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Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Karolina Grabowska
November 2022: Das deutsche Ärzteblatt titelt in der Rubrik Vermischtes: „Zahl der adipösen Kinder steigt“. Dabei bezieht man sich auf Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse: 34 % mehr junge Menschen in der Altersgruppe von sechs bis achtzehn waren 2021 von schwerem Übergewicht betroffen, bei den 15- bis 18-Jährigen konnte gar eine Steigerung von knapp 43 Prozent verzeichnet werden. Die Publikation erklärte die Veränderungen als Folgeeffekte der Lockdowns: Schule zuhause, wenig Bewegung und fehlende soziale Kontakte, das alles habe die Inaktivität der Kinder und Jugendlichen verursacht. Ersatzhandlungen, wie Spiele am Computer mit allerlei Süßwaren, Chips und Softdrinks hätten zu den nun vorliegenden deutlich gestiegen Zahlen der von Adipositas Betroffenen beigetragen.
Gestern berichtete tagesschau.de, dass Bundeslandwirtschafts- und Ernährungsminister Cem Özdemir Werbung für nicht gesunde Lebensmittel verbieten möchte, zumindest zwischen 6 und 23 Uhr. Denn dann versammeln sich an den Rundfunk- und Fernsehempfängern, gerne aber auch vor dem YouTube-bespielten Computerbildschirm die Menschen, um die es Özdemir geht: Kinder und Jugendliche. Allerdings nicht die gesamte Werbung für Süßes und Salziges, gerne auch Fettes, soll in diesem Zeitfenster nicht stattfinden dürfen, wohl aber jene Spots, die explizit auf ein junges Publikum zielen. Auch in Zeitschriften und Zeitungen darf keine diese Gruppe ansprechende Reklame mehr zu finden sein, gleiches gilt für Außenwerbung in der Nähe von zum Beispiel Kindergärten oder Schulen.
Der Minister erntete – das meldete u.a. auch heute.de – für seine Initiative Zustimmung: Sowohl von der Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin als auch von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Schließlich sei Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ein weit verbreitetes und gravierendes Gesundheitsproblem. Ebenso kommt Lob von der Diabetes-Gesellschaft, hier sieht man den Entwurf als einen „Meilenstein“ für die Gesundheit der Kinder.
Politischen Gegenwind gibt es aus der eigenen Koalition und von der Opposition. Die Liberalen weisen Verbote zurück, dass diese nichts brächten, sei doch bekannt. Zudem würde der Staat so unmündige Bürger heranziehen. Aus der CDU ist zu vernehmen, dass man die vorgeschlagenen Maßnahmen als unnötigen staatlichen Eingriff und Bevormundung einschätzt.
Reicht das geplante Reklameverbot aus? Werbung hat sicher eine ganz erhebliche Wirkung auf die Konsumgewohnheiten, sie entfaltet diese auf Kinder sehr direkt und die Mädchen und Jungen geben die Botschaften und die aus ihnen hervorgehenden Konsumwünsche an ihre Altersgenossen unkritisch weiter. Allerdings gibt es noch zusätzliche Faktoren, die das Verhalten der jüngeren Generation beeinflussen: Die eigene Familie ist das erste „Ernährungsumfeld“, dem ein Kind begegnet. Nicht umsonst achten viele Eltern ganz besonders auf einen gesunden und ausgewogenen Lebensmittelmix für ihre Nachkommen, denn was in den ersten Jahren hier angelegt und gelernt wurde, wird nicht so schnell vergessen und manifestiert sich als Vertrautes und Gewohntes. Gelingt es also die Priorisierung gesunden Essens als ein grundlegendes Verhalten bei zukünftigen Generationen nachhaltig zu etablieren, so werden es die dann immer noch durchdringenden Werbebotschaften vielleicht etwas schwerer haben.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Kat Smith
Sich einer Sache langsam entziehen, das kann kaum als neue Form des Verhaltens beschrieben werden, sondern war und ist häufig motiviert von der Intention, etwas zu beenden und dabei den Aufwand einer möglichen Auseinandersetzung möglichst gering zu halten, eine solche vielleicht sogar zu vermeiden.
Wir kennen diesen Trend bereits aus der Arbeitswelt, dort wird er mit dem Begriff „Quiet Quitting“ bezeichnet. Gemeint ist ein sukzessives Zurücknehmen des beruflichen Engagements, indem der Arbeitnehmer nur noch das tut, was wirklich erforderlich ist und vertraglich vereinbart wurde. Darüber hinaus gehendes sich Einsetzen, Überstunden machen und vieles mehr entfallen. Die Motive für dieses Verhalten sind unterschiedlich: Es gibt Menschen, für die eine bessere Balance von Arbeit und Privatem Priorität hat. Ihr Job macht ihnen Spaß, er ist keinesfalls ihr Leben. Dies trifft vor allem auf die Generation Z zu, ist aber über diese Gruppe hinaus ein Trend in der Gesellschaft: Das Private rückt in den Vordergrund, weil das Handeln in diesem Kontext als sinnstiftender und nachhaltiger empfunden wird.
Häufig entsteht „Quiet Quitting“ allerdings auch in einer Übergangsphase von einem Job zum nächsten. Man verabschiedet sich schrittweise, möchte vielleicht wegen des höheren Arbeitslosengeldes oder einer möglichen Abfindung eine Kündigung vermeiden und diese stattdessen dem Arbeitgeber überlassen.
