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  • Trump kündigt Gespräche mit Putin und Selenskij an

    US-Präsident Donald Trump hat bekannt gegeben, dass er hofft, "in naher Zukunft" mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen zu können. Der US-Präsident erklärte, er rechne damit, "bald, so oft ich will" mit dem russischen Staatsoberhaupt sprechen zu können. Dies berichtete Politico.

    Trump bestätigte außerdem ein bilaterales Treffen mit dem ukrainischen Staatschef Wladimir Selenskij. Nach Angaben des Weißen Hauses finden die Gespräche am 28. Dezember in Palm Beach um 15:00 Uhr Ortszeit (21:00 Uhr MEZ) statt. In der Nähe dieses Ferienortes befindet sich Trumps Privatresidenz Mar-a-Lago, in der er sein Wochenende verbringt. Trump fasste in Bezug auf Selenskij zusammen:

    "Ich denke, dass alles gut mit ihm laufen wird. Ich denke, dass auch mit Putin alles gut laufen wird."

    Zugleich zeigte sich Trump "zurückhaltend" gegenüber dem von Kiew ausgearbeiteten Friedensplan. Selenskij werde nichts haben, "solange ich es nicht genehmige", hieß es. Jedoch bezeichnete Trump die Chancen für eine Beilegung des Ukraine-Konflikts als gut:

    "Ich denke, wir haben gute Chancen. Sie wollen es jetzt tun, und ich denke, Russland will das Gleiche. Aber jedes Mal, wenn eine Seite den Wunsch zeigt, es zu tun, tut es die andere Seite nicht."

    In diesem Zusammenhang gab er auch eine Erklärung über die russische Wirtschaft ab. Laut des US-Präsidenten befindet sich diese "in einem sehr schwierigen Zustand".

    Mehr zum Thema – Moskau: "Friedensplan" der Ukraine weicht grundlegend von dem der USA ab

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  • Gericht rügt Staatsanwaltschaft: Keine Sonderbehandlung für Habeck

    Im Prozess gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Grünen und Wirtschaftsminister Robert Habeck wegen Verleumdung von Sahra Wagenknecht, ist die Staatsanwaltschaft Dresden ins Visier geraten. Auf eine Anfrage des Tagesspiegels leitete die Staatsanwaltschaft sowohl das Schreiben des Journalisten als auch die eigene vorformulierte Antwort an Habecks Anwalt weiter.

    Habeck sollte die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben werden, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Faktisch war sie bereit, Habeck die Kontrolle ihrer Pressekorrespondenz in dem Fall zu übertragen. Den Journalisten informierte die Staatsanwaltschaft nicht über das Verfahren.  

    Das war rechtswidrig, urteilte das Verwaltungsgericht Dresden bereits am 4. November. Das Gericht sieht in dem Vorgehen der Staatsanwaltschaft eine einseitige Berücksichtigung der Interessen Habecks. Sie würde damit "dem Bedeutungsgehalt der Pressefreiheit und des Recherchegeheimnisses" nicht gerecht.

    Eine grundsätzliche Verpflichtung, Habeck die Möglichkeit zur Stellungnahme vor der Beantwortung von Anfragen der Presse zu geben, bestehe nicht. Da die Staatsanwaltschaft in ihrer vorab abgefassten und Habecks Anwalt zur Begutachtung vorgelegten Antwort ohnehin nicht alle Fragen des Journalisten beantwortet habe, sei die Verletzung von Habecks Interessen bereits ausgeschlossen gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte mit dem Hinweis auf das laufende Verfahren die Beantwortung mehrerer Fragen abgelehnt.

    Grundsätzlich habe ein Beschuldigter kein Veto-Recht hinsichtlich der Erteilung von Auskünften gegenüber der Presse durch die Staatsanwaltschaft, argumentierte das Gericht. Dabei spiele es auch keine Rolle, welches Medium anfrage. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Hintergrund ist, dass Habeck der damaligen Vorsitzenden des BSW, Sahra Wagenknecht, im Wahlkampf vorgeworfen hatte, sie werde von Russland bezahlt. Wagenknecht klagte. Für seine  wiederholt gemachte Behauptung konnte Habeck vor Gericht keine Belege vorbringen. Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 12.000 Euro eingestellt. Habeck hat sich darüber hinaus verpflichtet, seine Anschuldigungen gegenüber Wagenknecht nicht zu wiederholen. 

    Mehr zum Thema – Hetze beim Düsseldorfer Karneval zieht juristische Konsequenzen in Russland nach sich

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  • Trump dämpft Erwartungen an Selenskijs "Friedensplan"

    US-Präsident Donald Trump hat sich skeptisch gegenüber dem jüngsten Friedensvorschlag des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij zur Beendigung des Konflikts mit Russland geäußert. Er argumentierte, die Gespräche könnten nur mit seiner Zustimmung fortgesetzt werden.

    Trump tätigte seine Äußerungen vor dem Hintergrund, dass er am Sonntag in Florida Gespräche mit Selenskij führen wird. Anfang der Woche hatte der ukrainische Präsident einen 20-Punkte-Friedensplan vorgestellt. Dieser beinhaltet unter anderem das Einfrieren der Frontlinie in den russischen Regionen Donezk, Lugansk, Saporoschje und Cherson, den Rückzug Moskaus aus mehreren ukrainischen Regionen sowie eine 800.000 Mann starke ukrainische Armee, die von NATO-Mitgliedern unterstützt wird. Der Plan sieht außerdem Sicherheitsgarantien der USA, der NATO und europäischer Staaten für Kiew vor, die dem Artikel 5 der NATO-Charta ähneln.

    In einem Interview mit Politico am Freitag signalisierte Trump, dass er es nicht eilig habe, Selenskijs Forderungen zu unterstützen. "Er hat nichts vorzuweisen, bis ich es abgesegnet habe", betonte Trump. "Wir werden sehen, was er zu bieten hat."

    Der russische Vizeaußenminister Sergei Rjabkow kommentierte Selenskijs Initiative mit den Worten: "Der Plan – sofern man ihn überhaupt so nennen kann – unterscheidet sich radikal von dem 27-Punkte-Vorschlag, an dem wir in den vergangenen Wochen gemeinsam mit den USA gearbeitet haben."

