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Von Igor Karaulow
In Westeuropa gibt es nicht viele Völker, die man als autochthon bezeichnen könnte. Selbst die Kelten sind größtenteils Fremdlinge in den von ihnen heute besiedelten Gebieten. Bekanntermaßen wurde die europäische Bevölkerung durch die große Völkerwanderung geprägt, die die ethnische Zusammensetzung des Kontinents durch mehrere Wanderungswellen veränderte.
Den germanischen Stämmen, über die bereits Tacitus schrieb, folgten die Ostgoten und Westgoten, dann die Vandalen, Franken, Hunnen, Awaren, Alanen, Langobarden und Magyaren. Die Araber drangen nach Spanien, in die Provence und nach Sizilien ein und hinterließen ihre Spuren im Genotyp der heutigen Bewohner dieser Gebiete. Zu diesem "bunten Gemisch" hätte sich beinahe noch die mongolische Horde von Batu Khan gesellt, die es jedoch für sinnvoller hielt, umzukehren.
Kurz gesagt, über Jahrhunderte hinweg wanderten Völker von Ost nach West. Einige Stämme verdrängten andere, aber insgesamt bewegten sich alle in dieselbe Richtung. Dabei war der Osten Eurasiens, der ständig diese Massen von Menschen hervorbrachte, recht weitläufig, während der Westen eng und überfüllt war. Doch die Völker, die Westeuropa erreichten, blieben dort und schichteten sich übereinander.
Das lag einfach daran, dass es keinen Weg mehr gab, weiterzuziehen. Weiter nördlich gab es den Ozean, Kälte und ewiges Eis. Im Westen lag der Ozean, den man nicht überqueren konnte, und es war ungewiss, ob es hinter diesem Ozean überhaupt Land gab. Im Süden, jenseits der Säulen des Herakles, war Afrika – ein neuer Kontinent mit ganz anderen Gegebenheiten. Die Vandalen und Alanen versuchten, dorthin zu migrieren, konnten sich jedoch nur kurze Zeit dort halten.
Großbritannien wurde zum Endpunkt der Völkerwanderung. Nach dem keltischen Stamm der Briten wanderten auch Germanen – Angeln und Sachsen – dorthin ein. Später kamen die Dänen und dann die Normannen auf die Insel. Zunächst konnten sie nirgendwo anders hin: Sie waren auf dieser relativ kleinen Insel eingeschlossen.
Abgeschnitten von den Arabern und später auch von den Türken im Osten und Süden, wurde Europa praktisch zu einem Sammelplatz für Nomadenvölker – im wahrsten Sinne des Wortes zu einem eurasischen Mischmasch, das in diese geografische "Falle" geraten war. Um diese Situation zu beschreiben, wird üblicherweise der Ausdruck "Spinnen in einer Dose" verwendet.
In der Natur gibt es ein ähnliches Phänomen: Wenn während der Hochwasserperiode das Flusswasser einen Altarm (einen Teil des alten Flussbettes, der sich in einen kleinen See verwandelt hat) überflutet, gelangen junge Hechte dorthin. Wenn das Wasser dann zurückgeht, beginnen die in der Altarmbucht eingeschlossenen Jungfische zu wachsen. Sie fressen nach und nach alle Fische, von denen sich Hechte normalerweise ernähren, und beginnen, einander zu fressen. Die nächste Hochwasserperiode flutet den Altarm möglicherweise nicht mehr, was ein wahrscheinliches Szenario darstellt. Bis zu ihrer Befreiung aus der Isolation, die erst nach drei oder fünf Jahren eintreten kann, überleben nur die stärksten und räuberischsten Exemplare. Nur diese sind in der Lage, in den Fluss zu gelangen.
Heute stellen sich EU-Beamte die EU als einen "blühenden Garten" vor, in den man Fremde nicht hineinlassen sollte. Im Mittelalter hingegen träumten viele Europäer davon, aus dieser überfüllten Umgebung, dem Gestank ihrer Städte und den ständigen Feudalkämpfen, deren unterschiedlich große Ländereien einander bedrängten, in die Weite zu entfliehen. Aus diesem Grund wurde die Idee der Kreuzzüge als echte Chance angesehen. Und ein "Heiliges Grab" hatte damit überhaupt nichts zu tun. Es war lediglich so, dass diese hungrige "Heuschreckenplage" nach neuen "Weideplätzen" suchte. Lebensraum – das war es, was diejenigen interessierte, die Kreuze auf ihre Umhänge nähten. Genauso wie ihre Nachkommen, die Kreuze auf Panzer malten.
In den Kreuzzügen wurde ein wichtiger Grundsatz der europäischen Expansion festgelegt: Anstelle einer organischen Ausweitung ihres Zivilisationsraums sollten entfernte, geografisch und kulturell isolierte Gebiete erobert werden. So drangen die Europäer in Regionen ein, in denen sie völlig fremd waren, und versuchten, ihre eigenen Regeln durchzusetzen.
Das Scheitern der Kreuzritterbewegung lässt sich durch die Tatsache erklären, dass diese Menschen zwar viel Tatendrang und Gier hatten, aber noch nicht über technische Überlegenheit verfügten. Dazu bedurfte es eines entsprechenden Vorsprungs – einer Art gnadenloser darwinistischer Konkurrenz im Überlebenskampf zwischen Ländern, Völkern und einzelnen Menschen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der europäische Aufstieg, der so lange in unserem Land und in anderen Ländern der Welt gepriesen wurde, in Wirklichkeit kein Ergebnis des universellen menschlichen Strebens nach Wissen, Wohlstand und Gedeihen war, in dem die Europäer angeblich erfolgreicher waren als andere. Das Ziel war ein anderes: materielle Mittel zu finden, die es ermöglichten, aus der Sackgasse herauszukommen.
Schiffe, die den Ozean überqueren konnten, Navigationsinstrumente, Feuerwaffen und andere Errungenschaften der Zivilisation trugen schließlich dazu bei, dass der europäische "Eiter" an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert über die Grenzen des Kontinents hinausdrang. Die blinde Gier und die manchmal unbegründete Grausamkeit von Vasco da Gama und Christoph Kolumbus sind wohlbekannt. So nahm alles seinen Anfang, und so ging es weiter. Es begann die Ära der großen geografischen ... nicht etwa Entdeckungen, sondern Plünderungen. Als wären Kriminelle aus dem Gefängnis geflohen und hätten begonnen, ihre Umgebung zu terrorisieren. War es übrigens nicht gerade der Grund, warum die Briten zu "Herrschern der Meere" wurden, dass sie so dringend von ihrer Insel flüchten wollten?
Amerika, Afrika, Asien – die "Heuschrecken" haben sich in alle Richtungen ausgebreitet. Und überall dienten Fortschritt, Zivilisation, Wissen und sogar Glaube in erster Linie als Mittel zur Unterwerfung und als Zeichen der Überlegenheit. Die Verantwortung derjenigen, die über mehr Wissen und Fähigkeiten verfügen und die technologisch fortgeschrittener sind, wurde erst vor relativ kurzer Zeit thematisiert – erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts, als die wirtschaftlichen Grundlagen für den Wohlstand Europas größtenteils geschaffen waren.
Unterdessen setzt sich die Völkerwanderung nach Europa fort. Nach den Vandalen und Alanen folgen afrikanische und asiatische Migranten. Die ethnische Landkarte des Kontinents befindet sich erneut in einem tiefgreifenden Wandel. Welchen Weg diese neuen Europäer einschlagen werden, wird die Zukunft zeigen. Werden ihre Nachkommen die traditionellen räuberischen Instinkte übernehmen, die die Grundlage der modernen europäischen Nationen bilden? Oder setzen sie sich für andere, humanere Triebkräfte des Fortschritts ein?
