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Christoph Blocher legt einen Plan vor, der die Schweizer Finanzwelt erschüttert. Der Unternehmer und frühere Bundesrat verlangt die Aufteilung der UBS in zwei eigenständige Institute mit getrennten Rechtsordnungen.
Die Schweiz würde dadurch entlastet und das Risiko der Großbank würde sinken. Die politische Dynamik erhält damit eine neue Schärfe, denn die Forderung trifft auf eine bereits erhitzte Stimmung zwischen Bundesrat und UBS-Spitze.
Die Großbank steht seit Monaten unter Druck. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter treibt neue Kapitalkonzepte voran, die den Schutz des Landes stärken sollen. Die UBS-Führung zeigt sich zunehmend gereizt.
Der Konzern wehrt sich gegen strengere Vorschriften und deutet an, dass ein absehbarer Kursverlust die internationale Konkurrenzfähigkeit gefährden könnte. Diese Spannungen eskalieren, seit Berichte über mögliche Gespräche der Bank mit amerikanischen Regierungsstellen kursieren.
Blochers Vorschlag richtet den Fokus auf die strukturellen Risiken. Er argumentiert, die Schweiz könne eine Bank dieser Größe nicht mehr auffangen. Sein Modell zeichnet eine klare Trennlinie. Eine UBS Schweiz unter heimischem Recht würde das solide Inlandgeschäft führen. Eine UBS Amerika würde das risikoreichere Investmentbanking und das internationale Geschäft tragen. Die Eigentümer würden zwei Aktien erhalten und die Institute wären vollständig voneinander losgelöst.
Der Vorstoß trifft einen Nerv. Er rührt an einem Thema, das seit dem Kollaps der Credit Suisse ungelöst bleibt. Die Tragfähigkeit globaler Universalbanken mit Schweizer Verankerung beschäftigt Politik und Aufsicht. Die Erinnerung an staatliche Rettungspakete wirkt nach.
Zugleich steigt die Unruhe über den Einfluss ausländischer Märkte und über Boni, die in keinem Verhältnis zum Risiko der Steuerzahler stehen.
Die UBS-Führung stemmt sich mit aller Kraft gegen den Vorschlag. Sie warnt vor einem Verlust an Größe und Anziehungskraft. Hinter den Kulissen geht es um Macht und Kontrolle.
Die Spitzenmanager prüfen Optionen zwischen Zürich, New York und Asien, während die Medienhäuser mit Enthüllungen über mögliche Gespräche in Washington die Stimmung weiter anheizen.
Blochers Konzept trifft einen wunden Punkt. Sein Hinweis, jedes Unternehmen könne scheitern, wird im Land mit neuer Aufmerksamkeit gehört. Die Frage lautet, ob die Schweiz nochmals eine Großbank schultern kann, die in einer globalen Krise ins Taumeln gerät. Der Ruf nach struktureller Entlastung gewinnt an Gewicht.
Blochers Vorstoß erhält in der Schweiz deutlichen Zuspruch. Erste Stimmen fallen positiv aus. Seit Eveline Widmer-Schlumpf im Hintergrund zu seiner Entmachtung beitrug, wirkt das politische Gefüge geschwächt. Dennoch hielt Blocher das Land außerhalb der EU, was viele bis heute als entscheidend betrachten.
Mehrere Leser sehen in der Aufteilung der UBS die überzeugendste Option. Eine reine Vermögensverwaltungsbank für die Schweiz und ein getrenntes Investmentgeschäft in den USA würden klare Strukturen schaffen und Risiken senken. Auch für die Aktionäre dürfte der Wert zweier spezialisierter Institute höher liegen als jener der heutigen Konstruktion.
Ein weiterer Kommentar weist darauf hin, dass der Ansatz seit Jahren kursiert. Dass Blocher ihn nun erneut vorantreibt, verleiht dem Projekt zusätzliche Schubkraft. An der Zürcher Bahnhofstrasse wächst der Druck.
