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Politische Bildung in der Schule, das sind zwanzig Seiten Text und ein bis zwei Wochen Kommunalpolitik in der gesamten Schullaufbahn. Dazu Social-Media-Algorithmen, die Jugendliche in die Extreme zieht. Leon Pelikan baut dagegen etwas Eigenes.
Achtzig Prozent von befragten Schülerinnen und Schüler fühlen sich von Kommunalpolitik nicht vertreten. Neunzig Prozent haben kein Vertrauen in die Politik.
In dieser Episode spricht unser Host Oliver Kemmann mit Leon Pelikan, 20 Jahre alt, Gründer von Political X Change und Vorsitzender des Vereins Future Politics. Vor sieben Tagen hat Leon sich exmatrikuliert, um Vollzeit an seiner Plattform für kommunale Jugendbeteiligung zu arbeiten.
Ein Start-up als Ausweg
Leons unternehmerischer Weg beginnt früh und unspektakulär. Mit vierzehn macht er Social-Media-Werbung für Gastronomie, kurz darauf vermittelt er Nachhilfe. Nichts davon ist gegründet, vieles ist Spielerei neben der Schule. Aber das, was passiert, hat eine doppelte Funktion: Es bringt ihm sein Thema näher und es bringt ihn aus einer schwierigen Mittelstufe heraus, in der er stark unter Mobbing leidet. "Start-ups haben mich da rausgeholt", sagt er. Ein Fokus, eine Beschäftigung, eine Identität.
Mit dem Wechsel in die Oberstufe wird aus dem Drumherum eine Richtung. Schulsprecher, Engagement auf Kreis- und Landesebene, der wiederkehrende Befund: Junge Menschen werden nicht gehört, Adultismus ist kein Randthema.
Daraus entsteht Political Exchange. Keine weitere App im App Store, sondern eine digitale Infrastruktur, die in jeder einzelnen Kommune als eigene Landingpage eingerichtet wird. Schülerinnen und Schüler melden sich im Unterricht an, treten mit Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern aus ihrer Region in Austausch, starten eigene Initiativen.
Beitragsforen, Umfragetools, ein KI-Debattentrainer, digitale Wahlen jenseits der Juniorwahl. Die Kommune finanziert, die Schule wendet an, drei- bis fünftausend Euro im Jahr inklusive Moderation und kostenlosen Workshops.
Die Plattform sitzt damit genau an der Stelle, an der heute nichts ist. Soziale Netzwerke werden Jugendliche nicht verlassen, das weiß Leon. Aber TikTok und Instagram sind keine Räume für demokratischen Dialog, sie sind Verstärker. Wer ein Weidel-Video zu Ende schaut, bekommt zehn weitere. Wer in der Mitte steht, wird sofort einsortiert. Lehrkräfte wissen oft selbst nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Achtzig Prozent der von Leon befragten Schülerinnen und Schüler fühlen sich von Kommunalpolitik nicht vertreten. Neunzig Prozent haben kein Vertrauen in die Politik. Wenn Jugendliche im Workshop sortieren sollen, wer für Bildung zuständig ist, stellen sich fast alle auf die Bundes-Seite. Niemand auf Landes. Zwei auf Kommunal. Genau dort, wo der eigene Sportplatz, der eigene Bus, die eigene Schulbank verhandelt werden, ist die Verbindung gekappt.
Leon will sie wieder aufbauen. Die Wartelist an Kommunen ist da, die Pilotphase startet in Hessen, ein Co-Founder im Tech-Bereich wird gerade gesucht, Investorinnen und Investoren ebenfalls, ausdrücklich überparteilich, ausdrücklich Social Impact statt Portfolio. Sein Glaube an Demokratie ist intakt. Sein Geduldsfaden mit denen, die ihn auf LinkedIn als faulen Sack bezeichnen, weil er mit zwanzig schon etwas baut, auch.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast über Transformation, Change und das, was Organisationen und Gesellschaft in Bewegung bringt. Wenn dich Leons Arbeit interessiert: Schreib ihm auf LinkedIn. Er sucht Kommunen, die mitmachen wollen, einen Co-Founder oder eine Co-Founderin im Tech-Bereich, und Investorinnen und Investoren, die Social Impact ernst meinen.