    Die ursprüngliche, von den USA entworfene 28-Punkte-Version, die im November an die Medien gelangt war, sah Berichten zufolge vor, dass Kiew die noch unter ukrainischer Kontrolle stehenden Teile des russischen Donbass abtritt, von einem NATO-Beitritt absieht und einer Reduzierung seiner Streitkräfte auf 600.000 Mann sowie einem Einfrieren des Frontverlaufs in den Regionen Cherson und Saporoschje zustimmt. Moskau erklärte, der US-Vorschlag könne als Grundlage für künftige Verhandlungen dienen. Gleichzeitig signalisierten die Unterstützer der Ukraine in der EU, dass sie jegliche größeren Zugeständnisse Kiews ablehnen würden.

    Russland beharrt darauf, dass eine nachhaltige Lösung des Konflikts nur möglich ist, wenn die Ukraine die neuen territorialen Gegebenheiten anerkennt und sich zu Neutralität, Entmilitarisierung und Entnazifizierung verpflichtet.

    Mehr zum Thema - Kommersant: Moskau zu Gebietsaustausch bereit – Übernahme des gesamten Donbass

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  • Politico: Wie die EU ihre Vergrößerung durchsetzen will

    Die Europäische Kommission hat an Plänen gearbeitet, die Opposition von EU-Mitgliedsländern gegen den Beitritt neuer Länder zum umgehen, berichtete Politico.

    Dabei sollen mögliche neue Mitglieder wie die Ukraine, Moldawien und Montenegro "zeitweise" keine Vetorechte besitzen, schrieb das Portal am Freitag. Das erfordere politisch schwierige Ergänzungen der grundlegenden Verträgen der EU erfordern und könnte Jahre dauern.

    Dieser Schritt wurde als Versuch beschrieben, die Regierungen, die der Erweiterung gegenüber skeptisch sind, zu beruhigen und gleichzeitig eine Wiederholung von Blockaden der Gesetzgebung durch einige Staaten verhindern.

    Die EU beabsichtigt, die Zahl ihrer Mitglieder innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf 30 zu erhöhen. Die Aufnahme erfordert die einstimmige Zustimmung aller 27 EU-Länder. Ungarn, die Slowakei und Polen haben wiederholt ihre Ablehnung einer möglichen Aufnahme der Ukraine bekundet und dabei auf Bedenken bezüglich der Kosten, der Sicherheit und der institutionellen Vorbereitung verwiesen.

    Die Ukraine erhielt Kandidatenstatus kurz nach der Eskalation ihres Konflikts mit Russland 2022. Seitdem hat Wladimir Selenskij darauf gedrängt, den Prozess zu beschleunigen. Brüssel hat 2030 als Ziel in den Raum gestellt, Kiew aber aufgefordert, die Herrschaft des Gesetzes zu stärken und gegen die endemische Korruption vorzugehen. Diese Aufrufe wurden durch die neueren Enthüllungen über ein Rückzahlungsschema in Höhe von 100 Millionen US-Dollar in Selenskijs engstem Kreis unterstrichen, Monate, nachdem er versucht hatte, die Kontrolle über die Behörden zu übernehmen, die die Untersuchung führen.

    Der ukrainische Botschafter bei der EU, Wsewolod Tschentsow, sagte Politico, 2026 "wird ein kritisches Jahr für den Zugang der Ukraine zur EU sein", und sagte, Kiew ziele darauf, die Eröffnung von Verhandlungen vorzuziehen und wolle die Reformen verlässlich umsetzen.

    Erweiterungskomissarin Marta Kos jedenfalls setzt darauf, dass die derzeit vorhandenen Kandidaten alle aufgenommen werden, angefangen mit Montenegro, das 2028 so weit sein soll. Und die Ukraine? "Brauchen wir die Ukraine in der EU? Ja."

    Allerdings haben diese Pläne ein entscheidendes Manko – gerade die Aufnahme der Ukraine würde, wegen ihres katastrophalen finanziellen und ökonomischen Zustands, selbst wenn sie bis zu einer Aufnahme besteht, dafür sorgen, dass selbst alle bisherigen Nettoempfänger der EU plötzlich zu Nettozahlern werden; also die Mittel, die bisher etwa in die polnische Landwirtschaft geflossen sind, komplett in die Ukraine umgeleitet werden müssten. Bereits jetzt führt die Unterstützung der Ukraine in vielen Ländern dazu, dass die Landwirtschaftssubventionen gekappt werden; aber nach diesem Schritt entfielen sie überall. Gleiches gälte für eine ganze Reihe weiterer Förderungen.

    Russland erklärt, es habe keine Einwände gegen einen Beitritt der Ukraine zur EU, aber es verurteile, wie es Außenminister Sergei Lawrow ausdrückte, die Entwicklung der EU hin zu einem "aggressiven militärisch-politischen Block" und einem "Anhängsel der NATO". Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte, eine Aufnahme der Ukraine in die EU werde den Staatenbund untergraben und könne letztlich zu seinem Zusammenbruch führen.

    Mehr zum Thema - Die Europäische Union muss zerschlagen werden

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  • Russland gelang ein Ingenieurswunder im Bereich der Luftfahrt

    Von Olga Samofalowa

    Russland habe ein ingenieurtechnisches Wunder bei der Wartung ausländischer Flugzeuge vollbracht, erklärte der russische Verkehrsminister Andrei Nikitin. "Unsere Fluggesellschaften haben ein solches Ingenieurwunder vollbracht. Wir verfügen bereits über zahlreiche technische Zentren, von denen acht oder neun als besonders wichtig anzusehen sind, die es ermöglichen, ausländische Flugzeuge vollständig zu warten", zitiert der Sender Rossija 24 die Worte von Andrei Nikitin.

    Ihm zufolge sind in diesen Zentren 8.000 Menschen beschäftigt. Er wies insbesondere auf die Eröffnung eines zweiten Betriebes in Moskau durch das Luftfahrtunternehmen S7 hin, der sich mit der Reparatur von Flugzeugtriebwerken und deren Bauteilen für Flugzeuge der Typen Airbus 320 und Boeing 737 befasst. Bislang habe es keine Industrie dieser Größenordnung und Qualität gegeben, so der Minister.

    Als zweiter Schritt ist vorgesehen, den Betrieb des S7-Werks auf die Reparatur von Teilen für Turbofan-Triebwerke CFM56-5B (für Airbus A320) und CFM56-7B (für Boeing 737) sowie für Honeywell-Hilfstriebwerke auszuweiten. Außerdem ist die Bearbeitung von 16 neuen Arten von Flugzeugersatzteilen vorgesehen, darunter gasthermische Beschichtungen, Vakuum-Wärmebehandlung und Schleuderverfestigung.

