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Von Sergei Chudijew
Der kürzlich veröffentlichte Bericht der Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Christen in Europa (The Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians in Europe, OIDAC) verzeichnet einen erheblichen Anstieg von Feindseligkeiten gegenüber Christen.
Obwohl die von der Beobachtungsstelle gesammelten Daten bei weitem nicht vollständig sind – denn viele Fälle werden entweder vertuscht oder gehen nicht in die offiziellen Statistiken ein –, bleiben Vandalismus an Kirchengebäuden, Brandstiftung und Angriffe auf Geistliche (bis hin zu Morden) ein ständiges Problem. Und die Situation verschlechtert sich sogar noch.
Wir haben uns bereits daran gewöhnt (und das ist bedauerlich, das sollte nicht der Fall sein), dass Christen in vielen Ländern verfolgt werden – in Nigeria, im Nahen Osten, in Pakistan und an vielen anderen Orten. Allerdings handelt es sich dabei um arme, instabile Länder, die außerhalb der uns vertrauten christlichen Welt liegen. In den letzten Jahren gibt es aus Europa jedoch zunehmend Berichte über unverhohlene Feindseligkeiten gegenüber Christen. Dies mag sehr merkwürdig erscheinen.
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit sah sich Europa selbst (und wurde von anderen) als "christliche Welt" wahrgenommen. Und dies war ganz selbstverständlich. Die Herrscher wiesen immer wieder darauf hin, dass sie "durch Gottes Gnade" regierten. Die Kirchen waren die schönsten und reichsten Gebäude in den Städten. Eifrige christliche Missionare reisten von Europa aus über die Ozeane, um den Heiden das Evangelium zu verkünden. Viele von ihnen starben in fernen Ländern, aber sie trugen dazu bei, dass das Christentum zu einer Weltreligion wurde.
So war zum Beispiel ein Reisender aus Moskau, der Italien besuchte, von Menschen umgeben, die eine andere Sprache sprachen, anders aussahen und andere Bräuche hatten – aber er verstand sehr gut, was diese geräumigen Gebäude bedeuten, wen man hier anbetet, welches Buch feierlich gelesen wird und welche Bedeutung die hier vollzogenen Rituale haben. Die Bibel war das Buch, das das Fundament der europäischen Kultur bildete. Sie bestimmte das Koordinatensystem, innerhalb dessen die Europäer ihr Denken und ihre Sicht auf die Welt ausrichteten. Selbst diejenigen, die die Kirche heftig attackierten, taten dies in der Sprache biblischer Symbole und unter Berufung auf Werte, die durch die jahrhundertelange christliche Predigt zur Selbstverständlichkeit geworden waren.
Europäische Politiker bezeichneten Europa als einen "Garten Eden", den sie dem "Dschungel" der übrigen Welt gegenüberstellten. In diesem "Garten" sollten die Menschen Freiheit und Sicherheit genießen – und niemand sollte wegen seiner religiösen Überzeugungen angegriffen werden. Nun wird Europa zu einem zunehmend ungemütlichen und gefährlichen Ort für Christen.
Wie konnte es dazu kommen? Es könnte argumentiert werden, dass dies bereits in der Vergangenheit der Fall war – beispielsweise kam es während der Französischen Revolution zu massiven Verfolgungen der Kirche. In Russland führte die Revolution zu noch grausameren Verfolgungen von Gläubigen.
Allerdings handelt es sich bei Revolutionen um soziale Katastrophen von großem Ausmaß. Heutzutage können wir jedoch nicht sagen, dass Westeuropa in Unruhen und Bürgerkriege versunken ist. Was ist also der Grund für die zunehmende Feindseligkeit gegenüber dem christlichen Glauben?
Es gibt mehrere Gründe dafür, und ihnen liegen unterschiedliche ideologische Quellen zugrunde.
Den Angaben des oben genannten Berichts zufolge ist es häufig schwierig, die Motive der Täter zu ermitteln. Dies liegt daran, dass sie in der Regel nicht festgenommen werden konnten. Von den 93 dokumentierten Fällen, in denen dies jedoch festgestellt werden konnte, handelte es sich in 35 Fällen um radikale Islamisten, in 19 Fällen um Linksextremisten, in sieben Fällen um Rechtsextremisten und in 15 Fällen um satanistische oder okkulte Symbole. Das Problem besteht jedoch nicht nur in vereinzelten Brandstiftungen und Vandalismus, sondern auch in der Schaffung einer Atmosphäre, in der es akzeptabel geworden ist, offen Hass gegen das Christentum zu äußern.
Paul James-Griffiths, Direktor des Edinburgh Centre for Christian Heritage, stellt beispielsweise fest, dass sich in den letzten mehr als zehn Jahren "die Strömung gegen das Christentum und traditionelle Familienwerte sowie gegen unsere demokratische Kultur von einem kleinen Bach zu einem reißenden Fluss entwickelt hat".
Wie kam es zu dieser Entwicklung? Aus dem Christentum ging eine Kultur hervor, in der jeder Mensch unabhängig von seiner sozialen Stellung, seiner Hautfarbe oder seiner Nationalität als wertvoll anerkannt wurde. Das, was an der linksgerichteten Idee als moralisch positiv angesehen werden konnte (die Sorge um die Interessen der Armen und Schwachen), hat also zweifellos christliche Wurzeln. Martin Luther King, ein herausragender Kämpfer für die Rechte der Schwarzafrikaner, war Baptistenpastor und bezog sich in seiner Tätigkeit direkt auf die biblische Lehre, dass alle Menschen nach dem Bild Gottes geschaffen sind. Der Grundgedanke, dass die Starken den Schwachen und die Minderheit der Mehrheit etwas schuldig sind, entstand gerade im christlichen Kontext.
Später wurde diese Idee jedoch usurpiert und gegen das Christentum eingesetzt. Gerade die Christen wurden zu Unterdrückern verschiedener Minderheiten erklärt. Die Presse war voll von Geschichten darüber, wie christliche Kolonisatoren die heidnischen Kulturen anderer Völker auf grausame Weise unterdrückten; wie Homosexuelle gezwungen waren, sich vor der Inquisition in Kellern zu verstecken; wie Frauen in die Küche gedrängt wurden, wo sie, stets barfuß und schwanger, für ihre christlichen (in den USA fügt man gerne noch "weißen") Ehemänner den Haushalt führen mussten.