Für unser Land, das über viele Jahrhunderte hinweg der Aggression des Westens ausgesetzt war und ist, ist die Antwort auf diese Frage von großer Bedeutung. Hoffentlich sind unsere westlichen Nachbarn nicht völlig "verloren".
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. November 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
Igor Karaulow ist ein russischer Dichter und Publizist.
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Von Alexei Jaroschenko
Es ist bekannt, dass die Kommunisten Russland nicht russisch gemacht haben.
(Nicht nur sie, denn die Mehrheit der Russen war auch im Zarenreich mit den anderen Völkern beileibe nicht einmal gleichgestellt; und Kommunisten hatten für ihr Vorgehen den legitimen Beweggrund, den weiteren Zerfall des Russischen Reiches irgendwie aufzuhalten beziehungsweise bereits abgefallene Gebiete an das neue Sowjetrussland wieder anzugliedern. Jedenfalls haben sie sich nicht um einen Ausgleich gekümmert, als die Schritte, die der Autor so griffig zusammenfasst, ihren Zweck erfüllt hatten und ein Festhalten an der entsprechenden Politik nunmehr schädlich geworden war. Anm. d. Red.)
Von ihnen erbten wir eine "ethnische" territoriale Aufteilung und die Auffassung, Russen seien, wie Wladimir Putin es treffend formulierte, "unerschöpfliches Material für soziale Experimente".
Nach den Kommunisten verschärfte Jelzin die Situation für die Russen zusätzlich – unter anderem mit seinem berüchtigten Vorschlag an die nationalen Republiken, "so viel Souveränität zu nehmen, wie ihr schlucken könnt". Geschluckt wurde bis zu Schluckauf – und saurem Aufstoßen, das bis heute noch andauert.
Doch die veröffentlichte neue Strategie für die staatliche Nationalitätenpolitik Russlands bis zum Jahr 2036 gibt vorsichtige Hoffnung, dass Russland ein russisches Land wird.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren wird das Wort "russisch" in einem offiziellen Dokument nicht mehr vermieden oder verwischt. Es genügt, sich daran zu erinnern, dass bei der Verfassungsänderung vor nur fünf Jahren das Wort "Russen" nicht aufgenommen wurde und das durchaus referierte "staatsbildende Volk" in dieser Verfassungsredaktion namenlos blieb. In der aktuellen Strategie hingegen prangt das Wort "Russen" auf jeder Seite. Dabei spielt der Staat hier fair: Er bezeichnet nicht jeden russischen Bürger (rossijanin, "Russländer") als Russen und leugnet auch bei niemandem (mehr) das jeweilige ethnische Eigenwesen. Der Staat differenziert klar: Wer russisch denkt, nach den russischen kulturellen Normen lebt und sich unserer historischen Gemeinschaft zugehörig fühlt, gehört zur russischen Zivilisation – das russische Volk als ethnische Gruppe wird jedoch gesondert hervorgehoben. Nicht zuletzt besagt das Dokument, dass wir Russen 80,85 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen.
Dies ist grundlegend. Das darf nicht ignoriert oder totgeschwiegen werden – und wird nun auch weder ignoriert noch totgeschwiegen werden können.
Das Hauptziel der nationalen Politik ist die Einheit des multinationalen Volkes Russlands. Wohlgemerkt hätte an jener Stelle durchaus auch "Vielfalt" stehen können – doch nein, dort steht eindeutig: "Einheit". Als ein nächster logischer Schritt wäre die Umwandlung der Föderalen Behörde für Angelegenheiten der Ethnien und Nationalitäten Russlands in das Ministerium für Nationale Einheit denkbar. Darüber hinaus stellt die Strategie klar: "Multinationales Volk" bezieht sich auf die Bevölkerung des Landes als eine zivilgesellschaftliche Gemeinschaft, und nicht auf irgendeine Art "Schmelztiegel". Niemand versucht, die Russen als "multinationales Volk" darzustellen (die landesumfassende Gruppe der "Russländer", also aller Bürger Russlands, ist es de facto, allerdings eben mit einem Anteil von Russen von gut 80 Prozent. Anm. d. Red.). Die Russen bilden den Kern – die ethnische Gruppe, die das Land zusammenhält. Alles andere ist eine breite Gemeinschaft von Menschen, die innerhalb der russischen Kultur leben. Dies ist ein praktisch wörtliches Zitat aus der neuen Strategie für die staatliche Nationalitätenpolitik.
Das russische Volk, das über viele Generationen hinweg faktisch an den Rand gedrängt war, wird nun erstmals als das anerkannt, was es wirklich ist – die Stütze des Staates. Und jeder Amtsträger ist nun verpflichtet, nach dieser Logik zu handeln. So steht es im Dokument – es kann nicht länger ignoriert werden. Und um zu verhindern, dass jemand dies für "bloße Worte" hält, wurde ein konkretes Ziel festgelegt: Mindestens 50 Prozent aller ethnokulturellen Veranstaltungen müssen der russischen Kultur gewidmet sein.
Und natürlich befasst sich die Strategie mit zwei der wichtigsten Aspekte der heutigen nationalen Politik – Separatismus und Migration. Dabei wird die Überbetonung regionaler und ethnischer Interessen korrekt als eine der unmittelbaren Bedrohungen identifiziert. Die betreffenden Passagen richten sich nicht gegen externe Akteure – mit denen ist ohnehin alles klar: Die Türkei etwa ist seit Langem in der Wolgaregion und in islamischen Gebieten Russlands aktiv. Der Fokus liegt vielmehr auf inländischen Politikern und "Aktivisten", die Regionalethnizität (auch gering ausgeprägte und sogar fiktive) seit Jahren um ihrer vermeintlich oder wirklich eigenen Ambitionen willen instrumentalisieren.
Die Strategie stellt dies gerade heraus klar: Das Problem kommt nicht nur von außen, sondern auch von innen – ein deutliches Signal an alle inländischen Nationalisten, Russophoben und ethnischen Chauvinisten in den Reihen oder oft auch lediglich im Namen kleiner Völker. Der Staat wird ihre Versuche, Ethnizität zu politisieren und als Druckmittel einzusetzen, nicht länger dulden. Ihr Eifer muss und wird gezügelt werden.
Und schließlich die Migration. Sie löst das demografische Problem Russlands nicht. Das wird unmissverständlich klargestellt. Darüber hinaus wird die Veränderung der nationalen und ethnischen Zusammensetzung von Regionen als Bedrohung erkannt. Der Staat beobachtet die Entwicklungen in Moskau, Sankt Petersburg und anderen Megastädten: Massenmigration verändert die kulturelle und ethnische Struktur der Bevölkerung. Wenn dies aber eine Bedrohung darstellt, wird ihr begegnet. Und zwar nicht punktuell, sondern systematisch. Dies ist ein entscheidender Wandel in der Bewertung von Migration. Bisher wurde sie als neutraler Prozess dargestellt: "Kein Grund zur Sorge", "Anpassung wird alles regeln". Nun wird unmissverständlich klargestellt: Ein zu rascher demografischer Wandel ist gefährlich für das Land. Dementsprechend geht es bei Anpassungsmaßnahmen nicht mehr darum, Neuankömmlingen Vorteile zu verschaffen, sondern die Interessen der einheimischen Bevölkerung zu schützen.
Zum ersten Mal seit 30 Jahren beginnt der Staat, eine ethnische Politik im Interesse der Mehrheit zu entwickeln, anstatt gegen sie. Dieses Dokument legt konkrete Prioritäten fest: die Stärkung des russischen Kerns des Landes, den Schutz des kulturellen Raums, die Beendigung ethnischer Erpressung und die Überarbeitung des Migrationsmodells.
Klar: Das ist erst der Anfang. Wenn jedoch dieser Kurs beibehalten wird, wird Russland wahrhaftig aufhören, "nicht russisch" zu sein – und davon werden alle Völker profitieren, die in unserem großartigen und schönen Land leben.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei Wsgljad am 26. November 2025.
