In Folge 24 wird es technisch, aber vor allem grundsätzlich. Zu Gast ist Alex Thusbass von HEPHA. Alex ist Industriedesigner und seit fast 20 Jahren in der Fahrradindustrie unterwegs. Seine Geschichte reicht von den frühen Tagen des E-Bikes über die Entwicklung des Haibike XDURO bis zu der Frage, wie das E-Bike der nächsten Jahre überhaupt aussehen wird.
Wir sprechen darüber, wie stark Produktdesign eine Marke prägt und warum Alex der Meinung ist, dass ein Fahrrad nicht einfach aus einem Rahmen und den immer gleichen Komponenten bestehen sollte. Dabei geht es auch um Apple, Dieter Rams, KTM und die Frage, warum gutes Design weit mehr bedeutet als eine schöne Form.
Natürlich landen wir ziemlich schnell beim E-Mountainbike. Alex erzählt, wie das erste Haibike XDURO entstand, warum das Projekt intern teilweise regelrecht gehasst wurde und wie ausgerechnet dieses Fahrrad auf der Eurobike 2010 plötzlich die Aufmerksamkeit auf sich zog. Rückblickend kaum vorstellbar, wenn man sieht, welchen Stellenwert E-Mountainbikes heute haben. Damals war die Reaktion der klassischen Bike-Community allerdings ziemlich eindeutig. Begeisterung sieht anders aus.
Danach schauen wir nach vorne. Alex stellt seine Sicht auf das HEPHA Urban X vor und erklärt, warum Digitalisierung beim Fahrrad seiner Meinung nach gerade erst anfängt. Ein Antrieb ohne klassische Schaltung, elektrische Motorbremse mit Rekuperation, automatische Funktionen, digitale Zugangssysteme und deutlich schnelleres Laden sind einige der Themen, über die wir sprechen. Für Alex geht es dabei nicht darum, dass das Fahrrad selbst fährt. Es soll im Gegenteil einfacher und intuitiver werden.
Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich außerdem um Akkus und Motoren. Brauchen wir tatsächlich immer größere Akkus? Sind 150 Newtonmeter wirklich sinnvoll? Oder reden wir in der Fahrradbranche schlicht zu viel über Leistungswerte und zu wenig über Effizienz?
Alex vertritt hier eine ziemlich klare Position. Er erwartet, dass Akkus langfristig wieder kleiner werden und stattdessen Ladegeschwindigkeit, Leistungsabgabe und vor allem die Effizienz des gesamten Systems wichtiger werden. Auch beim aktuellen Wettrennen um immer mehr Drehmoment sieht er Grenzen.
Und dann kommen wir zu einer Frage, die mich schon länger beschäftigt: Kaufen Menschen ein E-Bike wegen der Fahrradmarke oder wegen des verbauten Motors?
Für Alex liegt genau hier eines der großen Probleme der Branche. Wenn Motor, Schaltung, Fahrwerk und viele weitere Bauteile bei zahlreichen Herstellern identisch sind, muss die Fahrradmarke selbst wieder stärker werden. Ein Produkt muss als Ganzes funktionieren und einen eigenen Charakter besitzen. Sonst wird die Marke irgendwann austauschbar.
Am Ende geht es deshalb um deutlich mehr als E-Mountainbikes. Alex sieht den nächsten großen Entwicklungsschritt in der urbanen Mobilität. E-Bikes sollen nicht nur Sportgeräte sein, sondern für ganz normale Menschen eine echte Alternative im Alltag werden.
Eine gute Stunde über E-Bikes, Produktdesign, Motoren, Akkus, Marken, technische Sackgassen und die Frage, wohin sich die Fahrradindustrie eigentlich bewegen sollte.
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