Das abscheuliche Bild des christlichen Unterdrückers, der alle anderen brutal misshandelt, ist in der Massenkultur fest verankert: angefangen mit dem bereits veralteten Film "V wie Vendetta" ("V for Vendetta"), in dem bösartige, heuchlerische und in jeder Hinsicht abscheuliche Christenfaschisten Großbritannien erobert haben, bis hin zum neueren "Die Geschichte der Dienerin" ("The Handmaid's Tale"), in dem die USA unter der "Knechtschaft" einer christlichen Theokratie leiden. Versuche, darauf aufmerksam zu machen, dass eine solche Propaganda, wäre sie gegen eine andere ethnische oder konfessionelle Gruppe gerichtet, sofort als vorsätzliche Aufstachelung zum Hass gebrandmarkt würde, lösten (und lösen bis heute) eine bemerkenswerte Gegenreaktion aus.
Es wird argumentiert, dass es ein großes Übel wäre, "marginalisierte Minderheiten" zu diffamieren und zu dämonisieren. Aber Christen seien eine ethnisch-konfessionelle Mehrheit und könnten per definitionem keine Opfer von Unterdrückung und Ungerechtigkeit sein. Es sei einfach lächerlich, wenn sie sich darüber beschweren, unfair behandelt zu werden: So, als würde sich ein Gutsbesitzer über seine Bauern beschweren oder ein Plantagenbesitzer über seine schwarzhäutigen Sklaven.
Christen sind per definitionem Unterdrücker, sie können prinzipiell nicht unterdrückt werden. Wenn jemand beispielsweise eine heidnische Kultstätte in Brand setzt, wäre dies als Akt des Hasses und der Unterdrückung anzusehen. Die Brandstiftung an einer christlichen Kirche stellt jedoch einen "Kampf der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker" dar. Eine solche Aktion kann man – wenn schon nicht gutheißen – so doch zumindest nachvollziehen.
In dieser Atmosphäre ziehen es viele europäische Politiker vor, die Verfolgung von Christen in anderen Teilen der Welt – beispielsweise in Nigeria – "taktvoll" zu ignorieren. Wenn es jedoch um Europa geht, kommt zu den ideologischen Standpunkten noch der durchaus nachvollziehbare Versuch hinzu, das Image des "Gartens" zu schützen.
Bei den letzten Wahlen in den USA erlitt die antichristliche Ideologie jedoch eine schwere Niederlage, und auch in Europa gewinnen Politiker an Einfluss, die sich auf die europäische und christliche Identität ihrer Völker stützen.
Gelingt es ihnen, diesen Sieg zu erringen, hat Europa eine Zukunft. Andernfalls werden die politischen Eliten, die dem christlichen Erbe unseres Kontinents feindlich gegenüberstehen, ihre Länder – gewollt oder ungewollt – für andere Völker und andere Religionen freiräumen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 3. Dezember 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
Sergei Chudijew ist ein russischer Publizist und Theologe.
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Am Freitag startete in der chinesischen Provinz Hainan eine Trägerrakete vom Typ Long March 12, um eine weitere Reihe von Internet-Satelliten ins All zu befördern. Die Nutzlastrakete habe die 16. Gruppe von Internet-Satelliten vom Weltraumbahnhof an der Küste von Hainan erfolgreich in die vorgegebene niedrige Umlaufbahn transportiert, berichtete China Daily am Freitag.
SpaceNews zufolge ist die Rakete am Freitag kurz vor Sonnenaufgang in den Himmel gestiegen. Rund drei Stunden nach dem Start habe die China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) den erfolgreichen Start bekannt gegeben. Die Nutzlast sei für die Guowang-Satelliten-Internet-Megakonstellation bestimmt.
Aus den Luftraumsperrungsmeldungen sei hervorgegangen, dass die Satelliten der 16. Gruppe in eine Umlaufbahn mit einer Neigung von 50 Grad gebracht werden sollten. Die CASC habe die genaue Anzahl der transportierten Satelliten nicht angegeben. Man nehme an, so SpaceNews, dass entsprechend der beiden früheren Starts der Long March 12 mit Guowang-Satelliten wieder neun Satelliten an Bord waren. Die 62 Meter lange Long March 12 mit Kerosin-Flüssigsauerstoff-Antrieb kann eine Nutzlast von 12.000 Kilogramm in die niedrige Erdumlaufbahn (LEO) und 6.000 Kilogramm in die sonnensynchrone Umlaufbahn (SSO) befördern.
China plane für das nationale Guowang-Projekt unter der Leitung des staatlichen Unternehmens China SatNet den Einsatz von fast 13.000 Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn. Dies sei Teil der einerseits kommerziellen und andererseits strategischen Antwort Chinas auf Starlink. Das kurzfristige Ziel für Guowang bestehe darin, bis 2027 400 Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Bislang wurden die Satellitengruppen in Umlaufbahnen in einer Höhe von etwa 1.100 Kilometern mit einer Neigung von entweder 86,5 Grad oder 50 Grad gebracht.
Der Start am Freitag erfolgte nur wenige Tage, nachdem die 15. Gruppe von Guowang-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht wurde. Derzeit befinden sich im Rahmen des Guowang-Projekts 127 Satelliten in der Umlaufbahn, zusammen mit weiteren Versuchs- und Testsatelliten.
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Von Sergei Sawtschuk
Es wurde wiederholt und zu Recht festgestellt, dass der aktuelle militärische Konflikt in der Ukraine nicht nur für Russland, sondern auch für die alte, westlich geprägte Weltordnung ein Kampf ums Überleben ist. Russland verfolgt seine Ziele mit Entschlossenheit, doch innerhalb der vermeintlich geeinten westlichen Natterngrube sieht die Lage nicht so rosig aus. Emmanuel Macron gab nach seiner Rückkehr von einer Chinareise ein Interview, in dem er die Dynamik von Prozessen schilderte, die von unserer Seite der Grenze aus oft unbemerkt bleiben. Der französische Präsident griff Washington scharf an und warf ihm vor, die europäische Wirtschaft und Industrie, die zwischen Russland, China und einem neuerdings nicht mehr so freundlich gesinnten Amerika eingeklemmt ist, durch eine grundlegende Veränderung des Beziehungsformats und die Einführung (in Wirklichkeit aber doch eher den Ausbau – Anm. d. Red.) von Unterordnung in eine existenzielle Krise zu stürzen.
