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86 Milliarden Nervenzellen, rund 473 Billionen Verbindungen: Für Prof. Dr. André Frank Zimpel ist das menschliche Gehirn die komplexeste Materie, die die Wissenschaft im Universum kennt, und deshalb gleicht keines dem anderen. Der Psychologe und Sonderpädagoge lehrt an der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Lernen und Entwicklung und ist dort wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Neurodiversitätsforschung. Mit Podcast-Host Oliver Kemmann spricht er über sein Buch „Wahnsinnig intelligent", über ADHS, Autismus und Synästhesie und über die Frage, warum wir Maschinen so bereitwillig intelligent nennen und Menschen so schnell dumm. Wer hier als dumm gilt, sitzt oft einfach in der falschen Umgebung!
Die Frage, die André bis heute antreibt, stellte er sich schon im Vorschulalter: Warum schaut er ausgerechnet aus sich selbst heraus und aus niemand anderem? Antworten suchte er in Kunst und Wissenschaft und landete im Grenzgebiet zwischen beiden, dort, wo die Beobachtung von außen endet und die Introspektion beginnt. Seine Antwort heute: Ein Gehirn ist so komplex, dass es sich statistisch kein zweites Mal bildet, bevor das Universum den Kältetod stirbt. Neurodiversität nennt er deshalb „eine der sichersten Tatsachen, über die die Wissenschaft verfügt".
André kennt das Thema aus erster Hand. Als Synästhet sieht er Buchstaben, Zahlen und Wochentage in Farben und schmeckt Tonintervalle, ein Keyboard ersetzt ihm also durchaus das Buffet. Das leise Popcornrascheln fünf Reihen weiter kostet ihn dafür jeden Kinofilm.
Neurodivergent ist für André eigentlich jede und jeder. Als neurodivergent gelesen werden allerdings die Menschen, die Neuronormen, also unausgesprochene Erwartungen an Aufmerksamkeit, Verhalten und Kommunikation, nur einhalten können, indem sie sich bis zur Erschöpfung verbiegen. Bei ADHS zeigt das Ruhe-EEG eingestreute Theta-Wellen wie kurz vor dem Einschlafen. Die Hyperaktivität, sichtbar oder als wilder Tagtraum nach innen gekehrt, hält wach. Das Defizit sieht André deshalb in der Umgebung: Sie ist „zu unspannend, weil sie auf neurotypische Menschen vorbereitet ist".
Beim Thema KI wird André deutlich. Ein Eichhörnchen hält er für intelligenter als jede Maschine, die wir künstlich intelligent nennen. KI ist für ihn eingefrorene, kooperative Intelligenz vieler Menschen und in Logik unschlagbar; Programme, an denen er früher monatelang saß, schreibt ihm heute eine KI in Minuten. Umso wertvoller werden die Formen von Intelligenz, die sich nicht an Maschinen abgeben lassen, etwa die sensomotorische oder die anschauliche. André findet sie besonders oft bei neurodivergenten Menschen. Der These von Palantir-Chef Alex Karp, künftig brauche es nur noch Neurodivergente und Handwerker, widerspricht er trotzdem. Er will das ganze Spektrum an Bord, neurotypische Menschen eingeschlossen.
Für Schule und Arbeitswelt klingt sein Rat fast banal: Introspektion ernst nehmen. Wer „hat doch jeder ein bisschen ADHS" sagt, spielt herunter, was Menschen über sich berichten. Neuroinklusion wirkt für André wie der abgesenkte Bordstein, von dem Rollstühle, Rollkoffer und Fahrräder gleichermaßen profitieren. Und manchmal beginnt sie mit einem einzigen Satz im Meeting: „Ich unterbreche dich mit einem Satz, weil mein Gehirn sonst abschaltet."
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast über Transformation und Change und über alles, was Menschen und Organisationen in Bewegung bringt. Frag im nächsten Teammeeting doch einfach mal, was deinen Kolleg:innen beim Arbeiten wirklich hilft. Live erlebst du Rocketfuel-Themen auf der Zukunftskonferenz Spacewalk Talks am 28. Oktober am in.betrieb Campus in Nieder-Olm: https://www.spacewalktalks.de. Und wenn dir diese Folge gefallen hat, teil sie mit allen, die wissen wollen, wie ihr Gehirn tickt.
Links
André Frank Zimpel an der Universität Hamburg: https://www.ew.uni-hamburg.de/ueber-die-fakultaet/personen/zimpel.html
„Wahnsinnig intelligent" (Goldmann): https://www.penguin.de/buecher/andr%C3%A9-frank-zimpel-wahnsinnig-intelligent/buch/9783442317738
Rocketfuel Podcast: https://www.rocketfuel-podcast.de
Seit dem 18. Mai 2026 führt Michael Ebling in Rheinland-Pfalz ein Ministerium, dessen Name kaum auf eine Visitenkarte passt: Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima. Der Sozialdemokrat, zehn Jahre Oberbürgermeister von Mainz und zuletzt Innenminister, übernimmt das Ressort im vierten Jahr ohne Wirtschaftswachstum und in einer neuen Koalition aus CDU und SPD. Mit Podcast-Host Oliver Kemmann spricht er über Klimaschutz mit Maß, Eigenverantwortung, Bürokratie und KI im Mittelstand. Seine unbequemste Forderung trifft auch dich: Wer weniger Bürokratie will, braucht den Mut, Fehler auszuhalten!