Was können Unternehmen dagegen tun? Die Liste ist lang, sie beginnt bei besseren Gehältern, geht weiter in Richtung mehr Wertschätzung und beruflicher Förderung des Einzelnen. Auch vielfältigere Erholungs- und Gesundheitsangebote oder größere Freiräume für Kreativität können helfen, Mitarbeiter:Innen zu motivieren. Und genau solche Arbeitskräfte benötigen Firmen, persönlicher Einsatz des Einzelnen ist für den gemeinsamen Erfolg unverzichtbar. Vielleicht ist es notwendig, dass der Zusammenhalt, das Vorankommen, das Erreichen von Zielen wieder erlebt wird, ganz besonders der eigene Beitrag dazu. Denn nichts spornt so sehr zum Weitermachen und Tätigsein an, wie die erlebte Verbindung des eigenen Handelns mit einem guten Ergebnis.
Interessant ist nun, dass die Methode des stillen Rückzugs ihren Weg auch in die Welt der Beziehungen gefunden hat. Dieser Trend, bezeichnet mit „Quiet Dumping“ ist quasi eine Analogie zum „Quiet Quitting“, übertragen auf die Gestaltung des Endes einer Liebe.
Wie geht der Trennungswillige vor? Er hat weniger Zeit für den Partner, sagt Verabredungen kurzfristig ab, distanziert sich zunehmend und hofft, dass der andere so frustriert wird, dass die Partnerschaft sich quasi wie von selbst auflöst, man hat sie auslaufen lassen. Der Aufwand also ist gering, der Erfolg der Gewünschte.
Dieses Verhalten kann beim Gegenüber allerdings zu großen emotionalen Schäden führen. „Quite Dumping“ wird zu einer Form von „Gaslighting“, wenn der Gefährte von dem nach einer Trennung Strebenden Glauben gemacht wird, dass dieser sich die empfundene Veränderung nur einbilde, also alles in Ordnung sei. Kommod aus der Sicht des Verlassenden, perfide gegenüber dem Verlassenen.
Gegenmaßnahme: Bemerke ich, dass der andere gehen möchte, muss ihn damit konfrontieren und darf mich nicht davon abhalten lassen. Ein klärendes Gespräch ist unvermeidlich, denn es kann im besten Fall dafür sorgen, dass ein langer und nicht notwendiger Leidensweg vermieden wird. Ist das nicht möglich, dann hilft nur eines: Selbst die Beziehung beenden.
Das Gemeinsame von „Quite Quitting“ und „Quite Dumping“, es ist hoffentlich deutlich geworden. Ungeklärt bleibt die Frage, warum wir nicht mehr bereit sind uns mit den anderen auseinanderzusetzen, sei es nun am Arbeitsplatz oder in unseren privaten Beziehungen. Eine mögliche Ursache könnte die zunehmende Individualisierung in unserer Gesellschaft und das mit ihr einhergehende Voranstellen der eigenen Bedürfnisse sein, vielleicht weil menschliche Gemeinschaft über das engere soziale Umfeld hinaus und damit auch Verantwortung füreinander nicht mehr so erlebt werden wie vormals. Das Empfinden von Zusammengehörigkeit über den Partner und die Familie hinaus macht das erst aus. Sich wieder mehr für andere interessieren und miteinander kommunizieren sind wichtige Bestandteile des Fundaments einer funktionierenden Gesellschaft. Darauf müssen wir unser Leben bauen können, wenn wir aktuelle Schwierigkeiten und zukünftige Probleme lösen wollen, es geht nur gemeinsam.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Burak The Weekender
Militärisches Kräftemessen ist rein wirtschaftlich betrachtet, im Besonderen für die Rüstungsindustrie, ein mehr als einträgliches Geschäft. Davon zeugen die Aktienkurse der in diesem Bereich tätigen Unternehmen. Tagesschau.de meldet eine Verdopplung des Wertes der Rheinmetallaktie seit dem Beginn des Ukrainekonfliktes. Der Unternehmensgewinn sei nach ersten Schätzungen um 20 % gestiegen. Andere Firmen aus dieser Branche haben zurzeit ebenso sehr gute Betriebsergebnisse vorzuweisen.
In der Folge des Ukrainekrieges kam es bei vielen Staaten zur einer verstärkten Neuausrichtung der Verteidigungspolitik. Aber auch die Spannungen zwischen den USA und China werden als beunruhigend empfunden. Man ist bereit zusätzliches Geld für Rüstung auszugeben und damit sind nicht nur die 100 Milliarden Sondervermögen gemeint, die der Bund dafür zur Verfügung stellt. Insgesamt hat sich das Sicherheitsbedürfnis in vielen Ländern erhöht und damit ist eine Zunahme bei den Verteidigungsbudgets der entsprechenden Staaten zu verzeichnen. Auch nach dem Krieg, so bemerkt Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut, werde die Rüstungsindustrie davon profitieren.
Die Entscheidung, sie liegt also beim Anleger: Ist es für ihn moralisch vertretbar, sein Geld in große Gewinne versprechende Papiere von Rüstungsunternehmen zu investieren? Die Wirtschaftsseite Finment – kurz für Financial Investment – beschäftigt sich in einem aktuellen Artikel mit den Top 7 der Rüstungsaktien. Eine Betrachtung der eben gestellten ethischen Frage wird darin keinesfalls umgangen, im Gegenteil: Der Autor verweist darauf, dass viele Privatinvestoren keine Kriegsgewinne einstreichen möchten. Folglich beachten etliche Fonds und ETFs genau diesen Wunsch.