Macron wies übrigens völlig zu Recht auf Schlüsselbereiche der EU-Realwirtschaft hin, wie etwa Werkzeugmaschinen und Maschinenbau, deren Wirtschaftlichkeit infolge des Abbruchs der Handelsbeziehungen mit Russland und der daraus erfolgten Energieknappheit stark gesunken ist. Die US-Regierung, die Brüssel erfolgreich de facto erpressen konnte, ein Abkommen mit einseitigen Handelspräferenzen zu unterzeichnen, verschlimmerte damit die Lage nur noch. Die Einfuhr chinesischer Güter versetzte der bereits durch die Militärausgaben im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg geschwächten europäischen Wirtschaft den finalen Schlag. Sie überschwemmten die europäischen Märkte förmlich und verdrängten zunehmend ähnliche, in Europa produzierte Waren, die durch die oben beschriebenen negativen Faktoren ohnehin schon in ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschwächt waren.
All dies war seit Längerem vorhergesagt worden, und einige europäische Denkfabriken warnten die politische Führung der Alten Welt vor einem drohenden Niedergang und Wettbewerbsverlust. Doch ihre Stimmen gingen im Chor der Hardliner unter. Wie man sich denken kann, wurde die Schuld an dieser Entwicklung allen möglichen Akteuren zugeschoben – nur nicht den europäischen Entscheidungsträgern und Entscheidungszentren.
So warf Macron China vor, seine Konkurrenten durch stetig steigende Exporte und das Vermeiden von Gegenimporten aus den Eurozonen-Ländern "auszuschalten". Infolgedessen wuchs das Handelsdefizit zwischen China und der EU zulasten der EU bis Ende 2024, in Geld gemessen, auf 305,8 Milliarden US-Dollar (ein Anstieg um 8,5 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr), während sich das Handelsungleichgewicht, ebenfalls zulasten der EU, im Hinblick auf die Warenmengen im Jahresvergleich um ein Viertel von 34,8 auf 44,5 Millionen Tonnen erhöhte. Rückblickend hat sich laut Europäischer Kommission das finanzielle Ungleichgewicht zugunsten Chinas in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, während sich das Handelsungleichgewicht bei den Waren vervierfacht hat.
Da der beleidigte Emmanuel Macron in seinen Reden regelmäßig die Vereinigten Staaten angriff, wäre es angebracht, die Handelskennzahlen auch zwischen den beiden westlichen Wirtschaftsblöcken in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen.
Die Website des US-Handelsbeauftragten gibt an, dass der gesamte Handel mit Europa im Bereich Waren und Dienstleistungen im vergangenen Jahr 1,5 Billionen US-Dollar betrug, ein Anstieg um 80 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr. Die USA importieren Waren im Wert von 975 Milliarden US-Dollar aus der EU und exportieren Waren im Wert von 369 Milliarden US-Dollar.
Beim für sich genommenen Dienstleistungshandel stellt sich die Lage umgekehrt dar. Der Gesamtumsatz in dieser Kategorie überstieg eine halbe Billion Dollar. Die USA verkauften Dienstleistungen im Wert von 294 Milliarden US-Dollar an Europa (ein Plus von 32 Milliarden Dollar) und kauften gleichzeitig im Wert von 206 Milliarden Dollar ein (ein Plus von 17 Prozentpunkten), was zu einem für sie positiven Saldo von 88 Milliarden Dollar führte. Diese Erfolge versüßten die bittere Pille jedoch nur geringfügig, da das Netto-Handelsdefizit zwischen den USA und der EU 235,9 Milliarden US-Dollar zugunsten der Europäer betrug – und damit 28,2 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr.
Und in dieser Lage drohte Donald Trump Europa, wie wir uns erinnern, unverblümt und ohne viel Drumherum mit massiven Sperrzöllen und hat damit aus seinen ehemaligen Partnern faktisch eine exklusive Vorzugsbehandlung für die USA herausgeprügelt. Macron entrüstete sich im Namen der EU zutiefst … beschloss aber, denselben Trick seinerseits mit China durchzuziehen:
Nach seiner Rückkehr nach Paris forderte der französische Präsident von Peking den Transfer einer Reihe innovativer Technologien, darunter die Produktion von Autobatterien und modernen, leistungsfähigeren Solarmodulen. Darüber hinaus verschwieg Macron, dass die EU die Beziehungen zu China bewusst im Rahmen der westlichen Weltpolitik verschlechtert hatte, und forderte im gleichen Atemzug erhöhte chinesische Investitionen in die europäische Wirtschaft. Und falls Peking nicht sofort von der Tragweite der Situation ergriffen werde, drohte Paris mit einem 70-prozentigen Zoll auf chinesische Importwaren, vor allem Elektrofahrzeuge und Elektronik.
Bezeichnenderweise hielt Macron diese Rede kurz nach seiner Rückkehr aus China, wo er trotz der beeindruckenden Größe seiner Delegation anstelle der erwarteten Großaufträge, wie etwa einer Bestellung von 500 Airbus-Flugzeugen, lediglich einige unbedeutende Dokumente zu bilateralen Studentenaustauschen oder einem Panda-Schutzprogramm unterzeichnete.
Auf den ersten Blick mag es für viele Russen so aussehen, als vertrete das offizielle Paris widersprüchliche Ansichten, doch dieser Eindruck ist irreführend. Er erklärt sich dadurch, dass wir alle Ereignisse reflexartig im Hinblick auf unser Land beobachten, und es in diesem bunten Mosaik schwierig ist, kohärente strategische Linien für einzelne Länder zu modellieren. Tatsächlich verfolgt Frankreich im aktuellen Ukraine-Konflikt eine Reihe nicht öffentlich gesetzter Ziele.
Noch vor Russlands militärischer Sonderoperation in der Ukraine unterstützte der Élysée-Palast Deutschland nachdrücklich in dessen Bestreben, Kohle- und Atomkraftwerke abzuschalten. Frankreich hegte nämlich die Hoffnung, Europas Hauptstromerzeuger zu werden und auf dem heimischen Energiemarkt die Bedingungen zu diktieren. Während Europa sich von fossilen Brennstoffen abwandte und auf alternative Energiequellen umstellte, erreichte Frankreich bis Ende 2024 einen historischen Höchststand in der Stromproduktion und wurde zum größten Nettoexporteur – und das, obwohl es zu Beginn der Sonderoperation Russlands seinerseits noch Strom importierte. Deutschland, Großbritannien und Italien wurden schließlich zu den größten Abnehmern französischer Megawattstunden. Diese Liste zuzüglich Frankreich ähnelt doch verdächtig stark der Liste der Hauptverantwortlichen für den Ukraine-Krieg.
