Schweigen ist Zustimmung!

Schweigen ist Zustimmung!

By Jens Brodersen & Patrick BreitenbachSociety & CultureNewsNews CommentaryPolitics
Download on the App Store

Schweigen ist Zustimmung! episodes

  • Sie wollen es doch auch! Wem die "Reformen" wirklich nutzen.

    Mecklenburg-Vorpommern, 20. September 2026: Das Ergebnis der CDU nennt Friedrich Merz am Wahlabend ein Desaster. Eine Kurskorrektur kündigt er trotzdem nicht an, im Gegenteil: „Die Reformen müssen kommen.“ Sie seien „das Mittel gegen das autoritäre Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt“. Gemeint sind Einschnitte bei Gesundheit, Rente und Grundsicherung. Dabei wollen 78 Prozent mehr Geld für die Pflege und 58 Prozent mehr für die Rente, und drei von vier Beschäftigten würden für eine stabile Rente sogar höhere Beiträge zahlen.

    Patrick und Jens fragen, wem diese Reformen nützen. Politische Entscheidungen folgten über drei Jahrzehnte systematisch den Wünschen der oberen Einkommensgruppen, das zeigt ein Gutachten für den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Und Kritik nach oben stößt auf Sperren: auf ein Framing, das die Vermögensteuer mit dem Verlust von Arbeitsplätzen verknüpft, auf eine Ökonomik, deren Lehrbücher zu neun Zehnteln nur die Neoklassik kennen, und auf ein Lobbyregister, in dem von den hundert ausgabenstärksten Akteuren 84 wirtschaftliche Interessen vertreten und sieben das Gemeinwohl.

    Wer glaubt, Wirtschafts- und Medieneliten stünden geschlossen gegen die AfD, sollte genauer hinsehen. Verbandschefs, Konzernlenker und Leitartikler reden längst offen über das Ende der Brandmauer. Kein Zufall: Das Wirtschaftsprogramm der AfD will im Kern dasselbe wie die Reformen. Ihre Flat Tax käme nach Berechnungen des DIW zu drei Vierteln den reichsten zehn Prozent zugute. Den Schuldigen liefert die Partei gleich mit.

    Geht das Sparen wenigstens ökonomisch auf? Drei Prüffaktoren, dreimal dasselbe Ergebnis. Wer bei Haushalten kürzt, die ohnehin alles ausgeben, senkt die Wirtschaftsleistung um mehr, als er kürzt: Der Internationale Währungsfonds hatte in der Eurokrise mit einem Multiplikator von 0,5 gerechnet, tatsächlich lag er bei etwa 1,6. Eine Kapitalrente verlagert das Risiko auf jeden Einzelnen. Und wer an der Vorsorge spart, zahlt später drauf. Die Geschichte hat die Probe schon einmal gemacht: Wo unter Reichskanzler Brüning ab 1930 härter gekürzt wurde, schnitt die NSDAP stärker ab. Sozialabbau ist keine Antwort auf den Rechtsruck. Er ist sein Treibstoff.

    Themen
    • Merz’ Wahlabend: „Die Reformen müssen kommen“
    • Was die Mehrheit will: mehr für Pflege und Rente, eine stärkere Beteiligung der Vermögenden
    • Politik nach den Wünschen der oberen Einkommen – und vier Sperren gegen Kritik nach oben
    • Die Leistungserzählung und das Treten nach unten: Faulheitsdebatten und Schrödingers Einwanderer
    • Was Rechtsextremismus ist und was die Brandmauer bedeutet
    • Stehen die Eliten geschlossen gegen die AfD? Verbände, Konzernchefs, Verlage, Milliardäre
    • Grundsicherung, Gesundheit, Rente: gekürzt statt gespart – und wer daran verdient
    • Drei Prüffaktoren: Nachfrage, Kapital, Substanz
    • Das Wirtschaftsprogramm der AfD, Brünings Notverordnungen und die Steigbügelhalter
    • Erwähnte Personen & Organisationen
      • Friedrich Merz: Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender, nennt die Reformen am Wahlabend „das Mittel gegen das autoritäre Gift“
      • Tom Krebs: Ökonom an der Universität Mannheim, beziffert den Verlust an Wirtschaftsleistung seit Ukraine-Krieg und Energiepreisschock auf über vier Prozent im Jahr
      • Michael Hartmann: Soziologe und Elitenforscher, auf dessen Elitenbegriff sich die Folge stützt
      • Ursula Dallinger: Soziologin, zeigt in einem Befragungsexperiment mit rund 1.300 Menschen, wie ein einziger Satz über Arbeitsplätze die Mehrheit für eine Vermögensteuer kippen lässt
      • Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff: Ökonomen, deren Studie zur 90-Prozent-Schuldenschwelle zur Begründung der europäischen Sparpolitik wurde – samt Tabellenfehler
      • Markus Lanz: ZDF-Moderator, dessen Einordnungen nach der Sachsen-Anhalt-Wahl und dessen Rede beim Deutschen Fernsehpreis Thema sind
      • Mathias Döpfner: Vorstandschef von Axel Springer, soll laut RND beim Kanzler für eine Koalition mit der AfD geworben haben, was dementiert wurde
      • Peter Thiel: US-Investor, hält Freiheit und Demokratie nach eigenen Worten nicht mehr für vereinbar
      • Stefan Bach: Ökonom am DIW, hat die Flat Tax der AfD durchgerechnet: 116 Milliarden Euro im Jahr, drei Viertel der Entlastung für die reichsten zehn Prozent
      • Heinrich Brüning: Reichskanzler von 1930 bis 1932, regierte mit Notverordnungen und harten Kürzungen
      • Clara Mattei: Ökonomin, zeigt in „Die Ordnung des Kapitals“, dass Austerität in den 1920er-Jahren als Antwort auf starke Arbeiterbewegungen entstand
      • Internationaler Währungsfonds: hatte bei den Sparprogrammen der Eurokrise mit einem Multiplikator von 0,5 gerechnet, sein Chefökonom kam 2013 auf etwa 1,6
      • LobbyControl: hat das Lobbyregister ausgewertet: Von den hundert ausgabenstärksten Akteuren vertreten 84 wirtschaftliche Interessen, sieben das Gemeinwohl
      • Das Progressive Zentrum: Studie „Die Talkshow-Gesellschaft“ über 1.208 Sendungen, in denen die organisierte Zivilgesellschaft 2,7 Prozent der Gäste stellt
      • Begriffe
        • Austerität: Politik harter Haushaltskürzungen, vor allem bei Sozialausgaben, begründet mit Schulden und Wettbewerbsfähigkeit. Nach Clara Mattei entstand sie in den 1920er-Jahren in Großbritannien und Italien als Antwort auf starke Arbeiterbewegungen.
        • Fiskalischer Multiplikator: Maß dafür, wie stark eine Änderung der Staatsausgaben die Wirtschaftsleistung verändert. Liegt er über eins, senkt jeder gekürzte Euro die Wirtschaftsleistung um mehr als einen Euro – am stärksten, wenn die Kürzung Haushalte trifft, die ohnehin alles ausgeben, und die Konjunktur schwach ist.
        • Meritokratie: Die Vorstellung, Position und Einkommen beruhten allein auf Leistung. Sie blendet aus, dass Vermögen und Status zu großen Teilen vererbt werden.
        • Wohlfahrtschauvinismus: Die Haltung, einen großzügigen Sozialstaat für die „Eigenen“ zu wollen und ihn anderen, vor allem Zugewanderten, zu verweigern. In der Forschung seit 1990 gebräuchlich.
        • Brandmauer: Die Selbstverpflichtung der demokratischen Parteien, mit der AfD nicht zusammenzuarbeiten – weder in Koalitionen noch durch Duldung oder gemeinsame Mehrheiten.
        • Kapitaldeckung: Altersvorsorge, bei der Beiträge am Kapitalmarkt angelegt werden, statt wie im Umlageverfahren direkt die laufenden Renten zu bezahlen. Das Risiko trägt dann der Einzelne, die Gebühren fallen unabhängig vom Ertrag an.
        • Unterstützen & Folgen

          Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

          Spenden:
          PayPal: Jetzt spenden
          IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

          Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

          Community: Discord

          Social: Bluesky | Instagram | TikTok

          3 hr 1 min
        • Sie sind wieder da! The day after Sachsen-Anhalt

          Sachsen-Anhalt, 7. September 2026: Die AfD kommt auf 43,8 Prozent und ist damit erstmals stärkste Kraft in einem deutschen Landesparlament. Die CDU, die mit härterer Migrationspolitik gegenhalten wollte, halbiert sich auf 17,2 Prozent. SPD, Grüne und Linke liegen jeweils unter zehn Prozent, die FDP ist raus. Ulrich Siegmund, 35, könnte der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden. Im selben Landstrich wurde 1932 der erste nationalsozialistische Ministerpräsident gewählt – damals im Freistaat Anhalt.

