaum besser, viele Verkehrsverbünde müssen ganze Linien zumindest temporär einstellen, weil niemand verfügbar ist, der Bahnen und Busse in Bewegung halten kann.
Der Altersdurchschnitt der Arbeitnehmer in diesem Bereich ist relativ hoch und bis 2030 werden ca. 80.000 Fahrer nicht mehr erwerbstätig sein, eine große Lücke beim Personal ist also absehbar. Ideen zur Lösung dieser gravierenden Probleme hat der Verband der Verkehrsunternehmen, sie reichen von der Wiederbeschäftigung bereits in Rente befindlicher Mitarbeiter über die Einstellung von studentischen Hilfskräften bis zur Senkung des Mindestalters für Fahrer.
Ein wichtiges Thema, eben auch im Kontext der Personalneugewinnung, ist die Lohnhöhe: In NRW erhalten Berufsanfänger im Fahrdienst 15,60 € in der Stunde. Zurzeit finden die Tarifverhandlungen statt. Die Arbeitnehmervertreter fordern unter anderem 650 € mehr Gehalt. Die erste Gesprächsrunde zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft und der Deutschen Bahn endete bereits nach 2 Stunden, man wird wieder zusammenkommen müssen. Und da, wo der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes Anwendung findet, wurde bereits letzte Woche gestreikt. Bis die Tarifpartner einen Kompromiss erarbeitet haben werden, das wird wohl noch eine ganze Weile dauern.
Die Arbeit als Fahrer, sie ist anstrengend und erfordert höchste Konzentration, die Verantwortung belastet enorm. Bereitschaft zum Schichtdienst wird vorausgesetzt. Wenn bis 2030 die durch die Pensionswelle entstandene Lücke zu schließen ist und darüber hinaus nach Prognosen 20% mehr Mitarbeiter in diesem Bereich benötigt werden, muss sich etwas ändern. Es beginnt mit einer besseren Bezahlung. Praktikable Teilzeitmodelle und optimal abgestimmte Dienstpläne sowie belastungsadäquate Zulagen könnten Teile eines Angebotes an die Arbeitnehmer sein, das eine Tätigkeit als Fahrer wieder attraktiver werden lässt. Erst dann werden Bus, Stadt- und Straßenbahnen zuverlässige, gut verfügbare und zum Individualverkehr konkurrenzfähige ÖPNV-Angebote sein können.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Samson Katt
Wir bei Today´s Day – einem Projekt von netkiosk.digital – lieben Apps. Die Deutsche Bahn und weitere Anbieter des öffentlichen Nahverkehrs sehen das ganz ähnlich. Bei ihnen geht es in diesem Kontext um die digitale Abbildung eines Fahrscheines, der ab Mai vermutlich millionenfach erworben werden wird: Das 49-Euro-Ticket.
Dieses gilt dann im öffentlichen Personennahverkehr und kann für Fahrten mit Bahn-Regionalverbindungen, Straßenbahnen, Bussen, U-, Stadt- und S-Bahnen genutzt werden. Nicht reisen wird man damit im Fernverkehr können, die schicken automatischen Türen des ICE, EC oder IC bleiben somit für 49-Euro-Ticket-Besitzer verschlossen.
Wie kommt man nun an den begehrten und günstigen Monatsfahrschein? Ausgedruckte Varianten wird es vorübergehend geben, langfristig hat man die Wahl zwischen einer Chipkarte oder der App. Und man muss ein Abo abschließen, dieses allerdings ist monatlich kündbar, was das Angebot flexibel nutzbar macht.
Zurück zur Applikation. Sie trägt die Bezeichnung „Dein Deutschlandticket“, zu finden in dem App-Store Ihrer Wahl. Dort kann man das Programm herunterladen und die Fahrkarte jetzt schon vorbestellen. Die App ist verbunden mit E-Scooter- und Bikesharing-Angeboten, es besteht folglich alsbald die Möglichkeit, den umweltfreundlichen Anschluss an die Bus- oder Bahnreise direkt mit zu buchen. Darüber hinaus soll das Programm nach und nach erweitert werden bis hin zur Bestellmöglichkeit für einen Fernverkehrsfahrschein.