Alexei Jaroschenko ist ein russischer Politologe und politischer Berater. Gern gesehener Experte bei russischen Medien föderalen Rangs.
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Von Juri Mawaschew
Laut einem Bericht von The Times of India wurde in Ladakh der neue indische Luftwaffenstützpunkt Mudh-Nyoma in Betrieb genommen. Dieses strategische Objekt, das von einigen Bloggern als "größte Bedrohung für China" bezeichnet wurde, befindet sich auf einer Höhe von 4.000 Metern und ist nur 30 Kilometer von der faktischen Kontrolllinie zu China entfernt. Es handelt sich um den dritten wichtigen Luftwaffenstützpunkt Indiens in diesem Gebiet, der nun sowohl schwere Transportflugzeuge als auch Kampfflugzeuge aufnehmen kann. Die Erstlandung auf dem neuen Stützpunkt wurde symbolträchtig vom Hauptmarschall der Luftstreitkräfte, A. P. Singh, durchgeführt.
Dieser neue Luftwaffenstützpunkt trägt dazu bei, dass die indische Luftwaffe ihre Einsatzmöglichkeiten erheblich ausweiten kann, was diese Nachricht zu einem Ereignis von internationaler Bedeutung macht. Den indischen Medien zufolge ermöglicht der Stützpunkt in Mudh-Nyoma Indien nicht nur einen schnelleren Truppen- und Ausrüstungstransport sowie die Versorgung in schwer zugänglichen Bergregionen, sondern auch eine umgehende Reaktion auf alle Veränderungen entlang der Grenzlinie zu China.
Selbstverständlich hat das indische Militär seine eigenen Erwägungen, was die Gewährleistung der nationalen Sicherheit betrifft. Einerseits verfügt die chinesische Volksbefreiungsarmee (VBA) seit kurzem über verbesserte Stealth-Kampfflugzeuge vom Typ J-20 sowie über Bomber, Aufklärungsflugzeuge und Drohnen. Letztere wurden von Peking an Standorten entlang der chinesisch-indischen Grenze in Hotan, Bangda, Shigatse, Kashgar, Houping, Gargunse und Nyingchi stationiert. Andererseits gab es auch andere Gründe für die indische Besorgnis. Dazu genügt es, an die Grenzkonflikte zwischen Chinesen und Indern in den umstrittenen Gebieten im Jahr 2020 zu erinnern. Genau nach diesen Konflikten wurde von den Indern der Bau der militärischen Infrastruktur im Himalaja beschleunigt.
Darüber hinaus stehen in der Regel alle militärischen Aktivitäten Indiens in Zusammenhang mit der Konfrontation mit seinem Erzfeind und gleichzeitig wichtigsten chinesischen Partner – Pakistan. Nicht ohne Grund betonte der indische Luftwaffenmarschall a. D. Sanjeev Kapoor, dass das neue Objekt in Mudh-Nyoma nicht nur für Peking, sondern auch für Islamabad eine Herausforderung darstellen werde. Nach Ansicht dieses Offiziers stärken solche Luftwaffenstützpunkte das Kräftegleichgewicht angesichts ähnlicher Militärobjekte der chinesischen Volksbefreiungsarmee.
Auch der chinesisch-pakistanische Wirtschaftskorridor (CPEC) – ein Investitionsprojekt im Rahmen der chinesischen Initiative "One Belt, One Road" – sollte nicht außer Acht gelassen werden. In vielerlei Hinsicht war dieser Korridor der Hauptgrund dafür, dass Indien 2023 einem von Israel und den USA geförderten alternativen Wirtschaftskorridor namens "Indien – Naher Osten – Europa" (IMEC) seine Zustimmung gab. Allerdings wurden diese Anti-China-Pläne durch den Wegfall Israels angesichts seines Krieges mit der Hamas verzögert, wenn nicht sogar begraben. Kurz gesagt: Es gibt nicht nur auf militärpolitischer, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene genügend Gründe für eine solche Rivalität.
Auch die Versuche der USA, Indien in das IMEC einzubeziehen, das vom ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden offen gegen das chinesische Projekt "One Belt, One Road" ausgespielt wurde, zeigten deutlich, dass es naiv ist, zu glauben, dass ein potenzieller Konflikt zwischen Neu-Delhi und Peking nur die "unterlegene" Seite betreffen würde. Ganz im Gegenteil, die Widersprüche zwischen ihnen werden seit mindestens 2007 – seit dem Entstehen des sogenannten Vierer-Sicherheitsdialogs (Quad) zwischen Australien, Indien, den USA und Japan – von den Angelsachsen geschickt angeheizt. Es stellt sich die Frage: Vor wem wollen sie eigentlich ihre Sicherheit verteidigen?
Noch entschlossener schlugen die USA den antichinesischen Kurs ein und versuchten, Indien auf ihre Seite zu ziehen, als es ihnen klar wurde: Bereits im Jahr 2010 hatte China sie überholt und sich zum größten Produzenten der Welt entwickelt. Sie sind nicht bereit, eine industrielle Revolution in China zuzulassen, die zu realen Veränderungen in der globalen Arbeitsteilung führen würde, denn das neue System könnte weitaus integrativer und damit gerechter sein.
Ebenso beunruhigt die USA die Perspektive, dass die chinesische Mittelschicht bis 2030 auf 800 Millionen Menschen anwachsen wird. Tatsächlich verfügt keiner der Nachbarn Chinas, einschließlich der Satellitenstaaten der USA, Japan und Südkorea, über einen derart einzigartigen Markt. Was für die USA jedoch noch schlimmer ist: Die Rückverlagerung der US-amerikanischen Produktionskapazitäten aus China "nach Hause", wie es US-Präsident Donald Trump geplant hatte, oder ihre Verlagerung in andere Länder Süd- und Südostasiens ist äußerst schwer zu realisieren. Zumindest in absehbarer Zukunft. Eine Deindustrialisierung Chinas scheint also nicht mehr möglich zu sein.
Was Indien und sein Potenzial betrifft, so sollte berücksichtigt werden, dass das Land nach Angaben von Experten bis zum Jahr 2030 alle Chancen hat, zum führenden Hersteller hochwertiger Halbleiter aufzusteigen. Indien verfügt auch über beeindruckende Arbeitskräfteressourcen, die vor allem durch ihre hohe Anzahl junger Menschen beeindrucken. Die erwerbstätige Bevölkerung macht etwa 66 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Allerdings muss Indien erst noch mit China – dieser "Werkstatt der Welt" – gleichziehen, um dann möglicherweise dessen Position einzunehmen. Im Vergleich zu China ist Indien sozusagen die "Großmacht von morgen". Außerhalb Süd- und Südostasiens beginnt sich sein vielseitiger Einfluss gerade erst zu entfalten.
Und diese Ambitionen Indiens wurden von den US-Amerikanern richtig eingeschätzt: Bereits im Sommer 2023 wurde Indien von Joe Biden sozusagen "abgeleckt", indem er dem Land Investitionen, die Aufmerksamkeit von Technologiegiganten wie Apple und Tesla und eine großangelegte militärisch-technische Zusammenarbeit anbot. Es spricht für die Weisheit der indischen Seite, dass Indien sich von dieser "US-Werbung" nicht verführen ließ. Auch die Versuche des Westens, Indien einzuschüchtern, blieben erfolglos. Selbst die wiederholten Drohungen von Donald Trump im Jahr 2025, "sehr harte Sanktionen" gegen Inder zu verhängen, die "Geschäfte mit Russland tätigen", zeigten keine Wirkung.