          Was dieses Ergebnis sichtbar macht, ist mehr als ein regionaler Ausschlag. Seit zehn Jahren gilt eine Strategie als alternativlos: der AfD inhaltlich entgegenkommen, um ihr die Themen wegzunehmen. Das Ergebnis dieser Strategie steht jetzt in Zahlen da. Und die Lehre, die ihre Verlierer daraus ziehen, lautet: noch härter. Neun von zehn AfD-Wählenden nennen „zu viele fremde Menschen“ als größtes Problem – ausgerechnet in einem Bundesland, in dem die wenigsten Menschen mit Migrationsgeschichte leben. Wer den Sündenbock braucht, hat ihn selten getroffen.

          Patrick und Jens ordnen ein, was hier wirklich passiert ist: keine Protestwahl, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Verschiebung dessen, was sagbar ist. Sie analysieren, was im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt tatsächlich steht, warum die Partei mit Sicherheit, Zugehörigkeit und Wirksamkeit drei Grundbedürfnisse bedient, die sonst niemand mehr adressiert, wie der vorpolitische Raum besetzt wurde, während die demokratischen Parteien ihn geräumt haben, und welchen Anteil ein Journalismus daran trägt, der jahrelang Reichweite gegen Empörung getauscht hat. Und sie stellen die Frage, die am Ende bleibt: Wenn das Establishment fertig ist – wer tritt an seine Stelle?

          Themen
          • Das Ergebnis in Zahlen und seine historische Dimension
          • Die Strategie der Mitte: härter werden – und was sie tatsächlich bewirkt hat
          • Was im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt wirklich steht
          • Sicherheit, Zugehörigkeit, Wirksamkeit: die drei Versprechen und die Leerstelle dahinter
          • Der gekaperte vorpolitische Raum und die Ideologie der Ungleichwertigkeit
          • Was AfD-Wählende umtreibt – und wo sie leben
          • Das Versagen des Journalismus: Reichweite gegen Empörung
          • Ein Land in Abwicklung: Juniorwahl, Erwerbspersonenpotenzial und die Frage nach einer neuen politischen Kraft
          • Erwähnte Personen & Organisationen
            • Ulrich Siegmund: Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, könnte erster AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden; verweigert im Gespräch mit Tilo Jung die Antwort auf die historische Parallele zu 1932
            • Friedrich Merz: Bundeskanzler, dessen Kurs der härteren Migrationspolitik in dieser Folge als gescheitert bewertet wird
            • Björn Höcke: AfD-Landesvorsitzender in Thüringen, zitiert mit seiner Antwort auf die Frage, was „deutsches Denken“ sei – er könne es nicht definieren
            • Carsten Linnemann: CDU-Generalsekretär, bezeichnet Migration als „das Jahrhundertthema“
            • Mariana Harder-Kühnel: AfD-Bundestagsabgeordnete, Rede „Deutsche werden zur Minderheit im eigenen Land“
            • Karl-Rudolf Korte: Politikwissenschaftler, ordnet den Wahlabend als „historischen Bruch im Blick auf unsere Staatsräson“ ein
            • Benjamin Höhne: Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz, zur Mitverantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Die AfD verdanke ihren Aufstieg auch ARD und ZDF
            • Tilo Jung: Journalist, Jung & Naiv, dessen Frage nach 1932 Siegmund unbeantwortet lässt
            • infratest dimap: Wahlforschungsinstitut, Erhebung zu den Motiven der Wählenden
            • Begriffe
              • Vorpolitischer Raum: Der Bereich gesellschaftlicher Meinungsbildung außerhalb von Parlamenten und Parteien – Vereine, Stammtische, soziale Medien, Popkultur. Wer ihn besetzt, bestimmt, was als selbstverständlich gilt, bevor überhaupt gewählt wird.
              • Ideologie der Ungleichwertigkeit: Die Annahme, Menschen seien von Natur aus unterschiedlich viel wert – nach Herkunft, Ethnie oder Leistung. Sie ist der gemeinsame Kern gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und die Trennlinie zwischen konservativer und rechtsextremer Politik.
              • Postdemokratie: Zustand, in dem demokratische Verfahren formal weiterbestehen, die wesentlichen Entscheidungen aber anderswo fallen. Wahlen finden statt, ändern aber wenig – was das Vertrauen in sie aushöhlt.
              • Remigration: Beschönigender Begriff für die Ausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte, ausdrücklich auch solcher mit deutscher Staatsbürgerschaft.
              • Juniorwahl: Bundesweites Schulprojekt, bei dem Jugendliche vor echten Wahlen simuliert abstimmen. Gilt als Frühindikator für politische Entwicklungen.
              • Unterstützen & Folgen

                Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                Spenden:
                PayPal: Jetzt spenden
                IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                Community: Discord

                Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                1 hr 58 min
              • Mit guten Nachrichten in die Sommerpause!

                Krebszellen, die sich tarnen und das Immunsystem lernt, sie zu enttarnen. Solarstrom überholt erstmals in der Geschichte Kohle bei der globalen Stromerzeugung. Drei Millionen Menschen auf deutschen Straßen gegen rechts. Gute Nachrichten existieren. Sie werden nur kaum erzählt.

                Patrick und Jens gehen in die Sommerpause, aber nicht ohne Gepäck. Zwei Jahre „Schweigen ist Zustimmung“ haben Spuren hinterlassen: Wut, Präzision, und die Erkenntnis, dass der Diskursraum systematisch das Schlechte verstärkt und das Gute verschweigt. Diese Episode dreht das Prinzip um. Nicht weil alles gut ist. Sondern weil man wissen muss, wofür es sich lohnt weiterzukämpfen.

                Patrick und Jens schütten ihre Zettelkästen aus: medizinischer Fortschritt bei Leukämie und soliden Tumoren, steigende Lebenserwartung in Deutschland, Nanoclay gegen Wüstenausbreitung, Bürgerbeiräte in Potsdam und Wuppertal, Ehe für alle in Griechenland und Estland, No-Kings-Proteste in den USA, Woke 2.0 als neue soziale Bewegung und die Frage, warum 60 Prozent der Menschen in westlichen Demokratien inzwischen sagen: Das aktuelle Wirtschaftssystem ist gegen uns gebaut. Die Sommerpause dauert bis zum 13. September. Was danach kommt, liegt schon in der Luft.