Mehr zum Thema – Lervoss International Ltd. – oder das gestohlene Geld der ukrainischen Eisenbahn in der Schweiz
Der Sejm, das Unterhaus des polnischen Parlaments, hat eine Resolution verabschiedet, in der die Verlegung der russischen Botschaft in Warschau weiter weg vom Sitz des Verteidigungsministeriums gefordert wird, wobei Sicherheitsbedenken angeführt werden.
Die am Freitag verabschiedete Resolution wurde von 439 Abgeordneten unterstützt, einer enthielt sich der Stimme. Sie verweist auf die "dringende Notwendigkeit, das Gebiet um das Verteidigungsministerium zu sichern".
Das Dokument ist nicht rechtsverbindlich, hat aber symbolische Bedeutung.
Das Gelände, auf dem sich die russische diplomatische Vertretung in Warschau befindet, liegt direkt neben dem Hauptquartier des polnischen Verteidigungsministeriums und in unmittelbarer Nähe des Belweder-Palastes, einer der Residenzen des polnischen Präsidenten, sowie des Büros des Premierministers.
Am Mittwoch verkündete Außenminister Radoslaw Sikorski in einer Rede vor dem Parlament zudem, dass Polen das letzte verbliebene russische Konsulat im Land, in der Stadt Danzig, schließen werde.
Als Reaktion auf die Entscheidung Warschaus erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, Moskau werde diesen Schritt erwidern und "die diplomatisch-konsularische Präsenz Polens in Russland" reduzieren.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte gegenüber Reportern, dass "die Beziehungen zu Polen vollständig zerrüttet" seien. Er sagte, Warschaus offensichtliche Absicht, "jede Möglichkeit konsularischer oder diplomatischer Beziehungen" zu Moskau "auf Null zu reduzieren", unterstreiche den Zustand der bilateralen Beziehungen.
Polen unterhält derzeit eine Botschaft mit einer Konsularabteilung in Moskau und ein Konsulat in Irkutsk in Sibirien.
Im Mai schloss Polen das russische Konsulat in Krakau und begründete dies mit der angeblichen Beteiligung Moskaus an einem Brand in einem Warschauer Einkaufszentrum im Mai 2024.
Russland reagierte im Juli mit der Anordnung der Schließung des polnischen Konsulats in Kaliningrad.
Im vergangenen Oktober schloss Warschau das russische Konsulat in Posen, woraufhin Moskau im Dezember die polnische Vertretung in St. Petersburg schloss.
Die Resolution des Sejm folgte auf zwei Sabotageakte am Sonntag und Montag, die sich gegen Eisenbahnstrecken richteten, über die westliche Militärhilfe durch Polen in die Ukraine transportiert wird. Die lokalen Behörden identifizierten später zwei Ukrainer als Verdächtige und behaupteten, beide hätten für den russischen Geheimdienst gearbeitet und seien nach den Anschlägen nach Weißrussland geflohen. Der Kreml bestritt jegliche russische Beteiligung an den Vorfällen.
Mehr zum Thema - Sicherheitschef Polens: Warschau befindet sich im Kriegszustand mit Moskau
Von André Benoit
Während die Vereinigten Staaten unter der Ägide der Trump-Administration laufende Programme für grüne Energie abschaffen und zu einer Politik der fossilen Brennstoffe zurückkehren wollen, hat China demgegenüber als weltweit führendes Land in Bezug auf die industrielle Produktion eine neue Liga erreicht. Während man in Washington über Subventionen und Vorschriften streitet, exportiert Peking ganze Systeme für saubere Energie im industriellen Maßstab und macht dadurch zum Beispiel Afrika zum sichtbarsten Beispiel dafür, wie sehr sich die Kräfteverhältnisse verschoben haben.