Ganz so einfach ist es aber nicht: Zahlreiche Unternehmen stellen Produkte her, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können, man spricht hier von „Dual-Use-Gütern“. Beispiele für solche Firmen sind einige Flugzeughersteller, aber auch Produzenten von Turbinen und LKWs. Und da die meisten modernen Waffen elektronisch gesteuert werden, ist auch dieser Industriezweig zumindest indirekt involviert.
Die Entscheidung, wie man sein Geld anlegen möchte, bleibt eine individuelle. Solange die ESG- oder auch Nachhaltigkeitskriterien den privaten Investor bei der Umgehung von Geldanlagen im Rüstungsgeschäft unterstützen und nicht bereits Veränderungen erfahren haben, sind sie noch eine Hilfe. Finment.com weist allerdings darauf hin, dass mit einer Neuausrichtung der Politik zurück zum „Gleichgewicht der Abschreckung“ eben diese Kriterien von Investoren und Kreditgebern, was die Frage der Waffengeschäfte angeht, zwischenzeitlich angepasst wurden und werden. Geld anzulegen, will man nicht von Kriegen und den aus ihnen resultierenden Unternehmensgewinnen profitieren, wird folglich zur komplexeren Aufgabe.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Dom J
Der Mann heißt Raffelhüschen, er ist Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Freiburg und sein Vorschlag, die Eigenbeteiligung der gesetzlich Versicherten an deren Kosten für Medikamente, Behandlungen usw. auf bis zu 2.000 Euro jährlich festzusetzen, sorgte gestern in den Medien für Aufsehen. Darüber berichteten am Donnerstag tagesschau.de, das Redaktionsnetzwerkdeutschland und weitere Medien.
Dabei hat der Experte aus dem Südbadischen einen guten Grund, sich mit der Thematik zu beschäftigen: Tut man nichts – so der Ökonom – würden die zunehmenden Kosten des Gesundheitswesens dafür sorgen, dass der Beitragssatz von heute durchschnittlich 16 % auf bis zu 22 % des Bruttolohnes der gesetzlichen Versicherten steigt. Bereits für das Kalenderjahr 23 ist ein Defizit der von 17 Milliarden Euro zu erwarten, laut dem Münchner Merkur kann man von einer jährlichen Steigerung der Kosten im Gesundheitswesen um 0,3 Punkte ausgehen.
Die praktische Umsetzung: Gesetzlich Versicherte erhalten eine Rechnung von ihrem Arzt, die sie dann – wie Privatpatienten es bereits tun – bei ihrer Krankenversicherung einreichen. Diese erstatten dann die Kosten, ziehen allerdings die Eigenbeteiligung ab. Geringverdiener sollen entsprechend ihres Einkommens Zuschüsse erhalten. Und Menschen, die gesundheitliche Risiken eingehen, sei es nun, weil sie bestimmten, für die Gesundheit nicht ungefährlichen Sportarten nachgehen oder beispielsweise rauchen, sollen entsprechend des Gefahrengrades ihrer Hobbys zusätzlich zur Kasse gebeten werden.
Und was denkt der Gesundheitsminister, der unlängst in einem Gespräch mit dem Handelsblatt äußerte, dass Versicherte mit einer Beitragserhöhung aufgrund der Kostenentwicklung rechnen müssten? Der Tagesspiegel zitiert ihn mit den Worten: „Für Uniprofessoren wie Herrn Raffelhüschen oder mich wären diese Vorschläge bezahlbar. Für die große Mehrheit der Bevölkerung geht das nicht.
Womit der Minister Recht hat. Schauen wir noch einmal genau hin. Der gesetzlichen Sozialversicherung, deren Einführung in Deutschland noch im Kaiserreich begonnen hatte und die in den folgenden Jahrzehnten weiterentwickelt und ausgebaut wurde, liegt das Prinzip der Solidargemeinschaft zugrunde. Dass man versucht, kostensparend zu arbeiten und mögliche Einsparpotentiale nutzt, versteht sich von selbst. Diese sind aber, und das ist keine Neuigkeit, eher gering. Bevor jetzt Modelle der Eigenbeteiligung bei gesetzlichen Versicherten angedacht werden, wäre zu überlegen, ob man nicht diejenigen, die sich zurzeit außerhalb der Solidargemeinschaft befinden, zunächst einmal dorthin verbringt. Eine Krankenversicherung für alle beispielsweise, in die auch die wirtschaftlich leistungsfähigeren Bürger eingebunden sind, könnte ein solches Modell sein.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Karolina Grabowska
Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag … Wochenende. Wovon noch viele Arbeiter und Angestellte träumen und was manchen Unternehmern die Sorgenfalten auf die Stirn treiben mag, kann durchaus bald Realität in der Arbeitswelt sein. Glaubt man den in dieser Woche veröffentlichten Ergebnissen eines Modellversuchs in Großbritannien – hier hatten 61 Unternehmen auf den 5. Arbeitstag in der Woche verzichtet – so sind die Effekte einer solchen tiefgreifenden Änderung des gewohnten Arbeitszeitmodells durchgehend positiv. Darüber berichteten am 21. Februar 2023 tagesschau.de, stern.de und der Spiegel, ebenso CNN.