Michael ist in Mainz geboren und mit 16 in die SPD eingetreten. Sein Jurastudium dauerte nach eigener Aussage sehr lange, weil die Politik schon damals viel Raum einnahm. Es folgten die Stationen Ortsvorsteher in Mombach, Sozial- und Jugenddezernent, Staatssekretär im Bildungs- und Wissenschaftsministerium, Oberbürgermeister, Innenminister. Einen Karriereplan auf einem Zettel gab es nie. Politische Laufbahnen entstehen für ihn aus Gelegenheiten und schnellem Reagieren, und wer etwas anderes behauptet, schwindelt.
Den härtesten Wechsel erlebte er früh: vom Dezernenten, dem die Leute morgens sagen, was nicht funktioniert, zum Amtschef mit Verantwortung für rund 40.000 Lehrkräfte. Ab dieser Größe steuert ein Amtschef Strukturen und erreicht Menschen nur noch mittelbar.
Dass Wirtschaft, Energie und Klima jetzt in einem Haus sitzen, nennt Michael eine bewusste strategische Entscheidung. Die Lehre stammt aus der letzten Legislatur: Gegen das Landesklimaschutzgesetz liefen Unternehmerverbände und Gewerkschaftsbund gleichermaßen Sturm. „Ich ertrage es nicht, wenn wir die Dinge isoliert betrachten." Klimaschutz ja, in aller Konsequenz, aber mit Maß. Dem Weltklima hilft es wenig, wenn ein Konzern wie BASF seine Produkte außerhalb Deutschlands herstellt, weil die Auflagen den Ertrag auffressen. Große Ziele erreicht eine Gesellschaft im Konsens, so wie beim Atomausstieg. Mit Mehrheiten von 51 zu 49, die jedes Jahr kippen, scheitert die Energiewende. Wer Milliarden investiert, will wissen, dass eine Zusage auch nächste Woche noch gilt.
99 Prozent der Unternehmen im Land sind klein oder mittelständisch. Die Pension mit drei Zimmern an der Mosel verliert ihre Gäste, wenn sie im Netz unauffindbar bleibt. Das Land hilft mit Beratung und Programmen wie DigiBoost, den entscheidenden Schritt geht der Betrieb selbst. Und wenn von der E-Auto-Prämie vor allem chinesische Hersteller profitieren, haben deutsche Konzernzentralen nach Michaels Lesart „ein paar Angebote verpennt".
Beim Bürokratieabbau verlangt er etwas, das der deutschen Seele zuwiderläuft: Unschärfen ertragen. „Wir sind ja so hundertprozentige Menschen. 80 geht nicht." Sein Beispiel sind die Corona-Hilfen. Fünf Jahre später prüfen Behörden deutschlandweit nahezu jeden Fall nach, bis hinunter zum Friseursalon. Michael wünscht sich den Mut, den Deckel draufzumachen, und das Versprechen, bei der nächsten Panne auf 17 Untersuchungsausschüsse zu verzichten.
Beim Thema KI setzt sein Haus auf einen Markt der Möglichkeiten, etwa beim Mittelstandstag. In drei bis fünf Jahren, schätzt Michael, entsteht ein Großteil aller Texte mit Sprachmodellen. Das entlastet Verwaltungen, denen der demografische Wandel die Leute nimmt. Sein Grundton bleibt zuversichtlich: „Die Welt, in der wir jetzt leben, die haben wir in den Händen." Eine Fortsetzung ist bereits verabredet.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast über Transformation und Change. Jede Woche spricht Oliver Kemmann mit Menschen, die Organisationen in Bewegung bringen. Wenn du das Gefühl hast, dass auch in deinem Unternehmen zu viel nachkontrolliert und zu wenig ausprobiert wird, dann fang mit einer Entscheidung an, die nur zu 80 Prozent sicher ist. Mehr Impulse dieser Art bekommst du bei der Zukunftskonferenz Spacewalk Talks am 28. Oktober am in.betrieb Campus in Nieder-Olm: https://www.spacewalktalks.de. Wenn dir die Folge gefallen hat, teile sie mit Menschen, die in Politik, Verwaltung oder Mittelstand etwas bewegen wollen.
