Stefan und Wolfgang treffen sich vor dem Salon
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Shownotes
Wolfgang und Stefan blicken auf die aktuelle Nachrichtenlage und diskutieren das Ausbleiben einer Positionierung der Bundesregierung zur US-Politik im Iran sowie zu Israels militärischem Vorgehen im Libanon. Stefan berichtet von einer Reise ins Saarland und zieht Parallelen zwischen den Kriegerdenkmälern der Schlacht bei Spichern und der gegenwärtigen geopolitischen Situation. Zudem ordnen sie die neu eingeführten Meldepflichten für wehrfähige Männer in Deutschland ein.
Salon
Zur vollständigen Ausgabe
00:28:27 Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben
Wolfgang und Stefan diskutieren anhand von Peter Sloterdijks neuem Buch die Rückkehr autokratischer Führungsfiguren. Sie erläutern, wie Sloterdijk Parallelen zu Machiavellis „Der Fürst“ zieht, um Politiker wie Donald Trump oder Wladimir Putin einzuordnen. Stefan beleuchtet die These, dass moderne Politik zunehmend durch eine kalkulierte „Fernethik“ geprägt sei, während Wolfgang herausarbeitet, inwiefern der Autor ein fatalistisches Bild der gegenwärtigen Demokratie zeichnet.
02:22:53 Sloterdijk in 1 Minute
Wolfgang und Stefan fassen die Kernargumente aus Peter Sloterdijks Buch „Der Fürst und seine Erben“ zusammen. Sie resümieren die Diskussion über das Verhältnis von Volk, Macht und autokratischen Tendenzen innerhalb liberaler Demokratien.
02:24:04 Adrian Daub: Was das Valley herrschen nennt
Das Gespräch wendet sich Adrian Daubs Analyse der Machtstrukturen im Silicon Valley zu. Wolfgang skizziert, wie Technologie-Milliardäre ihre Plattformen nutzen, um gesellschaftliche Diskurse zu dominieren. Stefan erläutert Daubs Unterscheidung zwischen sogenannten „Caretakern“ und „Creeps“ und wendet diese auf Personen wie Elon Musk an. Gemeinsam betrachten sie die elitäre Abkapselung und die ideologischen Fundamente der Technologiebranche.
03:33:19 Daub in 1 Minute
In einem kurzen Fazit bündeln Wolfgang und Stefan die Hauptargumente aus Adrian Daubs Buch. Sie rekapitulieren die vorgebrachte Kritik an der unregulierten Machtausübung und dem Demokratieverständnis der Silicon-Valley-Akteure.
03:34:29 Ben Lerner: Transkription
Wolfgang stellt den Roman „Transkription“ von Ben Lerner vor, in dem ein fiktives Interview mit einem 90-jährigen Mentor namens Thomas im Zentrum steht. Er ordnet ein, dass diese Figur stark an den deutschen Autor Alexander Kluge angelehnt ist. Das Gespräch beleuchtet die erzählerischen Ebenen des Buches, insbesondere den Umgang mit Erinnerungen und das Verhältnis der Generationen zueinander.
03:42:13 Haberman, Swan: How Trump Took the U.S. to War With Iran
Ausgehend von einem Artikel der New York Times rekonstruieren Wolfgang und Stefan die regierungsinternen Prozesse in den USA, die zum Krieg mit dem Iran führten. Stefan schildert die Treffen im Situation Room und die Dynamiken zwischen Donald Trump, Benjamin Netanjahu und Beratern wie Marco Rubio. Sie analysieren die Entscheidungsfindung der US-Administration und vergleichen diese Vorgänge mit der zuvor besprochenen Machtanalyse von Sloterdijk.
03:52:26 Jörg Baberowski: Am Volk vorbei
Wolfgang präsentiert Jörg Baberowskis Buch „Am Volk vorbei zur Krise der liberalen Demokratie“ als Gegenentwurf zum gängigen Diskurs über den Schutz staatlicher Institutionen. Er gibt Baberowskis These wieder, dass liberale Institutionen und Gerichte den demokratischen Souverän zunehmend entmachten würden. Stefan und Wolfgang debattieren die Kritik des Autors, wonach sich die politische Klasse durch Verrechtlichung vor dem Volkswillen abschirme.
04:08:00 Timothy Snyder: The Next Coup Attempt – And How to Stop It
Stefan analysiert einen Text des Historikers Timothy Snyder, der fünf mögliche Szenarien für einen erneuten Putschversuch von Donald Trump skizziert. Stefan bewertet Snyders Ansätze teilweise als realitätsfern, insbesondere im Kontext der parallelen US-Militärhandlungen im Iran. Wolfgang und Stefan vergleichen Snyders Fokus auf den Schutz der Institutionen abschließend mit der zuvor diskutierten Staatskritik von Baberowski.
04:17:28 Roman Widder: »War mir so nicht bewusst«
Wolfgang bespricht einen Artikel von Roman Widder aus der Zeitschrift Merkur, der die mediale Rolle deutscher Militärexperten wie Carlo Masala thematisiert. Er referiert Widders Argument, dass der deutschen Öffentlichkeit die tatsächliche innenpolitische und gesellschaftliche Dynamik der Ukraine oftmals vorenthalten bleibe. Stefan und Wolfgang sprechen über die beschriebene Kluft zwischen westeuropäischen Projektionen und den Realitäten innerhalb der ukrainischen Gesellschaft.
