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Stefan und Wolfgang gehen drei Wochen Markus Lanz nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin durch und fragen, wofür die Brandmauer eigentlich da ist. Die ausführlichen Shownotes mit allen Kapiteln stehen bei der werbefreien Salon-Version auf Steady: https://steady.page/de/neuezwanziger/posts/79241126-d69b-4954-958b-271436a07271
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Der Live-Salon vom 18. September 2026 in Frankfurt hat drei Teile: Wolfgang verfolgt die deutsche Aufrüstung vom Interviewsatz bis in die Werkshalle nach Osnabrück, wo statt Volkswagen künftig ein israelischer Rüstungskonzern produzieren soll. Stefan geht danach durch die Accounts, auf denen die amerikanische Regierung ihr Bild von sich selbst herstellt. Zum Schluss die CDU-Content-Creatorin Clara von Nathusius — politische Kommunikation, die aus Erklärvideos besteht.
Vor dem Saal, bei Pizza: Wolfgang kündigt seinen Block über Osnabrück an, wo künftig keine Autos mehr gebaut werden, sondern Waffen für ein israelisches Unternehmen, und stellt in Aussicht, dass er bei Ulf Poschardt enden wird. Stefan nimmt sich die Accounts vor, auf denen das Weiße Haus und die CDU ihre Öffentlichkeit herstellen. Dazu der Ausblick auf den Oktober-Salon: Isabella Webers Buch zur antifaschistischen Wirtschaftspolitik und Richard David Prechts Essay „Auserzählt". Weil viel vom Abend aus Bildmaterial besteht, gibt es ihn für Mitglieder auch als Video.
Stefan klärt, dass zwei Stunden und zwölf Minuten Rohmaterial bereitliegen, gut zwanzig davon von Wolfgang; das Intro läuft ausdrücklich in einfacher Geschwindigkeit. Als Ortsbestimmung dient ein tagesschau-Beitrag über den an Malaria gestorbenen Menschen aus Frankfurt-Schwanheim und die Satellitenkarte mit dem Sieben-Kilometer-Radius um den Flughafen. Stefan wohnt im selben Stadtteil und beschreibt, wie über drei Sendungen hinweg dieselbe Frage gestellt wurde: ob die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragbar sei.
Wolfgang beginnt seinen Block mit drei Ausschnitten. Felix Banaszak antwortet bei Tilo Jung auf die Frage, was Soldaten unter einem AfD-Verteidigungsminister tun sollten, sie könnten immer noch desertieren. Ulrich Siegmund erklärt, man verteufele die Produktion von Rüstungsgütern nicht pauschal, weil man bei späteren Remigrationsoffensiven entsprechende Hilfsmittel brauche. Der dritte Clip stammt von einem Influencer, der bei einer Juso-Veranstaltung berichtet, er habe bei einem Termin mit Selenskyj seinen Bankpin auf eine Kampfdrohne geschrieben. Dazu Ursula von der Leyens Rede zur Lage der Union: knapp eine Milliarde Euro Aufbauhilfe für Gaza, Europa halte die Flamme der Zweistaatenlösung am Leben — Wolfgang stellt dem geschätzte 75 Milliarden Euro Wiederaufbaukosten gegenüber.
Die tagesschau zeigt die Werfthalle in Wismar, in der künftig U-Boote gebaut werden: Dreharbeiten nur eingeschränkt möglich, die Belegschaft zur Verschwiegenheit verpflichtet, die Mitarbeiterzahl soll von 500 auf 1.500 steigen. Vor der Kamera spricht nur der Vertreter der IG Metall: Im Kern stünden die Leute dahinter. Es folgt das Treffen von Boris Pistorius und Pete Hegseth samt gemeinsamer Rüstungserklärung; Stefan liest die Begrüßungsgeste — wer wem auf der Treppe entgegenkommt — und verweist auf den zweiten Konferenztag mit deutlich anderem Ton.
Das Kernstück des Abends, entlang einer Deutschlandfunk-Nova-Strecke. Das VW-Werk Osnabrück geht an das Land Niedersachsen und den Finanzinvestor Aurelius, produzieren soll dort der israelische Staatskonzern Rafael. Der Automobilexperte Frank Schwope erklärt, es gebe bislang nur eine Absichtserklärung; rund 1.400 der noch 1.800 Beschäftigten bekämen voraussichtlich einen Anschlussjob. Dass Aurelius zwischengeschaltet wird, führt er auf das Emirat Katar im VW-Aufsichtsrat und dessen Verhältnis zum Staat Israel zurück. Der Osnabrücker IG-Metall-Chef nennt drei verfolgte Optionen — ein weiteres Auto, eine andere Tätigkeit im Konzern, der Ausstieg — und fasst das Ergebnis als „friss oder stirb" zusammen: entweder Defense oder 1.800 Menschen verlieren ihre Arbeit. Auf die Frage nach Alternativen nennt er Landmaschinen, Maschinenbau und Busse; eine Straßenbahn wäre super, aber der Markt dafür sei nicht groß. Daraus entsteht Stefans Vorschlag für einen Satz, den man bei jeder Meldung aus dem Nahen Osten sagen könne: Straßenbahn wäre besser gewesen. Die Zusicherungen im Beitrag stehen unter Vorbehalt — keine Munition am Standort, keine Waffen für Israel, und ob man aussteigen würde, wenn sich das ändert: „Aus heutiger Sicht ja."