                Themen
                • Medizinischer Fortschritt: Neue Therapien gegen Leukämie, solide Tumoren und personalisierte Krebsmedizin
                • HPV-Impfkampagne und steigende Lebenserwartung in Deutschland
                • Umwelt & Energie: Nanoclay, Wassergewinnung aus Luft, Solarrekorde, Moorschutz, Kreislaufwirtschaft
                • Demokratie & Zivilgesellschaft: Bürgerbeiräte, digitale Beteiligungsplattformen, No-Kings-Proteste (USA)
                • LGBTQ-Fortschritte: Ehe für alle in Griechenland, Estland und der Schweiz; Verbot von Konversionstherapien
                • Gesellschaftlicher Fortschritt: MINT-Rekord bei Studentinnen, Föderalismus als Korrektiv, Woke  2.0
                • Popkultur & Haltung: Tote Hosen, Taylor Swift, Herbert Grönemeyer gegen rechts
                • Systemkritik & Hoffnung: Oxfam-Studie, Edelman Trust Barometer, Klimabewegung trifft Gewerkschaft
                • Sommerpause bis 13. September, Rückkehr mit neuen Themen
                • Erwähnte Personen & Organisationen
                  • Campino: Frontmann der Toten Hosen, positioniert sich explizit gegen die AfD
                  • Herbert Grönemeyer: Musiker, tritt öffentlich gegen rechte Bewegungen auf
                  • Die Toten Hosen: Düsseldorfer Punkband, engagiert sich für Seenotrettung, Sozialtickets und gegen rechts
                  • Taylor Swift: US-Popstar, nutzte Reichweite für Wählerregistrierungsinitiativen
                  • Billie Eilish: US-Musikerin, positioniert sich gegen autoritäre Kandidaten
                  • Udo Lindenberg: Musiker, erwähnt im Kontext politischer Haltung in der Popkultur
                  • Jürgen Domian: Moderator der WDR-Talkshow „Domian“ (1990er–2010er), bekannt für offene Gespräche zu gesellschaftlichen Themen
                  • Bertelsmann Stiftung: Deutsche Denkfabrik, dokumentiert u. a. Bürgerbeteiligung und demokratische Entwicklungen
                  • Oxfam: Internationale NGO, Studie „Resisting the Rule of the Rich“ zu Machtkonzentration und Demokratie
                  • ILGA Europe: Dachorganisation für LGBTQ-Rechte in Europa, erstellt den jährlichen Rainbow Index
                  • Begriffe
                    • Nanoclay: Technologie, bei der mikroskopisch kleiner Ton in Wüstenboden eingemischt wird, um ihn fruchtbar zu machen und der Desertifikation entgegenzuwirken
                    • CAR-T-Zelltherapie / Immuntherapie: Behandlungsansatz, bei dem körpereigene Immunzellen so verändert werden, dass sie Krebszellen – auch Metastasen – erkennen und bekämpfen können
                    • Personalisierte Medizin / Gentherapie: Zielgerichteter Therapieansatz, der die individuelle genetische Signatur eines Patienten nutzt, um Tumore gezielt zu behandeln
                    • Leapfrogging (Solar): Überspringen veralteter Technologiegenerationen – z. B. wenn Länder direkt auf erneuerbare Energien setzen, ohne den Umweg über fossile Infrastruktur
                    • Kreislaufwirtschaft: Wirtschaftsmodell, das Abfall reduziert und Ressourcen im Kreislauf hält – Gegenentwurf zur linearen Wegwerfwirtschaft
                    • Cradle to Cradle: Designprinzip, bei dem Produkte so konzipiert werden, dass alle Materialien am Ende ihres Lebens vollständig wiederverwertet werden können
                    • Consul: Open-Source-Plattform für digitale Bürgerbeteiligung, ursprünglich aus Madrid, heute in deutschen Städten wie Wuppertal, Stuttgart und Solingen im Einsatz
                    • Woke 2.0: Kulturströmung, die progressive Anliegen (soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung, Antirassismus) stärker auf strukturelle und materielle Reformen fokussiert – weg von Sprachdebatten, hin zu Substanz
                    • No-Kings-Proteste: Massenproteste in den USA gegen autoritäre Tendenzen der Trump-Regierung; ihre Symbolik strahlt auf globale Widerstandsbewegungen aus
                    • Intersektionalität: Konzept, das beschreibt, wie verschiedene Formen von Diskriminierung (z. B. Geschlecht, Klasse, Herkunft) zusammenwirken und gemeinsam adressiert werden müssen
                    • MINT: Abkürzung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – Studien- und Berufsfelder, in denen Frauen historisch unterrepräsentiert sind
                    • Gender Pay Gap: Lohnlücke zwischen Männern und Frauen; Deutschland hat einen der höchsten Werte in Europa
                    • Konversionstherapien: Pseudowissenschaftliche Praktiken, die versuchen, homosexuelle oder trans Menschen zu „umerziehen“ – in mehreren EU-Ländern inzwischen verboten oder unter Strafe gestellt
                    • Unterstützen & Folgen

                      Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                      Spenden:

                      PayPal: Jetzt spenden
                      IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                      Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                      Community: Discord

                      Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                      1 hr 46 min
                    • Faule, Fremde, Feinde: Sündenbock- und Wirtschaftspolitik gestern und heute mit Dr. Jonas Stephan

                      1932. Millionen Arbeitslose, kollabierender Wohlfahrtsstaat, eine Wirtschaftspolitik, die ausschließlich auf Sparen setzt und eine Partei ohne echtes Programm, die trotzdem von Wahlerfolg zu Wahlerfolg surft. Das klingt nicht nur nach Geschichte. Patrick, Jens und ihr Gast Dr. Jonas Stephan – Verfassungshistoriker an der Ruhr-Universität Bochum und Podcast-Host von „Deutschland 32/45“ – stellen in dieser Episode eine unbequeme Frage: Wie weit trägt das Kontinuum bis heute?

                      Die drei tauchen tief ein in die Mechanismen des NS-Aufstiegs: die Volksgemeinschaft als leere Projektionsfläche, die Kriegswirtschaft als eigentlicher Motor der „Vollbeschäftigung“, die Zerschlagung der Gewerkschaften als Geschenk an die Industrie und immer wieder der Mythos Hitler. Er habe die Arbeitslosigkeit und Not beendet, die Autobahnen gebaut, Fortschritt gebracht etc. Was aber wirklich passierte: Rüstung auf Pump, geheime Staatsverschuldung via MEFO-Wechsel, und ein Lebensstandard, der selbst 1937 das Vorkrisenniveau nicht erreichte. Die Profiteure waren nicht der kleine Handwerker und schon gar nicht die sozial Benachteiligten, sondern die Rüstungskonzerne und all jene, die rechtzeitig die richtigen Netzwerke knüpften.

                      Patrick und Jens fragen gemeinsam mit Jonas, welche Muster heute noch erkennbar und vorhanden sind: Sündenbockstrukturen, Kulturalismus als Rassismus durch die Hintertür, die Sehnsucht nach dem starken Entscheider und warum der Satz „die entzaubern sich schon“ historisch so gefährlich ist. Eine Episode, die nicht Parallelen behauptet, sondern Mechanismen freilegt.