Macrons Team, dessen Zusammensetzung sich zwar häufig änderte, agierte stets mit vollem Verständnis für die Situation. Frankreich gehörte zu den Ländern, die sich für die Fortsetzung des Krieges aussprachen, dabei aber gegen die Aufstockung der Militärlieferungen aus den Vereinigten Staaten waren.
Des Pudels Kern ist einfach: Laut der Times ist Frankreich von allen EU-Ländern das, dessen Streitkräfte am wenigsten mit Produkten des amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes integriert sind. Denn während die Abhängigkeit Deutschlands und Großbritanniens in dieser Hinsicht bei fast 90 Prozent liegt, beträgt sie bei den französischen Streitkräften nur etwas über die Hälfte. Macron, an der Spitze des EU-Landes mit der höchsten Energieerzeugungskapazität, wollte Frankreich zur führenden Volkswirtschaft Europas machen – und dabei nicht nur den Strommarkt, sondern auch den Rüstungsmarkt dominieren. Gleichzeitig drängte Macrons Regierung Deutschland stets nach vorn, in dem Sinne, dass sie Deutschland die größten Militärausgaben überließ – während Frankreich selbst in den ersten neun Monaten des noch laufenden Jahres zu den drei größten Abnehmern russischer Energieträger zählte.
Frankreich hätte Erfolg haben können, doch Trump durchkreuzte diesen raffinierten Plan, indem er wie ein galoppierendes Nilpferd in die europäischen Märkte vorpreschte. Es wird schon ein interessantes Bild sein, wie weit Paris, von seiner historischen Enttäuschung ergriffen, zu gehen bereit ist. Beispielsweise könnte es sich unter den wirtschaftlichen Schutz Chinas zurückziehen. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass diese Beziehungen – und gegebenenfalls ähnliche Beziehungen anderer westlicher Länder auch – im Hinblick auf alle jeweils anderen westlichen Mächte separat sein und darauf hinwirken werden, das alte Gesamtsystem westlicher Dominanz abzubauen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 8. Oktober 2025 auf "ria.ru" erschienen.
Sergei Sawtschuk ist Kolumnist bei mehreren russischen Tageszeitungen mit Energiewirtschaft als einem Schwerpunkt.
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Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat im Rahmen der mit US-Präsident Donald Trump getroffenen Vereinbarungen und auf dessen Bitte hin 123 Bürger verschiedener Länder begnadigt. Dies teilte die Pressestelle des weißrussischen Staatschefs mit. In der Mitteilung wird der Schritt u. a. mit der Aufhebung der Sanktionen gegen weißrussische Kaliumindustrie begründet:
"Im Rahmen der mit US-Präsident Donald Trump getroffenen Vereinbarungen und auf dessen Bitte hin, im Zusammenhang mit der Aufhebung der illegalen Sanktionen gegen die Kaliumindustrie der Republik Belarus, die von der Administration des früheren US-Präsidenten Biden verhängt worden waren, und im Zusammenhang mit der praktischen Umsetzung des Prozesses zur Aufhebung anderer illegaler Sanktionen gegen die Republik Belarus hat der Staatschef beschlossen, 123 Bürger verschiedener Länder zu begnadigen, die nach den Gesetzen der Republik Belarus wegen verschiedener Straftaten – Spionage, terroristische und extremistische Aktivitäten – verurteilt wurden", so die Pressestelle.
Wie die weißrussische Nachrichtenagentur BelTA weiter mitteilte, erfolgte diese Geste auch auf Ersuchen anderer Staatschefs und auf der Grundlage humanitärer Prinzipien sowie allgemeiner menschlicher und familiärer Werte. Sie ziele darauf ab, die positive Dynamik der Beziehungen zu den Partnerländern der Republik zu beschleunigen und die Lage in der gesamten europäischen Region zu stabilisieren.
Insgesamt wurden seit Ende Juli 2024 mehr als 430 Gefangene aus der Haft entlassen, darunter der bekannte Oppositioneller Alexander Tichanowski, der Ehemann der späteren Exil-Oppositionellen Sweltlana Tichanowskaja. Unter den Begnadigten befinden sich auch Staatsangehörige aus Großbritannien, den USA, Litauen, der Ukraine, Lettland, Australien und Japan. Die meisten von ihnen waren im Zusammenhang mit dem Versuch eines Staatsstreichs im Jahre 2020 inhaftiert.
Vor der Verhängung der US-Sanktionen im Jahr 2021 war Kaliumchlorid das wichtigste Exportgut von Weißrussland – es machte mehr als 20 Prozent der gesamten Exporte des Landes aus, und Weißrussland hatte einen Anteil von 20 Prozent am gesamten Weltmarkt für Kalidüngemittel. Die Europäische Union verbietet weiterhin die Einfuhr von Kali aus Weißrussland.
Vorausgegangen waren zweitägige Gespräche des US-Gesandten John Coale mit dem weißrussischen Präsidenten Lukaschenko in Minsk. "Mit der Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern werden immer mehr Sanktionen aufgehoben", sagte der Gesandte des US-Präsidenten. Coale merkte auch an, dass Lukaschenko gute Ratschläge zur Beilegung des Konflikts in der Ukraine gibt.
Der ehemalige Rada-Abgeordnete und Politanalyst Oleg Tsarjow bezeichnete das Verfahren eine Erwärmung der Beziehungen zwischen Weißrussland und den USA. Er weist auch auf die Rolle des Immobilienunternehmens und Schwiegersohns von US-Präsidenten Trump Jared Kushner im Prozess der Annäherung hin. Seine Großeltern waren Holocaust-Überlebende und lebten eine Zeit lang in der weißrussischen Sowjetrepublik.
Die bekanntesten Oppositionellen, die am Samstag aus der Haft entlassen wurden, sind Marija Koljasnikowa und der ehemalige Präsidentschaftskandidat Andrei Babariko. Laut Angaben der weißrussischen oppositionellen Medien werden sie in die Ukraine geschickt.
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Der slowakische Premier Robert Fico hat die westliche Politik gegenüber Russland im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt mehrfach kritisiert. Der Westen sei mit seiner Strategie, Russland durch Sanktionen und Eskalation zu schwächen, gescheitert, erklärte der Politiker kürzlich in einer Rede im Parlament.
Nun wirbt Fico für einen Neustart bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit seines Landes mit Russland. "Ich gehöre zu denen, die die Wiederherstellung der Beziehungen gefordert haben und auch weiterhin fordern werden", betont der slowakische Regierungschef in der Fernsehsendung "Sobotné dialógy" ("Samstagsdialoge").