Und merk dir den 28. Oktober vor: An diesem Tag finden in Mainz die Spacewalk Talks statt, unsere Zukunftskonferenz zu Transformation und Wandel. Early-Bird-Tickets gibt es noch bis Ende Mai 2026.
Wenn dir diese Folge etwas gegeben hat, teile sie, am besten mit jemandem aus der Kommunalpolitik. Oder mit einer Lehrkraft.
Links aus dem Podcast
Leon Pelikan auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/leon-pelikan/
Reportage-Spezial von d OMR26 aus Hamburg. Eine Branche, die sich gerade neu sortiert, eingefangen zwischen Masterclass, Side-Event und Autoscooter.
Diesmal kein Studiogespräch, sondern unser Host Oliver Kemmann mit dem Mikro mittendrin. An seiner Seite Filmemacher und Keynote Speaker Alex De Vito. Dazu Stimmen von Frederik Peters, Stefanie Fahr von Field Ads, Nico Rehmann, CEO von Asioso, Robin Willert von Bauer Joghurt, Rönke von der Heide von Take-Aw.ai, Tim Reusch von Vitra und Christian Schöffel, Projektleiter Elektromobilität bei Porsche.
Frederik vom SWR liefert das stärkste Bild: Die ersten zehn Reihen bei Philipp Klöckners 172-Slides-Marathon lassen ihre AI mitschreiben und kriegen alles auf fünf Bullets gebrannt. Sein Punkt: Viele Unternehmen scheitern nicht an KI, sondern an versäumter Digitalisierung. Alle wollen den Sixpack, niemand hat Bock auf zwei Jahre Disziplin.
Nico bestätigt das aus Agentursicht. Mit Asioso berät er zum digitalen Produktpass, einer EU-Verordnung, die nach Bürokratie klingt und einen ganzen After-Sales-Markt eröffnet. Rönke hat mit Take-Aw.ai ein Tool gebaut, das 500 Konferenzgäste gleichzeitig laut denken lässt und daraus in Sekunden Slides für die Bühne macht. Tim Reusch von Vitra setzt eine unbequeme Diagnose drauf: Uns fehlt nicht die Erkenntnis, uns fehlt die Handlungsfähigkeit.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast über Transformation, Change und alles, was Organisationen wirklich in Bewegung bringt.
Wenn du das Networking-Argument aus dieser Episode ernst nimmst, kommen wir am 28. Oktober mit den Spacewalk Talks genau dafür zusammen. Format und Tiefe statt Reizüberflutung. Early-Bird-Tickets bis Ende Mai 2026: https://spacewalk-talks.com
Links
Eine Organisation, die seit 1976 Opfern von Straftaten hilft, trifft auf eine Welt, in der sich Kriminalität, Kommunikation und Zivilgesellschaft schneller verändern als jede Vereinsstruktur. Wie führt man da eigentlich noch?
"Wenn alle hinter dem Täter herlaufen, wer bleibt dann eigentlich beim Opfer?"
In dieser Folge spricht unser Host Oliver Kemmann mit Bianca Biwer, Juristin und seit über zwölf Jahren Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, über Opferschutz, NGO-Realität und den Moment, in dem man merkt, dass der nächste Schritt ansteht.
Biancas Weg ist kein gerader. Wirtschaftsrecht, Deutscher Industrie- und Handelskammertag in Berlin und Brüssel, dann mit Anfang dreißig IHK-Geschäftsführerin in Mainz. Nach fast sieben Jahren kippt das Gefühl: die Zyklen wiederholen sich, die Gestaltungsgrenzen sind abgesteckt. Ihr Ausweg ist kein Bruch, sondern ein Ehrenamt. Sonntags beim Weißen Ring, am Opfertelefon. Drei Jahre später, als eine Geschäftsführung frei wird, greift das, was sie ihr Motto nennt: Preparation meets Luck.