Wolfgang trägt zusammen, was über die Produkte des Konzerns öffentlich zu finden ist. Ein Erklärvideo stellt das Lenkungssystem SPICE vor, das ohne GPS auskommt: Ein Bild des Ziels wird einprogrammiert, die Bordkamera gleicht das Gelände im Flug damit ab, angegebene Trefferabweichung drei Meter. Ein Werbefilm greift Michelangelos David auf, dessen Stein sich in eine SPICE-Rakete verwandelt: forged by our ancestors, refined by us. Ein indisches Verteidigungsmagazin führt den Einschlag im Libanon als Lehrbuchbeispiel vor; Declassified UK zeigt, dass die Londoner Tochter ganz dem israelischen Staatskonzern gehört.
Der Block endet bei einem Podcast von Daniel Stelter und Ulf Poschardt. Stelter sagt, Rüstungsgüter seien auch Exportgüter, deutsche Ausfuhrgenehmigungen dauerten zu lang; Wolfgang hält dagegen, Deutschland stehe in der Weltrangliste der Waffenexporteure auf Platz drei. Poschardt zeigt sich beeindruckt von der deutschen Defence-Tech-Szene, in der die alten Kategorien von Dichtern, Denkern und Tüftlern wieder funktionierten — bei 30 bis 45 Prozent der Deutschen seien die Sekundärtugenden noch intakt. Er zitiert Heraklit mit dem Satz, der Krieg sei der Vater aller Dinge, und nennt die deutschen Rechenmaschinen zur Steuerung der V2. Wolfgang entgegnet, der Staat könne Innovation auch ohne Zerstörung anstoßen, er wolle es nur nicht. Am Ende sagt Poschardt, irgendwann werde man in Europa die Kirchen verteidigen müssen. Wolfgangs Fazit: Jeder sucht sich seinen Kriegsgrund, die einen nennen es Kirche, die anderen liberale Demokratie, am Ende sitzen alle im selben Graben.
Ab hier übernimmt Stefan, ausgehend von einer Zusammenstellung, die The Atlantic über den KI-Schrott auf Trumps Netzwerk veröffentlicht hat: Trump und Washington zu Pferde als Ölgemälde, Trump zwischen Kriegsgenerälen, Trump als Hulk Hogan, ein Eishockey-Cartoon Richtung Kanada, ein Kommandopult im Orbit vor brennender Erde und die Umbenennung des Lake Ontario in Lake America — samt bewaffneter Kanadagänse mit Trump-Frisur.
Stefan beschränkt sich auf die letzten zehn Tage des Accounts. Ein Röhrenfernseher wird eingeschaltet, Trump läuft durch eine Zelda-Landschaft, aus dem Sega-Logo wird Maga, unter einer laufenden Rede läuft ein Arcade-Spiel als zweiter Bildschirm mit. Das meistgesehene Video, neun Millionen Aufrufe, ist das Intro von Rick and Morty mit dem Weißen Haus; ein anderes überträgt den Vorspann von Game of Thrones auf Washington und stellt den eisernen Thron ins Oval Office. Wolfgang ordnet das ein: Jede Präsidentschaft habe eine eigene Ästhetik hervorgebracht, die Trump-Ära drehe Vorhandenes nur noch einmal durch die Maschine. Bei einem Transformers-Video, in dem die Einwanderungsbehörde als Optimus Prime auftritt und Megatron die Freilassung namentlich genannter Migranten fordert, hält er fest, hier diene Fiktion als Gebrauchsanweisung. Dazu ein Labor-Day-Video aus einer vollautomatisierten Stiftfabrik ohne einen einzigen Arbeiter, ein Gebet im Hangar, Pete Hegseth über europäische Strände, die von gefährlichen Ideologien gestürmt würden, und der Sommer-Lesewettbewerb der Second Lady über zwölf Bücher. Stefan stellt eine inszenierte D-Day-Rede gegen eine Aufnahme, in der Trump bei der Verleihung der Medal of Honor ein Bein nachzieht. Zum Schluss liest Trump vor, die Preise verschreibungspflichtiger Medikamente würden um 300, 400 und 500 Prozent sinken — gesendet wird es ungeschnitten.
Stefans Einstieg ist ihr erfolgreichstes Video, in dem sie nacherklärt, was sie am Abend zuvor im Bericht aus Berlin über die Brandmauer gesagt hat, und ankündigt, man müsse zuvor Kohärenz herstellen. Am Beispiel des Freibads vor der Volksbühne, das an einem Tag nur schwarzen Menschen offenstand, beschreibt Wolfgang das Muster: ein Erklärvideo mit historischem Kontext, hier ein Gerichtsurteil aus Baltimore von 1954 — die Art Kontext, die sich heute in Minuten erzeugen lasse. Stefan hält ihr entgegen, dass sie Politikern rate, weniger über ihre Arbeit und mehr über ihre Meinung zu sprechen, während er wissen wolle, was jemand im Bundestag getan hat. Über die aus dem Pentagon abgezogenen Journalisten sagt sie, sie seien nicht hinausgeworfen worden, sondern selbst gegangen. Es folgen ihre Wahlabend-Videos aus Sachsen-Anhalt, wo sie die Reihe „Kunst braucht Freiheit" mit Dieter Hallervorden moderiert hat, ihre Ablehnung eines AfD-Verbotsverfahrens und Andreas Rödder, der die Brandmauer als das genialste Machtinstrument bezeichnet, das die politische Linke je in der Hand hatte. In zwei Wohnungsvideos steht dieselbe Konstruktion zweimal: Enteignung sei, als kaufe man eine Buslinie und finanziere den Kredit über den Ticketverkauf, der Mietendeckel, als werfe man einen Toaster in die Badewanne und kaufe beim nächsten Mal einen größeren.