Was man über das Ticket noch wissen sollte? Wie bei jeder Fahrkarte ist es auch hier möglich, Kinder unter 6 Jahren kostenlos mitzunehmen. Zudem hat man geplant, das 49-Euro-Ticket mit Job-Tickets zu verknüpfen. Darüber hinaus gibt es viele regionale, ergänzende Angebote, von denen wir sicher in den nächsten Wochen und bis zum Start im Mai erfahren werden. So soll es zum Beispiel in Niedersachsen einen landesweit gültigen Fahrschein für Schüler:Innen, Auszubildende oder Freiwilligendienstleistende für 29 Euro geben.
Das 49-Euro-Ticket, das es wahrscheinlich ohne den großen Erfolg seines 9-Euro-Vorgängers nie gegeben hätte, mit ihm könnten wir vielleicht ein Stück Weg auf der Strecke in Richtung der dringend notwendigen und viel zitierten Verkehrswende zurücklegen. Davon ausgehend, dass der Bundesrat zu dem Projekt am 31. März seine noch notwendige Zustimmung geben wird, kann es dann im Mai losgehen. Die Finanzierung ist für zwei Jahre durch Bund und Länder gesichert, was einen gemeinsamen Zuschuss von 3 Milliarden Euro bedeutet. Gut angelegtes Geld, wenn sich ein Teil der Ticket-Nutzer dafür begeistern kann, langfristig häufiger eine Alternative zum eigenen Auto zu wählen. Und die Applikation? Sie macht den Umstieg auf den ÖPNV einfacher und ist für alle, die ein Smartphone besitzen, unmittelbar verfügbar. Bus und Bahn warten auf also Sie in allernächster Nähe, in Ihrem Appstore.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Dids
In Bremen stieg die Quote auf 10 % an. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin konnten den Anteil in den letzten Jahren erfolgreich vermindern. Bayern, Hessen und Baden-Württemberg stehen am besten da. Wovon hier die Rede ist? Es geht um den Anteil der Schüler:Innen, die jedes Jahr unsere Schulen ohne Abschluss verlassen, im Durchschnitt sind es 6 % eines Jahrgangs, im Jahr 2021 waren das ungefähr 47.500 junge Menschen.
Ein Großteil von Ihnen – 49 % – kommt von Förderschulen, Gesamt- und Hauptschulen schneiden mit Werten von 20 bzw. 13 % besser ab, Zahlen, die für das Jahr 2020 gelten. Auch bemerkenswert: Das Verhältnis Jungen zu Mädchen liegt bei 60:40. Und während nur 4,6 % der deutschen Jugendlichen die Schule in diesem Jahr ohne Abschlusszeugnis verließen, so war der Anteil der ausländischen Schüler:Innen mit 13,4 % um ein Vielfaches höher.
Dies alles sind Ergebnisse einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt vom Bildungsforscher Klaus Klemm. Vergleicht man die aktuellen Werte mit den Zahlen von vor 10 Jahren, so ist festzuhalten, dass der Anteil der jungen Menschen ohne Schulabschluss seit 2011 stagniert. Diese Gruppe, so betont Klemm, habe deutlich schlechtere Zukunftschancen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels weist der Experte darauf hin, dass wir es uns nicht leisten können, diese Heranwachsenden durchs Raster fallen zu lassen.
Nicole Hollenbach-Biele, Senior Expert Schulforschung und Schulentwicklung bei der Bertelsmann Stiftung, weist darauf hin, dass ein fehlender Schulabschluss häufig in prekäre Beschäftigungsverhältnisse führt, besonders dann, wenn die Jugendlichen keine Ausbildung absolvieren, was auf 2/3 der Schüler ohne Abschluss zutrifft.
Und was empfiehlt die Studie: Mehr individuelle Förderung, frühzeitige Diagnose von Lernrückständen. Hier sollen auch digitale Anwendungen helfen. Zudem soll ein System eingerichtet werden, das abschlussgefährdete Schüler direkt an die Jobcenter meldet, damit von dort aus die Berufsberatung frühzeitig tätig werden kann. Schließlich verweist man auf eine von der Bundesregierung geplante Ausbildungsgarantie.
So differenziert und gut, wie die Studie die aktuelle Situation beschreibt, so mager und blass sind die von ihr ausgehenden Empfehlungen. Die geforderten Maßnahmen – im Schwerpunkt muss man sich hier vor allem auf den Bereich der individuellen Förderung konzentrieren – können nur dann greifen, wenn für Bildung deutlich mehr Geld ausgegeben wird. Qualifizierte Teams aus Lehrern und Sozialpädagogen, die kleine Gruppen betreuen, weit über das Lernen hinaus und ein sanfter, schrittweiser und begleiteter Übergang in das Berufsleben könnten mögliche Ansätze für die Lösung des beschriebenen Problems sein.