Schauen wir zunächst, was Chefs, deren Firmen an dieser Studie teilnahmen, zurückzumelden hatten: Die Mitarbeiter waren ausgeruhter und motivierter. Dies führte zu einer höheren Produktivität. Zudem war die Zahl der Fehltage signifikant zurückgegangen, um 65 Prozent. Ebenso fielen weniger Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum aus. Entscheidend auch: Ein Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber kam weniger oft in Frage, der Anteil derer, die eine Firma verließen, nahm um 57 % ab. Und wirtschaftlich scheint das Modell mehr als tragfähig, denn 56 der beteiligten Unternehmen wollen bei der Vier-Tage-Woche bleiben.
Insgesamt gelang es den Unternehmen ihre Produktivität zu erhalten, diese zum Teil sogar zu steigern. Wie man das Ziel erreichte? Meetings wurden verkürzt und mehr Zeiten für konzentriertes Arbeiten geschaffen. Bei einem ähnlichen Versuch in Island, auch hier bewährte sich die Arbeitszeitverkürzung, fanden Optimierungen bezogen auf den einzelnen Arbeitsplatz und dessen Erfordernisse statt, so verteilte man Aufgaben neu oder modifizierte beispielsweise den Schichtbetrieb.
Und die Mitarbeiter? Sie waren im Durchschnitt 32 Wochenstunden beschäftigt, verteilt auf 4 Tage. In manchen Unternehmen verlängerte man das Wochenende, in anderen wurde der zusätzliche freie Tag innerhalb der Woche gewährt. Die befragten Arbeitnehmer, sie freuten sich über das Mehr an freier Zeit, die sie für sich und ihre Familien nutzen konnten. Besonders Eltern waren begeistert, da sie nun mehr Zeit hatten für ihre Kinder da zu sein. Das ist in Großbritannien auch von Vorteil, da die Betreuung des Nachwuchses mit erheblichen Kosten verbunden ist. Und sonst: Die Hausarbeit konnte auf den zusätzlichen freien Tag verlegt oder neuen Hobbys nachgegangen werden.
Es scheint also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu sein, wenn ein Arbeitstag in der Woche gestrichen wird. Ist der Weg in die 4-Tage-Woche realistisch, ist er ein für alle Unternehmensformen langfristig erreichbares Ziel, auf das hinzuarbeiten sich lohnt, wie kann man die kürzere Woche in sozialen, erzieherischen und medizinischen Tätigkeitsbereichen adäquat abbilden? Versuche auch anderswo in der Welt haben gezeigt: Es finden sich Wege einer gelungenen Umsetzung, wenn man es ernsthaft versucht. Die Ergebnisse aus England und sonstigen Ländern machen Mut in diese Richtung zu denken. Und hält die technologische Entwicklung weiter ihre Geschwindigkeit aufrecht, dann müssen wir unsere Arbeits- und Lebensorganisation in vielen Bereichen ohnehin neu überdenken. Wäre es nicht wunderbar, wenn ein Teilergebnis dieses Prozesses ein Mehr an Freiheit des Einzelnen und damit ein Plus an Zeit für ein selbstbestimmteres Leben und die Zuwendung zu unseren Mitmenschen wäre?
Foto von Tracy Le Blanc
Twitter hat es unlängst vorgemacht: Wer einen verifizierten Account mit dem entsprechenden blauen Häkchen im Profil haben möchte, die Option wünscht seine Tweets innerhalb von 30 Minuten überarbeiten zu können, das Hochladen längerer Videos in besserer Qualität als Mehrwert sieht, das Bedürfnis hat seinen Account mit einer SMS-basierenden Zwei-Faktoren-Authentifizierung abzusichern und für den weitere zusätzliche Funktionen des Paketes „Twitter Blue“ interessant sind, zahlt 8 Dollar pro Monat oder im Jahr 84 Dollar. Damit ist ein Bezahlmodell in die Welt der sozialen Netzwerke gekommen.
Nun zieht der Meta-Konzern nach, bestimmte Funktionen der Dienste Facebook und Instagram werden kostenpflichtig, das Produkt um das es geht, trägt den Namen „Meta Verified“: Auch hier steht das Häkchen als Zeichen eines überprüften und somit legitimierten Accounts ganz weit vorne im Pflichtenheft des Bezahlfeatures, ein unmittelbarer Zugang zur Kundenbetreuung und eine Funktion, die vor Nachahmer-Profilen schützen, gehören auch zu dem Paket, das jetzt zuerst in Australien und Neuseeland zur Verfügung stehen wird. Es kostet monatlich 11.99 Dollar, für Nutzer eines iPhones wird es teurer, da hier Apple bei der Buchung des Dienstes über den Appstore eine Gebühr von 30 % verlangt, die Meta über den höheren Preis refinanziert. Darüber informierten am Montag das Manager Magazin, die Tagessschau, die Neue Züricher Zeitung und weitere Newsseiten im Internet.
Plötzlich also existieren in dem gelobten und vom wirtschaftlichen Erfolg verwöhnten Land der sozialen Netzwerke Bezahlmodelle. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Man braucht Geld. Die Erträge aus dem Online-Werbemarkt haben sich signifikant verringert, hinzukommend stellen die Privatsphäreoptionen, die Geräte von Apple ermöglichen und von denen deren Nutzer gerne Gebrauch machen, ein Problem dar, da nun Online-Werbemodelle nicht mehr so gut und reibungslos funktionieren.
