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Das US-Militär hat eigenen Angaben zufolge erneut ein "Drogenboot" im Ostpazifik angegriffen. Dabei seien vier Menschen getötet worden, teilte das US-Südkommando auf der Plattform X mit. Geheimdienstinformationen hätten bestätigt, dass das Schiff illegale Drogen transportiert habe. Zudem sei das Boot auf einer bekannten Drogenhandelsroute im östlichen Pazifik unterwegs gewesen.
BREAKING: US Southern Command and Pete Hegseth just announced that they murdered 4 more people, who they think had drugs with them on a boat in international waters today. I didn’t vote for this. pic.twitter.com/3nLPa1HGhX
— Brian Krassenstein (@krassenstein) December 5, 2025Seit September greifen US-Streitkräfte immer wieder Boote von angeblichen Drogenschmugglern in der Karibik und im Ostpazifik an. Laut US-Medien wurden dabei bislang mindestens 80 Menschen getötet und 21 Schiffe versenkt. Unter Juristen und Völkerrechtlern bestehen große Zweifel an der Rechtmäßigkeit solcher Angriffe.
Erst vor wenigen Tagen hatte US-Kriegsminister Pete Hegseth bei einer Kabinettssitzung weitere Angriffe angekündigt. "Wir haben gerade erst damit begonnen, Drogenboote zu zerstören und Drogenterroristen auf den Grund des Meeres zu schicken", sagte er.
Washington wirft vor allem Venezuela vor, den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten aktiv zu fördern und damit die Sicherheit des Landes und seiner Bürger zu gefährden. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro wiederum vermutet, dass die US-Regierung seinen Sturz plane.
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Am 4. Dezember präsentierte das stets gut informierte und versorgte Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel einen exklusiven Artikel (Bezahlschranke), der demnach das Wortprotokoll "einer vertraulichen Telefonschalte" mit dem ukrainischen Präsidenten präsentierte, die Selenskij mit "mehreren europäischen Spitzenpolitikern" führte. Darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Ausgehend von den Inhalten reagierte der russische Unterhändler bei den Friedensverhandlungen, Kirill Dmitrijew, auf X auf die "Enthüllungen" – bezogen auf die Merz-Aussage, dass Washington "Spiele spielen" würde mit den jeweiligen Parteien. Dmitrijew warf in seinem X-Beitrag dem deutschen Kanzler "dickköpfige Dummheit" im politischen Agieren vor.
Ausgangspunkt des jüngsten Aufregers in der Bild-Redaktion ist ein Spiegel-Artikel, der eine "auf Englisch verfasste" Mitschrift eines Telefonats präsentiert, "die dem SPIEGEL vorliegt." Die Überschrift lautet samt Einleitung im Spiegel-Artikel:
"Vertrauliche Telefonkonferenz mit Merz und Macron: 'Wir dürfen die Ukraine und Wladimir nicht mit diesen Jungs alleinlassen'. Hören Trumps Unterhändler vor allem auf Russland? Dem SPIEGEL liegt die Mitschrift einer Krisenschalte vor, die zeigt, wie tief das Misstrauen bei den Europäern sitzt – auch bei Kanzler Merz und Präsident Macron."
Kirill Dmitrijew reagierte noch am selben Tag auf X zu den Inhalten, dies explizit bezogen auf folgenden Absatz in dem Artikel:
"Merz sagte laut dem Dokument, Selenskij müsse 'in den nächsten Tagen extrem vorsichtig' sein. 'Sie spielen Spielchen, sowohl mit euch als auch mit uns', sagte Merz demnach, wahrscheinlich in Bezug auf die beiden US-Unterhändler Steve Witkoff, einen Immobilienmogul, und Jared Kushner, den Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Diese und weitere Aussagen, die in der Mitschrift des Gesprächs wiedergegeben werden, illustrieren das tiefe Misstrauen der Europäer gegen die beiden Vertrauten Trumps."
Dmitrijew kommentierte dazu wörtlich auf X:
"Bundeskanzler Merz wirft den Amerikanern vor, 'Spiele zu treiben, sowohl mit Ihnen [Selenskij] als auch mit uns'.
Lieber Merz, Sie sind nicht einmal im Spiel. Sie haben sich durch Kriegstreiberei, Friedenssabotage, unrealistische Vorschläge, Selbstmord der westlichen Zivilisation, Migration und hartnäckige Dummheit selbst disqualifiziert."
Chancellor Merz accuses the Americans of “playing games, both with you [Zelensky] and with us.” Dear Merz, you are not even in the game. You disqualified yourself by warmongering, peace sabotage, unrealistic proposals, Western Civilisation suicide, migration, stubborn stupidity https://t.co/bOuSHjr990
— Kirill Dmitriev (@kadmitriev) December 4, 2025Die Spiegel-Redaktion erkennt in der X-Reaktion, dass "Putins Chefunterhändler über Kanzler Merz spottet" (Bezahlschranke). Dmitrjew würde in seiner Kommentierung den Bundeskanzler "verhöhnen". Und die Redaktion des Blattes echauffiert sich weiter:
"Zwei Sätze voller Spott und Verachtung. Der Chefunterhändler von Russlands Machthaber Wladimir Putin hält es dabei offenbar nicht einmal für geboten, Merz als den anzusprechen, der er ist: nämlich Bundeskanzler."
Es folgen biografische Daten zu dem russischen Unterhändler sowie die Zusammenfassung der Rolle Dmitrijews bei den jüngsten Konsultationen zwischen Moskau und Washington. Abschließend Einschätzungen zu den jüngsten Aussagen des russischen Präsidenten.
Die Bild-Redaktion zeigte sich noch empörter über den X-Beitrag, um im gewohnten Duktus zu titeln:
"Verbal-Attacke auf Bundeskanzler: Putin-Scherge nennt Merz 'dickköpfig' und 'dumm'"
Die Bild-Autorin erkennt ebenfalls, dass "Putins Chef-Unterhändler Kirill Dmitrijew mit Spott auf einen Bericht reagiert." Der Artikel informiert weiter darüber, nach Zusammenfassungen zu den Ergebnissen der Friedensverhandlungen, dass "keiner der am Gespräch Beteiligten dem 'Spiegel' den Inhalt der Mitschrift bestätigte."