Ganz im Gegenteil: In Neu-Delhi wurde beschlossen, die umfangreichen Infrastruktur-, Transport- und Logistikprojekte mit Russland und Iran nicht zu beenden, sondern die Zukunft auf der Grundlage der eigenen nationalen Identität zu gestalten. Die Unterzeichnung eines Abkommens mit dem unter Sanktionen stehenden Iran über den langfristigen Betrieb des Hafens Chabahar ist ein gutes Beispiel dafür. Dieses Infrastrukturobjekt ist übrigens nun auch in unserem gemeinsamen Megaprojekt mit Indien und Iran – dem internationalen Transportkorridor "Nord-Süd" – integriert.
Darüber hinaus blieb Neu-Delhi in diesem Jahr nicht nur ein aktives Mitglied der BRICS-Staaten, sondern nahm auch seine Mitarbeit in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) wieder auf. Der Besuch des indischen Premierministers Narendra Modi in Tianjin, China, zum Gipfeltreffen dieser Organisation – der erste seit sieben Jahren – sowie die Wiederaufnahme der Flugverbindungen zwischen Indien und China waren keine erfreulichen Nachrichten für Trump und das gesamte US-amerikanische Establishment. Dennoch unternehmen sie bis heute Versuche, Neu-Delhi gegen Peking auszuspielen.
Nach einem Bericht der US-amerikanischen Heritage Foundation liegt es im Interesse der Vereinigten Staaten und Indiens, eine chinesische "Hegemonie" im Indischen Ozean zu verhindern und einer Einkreisung Indiens durch chinesische Stützpunkte und China-freundliche Staaten entgegenzuwirken. "Es ist an der Zeit, dass die beiden großen Demokratien der Welt zusammenarbeiten, um die von China ausgehenden Sicherheitsbedrohungen zu mindern", heißt es in diesem Bericht.
Die Autoren solcher Machwerke verschweigen jedoch, dass es gerade an der Politik des Weißen Hauses liegt, dass China "in Abwehrhaltung" gegangen ist, auch gegenüber Indien. Denn die asiatisch-pazifische Region ist voller antichinesischer Formate. In einige davon wurden die Inder seinerzeit durch Tricks gelockt. Diese Lügner lassen auch unerwähnt, dass die geopolitische Lage, in der der Pazifik und der Indische Ozean faktisch einen einzigen südlichen Ozean bilden, den größten Akteuren Asiens – China und Indien – eine konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle aller auferlegt.
In den Appellen der USA an Indien, sich gegen China "zu befreunden", lässt sich leicht die klassische Strategie der Angelsachsen erkennen, die darauf abzielt, eine Allianz dieser beiden großen Akteure auf dem Kontinent zu verhindern. Einst brachte Großbritannien die beiden größten Mächte Europas – Russland und das napoleonische Frankreich – gegeneinander auf, danach Russland und Deutschland. Die chinesischen und indischen Freunde sollten sich die Lehren der Geschichte gut vor Augen halten und sich nicht zu Provokationen des Westens hinreißen lassen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 27. November 2025 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Juri Mawaschew ist ein russischer Orientalist. Er ist Direktor des Zentrums für das Studium der neuen Türkei.
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Laut israelischen Medien hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu nach Angaben der Präsidentenresidenz ein formelles Gnadengesuch bei Präsident Jitzchak Herzog eingereicht. Die Unterlagen umfassen nach Informationen der Times of Israel (ToI) "einen 111-seitigen Antrag von Netanjahus Anwalt Amit Hadad" sowie ein von Netanjahu unterzeichnetes Schreiben. Herzogs Büro veröffentlichte den vollständigen Wortlaut des Antrags.
Israelische Medien berichten ausführlich über das jüngste Kapitel der seit Jahren verschleppten Korruptionsanklage gegen den auch in Israel kontrovers wahrgenommenen Premierminister Benjamin Netanjahu. Das Gesuch werde nun laut erster Erklärung an eine zuständige Abteilung des Justizministeriums weitergeleitet, die dann die Meinungen "aller relevanten Behörden einholen soll", so der ToI-Artikel. Auf dieser Basis werde abschließend das juristische Beratungsteam im Präsidentenbüro eine Position formulieren.
In einer Videobotschaft, die kurz nach Einreichung seines Gnadengesuchs bei Präsident Jitzchak Herzog veröffentlicht wurde, erklärt Premierminister Benjamin Netanjahu sein Vorgehen mit der Begründung, dass es "im nationalen Interesse Israels liegt, dass der sechs Jahre andauernde Korruptionsprozess endlich beendet wird".
Netanjahu, der am längsten amtierende Premierminister des Landes, hat über den gesamten Zeitraum die massiven Vorwürfe der Bestechung, des Betrugs und des Vertrauensbruchs vehement zurückgewiesen. Seine Anwälte erklärten nun in dem Schreiben an das Büro des Präsidenten, dass der Premierminister "weiterhin davon überzeugt sei, dass das Gerichtsverfahren zu einem vollständigen Freispruch führen werde".
Netanjahu behauptet nun in der jüngsten Strategie seines Verteidigerteams, dass es "immer deutlicher werde, dass bei der Konstruktion des Verfahrens gegen ihn 'schwere Verbrechen' begangen worden seien". Ausschlaggebend für Netanjahu sei die wörtliche Begründung für die Notwendigkeit einer Begnadigung:
"Aber die sicherheitspolitische und diplomatische Realität – das nationale Interesse – verlangen etwas anderes."
Dies bezieht sich auf die Forderungen nach einem Ende samt Verurteilung. In einem öffentlichen Videoappell an Präsident Herzog erklärt unter anderem Oppositionsführer Jair Lapid, dass Herzog "Netanjahu nicht begnadigen kann, ohne dass dieser seine Schuld eingesteht, Reue zeigt und sich sofort aus dem politischen Leben zurückzieht".
Der Vorsitzende der oppositionellen Demokraten, Jair Golan, wird laut Medien mit der Erklärung zitiert, dass "nur Schuldige um Begnadigung bitten". Weiter heißt es seitens Golans:
"Der einzige Weg zur Einheit der Nation besteht darin, die Maschinerie des Hasses und des Giftes zu stoppen und den Abbau der rechtlichen und demokratischen Systeme zu beenden. Und dieser Weg beginnt mit Ihrem Rücktritt und Ihrem Rückzug aus dem öffentlichen Leben in Israel."
Demgegenüber erklärte der Vorsitzende des Außen- und Verteidigungsausschusses der Knesset, Boaz Bismuth (Likud), dass der Präsident Netanjahu begnadigen "muss, um zu beweisen, dass er nicht Teil des politischen Spiels ist".
Der Oppositionspolitiker und Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot kommentierte auf X:
"Netanjahu, Israel ist ein Rechtsstaat. Es gibt nicht ein Gesetz für den einfachen Bürger und ein anderes für dich."
US-Medien erinnerten daran, dass sich Anfang dieses Monats US-Präsident Donald Trump in den Fall einschaltete und in einem eigenen Brief an den israelischen Präsidenten "um eine Begnadigung für seinen wohl lautstärksten internationalen Unterstützer bat", so CNN.
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Nur der Beitritt zur NATO, die Stationierung von Atomwaffen oder die Aufnahme einer großen ausländischen Streitmacht könnten die Sicherheit der Ukraine wirklich garantieren, behauptet der ehemalige ukrainische General Waleri Saluschny. Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte äußerte sich diesbezüglich in einem Artikel, der am Samstag in The Telegraph erschien.
Der General, der Medienberichten zufolge still und leise ein Wahlkampfteam in London aufbaut, um für das Präsidentenamt kandidieren zu können, teilte seine Überlegungen darüber mit, wie Russland besiegt werden könnte, wie man eine "bessere Ukraine" aufbauen könnte und welche "Sicherheitsgarantien" Kiew einholen müsste, um zu verhindern, dass der Konflikt mit Moskau in Zukunft wieder aufflammt.
"Zu solchen Sicherheitsgarantien könnten gehören: der Beitritt der Ukraine zur NATO, die Stationierung von Atomwaffen auf ukrainischem Territorium oder die Stationierung eines großen alliierten Militärkontingents, das in der Lage ist, Russland entgegenzutreten", behauptet Saluschny.