Im Manager-Magazin wird Meta-Chef Zuckerberg zitiert, der anlässlich der Entlassungswelle im November 2022, bei der 13.000 Stellen gestrichen wurden, auf einen Wirtschaftsabschwung, zunehmenden Wettbewerb sowie zurückgehende Werbeeinnahmen verwies und damit deutlich machte, dass Kosten gesenkt werden müssen. Mit dem jetzt eingeführten Produkt „Meta-verified“ will der Konzern also zusätzlich Geld verdienen. Auf stock3.com schreibt Autor Sascha Gerhard dazu, dass wenn Gebühren erst einmal etabliert wurden, der Weg zu kostenpflichten Premiuminhalten sicher nicht mehr weit sei. Die ehemals ausschließlich auf Werbung aufbauenden Geschäftsmodelle der Sozialen Netzwerke gehen nun also in eine andere Richtung.
Die Seite Lynxbroker.de denkt im Rahmen ihrer Berichterstattung vom Montag über mögliche Vorteile der Abomodelle nach, vielleicht sei die Verifizierung ein Mittel um sich gewisser Fehlentwicklungen in diesem Bereich wie Falschmeldungen, Fake-Accounts und dem zum Teil unfreundlichen Umgangston zu entledigen. Zudem würden die wirtschaftlichen Zuwächse durchaus deutlich ausfallen: Entschieden sich nur 3 % der Kunden für das neue kostenpflichtige Modell, so ergäbe sich eine Steigerung des Gewinnes von ca. 50 Prozent bei diesen Diensten rechnet der Autor des Artikel vor.
Zusammenfassung: Finanzielle Ausfälle durch ein sich verändernden Werbemarkt kompensieren und zusätzliche Einnahmen schaffen, die für den Konzern gar keinen oder nur einen geringen zusätzlichen Aufwand bedeuten, das ist also der Kurs von Meta. Bislang betreffen die Änderungen nur Facebook und Instagram, wann wird WhatsApp folgen?
Der Trend, bislang vorhandene Angebote etwas auszubauen oder umzugestalten, ihren Mehrwert aber hervorzuheben und diesen damit in die Welt der Monetarisierung zu überführen, ist nicht neu. Ich entsinne mich, wie Anfang der Neunziger Jahre der eigentlich werbefinanzierte britische Sender Sky One, auf dem ich wöchentlich die neusten Star-Trek-Folgen anschaute, plötzlich verschlüsselt und sein Empfang damit kostenpflichtig wurde. Die Werbung allerdings lief dort dennoch weiter. Ähnliches gilt für das Privatfernsehen in der Bundesrepublik: die Programmvarianten in HD oder 4K sind nicht frei empfangbar, auch hier greift nun ein Abomodell, Werbung gibt es weiterhin reichlich.
Es kommt darauf an, ob der Konsument in einem veränderten Angebot – und sei die Modifikation auch noch so gering – den vielzitierten Mehrwert für sich zu erkennen vermag. Ob der wirklich vorhanden ist, sollte man allerdings genau prüfen, bevor man sich dazu entschließt, nun ein zahlender Kunde zu werden.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Nikolaos Dimou
Es ist schon erstaunlich, dass man sich manches Datum nicht merkt oder zumindest notiert, obwohl ein damit verbundenes Ereignis durchaus im eigenen Leben von großer Bedeutung ist. Aufgehört habe ich vermutlich irgendwann in den Wintermonaten 2018, dies lässt sich in der Tat mithilfe meiner Amazon-Bestellhistorie nachvollziehen. Im Spätsommer hatte ich noch einen durchaus wertigen und teuren Verdampfer bestellt, von dem ich weiß, dass ich ihn nur wenige Monate verwendet habe. Und eigentlich wollte ich mir das Rauchen auch gar nicht abgewöhnen, irgendwie geschah es unter Verwendung des Vaporizers fast unmerklich, pöh a pöh ließ das Bedürfnis nach und dann – wirklich ganz urplötzlich – fand ich mich im Land der Nichtraucher wieder. Warum ich diese Geschichte überhaupt erzähle? Das Vapen war es, das mir den Weg in ein Leben ohne diese Abhängigkeit ermöglich hat. Dennoch gibt es keinen Grund, auf diese Art des Zigarettenersatzes ein hohes Lied zu singen.
Warum? Vaporizer haben mittlerweile eine zahlreiche Anhängerschaft gefunden. Dies an sich ist unproblematisch und wer raucht oder dampft, der entscheidet das als mündiger Mensch für sich selbst. Problematisch wird es dann, wenn sich die Schwelle für den Einstieg ins vermeintlich gesündere Genießen durch diese Geräte altersmäßig nach unten verschiebt und mit Vapes, günstigen elektronischen Einwegverdampfern, Menschen erreicht werden, für die das Rauchen gar nicht in Frage käme.
Aufmerksam wurde ich auf dieses Thema durch einen Artikel auf heute.de. Neu ist nicht die fruchtige Geschmacksvielfalt der Liquids bei e-Zigaretten. Überraschend hingegen sind ihre mir vollkommen entgangene Allgegenwärtigkeit und ein kunterbuntes Design, welches sie wie harmloses Spielzeug oder ein modisches Accessoire wirken lässt. Fünf Millionen der Einwegverdampfer werden monatlich verkauft, in der Gruppe der jüngeren Menschen im Alter von 14 bis 24 ist ihre Nutzung im letzten Jahr merklich angestiegen.
