Stefan und Wolfgang besprechen den August 2026
Werbung
Präsentiert von onprem.ai. Lokale KI- und LLM-Server, schlüsselfertig für kleine und mittlere Unternehmen: vorkonfiguriert, in fünfzehn Minuten einsatzbereit, laufend geprüfte Open-Weight-Modelle per Knopfdruck. Eure Daten bleiben auf eigener Hardware statt im Klartext auf fremden Servern. onprem.ai
Präsentiert von Surfshark. Geht auf surfshark.com/zwanziger oder nutzt den Code ZWANZIGER an der Kasse und bekommt 4 zusätzliche Monate Surfshark VPN gratis – plus 30 Tage Geld-zurück-Garantie.
00:00:54 Hallervorden
Dieter Hallervorden hat mit seinem Sohn Johannes einen Wahlkampfspot veröffentlicht, der dazu aufruft, nicht die AfD zu wählen; darin verweist er auf seine Kindheit unter der NSDAP. Wolfgang interessiert weniger der Aufruf als die Diskurslage: Hallervorden sei im linksliberalen Spektrum ausrangiert gewesen, halte aber am demokratischen Diskurs fest. Daran knüpft er die These, dass Freund-Feind-Schemata Leute in die AfD-Ecke treiben, und schildert einen SPD-Wirtschaftskongress, auf dem seine Position zum Ukrainekrieg als Russland-Propaganda abgetan wurde. Stefan hält den NSDAP-Vergleich für materiell unhaltbar: 1933 seien die 0- bis 10-Jährigen die größte Bevölkerungsgruppe gewesen, bei einem Prozent Ausländeranteil und 30 Prozent Arbeitslosen, während Sachsen-Anhalt heute das älteste Bundesland sei.
00:15:01 Das TV-Duell
Zunächst eine Frage aus der Merz-Sendung: Eine Pfarrerin aus Wernigerode berichtet, ihre Jugendlichen fühlten sich dem AfD-Weltbild hilflos ausgeliefert, und fragt nach einer Vision für junge Menschen. Merz antwortet mit Fröhlichkeit und dem Wunsch, aus der Verdrießlichkeit herauszukommen — für Wolfgang eine Nichtbeantwortung, für Stefan das Ausbleiben jedes Angebots, das über die eigene Person hinausweist. Im TV-Duell hält Sven Schulze dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund fehlende Konzepte, das Frauenbild der Partei und die Steuerung aus der Schweiz entgegen, Siegmund kontert mit 24 Jahren CDU ohne beitragsfreie Kita. Stefan liest Schulzes Auftritt als planvolle Arbeit an Themen, während Siegmund den Widerstandsgestus für den Fall einer Regierungsübernahme vorbereite: Das große Rad werde in Berlin gedreht, im Land seien 300 bis 500 Millionen freizumachen. Beide ordnen das ökonomisch ein — Sachsen-Anhalt erwirtschafte mit 2,1 Millionen Einwohnern weniger als Hamburg, München oder Köln. Wolfgang merkt an, derselbe Satz über die Abhängigkeit von Berlin könnte auch von einem SPD-Politiker stammen.