Chinesische Solarkraftwerke, Mininetze und Batteriezentren versorgen Regionen mit Strom, die jahrzehntelang energiearm waren, und zwar mit neuester Hardware, mit der die US-amerikanische Industrie hinsichtlich Preis und Menge nicht im Geringsten mithalten kann. Mit jeder neuen Lieferung extrem günstiger Solarmodule dringt Peking tiefer in entsprechende Märkte vor, auf die Washington einst Einfluss nehmen wollte, und festigt damit Chinas Rolle als dominierende Kraft bei den Technologien, die das nächste Jahrhundert prägen werden.
Die Rivalität ist nicht mehr nur theoretischer Natur. Die eine Seite gestaltet die Zukunft der globalen Energieversorgung, während die andere zusehen muss, wie diese Zukunft außer Reichweite gerät. Die eigentliche Frage ist, wie viel von der sich abzeichnenden neuen Energieordnung letztlich nach chinesischen Vorstellungen gestaltet wird – und welchen Platz die USA darin gegebenenfalls einnehmen werden.
Chinas Industriemaschine
Chinas Aufstieg im Bereich der sauberen Energien ist kein Zufall und auch kein Glücksfall des Marktes. Er ist das Ergebnis einer staatlich geförderten Industriemaschine, die darauf ausgelegt ist, jede Stufe der Solarlieferkette zu dominieren – von der Polysiliziumverarbeitung und dem Wafer-Zuschnitt [in der Elektronik ist ein Wafer (auch Scheibe oder Substrat genannt) eine dünne Scheibe aus Halbleitermaterial, beispielsweise kristallinem Silizium] bis hin zur Batteriechemie und der Speicherung im Netzmaßstab. Kein anderes Land verfügt über etwas Vergleichbares.
Die Solarstromkapazität im Versorgungsmaßstab erreichte in China im Jahr 2024 mehr als 880 Gigawatt (GW), mehr in jedem anderen Land der Welt. Allein der jährliche Zuwachs übertraf die gesamte installierte Solarleistung vieler Nationen.
Diese Größenordnung ist nicht nur beeindruckend, sondern verändert auch die Wirtschaftlichkeit der Branche grundlegend. Chinesische Solarmodule kosten mittlerweile nur noch 0,07 bis 0,09 US-Dollar pro Watt, ein Niveau, das westliche Hersteller selbst mit Subventionen nicht erreichen können.
Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein Modell, das auf Skaleneffekten, öffentlichen Subventionen und einer Industriepolitik basiert, deren Schwerpunkt auf Kostenkontrolle und Integration der Lieferkette liegt. Diese Kombination ermöglicht es China, die Preise zu drücken und gleichzeitig ein Fertigungsökosystem zu stärken, das weiterhin schneller wächst, als das Land intern absorbieren kann.
Chinas rasantes Produktionswachstum hat die Binnennachfrage bei Weitem übertroffen und zu einem in westlichen Politikdebatten "Überkapazitäten" genannten industriellen Vorteil geführt, mit dem China nun seine globale Expansion vorantreibt. Indem Peking diesen Überschuss in eine strategische Exportindustrie umwandelt, ist es in der Lage, extrem günstige Hardware in einem Umfang anzubieten, mit dem westliche Hersteller nicht mithalten können. So erschließt China neue Märkte und stärkt seine Position in der globalen Energiewirtschaft.
Die Führung in Peking macht deutlich, dass die Energiewende kein Experiment, sondern eine strategische Ausrichtung ist. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen im Jahr 2025 bezeichnete Präsident Xi Jinping den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft als historischen Kurs, den die Länder ohne zu zögern einschlagen müssten. Dabei handelte es sich weniger um einen diplomatischen Appell als vielmehr um eine Absichtserklärung: China betrachtet die Energiewende als strategisches Feld, das es gestalten will, während andere noch darüber debattieren, ob sie sich dazu verpflichten sollen.
Afrika: Ground Zero für Chinas grüne Expansion
Wenn es eine Region gibt, die das Ausmaß von Chinas Vorstoß im Bereich der sauberen Energie verdeutlicht, dann ist es Afrika. Der Kontinent verfügt über eines der weltweit größten Solarpotenziale und gleichzeitig über einige der schwächsten Energiesysteme. Für Peking ist diese Kombination eine Chance.