Solche Praxen gibt es bereits, häufig finden wir sie in den Berufsvorbereitungsjahren der Berufsschulen. Hier erwartet die Schüler ohne Abschluss eine Betreuung durch ein multi-professionelles Team, auf die Förderung ihrer Stärken und Schwächen abgestimmter Unterricht und ein hoher Anteil von Möglichkeiten für Praktika in Betrieben . Es wird oft noch das erreicht, was während der Pflichtschulzeit nicht gelang: Ein Schulabschluss wird erworben, vielleicht sogar eine Lehrstelle gefunden.
Leider gelingt das Erreichen der Berufsfähigkeit erst mit solchen Modellen wie dem BVJ oder einem besonderen 10. Schuljahr. Doch warum es erst dann? Das liegt sicher zum einen an den besonderen Biografien und Förderbedarfen der Jugendlichen, zum anderen aber auch daran, dass unser Regelschulsystem hier noch nicht ausreichend mit Personal aus unterschiedlichen Professionen ausgestattet ist, das ausreichend Zeit und Möglichkeiten hat, sich auf diese Schüler:Innen und ihre Bedürfnisse einzustellen und mit ihnen den Übergang in das Berufsleben gestalten kann.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Karolina Grabowska
Aus einer Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes vom 30. Januar 2023 erfuhren wir etwas, dessen Neuigkeitswert insofern begrenzt ist, da hier eine Tatsache dokumentiert wurde, die 50 % der Menschen begleitet, seitdem sie im Erwerbsleben angekommen sind: Frauen verdienten im Jahr 2022 umgerechnet auf einen Stundenlohn 18 % weniger als Männer. Dieser unbereinigte Gender Pay Gap weist im Vergleich zum Beginn der Untersuchungsserie im Jahr 2006 einen Rückgang von 5 % auf, für einen Zeitabstand von 17 Jahren eine kaum nennenswerte Veränderung. Im EU-weiten Vergleich belegt Deutschland damit einen der letzten Plätze.
Woher kommen diese Unterschiede in der Vergütung? 75 % des Verdienstabstands zwischen den Geschlechtern haben strukturelle Gründe zur Ursache: Frauen sind in größerer Zahl in Berufen tätig, die schlechter bezahlt sind. Dort haben sie wenig Chancen eine Führungsposition zu erreichen. Hinzu kommt, dass Frauen häufig Minijobs ausüben oder in Teilzeit arbeiten. Beim Herausrechnen, also dem Ermitteln des bereinigten Gender Pay Gaps, sind es dann immer noch 6 % weniger Lohn, den Frauen im Vergleich zu Männern verdienen.
Am 7. März 2023 ist Equal pay day, kurz EPD. Das gewählte Datum ist nicht zufällig. Es orientiert sich an dem alljährlich ermittelten Pay gap, 18 % von 365 Tagen sind 66 Tage, also die Zeit, in der Frauen seit Jahresbeginn quasi ohne Bezahlung gearbeitet haben. Die Idee hinter dem diesem Tag, sie kommt aus Amerika und fand 2008 ihren Weg in unser Land, die Initiative dazu ging von den „Business and Professional Women Germany“ aus und erfährt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Förderung.
Das diesjährige Motto lautet „Die Kunst der gleichen Bezahlung“. Das Thema Lohngerechtigkeit in Kunst und Kultur steht im Fokus, besonders auch auf dem dem EPD Tag vorgelagerten Kongress am 4. März, der in Berlin stattfand. Das ausgewählte Beschäftigungsfeld bietet sich besonders deshalb an, weil der Gender Pay Gap hier 2021 30 % betrug, was die Ungleichheit in der Entlohnung über-deutlich erscheinen lässt. Richtigerweise wird auf Auswirkungen tradierter Rollenvorstellungen, die bei der Besetzung von Führungspositionen in der Kulturwirtschaft relevant sind, hingewiesen. Auch bei der Auswahl von Schauspielern, eines Dirigenten oder Regieführenden und deren Bezahlung werden Disparitäten deutlich. Der Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für im Kultursektor Tätige lässt den Initiatoren folgend noch viel Raum zur Optimierung.