Der Weiße Ring ist für sie mehr als eine NGO. Eduard Zimmermann, der Aktenzeichen-XY-Gründer, hat ihn 1976 aus einer unbequemen Frage heraus gebaut und bis heute steht dahinter eine außergewöhnliche Architektur: 18 Landesverbände, rund 3.000 Ehrenamtliche, dazu etwa 120 Hauptamtliche in der Zentrale und den Landesverbänden. Finanziert ausschließlich privat, ohne staatliche Mittel. Geholfen wird in drei Säulen: vor Ort, am Opfertelefon und seit einigen Jahren auch in einer Online-Beratung, die Bianca aufgebaut hat. Die Fälle reichen von Einbruch bei einer alleinstehenden älteren Dame über Trickbetrug und Cyberkriminalität bis zu Sexualstraftaten und häuslicher Gewalt. Anzeige ist keine Voraussetzung. Das ist Teil des Punkts.
Spannend wird es, wo Bianca über die Organisation selbst spricht. Die Gesellschaftsform des eingetragenen Vereins ist basisdemokratisch, gründlich und …. langsam. Die Welt draußen ist es nicht mehr. Kommunikation-Kanäle, die früher nur einer, und zwar der von Eduard Zimmermann im Fernsehen war, zersplittert heute in Altersgruppen im Fünfjahresabstand, Gaming-Szene, Influencer, "Tatort"-Promis als Testimonials.
Die Bedarfe der Betroffenen ändern sich, die Digitalisierung spaltet die Ehrenamtlichen zwischen 18 und 80, Dokumentationspflichten wachsen, das Personal nicht. Dazu kommt ein neuer Außendruck: NGOs sind plötzlich nicht mehr per Definition "die Guten", sondern werden politisch in Frage gestellt, und auf dem Spendenmarkt brechen erstmals spürbar Zahlen ein. Biancas These: Organisationen verändern sich meistens erst, wenn der Schmerz groß ist. Genau das reicht heute nicht mehr.
KI sieht sie dabei nüchtern. Auf der einen Seite professionalisiert sie Straftaten, vom Enkeltrick per WhatsApp bis zu Deepfake-Pornografie. Auf der anderen Seite wird sie der einzige realistische Hebel sein, wachsende Bürokratie, Ermittlungen und Hilfeprozesse überhaupt noch zu bewältigen. Bianca nennt es das Star-Wars-Prinzip: Jedi-KI gegen Darth-Vader-KI.
Über Rocketfuel
Rocketfuel ist der Podcast über Transformation, Change und alles, was Organisationen wirklich in Bewegung bringt. Wenn du dich selbst engagieren oder den Weißen Ring unterstützen willst: Ehrenamt und Spenden gehen niedrigschwellig über weisser-ring.de, gebraucht werden beide. Und merk dir den 28. Oktober vor, da läuft unsere Zukunftskonferenz Spacewalk Talks. Early-Bird-Tickets gibt es noch bis Ende Mai 2026. Wenn dir diese Folge gefallen hat, teile sie mit jemandem, der sie hören sollte. https://www.spacewalkstalks.de
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Falk Fuhrmann sitzt in Shanghai. Nicht zufällig, nicht als Expat auf Abruf, sondern als jemand, der verstanden hat, dass man einen Markt nur wirklich begreift, wenn man in ihm lebt. Vor fünf Jahren hat er Wuela gegründet, eine Brand Innovation Consultancy, deren chinesischer Name so viel bedeutet wie "einen anderen Weg finden, um sein Ziel zu erreichen."
Im Gespräch mit Podcast Host Oliver Kemmann erzählt Falk, wie er von Ostdeutschland über mehrere Stationen in der großen Agenturnetzwerkwelt nach Shanghai gekommen ist. Wie das Ende der bezahlten Expat-Zeit ihn dazu gebracht hat, sich selbstständig zu machen. Und was er in zwölf Jahren Asien über Märkte, Kulturen und die Grenzen westlicher Perspektiven gelernt hat.