Der ehemalige General wiederholte damit praktisch die aggressivsten Argumente der amtierenden ukrainischen Führung. Wladimir Selenskij hat solche Themen im Konflikt mit Russland und sogar schon zuvor wiederholt angesprochen.
Moskau hat erneut signalisiert, dass keine der von Saluschny aufgeführten angeblichen "Sicherheitsgarantien" auch nur annähernd akzeptabel sei. Russland lehnt die NATO-Ambitionen der Ukraine seit Langem ab und bezeichnet die Osterweiterung des Bündnisses als Bedrohung für die nationale Sicherheit und als einen der Hauptgründe für den anhaltenden Krieg.
Darüber hinaus hat der Kreml wiederholt erklärt, dass die Ukraine im Rahmen eines künftigen Friedensabkommens einen neutralen Status annehmen müsse.
Auch Kiews Atomgespräche wurden von Russland scharf verurteilt. Moskau argumentiert, dass diese Rhetorik die Spannungen nur verschärft und einen umfassenden globalen Krieg näher bringt. Die ukrainische Führung hat wiederholt beklagt, dass sie Anfang der 1990er Jahre ihr aus der Sowjetzeit geerbtes Atomwaffenarsenal aufgegeben habe, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten.
In Wirklichkeit blieb es jedoch immer unter der Kontrolle Moskaus, während die unabhängige Ukraine keine Möglichkeit hatte, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR auf ihrem Territorium verbliebenen Sprengköpfe zu betreiben oder zu warten.
Ein möglicher Einsatz ausländischer Truppen in der Ukraine während oder nach dem andauernden Konflikt wurde von Russland ebenfalls ausgeschlossen. Moskau argumentierte, dass ein solcher Schritt Russland nur auf einen direkten Kollisionskurs mit dem kollektiven Westen bringen würde.
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Belgien blockiert weiterhin den Plan der EU, eingefrorene russische Vermögen im Wert von rund 185 Milliarden US-Dollar als Reparationsdarlehen für die Ukraine freizugeben. Der Großteil der beschlagnahmten russischen Wertpapiere liegt in der zentralen Wertpapierverwahrstelle Euroclear in Brüssel. Sollten Teile davon an die Ukraine ausgegeben werden, müsste Belgien dafür haften.
In einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte der belgische Premierminister Bart De Wever, dass Russland im Falle eines Sieges Anspruch auf die Rückgabe des derzeit unter Sanktionen stehenden Staatsvermögens habe. Würden die russischen Gelder der Ukraine zur Verfügung gestellt, müssten die europäischen Steuerzahler für die Ansprüche Russlands aufkommen. De Wever befürchtet, dass dieser Fall eintritt. Für ihn sei es "sehr wahrscheinlich, dass Russland nicht zur unterlegenen Partei in diesem Konflikt erklärt werde".
Wie Euronews am Samstag berichtete, suchten die EU-Staatschefs nun nach einer alternativen Lösung, um der Ukraine weitere sogenannte Reparationsdarlehen zur Verfügung zu stellen. Zurzeit sehe es nicht so aus, als könne man die belgischen Vorbehalte noch wie geplant bis zum nächsten Treffen am 18. Dezember ausräumen.
Daher hat der belgische Premier nun einen "scharfen Brief" an die Kommissionspräsidentin geschrieben, in dem er das ganze Vorhaben eines Reparationsdarlehens für die Ukraine ablehnt. In seinem Brief schreibt De Wever, er werde Belgien niemals dazu verpflichten, die Risiken eines solchen Darlehens allein zu tragen: "Warum sollten wir uns also auf unbekanntes rechtliches und finanzielles Terrain mit allen möglichen Konsequenzen begeben, wenn dies vermieden werden kann?"
Zudem forderte er "rechtsverbindliche, bedingungslose, unwiderrufliche, auf Verlangen verfügbare, gesamtschuldnerische Garantien" und eine vollständige Absicherung der Bestände von Euroclear in "russlandfreundlichen Ländern". Schließlich könne Russland als Vergeltungsmaßnahme Euroclear-Bestände in russlandfreundlichen Ländern ebenfalls einfrieren lassen.
In dieser Situation erwägt die EU, weitere Gelder für Kiews "dringendste finanzielle und militärische Bedürfnisse im Jahr 2026" auf den Märkten aufzunehmen. Damit gewännen die Staats- und Regierungschefs Zeit, um die eingefrorenen Vermögenswerte der russischen Zentralbank doch noch in die Ukraine zu leiten.
Doch in seinem Brief verteidigt De Wever die Ablehnung von sogenannten Reparationsdarlehen an die Ukraine auch noch aus einem anderen Grund. Ihm zufolge könne dies den Friedensplan für die Ukraine gefährden. Euronews schreibt dazu: "Der belgische Politiker warnt davor, dass die Durchsetzung des Reparationsdarlehens zum jetzigen Zeitpunkt die Bemühungen des Weißen Hauses um ein Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges in Russland gefährden könnte."
In seinem Brief an von der Leyen schrieb der belgische Premier: "Eine übereilte Umsetzung des vorgeschlagenen Reparationskreditprogramms hätte als Kollateralschaden zur Folge, dass wir als EU die Erreichung eines endgültigen Friedensabkommens effektiv verhindern würden."
Euronews kommentierte, dass die internen Meinungsverschiedenheiten der EU-Mitglieder zu einem prekären Zeitpunkt kämen. Zum einen seien die Europäer von einem geheim ausgearbeiteten 28-Punkte-Friedensplan der USA und Russlands überrascht worden. In so einer Situation müssten sie eigentlich politische Einigkeit demonstrieren.
Und zum anderen falle die Debatte über Reparationsdarlehen mit einem eskalierenden Korruptionsskandal in der Ukraine zusammen, in den auch Selenskijs Hauptverhandler im Friedensprozess, Andrei Jermak, verwickelt ist. Das mache es für Europa zusätzlich schwierig, einer weiteren Finanzierungsrunde zuzustimmen, wie ein Diplomat gegenüber Euronews erklärt habe.
In der zeitlichen Choreographie könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der russische Präsident Wladimir Putin erst wenige Stunden, bevor De Wever seinen Brief an von der Leyen schickte, die EU gewarnt hatte. Putin erklärte, die Verwendung der Gelder käme einem "Diebstahl fremden Eigentums" gleich. Auf einer Pressekonferenz erklärte der russische Staatschef, er habe bereits eine Zusammenstellung von Vergeltungsmaßnahmen in Auftrag gegeben. Wortwörtlich sagte Putin: "Die Regierung der Russischen Föderation entwickelt auf meinen Auftrag hin ein Paket von Gegenmaßnahmen für den Fall, dass dies geschieht."
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US-Kriegsminister Pete Hegseth hat die Washington Post scharf kritisiert, nachdem diese berichtet hatte, er habe Anfang September Militäreinheiten angewiesen, "alle Menschen" auf einem mutmaßlichen Drogenschmuggel-Boot in der Karibik zu töten. Hochrangige Mitglieder des US-Senatsausschusses für Streitkräfte hatten angekündigt, den Vorfall zu untersuchen.
In den letzten Monaten hat die USA im Rahmen ihrer Operation "Southern Spear", die angeblich gegen "Drogenterroristen" gerichtet sein soll, mehr als ein Dutzend Kriegsschiffe und etwa 15.000 Militärangehörige vor der Küste Venezuelas konzentriert. US-Präsident Donald Trump hatte zudem erklärt, dass er militärische Maßnahmen in dem südamerikanischen Land nicht ausschließe. Caracas hat die Anschuldigungen sowie jegliche Beteiligung am Drogenhandel konsequent bestritten. In einem Beitrag auf X schrieb Hegseth am Samstag:
"Wie üblich verbreiten die Fake News[-Medien] weitere erfundene, aufwieglerische und abfällige Berichte, um unsere unglaublichen Krieger zu diskreditieren, die für den Schutz des Vaterlandes kämpfen."