Was kann getan werden? Tagesschau.de meldet, dass der Minister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, die Bedeutung eines weiter zu erhöhenden Mindestlohns hervorhebt. Würde dieser angehoben, wären es vor allem die Frauen, welche davon deutlich profitieren, da ein Großteil von ihnen im Niedriglohnsektor tätig ist. Und was hat die Politik sonst in dieser Angelegenheit unternommen? Auskunft erhalten wir auf den Seiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Man habe mit einer ausgebauten Kinderbetreuung, dem Elterngeld und Elterngeld Plus und der Familienpflegezeit Maßnahmen ergriffen, die berufstätige Frauen unterstützen. Zudem wurde das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und in im öffentlichen Dienst auf den Weg gebracht. Und dann ist da noch das Entgeldtransparenzgesetz, das es seit Juli 2017 gibt. Es unterstützt die Frauen, indem es ermöglicht, dass Unterschiede in der Bezahlung besser sichtbar werden.
Entsinnen wir uns an eine zentrale Begründung für die niedrigere Entlohnung der Frauen vergangener Zeiten: Ihr Verdienst, so hieß es damals, sei ja nur ein Zubrot zum Einkommen des Mannes. Dieses vollkommen unerträgliche Argument beleuchtet sehr gut eine gesellschaftliche Grundhaltung, in der das Primat des Mannes nur allzu sehr und -tiefst verankert ist. Folglich sind Frauen allenfalls als ein Anhang, stellen eine Ergänzung dar, werden dem männlichen Geschlecht nachgeordnet. Viele Instrumente, Maßnahmen und Gesetze werden noch erdacht und umgesetzt werden müssen, bis sich dies ändert. Die Politik hat sich hier auf den Weg gemacht, ein gutes Stück desselben liegt noch vor ihr, bis die Gleichberechtigung von Mann und Frau in unserer Gesellschaft vollständig erreicht sein wird. Initiativen wie jene, die den Equal Pay Day ins Leben gerufen haben, von ihnen darf es mehr geben. Einfach deshalb, weil die von ihnen ausgehenden Aktionen helfen uns an Disparitäten zu erinnern und unser Augenmerk immer auf etwas lenken, was wir vielleicht sonst nicht als ungerecht empfinden würden. Das nämlich ist notwendig, damit ein Umdenken einsetzt.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Vidal Balielo Jr.
Kinder sind teuer. Das stimmt in der Tat. Bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres kostet ein Kind nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 165.000 €, auf den Monat umgelegt sind das etwa 763 €. Es will also gut überlegt sein, ob aus einer Partner-schaft eine Familie mit Kindern entstehen soll. Setzen wir voraus, dass dies bereits einge-treten ist und besondere Lebensumstände dazu führen, dass ein Anspruch auf staatliche Unterstützung im Sinne eines Unterhalts besteht: Ja, da gibt es Bürgergeld, Kindergeld und sonst? Neue Schulbücher müssen angeschafft werden, eine Klassenfahrt ist zu bezahlen, Nachhilfe von Nöten, die Gebühr für den Sportverein zu begleichen. Auch für diese Fälle stehen Mittel zur Verfügung, aber wie erhält man sie? Vielen Beziehern von Lohnersatz-leistungen ist das nicht klar oder sie sind schlichtweg mit der Antragsbürokratie überfordert.
Das soll sich nun ändern. Stichwort Kindergrundsicherung. Was genau ist das, woraus setzt sie sich zusammen, wer erhält diese Leistung? In einem am 5. März veröffentlichten Artikel der Frankfurter Rundschau auf fr.de wird das sehr gut erklärt. Die Grundidee ist die einer Sammelleistung statt der bisher bereits bestehenden staatlichen Einzelunterstützungen: Kindergeld, -freibetrag und -zuschlag zusammenfassend, ergänzt um Teile des Bildungs- und Teilhabepakets sollen die Kindergrundsicherung ergeben, deren Auszahlung ab 2025 geplant ist.