    Die Kapazitäten für die Generalüberholung von Flugzeugtriebwerken sollen um das Eineinhalbfache steigen – von 40 auf 65 Einheiten pro Jahr, wobei sich die für diese Arbeiten benötigte Zeit um das Eineinhalbfache verkürzen wird. Den Angaben von S7 Technics zufolge habe das Unternehmen seit 2022 mehr als 380 Generalüberholungen und lokale Reparaturen an Flugzeugtriebwerken von Boeing- und Airbus-Flugzeugen durchgeführt. Laut der russischen Luftfahrtbehörde entspricht dies etwa 40 Prozent der in Russland eingesetzten Triebwerke für Boeing 737 und Airbus A320.

    Nach wie vor sind in Russland Hunderte westlicher Langstreckenflugzeuge im Flugbetrieb. Diese tragen die Hauptlast des Passagierverkehrs, der in Russland jährlich mehr als 100 Millionen Passagiere umfasst.

    Wladimir Tschernow, Analytiker bei Freedom Finance Global, merkt dazu an:

    "Unter einem 'Ingenieurswunder' ist eine schnell aufgebaute, vollwertige Struktur zur Aufrechterhaltung der Flugtauglichkeit der westlichen Flotte zu verstehen, die zuvor von den Herstellern und ihrem globalen Servicenetzwerk getragen wurde."

    Nikitin teilte Wladimir Putin mit, dass Russland "praktisch aus dem Nichts einen Ingenieurskomplex für die Wartung von Flugzeugen geschaffen habe".

    Dass ausländische Flugzeuge seit dem Jahr 2022 weiterhin in Betrieb sind, sei tatsächlich eine Errungenschaft, da die Luftfahrtbranche trotz der Unterbrechung des üblichen Servicemodells die Sicherheit und das Transportvolumen aufrechterhalten habe, fügt der Experte hinzu.

    Er erklärt:

    "Je weniger Ausfallzeiten aufgrund von Wartezeiten auf Triebwerke oder Aggregate es gibt, desto größer ist die tatsächliche Beförderungskapazität und desto geringer ist der Tarifdruck."

    Als größter Erfolg ist natürlich der Umstand zu werten, dass Russland nun in der Lage ist, den kritischsten Bauteil der gängigen Modelle Airbus A320 und Boeing 737 zu überholen – nämlich deren Triebwerke.

    Tschernow ist der Ansicht:

    "Eine Generalüberholung erfordert nicht nur eine "einfache Reparatur", sondern die Durchführung einer umfangreichen technologischen Karte, Messungen, die Wiederherstellung der Geometrie und Beschichtungen, Wärmebehandlung, Risskontrolle, Auswuchtung und anschließend Prüfstandtests. Daher wird die Erweiterung der Kapazitäten von S7 Technics als Übergang von punktuellen Reparaturen zu einem industriellen System angesehen."

    Der Experte fährt fort:

    "Die Hauptwartung und Generalüberholungen wurden vor den Sanktionen häufig über ausländische MRO-Unternehmen durchgeführt. Im Inland dominierten dagegen lineare und einfache Formen der Wartung sowie eingeschränktere Arbeiten an Modulen und Komponenten. Nach 2022 haben russische Fluggesellschaften de facto die Unterstützung von Herstellern und die gewohnte Logistik von Ersatzteilen verloren. Diese Lücke kann jetzt durch inländische Kapazitäten geschlossen werden. Die Werksanlage von S7 ist ein anschauliches Beispiel dafür."

    Nach Angaben von Roman Gussarow, Leiter des Branchenportals "Avia.ru", sei es nach der Genehmigung der russischen Behörden möglich geworden, nicht originale Flugzeugersatzteile zu verwenden. Nicht-Originalersatzteile seien nicht gleichbedeutend mit Fälschungen, sondern es handele sich um zertifizierte Ersatzteile, die lediglich nicht vom Haupthersteller, sondern von einem anderen Unternehmen gefertigt worden seien. In diesem Fall produziere Russland Nicht-Originalersatzteile für westliche Flugzeuge.

    Gussarow weist darauf hin:

    "Früher konnten uns westliche Partner davon überzeugen, dass es nicht in Ordnung sei, keine Originalersatzteile in Flugzeuge einzubauen. Deshalb sollten wir nur bei ihnen, den Herstellern, diese Teile kaufen. Es wurde sogar gesetzlich verboten, Nicht-Originalersatzteile zu verwenden. Andere Fluggesellschaften weltweit durften jedoch weiterhin auch Nicht-Originalersatzteile einsetzen."

    Ihm zufolge werde Russland nicht alle Ersatzteile für Boeing- und Airbus-Flugzeuge selbst herstellen – das sei auch nicht erforderlich, da westliche Flugzeuge früher oder später ausdienen und verschrottet würden. Dies werde jedoch in den nächsten zehn Jahren nicht der Fall sein, da die Flotte westlicher Flugzeuge noch recht jung sei. Nach Ansicht des Experten werde der Großteil der Boeing- und Airbus-Flugzeuge auch in den nächsten zehn Jahren noch in Betrieb sein.

    Abschließend sagt Roman Gussarow:

    "Wir werden wahrscheinlich unsere Flotte von Langstreckenflugzeugen ausbauen müssen. Erstens werden jedes Jahr einige Prozent der Flugzeugflotte aufgrund ihres Alters außer Dienst gestellt. Zum anderen muss bei steigenden Passagierzahlen der zusätzliche Bedarf mittels inländischer Flugzeuge gedeckt werden. Es ist davon auszugehen, dass der normale Umstellungsprozess auf inländische Flugzeuge mindestens bis 2035 andauern wird."

    Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 26. Dezember 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

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  • Putin gibt Erfolge der Rüstungsproduktion seit 2022 bekannt

    Russlands Präsident Wladimir Putin hat bei einer Sitzung zum staatlichen Rüstungsprogramm die Erfolge der Militärindustrie des Landes im Vergleich zu den Vorjahren bekannt gegeben. Putin merkte an:

    "Im Vergleich zu 2022 hat sich die Produktion von Gütern und Erzeugnissen, die im Rahmen der Sondermilitäroperation besonders gefragt sind, im Jahr 2025 um ein Vielfaches erhöht."