Links
Michael Ebling im Ministerium: https://mwtek.rlp.de/ministerium/minister-michael-ebling
Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima Rheinland-Pfalz: https://mwtek.rlp.de
Persönliche Website von Michael Ebling: https://michael-ebling.de
Rocketfuel Podcast: https://www.rocketfuel-podcast.de
Christian Byza sitzt in San Francisco, hat OMR mitgegründet, war bei Adobe und LinkedIn im Produktmanagement, moderiert mit dem OMR Silicon Valley Update seinen eigenen Podcast über Deutsche, die es im Valley geschafft haben, und pivotet gerade seine Firma zum dritten Mal. Podcast-Host Oliver Kemmann spricht mit dem Gründer von Purple AI über den Weg von einer gescheiterten Lernplattform zu einem Tool, mit dem Konzerne komplexe Software in vier Tagen statt anderthalb Jahren bauen, über eine Firma, die sich selbst fast schon von einer KI managen lässt, und über das House of AI, seinen Coworking Space mitten im Herzen von San Francisco. Diese Folge zeigt, wie viel Unternehmen gerade verändern können, wenn sie aufhören, auf die perfekte Idee zu warten!
Christian erzählt offen vom Ende seiner letzten Firma Learn.xyz, einem Lernmarkt, den er selbst als "Triple-Fuck-Market" bezeichnet, weil weder Unternehmensführung noch Personalabteilung noch Mitarbeitende wirklich Interesse an Weiterbildung hatten. Aus dem Trümmerhaufen entsteht ein radikaler Kurswechsel, sein Team baut ab sofort jede Woche ein neues Produkt, komplett mit KI. Was als interne Effizienzlösung gedacht war, eine sogenannte AI-Harness, wollen die ersten Testkunden plötzlich selbst kaufen. Daraus wird Purple AI mit dem Produkt PZero, einer Desktop-Anwendung, mit der Unternehmen komplexe Software direkt in ihrer bestehenden Codebase bauen lassen, ohne selbst programmieren zu müssen. Ein Kundenbeispiel macht die Dimension deutlich, ein Projekt, das in der alten Welt zwei Millionen Euro und anderthalb Jahre gekostet hätte, war mit PZero in vier Tagen fertig, für rund 60.000 Dollar.
Besonders eindrücklich wird es, wenn Christian erzählt, wie er sein eigenes Unternehmen führt. Eine selbstgebaute KI, intern das Brain genannt, ist an Stripe, GitHub, die Tracking-Datenbanken und sämtliche Meetings angeschlossen, schreibt Release Notes und Investoren-Updates vor, erinnert ihn an offene Aufgaben und verlängert auf Zuruf Kundenverträge. Sein CRM hat seine Praktikantin in wenigen Tagen selbst gebaut, es kostet praktisch nichts, wo vorher monatlich Lizenzgebühren fällig waren. Für Christian ist das die eigentliche Pointe der Entwicklung, aus Software as a Service wird zunehmend Service as Software, jeder baut sich sein eigenes Werkzeug für genau sein Problem.
Daneben geht es um das House of AI, seinen Coworking und Event Space in San Francisco, der aus der Not entstand, ein passendes Büro für ein kleines Team zu finden, und mittlerweile profitabel ist, mit Events von Firmen wie Nvidia und Mistral und einem Ableger in Hamburg. Christian und Oliver sprechen außerdem über Arbeitsmoral im Vergleich zwischen Deutschland und dem Silicon Valley, über sein zweites Podcastformat Token Mate, in dem er mit Menschen spricht, die in ihrem Job mit KI etwas Ungewöhnliches gebaut haben, darunter ein Schulleiter, der im Alleingang das komplette IT-System seiner Schule ersetzt hat, und über den aktuellen Geldregen in San Francisco, in dem selbst kleine Häuser für Millionenbeträge den Besitzer wechseln.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast von Oliver Kemmann über Transformation, Change und alles, was Organisationen in Bewegung bringt. Am 28. Oktober findet die Zukunftskonferenz Spacewalk Talks am in.betrieb Campus in Nieder-Olm statt, Tickets gibt es unter spacewalktalks.de. Wenn dir diese Episode gefallen hat, teile sie gerne mit Menschen, die etwas davon haben.
Links
Christian Byza auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/christianbyza
Michaela Benthaus sitzt seit einem Mountainbike-Unfall 2018 im Rollstuhl und ist im Dezember 2025 als erste Person mit einer Behinderung ins All geflogen. Podcast-Host Oliver Kemmann spricht mit der Raumfahrtingenieurin der ESA über ihren Weg vom Krankenbett zur Astronautin, über ihr Buch "Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit", das am 30. September erscheint, und darüber, wie aus einer Studentin im Rollstuhl eine der bekanntesten Stimmen der deutschen Raumfahrt wurde. Diese Folge zeigt, was passiert, wenn jemand sich weigert, einen Traum für unmöglich zu erklären!
Der Unfall fällt ans Ende ihres Bachelorstudiums Mechatronik. Über Nacht bricht die Sportkomponente weg, die sie ihr Leben lang getragen hat, und mit ihr die Vorstellung, wie ihr Leben aussehen sollte. Aus dieser Zeit stammt der Satz, um den sich das ganze Gespräch dreht: sie will die Idee, dass für sie alles vorbei ist, einfach nicht akzeptieren. Sie macht ihren Bachelor fertig, geht für den Master an die TU München in Richtung Luft- und Raumfahrttechnik und driftet dort mehr in die Physik als in den Hardware-Teil ihres Fachs. Bei der ESA landet sie über das Young-Graduate-Trainee-Programm, wo sie die Marsatmosphäre über Radiosignale von Satelliten untersucht, bevor sie in Richtung Guidance Navigation and Control wechselt, also die Steuerung von Raumfahrzeugen, mit besonderem Interesse an autonomen Landungen.