Nüchterne Zusammenfassungen und Informationen zur Person Dmitrijew erfolgten zudem unter anderem bei der Zeit und im Berliner Tagesspiegel. Das Boulevardmagazin Stern kommentiert, dass Kanzler Merz "nun gar einen Spruch kassiert" hätte.
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Einer in dieser Woche veröffentlichten Studie des Kreditversicherers Allianz Trade zufolge ging das Ladensterben in Deutschland im zurückliegenden Jahr unvermindert weiter. Zwischen September 2024 bis August 2025 gab es im Einzelhandel 2.490 Insolvenzen, was die höchste Zahl seit Oktober 2016 ist. Lediglich in den Jahren 2015 bis 2016 war die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel geringfügig höher.
Die Besonderheit der aktuellen Lage ist, dass es dieses Mal auch große Ladenketten trifft. Anders als in der Vergangenheit stehen hinter jeder Insolvenz also zum Teil hunderte Läden bundesweit. Im Berichtszeitraum traf es gut etablierte Marken wie den Schuhhändler Görtz, den Modehersteller Gerry Weber und die Modekette Esprit. Letztere schloss in diesem Jahr insolvenzbedingt die Hälfte ihrer Filialen, die andere Hälfte soll noch das Weihnachtsgeschäft "mitnehmen" und schließt voraussichtlich im Januar endgültig.
Der Dekohändler Depot und der Discounter Kodi haben ihre Filialnetze insolvenzbedingt deutlich verkleinert.
Grundsätzlich bedeutet eine Insolvenz nicht das Ende der Marke und auch nicht das Ende für alle Filialen. Görtz und Gerry Weber gehen beispielsweise zum wiederholten Mal in das Insolvenzverfahren und konnten bei den vorausgehenden einen Großteil ihres Netzes retten und das Gesamtunternehmen sanieren. Jedoch wird der Substanzverlust mit jeder Runde dramatischer und werden die Aussichten düsterer.
Die Experten machen eine Verzahnung mehrerer Tendenzen für die Pleitewelle verantwortlich. Neben der zunehmenden Konkurrenz durch den Onlinehandel und sich dauerhaft ändernde Konsumgewohnheiten sind die deutschen Konsumenten im Moment nicht in Kauflaune: Steigende Lebenshaltungskosten lassen die Geldbörsen der Deutschen vor allem im Mode- und Designbereich zugeknöpft. Auf der Ausgabenseite machen sich steigende Miet-, Energie- und Personalkosten bemerkbar.
Die Zahl der Insolvenzverfahren lässt das Ausmaß erahnen, gibt aber noch lange nicht das vollständige Bild wieder. Auch Handelsketten, die noch ausgeglichene Bilanzen aufweisen, reduzieren ihr Filialnetz beständig, stoßen weniger lukrative Standorte ab und sparen an allen Enden. Passend zur Veröffentlichung der Allianz-Studie meldet beispielsweise ein lokales Medium aus Erfurt, der Landeshauptstadt Thüringens am Donnerstag:
"Nun ist es offiziell! Der Anger verliert den nächsten langjährigen Laden. (...) Modefans aus Erfurt müssen nun stark sein. Denn der Laden 'Tommy Hilfiger' (Anger 57), der seit mehr als sechs Jahren fest zum Stadtbild gehörte, verkündet das Aus. Derzeit läuft noch der Ausverkauf. Je nachdem, wie schnell die restliche Ware über die Ladentheke wandert, schließen sich die Türen von 'Tommy Hilfiger' Ende Januar, spätestens Mitte Februar 2026 dann für immer. Nach Informationen von Thüringen24 sei unter anderen die hohe Ladenmiete ein Grund für das Aus."
Für Ortsunkundige: Der Anger ist die Top-Adresse Erfurts. Besser gesagt, er war es bis 2020.
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Diese jährliche Veranstaltung wird von langer Hand und aufs Gründlichste vorbereitet – die "Jahresbilanz mit Wladimir Putin". Seit Anfang der 2000er Jahre organisiert der russische Präsident einen direkten Draht zu seinen Landsleuten und Journalisten, indem er im Fernsehen in Echtzeit auf ihre Fragen antwortet. Diesmal findet die Fragerunde am 19. Dezember um 10 Uhr MEZ statt.
Seit dem 4. Dezember werden landesweit Fragen für die Veranstaltung gesammelt. Wer den Kremlchef um Auskunft bitten will, kann dies auf der extra dafür eingerichteten Webseite moskva-putinu.ru, per SMS oder MMS unter 0-40-40, per Telefon unter 8-800-200-40-40, über die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki oder per Messaging-Dienst MAX tun. Fragen werden als Text, Audio-Datei und Video angenommen. Man kann sie bis zum Ende der Veranstaltung am 19. Dezember stellen.
Im vergangenen Jahr hatte die "Jahresbilanz mit Wladimir Putin" ebenfalls am 19. Dezember stattgefunden. Sie dauerte 4,5 Stunden lang. In dieser Zeit beantwortete der Präsident 76 Fragen.
Vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 veranstaltete Putin jedes Jahr zwei separate Fragerunden – eine für Journalisten und eine weitere für Russlands Staatsbürger. Im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen musste das Format geändert werden, sodass man die beiden TV-Sendungen zu einer einzigen fusionierte. Im Jahr 2022 fiel die Veranstaltung aus und fand 2023 erstmals unter dem aktuellen Namen "Jahresbilanz mit Wladimir Putin" wieder statt. Im Rahmen seiner Direkter-Draht-Konferenzen stand der Kremlchef bislang gewöhnlich donnerstags Rede und Antwort. Es gab nur zwei Ausnahmen: am 23. Dezember 2016 und am 30. Juni 2021 – das waren ein Freitag und ein Mittwoch.