Der Grundbetrag entspräche den Entwürfen folgend dem Kindergeld, das seit diesem Jahr bei 250 € pro Kind liegt. Diese staatliche Unterstützung wird nicht mit anderen Sozialleistungen verrechnet, steht also fest und ist damit eine bei der Haushaltsplanung verlässlich kalkulierbare Größe. Darüber hinaus gibt es den Zusatzbetrag, der vom Einkommen der Eltern abhängen wird. Er enthält eine Pauschale für Bildung und Teilhabe sowie eine Kinderwohngeldpauschale. Die Kindergrundsicherung steht jedem Mädchen oder Jungen bis zu seinem 18. Lebensjahr zu, je nachdem, ob der Nachwuchs eine Ausbildung macht oder ein Studium absolviert bis zum Alter von 25 bzw. 27 Jahren.
Die Hürde der Beantragung, wird deutlich niedriger sein als bisher, das Verfahren kann über ein Onlineportal erledigt, Einkommensnachweise direkt vom Finanzamt bezogen werden, was den Aufwand für die Antragssteller reduziert.
Die Kosten für die Kindergrundsicherung belaufen sich laut Familienministerin Paus auf zwölf Milliarden Euro. Gestern begann unter anderem auch zu diesem Thema auf Schloss Meseberg eine für zwei Tage geplante Klausur der Koalition. Im Vorfeld machten dabei SPD und Grüne deutlich, wie wichtig ihnen die Umsetzung dieses Entwurfes ist. Finanzminister Lindner kalkuliert im Gegensatz zu seiner Kollegin mit geringeren Kosten im einstelligen Milliardenbereich. Die Erhöhung individueller Leistungen lehnt er ab und unterstellt den beziehenden Eltern, dass diese „in manchen Fällen“ zwar bei den Familien, aber nicht beim Nachwuchs ankommen werden.
Kinder sind teuer und das sollten sie uns auch sein. In einem Land, in dem der der Rentenversicherung zugrunde liegende Generationenvertrag schon lange nicht mehr funktioniert, in welchem das Fehlen von gut ausgebildeten Fachkräften beklagt und Beschwerden über immer schlechtere Schulleistungen vorgetragen werden, kann man sich kaum über all dies wundern, wenn man nicht bereit ist, für das Aufwachsen, die Unterstützung und Bildung der nächsten Generation ausreichend Geld in die Hand zu nehmen. Und auch weil unsere Gesellschaft im Moment immer mehr auseinanderdriftet, erscheint es mehr als notwendig, dass die uns Nachfolgenden bestmöglich auf ein Leben vorbereitet werden, dessen Herausforderungen wir noch nicht einmal ahnen. Alle Kinder und Jugendlichen sind unsere Zukunft, das müssen sie heute fühlen und erleben dürfen um diese später bewusst und sinnvoll gestalten zu können.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Terje Sollie
Es muss etwa um das Jahr 1998 herum gewesen sein. Handys – die deutsche Bezeichnung für Cell Phones, also Mobilfunkgeräte – hatten ihren Weg in den Alltag gefunden. Sie waren schnell recht handlich geworden, die Zeiten der Telefonknochen der ersten Generation in ihren Plastikkoffern bereits Vergangenheit. Kurz vor der Jahrtausendwende fiel mir der zunehmende alltägliche Gebrauch der mittlerweile handlicheren Geräte auf. Ich hatte ein paar Kleinigkeiten bei Tengelmann eingekauft, die ich an der Theke hinter der Kasse einpackte, neben mir stand eine Frau und telefonierte, soweit ich es mitbekam, ging es um das Mittagessen. Ich dachte: „Wie kann man denn soviel Geld für einen so irrelevanten Anlass ausgeben?“, und hatte dabei die damals noch horrenden Gesprächsgebühren im Sinn. „So etwas brauchst du nicht“, dachte ich mir. Im Dezember des gleichen Jahres kaufte ich mein erstes Siemens-Handy. Wie schnell sich doch Einstellungen und Haltungen ändern.
Veränderung ist das Stichwort, und zwar solche, die mit hoher Geschwindigkeit voranschreitet. Seit den Anfangsjahren hat sich die Welt des Mobilfunks weiter und weiter entwickelt, Meilensteine wie der Nokia-Communicator, das Blackberry oder auch die schicken Motorola-Ausklapp-Telefone im StarTrek-Design bleiben unvergessen. Dann kam das Jahr 2007 und Steve Jobs stellte im Juni der Welt die nächste Evolutionsstufe dieser Technik, das iPhone vor. Viele andere Hersteller folgten und das Smartphone hat sich seitdem zum multifunktionalen Alltagsbegleiter entwickelt, mit dem man auch telefonieren kann. Innovation folgte auf Innovation, die neuesten Trends werden heute kontinuierlich bei Hersteller-Keynotes und jährlich auf dem Mobile World Congress, der gestern in Madrid seine Pforten schloss, präsentiert.