Ein Zufall, den Oliver im Gespräch ausdrücklich anspricht: ihr ESA-Programm endet am 30. September, exakt am Jahrestag ihres Unfalls, und an genau diesem Tag erscheint auch ihr Buch. Michaela erzählt, wie aus einem Parabelflug 2022 der Einstieg in eine Reihe von Stationen wurde, die sie näher an ihren Traum brachten, von einer zweiwöchigen analogen Astronautenmission in Polen als Commander bis zu einer kalten LinkedIn-Nachricht an Hans Königsmann, den deutschen Ingenieur, der SpaceX mitaufgebaut hat. Aus dieser Anfrage wird eine Sponsoring-Partnerschaft mit der Bremer Raumfahrtfirma OHB, die schon als Studentin an sie glaubt und ihr Parabelflug und Habitat-Aufenthalt mitfinanziert. Am Ende ist es Hans Königsmann, der sich mit der Idee bei Blue Origin meldet, und beide fliegen gemeinsam ins All.
Michaela spricht offen über die doppelte Hürde, als Frau und als Rollstuhlfahrerin in einem männerdominierten Feld ernst genommen zu werden, und darüber, wie sich Gespräche verändern, sobald Menschen erfahren, was sie beruflich macht. Zum Schluss der Blick nach vorn: die Zukunft der astronautischen Raumfahrt mit Artemis, die Chancen auf einen deutschen Platz bei einer Mondlandung, und technische Entwicklungen wie Exoskelette und Pulsgeneratoren, die Menschen mit Querschnittlähmung wieder erste Schritte ermöglichen. Ihr Buch erscheint am 30. September bei Goldmann für 20 Euro, mit Lesungen in München, Berlin und auf der Frankfurter Buchmesse. Signierte Exemplare gibt es bis zum 13. September über Autorenwelt.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast von Oliver Kemmann über Transformation, Change und alles, was Organisationen in Bewegung bringt. Am 28. Oktober findet die Zukunftskonferenz Spacewalk Talks am in.betrieb Campus in Nieder-Olm statt, Tickets gibt es unter spacewalktalks.de. Wenn dir diese Episode gefallen hat, teile sie gerne mit Menschen, die etwas davon haben.
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Michaela Benthaus auf LinkedIn: https://nl.linkedin.com/in/michaela-benthaus-5b4660208
Buch "Zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit": https://www.penguin.de/buecher/michaela-benthaus-zwischen-schwerkraft-und-schwerelosigkeit/paperback/9783442143337
Signiertes Buch (bis 13.9., gleicher Preis): https://shop.autorenwelt.de/products/zwischen-schwerkraft-und-schwerelosigkeit-von-michaela-benthaus
Der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag in einem deutschen Fußballverein liegt bei neun bis zehn Euro im Monat. Zweimal Training die Woche, dazu die Spieltage, macht ungefähr dreißig Cent pro Stunde, in der ein Erwachsener sich um dein Kind kümmert. Sabahuddin Mislimi, genannt Sako, Mitgründer von advance.football, nennt das die günstigste Kinderabgabestation des Landes und beschreibt im Gespräch mit Podcast-Host Oliver Kemmann, was dieser Preis mit einem System anstellt, das komplett auf Ehrenamt gebaut ist: Es sind nach über 280 Folgen die ersten hier, in denen es um Fußball geht!
Sakos eigener Weg dorthin beginnt mit einem Schnitzel. Mit vierzehn erzählt ihm ein zwei Jahre älterer Bekannter, dass es bei Trainersitzungen umsonst Essen und Getränke gibt, und so steht er kurz darauf als Hilfstrainer bei der F-Jugend des TSV Untermünkheim bei Schwäbisch Hall auf dem Platz. Mit fünfzehn trainiert er eine eigene Mannschaft und organisiert nebenbei, dass andere Eltern ihn zum Training mitnehmen, weil seine eigenen keine Lust haben, ihn um halb vier irgendwohin zu fahren. Mit achtzehn wird er Jugendleiter, ein Posten, den er selbst als Job für Sechzigjährige beschreibt. Mit siebzehn schreibt er vierzehn Bundesligisten an, zwei antworten, der VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim. Daraus werden sechs Jahre im Hoffenheimer Nachwuchs, ein Sportstudium mit Schwerpunkt Sportpsychologie und schließlich die Gründung von advance.football.
Die Firma ist heute eine Videoplattform, die Sako selbst als Netflix für Kinder- und Jugendtrainer beschreibt. Sonntagmorgen um halb sieben liegt bei jedem angeschlossenen Trainer die fertig geplante Trainingswoche im Postfach, dazu ein Erklärvideo von fünf bis sechs Minuten. Rund 1600 Vereine sind registriert, vor wenigen Wochen wurde die Marke von 35.000 Trainerinnen und Trainern geknackt. Die Basisversion kostet nichts, die Plusvariante 150 Euro im Monat für den ganzen Verein, unabhängig davon, wie viele Trainer daran hängen. Wie das finanziert wurde, erzählt Sako ebenfalls: Family and Friends, am Ende aber nur Family, und da auch nur Eltern, dreihundert Euro im Monat, die über die Jahre auf zweihundert und dann auf hundert schrumpften. Profitabel war die Firma trotzdem ab Tag eins.