    Die Produktion von Panzerwaffen sei um das 2,2-Fache, die von leicht gepanzerten Fahrzeugen (Schützenpanzer, Mannschaftstransportwagen) um das 3,7-Fache gestiegen, präzisierte Putin. Die Produktion von Luftfahrttechnik sei seinen Angaben zufolge um das 4,6-Fache gewachsen. Der Politiker ergänzte die Information:

    "Automobile [Technik] um das 5,7-Fache, Raketenartillerie um das 9,6-Fache, Kommunikations- und elektronische Kampftechnik um das 12,5-Fache, individuelle Schutzausrüstung um fast das 18-Fache (17,9-Fache) und Waffen und Munition um mehr als das 22-Fache."

    Der russische Verteidigungsindustriekomplex arbeite stabil und versorge die Streitkräfte, einschließlich der an der Militäroperation beteiligten Einheiten, mit der erforderlichen Technik, betonte der Präsident. Putin führte diese Erfolge auf die Bemühungen der Unternehmen des Verteidigungsindustriekomplexes und der Wirtschaft insgesamt zurück und fügte hinzu:

    "Ohne Entwicklung und ohne eine stabile Lage in den Finanzen und in der Wirtschaft insgesamt wäre dies ebenfalls nicht möglich gewesen. Dies ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit."

    Im Juni hatte Wladimir Putin erklärt, dass Russland 6,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgibt. Das Land habe seine Militärausgaben mit einer höheren Inflation bezahlt, kämpfe nun aber gegen diese, merkte der Staatschef an. Ihm zufolge beabsichtigen die Behörden, die Verteidigungsausgaben schrittweise zu kürzen. Dabei bleibt die Gewährleistung der Verteidigung und der Sicherheit des Landes eine der Prioritäten des Haushaltsplans für 2026.

    Mehr zum Thema – Kann Russland Weltraum-Atomkraftwerke bauen? – Kurchatow-Institut hält es für möglich

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  • Krieg und Frieden in Mücheln – Reportage von AfD-Stand

    Von Wladislaw Sankin

    Auf der Rückkehr zur Bahn-Station merke ich, wie still es hier ist. Wenn gerade kein Auto vorbeifährt, gibt es im Ort keine Geräusche. Klingende Stille für ein Berliner Ohr – ein sonderbares Gefühl. Und ja, die S-Bahn, die einmal die Stunde nach Halle an der Saale fährt, macht noch ein bisschen Lärm. Diese Bahnstrecke verbindet Mücheln, eine Kleinstadt mit gut 8.000 Einwohnern, mit dem Rest der Republik.

    Von den Einwohnern sind nur ganz wenige auf den sich windenden Straßen zu sehen. Ich bin froh, als ich eine Frau mit Mütze und Brille sehe. Sie steht mit Zigarette in der Hand vor dem Eingang eines zweistöckigen Hauses. Ich frage sie, wie ich zum Müchelner Markt komme. Sie beschreibt mir den Weg und sagt, dass sie auch bald da sein werde.

    Weiß sie, weshalb ich hier im Ort unterwegs bin? Später sagte sie mir, so wie ich aussehe, stelle man sich einen Journalisten vor. Ja, hier würden sie eher selten aufkreuzen. Auf dem Weg zum Treffpunkt stelle ich mir einen kleinen, putzigen, provinziellen Weihnachtsmarkt vor und dort irgendwo am Rand den gesuchten AfD-Stand mit dem Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider. Den Stand hatte er bereits Wochen vor seiner US-Reise angekündigt, um den Bürgern in seinem Wahlkreis über deren Ergebnisse zu berichten.

    Innerhalb weniger Minuten treffe ich in der Tat am zentralen Platz des Städtchens ein, aber außer einer kleinen Gruppe von Menschen, die gegenüber dem Rathaus etwas in Eile aufbaut, ist sonst niemand zu sehen. Später erfahre ich, dass der kleine Weihnachtsmarkt in Mücheln unter dem Namen "Seeweihnacht" nur am ersten Adventswochenende stattfindet.

    Unter den Menschen erkenne ich einen bärtigen Mann. Das ist der Veranstalter, Dr. Hans-Thomas Tillschneider. Wir lernen uns kennen. Er ist nicht überrascht und sagt ein Interview zu. Es ist 16 Uhr und außer ein paar Helferinnen, die später Besucher kostenlos mit Glühwein und Waffeln bewirten, ist niemand da. Dass die Veranstaltung so wenig Menschen anzieht, habe ich mir nicht vorgestellt.

    Doch, der erste Eindruck täuscht. Schnell füllt sich der Platz vor dem Stand, nach einer Viertelstunde sind es schon mehrere Dutzend Leute. Ich frage den Abgeordneten, warum er sich hier mit den Menschen trifft und nicht in einer größeren Stadt. Mücheln gehöre zu seinem Wahlkreis Saalekreis, bekomme ich zur Antwort. Außerdem gebe es vonseiten der Stadtverwaltung keine Probleme bei der Anmeldung, in anderen Städten hingegen Schikanen. Es sei auch wichtig, dass die Veranstaltung von Gegendemonstranten ungestört bleibe. An diese hat man sich bei der AfD zwar schon gewöhnt, aber heute fehlen sie.

    Die Wählergunst im Saalekreis für die AfD oder AfD-Kandidaten lag in den vergangenen zwei Jahren bei jeder Wahl fünf Prozent über den landesweiten AfD-Ergebnissen. Mitunter klettert hier die Zustimmung für die Partei Richtung 50 Prozent. "Warum ist das so?", frage ich die Menschen. Eine Frau, die beim Standaufbau mithilft, gibt mir gerne die Antwort, die sehr kurz ist: "Weil die AfD-Stadträte hier gute Arbeit für die Stadt leisten, und das schätzen die Menschen."

    Später am Abend, als es dunkel und um den Stand herum voller wird, komme ich mit zwei Frührentnerinnen mit DDR-Biographie ins Gespräch. Eine war auch damals regierungskritisch und lehnte es ab, als Kindergärtnerin Vorschüler der Propaganda zu unterziehen. Die andere wollte mal nach Leipzig zu einer Montagsdemo im Herbst 1989, aber dies wurde von ihrer Arbeitgeberin untersagt, die gleichzeitig SED-Funktionärin war. Heute beobachtet sie, wie ihre damalige Arbeitgeberin, die stramme "Kommunistin", erfolgreiche Karriere in der Bundespolitik macht. Untereinander hätten sich die beiden Frührentnerinnen schon zu Corona-Zeiten kennengelernt – zwangsgeimpft wollten sie beide nicht sein.