Er spricht darüber, warum Kreativagenturen seit dem Ende der Media-Provisionen nie wieder ein wirklich funktionierendes Geschäftsmodell hatten. Darüber, was KI im Bereich Strategie und Markenarbeit kann und wo sie, auch chinesische Modelle, noch erschreckend blind ist für kulturelle Nuancen. Und über den methodischen Ansatz, den Falk "Investigative Anthropology" nennt: qualitative Marktforschung, die wirklich in die Tiefe geht, statt nur Daten zu aggregieren.
Falk Fuhrmann auf LinkedIn: linkedin.com/in/falkfuhrmann
Julian van Dieken ist gelernter Filmemacher und Medienproduzent, der sich seit 2022 intensiv mit generativer KI beschäftigt. Er gehört zu den Menschen, die neue Technologien nicht nur früh aufgreifen, sondern sie auch für ein breites Publikum verständlich machen. Sein erstes KI-generiertes Bild landete im renommierten Museum in Den Haag. Seitdem hat er sich konsequent in Richtung agentischer Workflows und KI-gestützter Prozesse weiterentwickelt. Heute spricht er mit Oliver Kemmann darüber wie sich die Programmierwelt Dank Tools, wie Claude verändert.
Worum geht es in dieser Folge:
Oliver und Julian sprechen über den Stand der Dinge im KI-Markt: Was ist Hype, was verändert gerade wirklich die Arbeit? Im Mittelpunkt steht Claude von Anthropic, warum es im Enterprise-Markt gerade so dominiert und was agentische Systeme in der Praxis bedeuten. Julian berichtet aus seinem eigenen Alltag, zeigt konkrete Anwendungsfälle und erklärt, warum er seine Assistentin anrufen musste, um ihr zu sagen, dass bestimmte Aufgaben jetzt wegautomatisiert sind.
Die wichtigsten Themen
Anthropic und OpenAI: Zwei Unternehmen, zwei Philosophien. Der Pentagon-Auftrag, die ethischen Linien, die Dario Amodei zieht, und warum das in der Szene gerade so viel bewegt.
Agentische Workflows in der Praxis: Kundencall aufnehmen, Angebot automatisch erstellen, Notion-Datenbank befüllen, E-Mails einlesen. Was sich nach Versprechen anhört, funktioniert für Julian seit Januar 2026 real im Alltag.
Service as Software: Oli bringt es auf den Punkt. Nicht mehr Software as a Service, sondern umgekehrt. Ich erkenne ein Problem, ich baue mir das Werkzeug dafür. Was das für etablierte CRM- und ERP-Anbieter bedeutet.
Das zweite Internet: Ein wachsender Teil des Netzes wird von Bots für Bots bevölkert. KI zitiert KI-Inhalte, die von weiterer KI weiterverarbeitet werden. Was daraus folgt und warum wir vielleicht bald ein Human-Made-Siegel brauchen.
Gastown und Wasteland: Julian gibt einen Rabbit-Hole-Tipp für alle, die tiefer einsteigen wollen. 30 KI-Agenten statt einem, Jobboards für Bots, Storytelling trifft Systemarchitektur. Einfach googeln: Gastown Wasteland AI.
Erwähnte Links und Begriffe
Anthropic, Claude, Claude Code, Claude Cowork, Claude Skills
Spacewalk Talks, 28.10.26 in Mainz: www.spacewalktalks.de
Julian van Dieken auf LinkedIn
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Was können Erwachsene von Kindern lernen? Eine Menge. Podcast Host Oliver Kemmann spricht mit Sven Teuber, Bildungsminister in Rheinland-Pfalz, über eine einfache aber unbequeme Beobachtung: Kinder treffen auf Neues mit einem Blitzen in den Augen. Erwachsene treffen auf Neues mit Angst in der Hose. Genau daran arbeitet Bildungspolitik gerade — und das ist schwieriger als jede Lehrplanreform.