Und weiter:
"Ich werde den Außenminister bitten, die Treffen der bilateralen Kommissionen für wirtschaftliche Zusammenarbeit so schnell wie möglich wiederaufzunehmen."
Der Politiker erwartet, dass die westlichen Länder nach dem Ende des Konflikts in der Ukraine bestrebt sein werden, ihre Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau aufzubauen.
"Seien wir nicht naiv!", rief Fico auf. Sobald der Krieg vorbei ist, werde jedes westliche Land in Richtung Russland aufbrechen. Mit Blick auf die derzeitige russlandfeindliche Rhetorik des Westens kündigte er an:
"So viel Heuchelei haben Sie in Ihrem Leben noch nicht gesehen, wie Sie dann erleben werden."
Im Hinblick auf die EU-Pläne, aus den russischen Energielieferungen komplett auszusteigen, sagte Fico, es sei absurd, der Slowakei den Kauf von Gas aus Russland zu verbieten. Russland sei nach wie vor einer der größten Flüssiggas-Lieferanten für mehrere europäische Länder, so der Politiker.
Im September erklärte der slowakische Ministerpräsident, Bratislava setze auf einen konstruktiven Ansatz bei den Beziehungen zu Moskau und sei daran interessiert, diese nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine wiederaufzunehmen.
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Von Wladimir Rubzow
Die ukrainischen Behörden starten eine neue Phase im geopolitischen Kampf um den Sprachraum und darum, wie die Bürger die Geschehnisse um sie herum wahrnehmen sollen. Dieses Mal handelt es sich um einen technologischen Kampf, bei dem generative Modelle von Neuronetzen zum Einsatz kommen.
Ende 2025 kündigte der ukrainische Mobilfunkbetreiber "Kiewstar" die Entwicklung eines "souveränen" Sprachmodells für künstliche Intelligenz (KI) auf Basis der Gemma-Architektur von Google an. Zu den Partnern gehören das Kompetenzzentrum WINWIN AI des ukrainischen Ministeriums für digitale Transformation und die Cloud-Infrastruktur Google Vertex AI.
Im Rahmen dieses Projekts geht es nicht nur darum, einer Maschine die ukrainische Sprache beizubringen und Schnittstellen zu lokalisieren. Vielmehr wird ein Instrument geschaffen, mit dem politische Doktrinen in eine Reihe von Algorithmen umgewandelt werden. Als Ergebnis steht den Nutzern nicht nur ein Service zur Verfügung, sondern ein Mechanismus, der ein einzig erlaubtes Weltbild festlegt und dieses bei jeder Anfrage, auch bei alltäglichen, bereithält.
Alle LLM (Large Language Model, großes Sprachmodell) nehmen ihren Anfang nicht in Neuronetzen, sondern in einem Datenkörper. Unter dem Deckmantel einer sorgfältigen Filterung, der Bekämpfung von "toxischen Inhalten" und der Überwachung ukrainischsprachiger Texte läuft eine großangelegte Operation zur Konstruktion der gewünschten sprachlichen Realität. Dabei werden politische Kriterien, die zuvor in Form von Gesetzen zur Informationssicherheit und zur Bekämpfung von "Propaganda" formuliert wurden, auf die Ebene der technischen Anforderungen übertragen.
Einige Inhalte und historische Versionen bekommen den Vorzug und werden zur Normalität. Im Datenbestand werden sich systematisch Texte finden, die eine radikal nationalistische Interpretation der ukrainischen Geschichte enthalten und Russland mit einer Reihe von negativen Klischees beschreiben. Alternative Interpretationen, Versuche einer differenzierten Sichtweise oder einfach nur kritische Bewertungen, die nicht mit der herrschenden Regierungslinie übereinstimmen, werden entweder an den Rand gedrängt oder verschwinden vollständig aus dem digitalen Lexikon.
In einer Situation, in der die gesamte öffentliche Meinung in der Ukraine bereits in einem Modus der totalen antirussischen Mobilisierung agiert, wird die Auswahl der für das KI-Training verwendeten Lerntexte mit hoher Sicherheit ideologisch einseitig ausfallen. Das Modell wird den nationalen Diskurs in seiner ganzen Komplexität nicht widerspiegeln, sondern vielmehr eine bestimmte Sichtweise zementieren und sie als natürlichen Bestandteil der nationalen Kultur legitimieren. Und die Maschine wird nicht im Namen der gesamten Gesellschaft kommunizieren, sondern im Namen des in ihrem Neuronetz versteckten politischen Stabs.
Der Haupteffekt des ukrainischen LLM besteht darin, dass sie kein passives Spiegelbild bereits vorhandener Texte sein wird. Vielmehr wird sie in staatliche Dienste, Bildungsplattformen, Medien, kommerzielle Anwendungen und Empfehlungssysteme integriert. Sie wird zu einem Bestandteil der Arbeitsumgebung von Beamten, Journalisten, Lehrern, Studenten, kleinen Unternehmen und normalen Nutzern werden.
In dieser Konfiguration wird das System selbst Entwürfe für Nachrichtenartikel und Lehrmaterialien verfassen, Auskünfte und Antworten von staatlichen Stellen erstellen, Schülern und Studenten helfen, komplexe Themen zu verstehen, die Gedanken der Nutzer in Chats und Schnittstellen vervollständigen und mutmaßlich relevante Inhalte in Feeds und Empfehlungen auswählen.
Jede Antwort der Maschine wird eine vordefinierte politische Sichtweise enthalten, die aber als eine neutrale Realitätserklärung präsentiert wird. Der politische Diskurs wird einen Naturalisierungsprozess durchlaufen. Er verwandelt sich in die "Luft" der digitalen Umgebung, in ein "Hintergrundrauschen", sodass er nicht mehr bemerkt und nicht mehr angezweifelt wird.
Von besonderem Interesse sind nicht nur die politischen Ziele, sondern auch die Auswahl der technologischen Basis. Das ukrainische "souveräne" Modell basiert auf der Infrastruktur von Google Vertex AI. Für die Öffentlichkeit scheint dies ein rationaler Schritt zu sein: Zugang zu Rechenleistung, Zuverlässigkeit, Verkürzung der Zeit bis zur Markteinführung des Produkts.