Im September 2021 beschäftigte sich stern.de mit diesem Thema am Beispiel der Elf Bars. Christina Schadt, sie arbeitet bei der Fachstelle für Suchtprävention Berlin, erklärt in dem Online-Artikel, dass die bunten und in diversen Geschmacksrichtungen erhältlichen Vapes von Erwachsenen häufig gar nicht als solche erkannt werden würden. Rund 600 Züge enthalte eine derartige E-Zigarette und sei im Vergleich zu einer Schachtel herkömmlicher Glimmstängel mit einem Preis von sieben bis zehn Euro deutlich günstiger.
Das Problem also ist offensichtlich. Die Elf Bars und ihre Konkurrenten, beworben werden sie unter anderem auch von sogenannten Influencer, sind für ein jüngeres Publikum attraktiv, erschwinglich, an vielerlei Orten zu erhalten und versprechen einen unmittelbares und unkompliziertes Rauchvergnügen. Expertin Schadt weist darauf hin, dass hier junge Menschen an das Rauchen herangeführt werden, die das sonst nicht täten.
Schaut man sich die Konsequenzen des Konsums der Einwegzigaretten an, so sind hier besonders zwei Aspekte zu beleuchten: Die Folgen für die Umwelt sind erheblich. Haben die Vapes ausgedampft, so sind sie beim Wertstoffhof als Elektroschrott abzugeben. Das geschieht kaum, der nächste Abfallbehälter und damit eine nicht fachgerechte Entsorgung wird von den meisten e-Rauchern bevorzugt. Somit entsteht, denkt man alleine an die Batterien, ein erheblicher Schaden für die Umwelt.
Und dann ist da die Frage nach den gesundheitlichen Folgen. Experten aus Medizin und Wissenschaft warnen vor dem enthaltenen Nikotin und dessen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System des Menschen. Zudem seien die Langzeitfolgen der inhalierten Aerosole noch nicht geklärt. Propylenglykol zum Beispiel wirkt entzündlich und gentoxisch.
War das Dampfen für mich der Einstieg in den Ausstieg, so scheint sich das Blatt jetzt doch gewendet zu haben und für Menschen jüngerer Generationen sind die gut verfügbaren, farbenfrohen und geschmacksintensiven Vapes der Startpunkt in eine Abhängigkeit, gerade auch für jene Personengruppe, für die eine klassische Zigarette gar nicht in Frage gekommen wäre.
Christina Schadt fordert, so wird sie auf heute.de zitiert, die Umsetzung folgender aus ihrer Sicht wirksamer Gegenmaßnahmen: ein Verkaufsverbot oder eine starke Einschränkung der Verfügbarkeit, das Entfallen jeglicher Werbung und die Erhöhung der Preise. Darüber hinaus sei es besonders wichtig, immer wieder mit den Jugendlichen über die Themen Dampfen und Rauchen im Gespräch zu sein. Als langjähriger Raucher und vorübergehender Nutzer eines Vaperizors stehe ich hier gerne zur Verfügung und kann bereitwillig von den Folgen berichten, die der Jahrzehnte währende Konsum von Zigaretten in meinem Körper hinterlassen hat.
Foto von Ksenia Chernaya
Bisher waren sie im Durchschnitt 12 Zentimeter lang, doch dieser Mittelwert, erforscht und bestimmt vor mehreren Dekaden, er trifft nicht mehr zu. Unlängst publizierten Wissenschaftler der Standford University eine Studie, aus der hervorgeht: der erigierte Penis ist in den letzten 30 Jahren um 24 Prozent gewachsen, die Länge des Geschlechtsorgans liegt im Mittel nun bei 15 Zentimetern. Darüber berichtete vor kurzem das Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Alles rund um diese Untersuchung wurde im „World Journal for Men´s Health“ veröffentlicht und ist dort für jederlei Geschlecht nachzulesen. Gründe für ein solches Forschungsprojekt, dass das männliche Glied genauer in den Blick nimmt, gibt es ausreichend: Die Anzahl von gesundheitlichen Auffälligkeiten im Zusammenhang mit dem männlichen Reproduktionsapparat ist in den letzten Jahren gestiegen: es befinden sich weniger Spermien in einem Samenerguss, eine zunehmende Anzahl nicht richtig ausgebildeter Geschlechtsorgane wurde festgestellt, ebenso ein Rückgang des Testosteronspiegels und mehr Männer als zuvor sehen sich mit der Diagnose Hodenkrebs konfrontiert.
Es schien also geboten, genauer nachzuschauen. Kernfrage der wissenschaftlichen Arbeit: Wie hat sich in den letzten 30 Jahren die Penislänge entwickelt? Dies wurde nicht nur auf einer Zeitachse, sondern auch geografisch differenziert untersucht. Dabei kam heraus: Während sich bei erschlafften oder gestreckten Organen keine signifikanten Veränderungen feststellen ließen, hat sich die Länge des erigierten Penis um etwa 3 Zentimeter vergrößert. Darüber hinaus konnte durch die Studie nachgewiesen werden, dass Unterschiede bei der Länge des steifen Gliedes festzustellen sind, wenn man die Ergebnisse geografisch differenziert auswertet: Führend ist hier der Raum rund um Australien, es folgen Südamerika und Afrika.