Rund 600 Millionen Afrikaner haben immer noch keinen zuverlässigen Zugang zu Strom. Ganze nationale Stromnetze basieren auf veralteter Infrastruktur, Stromausfälle können Stunden oder Tage dauern, und Dieselgeneratoren sind nach wie vor die Standard-Notstromversorgung in allen Bereichen, von Krankenhäusern bis hin zu kleinen Geschäften. In vielen Ländern liegen die Kosten für Dieselstrom bei 0,70 US-Dollar pro Kilowattstunde – ein unerschwinglicher Preis für Haushalte und eine ständige Belastung für lokale Unternehmen.
Chinesische Solarprojekte haben in diesem Umfeld sofortige Auswirkungen. In Nigeria getestete Mininetze liefern beispielsweise Strom für etwa 0,16 US-Dollar pro Kilowattstunde, und die anfänglichen Investitionskosten amortisieren sich innerhalb weniger Monate. Der Unterschied ist nicht marginal, sondern transformativ. In einigen ländlichen Regionen bieten chinesische Anlagen die erste stabile Stromversorgung, die die Menschen in ihrem Leben gesehen haben.
Das Ausmaß der Einführung beschleunigt sich. Von Juni 2024 bis Juni 2025 stiegen die afrikanischen Importe chinesischer Solarmodule um 60 Prozent – von 9,4 Gigawatt auf 15 Gigawatt. Allein Südafrika kaufte 3,7 Gigawatt. Die Importe Nigerias vervierfachten sich auf 1,7 Gigawatt. Die Importe Algeriens stiegen um das 33-Fache. Diese Zahlen spiegeln mehr als nur die Nachfrage wider. Sie zeigen, dass China zum Standardlieferanten für einen Kontinent wird, der sich, wenn auch ungleichmäßig, in Richtung einer Ära der sauberen Energie bewegt.
Der Ansatz Pekings kombiniert Hardware, Finanzierung und Infrastruktur in einem Paket. Behörden, staatliche Banken und Unternehmen wie PowerChina kümmern sich um die gesamte Kette: Standortbegutachtung, Bau von Anlagen, Lieferung von Ausrüstung, Bereitstellung von Ingenieuren und Strukturierung langfristiger Rückzahlungen. Afrikanische Regierungen müssen sich nicht mit fragmentierten Auftragnehmern oder westlichen Kreditgebern auseinandersetzen, die ihnen politische Bedingungen auferlegen. China liefert ein schlüsselfertiges System – von Solarmodulen über Batterien bis hin zu Wartungsteams.
Das Forum für chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit (FOCAC) bildet das diplomatische Rückgrat dieses Systems. In den jüngsten Aktionsplänen wird der Ausbau von Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie neuen Wasserstoffprojekten und der Bau von kohlenstoffarmen Industriezonen zugesagt. Diese Vereinbarungen verbinden die Energieentwicklung mit einer umfassenderen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und vertiefen die Rolle Pekings weit über einzelne Projekte hinaus.
Der Gewinn für China liegt unmittelbar auf der Hand. Jede neue Anlage bindet afrikanische Staaten an chinesische Standards und chinesische Lieferketten. Der Zugang zu Mineralien – Kobalt, Mangan, Graphit – erfolgt oft über parallele Vereinbarungen, die mit denselben Infrastrukturprojekten verbunden sind. Politisch positioniert sich Peking als strategischer Entwicklungspartner – eine Botschaft, die auf einem Kontinent, der seit Langem von westlichen Auflagen und langsamen Lieferungen frustriert ist, gut ankommt.