                      Themen
                      • Wirtschaftspolitik der Weimarer Republik und die Weltwirtschaftskrise ab 1929
                      • Aufstieg der NSDAP: Volksgemeinschaft, Propaganda und fehlende Wirtschaftsprogrammatik
                      • NS-Kriegswirtschaft: MEFO-Wechsel, Rüstungsausgaben, Mythos der Vollbeschäftigung
                      • Zerschlagung der Gewerkschaften und Ende der Tarifautonomie 1933
                      • Eugenik, Arbeitszwang und die Kontinuität des bürgerlichen Leistungsdenkens
                      • Kulturalismus als moderner Rassismus: Sarrazin, Pegida, AfD
                      • Führerprinzip vs. Führerkult: Musk, Trump, Höcke
                      • Faschismus als Analysebegriff und Umberto Ecos Essay
                      • Historische Verantwortung: Entnazifizierung, Entschädigung, Kontinuität der Täterstrukturen
                      • Erwähnte Personen & Organisationen
                        • George Santayana: Philosoph; Zitat über das Verdammtsein zur Wiederholung der Geschichte
                        • Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Philosoph; Zitat über das Nichtlernen aus der Geschichte
                        • William Faulkner: Schriftsteller; Zitat: „Die Vergangenheit ist nie tot.“
                        • Adam Tooze: Wirtschaftshistoriker; Autor von Ökonomie der Zerstörung, Standardwerk zur NS-Wirtschaftspolitik
                        • Hjalmar Schacht: Reichsbankpräsident; früher NSDAP-Unterstützer, der aus wirtschaftlichen Gründen gegen zu rasche Radikalisierung der Judenverfolgung warnte
                        • Kurt von Schleicher: Letzter Reichskanzler vor Hitler; initiierte Arbeitsbeschaffungsprogramm, das der Regierung Hitler zugutekam
                        • Paul von Hindenburg: Reichspräsident; ernannte Hitler zum Kanzler – laut Jonas Stephan in vollem Bewusstsein seiner Handlung
                        • Franz von Papen: Vizekanzler; glaubte, Hitler „einquetschen“ zu können – eine fatale Fehleinschätzung
                        • Ian Kershaw: Historiker; Autor der maßgeblichen Hitler-Biografie, aus der Reaktionen von Zeitgenossen zitiert werden
                        • Wolfram Pyta: Historiker; Autor einer Hindenburg-Biografie, die dessen Handlungsfähigkeit bei der Ernennung Hitlers belegt
                        • Christopher Browning: Historiker; Autor der Studie über das Polizeibataillon 101 – „ganz gewöhnliche Männer“ als Täter
                        • Leni Riefenstahl: NS-Propagandafilmerin; ihre Ästhetik wird mit heutigen rechten Social-Media-Influencern verglichen
                        • Umberto Eco: Schriftsteller und Semiotiker; sein Essay über den Ur-Faschismus wird als Analyseinstrument empfohlen
                        • Thilo Sarrazin: Politiker und Autor; sein Buch Deutschland schafft sich ab als Beispiel für biologistischen Rassismus im Mainstream
                        • Björn Höcke: AfD-Politiker; Thüringer Landesvorsitzender, im Kontext von Volksbegriff und Ostdeutschland-Rhetorik erwähnt
                        • Friedrich Merz: CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler; im Kontext von „Stadtbild“-Äußerung und Volksgemeinschafts-Rhetorik diskutiert
                        • Hans-Georg Maaßen: Ehemaliger Verfassungsschutzpräsident; Verwendung des Begriffs „Globalisten“ als Beispiel für antisemitisch konnotierte Rhetorik
                        • Fritz Bauer: Generalstaatsanwalt; Pionier der NS-Aufarbeitung in der Bundesrepublik, im Kontext der gescheiterten Entnazifizierung erwähnt
                        • Ruprecht Polenz: CDU-Politiker; als Beispiel für innerparteilichen Widerstand gegen den Rechtsruck der Union genannt
                        • Begriffe
                          • Volksgemeinschaft: Zentrales NS-Propagandakonzept einer klassenlosen, ethnisch definierten Gemeinschaft; war kein rein nationalsozialistischer Begriff, sondern in der bürgerlichen Ideenwelt der Weimarer Republik verbreitet – und wurde von den Nazis rassistisch verengt
                          • MEFO-Wechsel: Geheimes Finanzierungsinstrument des NS-Regimes zur verdeckten Rüstungsfinanzierung; ermöglichte Milliarden-Ausgaben ohne öffentliche Staatsverschuldung
                          • Deflationspolitik / Sparpolitik: Wirtschaftspolitisches Konzept der Weimarer Republik in der Weltwirtschaftskrise; radikale Kürzung der Staatsausgaben, die die soziale Not massiv verschärfte
                          • Arbeitsbücher: Ab 1935 flächendeckend eingeführte Kontrollinstanz für Arbeitnehmer:innen; enthielten politische Einschätzungen und dienten der Disziplinierung der Arbeitskraft
                          • Deutsche Arbeitsfront (DAF): Pseudo-Einheitsgewerkschaft im NS-Staat; ersetzte ab Mai 1933 die zwangsaufgelösten freien Gewerkschaften, ohne Tarifautonomie
                          • Treuhänder der Arbeit: Staatlich eingesetzte Funktionäre, die nach Abschaffung der Tarifautonomie Löhne festlegten – überwiegend besetzt mit Unternehmern und Beamten
                          • Eugenik: Pseudowissenschaftliche Lehre von der „erblichen Verbesserung“ der Bevölkerung; ideologische Grundlage für Zwangssterilisierungen und die Verfolgung sogenannter „Asozialer“ im NS-Staat
                          • Kulturalismus: Moderne Form des Rassismus, die nicht biologische, sondern vermeintlich unveränderliche kulturelle Unterschiede zur Ausgrenzung nutzt – Adorno als Vordenker der Kritik daran
                          • Polizeibataillon 101: Hamburger Reservepolizisten, die im Zweiten Weltkrieg Massenmorde an jüdischen Zivilisten in Polen verübten; Gegenstand der Studie von Christopher Browning über „ganz gewöhnliche Männer“
                          • Arisierung: Euphemistischer NS-Begriff für die Zwangsenteignung jüdischer Unternehmen und Vermögen; fand in der Praxis oft unter direktem Druck lokaler Parteifunktionäre statt
                          • Ermächtigungsgesetz (1933): Gesetz, mit dem sich der Reichstag selbst entmachtete und der Regierung Hitler das Recht gab, ohne Parlament zu regieren; nur die SPD stimmte dagegen
                          • Neofeudal: Analysebegriff für das NS-Herrschaftssystem, das nicht auf formalen Institutionen, sondern auf persönlicher Treue und informellen Loyalitätsnetzwerken basierte
                          • Project 2025: Politisches Programmdokument der amerikanischen Rechten; von Jonas Stephan als faschistisch im analytischen Sinne eingeordnet
                          • Unterstützen & Folgen

                            Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                            Spenden:

                            PayPal: Jetzt spenden
                            IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                            Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                            Community: Discord

                            Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                            1 hr 47 min
                          • Reformpaket oder Klassenkampf von oben?

                            Deutschland feiert. 34 Punkte, ein Reformpaket, das angeblich alles ändert. Die Leitmedien überschlagen sich: „Ein Paket der Hoffnung.“ „Endlich weniger Staat.“ „Die Koalition liefert.“ Doch geliefert wird vor allem an diejenigen, die ohnehin schon alles haben – und abgeliefert werden die, die nichts mehr abgeben können.

                            Patrick und Jens nehmen das Reformpaket der Bundesregierung auseinander – gemeinsam mit dem Ökonomen und Sozialwissenschaftler Sebastian Thieme (X & Bsky). Was steckt wirklich drin? Wer profitiert von steuerfreien Sonntagszuschlägen bis 75 Euro Stundenlohn? Wer zahlt für die erhöhte Pauschalsteuer auf Minijobs? Warum verdoppelt man die sachgrundlose Befristung auf 48 Monate – ausgerechnet für die Generation, die keine Wohnung, keine Familie, keine Planung mehr finanzieren kann? Und warum muss man ab sofort schon am ersten Krankheitstag zum Arzt – obwohl die Evidenz für Missbrauch gegen null geht?

                            Hinter all dem steckt mehr als schlechte Politik. Es ist ein Menschenbild: Alle sind faul. Alle betrügen. Der Markt regelt. Und wer nicht funktioniert, ist selbst schuld. Patrick, Jens und Sebastian Thieme fragen, woher dieses Denken kommt, was es mit pluraler Ökonomik zu tun hat – und warum Wohlstand für alle eine andere Frage braucht als die, die diese Regierung stellt.