Zum Abschluss die Frage, ob Friedrich Merz im Amt bleibt. Wolfgang wünscht es sich, weil die Mobilisierung gegen ihn etwas hervorbringen könne, ein einigender Kandidat den Unmut dagegen auflöse. Stefan gesteht, sich im Fernsehpodcast zu dem Satz hinreißen lassen zu haben, er würde Hendrik Wüst akzeptieren — und schließt sich Wolfgang genau deshalb an. Wolfgang erinnert an eine Talkshow, in der Howard Carpendale einen Kanzlerkandidaten damit begründete, der habe ihm gut gefallen. Der Abend endet mit Applaus als Solidarität mit dem Kanzler.
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Fünf Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gehen Stefan und Wolfgang Nachwahlbefragungen und Clips aus Podcasts und Morning Briefings durch. Die Leitfrage: Hat die soziale Lage oder die Migration die Wahl entschieden?
Wolfgang nennt Zahlen: 65 Prozent derer, die ihre finanzielle Lage als schlecht einschätzen, haben AfD gewählt. Gegen einen Instagram-Post von Aladin El-Mafaalani hält er, dass beides zusammengehört, und erzählt von einer Mutter am Bahnsteig, die Lehrerzeit für ihren Sohn gegen ausländische Kinder aufrechnet.
Wolfgang: Der immer vorhandene Rassismus finde jetzt politischen Ausdruck. Stefan fragt, wie solche Haltungen früher eingehegt wurden, und rechnet vor, dass die AfD auch mit absoluter Mehrheit nur vier von 69 Bundesratsstimmen hätte.
Im Podcast „Ronzheimer" fragt Filipp Piatov, wie die Regierung das Geld rechtfertigt, das ins Ausland fließt; Paul Ronzheimer hält dagegen, es gebe nur einen Haushalt. Stefan nennt Tom Krebs' Zahl: Haushalten fehlen 12.000 Euro, die Regierung verspricht 600.
Zwei Morning Briefings: Am Montag heißt es, die Mitte habe die falschen Themen gesetzt, wahlentscheidend seien Steuern und Abgaben; am Dienstag ist die Wahlbevölkerung reformmüde. Stephan Grünewald erklärt dort die Reformaversion mit Zumutungen und vermisst die Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede des Kanzlers.
Im Podcast „Machtwechsel" merkt Dagmar Rosenfeld an, Journalisten hätten Friedrich Merz erst für verschobene, dann für vorgezogene Reformen gerügt; Robin Alexander sagt, alle wüssten, was zu tun sei, nur niemand, wie man Mehrheiten organisiert. Stefan hofft auf Blockade, solange Reform Kürzung bedeutet; Wolfgang befürchtet Boris Pistorius als nächste Galionsfigur.
Tom Krebs „Kapital und Krise", das FReDA-Panel zum Kinderwunsch, das AfD-Wahlprogramm, der PISA-Bericht gegen Karin Prien und Friedrich Merz, Hanna Jacobs' Zeit-Text zum Sonntagsgottesdienst, Mithu Sanyal „Nein", Rachel Cusk „Das Leben der M" und ein Text aus Le Monde diplomatique über Warteregime in Freizeitparks.
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Dieter Hallervorden hat mit seinem Sohn Johannes einen Wahlkampfspot veröffentlicht, der dazu aufruft, nicht die AfD zu wählen; darin verweist er auf seine Kindheit unter der NSDAP. Wolfgang interessiert weniger der Aufruf als die Diskurslage: Hallervorden sei im linksliberalen Spektrum ausrangiert gewesen, halte aber am demokratischen Diskurs fest. Daran knüpft er die These, dass Freund-Feind-Schemata Leute in die AfD-Ecke treiben, und schildert einen SPD-Wirtschaftskongress, auf dem seine Position zum Ukrainekrieg als Russland-Propaganda abgetan wurde. Stefan hält den NSDAP-Vergleich für materiell unhaltbar: 1933 seien die 0- bis 10-Jährigen die größte Bevölkerungsgruppe gewesen, bei einem Prozent Ausländeranteil und 30 Prozent Arbeitslosen, während Sachsen-Anhalt heute das älteste Bundesland sei.
Zunächst eine Frage aus der Merz-Sendung: Eine Pfarrerin aus Wernigerode berichtet, ihre Jugendlichen fühlten sich dem AfD-Weltbild hilflos ausgeliefert, und fragt nach einer Vision für junge Menschen. Merz antwortet mit Fröhlichkeit und dem Wunsch, aus der Verdrießlichkeit herauszukommen — für Wolfgang eine Nichtbeantwortung, für Stefan das Ausbleiben jedes Angebots, das über die eigene Person hinausweist. Im TV-Duell hält Sven Schulze dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund fehlende Konzepte, das Frauenbild der Partei und die Steuerung aus der Schweiz entgegen, Siegmund kontert mit 24 Jahren CDU ohne beitragsfreie Kita. Stefan liest Schulzes Auftritt als planvolle Arbeit an Themen, während Siegmund den Widerstandsgestus für den Fall einer Regierungsübernahme vorbereite: Das große Rad werde in Berlin gedreht, im Land seien 300 bis 500 Millionen freizumachen. Beide ordnen das ökonomisch ein — Sachsen-Anhalt erwirtschafte mit 2,1 Millionen Einwohnern weniger als Hamburg, München oder Köln. Wolfgang merkt an, derselbe Satz über die Abhängigkeit von Berlin könnte auch von einem SPD-Politiker stammen.