Marcus Vinícius de Freitas, Politikexperte am Policy Center for the New South, erläuterte dazu in einer Schwerpunktanalyse für das Jahr 2025:
"Die Entwicklung Afrikas sollte strategischen und nicht transaktionalen Zielen folgen. Hier bietet sich China eine plausible Chance. Durch die Umstellung von einem projektorientierten Engagement auf ein wirklich partnerschaftliches Modell werden chinesische Investitionen besser mit den strategischen Visionen Afrikas in Einklang gebracht."
Die neue Soft Power
Chinas Expansion ist politischer Natur. Systeme für saubere Energie schaffen eine eingebaute Abhängigkeit, die sich mit der Zeit vertieft. Solarmodule erfordern kompatible Wechselrichter. Batterien sind auf bestimmte chemische Zusammensetzungen angewiesen. Intelligente Stromnetze laufen mit proprietärer Software. Sobald ein Land chinesische Systeme einführt, wird ein Wechsel des Lieferanten unerschwinglich teuer und technisch riskant.
Peking verstärkt dieses Modell durch sogenannte "kleine und schöne" Projekte, so mit modularen Anlagen für saubere Energie, die die mit Megaprojekten verbundene Gegenreaktionen vermeiden. Viele davon sind mit Vereinbarungen verbunden, die chinesischen Unternehmen Zugang zu wichtigen Mineralien wie Kobalt, Mangan und Graphit gewähren. Infrastruktur erschließt Ressourcen, Ressourcen garantieren die Rückzahlung. Der Kreislauf versorgt sich selbst.
Diese Form der Einflussnahme ist in der Weltpolitik nichts Neues. Sie erinnert an das klassische Muster der "Öl-Diplomatie" im 20. Jahrhundert, als die Kontrolle über die Energieversorgungsketten Allianzen, Abhängigkeiten und geopolitische Sphären prägte. China passt dieses Modell nun an das Zeitalter der sauberen Energie an und nutzt Solarhardware, Batteriesysteme und Netzinfrastruktur, um dort Einfluss zu gewinnen, wo einst Öl die Macht bestimmte.
Afrikanische Analysten weisen bereits auf diesen Wandel hin. Fikayo Akeredolu, Forscher für chinesisch-afrikanische Beziehungen in Oxford, bemerkt dazu:
"Im Gegensatz zum Dakar-Aktionsplan von 2021, in dem Öl und Gas ausdrücklich erwähnt wurden, konzentriert sich der Plan von Peking auf die Zusammenarbeit im Bereich erneuerbare Energien und die Stromversorgung mit sauberer Energie. Dies signalisiert eine entscheidende Abkehr von Projekten mit fossilen Brennstoffen hin zu einem anderen Modell der Einflussnahme."
Die internationale Konkurrenz hat Mühe, darauf zu reagieren, und selbst ihre ehrgeizigsten Initiativen konnten mit Chinas Geschwindigkeit, Umfang und Preisgestaltungsmacht nicht mithalten.
Warum niemand mit China mithalten kann
Der globale Wettstreit um die Vorherrschaft im Bereich der sauberen Energien wird oft als Wettbewerb der Ideen oder Klimastrategien dargestellt. In der Praxis handelt es sich jedoch um einen Wettbewerb der Kapazitäten. Dabei verfügt derzeit nur ein Land über die Größe, die Lieferketten und die politischen Mechanismen, die für die Gestaltung des Wandels erforderlich sind. Die Vereinigten Staaten, Europa, die Golfstaaten und Russland haben alle Ambitionen, aber keines dieser Länder kann mit dem mithalten, was China bereits aufgebaut hat.
Washingtons Position wird weniger durch technologische Grenzen als durch politische Instabilität bestimmt. Unter Donald Trump wurde die staatliche Förderung erneuerbarer Energien zurückgefahren, Umweltprogramme wurden abgeschafft und die langfristige Planung wurde unterbrochen. Mit jedem Wahlzyklus werden die Energieprioritäten der USA neu festgelegt, was eine nachhaltige Industriepolitik nahezu unmöglich macht.