    Ein Misstrauen gegenüber Macht und offiziellen Medien zeichnet hier die Menschen aus. Es ist schwierig, sie als "rechts" oder "links" zu bezeichnen. Dies ist auch unnötig, denn diese Gegenpole als gesellschaftliche Erklärungsmodelle taugen nicht mehr. Darauf kommt auch der Abgeordnete Tillschneider im Interview zu sprechen. Die Menschen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR seien vor allem reflektierter als die "Wessis", erklärt er. Sie hätten eine Revolution durchgemacht und damit erfahren, dass alles "was heute gilt, morgen nichts mehr gilt". Sie seien deshalb geistig freier und könnten besser erkennen, was im deutschen Interesse sei. Dagegen lebten die Bürger im Westen seit mehr als 70 Jahren in ein und derselben Soße.

    Hat Mücheln von der Auflösung der DDR und dem Anschluss an die BRD eher profitiert oder ist der Ort wirtschaftlich und sozial abgehängt? Schwer zu sagen, früher war hier ein Braunkohlerevier und mit einer Brikettfabrik im benachbarten Braunberda ein wichtiger Industriestandort. Beides gab es schon vor der DDR und die Einstellung der Kohleförderung, die im Jahre 1993 endgültig vollzogen wurde, hatte man bereits zu DDR-Zeiten diskutiert. In den 2000er Jahren entstand hier nach umfassenden Sanierungsarbeiten anstelle des Tagebaukraters ein künstlicher See, der größte in Deutschland.

    Heute ist hier ein Natur- und Erholungsgebiet, auf das die Einwohner stolz sein können. Der Ort ist auch wegen des Wasserschlosses St. Ulrich touristisch attraktiv. Die meisten, die sich heute am AfD-Stand tummeln, haben Jobs und sind heimatverbunden. Protest gegen einen sozialen und wirtschaftlichen Abstieg dürfte nicht der primäre Grund sein für die Popularität der AfD.

    Die Menschen, mit denen ich im Gespräch war, fragten mich als Erstes, ob es einen Krieg geben wird. In dieser Frage liegt womöglich der Schlüssel. Die deeskalierende Position der Nationalkonservativen in Bezug auf Russland ist das, was die AfD in der Wahrnehmung beim Wahlvolk bislang auszeichnete. Der Landtagsabgeordnete Tillschneider betont, dass Russland auf keinen Fall zum Feind erklärt werden dürfe, und Landesverräter seien diejenigen, die das behaupten. Wehrpflicht sei unter gegebenen Umständen nicht erstrebenswert. Man verurteile auch die NATO-Osterweiterung.

    3 @P_Plattform) Lateinamerika Vorhof der 🇺🇸? Hm...AfD denkt in Einflusssphären. "Deshalb verurteilen wir auch die NATO-Osterweiterung in Richtung 🇷🇺", sagt H.-Th. Tillscheider. pic.twitter.com/AvaiSU0guI

    — Wlad Sankin (@wladsan) December 22, 2025

    Allerdings lässt der Politiker die Frage zur Stationierung der US-Mittelstreckenraketen mit einer möglichen atomaren Bestückung auf deutschen Boden unbeantwortet. Er ist beseelt von der MAGA-Bewegung und sieht die AfD als Teil einer gleichen Strömung. Auch kulturphilosophische Ausführungen sind dem Religionswissenschaftler nicht fremd. Die USA seien durch ihre christliche Prägung Teil der abendländischen Zivilisation, wobei Russland dabei auch nicht ausgeschlossen sei. Er hält gar das Entstehen einer Achse Washington – Berlin – Moskau für möglich.

    In seinen Ausführungen beruft er sich auf Carl Schmitt. Aber hat der deutsche Staatsrechtslehrer und Völkerrechtler die USA etwa nicht als raumfremde Macht für Europa bezeichnet? Tillschneider räumt den USA im Geiste der Monroe-Doktrin in ganz Lateinamerika bis zum südlichsten Zipfel weitreichende Vorrechte ein. Deshalb darf man von der AfD keine Kritik gegenüber den USA wegen der Seeblockade Venezuelas und des Ölraubs in der Karibik erwarten.

    Allerdings verlangt die Partei auch keine Gegenleistung für ihre Billigung dieses Unrechts. Die Zukunft des NATO-Bündnisses und des US-Abzugs aus Europa sind kein Thema. Der Jubel um das Entstehen einer Bündnisbeziehung mit den Young Republicans darf wohl nicht von unangenehmen Zwischentönen gestört werden. Herr Tillschneider freut sich auf das Ende des "Regenbogen-Imperialismus", hat aber offenbar nichts gegen eine Existenz im Schatten des "Weltpolizisten", der nach wie vor sein Militär überall hinschickt.

    Am Ende des Jahres 2025 geht es in Sachsen-Anhalt im Verhältnis zu den USA aber weniger um große geopolitische Würfe, sondern um pragmatische Absicherung bei der kommenden Landtagswahl. Durch die Unterstützung der USA sieht man sich moralisch gestärkt und gegen mögliche Verbotsgelüste der Regierungsparteien gewappnet. Das verstehen auch die Wähler und nehmen ihren Abgeordneten ihre überschwängliche Begeisterung über die US-Reise nicht übel.

    Sie haben dennoch bestimmte Erwartungen an ihre Partei, und diese liegen nicht nicht nur in der Abkehr vom "aggressiven Wokismus" und der Rückkehr zur viel gepriesenen "wirtschaftlichen Vernunft", sie richten sich besonders auf die Fragen rund um Krieg und Frieden, und das sollten die Abgeordneten auch in den Landtagen nicht aus den Augen verlieren.

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  • EU erzielt Handelsbilanzüberschuss gegenüber Russland

    Laut am Donnerstag veröffentlichten Daten der Statistikbehörde Eurostat verzeichnete die EU im dritten Quartal 2025 einen Handelsbilanzüberschuss gegenüber Russland in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Es ist das zweite Quartal mit einem Handelsbilanzüberschuss in Folge.

    Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund eines deutlichen Rückgangs des bilateralen Handels seit 2022 statt. Die EU hat seit Beginn der militärischen Spezialoperation am 24. Februar 2022 bereits 19 Sanktionspakete gegen Russland verhängt. Die Beschränkungen betrafen in erster Linie Energieimporte aus Russland, umfassten aber unter anderem auch Eisen, Stahl und Kohle. In Brüssel glaubt man, durch eine Senkung der russischen Einnahmen aus dem Energiegeschäft Einfluss auf das Geschehen auf dem Schlachtfeld ausüben zu können. So lasse sich Russlands Fähigkeit begrenzen, den Krieg fortzuführen, ist die Annahme. Einer Überprüfung an der Realität hält diese Theorie allerdings nicht stand.

    Es ist das erste Mal seit Beginn der Aufzeichnungen durch Eurostat im Jahr 2002, dass die EU in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen Handelsüberschüsse gegenüber Russland verzeichnet. Die Daten zeigen, dass die EU-Exporte nach Russland in diesem Zeitraum um 61 Prozent und die Importe aus Russland um 89 Prozent zurückgegangen sind. Der Gesamthandel in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 sank im Vergleich zum Vorjahr um 12,9 Prozent auf 43,9 Milliarden Euro. Die Importe aus Russland beliefen sich auf 21,7 Milliarden Euro, die EU-Exporte auf 22,2 Milliarden Euro.

    Eine Aufschlüsselung der Warenkategorien zeigt, dass Russlands Anteil an den EU-Importen im dritten Quartal in vielen Sektoren weiter zurückging. Bei den Erdgasimporten der EU sank der Anteil des Landes auf 15,1 Prozent, verglichen mit 39 Prozent vor vier Jahren.

    Trotz dieses Rückgangs blieb Russland der zweitgrößte Gaslieferant der EU.

    Seit 2022 haben die viele EU-Länder die direkten Importe von russischem Öl und Gas eingestellt. Der Staatenbund plant, die russischen Energieimporte bis Ende 2027 vollständig einzustellen und einen Großteil der günstigen russischen Energieträger durch teurere US-Brennstoffe zu ersetzen. Der Anteil der USA an den EU-Gasimporten stieg innerhalb von vier Jahren von 24 Prozent auf 56 Prozent.

    Im Juli schloss Brüssel ein Abkommen mit Washington, mit dem sich die EU zu festen Abnahmen von Energielieferungen über einen Zeitraum von drei Jahren in Höhe von insgesamt 750 Milliarden Dollar verpflichtet.

    Diese Umstellung hat ihren Preis: Explodierende Energiepreise und ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum sind die Folge. Duma-Sprecher Wjatscheslaw Wolodin kritisierte den Schritt, verglich die US-Preise für Flüssigerdgas mit Parfüm der Marke Chanel und fügte hinzu, die EU zerstöre damit ihre eigene Wirtschaft.

    Das Moskauer Außenministerium stellte fest, dass die EU bis 2024 aufgrund ihrer Abkehr von der russischen Energieversorgung rund 3,8 Prozent ihres gesamten BIP eingebüßt habe.

    Mehr zum Thema – Stärkste Performance seit 1994: Russischer Rubel 2025 Sieger im Währungsvergleich

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  • Rückzug aus der Weltrolle: USA setzen auf Einflusszonen statt globaler Führung

    Von Fjodor Lukjanow

    Der US-Präsident Donald Trump verabschiedet das Jahr 2025 so, wie er es begonnen hat. Zu seinem neuen Sonderbeauftragten für Grönland wurde Jeff Landry, Gouverneur von Louisiana und überzeugter Anhänger Trumps, ernannt. Landry sieht seine Aufgabe darin, diese autonome Verwaltungseinheit Dänemarks den Vereinigten Staaten anzuschließen. Dieses Ziel bekundete Trump bereits vor seiner Amtseinführung und er hält daran fest.

    Die Frage, wie dies mit dem Völkerrecht zu vereinbaren ist, macht keinen Sinn. Denn solche "Kleinigkeiten" interessieren Donald Trump nicht. Auch die Realisierung dieses Vorhabens ist kaum vorstellbar: Dänemark ist empört und die Mehrheit der Inselbevölkerung spricht sich dagegen aus. Man kann sich kaum vorstellen, dass ein NATO-Mitglied ein anderes mit Gewalt besetzt. Solche Beziehungen zwischen Washington und Kopenhagen könnten isoliert betrachtet als Kuriosum angesehen werden, wenn hinter dieser "Grönland-Geschichte" nicht Veränderungen in der Struktur der internationalen Beziehungen zu erkennen wären.

    Im Zeitalter der liberalen Globalisierung verbreitete sich die Vorstellung, dass geografische Nähe kein wesentlicher Beziehungsfaktor sei. Neue Kommunikationsmittel würden Grenzen aufheben und Entfernungen beseitigen. Die Welt sei einheitlich und offen, und man könne mit jedem in Kontakt treten. Die Nachbarschaft als solche sei natürlich wichtig. Es sei zwar völlig normal, mit Nachbarstaaten zu interagieren, aber das sei kein Dogma – dies gelte im wirtschaftlichen Sinne, ganz zu schweigen vom politischen.

    Zu Beginn des 21. Jahrhunderts äußerte sich einer der zentralasiatischen Präsidenten in einer Rede in Moskau wie folgt: Unsere drei großen Nachbarn seien Russland, China und die Vereinigten Staaten, da die USA Nachbarn aller Länder der Welt seien. Dementsprechend sollten ihre Wünsche nicht weniger berücksichtigt werden als die Interessen der Länder, mit denen man eine Grenze teilt. Die weltweite Dominanz der USA rechtfertigte diesen Ansatz. Während einige Länder (wie Zentralasien) einen taktischen Manövrierkurs verfolgten, setzten andere auf den fernen "Nachbarn" zum Nachteil ihres unmittelbaren Umfelds. Es war daher kein Wunder, dass es anschließend zu Problemen in den Beziehungen in der nahen Nachbarschaft kam.