Fachlich wird es an der Stelle spannend, an der Fußball aufhört, Fußball zu sein. Sako erzählt von Thomas Tuchels Rulebreaker-Vortrag, in dem dieser beschreibt, wie er bei Mainz 05 die Ecken des Trainingsfelds abschneiden ließ, damit seine Mannschaft gar nicht mehr die Linie entlang spielen kann. Kein Zuruf, keine Unterbrechung, einfach ein anderer Rahmen. Implizites Lernen nennt man das, und wer schon einmal zwei Wochen in Frankreich Brötchen holen musste, weiß, wie gut es funktioniert. Genau solche Prinzipien sind der Grund, warum die Basketballer der Veolia Towers Hamburg irgendwann auf Sako zukamen und ihm sagten, sein Podcast sei der beste Basketball-Podcast überhaupt, obwohl darin nie über Basketball gesprochen wird. Inzwischen gibt es ein gemeinsames Videoprojekt.
Zum Schluss der Blick nach vorn, und der beginnt unbequem. Die Gesellschaft hat sich in zwanzig Jahren komplett verändert, beide Eltern arbeiten, der Ganztag kommt, die Konkurrenz heißt Konsole und Smartphone. Die Vereine haben in derselben Zeit nichts verändert, die E-Jugend trainiert dienstags und donnerstags wie eh und je. Sakos positive Antwort darauf ist konkret: FIFA-Turniere im Vereinsheim, zwei engagierte Spieler für hundert Euro im Monat als Turnierbeauftragte, und vor allem der Anschluss an die Schulen, damit Vereine die Betreuungslücke am Nachmittag schließen statt sie zu vergrößern. Dazu eine Zahl, die hängen bleibt: In Island rief der Nachwuchsleiter des Verbands persönlich bei den Eltern jedes Kindes an, das mit dem Fußball aufhörte, weil man sich dort keinen einzigen Dropout leisten kann. Wer wissen will, warum Bayern rechnerisch eine Nationalmannschaft für die Weltspitze stellen könnte und es trotzdem nicht tut, hört sich das besser ganz an.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast von Oliver Kemmann über Transformation, Change und alles, was Organisationen in Bewegung bringt. Am 28. Oktober findet die Zukunftskonferenz Spacewalk Talks am in.betrieb Campus in Nieder-Olm statt, Tickets gibt es unter https://www.spacewalktalks.de - Wenn dir diese Episode gefallen hat, teile sie gerne mit Menschen, die etwas davon haben.
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Sabahuddin Mislimi auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/sabahudin-mislimi/
advance.football: https://www.advance.football
Der Rulebreaker-Vortrag, eingeordnet im advance.football-Blog: https://www.advance.football/jugendfussball-blog/rulebreaker-thomas-tuchel-prinzipien-im-fussballtraining
Marlene Neuberger ist Hauptabteilungsleiterin in der Direktion Technik und Produktion beim SWR und heute Gast beim Female Future Spezial, das Sarah Kübler heute solo, ohne ihren urlaubenden Co-Host Oliver Kemmann, hostet.
Marlene hat Film- und Theaterwissenschaft studiert und wollte Journalistin werden. Über einen Nebenjob im Fernsehgarten kam sie zur Aufnahmeleitung, entdeckte dort ihr Organisationstalent und arbeitete sich über die Produktionsleitung bis in die Technische Direktion. Seit sechs Jahren verantwortet sie dort vier Abteilungen, ganz ohne Ingenieursausbildung.
Sie begleitet damit einen der größten Umbauten, den ein Sender derzeit durchläuft. Cloud, KI und Medien over IP verändern gerade grundlegend, wie Inhalte entstehen, und für ganze Gewerke fällt die Arbeitsgrundlage weg. Marlene erzählt, wie sie in diese Rolle hineingewachsen ist: viel zuhören, viel fragen, offen zugeben, wenn sie etwas nicht weiß. Ihre Erfahrung dabei ist, dass Menschen gern erzählen, sobald jemand ernsthaft nach ihrer Expertise fragt.
Im Gespräch geht es dann um das, was so ein Prozess mit einer Führungskraft macht. Widerstand gehört für Marlene dazu, und sie geht mit einer fast detektivischen Neugier in schwierige Termine, weil hinter jedem Einwand ein Grund steckt. Reibung schafft Bewegung. Was das an Energie kostet, sagt sie ebenso deutlich: nach einer Townhall mit unzufriedenen Menschen braucht sie zwei, drei Tage, bis das nachwirkt.