Die USA können innovativ sein. Sie können Subventionen gewähren. Aber sie können nicht mit einem vertikal integrierten chinesischen System konkurrieren, das Hardware zu einem Zehntel der US-Preise produziert und auf Anfrage Gigawatt an Ausrüstung liefert. Zölle und entsprechende Rhetorik schließen diese Lücke nicht.
Europa präsentiert sich als globaler Vorreiter im Klimaschutz, doch seine Energiewende hängt stark von chinesischen Komponenten ab – von Solarmodulen, Batterien, Rohstoffverarbeitung, Wechselrichtern und Netzhardware. Versuche, die heimische Produktion wieder aufzubauen, scheitern an hohen Produktionskosten, fragmentierten Entscheidungsprozessen und jahrelanger Auslagerung.
Selbst große Akteure spüren die Belastung. Im Jahr 2025 stellte der Automobilkonzern Volkswagen aufgrund der schwachen Nachfrage den Betrieb in zwei deutschen Elektrofahrzeugwerken ein. Spanien war auf 2.000 chinesische Techniker angewiesen, um eine neue Batteriefabrik von CATL–Stellantis in Betrieb zu nehmen. Europa hat Ziele und eine Doktrin, aber nicht die industrielle Tiefe, um diese unabhängig umzusetzen.
Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien investieren aggressiv in erneuerbare Energien in Afrika. Masdar und ACWA Power sind zu wichtigen Akteuren in der Wind- und Solarenergieentwicklung geworden. Ihre Stärke liegt jedoch im Finanzbereich – im Projektkapital, nicht in der Fertigung. Sie kontrollieren nicht die weltweite Produktion von Solarmodulen, Batterien oder Netztechnologien. Sie können Projekte sponsern, aber sie können keine Lieferketten umgestalten.
Russland behält durch die Kernenergie eine sichtbare – und in einigen Fällen strategisch wichtige – Präsenz in Afrika. Das 28,75 Milliarden Dollar teure Kernkraftwerk El Dabaa in Ägypten ist das Vorzeigeprojekt, weitere Projekte in Äthiopien, Niger und Südafrika sind in Planung.
Aber Kernkraft ist keine Lösung für den Masseneinsatz. Sie kann nicht mit billigen modularen Solaranlagen konkurrieren, die innerhalb weniger Monate gebaut werden können. Der Einfluss Russlands ist konzentriert und langfristig, aber auf kontinentaler Ebene nicht transformativ.
Jeder wichtige Akteur hat seine Stärken. Keiner kann jedoch mit Chinas Fähigkeit mithalten, das gesamte Paket zu liefern: Produktionskapazitäten, kostengünstige Hardware, schlüsselfertige Infrastruktur, Finanzierung und politische Beständigkeit.
Das Ergebnis ist ein strukturelles Ungleichgewicht. Während die USA und die EU über Rahmenbedingungen und Anreize debattieren, bindet China ganze Regionen in sein Energieökosystem ein. In diesem Wettlauf sind Geschwindigkeit und Umfang wichtiger als Erklärungen. Und China verfügt über beides.
Der Aufstieg des Elektrostaates
Chinas Aufschwung im Bereich der sauberen Energien markiert die Entstehung eines neuen geopolitischen Modells: des Elektrostaates. Anstatt seine Macht durch Kohlenwasserstoffe oder militärische Allianzen zu projizieren, nutzt Peking die Kontrolle über die Technologien und Lieferketten, die das globale Energiesystem der Zukunft bestimmen werden.
Im letzten Jahrhundert konzentrierte sich die Macht auf Ölquellen und Pipelines. Heute dreht sich alles um Silizium, Lithium, Kupfer und die Infrastruktur, die mit diesen Rohstoffen Strom erzeugt. China dominiert jede Stufe dieser Kette.
Der dadurch entstehende Einfluss weitet sich automatisch aus. Jeder mit chinesischer Technologie gebaute Solarpark benötigt chinesische Wartungsdienste und Ersatzteile. Jede heute installierte Batterie garantiert Verträge für morgen. Mit der Zeit entwickeln sich diese Abhängigkeiten zu politischer Annäherung und langfristiger wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
Internationale Organisationen warnen, dass solche Ungleichgewichte die globale Energiesicherheit gefährden. China hört diese Warnungen – und baut weiter.