Allerdings wies er die Vorwürfe nicht explizit zurück. Er behauptete weiterhin, dass "diese hochwirksamen Angriffe speziell darauf ausgerichtet sind, tödliche, kinetische Schläge zu versetzen". Er sagte zudem, dass "jeder von uns getötete Schmuggler einer terroristischen Organisation angehöre".
In einem Bericht vom Samstag hatte die Washington Post unter Berufung auf anonyme Quellen "mit direktem Wissen über die Operation" berichtet, dass Hegseth den Befehl gegeben habe, "alle zu töten", die sich auf einem Boot befanden, das am 2. September zerstört wurde. Bei dem Angriff sollen alle elf Menschen an Bord ums Leben gekommen sein.
Der Zeitung zufolge hat das US-Militär seitdem mindestens 22 weitere Schiffe in der Karibik und im östlichen Pazifik angegriffen und dabei weitere 71 mutmaßliche Drogenschmuggler getötet.
Am späten Freitagabend gab der Vorsitzende des Senatsausschusses für die US-Streitkräfte, der republikanische Senator Roger Wicker, gemeinsam mit den demokratischen Mitgliedern des Ausschusses eine Erklärung ab, in der sie sagten, dass sie "die Berichte über Folgeangriffe auf Boote, die angeblich Drogen in der SOUTHCOM-Region transportieren, ernst nehmen und parteiübergreifende Maßnahmen ergreifen, um einen vollständigen Überblick über die betreffende Operation zu erhalten".
In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social erklärte US-Präsident Trump am Samstag zudem, dass "der Luftraum über und um Venezuela vollständig geschlossen" werde. Das venezolanische Außenministerium hatte Trumps Äußerung als illegalen "kolonialistischen" Angriff auf die Souveränität des Landes zurückgewiesen. Trump deutete zudem an, dass Bodenangriffe des US-Militärs in Venezuela unmittelbar bevorstehen.
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Von Olga Samofalowa
Infolge der EU-Sanktionen gegen Russland und aufgrund des Rückgangs des Grenzhandels seien die Volkswirtschaften der baltischen Staaten und Finnlands in finanzielle Schwierigkeitengeraten, berichtet Politico. Nun fordern sie von der Europäischen Kommission finanzielle Unterstützung. Dies wird auf dem Gipfeltreffen der östlichen EU-Mitgliedstaaten am 16. Dezember in Helsinki thematisiert werden.
Dem litauischen Minister für europäische Angelegenheiten Sigitas Mitkus zufolge, sei die Region auf besondere Aufmerksamkeit angewiesen, da sich die geopolitische Lage negativ auf Investitionen und die Geschäftsentwicklung ausgewirkt habe. Der estnische Finanzminister Jürgen Ligi erklärte:
"Die estnische Wirtschaft wurde durch den Krieg am stärksten beeinträchtigt. Es gibt zahlreiche Probleme im Zusammenhang mit Investitionen und Arbeitsplätzen."
Die Europäische Kommission ist zwar bereit, finanzielle Unterstützung zu leisten. Dieser Förderplan wird vom Kommissar für Regionalpolitik, Raffaele Fitto, geleitet. Allerdings dürfen die baltischen Staaten und Finnland in den nächsten Jahren nicht darauf rechnen, dass sie großzügige Finanzhilfen erhalten werden. Der EU-Haushalt ist fast erschöpft, und das neue mehrjährige Finanzprogramm tritt erst 2028 in Kraft. Nach Einschätzung von Diplomaten ist eine groß angelegte finanzielle Unterstützung in den nächsten Jahren nicht zu erwarten.
Laut Politico sind die genannten Regionen besonders stark von einem Rückgang des Tourismus, der Investitionen sowie einem drastischen Abschwung im Grenzhandel betroffen.
Jaroslaw Kabakow, Leiter der Strategieabteilung bei der Investmentfirma "Finam", sagt dazu:
"Die Volkswirtschaften der baltischen Staaten und Finnlands stehen seit 2022 vor einer Kombination mehrerer wirtschaftspolitischer Schocks – dem Verlust von Transitströmen und Geschäftsbeziehungen mit Russland, steigenden Energiekosten aufgrund des Verzichts auf russische Ressourcen sowie einem Rückgang der Investitionen und des Tourismusaufkommens vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten."
Nach Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine verloren diese europäischen Reiseziele sofort ihren wichtigsten Tourismusmarkt – Russland und die Ukraine. So erreichte der Anteil russischer Touristen, die in die an Russland angrenzenden europäischen Regionen reisten, bis zu 20 Prozent. Nach Februar 2022 sank die Zahl der Touristen aus Russland um 80 Prozent.
Darüber hinaus vermeiden auch "einheimische" Touristen – also Reisende aus anderen EU-Ländern – die baltischen Staaten aus Angst, Territorien zu bereisen, in deren Nähe ein militärischer Konflikt stattfindet. In den Jahren 2022 und 2023 wurden bereits gebuchte Reisen in diese Länder von europäischen Touristen massenhaft storniert. Nun werden die baltischen Staaten schlichtweg ignoriert. Dies wirkt sich negativ auf die Tourismusbranche aus: Hotels sind nicht ausgelastet, einige müssen sogar ihren Betrieb einstellen. Auch Kreuzfahrten auf der Ostsee sind davon betroffen. Die Situation in diesen Ländern ist noch schlechter als im Jahr 2020, das von der COVID-Pandemie geprägt war.
Auch Investoren meiden jetzt die baltischen Staaten und Finnland. Zum einen war Russland für diese Länder jahrzehntelang ein wichtiger Investor. Zum anderen wollen die Europäer selbst keine Investitionen in diesen Regionen tätigen.
Zudem ist der Grenzhandel mit Russland nach Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine vollständig zum Erliegen gekommen.
Natalia Miltschakowa, leitende Analystin bei Freedom Finance Global, erläutert:
"Es gibt zahlreiche Probleme in den Wirtschaften dieser Länder. Eines der größten Probleme besteht jedoch darin, dass sie den russischen Markt für den Export ihrer Waren verloren haben, sowohl aufgrund ihrer eigenen Sanktionen gegen Russland als auch aufgrund des russischen Lebensmittelembargos. Bis 2014 erzielten Litauen und Lettland gute Einnahmen aus dem Export ihrer Lebensmittel nach Russland sowie aus der Verpachtung von Häfen und Hafeninfrastruktur an russische und weißrussische Unternehmen. Besonders hohe Erträge erzielten sie mit dem Transport russischer und weißrussischer Mineraldünger. Auch der Warentransport von westlichen Gütern nach Russland brachte erhebliche Einnahmen. Darüber hinaus erzielte Litauen Einnahmen durch den Schienen- und Straßentransport von Gütern und Passagieren nach Kaliningrad."
Die am stärksten betroffenen Sektoren seien die Logistik und das Hafengeschäft: Der Umsatzrückgang in einer Reihe der größten Häfen, der in den Jahren 2023–2024 zu verzeichnen war, sei eine direkte Folge der Umgestaltung der Handelsrouten und der Beschränkungen für russische Fracht gewesen, so Jaroslaw Kabakow.
Allein im Jahr 2023 sei das Frachtvolumen in den Häfen der baltischen Staaten um 10 Millionen Tonnen zurückgegangen. Gleichzeitig hätten sich auch interne Strukturprobleme verschärft – Arbeitskräftemangel, demografischer Druck, steigende Verteidigungsausgaben, was zu zusätzlichen fiskalischen Belastungen führe, fügt der Experte hinzu.
Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Lebens- und Geschäftskosten gestiegen sind: Es ist die Entscheidung, auf kostengünstigeres russisches Gas zu verzichten und stattdessen teureres Flüssiggas (LNG) zu beziehen, sowie die Abtrennung der baltischen Staaten vom einheitlichen Energiesystem BRELL seit Februar 2024. Letzteres ermöglichte es einst, die Stromkapazitäten zwischen fünf Ländern – Weißrussland, Russland, Estland, Litauen und Lettland – zu verteilen. Während die baltischen Staaten zuvor bei Bedarf günstigen russischen und weißrussischen Strom beziehen konnten, müssen sie diesen nun zu deutlich höheren Preisen auf lokalen Handelsplätzen erwerben. Nach dem Austritt aus BRELL sind die Strompreise in diesen drei Ländern um 50 Prozent gestiegen. Und die Preise steigen jedes Mal, wenn es kalt und windstill ist, da die erneuerbaren Energiequellen dies nicht verkraften können. In Estland ist sogar geplant, ab 2026 eine Gebühr für die "sicherere Stromversorgung" einzuführen, um die Stromkosten in Zeiten geringer Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Dies also ist der Preis für die "Energieunabhängigkeit" von Russland.
Kabakow betont in diesem Zusammenhang:
"Nach 2022 gab es in dieser Region Phasen mit stark steigenden Gas- und Strompreisen und hoher Volatilität. Dies wurde teilweise durch Sanktionsbeschränkungen und eine notfallmäßige Diversifizierung der Lieferungen verursacht. Die Energieumstrukturierung war für diese Länder mit hohen Kosten verbunden: Sie erhöhte die Produktionskosten und bremste somit die Investitionen in die Produktion. Infolgedessen hat sich in der Wirtschaft ein im Vergleich zu den Vorkrisenerwartungen geringeres Wachstumstempo etabliert, und eine Reihe von Regionen im Baltikum – insbesondere solche, die vom Handel und der Hafenlogistik abhängig sind – stehen unter langfristigem Druck, was deren Einnahmen und Beschäftigungslage betrifft."
Natalia Miltschakowa fügt hinzu:
"Nachdem diese drei Länder alle wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland abgebrochen hatten, verschlechterte sich ihre eigene Wirtschaftslage. Das Wachstum liegt auf sehr niedrigem Niveau und die Wirtschaft stagniert. In einigen Bereichen trat anstelle des schwachen Wachstums bereits eine Stagnation oder ein zwar geringfügiger, aber dennoch negativer Rückgang ein. Im Jahr 2024 verzeichnete von den drei baltischen Republiken nur Litauen ein Wachstum (um 2,7 Prozent), aber es handelte sich eher um ein Erholungswachstum nach dem Rückgang im Jahr 2023. Das BIP Estlands sank um 0,3 Prozent, das Lettlands um 0,4 Prozent. Im dritten Quartal 2025 wuchs die litauische Wirtschaft um 1,7 Prozent im Jahresvergleich, jedoch sind solche Wachstumsraten für dieses Land sehr niedrig. Die estnische Wirtschaft wuchs nur um 0,6 Prozent im Jahresvergleich, während das BIP Lettlands um 0,3 Prozent im Jahresvergleich zurückging."
In Finnland sieht die Situation ähnlich aus – auch dort stagniert die Wirtschaft.
Estland und Lettland kommen mit der Situation offenbar noch schwerer zurecht. Vor kurzem wurde bekannt, dass sich die Einwohner Estlands nicht mehr in gleichem Umfang wie bisher Lebensmittel leisten können. Nach Angaben von Eurostat ist Estland unter den 25 EU-Ländern aufgrund sinkender Verkaufszahlen auf den letzten Platz zurückgefallen (im Vergleich zwischen September 2025 und dem gleichen Monat im Jahr 2024). Diese Tendenz, immer weniger und immer billigere Lebensmittel zu kaufen, wird auch von den Lebensmittelketten bestätigt. Der Grund dafür sind steigende Steuern und Preise.
Peter Raudsepp, Direktor des Estnischen Instituts für Konjunkturforschung, kommentiert diese von Eurostat veröffentlichten Daten wie folgt:
"Aufgrund der gestiegenen Steuern und Preise können es sich unsere Bürger nicht mehr leisten, Lebensmittel in gleichem Umfang wie zuvor zu erwerben. Es ist wieder einmal eine Situation, in der wir an der Spitze einer negativen Rangliste stehen. Die Suche nach Rabatten und der Ersatz gewohnter Produkte durch günstigere Alternativen gehören seit vielen Jahren zu den alltäglichen Sparmaßnahmen der Bürger."
Seinen Angaben zufolge dauert der Rückgang der Lebensmitteleinzelhandelsumsätze im Land bereits seit dreieinhalb Jahren an – seit dem zweiten Quartal 2022.
Abschließend bemerkt Jaroslaw Kabakow:
"Vor diesem Hintergrund scheint die Forderung der baltischen Staaten und Finnlands nach zusätzlicher Finanzunterstützung durch die EU durchaus berechtigt: Die kleinen und zugleich offenen Volkswirtschaften der Region tragen unverhältnismäßig hohe Kosten aufgrund der geopolitischen Spaltung und sind gezwungen, gleichzeitig in Energiesicherheit und Verteidigung zu investieren."
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 28. November 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
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Von Astrid Sigena
Alles begann glanzvoll. Im Oktober 2006 weihte der russische Präsident Wladimir Putin zusammen mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU) das vom Moskauer Bildhauer Alexander Rukawischnikow für den großen Schriftsteller Fjodor Dostojewski geschaffene Denkmal feierlich ein. Anlass waren der 125. Todestag beziehungsweise der 185. Geburtstag Dostojewskis in jenem Jahr. Dostojewski hatte zwei Jahre seines Lebens in Dresden verbracht und dort an den Werken "Die Dämonen" und "Der Spieler" gearbeitet. Auftraggeber des am Elbufer aufgestellten Denkmals war das Dresdner Deutsch-Russische Kulturinstitut (DRKI), die Kosten wurden von einem Unternehmen übernommen.
Lange Zeit galt das Dresdner Dostojewski-Denkmal als Zeichen der deutsch-russischen Verbundenheit, besonders in kultureller Hinsicht, und das noch zu einer Zeit, als die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen sich schon abzukühlen begonnen hatten. So ehrten der Botschafter der Russischen Föderation Sergei Netschajew und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer im November 2021 den russischen Klassiker anlässlich seines 200. Geburtstages gemeinsam am Dostojewski-Denkmal. Und noch im Mai 2025 legten Diplomaten der russischen Botschaft zusammen mit Vertretern des Russischen Hauses in Berlin und des DRKI in Dresden dort Blumen für Dostojewski nieder.
Im Sommer ereilte dann viele Dresdner (und auch Touristen, die das Denkmal besuchen wollten) ein Schreck: Dostojewski befand sich nicht mehr an seinem Platz zwischen Landtag und Congress Center. War er etwa im Zuge der von deutscher Seite gegen Russland verhängten Eiszeit als russischer Nationalist gecancelt worden? Das DRKI gab auf seiner Internetseite Entwarnung: Der Sächsische Landtag werde erweitert, und deshalb sei das Dostojewski-Denkmal vorübergehend entfernt worden. Das für die Baumaßnahmen verantwortliche Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB), das unter der Leitung des sächsischen Finanzministeriums steht, habe darum gebeten, um eine Beschädigung des Denkmals aufgrund der Bauarbeiten zu verhindern. Diese würden bis zum Jahr 2030 – laut Plan – abgeschlossen sein. Man habe zusammen mit dem Staatsbetrieb SIB vereinbart, für das Dostojewski-Denkmal "einen würdigen, gut zugänglichen Standort in der Landeshauptstadt" zu suchen, wo es bis zur Beendigung der Bauzeit verbleiben könne.