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Von Dmitri Jewstafjew
Ein bemerkenswertes, wenn nicht gar das einzige bedeutende Ergebnis des Treffens der NATO-Außenminister am 3. Dezember 2025 in Brüssel ist die Auflösung des NATO-Russland-Rates. Insgesamt verlief das Treffen in einer Atmosphäre unverhohlener Trübsal. Am prägnantesten wurde diese Tristesse von Alexander Stubb, dem Präsidenten des einst neutralen und blühenden Finnlands, zum Ausdruck gebracht. Stubb rief dazu auf, "sich auf den Frieden in der Ukraine vorzubereiten." Faktisch bedeutete dies das Eingeständnis des Scheiterns der gesamten langjährigen Russland-Strategie der Euroatlantiker, welche diese mit Unterstützung des antirussischen Regimes in Kiew umzusetzen versuchten.
Eine Erklärung des Sinns dieser Aktion ist ganz offensichtlich: Es handelt sich um einen Versuch, die politische Niederlage der Euroatlantiker medial zu kompensieren, nachdem sie selbst den Rahmen des Ukraine-Friedensprozesses verlassen hatten. Gleichzeitig soll damit die offensichtliche Fassungslosigkeit verdeckt werden, von der die europäischen Eliten und zunehmend auch die europäischen Gesellschaften nach der Erklärung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ergriffen wurden, dass Russland zu symmetrischen Antworten auf Kriegsdrohungen vonseiten Europas bereit sei. Putins Erklärung mag überraschend erscheinen – allerdings nur für Europäer, die den Bezug zur Realität verloren haben.
Doch das ist nur die erste Schicht. Erinnern wir uns an die Vorgeschichte: Der NATO-Russland-Rat war im Mai 2002 bei einem Gipfeltreffen zwischen Russland und der NATO in Rom gegründet worden. Indem sie mit Moskau die Schaffung einer solchen Institution vereinbart hatten, behaupteten die NATO-Staaten, unter den Kalten Krieg einen Schlussstrich zu ziehen. In Wirklichkeit versuchten sie jedoch, Russlands Forderungen nach einem Mitspracherecht in Angelegenheiten der europäischen Sicherheit rein formell zu befriedigen. Der NATO-Russland-Rat mochte wie ein Mechanismus zur Integration Russlands ins europäische Sicherheitssystem erscheinen, diente in Wirklichkeit aber dazu, Moskau von dem Aufbauprozess eines solchen Systems auszuschließen. Währenddessen wurde die NATO zur einzigen Grundlage des europäischen Sicherheitssystems erklärt. Doch selbst die Schaffung einer Institution, die Russlands Einfluss auf die Politik des Westens auf "Konsultationen" beschränkte, war ein erzwungener Schritt – die NATO führte damals sehr schwierige Einsätze in Afghanistan durch und war auf Moskaus Unterstützung angewiesen.
Man kann sagen, dass gerade im Moment der Unterzeichnung des Abkommens über die Gründung des Rates die euroatlantischen Eliten einen Kurs hin zu einer Spaltung Europas eingeschlagen hatten. Im Gegensatz zu Moskaus These von der Unteilbarkeit der Sicherheit, wurde diese "gespalten". Eine genauere Betrachtung ergibt, dass der vom Westen der Schaffung des Rates zu Grunde gelegte strategische Gedanke darin bestand, jeglichen Inhalt aus dem Dialog mit Russland zu Angelegenheiten der europäischen Sicherheit auszuhöhlen, dem Rat eine ritualisierte Funktion zu verleihen und Moskau eine "Mitbeteiligung" vorzutäuschen.
In Wirklichkeit hat der Rat selbst in diesem Sinne längst nicht mehr funktioniert, und zwar nicht erst seit November 2021, als Russlands Vertretung bei der NATO wenige Monate vor dem Beginn der Sonderoperation in der Ukraine ihre Tätigkeit einstellte. Vielmehr war dies bereits seit 2008 der Fall, als Russland einen Einsatz zur Befriedung des Regimes von Micheil Saakaschwili in Georgien durchführte. Es ging dabei nicht nur um den Einsatz als solchen, sondern auch um das fehlende Verständnis seitens der NATO für die strategische Bedeutung von Putins Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz anderthalb Jahre zuvor. Am 10. Februar 2007 gab Russlands Präsident klar zu verstehen, dass sich Moskau mit einem fiktiven Dialog nicht zufriedengeben werde. Dieser hätte eine Wende der NATO gegen Russland verdecken sollen – Aktionen, die Russlands Interessen ignorieren, den Aufbau von militärischer Infrastruktur unmittelbar an Russlands Grenzen. Später kam es im Rahmen des Rates zu sporadischer Aktivität, doch von einer systematischen Arbeit selbst im Rahmen von "Konsultationen" konnte keine Rede mehr sein.
Es bleibt die Frage: Wieso wurde ein längst nicht mehr funktionierendes Organ erst jetzt aufgelöst und warum wartete die NATO so lange ab, um eine Hülle zu erhalten, hinter der längst kein Inhalt mehr stand?
Die Antwort drängt sich von selbst auf:
Der NATO-Russland-Rat, ein Instrument der Vortäuschung eines Dialogs mit Russland, hat nicht nur aufgehört, selbst für die pro-westlichsten Vertreter der russischen Elite als "Zuckerbrot" zu funktionieren. Er hörte auch auf, ein Symbol der Rückkehr Russlands zur berühmt-berüchtigten "zivilisierten Welt" zu sein.
Doch das ist nicht das Wichtigste. Bei dem Gipfel in Brüssel erfolgte das Eingeständnis, dass der Ausschluss der NATO aus einem inhaltlichen Dialog zu Angelegenheiten der europäischen Sicherheit unumkehrbar ist.
Im Grunde war bereits das Erscheinen der sogenannten "Koalition der Willigen" ein Symbol dafür, dass die geopolitischen Prozesse in Europa und den angrenzenden Regionen "an der NATO vorbei" gegangen sind. Der NATO-Russland-Rat hat endgültig seinen Sinn als Instrument des Einfrierens des geopolitischen Rahmens verloren, der in Europa nach 1991 entstanden und für die NATO und den Westen insgesamt äußerst günstig war. Faktisch hat die NATO anerkannt, dass der Prozess des geopolitischen Wandels in Europa unumkehrbar ist, allerdings bisher sowohl an der Allianz als auch an Europa vorbeigeht.