Über das Rocketfuel Female Future Spezial
Rocketfuel ist der Podcast für Transformation und Change, für alles, was Organisationen in Bewegung bringt. Female Future ist eine Sonderserie, in der Sarah Kübler als Co-Moderatorin Gäste mitbringt, die zeigen, wie Frauen digitale Themen, Führung und Zukunft gestalten.
Die Spacewalk Talks, die Zukunftskonferenz in Mainz, finden am 28. Oktober statt. Tickets unter https://www.spacewalktalks.de.
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Links
Sarah Kübler auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/sarah-kübler-hitchon
Ein Roboter kehrt mit einem kleinen Besen die Regale eines Supermarkts. Zwei Meter weiter steht ein Krankenbett, jemand liegt darin, und ein zweiter Roboter bringt die Medikamente. Man schaut sich das an, steigt in den Bus, fährt zur nächsten Station und sagt zueinander, dass das doch nicht wahr sein kann. Daniel Yoo, Chief Representative des VDMA in China, und Raphael Gielgen, Trendscout bei Vitra, erzählen im Gespräch mit Podcast-Host Oliver Kemmann, was eine Woche in Shenzhen mit Menschen macht: Du hast noch nie so viel gestaunt wie in dieser Woche!
Im Oktober geht die zweite Learning Journey des VDMA in die Greater Bay Area, und Oliver fliegt mit. Auf dem Programm stehen humanoide Roboter bei UBTech und DexForce, das Elektronik-Headquarter von Huawei und Drohnen bei Micro Multicopter, die groß genug sind, um Menschen zu transportieren. Daniel sagt im Podcast außerdem zu, dass er für die Gruppe eine Rundfahrt im fahrerlosen Taxi organisiert. Im vergangenen Jahr saßen die Teilnehmenden bei Pony AI im echten Verkehr in so einem Wagen, und niemand hat danach über etwas anderes geredet.
Raphael war schon dreimal dort und erzählt von einem Abend, an dem ihm ein Digitalchef sagt: Wir können noch zehn Fehler machen und sind immer noch schneller. Ohne jede Arroganz, einfach als Feststellung. Genau solche Sätze nimmt man mit, und genau die kann man zu Hause nicht nacherzählen, wenn man nicht dabei war. Shenzhen beschreibt Daniel als wilden Teenager, Altersdurchschnitt zwischen 28 und 32, fast alle zugezogen, alle mit etwas vor. Die Region ist kleiner als Bayern und wirtschaftet in der Größenordnung Italiens.
Wer Sorge hat, dass so eine Reise anstrengend wird: Du wirst morgens um acht in der Lobby abgeholt und musst dich ab da um nichts mehr kümmern. Transfers, Dolmetscher, Briefings vor jedem Besuch, alles steht. Und gegessen wird, als gäbe es kein Morgen. Fünf Tage, kein Gericht doppelt. Raphael nennt es eine Klassenfahrt auf allerhöchstem Niveau, und die Wahrheit ist, dass die besten Gespräche ohnehin abends passieren, im Shuttle, am Tisch, beim Karaoke.
Zum Schluss die Frage, ob sich das lohnt. Raphael erinnert sich an seine allererste Learning Journey 2015, bei der am zweiten Tag Game Over war. Die ersten riefen zu Hause an und wollten die Kinder von der Schule nehmen. Was man mitbringt, ist ein voller Rucksack an Geschichten, die man das ganze Jahr erzählt. Die GBA Exploration Tour läuft vom 19. bis 23. Oktober 2026 in Shenzhen, Anreise am Sonntag davor. Offen für Mitglieder und Nichtmitglieder, für Maschinenbauer und für alle anderen. Anmeldung über Oliver, über Raphael oder direkt beim VDMA China.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast von Oliver Kemmann über Transformation, Change und alles, was Organisationen in Bewegung bringt. Am 28. Oktober findet die Zukunftskonferenz Spacewalk Talks am in.betrieb Campus in Nieder-Olm statt, Tickets gibt es unter https://www.spacewalktalks.de . Wenn dir diese Episode gefallen hat, teile sie gerne mit Menschen, die etwas davon haben.
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Daniel Yoo auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/daniel-yoo-8aa2379/
Ein Thermostat regelt die Temperatur im Raum selbst, und es ist ihm völlig egal, wer im Raum steht. Bei Menschen ist das anders: Wer ein System beobachtet, verändert es, weil er selbst darin steckt. Um diese Denkweise geht es in der Kybernetik zweiter Ordnung, der Mutter allen Systemischen Denkens, und Lina Nagel-Wilkening hat ihr eine ganze Podcast-Reihe im Carl Auer Verlag gewidmet. Sie ist Sozialwissenschaftlerin, Mediatorin und Konflikttrainerin und forscht am Wittener Institut für Familienunternehmen zu Kommunikation und Konflikten in Unternehmerfamilien.