Die Gründe für die festgestellte Veränderung seien, so die Autoren der Studie, noch ungeklärt. Ursache könnte ein früheres Wachstum in der Pubertät sein, dass sich dann in einem längeren erigierten Penis manifestiert. Auch unser steten Wandlungen unterliegender Lebensstil und die Aufnahme von hormonveränderten Substanzen sind als Ursache für das gemessene Längenwachstum denkbar.
Wir leben in einer Umwelt, welche wir ohne Unterlass und Unterbrechung verändern, ganz nach unseren Bedürfnissen und Wünschen. Dabei experimentieren wir mit Verfahren und Substanzen, die in ihrer Anwendung Folgen haben können, die wir abzuschätzen überhaupt nicht in der Lage sind. Jede Manipulation dessen, was uns umgibt, sie erreicht unweigerlich alle Organismen, und folglich auch uns. Und das nicht ohne Konsequenzen. Es steht zu befürchten, dass die Meldung über die nun längeren Penisse deshalb per se keine gute Nachricht ist.
Foto von Markus Spiske
Im Jahr 2022 – so erfahren wir von heute.de – kamen 250.000 Flüchtlinge zusammen mit etwa einer Million Ukrainern in die Bundesrepublik Deutschland. Und der Strom von Menschen, die nach einem Platz suchen, an dem sie ohne Terror, Verfolgung, Unterdrückung oder Krieg einfach nur leben können, er reißt nicht ab. Deshalb fand heute ein Flüchtlingsgipfel statt, Innenministerin Faeser hatte dazu eingeladen, Vertreter der Länder und Kommunen trafen mit ihr zusammen auf der Suche nach Lösungen für die mitgebrachten Probleme, auf deren Bewältigung sie als Ergebnis des Zusammenkommens hoffen. Dabei ging es um Geld, Raum, Ressourcen, Bildung, Integration und vieles mehr.
Ganz weit vorne stand die Frage der Unterbringung von Flüchtenden, die Kapazitätsgrenzen in den einzelnen Bundesländern seien überschritten. Darüber berichtete gestern tagesschau.de und zeigte am Beispiel verschiedener rheinland-pfälzischer Städte, womit die Kommunen hier zu kämpfen haben. Hauptproblem: Es kommen zu viele Menschen. Man ist durchaus willens sie aufzunehmen, zu helfen. Die Kommunen tun mehr, als sie müssen, nehmen eine größere Zahl an Flüchtenden auf als Quoten vorgeben. Alle Unterbringungsmöglichkeiten vom Containerdorf bis zu umgewidmeten ehemaligen Hotels und Altenheimen sind ausgeschöpft.Und das Land schickte weitere Menschen, wohin mit ihnen?
Selbst wenn Lösungen für eine menschenwürdige Unterbringung der Vertriebenen gefunden werden sollten, sind damit die Probleme der entwurzelten und durch die Situation in ihren Heimatländern und infolge ihrer Flucht traumatisierten Menschen nicht gelöst. Es bedarf der Betreuung der Geflüchteten, medizinisch, psychologisch. Sie benötigen Integrations – und Sprachkurse um einen ersten Schlüssel in der Hand zu haben, mit dem sie sich in ihrer neuen Heimat verständigen und Türen öffnen können. Und die Kinder, sie müssen zur Schule, die Sprache lernen, ankommen, Freunde finden, eine herausfordernde Aufgabe für Lehrer und Schulsozialarbeiter, deren Belastbarkeitsgrenze längst überschritten ist.
Was durfte man erwarten? Geld, so sagte die Ministerin im Vorfeld, werde erst rund um Ostern ein Thema sein, wenn die Regierungschefs der Länder mit dem Kanzler zusammentreffen werden. Für das aktuelle Jahr seien bislang 2,75 Milliarden Euro vereinbart worden. Ob das reichen wird, ist fraglich und welche Hilfe ist dann vom Bund zu erwarten?In einem Gespräch mit dem ARD-Morgenmagazin teilte Faeser mit, dass das Thema Unterbringung – Grundstücke, Wohnung, erleichterte Baugenehmigungsverfahren – ganz weit vorne auf der Agenda stünde. Auch Fragen, die das Bildungswesen berühren, müssten auf den Tisch. Aus den Kommunen hörte man im Vorlauf des Gipfels, dass es wohl ohne weiteres Geld nicht gehen würde.
Die Ergebnisse, sie liegen nun seit Donnerstagnachmittag vor und entsprechen dem, was man erwarten konnte. Vor Ostern kein zusätzliches Geld, eine engere Zusammenarbeit aller, wenn es um Fragen der Unterbringung geht. Und von einem Dashboard ist die Rede, das die aktuelle Zahl der Flüchtlinge in den einzelnen Regionen des Landes abbilden soll. Arbeitskreise werden eingerichtet, die sich mit Teilbereichen der Flüchtlingsproblematik genauer auseinandersetzen und Lösungsvorschläge erarbeiten sollen. Die Ergebnisse erreichen damit gerade das Niveau des Erwartbaren, tagesschau.de zufolge ist so auch der Präsident des Deutschen Landkreistages Sager mit all dem nicht zufrieden und verweist erneut auf einen dringenden Entlastungsbedarf auf Seiten der Kommunen.