Was sind also die aktuellen Trends in dieser Branche? Die kontinuierlich weiterentwickelten Mobilfunkstandards, die eine immer schnellere Übertragung von Daten ermöglichen, standen unter anderem im Mittelpunkt. 5G ist mittlerweile in Deutschland eingeführt, die Telekom – dies war auf tagesschau.de zu lesen – nennt eine Reichweite von 95 Prozent, womit nicht die räumliche Verfügbarkeit der Technik gemeint ist, sondern offenbar der Anteil der Bürger, die diese beim jetzigem Ausbaugrad des Konzernnetzes maximal nutzen könnte. 5G ist enorm schnell und bietet eine Datenübertragungsgeschwindigkeit, die das Festnetz zu überholen beginnt. Auf der Messe allerdings war bereits von 6G die Rede, ein Standard, der wiederum schneller sein wird als sein Vorgänger. Nützliches Extra: Man kann hier Satelliten in die Kommunikation einbinden, was den Nutzer unabhängiger vom Mobilfunknetz macht. Alles, was es dafür braucht, ist ein kleiner Anhänger, den dessen Besitzer mit sich führen und der auch unabhängig vom Handy einen Notruf versenden kann.
Nachhaltigkeit ist in aller Munde und hat auch längst die Elektronikbranche erreicht. So präsentierte HMD Global mit dem G22 ein Smartphone, dass sich gut reparieren lässt und folglich lange Freude bereiten soll. Drei Jahre Garantie und eine Anleitung für Reparaturarbeiten helfen dabei, eine über Jahre währende Lebenszeit für das Gerät zu ermöglichen.
Die Stuttgarter Nachrichten berichteten, dass „Fintech“ eine zunehmend große Rolle spiele und erklärten, dass es dabei um neue und innovative Lösungen und Systeme gehe, mit denen Finanzgeschäfte abgewickelt werden können. Schon heute nutzen wir mit dem Handy verknüpfte Bezahlsysteme wie Apple Pay. Lösungen für den Geldverkehr zum Beispiel im Metaversum, also einer denkbaren Form einer virtuellen Welt, könnten in diesem Bereich ein Thema in der Zukunft sein.
Und auch sonst gab es allerlei Neues an Produkten auf dem Mobile World Congress zu sehen: Lenovo präsentierte ein Notebook mit ausfahrbarem Bildschirm, Akkus aus unterschiedlichen Materialien mit kürzerer Lade- und längerer Laufzeit wurden vorgestellt. Chiphersteller zeigten weiter entwickelte Mikroprozessoren und etliche neue Smartphones konnten bewundert werden. Alles in allem also eine Technologiemesse, auf der zu sehen war, was morgen und in nächster Zukunft auf dem Markt der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten zu erwarten ist. Welche Technologien langfristigen wirtschaftlichen Erfolg versprechen und in unsere Endgeräte und deren Umfeld Einzug halten, wird sich wie immer am Markt entscheiden.
Und ich: Nun, mit meinem aktuellen Telefon bin ich über die Maßen zufrieden, aber wenn der Hersteller meiner Wahl in die Nachfolgemodelle die eine oder andere für mich nutzbringende Technik zusätzlich implementiert, werde ich wahrscheinlich nicht widerstehen können. Von meiner Distanz zu Handys von vor drei Dekaden ist jedenfalls nichts mehr zu bemerken, was kein Wunder ist. Ohne Smartphone ist der moderne Alltag kaum denkbar und nur schwer zu bewältigen, zu groß sind die Vorteile und der Nutzen. Und für den Fall, dass Ihnen Ihr Telefon mal wieder auf die Nerven geht, hier die folgende Empfehlung: Nutzen Sie gerne auch einmal die Abschaltfunktion, noch wurde diese nicht aus den Geräten herausentwickelt.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Francesco Ungaro
Im Jahr 2016 veröffentlichte das Umweltbundesamt eine Broschüre mit dem Titel „Wirkungen von Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen“. Im Resümee des Papiers kann man nachlesen, dass nach damaliger Erkenntnislage diese Geschwindigkeitsbegrenzung an solchen Trassen überwiegend positive Wirkungen hat.“ Mehr Verkehrssicherheit, die Verminderung von Lärm- und Schadstoffemissionen und eine Verbesserung der Aufenthaltsqualitäten seien positive Folgen einer Geschwindigkeitsreduzierung, die Mobilität der Autofahrer werde dabei nicht übermäßig eingeschränkt.