00:40:02 Merz im Bürgerdialog
In der Vorbefragung durch Pinar Atalay wird Merz mit einer Forsa-Umfrage konfrontiert, nach der 82 Prozent ihm nicht vertrauen; er antwortet, er überprüfe seine Politik regelmäßig. Ein Einschub aus dem ARD-Sommerinterview zeigt ihn zur Hitzevorsorge: 300 Maßnahmen seien beschlossen, den Rest müsse die Gesellschaft leisten — er frage seine Eltern, ob sie genug getrunken hätten. Als Kontrast spielt Stefan zwei Archivfunde: Gerhard Schröder auf dem Parteitag von Martin Schulz und Harald Schmidt, der einen Text von Peter Kümmel über Schröders Wahlplakat liest, in dem die gefühlte Zeit des Kanzlers über die Realzeit gestellt wird. Im Bürgerteil fragt ein dreifacher Familienvater, warum Familien nicht vorkämen; Merz verweist auf Kindergeld, Kinderfreibetrag und bis zu 600 Euro Steuerentlastung im Jahr ab 2028 — Stefan rechnet das auf 1,80 Euro pro Tag für eine fünfköpfige Familie herunter. Die Kinderärztin Bea Merscher, die über eine halbe Million Follower auf Instagram erreicht, wirft ihm die Budgetierung der Kindermedizin vor, nennt 2,64 Milliarden Euro Kürzung im ambulanten Bereich neben einer Milliarde für Schloss Bellevue und ihre Petition gegen die Krankschreibung ab Tag eins. Merz weist den Vorwurf eines vorsätzlichen Bruchs seines Amtseids als persönliche Herabsetzung zurück; Stefan hält gerade diese Formulierung für die treffende Beschreibung der Sachlage, Wolfgang für ein Eingeständnis, dass Aufrüstung Vorrang hat. Zum Schluss geht es um den Bierdeckel von 2003, die Umfragewerte im Vergleich zu Scholz und Merkel sowie um die Stadtbild-Äußerung, die Merz nicht bereut und von Müll auf Kriminalität mit überdurchschnittlichem Ausländeranteil verschiebt.
01:57:30 Krieg und Drohnen
Zum Umgang von Regierungen mit Opferzahlen berichtet die ARD-Korrespondentin Lena Bodewein über das Erdbeben in Nepal und die unklare Lage in Tibet. Wolfgang schildert einen Streit auf der Utopie-Konferenz in Lüneburg und die Transparenzlücke bei Aktienbesitz von Abgeordneten: anzugeben erst ab fünf Prozent an einem Unternehmen — bei einem Konzernwert wie dem von Rheinmetall praktisch nie. Den Hauptteil bilden Ausschnitte mit Torsten Reil, dem Chef von Helsing, der Panzer für überholt erklärt, Europa 100.000 Drohnen empfiehlt, autonome Schwärme und einen KI-gesteuerten „superhuman fighter pilot" beschreibt und als Ziel formuliert, Verluste gegen null zu senken. Beide halten dem entgegen, dass dieses Szenario nur funktioniert, wenn der Gegner nicht nachrüstet; Wolfgang liest dazu einen Dialog aus „Oppenheimer", in dem Truman die sowjetischen Ressourcen unterschätzt. Zur Gegenprobe kommt der ntv-Korrespondent Christoph Wanner zu Wort, der von russischen Drohnen mit Düsenantrieb bei über 500 km/h berichtet, gegen die ukrainische Abfangdrohnen kaum ankommen. Im Podcast von Paul Ronzheimer geht es um das Personalproblem der ukrainischen Armee und die Ablösung des Oberkommandierenden. Den Bogen zum Faktor Mensch schließen Clips zum Sudan mit dem ARD-Korrespondenten Ramin Sina und dem Welternährungsprogramm zur Lage um El Obeid — Wolfgangs Rechnung: Tausende Euro, um einen Soldaten zu töten, aber kein Euro, damit jemand einen Tag überlebt.
03:18:43 Die Leipziger Drohne
Am Flughafen Leipzig-Halle wurde erstmals eine Drohne samt Sprengstoff sichergestellt, kurz darauf eine dritte gefunden; im Zeit-Podcast wird berichtet, dass der Sprengstoff auch militärisch genutzt wird. Stefan hält für offen, ob man überhaupt erkennen würde, gegen wen man einen Krieg verliert, und verweist auf den Norad-Chef, dem für Drohnenschwärme schon die Sensoren fehlen. Wolfgang befürchtet, dass bei einer Häufung solcher Fälle der Spannungsfall ausgerufen wird und die liberale Demokratie schnell illiberal wird. Zur Rechtslage: Betreiber kritischer Infrastruktur dürfen Drohnen nur detektieren, das Abschießen liegt bei der Bundespolizei mit rund 300 Kräften bundesweit. Eine litauische Recherche über angeworbene Kuriere, die Sprengsätze in Vilnius platzieren sollten, führt beide zu der Frage, ob Akteure jenseits des Kreml eigenständig handeln. Merz nennt das Geschehen hybride Kriegsführung, auf die man sich vorbereite; Stefan übersetzt das in Konferenzen mit jenen Firmen, die die Abwehrdrohnen verkaufen.