    Die US-Regierung unter Donald Trump distanzierte sich von diesem Konzept. Zunächst in der Rhetorik: Zum Jahresbeginn machte das Weiße Haus Ansprüche auf Grönland, Kanada und den Panamakanal als strategisch wichtige Gebiete geltend. Anschließend kam es zu konkreten Schritten: Im Herbst wurde unverhohlener Druck auf Venezuela ausgeübt, um dort einen freiwilligen Regimewechsel zu erzwingen. Schließlich erfolgte im Dezember die konzeptionelle Ausgestaltung: Die nationale Sicherheitsstrategie der USA erklärte offiziell die "Monroe-Doktrin in der Auslegung Trumps" zum Grundprinzip der US-Außenpolitik.

    Die Doktrin des fünften US-Präsidenten James Monroe wurde vor über 200 Jahren verkündet und beinhaltet den Schutz der westlichen Hemisphäre vor Einmischungen durch europäische Mächte. Ungeachtet ihres antikolonialen Pathos wird sie als deutlichster Ausdruck eines auf der Aufteilung von Einflussbereichen basierenden Ansatzes angesehen: Die Vereinigten Staaten beanspruchten für sich die Unantastbarkeit ihres "Hinterhofs" – Südamerika – durch andere Länder.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als unangebracht, sich auf diese Praxis zu berufen: Schließlich verkündet die UNO die souveräne Gleichheit aller Staaten und die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, was sich nur schwer mit der Idee von Einflusssphären vereinbaren lässt. Aber wie oben erwähnt, können Donald Trump weder Rechtsnormen noch Anstandsregeln "abschrecken". Daher rührt diese unverblümte Offenheit. Mit der Abkehr von der "globalen Führungsrolle", die die US-Amerikaner mittlerweile als Belastung empfinden, beanspruchen sie nun die Sonderrechte in ihrem Nachbarraum.

    Neben politischen Gründen gab es noch einen weiteren wichtigen Grund für diesen Wandel: die Coronavirus-Pandemie. Der Zusammenbruch internationaler Kontakte aufgrund der Panik, die 2020 die Welt erfasste, machte plötzlich deutlich, dass man sich (abgesehen von den Eigenkräften) nur auf das engste Umfeld verlassen kann, also auf diejenigen, die in der Nähe sind. Je länger die Lieferkette und die Vernetzungsstrukturen sind, desto schneller können sie durch höhere Gewalt unterbrochen werden.

    Dieser weltweite Schock ist zwar allmählich abgeklungen, doch seine Folgen sind nach wie vor spürbar. Und im Rahmen strategischer Planungen wird man künftig immer berücksichtigen, dass internationale Kommunikationswege plötzlich unterbrochen werden können. Die Gründe für solche Unterbrechungen können – wie wir nach der COVID-Krise erfahren haben – militärpolitische und geoökonomische Konflikte sein, deren Logik weniger von Marktzweckmäßigkeit als vielmehr von Sicherheit im allgemeinen Sinne bestimmt wird.

    Das Jahr 2025 kann wohl als Meilenstein auf dem Weg zur Revision der bisherigen Prioritätenhierarchie angesehen werden. Diese wird nun "von unten" aufgebaut (Nachbarländer, Region und erst dann alle anderen Faktoren) und nicht "von oben" (Hegemonialmacht, ihre weltweit agierenden Institutionen, ein System von Verbündeten rund um den Globus und so weiter). Die USA geben den Takt an, aber andere – weniger mächtige – Staaten schließen sich ihnen an. So versucht Israel, den gesamten Nahen Osten mit Gewalt umzugestalten, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Die Türkei setzt unter dem Motto "türkische Welt" auf eine transregionale Ausbreitung. Es gibt noch weitere Beispiele. Kurz gesagt: Die territoriale Lage ist von Bedeutung, und mit ihr erlebt auch die klassische Geopolitik eine Renaissance.

    In einer solchen Welt ist Stabilität nicht zu erwarten. Der Charakter der Herausforderungen verändert sich jedoch. Für Russland betrifft dies vor allem seinen unmittelbaren Nachbarraum, der für uns bekanntermaßen eine größere Bedeutung hat als alles andere – also das, was am treffendsten mit dem Begriff "nahes Ausland" beschrieben werden kann. Allerdings erfordert die Bewältigung dieser Herausforderungen im postglobalen Zeitalter des Wettbewerbs zwischen Einflussbereichen in vielerlei Hinsicht ein Umdenken. Und mit dem Ende der militärischen Sonderoperation in der Ukraine wird eine qualitativ neue Phase beginnen.

    Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 24. Dezember 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Rossijskaja Gaseta erschienen.

    Fjodor Lukjanow ist seit 2002 Chefredakteur von "Russia in Global Affairs". Im Jahr 2012 wurde er zum Vorsitzenden des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik Russlands gewählt. Seit 2015 ist er Forschungsdirektor des Internationalen Diskussionsklubs Waldai. Lukjanow ist zudem Forschungsprofessor an der Fakultät für Weltwirtschaft und Globale Politik der Nationalen Forschungsuniversität "Higher School of Economics".

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  • Macron, Pistorius und der Ukraine-Krieg – Vorführung in Synchron-Wendehalserei

    Von David Narmanija

    "Ich glaube nicht an ein solches Szenario. Putin geht es nach meiner Einschätzung nicht darum, einen Full-Scale-Weltkrieg gegen die NATO zu führen."

    Worte, die von niemand anderem kommen als dem BRD-Verteidigungsminister Boris Pistorius – so äußerte er sich nämlich, als er bei einem Interview für die Zeit um eine Reaktion auf eine berüchtigte jüngste Äußerung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte gebeten wurde.

    Rutte wiederum hatte die Europäer vor anderthalb Wochen aufgerufen, sich auf einen Krieg gegen Russland vorzubereiten, wie ihn ihre Urgroßmütter und Urgroßväter erlebt hatten.

    Unerwartet, jetzt eine derartige Erwiderung darauf ausgerechnet vom Bundesverteidigungsminister zu lesen. Und sie erscheint umso unerwarteter, wenn man bedenkt, dass es doch Pistorius selbst war, der erst kürzlich verkündete, der vergangene Sommer könnte sich als der letzte friedliche Sommer für die Europäer erweisen.

    Einen solch plötzlichen Rhetorikwechsel zu erklären, ist schwierig. Vielleicht wurde Pistorius vom russischen Geheimdienst entführt und durch einen Doppelgänger ersetzt? Wir werden jedoch nach rationaleren Erklärungen für diese Offenbarung suchen.