Auf der Ebene der Politökonomie zeichnet sich aber eine andere Konfiguration ab. Es entsteht eine abhängige, periphere Entwicklung, in der lokale Eliten den Inhalt bestimmen, während die Infrastruktur und die Schlüsseltechnologien von US-Konzernen kontrolliert werden. Im Ergebnis entsteht ein Hybrid: Technologische Abhängigkeit von den USA wird mit interner ideologischer Mobilisierung und einer an das ukrainische Publikum angepassten Soft-Standardisierung des prowestlichen geopolitischen Narrativs kombiniert. Dadurch erhält dieser externe Partner die Möglichkeit, den Rahmen des zulässigen Diskurses auf unsichtbare Weise zu beeinflussen, ohne direkt in lokale politische Entscheidungen einzugreifen.
In einer solchen Konfiguration wird die so lautstark reklamierte Datenlokalisierung auf dem Territorium der Ukraine nicht zu einem Symbol der Souveränität, sondern zu einem Instrument der kontrollierten Isolation. In Wirklichkeit entsteht ein hermetisch abgeschlossener semantischer Bunker, in dem eine sorgfältig gefilterte, für die Machthaber politisch unbedenkliche Realität zirkuliert.
So verliert Propaganda ihren Charakter als eigenständiges Genre und verschmilzt mit dem alltäglichen Digitalerlebnis. Im Gegensatz zu herkömmlichen Informationskampagnen, die in Form von Slogans und Plakaten funktionieren, wirkt das Sprachmodell punktuell und kontinuierlich und ist in jeder Schnittstelle präsent. Der Nutzer sieht vor sich keine politisch motivierten Sprecher, sondern eine emotionslose Maschine. Ihre Antworten werden als objektive Wahrheit, als Ergebnis einer unpersönlichen Berechnung und nicht als Element eines Informationskrieges wahrgenommen.
Der Verzicht auf Kritik wird als Vertrauen in die Technologie und als Zeichen der Modernität dargestellt. Auf dem Spiel stehen die Art und Weise, wie Gedanken formuliert, Wörter und Begriffe ausgewählt und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge hergestellt werden.
Die Sprache wird sich verändern, und damit auch das Weltbild. Die Kultur wird ihre Vielstimmigkeit verlieren und zu einer Reihe vorformulierter Thesen werden, die in einem geschlossenen Kreislauf zirkulieren und die lebendige gesellschaftliche Diskussion ersetzen. Gleichzeitig wird die Kompetenz, an etwas zu zweifeln, an Wert verlieren, da der Nutzer darauf verzichtet, Quellen zu überprüfen und präzisierende Fragen zu stellen. Die Möglichkeit eines kritischen Dialogs mit einem solchen System wird auf ein Minimum reduziert.
Für Russland sind derartige Projekte in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Einerseits demonstrieren sie das Ausmaß der ausländischen Präsenz im semantischen Raum. Andererseits zeigen sie die Wichtigkeit einer eigenen Agenda auf, die auf wirklich souveränen Technologien, transparenten Prinzipien der Datenverarbeitung und Respekt vor der Vielfalt der nationalen Kultur basiert. Ohne solche Voraussetzungen läuft das Land Gefahr, Diskussionen in einer fremden Sprache und nach fremden Regeln zu führen.
Im Rahmen der Konferenz "AI Journey 2025" erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, dass generative KI-Modelle "riesige Mengen neuer Daten erzeugen und zu einem der wichtigsten Instrumente für die Verbreitung von Informationen werden. Damit sind sie in der Lage, die Werte und Weltanschauungen der Menschen zu beeinflussen und letztlich den Sinngehalt ganzer Staaten und sogar der gesamten Menschheit zu prägen. Eine kritische Abhängigkeit von fremden Systemen können wir nicht zulassen. Für Russland ist dies eine Frage der staatlichen, technologischen und, ich würde sagen, wertebezogenen Souveränität. Daher muss unser Land über einen ganzen Komplex eigener Technologien und Produkte im Bereich der generativen künstlichen Intelligenz verfügen".
Die Idee der Kontrolle über das Sprachmodell entwickelt sich zunehmend zu einer Idee der Kontrolle über den Rahmen der Diskussion über die Zukunft. Es geht nicht mehr um Programmcode und auch nicht um die Frage, welche Plattform benutzerfreundlicher ist. Es geht um eine grundlegendere Entscheidung darüber, wem letztendlich das Recht zustehen würde, die Realität zu beschreiben und und den Wortschatz zu formen, durch den Menschen sich selbst und ihr Land verstehen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 8. Dezember 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
Wladimir Rubzow ist wissenschaftlicher Assistent bei der autonomen gemeinnützigen Organisation "Koordinierungslabor".
Mehr zum Thema – Ukrainischer Politiker will mit einer "Armee Gottes" China erobern
Wie der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Giese, erklärte, hat das Außenministerium am Freitag den russischen Botschafter Sergej Nechajew einbestellt. Das Auswärtige Amt wolle bei ihm gegen "russische Desinformation und Cyberangriffe" protestieren. Giese bezog sich dabei auf angebliche russische Einmischungen in die diesjährigen Bundestagswahlen. Zudem verwies er auf einen Angriff auf einen deutschen Fluglotsen, den zwei separate Hackergruppen im August verübt hatten. Laut Giese gebe es bei den Angriffen Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst (GRU).
Als Reaktion darauf erklärte die russische Botschaft, der Botschafter habe die "unbegründeten, haltlosen und absurden" Vorwürfe einer Beteiligung des russischen Militärgeheimdiensts GRU "kategorisch zurückgewiesen". Die Vorwürfe seien "ein weiterer unfreundlicher Schritt", mit dem antirussische Stimmungen in Deutschland geschürt werden sollten, um die bilateralen Beziehungen zu untergraben.
In Bezug auch auf die Panikmache der EU und die Vorwürfe wegen angeblicher russischer Pläne, die NATO anzugreifen, forderte die russische Botschaft Berlin auf, "die Hysterie zu beenden". Wie Präsident Wladimir Putin wiederholt betont habe, stelle Russland "keine Bedrohung für die europäischen Staaten dar". Die Botschaft verwies dabei auch auf die von den USA vermittelten Friedensgespräche zum Ukraine-Konflikt. Die Gespräche zwischen den USA und Russland sind seit einiger Zeit ein Spannungsfeld zwischen den europäischen NATO-Staaten und Moskau.