Zweierlei scheint grundsätzlich wichtig: Für die Menschen, die zu uns kommen, soll es die Möglichkeit geben, hier gut leben zu können. Darum müssen sich alle Beteiligten bemühen und dem Bund kommt in diesem Kontext eine besondere Verantwortung zu, die er nicht einfach auf Länder und Kommunen abwälzen kann. Es braucht mehr Geld, es braucht mehr Sachmittel, Hilfen zur Integration und vieles mehr. Und dann ist da der andere Aspekt, der bei jeder Flüchtlingsbewegung eine Rolle spielt: Was kann getan werden, um die Lebensumstände, die die Menschen zur Flucht aus ihren Heimatländern bewegen, in irgendeiner denkbaren Form zu verbessern. Hier bedarf internationaler Anstrengungen, die eine Zusammenarbeit erfordern würden, die von einem gemeinsamen Interesse und einer entsprechenden Richtungsentscheidung aller Länder getragen sein müsste. Dieser Weg der Kooperation ist im Moment noch nicht einmal am Horizont sichtbar.
Foto von Pixabay
Er wolle, so berichtet sportschau.de, ein Leben in Freiheit, ohne Vorurteile, ohne Gewalt aber mit Liebe führen. Die Rede ist von Jakub Janktu, 27 Jahre alt, der Mann spielt Fußball bei Sparta Prag. Und er sei, so ließ der Spieler über die sozialen Medien verlauten, homosexuell und wolle sich nicht länger verstecken. Ein Outing also, aber kein alltägliches, wenn man denn überhaupt den Begriff der „Alltäglichkeit“ auf ein solch außergewöhnliches Ereignis im Leben eines Menschen anwenden mag.
Besonders, dass ein aktiver Fußballer einen derartigen Schritt geht. Diese Entwicklung ist neu, wie die Sportredaktion der ARD uns wissen lässt: 2021 Josh Cavallo aus Australien, 2022 der britische Spieler Jake Daniels. In der Welt der Stadien, Tore und der Ligen diesen Schritt zu gehen und dann bei nächster Gelegenheit wieder auf dem Rasen zu stehen, das darf als mutig gelten. In einem Beitrag zum gleichen Thema des Redaktionsnetzwerks wird Cavallo zitiert, der von homophoben Beleidigungen bei Spielen nach seinem Outing berichtet und fordert „diese Leute zur Rechenschaft zu ziehen.“ Fußball gilt als „harter Männersport“, die zunehmende Selbstverständlichkeit und Akzeptanz sexuell diverser Orientierungen in vielen Ländern Westeuropas hat es bis dorthin noch nicht geschafft.
Homosexualität in der Welt der Athleten scheint weiterhin ein Problem zu sein. Die Zeit berichtete unlängst von einem Sportstudenten. Dieser war aus der schwäbischen Provinz nach Köln gekommen um zu studieren. Und er erfuhr dort – entgegen jeglicher Erwartung, die man an die tolerante Stadt am Rhein und das Leben in der Welt der Universität überhaupt hat – Ablehnung in der sozialen Blase der Sportstudenten.
Wenn das so ist, Schwulsein also in diesem Bereich der Gesellschaft nicht offen gezeigt werden darf, dies im Fußballspitzensport dazu führt, dass es zu unverblümten Diskriminierungen kommt, dann besteht wohl noch ein mehr als erheblicher sozialer Entwicklungsbedarf in unserer Gesellschaft.
Ein Beispiel, das Hoffnung macht, ist der englische Athlet Tom Daley. Schon vor langer Zeit Zeit veröffentlichte der Sportler im Alter von 19 Jahren ein Video, in dem er sich selbst outete. Seiner Karriere tat das keinen Abbruch, 2021 gewann er bei den Olympischen Spielen eine Goldmedaille, er lebt zusammen mit seinem Mann, einem amerikanischen Filmemacher und dem gemeinsamen Adoptivsohn in London. Daley nutzt jede mediale Möglichkeit, sich für die LGBTQ+ Community einzusetzen und gibt damit ein enorm positives Beispiel, er macht damit allen inner- und außerhalb der Sportwelt Mut, die gesellschaftliche Ausgrenzung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erleben.
Zwischen 5 und 10 Prozent, präzisere Zahlen liegen nicht vor, der Menschen in einer Gesellschaft sind nicht heterosexuell. Sie machen früh die Erfahrung, dass ihr Anderssein nicht erwünscht und allenfalls geduldet wird. Der Weg durch die Schule kann ein Martyrium sein, häufig eröffnet ein Auszug von zuhause bedingt durch den Eintritt in die Berufs- oder Universitätswelt ein selbstbestimmtes Dasein in einem hoffentlich toleranteren Umfeld. Es ist unfassbar schade, dass Lebenswege heute noch so verlaufen müssen. Wenn also etwas dafür getan werden kann, dass die Akzeptanz zunimmt, dann braucht es dafür Menschen, die sich zeigen, die durch ihr Beispiel deutlich machen, dass eine andere sexuelle Orientierung für unsere Gesellschaft keine Bedrohung, sondern diese unbedingt ein Zugewinn ist, sie vielfältiger macht. Neben anderen Prominenten haben sich die genannten Sportler, zuletzt eben Jakub Janktu, deshalb auf den Weg begeben. Dafür kann haben wir ihnen zu danken.
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