04:27:13 Anna Holmes: The People Who Shun Super-Popular Pop Culture
Stefan greift einen Text von Anna Holmes aus The Atlantic auf, in dem die Autorin ihre bewusste Vermeidung von Popkultur-Hypes beschreibt. Er erläutert Holmes' Argumentation, dass diese Aversion eine Reaktion auf den Verlust gemeinschaftlicher Seherlebnisse im Streaming-Zeitalter sei. Wolfgang ergänzt die Diskussion durch seine eigene Perspektive zur Allverfügbarkeit von Filmen und Serien.
04:32:33 Fanny Pigeaud: The DRC’s security-for-minerals bargain
Wolfgang fasst eine Reportage aus Le Monde Diplomatique über den Abbau von Mineralien in der Demokratischen Republik Kongo zusammen. Er beschreibt die marktbeherrschende Stellung Chinas bei Rohstoffen wie Kobalt und Lithium sowie die Versuche der USA, sich über private Initiativen Anteile zu sichern. Zudem verortet er die rohstoffpolitischen Interessen in dem anhaltenden bewaffneten Konflikt in der afrikanischen Region.
04:37:09 Alexander Malofeev: forgotten melodies
Zum Abschluss verweist Wolfgang auf das Doppelalbum „Forgotten Melodies“ des Pianisten Alexander Malofeev. Er beschreibt die Werkauswahl, die Stücke von exilierten russischen Komponisten wie Nikolai Medtner und Sergej Rachmaninow umfasst. Zudem geht er kurz auf die musikalische Ausführung und die Hintergrundgeschichte der Kompositionen ein.
Literatur
Die Zeit der "großen" Männer ist keineswegs vorüber: Peter Sloterdijk schlägt für sein Buch "Der Fürst und seine Erben" Machiavellis "Der Fürst" auf und entdeckt deutliche Parallelen zu unserer Gegenwart mit Putin, Musk und Trump.
https://www.suhrkamp.de/buch/peter-sloterdijk-der-fuerst-und-seine-erben-t-9783518001363
Peter Thiel, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg sind die ungekrönten Könige des Silicon Valley. Der Literaturwissenschaftler Adrian Daub analysiert in "Was das Valley herrschen nennt" die Macht und die Ideologie der Tech-Milliardäre sowie den Vibe-Shift.
https://www.suhrkamp.de/buch/adrian-daub-was-das-valley-herrschen-nennt-t-9783518128695
Kurz vor Alexander Kluges Tod hat ihn der Schriftsteller Ben Lerner in seinem Roman "Transkription" verewigt:
https://www.suhrkamp.de/buch/ben-lerner-transkription-t-9783518432754
Die NYT-Reporter Jonathan Swan und Maggie Haberman rekonstruieren in einem Vorabdruck aus ihrem im Erscheinen begriffenen Buch "Regime Change: Inside the Imperial Presidency of Donald Trump", wie Donald Trump in drei Situation-Room-Sitzungen im Februar entschieden hat, sich Israels Iran-Schlag anzuschließen:
https://www.nytimes.com/2026/04/07/us/politics/trump-iran-war.html
Der Historiker und streitbare Geist Jörg Baberowski sieht die Demokratie nicht in Gefahr - und zwar nicht trotz, sondern wegen des Populismus. In seinem Buch "Am Volk vorbei" kritisiert er die liberale Demokratie und ihre Verfechter:
https://www.chbeck.de/baberowski-volk-vorbei/product/40038683
Der Yale-Historiker Timothy Snyder buchstabiert in einem viel gelesenen Substack-Essay fünf historische Drehbücher durch, nach denen Trump im Schatten des Iran-Kriegs einen Putsch versuchen könnte - und was dagegen zu setzen wäre:
https://snyder.substack.com/p/the-next-coup-attempt
Der Schriftsteller Roman Widder rechnet mit den Ukraine-Experten in den deutschen Medien ab:
https://www.merkur-zeitschrift.de/artikel/war-mir-nicht-so-bewusst-a-mr-80-3-54/
Die Atlantic-Autorin Anna Holmes wundert sich über ihre eigene Abneigung gegen alles, was gerade alle gucken müssen - "The Pitt", "Severance", "Slow Horses" - und kommt nach Gesprächen mit drei Sozialpsychologen zu einer überraschenden Diagnose: Nicht der Hype stört sie, sondern die einsame, asynchrone Rezeption, die das Streaming hinterlassen hat:
https://www.theatlantic.com/culture/2026/03/pop-culture-hype-aversion/686312/
Fanny Pigeaud schreibt in "Le Monde diplomatique" über den Mineralienabbau im Kongo:
https://mondediplo.com/2026/03/09DRC
Der Pianist Alexander Malofeev widmet sich auf seinem Debütalbum "forgotten melodies" russischen Komponisten, die im Exil lebten:
https://www.sonyclassical.com/releases/releases-details/forgotten-melodies