                            Themen
                            • Das 34-Punkte-Reformpaket der Bundesregierung – Analyse und Einordnung
                            • Plurale Ökonomik vs. Mainstream-Ökonomik: Was fehlt im öffentlichen Diskurs?
                            • Wohlstand, Wachstum und Verteilung – wessen Interessen bedient das Paket?
                            • Rente: Kapitaldeckung, Lebenserwartung und die Frage der Gerechtigkeit
                            • Sachgrundlose Befristung bis 48 Monate: Prekarität als Normalzustand
                            • Krankmeldung ab Tag 1: Misstrauen als Regierungsprogramm
                            • Bürokratieabbau, Informationsfreiheitsgesetz und das Ende staatlicher Transparenz
                            • Vergesellschaftungsverbot: Demokratischer Wille gegen Immobilienlobby
                            • Das Menschenbild hinter dem Reformpaket
                            • Erwähnte Personen & Organisationen
                              • Sebastian Thieme: Ökonom, Sozialökonom und wissenschaftlicher Referent an der Katholischen Sozialakademie Wien; Forschungsschwerpunkte Wohlstand, Wirtschaftsethik und plurale Ökonomik
                              • Friedrich Merz: CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler; treibende Kraft hinter dem Reformpaket
                              • Lars Klingbeil: SPD-Vorsitzender und Bundesfinanzminister; verteidigt das Paket als ausgewogen
                              • Jens Spahn: CDU-Politiker; Befürworter der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung
                              • Achim Truger: Ökonom, Mitglied des Sachverständigenrats; einer der wenigen heterodoxen Stimmen im deutschen Mainstream, Herausgeber „Sozialökonomische Blätter“
                              • Isabella Weber: Ökonomin; bekannt für ihre Analyse von Preisschocks und Gewinnflation
                              • Wilhelm Heitmeyer: Soziologe; Begründer der Langzeitstudie zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Deutschland
                              • James C. Scott: Politikwissenschaftler und Anthropologe; bekannt für das Konzept der „Safety First“-Strategie bei bäuerlichen Gesellschaften
                              • Netzwerk Plurale Ökonomik: Studierende- und Wissenschaftsbewegung für Theorien-, Methoden- und Disziplinenvielfalt in den Wirtschaftswissenschaften
                              • Begriffe
                                • Plurale Ökonomik: Bewegung für mehr Theorien-, Methoden- und Disziplinenvielfalt in den Wirtschaftswissenschaften; Gegenentwurf zur neoklassischen Mainstream-Ökonomik
                                • Heterodoxe Ökonomik: Sammelbezeichnung für wirtschaftswissenschaftliche Denkschulen außerhalb des Mainstreams, z. B. Postkeynesianismus, feministische Ökonomik, Marxistische Politische Ökonomie
                                • Sachgrundlose Befristung: Befristung eines Arbeitsvertrags ohne sachlichen Grund; bisher auf 2 Jahre begrenzt, soll laut Reformpaket auf 48 Monate verlängert werden
                                • Transferentzugsrate: Der Anteil des Einkommens, der beim Übergang von Sozialleistungen in Erwerbsarbeit durch Abgaben und Leistungskürzungen verloren geht
                                • Beitragsbemessungsgrenze: Einkommensgrenze, bis zu der Beiträge zur Sozialversicherung erhoben werden; darüber liegendes Einkommen bleibt beitragsfrei
                                • Kapitalrente (Aktienrente): Geplante Ergänzung zur gesetzlichen Rente durch verpflichtende Einzahlungen in kapitalmarktbasierte Fonds
                                • Informationsfreiheitsgesetz (IFG): Gesetz, das Bürger:innen einen voraussetzungslosen Zugang zu staatlichen Dokumenten ermöglicht; soll laut Reformpaket eingeschränkt werden
                                • Prinzipal-Agenten-Theorie: Ökonomisches Modell, das Interessenkonflikte zwischen einem Auftraggeber (Prinzipal) und einem Beauftragten (Agent) beschreibt; wird oft genutzt, um Kontroll- und Sanktionsmechanismen zu rechtfertigen
                                • Safety First: Von James C. Scott beschriebene Strategie bäuerlicher Gesellschaften, Existenzsicherheit vor Gewinnmaximierung zu stellen
                                • Gini-Koeffizient: Statistisches Maß für Ungleichheit; ein Wert von 0 bedeutet vollständige Gleichverteilung, ein Wert von 1 maximale Ungleichheit
                                • Unterstützen & Folgen

                                  Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                                  Spenden:

                                  PayPal: Jetzt spenden
                                  IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                                  Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                                  Community: Discord

                                  Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                                  2 hr 44 min
                                • Soziale Kälte gegen Hitzewelle? Wenn die Lebensgrundlagen schmelzen

                                  Deutschland im Juni 2026: An 252 Wetterstationen werden neue Allzeithöchstwerte gemessen, 46 Stationen überschreiten die 40-Grad-Marke, Koschen in Brandenburg misst 41,7 Grad. Die Junidurchschnittstemperatur liegt vier Grad über dem langjährigen Klimamittel. Zwölf Tage Hitzewarnung am Stück – die längste Periode seit Einführung des Systems 2005. Das ist kein Ausreißer. Das ist leider die neue Normalität.

                                  Was diese Hitzewelle sichtbar macht, ist mehr als Schweiß und abgesagte Konzerte. Rettungsdienste am Limit, Straßenbahnschienen, die in Weichen schmelzen, Atomkraftwerke, die wegen zu warmem Kühlwasser gedrosselt werden müssen, Waldbrände, evakuierte Ortschaften, mindestens 26 Badetote an einem einzigen Wochenende. Dazu: 413 Millionen Euro Wirtschaftsleistungsverlust pro Hitzewellentag. Und wer zahlt den höchsten Preis? Ältere Menschen in Altersarmut, Obdachlose, Kinder in unsanierten Schulen. Soziale Ungleichheit ist auch hier das Brennglas der Krise.

                                  Patrick und Jens ordnen ein, was diese Hitzewelle wirklich bedeutet: nicht Sommerwetter, sondern ein Systemschock. Sie analysieren, warum Medien den Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel weiterhin ausblenden, was die Bundesregierung stattdessen plant, z. B. Fördermittel für Klimaanpassung in Kitas und Pflegeheimen zu streichen, und warum Wirtschaftsministerin Reiche mit ihrer Energiepolitik die Krise aktiv massiv verschärft. Und sie stellen die entscheidende Frage: Wann wird (Klima-)gerechtigkeit endlich wieder zum politischen Programm?