Die beiden sprechen über individuelle Förderung, die nicht als schöne Idee in Dokumenten steckt, sondern als digitales Tool in der fünften Klasse landet. Kompetenzwerte statt Einheitsnoten, Lernrhythmen statt Gleichschritt. Und darüber, warum selbstorganisiertes Lernen keine pädagogische Modeerscheinung ist, sondern das, was Hirnforschung seit Jahren fordert.
Am Ende kommen Oliver und Sven dahin, wo Schule und Unternehmen näher zusammenrücken sollten als heute. Das duale System als unterschätzter Exportschlager. Und die Frage, ob wir einfach noch den falschen Maßstab haben - den Feuerzangenbohlen-Maßstab - während die Welt draußen längst weitergelaufen ist.
Dieses Gespräch entstand kurz vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im März 2026 - Auf wenn seine Partei die Wahl verloren hat, haben Svens Aussagen zur Bildung nichts von ihrer Relevanz verloren.
In dieser Episode von Rocketfuel sitze ich mit Oberst Michael Trautermann in der Kur-Mainz-Kaserne in Mainz – einem Mann, dessen Karriere vom Cockpit der F4 Phantom über das Pentagon in Washington bis zur Führung des Landeskommandos Rheinland-Pfalz geführt hat. Trautermann kennt Veränderung nicht nur als Konzept, sondern als gelebte Realität: 14 Umzüge, Verwendungen in Deutschland, den USA und bei der NATO, und mittendrin Jahre, in denen er für die US Air Force an Innovation und digitaler Transformation gearbeitet hat.
Wir sprechen darüber, warum Deutschland gerade dabei ist, Dinge neu zu lernen, die es vor 30 Jahren schon einmal konnte – von Konvoi-Operationen bis zur zivil-militärischen Zusammenarbeit. Trautermann erklärt, was sich seit 2022 fundamental verändert hat, warum der Stromausfall in Berlin mehr verändert hat als viele politische Debatten, und was die Mentalität junger Innovatoren im Silicon Valley mit dem Change Management in einer Großorganisation zu tun hat.
Sein Blick auf Führung in Zeiten des Wandels ist direkt und ehrlich: Wer zum Jagen getragen werden muss, den überzeugt man in fünf Jahren nicht. Aber wer offen kommuniziert, Ziele klar benennt und Menschen wirklich mitnimmt, der kann auch in schwierigen Zeiten Organisationen in Bewegung bringen – ob im Militär oder in der Wirtschaft.
„Marken stehen heute als Repräsentanten einer offenen Gesellschaft im Fadenkreuz.“ sagt Gerald Hensel Managing Partner bei superspring, einer Strategie-, Marketing- und Transformationsberatung, und Mitgründer von HateAid, einer Menschenrechtsorganisation für digitale Rechte. Er verbindet zwei Welten, die selten zusammengedacht werden: Markenführung und digitale Demokratie. Aus >25 Jahren Marketingpraxis, einem Politikstudium und sehr konkreten Erfahrungen mit digitaler Gewalt entsteht eine Perspektive, die weit über Kommunikation hinausgeht.
Wir sprechen über superspring und die Idee, Marketing wieder als unternehmerische Führungsdisziplin zu begreifen. AI first gedacht, mit Fokus auf Content Pipelines, Innovationsmanagement und die Frage, wie Marken in einer Echtzeitwelt handlungsfähig bleiben. Und wir sprechen über HateAid, entstanden aus Geralds eigener Erfahrung mit Shitstorms, Morddrohungen und einem System, das damals noch keine Antworten hatte. Heute arbeitet die Organisation mit Betroffenen, Gerichten und Gesetzgebern und gerät genau deshalb selbst ins Visier.
Der Kern des Gesprächs liegt dort, wo sich beides überschneidet. Shitstorms gegen Marken sind selten Zufall. Sie folgen Playbooks, erzeugen Content, Reichweite und vor allem Einschüchterung. Der eigentliche Schaden entsteht oft später, wenn Marken sich beim nächsten Mal lieber zurückziehen. Aus Reputation wird so eine Frage von Resilienz, nicht von Haltungspostings.