Selbstverständlich möchte die NATO ihren einstigen Einfluss selbst auf Kosten der Eskalation gegen Russland zurückgewinnen. Doch der Unterschied zwischen Russland und den europäischen Ländern der "Koalition der Willigen" besteht gerade darin, dass der antirussische Block zwar eine Eskalation gegen Russland wünscht, ihm dafür aber die Kräfte, Mittel und Ressourcen fehlen. Russland verfügt dagegen über Ressourcen und militärische Kräfte für eine Eskalation gegen die NATO, will aber eine solche Entwicklung möglichst vermeiden. Gerade darin besteht der Unterschied zwischen Propaganda und der harten Realität der "praktischen Geopolitik".
Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für "RT" am 4. Dezember.
Dmitri Jewstafjew ist ein russischer Politologe und Amerikanist. Er ist Doktor der Politikwissenschaften und lehrt am Institut für Medien der Wirtschaftshochschule Moskau. Jewstafjews Spezialgebiete sind militärpolitische Fragen der nationalen Sicherheit Russlands, der Außen- und der Militärpolitik der USA sowie der regionalen Probleme der Kernwaffen-Nichtverbreitung. Er ist Mitverfasser wissenschaftlicher Monografien und zahlreicher Artikel.
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Von Sergei Sawtschuk
Auf Einladung von Neu-Delhi und persönlich von Indiens Premierminister Narendra Modi besucht der russische Präsident Wladimir Putin in Begleitung einer hochrangigen russischen Delegation Indien. Auf dieser Reise wird der russische Staatschef von einer schlagkräftigen Gruppe russischer Minister (Verteidigungs-, Finanz-, Wirtschaftsentwicklungs-, Gesundheits- und Verkehrsminister) begleitet, die durch den Innenminister, seinen Kollegen aus dem Landwirtschaftsministerium und die Leiterin der russischen Zentralbank verstärkt wird. Aus dem offiziellen Programm des Staatsbesuchs geht hervor, dass am ersten Tag ein Treffen zwischen Wladimir Putin und Narendra Modi unter Ausschluss der Öffentlichkeit sowie mit dem indischen Präsidenten Draupadi Murmu geplant ist.
Auch für die Delegation russischer Minister und Behördenleiter wird es kein Vergnügungsausflug sein. Innerhalb von zwei Tagen sollen die Delegierten zehn zwischenstaatliche und mehr als fünfzehn kommerzielle Abkommen unterzeichnen. Zu den zu unterzeichnenden Vereinbarungen zählen unter anderem umfangreiche Militärkontrakte, Abkommen im Bereich Gesundheitswesen und Pharmazie sowie die Koordinierung von Regulierungsvorschriften für Arbeitsmigration.
Im Rahmen dieses äußerst umfangreichen Programms sollen auch die Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit im Energiebereich erörtert werden. Dabei geht es um die Lieferungen russischer Kohlenwasserstoffe im Allgemeinen und um das Öl- und Gasprojekt "Sachalin-1" im Besonderen. Ohne die Bedeutung anderer gemeinsamer Tätigkeitsbereiche schmälern zu wollen, sollten an dieser Stelle die Verhandlungen im Energiebereich besonders hervorgehoben werden, da sie in hohem Maße die Richtung der zwischenstaatlichen Beziehungen in naher Zukunft bestimmen und zur Entstehung einer wirklich multipolaren Welt beitragen werden, von der seit langem auf den Tribünen der BRICS-Staaten und anderer Organisationen, in denen Russland, Indien und China eng zusammenarbeiten, die Rede ist.
Der Weg zur neuen Realität verläuft über Sachalin
Die reichhaltigsten Kohlenwasserstoffvorkommen an der nordöstlichen Spitze dieser Insel wurden vor fast einem halben Jahrhundert entdeckt. Aufgrund der Komplexität der Erschließung wurde diese "Schatzgrube" jedoch zurückgestellt, bis günstigere wissenschaftlich-technische Zeiten eintraten. Diese Zeiten kamen Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, als Russland seine Türen für gemeinsame internationale Projekte öffnete, was durch einen umfassenden Mangel an Technologien und Spezialausrüstung bedingt war. Die Perspektive, an der Förderung von 2,5 Milliarden Barrel Öl der Sorte Sokol und einer halben Billion Kubikmeter Erdgas beteiligt zu sein, zog das US-Unternehmen ExxonMobil, das japanische Konsortium SODECO sowie das größte indische Staatsunternehmen ONGC (dies ist wichtig) in das Projekt. Seitens Russlands beteiligten sich Tochtergesellschaften der öffentlichen Aktiengesellschaft Rosneft an dem Projekt. Die Amerikaner und Japaner hatten jeweils 30 Prozent Anteil an dem Projekt, die indische und die russische Seite jeweils 20 Prozent.
Unsere "geschätzten" US-Freunde stellten sofort äußerst strenge Bedingungen – insbesondere verlangten sie im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung des Förderprozesses die Unterzeichnung eines Produktionsaufteilungsvertrags (Production Sharing Agreement, PSA). Entsprechend dessen Bedingungen floss der Großteil der Gewinne aus dem Ölverkauf in die Kassen ausländischer Unternehmen. Der Fairness halber muss angemerkt werden, dass der rechtliche Mechanismus des PSA in der Geschichte der russischen Energiewirtschaft nur dreimal angewendet wurde: Neben den Projekten "Sachalin-1" und "Sachalin-2", an denen ausländische Unternehmen beteiligt sind, wurde er auch auf die Ölförderung im Charjaginskoje-Feld im Gebiet Narjan-Mar angewendet, das von einem russischen Betreiber betreut wird. In diesem Projekt wurde eine Vereinbarung zwischen der föderalen Regierung und den regionalen Behörden getroffen, die spezielle Finanzquoten vorsieht, um die Einnahmen des lokalen Haushalts zu erhöhen.
Die US-Amerikaner erzielten aus dem ersten "Sachalin"-Projekt maximale Gewinne. Dabei drängten sie immer wieder auf eine Senkung der Gewinnsteuer von 35 auf 20 Prozent und forderten darüber hinaus eine "rückwirkende" Rückzahlung des Differenzbetrags für die Jahre ihrer Geschäftstätigkeit. Daraufhin reichte Russland eine Gegenklage gegen die Tochtergesellschaft Exxon Neftegas Limited ein und forderte die Rückzahlung der durch Manipulationen der Ölströme ungerechtfertigt erzielten Bereicherung. Die "Gentlemen" von der Muttergesellschaft Exxon reagierten zunächst mit lautstarker Empörung und drohten, alle "fertigzumachen". Doch schon bald machten sie einen Rückzieher: Alle Ansprüche wurden stillschweigend außergerichtlich beigelegt, und die russische Seite erhielt eine beeindruckende Entschädigung.