03:42:10 Anduril
Brian Schimpf, Chef von Anduril Industries, schildert im Podcast „Prof G Market", wie das Unternehmen 2015/16 in einen Rüstungssektor einstieg, den im Silicon Valley niemand anfassen wollte. Das Portfolio reicht von Grenzüberwachung über Drohnenabwehr und Wingman-Drohnen bis zu U-Booten; Stefan liest daraus einen Vollsortimenter, der jede Bedrohungslage mit einem eigenen Gerät beantwortet. Ob das Geschäft von einer instabileren Welt profitiere? Schimpf verweist auf das Ende der amerikanischen Dominanz und darauf, dass der Angreifer den Ort bestimmt, der Verteidiger also überall bereit sein müsse. Auf die Verantwortungsfrage antwortet er, Tech-Leute sollten keine Politik machen, dafür sei niemand gewählt worden — woraus Wolfgang folgert, Profite würden privatisiert und die Verantwortung vergesellschaftet.
04:00:10 Kuba
Ein Beitrag des TLDR News Magazine beschreibt Kubas Solarausbau, der weniger dem Klima als der Energiekrise geschuldet ist: Venezuela fiel als Öllieferant aus, nachdem US-Streitkräfte im Januar 2026 den venezolanischen Präsidenten festgesetzt hatten. China liefert die Module — rund 80 Prozent der Weltproduktion — und baut damit seinen Einfluss in der Karibik aus. Der Energieminister räumte ein, nur einen Bruchteil der Kapazität nutzen zu können, weil Batteriespeicher fehlen. Stefan verweist auf eine Spiegel-Kolumne von Christian Stöcker, nach der der Zubau von Batteriespeichern in Deutschland um den Faktor 27 wächst. Wolfgang erinnert an eine These von Adam Tooze, die USA hätten erneuerbare Energien nie stärken wollen, weil sie damit Druckmittel verlieren. Anschließend eine Reportage der New York Times über Rettungskräfte in Phoenix, die überhitzte Patienten in Eis packen.
04:11:00 Wohnen
Die Linksfraktion hat ein Rechtsgutachten und ein Konzept für einen bundesweiten Mietendeckel vorgelegt: Mieten in angespannten Märkten sollen eingefroren, Erhöhungen anderswo gedeckelt werden. Im Deutschlandfunk trägt ein Wohnforscher das übliche Gegenargument vor, eine starke Mietenregulierung bremse den Neubau. Stefan referiert, dass beim Kauf einer Wohnung durch den Staat kein Wert verloren geht, weil die Wohnung anschließend vorhanden ist. Der Logik vom teuren Neubau, der über Umzugsketten den Mietmarkt entspanne, hält Wolfgang entgegen, der Staat müsse selbst bauen und als Konkurrent auftreten. Zum Abschluss plädiert Stefan dafür, danach zu fragen, zu welchen Bedingungen Ökonominnen und Ökonomen ins Fernsehen eingeladen werden.
04:20:26 Salon-Ausblick
Der nächste Salon behandelt „Kapital und Krise. Wie Deutschland aus der Wirtschaftskrise findet und wie nicht" von Tom Krebs, das am 16. September im oekom Verlag erscheint. Wolfgang kündigt außerdem einen Essay von Mithu Sanyal gegen die Militarisierung an, Stefan weist auf seinen zweiten Podcast Kontextfenster hin, den er mit Florentine über KI-Texte macht. Im Forum gibt es künftig Shownotes, in denen alle gespielten Clips einzeln aufgeführt und verlinkt sind; vom Sommersalon gibt es zusätzlich eine Videofassung.