    Worauf sollten wir achten? Die militaristische Agenda an sich ist ja keineswegs aus den Reden des deutschen Verteidigungsministers verschwunden. So spricht er – auch im angeführten Interview – weiterhin davon, wie Deutschlands Schulkinder die jetzige Zeit als vielleicht die beste ihres Lebens in Erinnerung behalten sollten. Er beharrt weiterhin darauf, die Bundeswehr als stärkste Armee Europas wiederzubeleben. Auch die Rhetorik über Russlands angebliche Versuche, die NATO "von innen heraus zu zerstören", ist nicht verstummt.

    Natürlich könnten solche Enthüllungen auch schlicht unanständig unverhohlenem Eigennutz geschuldet sein:

    Pistorius sieht, wie die Zustimmungswerte von Bundeskanzler Merz (CDU) dabei sind, auf lächerliche 20 Prozent zu fallen, sieht die Proteste gegen die Militärreformen und bemerkt natürlich auch, wie der Regierungschef in Magdeburg ausgebuht wird. Deshalb versucht er, sich für den Fall einer politischen Krise abzusichern – einfach, um sich später wahlkampfwirksam distanzieren zu können, frei nach dem Motto: "Wir in der SPD haben Merz' militanten Kurs schon damals kritisiert (obwohl wir mit ihm in einer Koalition waren)."

    Der Minister selbst räumt ja im selben Interview offen ein, dass es zwischen den Koalitionsparteien ernsthafte Meinungsverschiedenheiten gibt.

    Doch die Liste der Gründe dürfte sich kaum auf den Wahlkampf beschränken.

    Der Brüsseler Gipfel der vergangenen Woche war ein schwerer Schlag für alle Kriegstreiber in Europa: Noch am Donnerstag schien es, als könnten die beiden deutschen Hauptzündler, Bundeskanzler Merz und EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen, die anderen EU-Mitgliedstaaten zur Beschlagnahme russischer Gold- und Devisenreserven zwecks Unterstützung der Ukraine zwingen. Doch die Weigerung anderer EU-Länder schockierte sie. Offenbar ist in der EU eben nicht jeder bereit für eine Eskalation des Konflikts mit Moskau.

    Hinzu kommen die für die EU alarmierenden Signale aus Washington: Donald Trump strebt eine Beilegung des Konflikts an, bezeichnet die NATO als Belastung für die USA und erklärt offen, dass Washington kein Interesse daran habe, Europas Sicherheit weiterhin auf Kosten der US-Staatskasse zu gewährleisten. Und angesichts des somit hohen Risikos, mit Russland allein gelassen zu werden, ist für die europäische Führungsriege ein Krieg gegen Russland höchst unerwünscht.

    Macron erkannte dies als Erster auf dem Kontinent und erklärte überraschend, der Dialog mit Moskau müsse wiederaufgenommen werden. Pistorius seinerseits mag diese Idee für etwas zu gewagt halten – doch zumindest vorerst ist er bereit, nicht von einem unvermeidlichen Krieg zu sprechen. Das kann man nur mit aller nötigen Vorsicht als Fortschritt bezeichnen, aber immerhin. Was die Äußerungen des Bundesverteidigungsministers über Moskaus angeblichen "Wunsch, die NATO von innen heraus zu zerstören", betrifft, ist Folgendes anzumerken:

    Russland würde ja tatsächlich eine Welt ohne die NATO vorziehen. Denn dieses Bündnis wurde als Bedrohung für die Sowjetunion gegründet. Die UdSSR zerfiel, doch anstatt neue Beziehungen zum neuen Russland aufzubauen, setzte der Block seine feindseligen Aktivitäten gegen Moskau fort. Der Kreml schlug wiederholt vor: "Nehmt doch auch uns in die NATO auf, dann brauchen wir nicht mehr um unsere Sicherheit zu fürchten." Doch in Reaktion darauf zeigte man uns nur den Vogel.

    Und gerade die Aktionen des Bündnisses waren es, die schließlich zum Krieg in der Ukraine führten. Für Russland aber – angesichts des Bestrebens seiner "westlichen Partner", Russland zu zerstückeln, sowie ihrer weitestgehend fehlenden Reaktion auf jegliche Vorschläge zur Bildung einer neuen Sicherheitsarchitektur – ist der Wunsch nach dem Zerfall der NATO vollkommen logisch.

    Doch so paradox es klingen mag: Ein solcher Wunsch ist auch für die Mitglieder des Militärblocks selbst nachvollziehbar. Für sie ist die NATO längst keine Garantie für Sicherheit mehr, sondern eine Quelle von Problemen. Für sie alle.

    Und insbesondere für Berlin: Von allen europäischen Ländern hat Deutschland den höchsten Preis für den Ukraine-Konflikt gezahlt. Dies spiegelt sich sowohl in den Ausgaben für die Hilfe an Kiew als auch in der geschwächten Wirtschaft Deutschlands selbst wider, die, abgeschnitten vom Zugang zu russischen Energieressourcen, in vollen Zügen die Deindustrialisierung erlebt und von einer Rezession bedroht ist.

    Dabei betonte Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin – in Bezug auf Europa – auf der diesjährigen Veranstaltung "Ergebnisse des Jahres", auf der die Jahresbilanz gezogen und auf direkter Hotline Fragen der Bürger beantwortet werden:

    "Würden wir unsere Möglichkeiten miteinander bündeln und ergänzen, würden wir prosperieren – anstatt uns gegenseitig zu bekriegen."

    Hierfür brauchen die Europäer lediglich Mut – Mut zu erkennen, dass Zusammenarbeit mit Russland in ihrem Interesse liegt. Und sie müssen den Grundstein dieser Zusammenarbeit durch gegenseitige Sicherheitsgarantien legen. Moskau ist dazu bereit.

    Ist Europa selbst bereit? Pistorius und seine Kollegen werden diese Frage beantworten müssen. Und vielleicht stehen den deutschen Schulkindern dann ja doch noch deutlich bessere Zeiten bevor, als der Minister sie ihnen an die Wand malt.

    Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei "RIA Nowosti" am 24. Dezember 2025.

    David Narmanija ist ein russischer Kolumnist, politischer Beobachter und Kommentator sowie Blogger. Er schreibt unter anderem für die Nachrichtenagenturen "RIA Nowosti" und "Sputnik" Kommentare.

    Mehr zum Thema – Wie wird Europa gegen Russland kämpfen, wenn es dazu kommt?

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