                                  Themen
                                  • Die Hitzewelle Juni 2026 in Deutschland: Rekorde, Fakten, Folgen
                                  • Gesundheitliche und soziale Auswirkungen – vulnerable Gruppen im Fokus
                                  • Infrastrukturversagen: Stromnetz, Schienen, Straßen unter Extremhitze
                                  • Politisches Versagen: Bundesregierung streicht Klimaanpassungsmittel
                                  • Mediale Verdrängung: Warum der Klimazusammenhang systematisch ausgeblendet wird
                                  • Prognosen: Kipppunkte, Klimamigration und die Zukunft der Biosphäre
                                  • Solidarität als Antwort: Klimagerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit und Universalismus
                                  • Erwähnte Personen & Organisationen
                                    • Deutscher Wetterdienst (DWD): Nationale Wetterbehörde, gibt seit 2005 offizielle Hitzewarnungen aus
                                    • Carsten Schneider: SPD-Bundesumweltminister, verteidigte die Streichung von Klimaanpassungsmitteln mit Verweis auf das 100-Milliarden-Sondervermögen
                                    • Katherina Reiche: Bundeswirtschafts- und Energieministerin, schloss Gasliefervertrag mit Kanada über 2045 hinaus ab und verschlechterte laut Patrick und Jens gezielt den Business Case für erneuerbare Energien
                                    • Stefan Rahmstorf: Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, im Kontext medialer Verächtlichmachung von Klimakommunikation erwähnt
                                    • Club of Rome: Internationale Denkfabrik, deren Bericht „Earth for All“ als Beleg für die Verknüpfung von Klimakrise, sozialer Ungleichheit und Wirtschaftsmodell zitiert wird
                                    • WHO: Verzeichnete seit 21. Juni 2026 mehr als 1.300 zusätzliche Todesfälle in Europa im Zusammenhang mit der Hitzewelle
                                    • Begriffe
                                      • Hitzewelle / Heat Dome: Meteorologisches Phänomen, bei dem heiße Luftmassen über einer Region eingeschlossen werden und sich aufheizen, verstärkt durch den menschengemachten Klimawandel
                                      • Feuchtkugeltemperatur (Wet Bulb Temperature): Maß für die kombinierte Belastung durch Hitze und Luftfeuchtigkeit; ab 35 Grad Feuchtkugeltemperatur kann der menschliche Körper sich nicht mehr durch Schwitzen kühlen: Hitzschlag und Organversagen drohen
                                      • Kipppunkte: Schwellenwerte im Erdsystem, deren Überschreitung selbstverstärkende, kaum umkehrbare Veränderungen auslöst (z. B. Absterben von Korallenriffen, Auftauen von Permafrost)
                                      • El Niño: Natürliches Klimaphänomen im Pazifik, das globale Temperaturen vorübergehend erhöht- kein Verursacher, aber Verstärker der Klimakrise
                                      • Nekropolitik: Politisches Konzept (nach Achille Mbembe): die staatliche Entscheidung, bestimmte Bevölkerungsgruppen dem Tod auszusetzen oder schutzlos zu lassen
                                      • Excess Deaths / Übersterblichkeit: Statistische Methode zur Erfassung von Todesfällen, die über den Erwartungswert hinausgehen, bei Hitze oft höher als offiziell als „Hitzetote“ erfasste Fälle
                                      • AMOC (Atlantische Umwälzzirkulation): Meeresströmungssystem, das das europäische Klima stabilisiert und ein möglicher Kollaps würde extreme Temperaturschwankungen in Europa verursachen
                                      • Earth for All: Bericht des Club of Rome (2022), der zeigt, dass die Überwindung der Klimakrise nur gemeinsam mit dem Abbau sozialer Ungleichheit gelingen kann
                                      • Unterstützen & Folgen

                                        Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                                        Spenden:

                                        PayPal: Jetzt spenden
                                        IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                                        Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                                        Community: Discord

                                        Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                                        1 hr 46 min
                                      • Iran-Update: Will überhaupt noch jemand Frieden oder einfach nur die Herrschaft?

                                        Ein Angriff, der den Iran zurück in die Steinzeit bomben sollte. Das Ergebnis: 300 Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe, die Aufhebung aller Sanktionen, freier Ölexport  und das iranische Regime darf sein Raketenprogramm behalten. Das Islamabad-Memorandum, unterzeichnet an drei Orten, zu drei Zeitpunkten, mit leeren Zeilen für Datum und Ort, ist kein Friedensvertrag und schon gar kein „Deal“. Es ist das Protokoll eines gescheiterten Machtkalküls mit größtem Schaden für die globale Zivilbevölkerung.

                                        Wer hat diesen Krieg eigentlich gewollt? Trumps Kalkül, ein schneller Sieg sollte die Midterms retten, wie einst 9/11 George W. Bush in die Höhe katapultierte, ist spektakulär falsch aufgegangen. Israel kämpft im Libanon weiter, als hätte es das Memorandum nie gegeben, weil es das Papier schlicht nie unterschrieben hat. Die Hisbollah feuert zurück. Die Straße von Hormuz öffnet und schließt sich im Takt der Eskalation. Und innerhalb der US-Regierung, der israelischen Koalition und des iranischen Regimes toben Machtkämpfe, die das gesamte Konstrukt jederzeit sprengen können.

                                        Patrick und Jens puzzeln zusammen, was hinter dem Islamabad-Memorandum wirklich steckt und warum die eigentliche Rechnung dieses Krieges erst noch kommt. Denn während Rohölpreise schnell sinken, treffen die Folgen für Lebensmittel, Dünger und Konsumgüter Monate später  und dann vor allem jene, die ohnehin kaum noch Spielraum haben. Wer zahlt am Ende für Trumps Friedenstheater in Versailles?

                                        Themen
                                        • Das Islamabad-Memorandum: Inhalt, Widersprüche und offene Fragen
                                        • Israels Nicht-Unterzeichnung und die Fortführung des Libanon-Krieges
                                        • Machtkämpfe in Washington, Tel Aviv und Teheran
                                        • Trumps gescheitertes politisches Kalkül
                                        • Verzögerte wirtschaftliche Folgen: Dünger, Lebensmittelpreise, Inflation
                                        • Szenarien: Wie könnte es weitergehen?
                                        • Fossilindustrieller Komplex als Kriegsprofiteur
                                        • Erwähnte Personen & Organisationen
                                          • Donald Trump: US-Präsident, Unterzeichner des Memorandums in Versailles
                                          • JD Vance: US-Vizepräsident, öffentlich kritisch gegenüber israelischen Angriffen im Libanon
                                          • Marco Rubio: US-Außenminister, hatte zu Kriegsbeginn die Zerstörung iranischer Raketenkapazitäten als Kriegsziel benannt
                                          • Benjamin Netanjahu: Israelischer Premierminister, dessen Regierung das Memorandum nicht unterzeichnete und die Offensive im Libanon fortsetzt
                                          • Itamar Ben-Gvir: Israelischer Minister, forderte öffentlich, dass „der ganze Libanon brennen“ müsse
                                          • Masud Peseschkian: Iranischer Präsident, unterzeichnete das Memorandum separat in Teheran
                                          • Ben Shapiro: Rechter US-Medienunternehmer, nannte den Deal ein „Desaster“
                                          • Bill Cassidy: Republikanischer Senator, bezeichnete das Abkommen als „schlimmsten außenpolitischen Fehler seit Jahrzehnten“
                                          • Chris Murphy: Demokratischer Senator, nannte das Abkommen eine „totale Demütigung“
                                          • Hisbollah: Libanesische Miliz und politische Partei, Teil des iranischen Proxy-Netzwerks, nicht im Memorandum adressiert
                                          • Straße von Hormuz: Strategische Meerenge, durch die bis zu 30 % des globalen Düngerhandels und erhebliche Ölmengen transportiert werden
                                          • FAO: UN-Welternährungsorganisation, warnt vor einer globalen Lebensmittelpreiskrise binnen 6–12 Monaten
                                          • JCPOA: Früheres Nuklearabkommen mit dem Iran (2015), Vergleichspunkt für aktuelle Verhandlungen
                                          • Begriffe
                                            • Islamabad-Memorandum: 14-Punkte-Rahmenwerk zur Beendigung der Kampfhandlungen zwischen USA und Iran, vermittelt durch Pakistan und Katar; kein fertiger Friedensvertrag, sondern eine Absichtserklärung mit 60-tägiger Verhandlungsphase
                                            • Memorandum of Understanding (MOU): Rechtlich nicht bindendes Dokument, das eine Einigung über Grundsätze festhält und Vorstufe zu einem verbindlichen Vertrag
                                            • Straße von Hormuz: Meerenge zwischen Iran und Oman; strategischer Flaschenhals für rund 20 % des weltweiten Ölhandels und bis zu 30 % des globalen Düngerhandels
                                            • Falken / Neokonservative: Politische Strömungen in den USA, die eine harte, oft militärische Außenpolitik befürworten; kritisieren das Memorandum als Kapitulation
                                            • Harnstoff-Dünger: Meistgenutzter Pflanzendünger weltweit; wird aus Ammoniak hergestellt, das wiederum Erdgas als Grundstoff benötigt und Verbindungsglied zwischen Gasversorgung und Lebensmittelpreisen
                                            • Deindustrialisierung: Rückgang industrieller Produktion; hier: als Folge gestiegener Energie- und Rohstoffkosten durch den Krieg, und nicht wie oft behauptet, durch Klimaschutzpolitik
                                            • Fossilindustrieller Komplex: Verflechtung von Öl- und Gasindustrie, Petrochemie, Automobilwirtschaft und Rüstungssektor mit gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Interessen
                                            • Nekropolitik: Politikwissenschaftliches Konzept (Achille Mbembe): Herrschaft, die auf der Kontrolle über Tod und Sterben basiert
                                            • Saving Face: Diplomatischer Begriff für das Wahren des Ansehens trotz Niederlage oder Rückzug
                                            • Proxy-Armeen: Nicht-staatliche bewaffnete Gruppen, die im Auftrag oder mit Unterstützung eines Staates kämpfen; im Kontext: Hisbollah und Houthis als Teil des iranischen Einflussnetzes
                                            • Unterstützen & Folgen