In der Vorbefragung durch Pinar Atalay wird Merz mit einer Forsa-Umfrage konfrontiert, nach der 82 Prozent ihm nicht vertrauen; er antwortet, er überprüfe seine Politik regelmäßig. Ein Einschub aus dem ARD-Sommerinterview zeigt ihn zur Hitzevorsorge: 300 Maßnahmen seien beschlossen, den Rest müsse die Gesellschaft leisten — er frage seine Eltern, ob sie genug getrunken hätten. Als Kontrast spielt Stefan zwei Archivfunde: Gerhard Schröder auf dem Parteitag von Martin Schulz und Harald Schmidt, der einen Text von Peter Kümmel über Schröders Wahlplakat liest, in dem die gefühlte Zeit des Kanzlers über die Realzeit gestellt wird. Im Bürgerteil fragt ein dreifacher Familienvater, warum Familien nicht vorkämen; Merz verweist auf Kindergeld, Kinderfreibetrag und bis zu 600 Euro Steuerentlastung im Jahr ab 2028 — Stefan rechnet das auf 1,80 Euro pro Tag für eine fünfköpfige Familie herunter. Die Kinderärztin Bea Merscher, die über eine halbe Million Follower auf Instagram erreicht, wirft ihm die Budgetierung der Kindermedizin vor, nennt 2,64 Milliarden Euro Kürzung im ambulanten Bereich neben einer Milliarde für Schloss Bellevue und ihre Petition gegen die Krankschreibung ab Tag eins. Merz weist den Vorwurf eines vorsätzlichen Bruchs seines Amtseids als persönliche Herabsetzung zurück; Stefan hält gerade diese Formulierung für die treffende Beschreibung der Sachlage, Wolfgang für ein Eingeständnis, dass Aufrüstung Vorrang hat. Zum Schluss geht es um den Bierdeckel von 2003, die Umfragewerte im Vergleich zu Scholz und Merkel sowie um die Stadtbild-Äußerung, die Merz nicht bereut und von Müll auf Kriminalität mit überdurchschnittlichem Ausländeranteil verschiebt.
Zum Umgang von Regierungen mit Opferzahlen berichtet die ARD-Korrespondentin Lena Bodewein über das Erdbeben in Nepal und die unklare Lage in Tibet. Wolfgang schildert einen Streit auf der Utopie-Konferenz in Lüneburg und die Transparenzlücke bei Aktienbesitz von Abgeordneten: anzugeben erst ab fünf Prozent an einem Unternehmen — bei einem Konzernwert wie dem von Rheinmetall praktisch nie. Den Hauptteil bilden Ausschnitte mit Torsten Reil, dem Chef von Helsing, der Panzer für überholt erklärt, Europa 100.000 Drohnen empfiehlt, autonome Schwärme und einen KI-gesteuerten „superhuman fighter pilot" beschreibt und als Ziel formuliert, Verluste gegen null zu senken. Beide halten dem entgegen, dass dieses Szenario nur funktioniert, wenn der Gegner nicht nachrüstet; Wolfgang liest dazu einen Dialog aus „Oppenheimer", in dem Truman die sowjetischen Ressourcen unterschätzt. Zur Gegenprobe kommt der ntv-Korrespondent Christoph Wanner zu Wort, der von russischen Drohnen mit Düsenantrieb bei über 500 km/h berichtet, gegen die ukrainische Abfangdrohnen kaum ankommen. Im Podcast von Paul Ronzheimer geht es um das Personalproblem der ukrainischen Armee und die Ablösung des Oberkommandierenden. Den Bogen zum Faktor Mensch schließen Clips zum Sudan mit dem ARD-Korrespondenten Ramin Sina und dem Welternährungsprogramm zur Lage um El Obeid — Wolfgangs Rechnung: Tausende Euro, um einen Soldaten zu töten, aber kein Euro, damit jemand einen Tag überlebt.
Am Flughafen Leipzig-Halle wurde erstmals eine Drohne samt Sprengstoff sichergestellt, kurz darauf eine dritte gefunden; im Zeit-Podcast wird berichtet, dass der Sprengstoff auch militärisch genutzt wird. Stefan hält für offen, ob man überhaupt erkennen würde, gegen wen man einen Krieg verliert, und verweist auf den Norad-Chef, dem für Drohnenschwärme schon die Sensoren fehlen. Wolfgang befürchtet, dass bei einer Häufung solcher Fälle der Spannungsfall ausgerufen wird und die liberale Demokratie schnell illiberal wird. Zur Rechtslage: Betreiber kritischer Infrastruktur dürfen Drohnen nur detektieren, das Abschießen liegt bei der Bundespolizei mit rund 300 Kräften bundesweit. Eine litauische Recherche über angeworbene Kuriere, die Sprengsätze in Vilnius platzieren sollten, führt beide zu der Frage, ob Akteure jenseits des Kreml eigenständig handeln. Merz nennt das Geschehen hybride Kriegsführung, auf die man sich vorbereite; Stefan übersetzt das in Konferenzen mit jenen Firmen, die die Abwehrdrohnen verkaufen.