Doch welche Rolle spielt Indien in dieser Angelegenheit
Es sollte bereits 2022 eine Hauptrolle einnehmen. Einen Monat nach Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine teilte das US-Konsortium mit, dass es die Finanzierung dieses Projekts vollständig einstelle und seine Vermögenswerte verkaufe. Moskau verschärfte die Situation nicht und schlug wie üblich eine friedliche Lösung vor. Doch die USA unter der Führung des ehemaligen Präsidenten Joe Biden setzten auf eine demonstrative Eskalation und richteten dabei direkte Drohungen an alle Verbündeten und Partner Russlands. Als Reaktion darauf unterzeichnete Wladimir Putin im Herbst desselben Jahres den Erlass Nr. 723 "Über die Anwendung zusätzlicher Sonderwirtschaftsmaßnahmen im Brennstoff- und Energiesektor im Zusammenhang mit unfreundlichen Handlungen einiger ausländischer Staaten und internationaler Organisationen". Die am Projekt Beteiligten erhielten einen Monat Zeit, um einen Antrag auf Beibehaltung ihres Anteils oder dessen Verkauf – und zwar ausschließlich an eine russische juristische Person – zu stellen. Während die Japaner von SODECO sofort erklärten, sie würden im Projekt bleiben – denn ohne das Sachalin-Öl droht ihrer Wirtschaft ein erzwungenes "Seppuku" –, knallten die US-Amerikaner demonstrativ die Tür ins Schloss. Aus Angst vor negativen wirtschaftlichen Folgen stieg auch ONGC aus. Auch hier muss präzisiert werden, dass das indische Unternehmen zu diesem Zeitpunkt weder Ausrüstung noch Verbrauchsmaterialien lieferte, sondern nur 20 Prozent der Betriebsaktivitäten finanzierte.
Diese Situation änderte sich nach dem Treffen der Präsidenten Russlands und der Vereinigten Staaten in Anchorage.
Demnach nahm Wladimir Putin Änderungen an dem oben genannten Erlass vor. Demzufolge wurde es ausländischen Unternehmen gestattet, sich wieder am Öl- und Gasprojekt auf Sachalin zu beteiligen, jedoch unter einer Reihe entscheidender Bedingungen. So mussten Unternehmen, die wieder in Russland tätig werden wollten, dafür sorgen, dass die entsprechenden Sanktionen aufgehoben wurden, einen vereinbarten Anteil der Finanzmittel überweisen und klare Verpflichtungen hinsichtlich der Lieferung von Ausrüstung und Ersatzteilen sowie der Durchführung von Reparatur- und Wartungsarbeiten übernehmen, um einen reibungslosen Betrieb des gesamten Technologieparks zu gewährleisten.
Die Vereinigten Staaten verfolgen gegenüber Russland ihre gewohnte Politik der Doppelzüngigkeit, indem sie einerseits wieder an russischen Förderprojekten teilhaben möchten, andererseits jedoch unsere Ölgesellschaften aus den EU-Märkten verdrängen. Genau aus diesem Grund haben die Verhandlungen zwischen Putin und Modi einen weltpolitischen Hintergrund. Moskau wird Neu-Delhi vorschlagen, sich durch seine staatliche Öl- und Gasgesellschaft endgültig aus dem Einflussbereich der USA zu lösen und ein wirklich unabhängiger Akteur zu werden.
Die Erwartung an Indien ist, ein zuverlässiger Partner zu sein und die Lieferung der erforderlichen Ausrüstung sicherzustellen. Im Gegenzug bietet man Freundschaft und Reichtum an, den das Öl aus dem Fernen Osten verspricht.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 4. Dezember 2025 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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Von Platon Gontscharow
Die Europäer wurden am Dienstag vom russischen Präsidenten gewarnt: Russland will keinen Krieg, steht aber "zur Verfügung", wenn Europäer (Vertreter der EU-Staaten und Großbritanniens – Anm. des Autors) doch gewillt sind, einen Krieg mit Russland zu entfachen. Auch sagte er unmissverständlich, dass dieser Konflikt in kürzester Zeit zu einem alles vernichtenden atomaren Inferno ausarten könne.
Politiker mit gesundem Selbsterhaltungstrieb müssten spätestens nach diesen fast beiläufig gesagten Worten sofort diplomatische Fühler nach Moskau ausstrecken, um die Möglichkeiten einer Einigung mit Russland in Sicherheitsfragen auszuloten ‒ zumal Russland offiziell ein Abkommen zum gegenseitigen Nichtangriff seit Wochen anbietet.
Es gab bislang aber keine Anzeichen davon, dass Politiker in Europa das tun würden. Es muss an dieser Stelle nicht erklärt werden, dass dieses Verhalten verantwortungslos ist. Vom Handeln dieser Menschen an der Spitze ihrer politischen Systeme hängt das Leben und die Gesundheit von Millionen ab.
Um das zu tun, muss man kein Freund Russlands sein. Die Versuche von Trumps Delegation, eine gewisse Deeskalation in den Beziehungen zu Russland zu erreichen, sollten dafür ein Beispiel sein. Russland hat da auch sein Interesse, denn es will mit dieser Art Diplomatie zumindest den Stellvertreterkrieg der USA gegen Russland in der Ukraine beenden oder eindämmen.
Genauso ist der Krieg in der Ukraine ein Stellvertreterkrieg Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs und Polens gegen Russland, der zudem noch auf Russlands historischem Territorium geführt wird. Russland hat natürlich großes Interesse, ihn schnellstmöglich zu beenden. Denn täglich sterben Hunderte russischer Menschen auf beiden Seiten der Front.