Gerald beschreibt, was Unternehmen konkret tun können. Vorbereitung statt Wegducken. Klare Entscheidungswege, Monitoring, Gegenrede, eine innere Logik, wofür eine Marke steht. Nicht um politisch zu sein, sondern um in einer digitalen Öffentlichkeit nicht zum Spielball zu werden. Zum Schluss wird es persönlich. Gerald spricht nüchtern darüber, wie man mit dauerhafter Anfeindung lebt. Kein Pathos, eher ein wacher Realismus.
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„Parteien haben die schlechtesten Vertrauenswerte seit 1949.“ Was man dagegen tun kann, darüber spricht unser Host Oliver Kemmann mit Dr. Maximilian Oehl, Jurist, politischer Aktivist, Mitgründer von "Brand New Bundestag" und Autor des gleichnamigen Buchs., über eine der zentralen Fragen unserer Zeit: Warum wirkt unsere parlamentarische Demokratie so unbeweglich und was müsste sich ändern, damit Politik wieder zukunftsfähig wird? Wenn du verstehen willst, warum Transformation in Organisationen ohne Transformation im politischen System an Grenzen stößt, ist diese Episode Pflichtprogramm.
Max erzählt seinen Weg vom politisch interessierten Jugendlichen über das Jurastudium hin zur Gründung der ersten studentischen Refugee Law Clinic in Deutschland. Früh wird klar: Sein Blick auf Politik ist kein ideologischer, sondern ein struktureller. Es geht ihm weniger um „die Politiker“, sondern um die Mechanismen, die entscheiden, wer überhaupt politische Verantwortung übernimmt. Genau dort sieht er ein zentrales Problem unserer Demokratie: Parteien wählen Kandidierende oft nach interner Logik, Machtbalancen und Ritualen aus – nicht nach Mut, Zukunftsorientierung oder realer Anschlussfähigkeit an die Gesellschaft.
Aus dieser Analyse heraus entsteht Brand New Bundestag. Die Initiative unterstützt Menschen, die politisch etwas bewegen wollen, aber im klassischen Parteibetrieb häufig untergehen würden. Nicht konfrontativ, sondern kooperativ: durch Sichtbarkeit, Community, strategische Unterstützung und langfristige Begleitung – auch nach der Wahl. Max beschreibt eindrücklich, wie ohnmächtig sich viele Abgeordnete trotz Mandat fühlen und warum echte Veränderung nur dann gelingt, wenn Parlament und Zivilgesellschaft zusammengedacht werden. Er nennt das Movement Politics.
Im Gespräch geht es auch um Geduld. Politische Transformation funktioniert nicht im TikTok-Takt, sondern über mehrere Wahlzyklen. Acht bis zwölf Jahre sind realistisch. Das ist frustrierend – gerade in Zeiten von Rechtspopulismus und Dauerkrisen. Gleichzeitig macht Max Hoffnung: Es gibt funktionierende Institutionen, engagierte Menschen und konkrete Hebel. Wenn mehr Leute bereit sind, sich auch durch mühsame Strukturen zu bewegen, kann Demokratie wieder an Attraktivität und Wirksamkeit gewinnen.
Zum Schluss zeichnet Max ein positives Zukunftsbild: eine Demokratie, die wieder Vertrauen verdient, weil sie handlungsfähig ist, Vielfalt abbildet und Gestaltung ermöglicht. Keine naive Utopie, sondern ein realistischer Anspruch – wenn wir bereit sind, das bestehende Betriebssystem zu verbessern, statt nur über ein neues zu fantasieren.
