1975 erscheint der bis heute ungewöhnlichste und schönste Historien- und Kostümfilm in den Kinos: Stanley Kubrick gelingt mit BARRY LYNDON eine freie Literaturadaption, die bis heute irritiert. Ryan O’Neal spielt die Titelfigur, die nicht leicht zu greifen ist, wie der gesamte Film sich direkten Zugängen entzieht. Ein Held, der keiner ist und der sich nur manchmal sympathisch verhält, artifizielle Dialoge, getragene Musik, eine Kamera, die die meiste Zeit auf dem Stativ verbleibt – diese Charakteristika bestimmen den Film und sie machen ihn auf den ersten Blick schwer zugänglich. Jedoch lohnt es sich, genauer hinzusehen und die Ästhetik näher zu analysieren, um zum Inhaltlichen zu gelangen. Der obsessive Einsatz von Zooms, die Anlehnung an große Maler des 18. Jahrhunderts sowie ein minimalistisches Schauspiel sorgen für eine außergewöhnliche Erfahrung. Wir wohnen einer Subjektwerdung bei, die keineswegs autonom erfolgt, sondern die die Ordnung der Dinge selbst hervorbringt. So zeitlich entrückt der Film auch ist, er spricht zu uns heute. Mehr dazu im neuen DeepDive der Filmanalyse plus!
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