                                              Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                                              Spenden:

                                              PayPal: Jetzt spenden
                                              IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                                              Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                                              Community: Discord

                                              Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                                              1 hr 31 min
                                            • Demuskierung: Wie Steuergelder den Elon Musk Mythos finanzieren

                                              Über 90 % von Elon Musks Vermögen existieren ausschließlich auf dem Papier. Kein Cash, keine Liquidität – nur Aktienpakete, die er nicht verkaufen kann, ohne Kurse einzureißen und Milliarden an Steuern zu zahlen.Das Prinzip „Buy, borrow, die“. Der reichste Mensch der Welt ist möglicherweise nur ein buchhalterisches Konstrukt.

                                              Und SpaceX? Mindestens 38 Milliarden an öffentlichen Verträgen, Subventionen und Krediten seit 2003. Die NASA, die keine eigenen Raketen mehr besitzt, hat allein fast 15 Milliarden beigesteuert. Fast ein Drittel des Umsatzes kommt direkt vom US-Militär. Wer trotzdem einen MSCI World oder Nasdaq-ETF bespart, kauft SpaceX automatisch mit,  denn Nasdaq hat kurz vor dem Börsengang die Aufnahmeregeln geändert und den Streubesitz als Mindestanforderung gestrichen. Insider könnten dann verkaufen und die Anleger:innen kommen rein, ob sie wollen oder nicht.

                                              Patrick und Jens analysieren, warum das alles bekannt ist und trotzdem niemand laut genug fragt. Sie ziehen die Linie von Enron bis Tesla, von gebrochenen Versprechen bis zu Wirtschaftsmedien, die den Mythos täglich mitschreiben und sie stellen die eigentliche Frage: Nicht ob das System kippt, sondern wer am Ende die Rechnung bezahlen wird. Die Antwort kennen wir sicher schon.

                                              Themen
                                              • Elon Musks Papiervermögen und die „Buy, Borrow, Die“-Strategie der Superreichen
                                              • SpaceX: 38 Milliarden an Staatsgeldern hinter dem „privaten Genie“
                                              • ETF-Anleger:innen als unfreiwillige SpaceX-Investor:innen durch geänderte Nasdaq-Regeln
                                              • Strukturelle Parallelen zum Enron-Skandal
                                              • Teslas Versprechen, Musks Geschäftsmodell und die Funktion des permanenten Hypes
                                              • Erwähnte Personen & Organisationen
                                                • Elon Musk: CEO von Tesla und SpaceX, reichste Person der Welt nach Forbes/Bloomberg-Ranking
                                                • SpaceX: Privates Raumfahrtunternehmen, mehrheitlich durch öffentliche Verträge finanziert
                                                • Tesla: Elektroautohersteller, seit 2016 mit wiederholten Versprechen zu vollständiger Fahrzeugautonomie
                                                • NASA: US-Raumfahrtbehörde, hat keine eigenen Trägerraketen mehr und ist auf SpaceX angewiesen
                                                • Enron: US-Energiekonzern, dessen Kollaps Anfang der 2000er Jahre durch investigativen Journalismus ausgelöst wurde
                                                • Nasdaq: US-Technologiebörse, hat Aufnahmeregeln für Indizes kurz vor SpaceX-Börsengang geändert
                                                • Begriffe
                                                  • Buy, Borrow, Die: Steuervermeidungsstrategie wohlhabender Personen: Vermögen aufbauen, dagegen Kredite aufnehmen statt zu verkaufen, und Steuerlast bis zum Tod hinauszögern
                                                  • Streubesitz (Free Float): Anteil der Aktien eines Unternehmens, der frei handelbar ist (war bislang Mindestvoraussetzung für Indexaufnahmen)
                                                  • MSCI World / Nasdaq ETF: Breit gestreute Indexfonds, die automatisch alle Unternehmen im jeweiligen Index abbilden (auch neu aufgenommene)
                                                  • Gewichtungsmultiplikator: Mechanismus, der einem Unternehmen im Index ein höheres Gewicht gibt als sein tatsächlicher Streubesitz rechtfertigen würde
                                                  • Unterstützen & Folgen

                                                    Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                                                    Spenden:

                                                    PayPal: Jetzt spenden
                                                    IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                                                    Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                                                    Community: Discord

                                                    Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                                                    1 hr 48 min
                                                  • Zu Gast bei Feinden? WM 2026: Wenn Kommerz und "America First" ein Volksfest zerstören

                                                    Über 100 Millionen Menschen weltweit werden die WM 2026 verfolgen,  aber wer darf eigentlich noch dabei sein? Das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko wird das größte in der Geschichte des kommerziellen Fußballs: 48 Teams, 104 Spiele, 16 Austragungsorte auf einem ganzen Kontinent. Doch hinter der Rekordfassade zeigt sich ein System, das aktiv daran arbeitet, sein eigenes Versprechen zu zerstören.

                                                    Patrick und Jens nehmen dieses Turnier als Seismograf: für die Verwertungslogik der FIFA, für Trumps America-First-Agenda und für die Frage, wann aus einem Volkssport endgültig ein Luxusprodukt wird. Wer bezahlt die Infrastruktur und wer sitzt am Ende eigentlich im Stadion? Und was bleibt vom alten Versprechen des Fußballs, wenn selbst ein Sepp Blatter zum Boykott aufruft?