Offenbar gestaltete sich die Suche nach einem würdigen Standort schwieriger als gedacht. Denn im November 2025 befand sich das mittlerweile abgebaute Dostojewski-Denkmal immer noch auf dem Gelände einer Steinmetzwerkstatt am Dresdner Johannisfriedhof. Mittlerweile hatte auch die Presse nach dem Verbleib des Standbilds nachgefragt. Auch sie bekam von der SIB nur die Antwort, der bronzene Dostojewski sei wegen des "erheblichen Risikos für Beschädigungen, etwa durch Anfahrunfälle, Erschütterungen oder herabfallendes Material" abmontiert worden. Dresdner Lokalpolitiker wie Stadtrat Steffen Große vom Team Zastrow kritisierten inzwischen die lange Standortsuche. Dresden besitze mehrere geeignete Alternativstandorte. Es könne ansonsten der Eindruck entstehen, "dass man den großen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts in die aktuellen politischen Konflikte zerrt, das Denkmal opfert und versteckt".
Im Gespräch mit der Berliner Zeitung musste auch das DRKI zugeben, dass alles nicht so harmlos ist, wie man es noch im August hatte verlauten lassen. Man hege den Verdacht, dass mehr dahinterstecke als nur der Schutz vor Bauarbeiten, äußerte Wolfgang Schälike vom DRKI seine Besorgnis. Zunächst sei nur davon die Rede gewesen, das Denkmal um fünf Meter zu versetzen. Nur durch die Proteste des DRKI sei es gelungen, die SIB von der Verbringung des Denkmals in ein 25 Kilometer entferntes Lapidarium abzubringen. Nun sei es immerhin bei der Firma, die es einst aufgestellt habe. Bei der Suche nach einem neuen Standort gebe es jedoch immer noch kein Ergebnis. Das wecke schlechte Erinnerungen an den Fall der Dostojewski-Büste am Albertinum. Das Geschenk des damaligen russischen Botschafters Wladimir Kotenjow sei 2022 stillschweigend entfernt worden. Auch gegenüber der Berliner Zeitung wollte die SIB-Behörde nur von "laufenden Abstimmungen" sprechen. Wie die Journalistin Ljudmila Kotljarowa konstatierte, gibt es Anlass zur Besorgnis, weil das Denkmal nicht unter Denkmalschutz steht. Ob es zurückkehre, liege im Ermessen der Behörden. Fachleuten zufolge ist es sonst nicht üblich, Denkmäler bei Baumaßnahmen jahrelang einzulagern.
Die Botschaft der Russischen Föderation war offenbar bei dem ganzen Unterfangen nicht beteiligt worden. Ende November nun sah Netschajew, der sich anlässlich einer Gefallenenehrung in Dresden aufhielt, bezüglich Dostojewskis nach dem Rechten. Man hatte den Bronze-Dostojewski mittlerweile vom freien Gelände der Steinmetzwerkstatt in eine Art Lagerhalle verbracht, wo er inzwischen zwischen Gießkannen, Farbeimern und Kabeltrommeln ausharren muss, bis wieder bessere Zeiten anbrechen. Dort musste auch die Botschaftsdelegation ihre zu Ehren des Schriftstellers mitgebrachten Blumen niederlegen. Eine denkbar schäbige Umgebung!
Aktivisten informierten Netschajew über die Fortschritte bei der Suche nach geeigneten Dresdner Standorten für die Wiederaufstellung. Man denke an eine Stelle zwischen dem Dresdner Zwinger und der Semper-Oper. Netschajew gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass zum 205. Geburtstag Dostojewskis im Herbst 2026 das Denkmal des in Deutschland sehr beliebten Dichters wieder öffentlich zugänglich sein werde. Mit feinem Humor sprach der Diplomat von einem "öffentlich zugänglichen Ort", zu dem man "ruhig und ohne Gefahr für Gesundheit und Leben" kommen könne, um sich vor dem großen Klassiker der Weltliteratur zu verneigen. Er wünsche sich, dass eine Lösung gefunden wird, die sich harmonisch ins Stadtbild einfüge und zugleich den Erwartungen der Dostojewski-Enthusiasten entspreche.
Es bleibt abzuwarten, ob Netschajews Besuch in Dresden eine Lösung vorantreibt, die Dostojewski wieder zu seinem Recht auf eine würdige Umgebung verhilft. Sollte es die Absicht der sächsischen und städtischen Behörden gewesen sein, Dostojewski auf Jahre verschwinden zu lassen, bis niemand mehr nach ihm fragt, müssen sie einsehen, dass sie sich getäuscht haben. Dostojewski ist in Dresden unvergessen.
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Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat das Programm seiner bevorstehenden Reise nach Ungarn auf den Präsidentengipfel der Visegrád-Gruppe beschränkt, der am kommenden Mittwoch in der ungarischen Stadt Esztergom stattfindet.
Dies kündigte Marcin Przydacz, Leiter der Abteilung für internationale Politik im Büro des polnischen Präsidenten, am Sonntag auf der Plattform X an. Grund dafür sei Orbáns Reise nach Moskau vor zwei Tagen und sein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Anfang November hatte Przydacz erklärt, dass der polnische Staatschef an dem Gipfel der Präsidenten der Visegrád-Gruppe in Ungarn teilnehmen werde. Darüber hinaus wurden Gespräche zwischen Nawrocki, dem ungarischen Präsidenten Tamás Sulyok und dem Regierungschef Viktor Orbán geplant.
Auf X schrieb Przydacz heute, dass sich der polnische Staatschef "für die Suche nach realistischen Möglichkeiten zur Beendigung des von der Russischen Föderation ausgelösten Krieges in der Ukraine" einsetze. Ferner erklärte er:
"Präsident K. Nawrocki hat angesichts des Besuchs von Ministerpräsident Viktor Orbán in Moskau und dessen Kontext beschlossen, das Programm seines Besuchs in Ungarn ausschließlich auf den Gipfel der Visegrád-Gruppe in Esztergom zu beschränken."
Während des Treffens mit den Präsidenten Tschechiens, der Slowakei und Ungarns werde Nawrocki "über Sicherheit und Zusammenarbeit in Mitteleuropa diskutieren".
Polens Außenminister Radosław Sikorski hat Nawrockis Entscheidung, die Gespräche mit Orbán abzusagen, bereits kommentiert. "Der Präsident hat Orbán einen Korb gegeben, interessant. Noch ein paar Monate, und vielleicht werden sie erkennen, dass diejenigen, die die Europäische Union und die Ukraine hassen, meist Putin lieben", schrieb der Politiker am Sonntag auf X.
Orbán und Putin trafen sich am Freitag in Moskau. Nach Angaben ungarischer Medien sei das Hauptziel von Orbáns Reise die Sicherung einer stabilen und erschwinglichen Energieversorgung für Ungarn in diesem und im nächsten Jahr gewesen.
Auf dem Treffen vor den Verhandlungen selbst betonte der russische Staatschef, dass sich die bilateralen Beziehungen trotz Schwierigkeiten weiterentwickelten. Putin merkte auch an, dass Budapest eine ausgewogene Politik in Bezug auf die Ukraine verfolge und dass Orbán in seiner Arbeit "vor allem die Interessen seines Landes, Ungarns, und des ungarischen Volkes vertritt". Außerdem lobte Putin die gute Zusammenarbeit im Energiebereich.
Der ungarische Regierungschef seinerseits erklärte, dass Budapest an der friedlichen Beilegung des Konflikts in der Ukraine interessiert sei. Außerdem sei Ungarn bereit, als Verhandlungsort für die Friedensgespräche aufzutreten. "Wir sind bereit, die Unterstützung zum erfolgreichen Abschluss dieses Prozesses zu leisten", sagte er.
Die Verhandlungen zwischen den Delegationen dauerten vier Stunden. Nach dem Treffen bezeichnete Orbán die Gespräche als erfolgreich: "Erfolgreiche Verhandlungen in Moskau: Ungarns Energieversorgung bleibt sicher", schrieb er auf Facebook.
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