Russland sei zu Verhandlungen bereit, sofern diese "die Sicherheitsinteressen Russlands berücksichtigen und zur Lösung der Ursachen des Ukraine-Konflikts beitragen". Dazu erklärte die russische Botschaft:
"Es ist bedauerlich, dass die europäischen Eliten weiterhin das Regime in Kiew unterstützen, den Krieg bis zum letzten Ukrainer verlängern und jeden Fortschritt in Richtung einer friedlichen Lösung vereiteln."
Einen Tag zuvor hatte der russische Außenminister Sergei Lawrow erklärt, Moskau betrachte die verschiedenen "Erfindungen" der europäischen NATO-Staaten in erster Linie als Versuch, den Friedensprozess in der Ukraine zu "verkomplizieren" und den Konflikt zu "verlängern". Lawrow erläuterte:
"Dem Westen gehen die finanziellen, logistischen und militärischen Ressourcen für die Führung eines Stellvertreterkrieges aus."
Die westlichen Staats- und Regierungschefs versuchten daher verzweifelt, "die Situation zu eskalieren und auf Kriegskurs zu bleiben". Sie befürworteten eine Militarisierung und schürten die angebliche Bedrohung durch Russland in der Hoffnung, dass ein großer Konflikt ihre politischen Misserfolge "auslöschen" würde, so der russische Diplomat.
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Christian Drosten, seit 2020 vielfach prämierter Leiter des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, gilt in den kontroversen Diskussionen über die Aufarbeitung der Corona-Maßnahmenpolitik der Jahre 2020 bis 2023 als Reizfigur. Nun informierte Drosten auf X über die jüngste Auszeichnung, die ihm zuteil wird. Das "Seminar für Allgemeine Rhetorik" der Uni Tübingen zeichnete den Virologen für seine Rede "Wissenschaft ist Freiheit und Pflicht" vor dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aus, die er dort am 27. Mai dieses Jahres hielt.
Endlich mal ein angenehmer Termin, mag sich Drosten nach Bekanntgabe der noch dieses Jahr stattfindenden Verleihung des Preises der Uni Tübingen gedacht haben. Im Gegensatz dazu war der Virologe zuvor in diesem Jahr zu für ihn weit unangenehmeren Veranstaltungen geladen worden. Dazu zählten die Ladungen vor den sächsischen Corona-Untersuchungsausschuss Mitte Mai; im November vor den Corona-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags; und zuletzt vor die "Corona-Enquete-Kommission" des Deutschen Bundestags. Zu seinem letzten Auftritt lauteten Schlagzeilen zum Thema kontroverser Wahrnehmungen beispielsweise:
Drosten informierte nun auf X über seine erneute Ehrung – die Kommentarfunktion unter dem Tweet ist deaktiviert:
"Rede des Jahres! Ich freue mich sehr über die Auszeichnung der Universität Tübingen."
Rede des Jahres!Ich freue mich sehr über die Auszeichnung der Universität Tübingen.Anlass war das hundertjährige Bestehen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).https://t.co/je9frPeOgm
— Christian Drosten (@c_drosten) December 12, 2025Die Pressemitteilung der Uni Tübingen informiert darüber, dass zu den "Kriterien für die Jury unter anderem inhaltliche Relevanz, Vortragsstil, Elaboriertheit sowie publizistische Wirkung" gehören. Zu den Gründen der diesjährigen Drosten-Nominierung heißt es:
"Christian Drosten, der … aus der Pandemie-Zeit als Wissenschaftskommunikator weiten Teilen der Bevölkerung bekannt wurde, argumentiere in der ausgezeichneten Rede sachlich und stringent, klar und verständlich, so die Begründung der Jury. Er spare dabei unbequeme Wahrheiten nicht aus. Glaubwürdig werde der nüchtern-sachliche Stil des Redners durch seine persönliche Integrität. Der Redner selbst, sein Anliegen sowie sein Stil stellen den Rahmen einer bedeutsamen Rede dar."
Eine von der Jury der Universität hervorgehobene Redepassage aus dem Vortrag lautet:
"Vor dem DIW analysiert Christian Drosten gleich zu Beginn: 'Die Gesellschaft hat das Bewusstsein für Fakten verloren'. Polarisierung von Debatten, Personalisierung vielschichtiger Sachthemen und menschliche Bestrebungen nach Öffentlichkeit und Opportunität bezeichnet er als Symptome dieses Realitätsverlustes. Seine Kritik gipfelt in der pointierten Aussage: 'Was postfaktische Politiker von sich geben, ist noch nicht einmal falsch, aber dennoch keineswegs richtig'. Konsequenterweise spricht er von einem 'vollkommenen Verlust der Orientierung an Fakten'."
Eine Originalpassage aus der Rede lautet:
"Das 'Schwarz-gegen-Weiß' im öffentlichen Diskurs, die Liebe der Medien zum Konflikt und zur Personalisierung von vielschichtigen Sachthemen und – leider auch – allzu menschliche Bestrebungen nach Öffentlichkeit und Opportunität: All dies hat dazu geführt, dass den Menschen der Kopf raucht und die Gedanken schwirren. Wie es der Berliner Sozialwissenschaftler Michael Zürn Ende letzten Jahres in einem sehr empfehlenswerten Aufsatz in der FAZ ausdrückte: 'Unsere Gesellschaft verliert ihre Vernunft'."
Die Universität lobt Drosten als "engagierte Stimme" der Wissenschaft, um aus der Rede des Wissenschaftlers mit Seitenblick auf die USA zu zitieren:
"Ich plädiere heute für ein Nachdenken über den Grundsatz der Wissenschaftsfreiheit – und zwar nicht in erster Linie wegen ihrer Einschränkung! Die Freiheit der Wissenschaft muss auch Verpflichtungen mit sich bringen."
Für diese Forderung sei er in den Augen der Jury "selbst ein mustergültiges Beispiel. Er sehe seine Rolle jedoch nicht mehr wie in der Corona-Zeit als bloßer Erklärer, sondern nunmehr als Mahner und engagierte Stimme der Wissenschaft". Mit Leidenschaft habe der Prämierte in seinem Schlussappell "von allen Beteiligten im Wissenschaftssystem beherzten Einsatz und Engagement 'in der demokratischen Debatte' gefordert".
Im Zeitraum 2020 bis Dezember 2025 hat Drosten einschließlich seiner jüngsten Auszeichnung insgesamt 17 Ehrungen erhalten, darunter das Bundesverdienstkreuz, Ehrendoktortitel, Medaillen und weitere Belobigungen.