Und 2023? Viele Städte und Gemeinden wünschen sich Tempo 30 in Innenstädten entlang der Hauptverkehrsstraßen. Darüber berichtete im Januar tagesschau.de. Um dies aber umzusetzen, müssen entsprechende Vorschriften geändert werden, sowohl das Straßenverkehrsgesetz als auch die Straßenverkehrsordnung bedürfen zahlreicher Anpassungen. Denn gerade entlang von Hauptverkehrsstraßen können die Kommunen nur unter besonderen Bedingungen einzelne Abschnitte als 30iger-Zone ausweisen. Das ist nicht ausreichend, denn auch dort wohnen und leben viele Menschen.
Insgesamt sind es 380 Städte und Kommunen, die gerne mehr Tempo 30-Zonen einrichten möchten. Große und kleine Orte, sie haben sich über parteipolitische Grenzen hinweg zur Initiative „Lebenswerte Städte“ zusammengefunden. Das Problem, auf das die Veränderungswilligen stoßen, ist die aktuelle Gesetzeslage, die noch aus den Gründungsjahren der Bundesrepublik stammt. Höchste Priorität in jenen Verordnungen hat eine Gewährleistung eines schnellen und ungehinderten Verkehrsflusses.
Das zuständige Bundesministerium reagierte auf die Forderungen aus den Kommunen sehr zurückhaltend: Zu diesem Thema gäbe es eine Arbeitsgruppe, hieß es aus Berlin und man verwies auf den Koalitionsvertrag. Hier habe man festgelegt, dass auch Aspekte wie Umweltschutz, Gesundheit und städtebauliche Konzepte als zu berücksichtigende Faktoren mit in notwendige Gesetzesnovellen einfließen sollen. Ein flächendeckendes Tempo 30, auch auf Durchgangsstraßen, werde es allerdings nicht geben.
Auf Merkur.de konnte man Anfang dieses Jahres nachlesen, was der ADAC Nordbayern davon hält. Während man Tempo 30 in Wohngebieten begrüßt, findet man eine allgemeine Begrenzung der Geschwindigkeit auf diesen Wert problematisch. Gäbe es dann keine „schnellen Hauptstraßen“ mehr und fiele der mit ihnen einhergehende Zeitvorteil weg, so würden Verkehrsteilnehmer kürzere Routen wählen, die dann auch durch Siedlungen führen könnten. Außerdem müsste man alle Programmierungen für die Ampeln anpassen. Besser sei es doch, Alternativen zum Auto attraktiver zu machen und den ÖPNV auszubauen.
Dass es funktionieren kann zeigt das Beispiel Helsinki. Das Ziel „Vision Zero“, d.h. keine Toten und Schwerverletzten in Folge des Straßenverkehrs, wurde dort bereits 2019 erreicht. Den Verkehrsfluss anders zu gestalten, damit hatten die Finnen schon in den 90 Jahren begonnen. Mit dem Bau von Schwellen und Kreisverkehren griff man bremsend ein. 1992 senkte die Stadt die Höchstgeschwindigkeit und seit 2018 gilt Tempo 30. Zudem sind die Wege von motorisierten Verkehrsteilnehmern und solchen ohne diese Unterstützung meist getrennt. Eine Ausnahme bilden große Hauptverkehrsstraßen, auf denen eine Fortbewegung mit 40 km/h erlaubt ist.
Es war ein langer Prozess, nicht ohne Widerstände und Probleme. Und es bedürfte der Kontrolle. Doch der Erfolg der Maßnahmen in Helsinki, er ist unumstritten. Es ist also möglich, Tempo 30 umzusetzen. Schön wäre es, wenn die deutschen Städte die Möglichkeit erhielten, dies einmal in größerem Umfang als bislang möglich auszuprobieren. Die Finnen, sie unterstützen sicherlich gerne beratend, auch unser Bundesverkehrsministerium.
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