Die Wut über das dreiste Verhalten dieser Staaten und des "Westens" insgesamt sitzt in jedem russischen Menschen tief. Aber diese Wut ist noch kein Grund, das heutige "Europa" anzugreifen. Wie meint Putin das also, wenn er über die russische Bereitschaft zum Krieg mit diesem Europa spricht? Das sollte ins "Europäische" übersetzt werden, denn es gibt Kulturunterschiede zwischen dem russischen Verständnis und dem westlichen.
Die Russen haben aus der Geschichte äußerst schmerzhaft gelernt, dass die Sicherung ihrer westlichen Grenzen eine sehr blutige Angelegenheit ist. Sie ehren 27 Millionen Tote, die im Großen Vaterländischen Krieg gegen die Hitler-Invasoren starben. Sie ehren fast drei Millionen Tote, die im Ersten Weltkrieg ums Leben kamen. Auch fast eine Million Tote, die infolge der Invasion Napoleons ihr Leben ließen, und 125.000 im Krimkrieg, der ebenso fast ausschließlich auf dem Territorium Russlands geführt wurde, sind nicht vergessen.
Und vor allem weiß man in Russland, dass Hitler-Deutschland und seine europäischen Verbündeten die Grenze zur Sowjetunion am 22. Juni überschritten, mit dem festen Entschluss, schon im ersten Kriegsjahr 30 Millionen Sowjetbürger (Russen in den Augen der Deutschen) zu ermorden. Ein regelrechter Genozid, der von Deutschland als solcher bis heute nicht anerkannt ist. Die Erinnerung an diese Zeiten ist Teil des russischen kulturellen Codes.
Also über das jetzige "Europa", in Form der EU oder der NATO, gibt es keine Illusionen. Europa, vertreten durch London, Brüssel, Berlin und Paris, scheint in der Tat zu einem neuen Krieg gegen Russland entschlossen zu sein – nur sei es angeblich noch nicht gut genug vorbereitet. Diese Erkenntnis hat sich in den russischen Expertenkreisen und auch unter der gemeinen Bevölkerung in den letzten Jahren breit gemacht. Der Politphilosoph Alexander Dugin hielt am 4. Dezember nach Putins Anmerkung fest:
"Ein Krieg mit der EU und Großbritannien ist praktisch unvermeidlich. Die Globalisten, die in Europa regieren, bereiten sich eifrig darauf vor, und das liegt nicht in unserer Hand. Sie wollen ihn beginnen, sie werden ihn beginnen. Sobald sie sich stark genug fühlen."
Gründe dafür liegen auf der Hand: Dem Westen und allen voran Europa fehlen Ressourcen. Es steckt in der Systemkrise und hofft, mit dem Zugriff auf Russlands enorme Gebiete und Naturvorkommen die Lebensdauer seines auf Expansion und koloniale Ausbeutung gepolten Systems zu verlängern. Das sagte kein Geringerer als Pjotr Fjodorow, langjähriger Chef der ersten russischen Redaktion von Euronews, in einer Presserunde. Er hat in Westeuropa gelebt, hat dort Freunde und Bekannte, er kennt Europäer auch von der guten Seite. Aber auch er hat keine Illusionen über den geistigen Zustand der europäischen "Eliten" und deren Absichten.
Auch ein anderer Russe, der viele Jahrzehnte als Politberater in den USA verbracht hat und Teil des US-Polit-Establishments geworden ist, Dimitri Simes, hat keine Illusionen. Nach Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine musste er aufgrund politischer Verfolgung die USA verlassen und kehrte nach Moskau zurück.
In seinem Kommentar zu Putins Presseauftritt am 2. Dezember erinnerte er daran, dass Russland über viele Jahre hinweg, seit dem Ende der 1980er Jahre unter Gorbatschow, dann in den 1990er Jahren unter Jelzin und in der ersten Hälfte der 2000er Jahre, selbst als es mit den Handlungen des Westens nicht einverstanden war, von jeglicher feindseligen Reaktion Abstand nahm. "Und das trotz der Tatsache, dass die russischen Interessen kaum berücksichtigt wurden."
Der Geduldsfaden der Russen könne aber reißen. Seinen Beitrag schließt er so:
"Obwohl Russland nach Frieden strebt, werden unsere Feinde sehen, dass 'wir keinen Preis scheuen', wenn man uns diese Möglichkeit tatsächlich nimmt. Die gesamte Geschichte des russischen Staates zeugt davon."
Das sagt der Politikwissenschaftler und ehemalige Sowjet-Dissident, der in der schweren Stunde in seine Heimat zurückgekehrt ist. Und was meinen die russischen Bürger – Zivilisten, Fronthelfer und Soldaten? Sie wissen ganz genau, dass der Kampf gegen die ukrainische Armee der Kampf gegen die Expansion des Westens ist. RT hält mit vielen von ihnen Kontakt.
"Europäer sollten sich mit uns lieber nicht anlegen. Tun sie es, bin ich gern bereit, mit den Deutschen einen Kampf auszufechten." Diese Worte sagte ein Soldat einer Sturmabteilung, nachdem er das Video mit der Fackelzeremonie des Generals Freuding in Litauen angeschaut hatte. Ein Fronthelfer, der den Kontakt zu dem Soldaten hergestellt hatte, fügte hinzu, dass die Europäer keine Chance im konventionellen Krieg gegen Russlands kampferprobte Armee hätten.
Aber nach Ansicht des russischen Präsidenten wird ein Krieg mit Europa, sollte er tatsächlich stattfinden, anders als in der Ukraine ausgefochten werden ‒ mit allem, was den russischen Streitkräften an den schlagkräftigsten Waffen zur Verfügung steht – notfalls bis hin zu nuklearen Waffen. So sehen es auch russische hochrangige Militärs. Angriffe mit taktischen Nuklearwaffen sind kein Tabuthema mehr.
Im Gespräch mit der Zeitung MK über die Verteidigung Kaliningrads infolge eines "Präventivschlags" der NATO erklärte der verdiente Militärpilot und Generalmajor der Luftwaffe Wladimir Popow, welche Folgen ein "Präventivschlag" für Europa haben könnte:
"Es ist nicht auszuschließen, dass wir taktische Atomwaffen einsetzen würden. Und warum auch nicht? Das wäre notwendig, um den geplanten Gruppenangriff zu verhindern. Es würde eine vollständige 'Vergeltung' geben. Man sollte uns also nicht auf die Probe stellen. Auf Angriffe seitens der NATO-Staaten werden wir anders reagieren als auf Angriffe seitens der Ukraine."