                                                    Themen
                                                    • WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko: Rekordzahlen, Rekordumsätze
                                                    • Einreisepolitik der Trump-Regierung und ihre Folgen für internationale Fans
                                                    • FIFA-Kommerzialisierung und das nordamerikanische Sportbusiness-Modell
                                                    • Enhanced Games, Sportswashing und die Zukunft des Spitzensports
                                                    • Erwähnte Personen & Organisationen
                                                      • Gianni Infantino: FIFA-Präsident, überreichte Trump den ersten „FIFA World Peace Prize“
                                                      • Donald Trump: US-Präsident, dessen America-First-Politik die Einreisebedingungen zur WM prägt
                                                      • Sepp Blatter: Ehemaliger FIFA-Präsident, rief zum Boykott der WM 2026 auf
                                                      • Lionel Messi: Argentinischer Fußballstar, dessen Wechsel zu Inter Miami den „Messi-Effekt“ in den USA auslöste
                                                      • Football Supporters Europe: Europäische Fanorganisation, hat bei der EU-Kommission Klage gegen FIFA wegen Monopolmissbrauch und überhöhter Ticketpreise eingereicht
                                                      • U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE): US-Einwanderungsbehörde, deren Präsenz rund um WM-Spielorte angekündigt wurde
                                                      • Begriffe
                                                        • Sportswashing: Strategie von Staaten oder Konzernen, durch das Sponsoring oder Ausrichten von Sportveranstaltungen das eigene Image aufzupolieren
                                                        • Enhanced Games: Von Peter Thiel mitfinanziertes Wettkampfformat, bei dem Doping explizit erlaubt ist, um menschliche Leistungsgrenzen zu testen
                                                        • Racial Profiling: Diskriminierende Praxis, bei der Personen aufgrund äußerer Merkmale wie Hautfarbe von Behörden kontrolliert werden
                                                        • Scalper/Ticketscalping: Wiederverkauf von Eintrittskarten zu massiv überhöhten Preisen, oft über Zweitmarktplattformen
                                                        • Schiff des Theseus: Philosophisches Gedankenexperiment zur Frage der Identität eines Objekts, wenn alle seine Bestandteile nach und nach ersetzt werden.
                                                        • Unterstützen & Folgen

                                                          Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                                                          Spenden:
                                                          PayPal: Jetzt spenden
                                                          IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                                                          Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                                                          Community: Discord

                                                          Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                                                          1 hr 7 min
                                                        • Women lead the way: Islands Frauenstreik und was wir daraus lernen können

                                                          90 % aller isländischen Frauen legten am 24. Oktober 1975 gleichzeitig die Arbeit nieder – zu Hause und im Beruf. Das Land stand still. Schulen geschlossen. Zeitungen ungedruckt. Männer kauften panisch Würstchen, weil sie sich selbst kein Essen kochen konnten. Dieser eine Tag erzwang ein Gleichstellungsgesetz, brachte die erste demokratisch gewählte Präsidentin der Welt hervor und veränderte eine Gesellschaft grundlegend. Kein Geschenk der Politik – ein machtpolitischer Hebel.

                                                          Patrick und Jens zeichnen nach, wie aus den feministisch-sozialistischen Roten Strümpfen der 1970er-Jahre eine der konsequentesten Gleichstellungspolitiken der Welt entstand: das Entgelttransparenzgesetz mit Beweislastumkehr, das weltweit einzigartige Elternzeitmodell nach dem Prinzip „use it or lose it“, die 40-%-Aufsichtsratsquote, das Verbot von Stripclubs. Und sie zeigen, warum Island trotzdem 2023 erneut streiken musste – weil der Gender Pay Gap wieder stieg, weil jede vierte Frau Gewalt erlebt hat und weil ein Spitzenplatz im Ranking noch lange kein Paradies bedeutet.

                                                          Was kann man dagegen tun? Das ist die häufigste Frage an den Podcast – und diese Episode liefert konkrete Antworten: von der Geschichte des Frauenstreiks über den spanischen Generalstreik 2018 bis zur südkoreanischen 4B-Bewegung. Patrick und Jens erklären, warum politische Streiks in Deutschland faktisch verboten sind, was trotzdem möglich ist und warum Veränderung immer mit Organisation beginnt.

                                                          Themen
                                                          • Der isländische Frauenstreik 1975 und seine legislativen Folgen
                                                          • Isländische Gleichstellungsgesetze: Von 1976 bis 2021
                                                          • Der Frauenstreik 2023 und die „isländische Illusion“
                                                          • Deutschland im Vergleich: Ehegattensplitting, Minijob-Falle, Gender Pay Gap
                                                          • Streikrecht in Deutschland: Was erlaubt ist und was nicht
                                                          • Historische Frauenbewegungen als Motor gesellschaftlicher Veränderung
                                                          • Organisation als politisches Mittel: Gewerkschaften, Netzwerke, ziviler Ungehorsam
                                                          • Erwähnte Personen & Organisationen
                                                            • Vigdís Finnbogadóttir: Erste demokratisch gewählte Staatspräsidentin der Welt, 1980–1996 Präsidentin Islands, durch den Streik von 1975 politisiert
                                                            • Jóhanna Sigurðardóttir: Isländische Premierministerin 2009–2013, weltweit erste offen homosexuelle Regierungschefin, führte das nordische Modell bei Prostitution ein
                                                            • Katrín Jakobsdóttir: Isländische Premierministerin 2017-2024, nahm selbst am Frauenstreik 2023 teil und berief anschließend eine Taskforce zur Lohngleichheit ein
                                                            • Aristophanes: Altgriechischer Komödiendichter, Verfasser von „Lysistrata“ (411 v. Chr.) – literarische Vorlage für den politischen Sexstreik
                                                            • DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund): Dachverband der deutschen Gewerkschaften, Anlaufstelle zur Orientierung über zuständige Einzelgewerkschaften
                                                            • FAU (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union): Basisgewerkschaft, radikaldemokratisch und branchenübergreifend organisiert
                                                            • Begriffe
                                                              • Kvennafrídagurinn: Isländisch für „Frauenruhetag“ – offizieller Name des Frauenstreiks vom 24. Oktober 1975, bewusst gewählt um das politisch aufgeladene Wort „Streik“ zu umgehen
                                                              • Gender Pay Gap (bereinigt/unbereinigt): Der bereinigte Gap misst Lohnunterschiede bei gleicher Tätigkeit; der unbereinigte Gap erfasst die gesamte strukturelle Lohnlücke – also auch die Unterbewertung frauendominierter Berufe
                                                              • Use it or lose it: Prinzip des isländischen Elternzeitmodells: Väter können ihre sechs Monate nicht auf die Mutter übertragen – ungenutzte Zeit verfällt, das Elterngeld entfällt
                                                              • Mental Load: Die unsichtbare kognitive Dauerbelastung durch vorausschauende Planung des Familienalltags: Arzttermine, Schulmaterial, Geburtstage – die strukturell überproportional Frauen trifft
                                                              • Motherhood Penalty: Karriereknick und Gehaltsverlust, den Frauen nach der Geburt eines Kindes im Durchschnitt erleiden
                                                              • 4B-Bewegung: Südkoreanische feministische Bewegung (ca. ab 2017/18): Verzicht auf Sex, Dates, Ehe und Kinder mit Männern als kollektiver Protest gegen patriarchale Strukturen
                                                              • Nordisches Modell (Prostitution): Rechtlicher Ansatz, der den Kauf von Sex kriminalisiert, den Verkauf jedoch nicht – schützt Prostituierte als Opfer und setzt bei der Nachfrage an
                                                              • Wilder Streik: Arbeitsniederlegung ohne gewerkschaftliche Trägerschaft und ohne Tarifziel – in Deutschland arbeitsrechtlich riskant, aber nicht strafrechtlich verboten
                                                              • Intersektionalität: Analytischer Ansatz, der mehrfache Diskriminierungsformen (Geschlecht, Klasse, Herkunft etc.) als sich gegenseitig verstärkend begreift
                                                              • Weiterführende Quellen
                                                                • Ausschnitte in der Sendung stammen hauptsächlich aus der empfehlenswerten Dokumentation: Island: Ein Tag ohne Frauen
                                                                • Unterstützen & Folgen

                                                                  Steady: steadyhq.com/schweigen-ist-zustimmung

                                                                  Spenden:

                                                                  PayPal: Jetzt spenden
                                                                  IBAN: DE19 2004 1133 0136 5949 00 (Jens Brodersen/SiZ)

                                                                  Bewerten: Apple Podcasts | Spotify

                                                                  Community: Discord

                                                                  Social: Bluesky | Instagram | TikTok

                                                                  1 hr 29 min

                                                                About Schweigen ist Zustimmung!

                                                                From the publisher's feed

                                                                Der wöchentlich andere Blick auf Politik und Kultur mit Jens Brodersen und Patrick Breitenbach