Ungefähre Kapitelmarken (jeweils ca. +1 Minute zum Audio-Intro dazugerechnet)
Links
Dr. Maximilian Oehl
Buch: Brand New Bundestag (Goldmann Verlag)
Agentur: Media Force
In dieser Sonderausgabe von Rocketfuel berichtet Raphael Gielgen, Trendscout bei Vitra, direkt vom World Economic Forum in Davos. Im Gespräch mit unserem Host Oliver Kemmann geht es weniger um große Bühnenbilder sondern mehr um das, was Davos im Innersten ausmacht: Dialog, Verdichtung, Reibung – und ein sehr realistischer Blick auf eine Welt im Umbruch.
Raphael beschreibt Davos als mehrschichtiges System. Neben dem offiziellen Forum mit strengen Sicherheitszonen und hohen Eintrittshürden existiert eine offene, pulsierende Parallelwelt entlang der Promenade. Unternehmen, Medienhäuser, Thinktanks und Initiativen mieten ganze Gebäude und verwandeln den Ort für eine Woche in eine temporäre Messe der Zukunft. Wer offen ist, zuhört und Gespräche sucht, findet hier Zugang zu Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – oft zufällig, manchmal in der Bäckerei um sieben Uhr morgens.
Historisch spannt das Gespräch den Bogen vom Gründungsimpuls durch Klaus Schwab bis zur geistigen Metapher des Zauberbergs von Thomas Mann. Davos war schon immer ein Ort der Distanz zum Alltag, um Dinge klarer zu sehen. Dieser Abstand wird heute dringender denn je gebraucht.
Inhaltlich dominiert ein Thema: das Ende der alten Ordnung. Raphael verweist auf den McKinsey-Report The Cusp of a New Era aus dem Jahr 2022, der bereits früh das Ende einer Welt mit billiger Energie, niedrigen Zinsen und stabiler Globalisierung beschrieb. In Davos 2025 wurde deutlich, dass wir nun vollständig in der neuen Realität angekommen sind. Geopolitische Fragmentierung, konkurrierende Machtblöcke und widersprüchliche Interessen prägen die Gespräche. Erstmals veröffentlichten die Leitreports des Forums keine klaren Handlungsempfehlungen mehr, sondern beschrieben eine Welt permanenter Verschiebung ohne eindeutige Richtung.
Die Rede von Donald Trump im Kongresszentrum wirkte wie ein Brennglas. Viele verfolgten sie auf Tablets, in Hotel-Lounges oder draußen in der Sonne. Die anschließenden Diskussionen machten deutlich, wie sehr sich die Welt auf zwei dominante Pole zubewegt: die USA und China. Europa sucht in diesem Spannungsfeld noch nach seiner Rolle. Die zentrale Frage, die bleibt: Was bedeutet diese neue Realität konkret für Unternehmen, Regionen und Organisationen in Deutschland?
Raphael beschreibt Davos auch als globalen Pitch-Ort. Ideen, Allianzen, Narrative und Zukunftsbilder konkurrieren um Aufmerksamkeit. Jeder versucht, Know-how, Kapital oder Unterstützung zu mobilisieren und mit einer stimmigen Geschichte nach Hause zu fahren. Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch alle Gespräche. Wer zu langsam reagiert oder auf Stabilität hofft, verliert Anschluss.
Sein Fazit ist klar: Davos ist kein elitärer Ort im klassischen Sinn, aber einer, der Offenheit verlangt. Wer bereit ist, zuzuhören, Fragen zu stellen und sich auf andere Perspektiven einzulassen, erhält ein einzigartig dichtes Bild der Gegenwart. Nicht einzelne Antworten sind entscheidend, sondern die Summe vieler Gespräche. Zukunft entsteht hier nicht als Plan, sondern als Resonanzraum.
Links und Referenzen zur Folge:
McKinsey Report „The Cusp of a New Era“: https://www.mckinsey.com
Vitra Insights & Trends: https://www.vitra.com
Thomas Mann, Der Zauberberg: https://www.fischerverlage.de/buch/thomas-mann-der-zauberberg-9783100224579
Raphael Gielgen auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/raphaelgielgen
HelloRafa WhatsApp Community: Link über Raphaels LinkedIn-Profil
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