Brian Schimpf, Chef von Anduril Industries, schildert im Podcast „Prof G Market", wie das Unternehmen 2015/16 in einen Rüstungssektor einstieg, den im Silicon Valley niemand anfassen wollte. Das Portfolio reicht von Grenzüberwachung über Drohnenabwehr und Wingman-Drohnen bis zu U-Booten; Stefan liest daraus einen Vollsortimenter, der jede Bedrohungslage mit einem eigenen Gerät beantwortet. Ob das Geschäft von einer instabileren Welt profitiere? Schimpf verweist auf das Ende der amerikanischen Dominanz und darauf, dass der Angreifer den Ort bestimmt, der Verteidiger also überall bereit sein müsse. Auf die Verantwortungsfrage antwortet er, Tech-Leute sollten keine Politik machen, dafür sei niemand gewählt worden — woraus Wolfgang folgert, Profite würden privatisiert und die Verantwortung vergesellschaftet.
Ein Beitrag des TLDR News Magazine beschreibt Kubas Solarausbau, der weniger dem Klima als der Energiekrise geschuldet ist: Venezuela fiel als Öllieferant aus, nachdem US-Streitkräfte im Januar 2026 den venezolanischen Präsidenten festgesetzt hatten. China liefert die Module — rund 80 Prozent der Weltproduktion — und baut damit seinen Einfluss in der Karibik aus. Der Energieminister räumte ein, nur einen Bruchteil der Kapazität nutzen zu können, weil Batteriespeicher fehlen. Stefan verweist auf eine Spiegel-Kolumne von Christian Stöcker, nach der der Zubau von Batteriespeichern in Deutschland um den Faktor 27 wächst. Wolfgang erinnert an eine These von Adam Tooze, die USA hätten erneuerbare Energien nie stärken wollen, weil sie damit Druckmittel verlieren. Anschließend eine Reportage der New York Times über Rettungskräfte in Phoenix, die überhitzte Patienten in Eis packen.
Die Linksfraktion hat ein Rechtsgutachten und ein Konzept für einen bundesweiten Mietendeckel vorgelegt: Mieten in angespannten Märkten sollen eingefroren, Erhöhungen anderswo gedeckelt werden. Im Deutschlandfunk trägt ein Wohnforscher das übliche Gegenargument vor, eine starke Mietenregulierung bremse den Neubau. Stefan referiert, dass beim Kauf einer Wohnung durch den Staat kein Wert verloren geht, weil die Wohnung anschließend vorhanden ist. Der Logik vom teuren Neubau, der über Umzugsketten den Mietmarkt entspanne, hält Wolfgang entgegen, der Staat müsse selbst bauen und als Konkurrent auftreten. Zum Abschluss plädiert Stefan dafür, danach zu fragen, zu welchen Bedingungen Ökonominnen und Ökonomen ins Fernsehen eingeladen werden.
Der nächste Salon behandelt „Kapital und Krise. Wie Deutschland aus der Wirtschaftskrise findet und wie nicht" von Tom Krebs, das am 16. September im oekom Verlag erscheint. Wolfgang kündigt außerdem einen Essay von Mithu Sanyal gegen die Militarisierung an, Stefan weist auf seinen zweiten Podcast Kontextfenster hin, den er mit Florentine über KI-Texte macht. Im Forum gibt es künftig Shownotes, in denen alle gespielten Clips einzeln aufgeführt und verlinkt sind; vom Sommersalon gibt es zusätzlich eine Videofassung.
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Vollständige Shownotes mit allen Quellen: https://smalltalk.neuezwanziger.de/t/715
Der Sommersalon 2026, aufgezeichnet am 22. August im Saalbau Bornheim in Frankfurt vor über 600 Zuschauern. Wolfgang hat ein vierstündiges Podcast-Interview des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durchgearbeitet, Stefan nimmt die beschlossene Nachrichtendienstreform auseinander, und zum Schluss geht es in den ZDF-Fernsehgarten.
00:00:00 Begrüßung
00:09:48 Ulrich Siegmund
01:03:21 Die Geheimdienstreform
01:36:33 Die Maschinen kommen
02:01:56 Fernsehgarten
02:29:27 Verabschiedung
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Theo Bakers Stanford-Buch „How to Rule the World" als Hauptbuch. Dazu: zwei Romane, eine Phänomenologie des Narzissmus, drei Lesarten von Nolans „Odyssee", die Romantik-Flaute, ukrainisches Kriegsmarketing, KI-Firmen als Buchkäufer — und Schubert.
00:00:00 Vor dem Salon
Hinweis auf den Live-Salon am 22. August in Frankfurt im Saal Bornheim; es gibt noch Karten.
00:25:21 Salon-Lektüre
00:33:25 Salon für Juli 2026
00:34:19 Theo Baker: How to Rule the World
02:15:26 Theo Baker in einer Minute
02:17:11 Ruth-Maria Thomas: Die zweitgrößte Liebe
02:31:56 Faith Hill: Die große Romantik-Flaute
02:46:17 Fuchs / Arnold: Das unersättliche Selbst
03:02:48 Nolans Odyssee: Merchant, Wilson, Parrales
03:29:09 Nguyễn Egger: Vielleicht im Sommer
03:34:53 Jermolenko: Habermas und der Krieg
03:52:53 Sonja Zekri: Concept-Stores der Militärverbände
04:01:49 Alex Reisner: Are AI Companies Destroying Books?