Lina erzählt, wie sie überhaupt dorthin gekommen ist. Ein Konflikt im Studium, in dem sie gleichzeitig Wut und Mitgefühl empfand, zwei Gefühle, die sich ausschlossen und trotzdem gegenseitig hervorbrachten. Über den indischen Philosophen Nagarjuna und über Gregory Bateson landete sie schließlich bei einem Begriff, der 1950 aus einer Publikation von Norbert Wiener stammt und sich vom griechischen Wort für Steuermannskunst ableitet. Wir klären, was Kybernetik erster Ordnung mit Heizungen und Regelkreisen zu tun hat, wo die zweite Ordnung anfängt und warum Heinz von Foerster ihr den Namen Cybernetics of Cybernetics gab. Dazu die Geschichte der Macy Conferences, benannt nach der Kaufhausfamilie, finanziert nach der Heilung einer kranken Tochter, und Margaret Mead als einzige Frau in einer Runde von Biologen, Philosophen und Anthropologen.
Lina erklärt, warum Unternehmerfamilien ein besonderer Fall sind: Zwei Logiken sitzen am selben Frühstückstisch, und eine harmlose Frage wie "Was machst du heute?" kann privat gemeint oder als Leistungsnachfrage verstanden werden. Wir sprechen über Nachfolge, über Alte, die nicht loslassen, und über Kinder, die aus Protest nicht einsteigen wollen. Und wir schauen auf die Beschleunigung, in der Organisationen gerade stehen, auf Algorithmen, die uns konfektionierte Welten bauen, und auf das, was trotzdem bleibt: Teilverantwortung, auch wenn man nicht alles in der Hand hat.
Zum Schluss ein Alltagsbeispiel nach Paul Watzlawick, an dem sichtbar wird, wie Konflikte sich selbst am Leben halten. Je mehr die eine Seite fordert, desto mehr zieht sich die andere zurück. Je mehr sich der eine erklärt, desto mehr erklärt sich der andere. Beide handeln für sich logisch, beide sehen sich im Recht, und keiner merkt, dass er mit seinem Verhalten genau das erzeugt, was er loswerden will. Wer verstehen will, wie man aus so einem Kreislauf aussteigt, bekommt hier die Begriffe dafür.
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Lina Nagel-Wilkening auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/linananing/
Kaum ist die eine Transformation angestoßen, steht der nächste Change vor der Tür. Ulla Fiebig, Landessenderdirektorin Rheinland-Pfalz und stellvertretende Intendantin des SWR, beschreibt im Gespräch mit Podcast-Host Oliver Kemmann einen Zustand, den viele Organisationen kennen und wenige so offen aussprechen: Transformation ist das New Normal!
Ulla hat die Transformation ihres Hauses zweimal aus unterschiedlichen Positionen erlebt. Von 2014 bis 2016 leitete sie die strategische Unternehmensentwicklung des SWR. Damals ging es darum, Redaktionen von Fernsehen, Hörfunk und Online auf Themenfelder umzustellen, damit jedes Feld alle Ausspielwege bedienen kann. Heute steht sie in einem Umbau, der anders funktioniert. Verschlankung, weniger Doppelstrukturen, Effizienz. Ihre eigene Direktion gehört dazu, denn die Landessenderdirektion in der bisherigen Form läuft Ende des Jahres aus. Sie sagt trotzdem klar, dass sie den Kurs richtig findet und dass ein Haus dieser Größe die Frage aushalten kann, ob wirklich alles weiterlaufen muss, was früher gelaufen ist.
Was den Prozess verschärft, kommt von außen. Die von der KEF empfohlene Beitragsanpassung blieb aus, der Kostendruck steigt, gleichzeitig läuft die Transformation ins Digitale weiter, ohne dass das Lineare wegfällt. Dazu kommt eine gesellschaftliche Lage, in der Medien und Justiz zuerst angegriffen werden. Ulla beschreibt, wie das in den Alltag der Kolleginnen und Kollegen hineinreicht, und warum es aus ihrer Sicht nicht hilft, sich darüber zu beklagen. Ihre Haltung ist die eines gestaltenden Zugriffs, auch wenn Unsicherheit dabei zum Dauerbegleiter wird.
Ihr Weg dorthin führte über einen echten Seitenwechsel. Volontariat mit 18 beim Privatradio, Jurastudium in Heidelberg, 1999 Einstieg beim SWR in Mainz, ARD-Vorsitz in Stuttgart unter Peter Boudgoust, drei Jahre Hauptstadtstudio Berlin, dann 2018 die Leitung des Pressereferats im Bundesfamilienministerium. Von dort aus sah sie, welche Wirkung journalistische Arbeit entfaltet, und formuliert im Gespräch eine deutliche Kritik an ihrem eigenen Berufsstand, zu dem sie sich weiterhin zählt.
Zum Schluss der Blick fünf Jahre nach vorn. Ulla rechnet mit stärkerer Personalisierung im Radio, mit dem Livestream als Ort des gemeinsamen Erlebens und mit einer Rückbesinnung aufs Persönliche. Ihre These zur KI dreht die gängige Erzählung um: je gleichförmiger die synthetische Ästhetik wird, desto wertvoller wird alles, was sich davon abhebt. Und sie benennt das Dilemma zielgruppengenauer Angebote, die Bubbles verstärken, während der Wunsch nach echter Begegnung wächst.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast von Oliver Kemmann über Transformation, Change und alles, was Organisationen in Bewegung bringt. Am 28. Oktober findet die Zukunftskonferenz Spacewalk Talks am in.betrieb Campus in Nieder-Olm statt, Tickets gibt es unter https://www.spacewalktalks.de. Wenn dir diese Episode gefallen hat, teile sie gerne mit Menschen, die etwas davon haben.