Dabei äußerte General Popow die Hoffnung, dass sowohl Politiker als auch Militärs Polens, Deutschlands und Frankreichs noch genügend Selbsterhaltungstrieb haben, um keinen direkten Krieg mit Russland zu wagen. Spätestens nach dem leider schnell vergessenen Taurus-Leak scheint allerdings diese Ansicht zu optimistisch zu sein.
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Von Astrid Sigena und Wladislaw Sankin
Am Freitag 9 Uhr ist es soweit. Dann werden die Abgeordneten über die Zukunft der Hälfte der Jugendlichen abstimmen, die ab 2008 geboren sind. Sollte das Wehrdienstmodernisierungsgesetz durchgehen, müssen junge Männer ab dem Jahr 2026 zu einer verpflichtenden Musterung. Gegen diesen Gesetzesentwurf plant eine Jugendinitiative seit Wochen einen Schulstreik mit Demonstrationen. Sie befürchtet, dass der neue Wehrdienst nicht lange freiwillig bleiben wird. Bisher sind für 90 Städte in ganz Deutschland Schulstreiks angekündigt, nicht nur in der Hauptstadt Berlin, sondern unter anderem auch in Cottbus, Rostock, Hamburg, Köln, München, Leipzig und Magdeburg.
Die Reaktion der Opposition auf die Initiative der Schüler ist dabei oft auch innerparteilich gespalten: Während zum Beispiel Hans-Thomas Tillschneider, der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, das Anliegen des Schulstreiks als legitim begrüßte, kritisierte Dennis Hohloch, der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagstagsfraktion in Brandenburg, den daraus resultierenden Unterrichtsausfall: Schulzeit sei Lernzeit. Die AfD befürworte sowohl Wehrpflicht als auch Schulpflicht. Hohloch deutete auch an, dass er "eine Vereinnahmung unserer Schüler für linke oder linksextreme Projekte" befürchtet.
Von der in Schleswig-Holstein regierenden CDU kommt sogar noch Hohn und Spott für die Streikenden. So ließ der Landtagsabgeordnete Martin Balasus verlautbaren, der Schulstreik sei "sowohl inhaltlich wie formal irrwitzig". Die Initiative zeige "Gratismut und Naivität". Balasus zufolge müsse die Gesellschaft umdenken: "Die Träume vom ewigen Weltfrieden müssten angesichts des Ukraine-Krieges und der Gräuel der russischen Soldateska so langsam auch beim letzten gutwilligen Putin-Versteher geplatzt sein."
Wichtiger als die vorhandene oder ausbleibende moralische Unterstützung vonseiten der Politik ist für die am Streik teilnehmenden Schüler aber ohnehin die Frage, wie die Schulleitungen und die Kultusministerien auf ihr Fernbleiben vom Unterricht reagieren. Und da ist – egal in welchem Bundesland – die Sachlage grundsätzlich klar: Die Teilnahme an Demonstrationen während der Unterrichtszeit gilt als unentschuldigte Fehlzeit. Werden am Tag des unentschuldigten Fehlens Klausuren geschrieben, so kann der Schüler diese nicht nachholen, sondern bekommt die Note 6. So ist es zum Beispiel in Niedersachsen geregelt. Unentschuldigte Fehltage werden auch auf Zeugnissen vermerkt – wofür sich auch zukünftige Arbeitgeber bei der Bewerbung um eine Lehrstelle interessieren dürften. Die Teilnehmer an den Schulstreiks bringen also durchaus ein Opfer für ihr Engagement. Noch dazu fällt der Streik in die Vorweihnachtszeit, in der traditionell viele Klausuren geschrieben werden.
Deshalb forderte die Bundesschülerkonferenz die betroffenen Schulen dazu auf, die protestierenden Schüler für diesen Tag vom Unterricht freizustellen. Die Generalsekretärin Amy Kirchhoff vertritt die Ansicht, Schüler dürften nicht dafür bestraft werden, wenn sie ihre Meinung auf der Straße verträten. Auch finde politische Bildung nicht ausschließlich im Klassenraum statt. Demokratische Selbstwirksamkeit entstehe gerade durch die aktive Teilnahme junger Menschen am öffentlichen Diskurs. Dieser Appell verhallte bei den Verantwortungsträgern anscheinend ungehört.
Politisch aktive Jugend demonstriert in Berlin gegen Aufrüstung und Wehrpflicht (auf der Demo am 3. Oktober 2025). #Kriegsdienstblocker #Aufrüstung #Wehrdienst pic.twitter.com/CDN4ud7Bjv
— Wlad Sankin (@wladsan) December 4, 2025Wie Gerhard Fuchs-Kittowski vom Deutschen Friedensrat RT DE mitteilte, würden in einigen Städten Brandenburgs den Schülern von den Schulleitungen und dem Bildungsministerium schon jetzt Sanktionen angedroht, die über das Erscheinen der Fehlzeit im Zeugnis und die schlechteste Note 6 ("Ungenügend") bei einer verpassten Klausur hinausgehen. Diese Klausuren seien dabei gar nicht planmäßig, sondern würden bewusst kurzfristig auf den angekündigten Tag des Streiks anberaumt, betont Fuchs-Kittowski.
Die Rede ist auch von einer Strafe für eine Ordnungswidrigkeit. Der Deutsche Friedensrat e. V. hat in einer RT DE vorliegenden Erklärung, die den Schülerstreik eindeutig begrüßt, an Eltern und Lehrer appelliert, den Schülern durch einen gemeinsamen Unterrichtsgang die Teilnahme am Streik zu ermöglichen (ein Unterrichtsgang ist eine genehmigte Exkursion, bei der der Unterricht an einem außerschulischen Lernort stattfindet). Allerdings dürfte es schon aufgrund der knappen Zeit unwahrscheinlich sein, dass Schulleitungen dadurch den Schülern eine reguläre Teilnahme genehmigen.