04:12:46 Hasselhorn / Bushakevitz: Schubert-Lieder
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00:00:00 Es war Juli 2026 — Begrüßung von Texel aus, direkt hinein in die Personalie des Monats.
00:00:53 Jens Spahn — Rücktritt als Minister mit Mandat; Doppelmoral-Kritik von SPD bis Grünen, gestürzt von den Frauen der Union. Vergleich mit Anne Spiegel: Familienthemen geben den Ausschlag.
00:11:28 Nolans Odyssee — IMAX-Fetisch und Professoren-Faktenchecks am Trailer; die ausgedachte Geschichte wäre so misstrauisch zu lesen wie Politikererzählungen.
00:15:51 Die Finals — 40 deutsche Meisterschaften zeitgleich in Hannover; junges ZDF, alte ARD-Fragen.
00:20:17 Sommersalon — Live-Salon am 22. August in Frankfurt, Karten über die Website.
00:21:51 Hitze und Brände — Waldbrände in Südeuropa, Dürre und Feuerverbot auf Texel.
00:23:42 Merz' Fleißarbeit — These: Merz arbeitet nicht, wo Merkel und Kohl Interessenausgleich betrieben; Politik-Podcasts als Deskription ohne Analyse, während Austerität und Aufrüstung unverhandelt bleiben.
00:32:13 Leihmutterschaft — Ethikrats-Chef Frister (Dlf) und Brosius-Gersdorf (ZDF) pro regulierte Leihmutterschaft; Wolfgang zieht eine rote Linie gegen Bauchvermietung, Stefan will altruistische Einzelfälle zulassen.
01:31:10 Mamdani zu Bregmans Frage — Regieren brauche Absurdität und Ehrlichkeit; erklärungsbedürftig ist danach die Unehrlichkeit von Rutte oder Merz.
01:36:54 Salon-Lektüre — Nächste Lektüre: Theo Bakers „How to Rule the World" über Stanford.
01:39:25 KI-Investmentblase — Tooze: Die Bewertungen tragen nur, wenn Amerika Rechenzentrum der nicht-chinesischen Welt wird. Zombie-Unicorns, einbrechende Cashflows, 40 Prozent des S&P 500 — Stefans Fazit: hochgefährlich.
02:25:41 Xi zu KI — Xis erste Rede auf der World AI Conference: Open Source, menschliche Kontrolle, UN-Governance. Zwischen benevolentem Führer und Dominanzanspruch; Parallelen zu Putin 2001 und Kluges Antikrieg.
03:01:03 KI-War zwischen China und Amerika — Open-Weight-Modelle als AI-Dumping: 87 Cent statt 50 Dollar pro Million Tokens. Der Destillationsvorwurf fällt auf die Ankläger zurück; am Ende die Verhinderung eines Lock-in-Kapitalismus.
03:41:01 Lokal AI — Modelle auf eigener Hardware als nächste Entwicklung, das Balkonkraftwerk für KI; Aufruf an die Hackerszene und den Chaos Communication Congress.
04:01:56 Kermanis Hinweise zum Gelöbnis — Kermani am 20. Juli: Pflicht zum Widerstand statt Gehorsam, Merz namentlich als wankelmütig benannt.
04:06:32 China und das Öl — Warum der Ölpreis nicht explodierte: China halbierte seine Importe — Vorbau gegen das Malacca-Dilemma und Hebel gegenüber Trump.
04:33:10 Kanzlergesetze — Schirachs Sieben-Jahre-Kanzler mit drei Gesetzen; dagegen Manows Abwahl-Argument und Stefans Gegenentwurf aus Gremien und ertüchtigtem Parlament.
04:44:30 The Farlands — TikToks Randgebiete zwischen Brainrot und Folklore-Horror, erschlossen über Zahlencodes; Bourdieu, Long Tail und die Entzauberung der Algorithmen.
05:02:03 Salon-Hinweise — Sommersalon-Tickets, Bakers Stanford-Buch als nächste Lektüre, Abo über Steady, Apple oder Patreon.
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22. August in Frankfurt: Tickets für den Sommersalon
Stefan und Wolfgang steigen mit der EU-Chatkontrolle ein und verbinden sie mit der Einschränkung des Informationsfreiheitsgesetzes und der Frage, ob Konzerne oder Politik regieren. Stefan fordert materielle Kritik statt Empörung in Feedback-Schleifen, Wolfgang hält Konsumboykotte für Pseudoaktivismus; daran schließt ein Schlagabtausch über den Überlebenskampf von OpenAI an. Stefan skizziert eine blockierte Republik, in der die Fixierung aller Parteien auf die Verhinderung der AfD scheitern werde, und verteidigt seine Presseclub-Aussage zur Kapitalmarktrendite von 3,5 Prozent. Das Kapitel endet mit Stefans These, Trumps Wahlerfolg 2016 sei durch das „Grab them by the pussy"-Video begünstigt worden — Wolfgang erklärt das mit Redeckers Phantombesitzverteidigung.
Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus (S. Fischer)
Anna-Verena Nosthoff: Kybernetik und Kritik (Suhrkamp)
Christoph Nonn: Bismarck. Ein Preuße und sein Jahrhundert (C.H.Beck)
Valerie Schönian: AfD in Sachsen-Anhalt: Lohnt sich das Reden? (DIE ZEIT)
Norbert Gstrein: Im ersten Licht (Hanser)
TC Sottek: The world's first trillionaire is a killer (The Verge)
Jan Schlemermeyer: Links, demokratisch, wehrhaft (Blätter 7/2026)
Jan Schwenkenbecher: Hitzetote: Hitze – die unterschätzte Gefahr (DIE ZEIT)
Trio E.T.A.: un///known (Album)
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Wolfgang berichtet vom vorigen Abend in der Kölner Philharmonie, wo Grigory Sokolov Beethoven und Schubert spielte und sechs Zugaben gab, sodass er erst um 23 Uhr herauskam. Er erwähnt, dass viele Zuschauer den Saal nach dem Hauptprogramm fluchtartig verließen, um das Fußballspiel zu sehen.
Stefan und Wolfgang sprechen über die Schlagzeile, dass Jürgen Klopp die Rettung für die Nationalmannschaft sein könnte. Wolfgang vergleicht diese Debatte mit der Frage nach dem nächsten Bundespräsidenten und schlägt scherzhaft vor, Hape Kerkeling zum Bundestrainer zu machen; Stefan wirft ein, man brauche vielleicht eine Frau, und nennt Ilse Aigner.
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Stefan berichtet von seiner Rückfahrt nach Frankfurt, das als heißeste Stadt Deutschlands gelte. Wolfgang fordert eine Debatte über Klimaanlagen für alle und kritisiert, dass sich diese in Gastronomie und Hotellerie noch nicht durchgesetzt hätten. Stefan plädiert dafür, statt über den Klimawandel über Klimaanpassung zu reden; er nennt die in Frankfurt am Freitag erstmals überschrittenen 40 Grad, zwei Notarzteinsätze in der Klasse seines Sohnes und kritisiert, dass der Journalismus einen Berliner Wasserwerfer feiere, statt über Klimatisierung zu sprechen.
Stefan und Wolfgang widmen sich einem rund 30-minütigen Deutschlandfunk-Essay von Nils Schniederjann mit dem Titel „Die Machtfrage. Muss die Linke sich von ihrem eigenen Liberalismus befreien?". Im Essay heißt es, ausgehend vom Karlsruher Klima-Urteil vom 24. März 2021, die Linke habe sich an den Liberalismus gekettet und habe wie die Liberalen Angst vor dem Volk; unterschieden wird zwischen Demokratie und liberaler Demokratie, in der Institutionen und Gerichte den politischen Spielraum begrenzen. Der Clip beruft sich auf den französischen Philosophen Jean-Claude Michéa und auf postliberale Denker wie Patrick Deneen, Adrian Vermeule und Sohrab Ahmari. Wolfgang stellt wiederholt die Frage, ob man für Klimaschutz oder Umverteilung überhaupt Karlsruhe und die Verfassung brauche oder ob man der Mehrheit mehr zutrauen solle, und verweist dabei auf Nancy Frasers „progressiven Neoliberalismus", Catherine Lius These zur Professional Managerial Class sowie auf Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann. Stefan argumentiert demgegenüber, das Klimathema falle anders als die Schuldenbremse unmittelbar unter die Menschenwürde des Artikels 1. Beide bemängeln, dass die postliberale Debatte zu wenig über Geld und Kapitalismus spreche; Wolfgang führt am Beispiel der Notenbankunabhängigkeit (EZB, Trump und die Fed, mit Verweis auf Adam Tooze und Liz Truss) aus, dass eine konsequente Politisierung einen radikalen Umbau bedeuten würde. Als Beispiele illiberaler Entwicklungen nennt der Essay die annullierte rumänische Präsidentschaftswahl mit dem nicht zugelassenen Călin Georgescu und den ignorierten Berliner Enteignungs-Volksentscheid. Zum Abschluss richtet Wolfgang an die postliberale Linke die Gegenfrage, ob sie nicht selbst Angst vor der Freiheit habe.
Wolfgang und Stefan kündigen den Sommersalon am 22. August im klimatisierten Saalbau Bornheim in Frankfurt an, einen Live-Podcast ohne festgelegtes Thema, zu dem es Tickets auf neue20er.de gibt.
Stefan und Wolfgang besprechen den Abschlussbericht der Alterssicherungskommission; Stefan kritisiert, dass die mediale Rezeption die Einführung einer verpflichtenden Kapitalrente nicht durchdrungen habe. Er erläutert das Modell: Ab 2031 werde der Beitragssatz paritätisch um zwei Prozentpunkte (rund 30 Milliarden Euro jährlich) erhöht, das Geld in vorausgewählte Fonds investiert, ohne Vererbbarkeit und mit selbst getragenem Risiko, und laut Bericht bevorzugt im Ausland angelegt; so würden über zwanzig Jahre rund 600 Milliarden Euro während des Renteneintritts der Babyboomer dem Umlagesystem entzogen. Wolfgang ordnet das Vorgehen als beschleunigte Deindustrialisierung ein, da das Geld ins Ausland statt in deutsche Unternehmen fließe. In Clips aus Pressekonferenz und Tag der Industrie äußern sich Friedrich Merz, der die Integration der Kapitalrente in die erste Säule als Einlösung der christlichen Soziallehre bezeichnet, Bärbel Bas, die den Bericht trotz eigener Unkenntnis des Textes als „Gesamtkunstwerk" ohne Rosinenpicken einführt, sowie Frank-Jürgen Weise und Annika Klose, die unter anderem auf die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und ein Mischmodell nach schwedischem Vorbild eingehen. Stefan unterscheidet Alterssicherung und Rentenkasse, beziffert beitragsfremde Leistungen auf 60 bis 100 Milliarden Euro und benennt die eigentliche Deckungslücke mit 1,2 Prozent des BIP beziehungsweise 54 Milliarden Euro. Beide kritisieren die Empfehlung, ausschließlich Löhne und Gehälter zur Beitragsbemessung heranzuziehen und Kapitalerträge, Mieteinnahmen sowie Vermögens-, Erbschafts- und Abgeltungsteuer auszuklammern. Wolfgang verweist auf das Mackenroth-Theorem und kennzeichnet Merz als Blackrock-Kanzler.