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Ulla Fiebig auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/ulla-fiebig-00289a9b/
Michael Buck ist Co-Founder und CEO der Convidera GmbH in Köln. Davor verantwortete er das weltweite Online Marketing bei Dell und arbeitete elf Jahre bei Hewlett-Packard. Er ist BWLer und hat nie programmiert. Diese Lücke hat ihn jahrelang gestört, weil sie ihm die Umsetzung seiner eigenen Produktideen verwehrte. Ideen hatte er reichlich, Firmen hat er mehrfach gebaut, den Inhalt dieser Firmen konnte er nie selbst herstellen. Jetzt baut er alleine StartUps, die auch noch Geld verdienen, im Gespräch mit Podcast Host Oliver Kemmann berichtet er darüber, wie es sich anfühlt über Agenten als "wir" zu sprechen und mit Systemen zu Arbeiten, die ihn bald überflüssig machen könnten.
Im Februar 2025 setzt er sich hin und arbeitet sich in Cursor, Lovable und die gängigen KI-Coding-Tools ein. Zehn bis fünfzehn Anläufe später steht ein Tech-Stack, der trägt. Im November beginnt er mit dem ersten eigenen Produkt, im Januar 2026 mit dem Code, Ende März gründet er Optropic. Sein Ziel dabei ist ein Beweis in eigener Sache: ein Unternehmen allein mit KI aufbauen, das im ersten Jahr Umsatz macht. Zwei multinationale Pilotkunden zahlen bereits, das Revenue-Ziel steht für Ende des Jahres.
Optropic macht QR-Codes fälschungssicher. Die Technologie versieht den Code mit einer kryptographischen Signatur, die sich mit einer normalen Smartphone-Kamera prüfen lässt, ohne App und ohne Internetverbindung. Buck hat dafür mehrere Patente angemeldet, weil sie auf physischen Elementen basiert. Rein digitale Patente hält er heute für wenig wert, weil KI Variationen davon in Minuten erzeugt. Die Zielmärkte sind Pharma, Medizinprodukte, Gutscheinkarten, Luftfahrt und Automotive, überall dort also, wo Fälschungen laut Buck jedes Jahr Milliardenschäden verursachen und im Pharmabereich weltweit Menschenleben kosten.
Das zweite Startup, Realtracks, geht Ende Juli live und knüpft direkt an den EU AI Act an, der am 2. August 2026 scharf geschaltet wird. Buck hat zwölf Monate lang die AGB und Trust Center der großen Softwareanbieter gecrawlt und daraus einen Index gebaut. Unternehmen tragen dort ihren Software-Stack ein und sehen, wie datensouverän ihre Verträge gestaltet sind, wo Lücken zur EU-Verordnung bestehen und was mit ihren Daten passiert. Sein Beispiel dafür ist Slack, dessen Inhalte über Salesforce in das Modell Einstein fließen können, ohne dass die Nutzer davon wissen. Buck hat den eigenen Betrieb als erstes durch die Analyse geschickt und ist nach eigener Aussage krachend durchgefallen.
Spannend wird die Folge dort, wo Buck seine Arbeitsweise offenlegt. Er arbeitet mit fünf Master Agents und rund 56 Sub-Agents, die er über sieben selbst geschriebene Gesetze und ein Governance-Dokument steuert. Eines dieser Gesetze heißt brutale Offenheit, weil KI-Systeme gern beschönigen. Jeden Morgen um sieben Uhr bekommt er ein Bulletin mit den Entscheidungen, die das System von ihm braucht. Für teure Modelle nutzt er nur die anspruchsvollen Aufgaben, wiederkehrende Tasks laufen auf günstigeren Modellen, Workflows über n8n. Seine Lernkurve hat er dokumentiert und als Blaupause auf das zweite Startup übertragen, ein Betriebssystem für Company Building.
Am ehrlichsten wird das Gespräch beim Thema Kontrolle. Buck beschreibt, wie ihm ein besonders leistungsfähiges Modell nach drei Tagen zu entgleiten drohte, weil es Entscheidungen selbst traf, die vorher bei ihm lagen. Er ist bewusst zurück zu engeren Guardrails gegangen. Und er benennt die Grenze, die ihn beschäftigt: Bei Kryptographie und Postquanten-Themen ist er selbst der limitierende Faktor, intellektuell. Systeme, die Themen bewältigen, die ihr Nutzer nicht mehr versteht, sind für ihn kein schönes Gefühl.
Sein Schlusswort richtet er an alle Altersgruppen. Buck ist 59, kennt die Zeit ohne Internet und sieht in der Auseinandersetzung mit KI eine Verantwortung, die von Jahrgang und Vorbildung unabhängig ist.
Links
Optropic: https://optropic.com
Spacewalk Talks 2026
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