Kritiker seiner Person monieren weiterhin die von Politik und Medien hervorgehobene Sonderrolle des Virologen sowie seine wechselhaften Aussagen, Mahnungen und Empfehlungen im Zeitraum der "Corona-Krise". Zudem werfen sie ihm seine anhaltende Verweigerungshaltung vor, mit wissenschaftlichen Kollegen in einen kritischen Diskurs zu treten.
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Die Ständige Vertretung der Europäischen Union bei den Vereinten Nationen in Genf hat zwei Anweisungen des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) zur Kommunikation mit russischen Diplomaten erhalten. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf eine Quelle aus Diplomatenkreisen. Die Papiere seien anschließend an weitere Auslandsvertretungen der EU verschickt worden, heißt es im Bericht.
Den europäischen Gesandten werde unter anderem empfohlen, "Veranstaltungen zu meiden, an denen russische Diplomaten teilnehmen", und falls man dennoch an einer solchen Veranstaltung teilnimmt, "darauf zu achten, nicht mit russischen Diplomaten fotografiert zu werden".
Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa reagiert darauf in einem Post, der auf ihrem Telegram-Kanal am Samstag veröffentlicht wurde.
"Die Fotos sind alles, nichts die Sache ist Brüssels neues Motto", schreibt die Sprecherin.
Und weiter:
"Meiner Ansicht nach sind das alles nur halbherzige Maßnahmen. Ein Austritt der EU aus den Vereinten Nationen, solange Russland noch Mitglied ist, wäre eine reife Entscheidung. Und das 20. Paket russlandfeindlicher Sanktionen kann nicht ohne eine Erklärung auskommen, dass die Europäische Kommission von dem Planeten wegfliegt, solange noch Russen darauf bleiben. Eine Rakete können wir bereitstellen."
Die Quelle von RIA Nowosti gab an, dass die Mitarbeiter der russischen Vertretungen im Ausland die Auswirkungen der besagten Empfehlungen bereits zu spüren bekommen hätten.
So wird russischen Diplomaten bei Treffen Handschlag verweigert. Sie seien einmal sogar aufgefordert worden, eine von der europäischen diplomatischen Mission organisierte Veranstaltung zu verlassen.
Am 23. Oktober hatte die EU das 19. Sanktionspaket gegen Russland und damit weitere Strafmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg beschlossen. Neben Banken, Reedereien und Tankschiffen traf es auch Spielzeuge mit Motoren, Kloschüsseln, Spülkästen und Bidets aus Plastik sowie Pflanzen für dekorative Zwecke.
Anfang Oktober berichteten westliche Medien, dass sich die EU-Staaten auf Reisebeschränkungen für russische Diplomaten innerhalb der Gemeinschaft geeinigt hätten. In Reaktion darauf kündigte der Kremlsprecher Dmitri Peskow Gegenmaßnahmen an.
"Natürlich wird es eine Reaktion geben", erklärte Peskow damals gegenüber Journalisten. Russlands Außenministerium werde hierzu Vorschläge ausarbeiten, die anschließend umgesetzt würden.
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Wissenschaftler der US-amerikanischen Stanford Universität erforschten, warum einige Patienten nach der Verabreichung von mRNA-Impfstoffen, wie sie von Pfizer und Moderna hergestellt werden, eine Myokarditis oder Perikarditis entwickelt haben. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht.
Untersuchungen haben ergeben, dass Immunzellen in einigen Fällen die durch die Impfstoffe zugeführte fremde RNA erkennen und eine starke Reaktion auslösen. In seltenen Fällen führte diese Reaktion zur Freisetzung großer Mengen von Zytokinen – Immun-Signalproteinen, die Herzzellen schädigen können.
Nach den in The Telegraph zitierten Zahlen, trat eine impfstoffassoziierte Myokarditis nach der ersten Impfdosis bei etwa einem von 140.000 Menschen und nach der zweiten Dosis bei etwa einem von 32.000 Menschen auf. Am häufigsten betroffen waren demnach Männer im Alter von 30 Jahren oder jünger.
Zu den Symptomen zählten Brustschmerzen, Atemnot, Fieber und Herzklopfen, die in der Regel innerhalb weniger Tage nach der Impfung aufgetreten seien. Die meisten Patienten würden sich schnell erholen. In seltenen Fällen seien Krankenhausaufenthalte und Todesfälle gemeldet worden. Bei ihren Untersuchungen wollten die Wissenschaftler herausfinden, wie sie die mRNA-Impfstoffe zukünftig verbessern können. Dazu heißt es im Forschungsbericht:
"Hier untersuchen wir die auslösenden Faktoren dieser Myokarditis, um sie besser zu verstehen und die Sicherheit zukünftiger mRNA-Impfstoffe zu verbessern."
Im Tierexperiment hätte sich bereits gezeigt, mit welchen zusätzlichen chemischen Beigaben sich die schädliche Wirkung auf das Herz reduzieren ließ:
"Bei Mäusen, die diesen Zytokinen ausgesetzt waren oder eine BNT162b2-Impfung erhielten, reduzierte die Behandlung mit Genistein die Marker für Herzschäden und schwächte die Infiltration von Neutrophilen und Makrophagen in das Herz ab. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die CXCL10-IFN-γ-Signalübertragung zu Myokardschäden in experimentellen Modellen der mRNA-Impfung beiträgt, und zeigen, dass eine pharmakologische Modulation, beispielsweise mit Genistein, durch Zytokine verursachte Schäden mildern kann."
Die Erkenntnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Covid-19-Impfstoffe mit einer "Blackbox"-Warnung kennzeichnen will. Wie CNN berichtet, handelt es sich dabei um die strengste Sicherheitswarnung der Behörde. Damit würden Verbraucher auf Risiken wie Myokarditis und Perikarditis hingewiesen. Der Plan sei noch nicht endgültig beschlossen.
Nachdem die Weltgesundheitsorganisation im März 2020 eine Coronavirus-Pandemie ausgerufen hatte, wurden COVID-19-Impfstoffe in kurzer Zeit entwickelt und zugelassen, und später in vielen Ländern vorgeschrieben. Kritikern zufolge seien die Impfstoffe unzureichend getestet worden. Außerdem würden Nebenwirkungen größere Risiken bergen als das Virus selbst.
Demgegenüber betonten Wissenschaftler und Aufsichtsbehörden, eine Covid-19-Infektion stelle insgesamt ein größeres Risiko für schwere Erkrankungen und langfristige Komplikationen dar als eine Impfung. Die Vorteile einer Immunisierung würden die kurzfristigen Risiken seltener Herznebenwirkungen überwiegen.
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