Wolfgang leitet das Kapitel mit einer Wirtschaftsmeldung aus dem Handelsblatt Morning Briefing zum Stellenabbau bei VW, Mercedes und Bosch ein, wonach bis zu 100.000 weitere Stellen wegfallen könnten. Anschließend spielen die beiden mehrere Clips aus dem Podcast „Lanz & Precht" ein, in dem der Investigativjournalist Christian Schweppe über die Rüstungsindustrie spricht; Schweppe erklärt die sogenannte Bonner Formel mit einer auf rund sechs Prozent begrenzten Rendite und beschreibt die Preisbildung als Blackbox, in der selbst das Parlament und die Preisprüfer im Beschaffungsamt BAAINBw in Koblenz die Preise kaum nachvollziehen könnten, mit Beispielen wie 65.000 Euro für ein Funkgerät und einem Tag im Haushaltsausschuss, an dem rund 50 Milliarden Euro an Rüstungsvorlagen in vier Stunden bewilligt worden seien. Stefan spricht von Bereicherung und davon, dass dieselben Akteure die Bedrohungsdebatte vorantrieben; Wolfgang verweist auf Abgeordnete aus Rüstungs-Wahlkreisen. Im zweiten Teil spielt Wolfgang Clips von Ursula von der Leyen bei der Ukraine Recovery Conference in Danzig ein, in denen sie die ukrainische Drohnenproduktion, den Ukraine-Support-Loan und eine tiefere Integration der Verteidigungsindustrie lobt; Wolfgang stellt dem die These einer Verbilligung des Krieges gegenüber und kritisiert, dass ukrainische Männer im wehrfähigen Alter durch eine Absprache mit Selenskyj nicht mehr unter die Massenzustromrichtlinie fielen. Wolfgang referiert einen Artikel von Yaroslav Trofimov im Wall Street Journal über russische Drohungen gegen die baltischen Staaten und zitiert Kaja Kallas, Russland müsse eskalieren, um die Mobilmachung zu rechtfertigen. Den Abschluss bilden Clips von John Mearsheimer aus einem Gespräch mit Daniel Davis, in denen Mearsheimer argumentiert, der Westen und die Ukraine führten gemeinsam einen Drohnenkrieg gegen Russland und Putin betrachte den Westen als Kriegspartei. Wolfgang kritisiert, dass keine friedenspolitische Stimme mehr vernehmbar sei und die AfD die Lage instrumentalisiere.
Stefan und Wolfgang besprechen mehrere Clips zu außen- und sozialpolitischen Themen. Zunächst zitieren sie einen Deutschlandfunk-Clip mit Außenminister Johann Wadephul, der sagt, die Außenpolitik richte sich nicht nur nach völkerrechtlichen Maßstäben, sondern wäge auch Bündnis-, Wirtschafts- und sicherheitspolitische Interessen ab. Anschließend geht es um die BAföG-Kürzungen anhand eines Gesprächs von Wolfgang Heim mit Helene Bubrowski (künftige Herausgeberin der FAZ), in dem ein Interview mit Forschungsministerin Bär und eine Äußerung des Juso-Vorsitzenden Philipp Türmer zu einem kurzzeitigen, wieder einkassierten Politikskandal werden. Ein längerer Deutschlandfunk-Bericht zur Pflegeversicherung wird eingespielt: ohne Reform stiegen die Defizite bis 2028 auf über 15 Milliarden Euro, geplant seien unter anderem eine fachliche Pflegebegleitung statt Geldleistungen bei Pflegegrad 1, gekürzte Rentenbeiträge für pflegende Angehörige und eine Abkehr von der Tarifbindung; zu Wort kommen Albert Stegemann (CDU), Katja Kipping vom Paritätischen Gesamtverband, DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi, GKV-Sprecher Florian Lanz und der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis. Zum Abschluss greifen sie einen AfD-Redebeitrag von Christina Baum zur Organspende auf, in dem diese vor Organkriminalität warnt und nach psychischen Folgen einer „Wesensveränderung" durch ein fremdes Organ fragt, was Stefan und Wolfgang mit Fragen nach „Deutschsein" und Migrationshintergrund verknüpfen.
Wolfgang kündigt die beiden im Salon besprochenen Bücher an: das neue Buch der Philosophin Eva von Redecker zum „Drang nach Härte" und, zur Frage nach dem Faschismusbegriff, das Buch von Oliver Nachtwey und Carolin Amlinger sowie auszugsweise das neue Buch von Anna-Verena Nosthoff über Kybernetik und Politik (Suhrkamp). Er erläutert die Abo-Möglichkeiten über neue20er.de und Steady (mit Zugang zum Salon-Archiv), Patreon und Apple und verweist auf eine im letzten Live-Salon mit Jan-Philipp Reemtsma geführte Diskussion zum Faschismusbegriff. Zum Schluss weisen sie auf den Sommersalon am 22. August im Saalbau Bornheim in Frankfurt hin.
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