Auf die Solidarität der organisierten Lehrerschaft können die um Frieden und Zukunft besorgten Jugendlichen dabei nicht hoffen. So gab der Deutsche Lehrerverband bekannt, dass er die für Freitag angesehenen Schulstreiks kritisch sehe und warnte, dass die Teilnehmer "mit erzieherischen Maßnahmen bis zu einem Verweis" rechnen müssten. Ohnehin sieht Verbandspräsident Stefan Düll die Aufgabe der Schulen darin, "sachlich" über die sicherheitspolitische Lage und "die Bedrohung durch Russland" zu informieren. Düll hinterfragt offenbar nicht, ob eine Bedrohung durch Russland überhaupt gegeben ist. Immerhin einen Lichtblick gibt es: Das Kultusministerium in Bayern gab bekannt, dass es "im Ermessen der Schulleitung" liege, ob für die Teilnahme am Schulstreik Konsequenzen gezogen würden. Offenbar will man zumindest in Bayern etwas deeskalieren.
Auffällig ist: Wenn es gegen Rechts geht oder um den Kampf gegen den vermeintlich menschengemachten Klimawandel, zeigten sich sowohl Schulleitungen als auch Kultusministerien in der Vergangenheit oftmals weitaus kulanter. So stellte das bayerische Kultusministerium im Jahr 2024, als es zu Massenprotesten gegen angebliche Remigrationspläne seitens der AfD kam, klar, dass eine Teilnahme an einer Demo während der Schulzeit als Unterricht gelten könne. Damals forderte die Kultusministerkonferenz sogar die Lehrkräfte dazu auf, sich an entsprechenden Kundgebungen zu beteiligen. Auch die Fridays-for-Future-Demonstrationen wurden zuweilen als Schulveranstaltungen deklariert, um den teilnehmenden Schülern Nachteile zu ersparen.
Darauf werden die jugendlichen Friedensstreiter morgen nicht hoffen können. Der Trend geht auch in den Schulen in Richtung Kriegstüchtigkeit.
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Laut der Zeitung Ukrainskaja Prawda kam es am Mittwochabend zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ukrainischen Truppen und Angehörigen des Militärgeheimdienstes (HUR). Auslöser war ein Konflikt um die Anmietung einer Klinik.
HUR-Mitglieder drangen in das Sanatorium "Oktober" am Stadtrand von Kiew ein und brachen die Tore und den Zaun auf, wie die Zeitung unter Berufung auf Quellen der Sicherheitsbehörden berichtete.
Die Angehörigen des Militärgeheimdienstes eröffneten das Feuer in die Luft, schossen zudem auf den Boden und nahmen zehn Soldaten gefangen, die dabei schwer verletzt wurden.
Später ließen sie die Soldaten frei und verbarrikadierten sich im Gebäude. Sie verweigerten der örtlichen Polizei und der Militärpolizei den Zutritt.
Laut Ukrainskaja Prawda behauptete der HUR, das Sanatorium angemietet zu haben und dass sich die Soldaten dort illegal aufhielten.
Der Zeitung zufolge hatten die Soldaten das Sanatorium jedoch von den Eigentümern gepachtet und es gemäß den Anweisungen der örtlichen Militärverwaltung und der ukrainischen Bodentruppen genutzt.
Eine Quelle aus den Strafverfolgungsbehörden gab an, dass vor Ausbruch der Gewalt keine der beiden Seiten eine formelle Anzeige bei der Polizei erstattet hatte.
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Rumäniens Führung hat sich "braun eingefärbt", erklärte die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa in einem Beitrag auf Telegram am 4. Dezember. Auf diese Weise kommentierte sie eine Ordensverleihung durch Rumäniens Präsidenten Nicușor Dan an einen Veteranen des Zweiten Weltkriegs, der an Kämpfen gegen die Sowjetunion teilgenommen hatte.
Sacharowa verwies darauf, dass Rumänien im Zweiten Weltkrieg sowohl aufseiten der Achsenmächte als auch aufseiten der Alliierten gekämpft habe. Der pensionierte Oberst Ion Vasile Banu sei allerdings "explizit für den Krieg aufseiten Hitlers" ausgezeichnet worden. Zur Begründung zitierte die Diplomatin Dan, der auf X am 1. Dezember verkündet hatte:
"Mit seinen 107 Jahren verkörpert Herr Ion Vasile Banu die Quintessenz der Heimatliebe: ein Mann, der im Alter von nur 21 Jahren der rumänischen Armee beigetreten ist und selbstlos für die Befreiung Bessarabiens im Jahr 1941 und an der Donfront im Jahr 1942 kämpfte."
Aus Dans Text geht weiter hervor, dass es sich bei diesen Kämpfen im Rahmen des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion um die "Verteidigung von Freiheitsidealen" gehandelt haben soll. In Bezug auf Banu und seine Mitkämpfer schrieb der rumänische Präsident:
"Dank ihnen leben wir heute in einem freien, würdevollen, demokratischen und europäischen Rumänien."
Sacharowa bezeichnete Banu als einen "weiteren Hunka" und erinnerte damit an einen Veteranen der SS-Division Galizien, der am 22. September 2023 im kanadischen Parlament unter stehenden Ovationen bejubelt wurde. In Bezug auf Banu schrieb sie:
"Nach Angaben rumänischer Forscher diente Ion Vasile Banu beim 89. Regiment, der zur 13. Division gehörte. Diese Division kämpfte 1941 in Transnistrien, im Gebiet Odessa und in weiteren Gebieten der Sowjetukraine. Dort nahm die rumänische Armee, oft in enger Zusammenarbeit mit Einsatzgruppen und SS-Einheiten, am Holocaust teil. Das 89. Regiment befand sich vom 22. bis 24. Oktober 1941 in der Nähe von Odessa, als dort Zehntausende Juden ermordet wurden."
Sacharowa betonte weiter:
"Rumäniens Präsident hat somit wohl erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Auszeichnung für die Teilnahme am Holocaust, dem Völkermord am sowjetischen Volk und andere Kriegsverbrechen verliehen."
Abschließend fragte die Diplomatin ironisch:
"Übrigens, wo bleiben Israels Außenministerium und all die gesellschaftlichen Organisationen, die Fakten der 'Holocaust-Leugnung' so sorgfältig überwachen?"
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