Saubere Energie wird zu einer Grundlage geopolitischer Annäherung. Länder, die sich in Chinas Energieökosystem integrieren, werden jahrzehntelang davon abhängig sein. Und Peking gestaltet dieses System schneller, als jeder Konkurrent reagieren kann.
Autor André Benoit ist ein französischer Berater, der im Bereich Wirtschaft und internationale Beziehungen tätig ist und einen akademischen Hintergrund in Europastudien und internationalen Studien aus Frankreich sowie in internationalem Management aus Russland hat.
Mehr zum Thema – Energiegerechtigkeit als neues Konzept der globalen Entwicklung
Von Olga Samofalowa
Die Nicht-Erdöl- und Nicht-Erdgas-Einnahmen des Föderalen Haushalts zeigten im Jahr 2025 einen Anstieg von 30 Prozent, teilte der Leiter der Föderalen Steuerbehörde, Daniil Jegorow, bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten mit. Er betonte:
"Im Grunde genommen haben sie uns in diesem Sinne aus der Patsche geholfen, sie verzeichneten einen Anstieg von drei Billionen Rubel. Wir registrierten das zum ersten Mal seit langer Zeit, wahrscheinlich sogar seit 2018. Ich erinnere mich, dass wir im Föderalen Haushalt eine solche Verteilung festgestellt haben: Wenn im Jahr 2018 die Einnahmen zu 50 Prozent aus Erdöl und Erdgas und zu 50 Prozent aus anderen Quellen stammten, so sind es heute 70 Prozent zu 30 Prozent."
Die Einnahmen aus Erdöl und Erdgas im Haushalt der Russischen Föderation gingen von Januar bis Oktober 2025 um 21,4 Prozent auf 7,5 Billionen Rubel zurück, wie das Finanzministerium am 6. November mitteilte. Das sind zwei Billionen weniger als die 9,54 Billionen im gleichen Zeitraum des Jahres 2024.
Trotz des Rückgangs der Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor um zwei Billionen Rubel stiegen die Einnahmen des Föderalen Haushalts in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um fünf Prozent. Igor Juschkow, Experte der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation und des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit, erklärt:
"Die Einnahmen aus der Öl- und Gasindustrie sind zurückgegangen, aber die Einnahmen aus anderen Bereichen sind noch stärker gestiegen. Das heißt, das Wachstum der Einnahmen aus anderen Bereichen hat den Rückgang der Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport ausgeglichen. Das Problem ist jedoch, dass das Haushaltsdefizit trotzdem gestiegen ist. Warum ist das so? Weil die Ausgaben im Laufe des Jahres höher waren als geplant. Das ist eine Besonderheit des Jahres 2025. Und wir können die Ausgaben nicht senken, weil ein großer Teil davon auf Sozialleistungen und Verteidigungsausgaben entfällt."
Das Haushaltsdefizit Russlands belief sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 auf 4,2 Billionen Rubel oder 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und könnte bis zum Jahresende auf 5,7 Billionen Rubel oder 2,6 Prozent des BIP ansteigen, prognostiziert das Finanzministerium.
Warum sind die Öl- und Gaseinnahmen so stark zurückgegangen? Der Hauptgrund ist natürlich der Preisverfall. Juschkow sagt:
"Während die Preise im letzten Jahr zwischen 70 und 80 US-Dollar pro Barrel Brent lagen, liegen sie in diesem Jahr bei 60 bis 65 US-Dollar pro Barrel. Dabei blieben die Exportmengen in etwa auf dem Niveau des Jahres 2024. Auch der Preisabschlag für unser Erdöl, also die Differenz zwischen den Sorten Urals und Brent, blieb im Jahr 2024 und während des größten Teils des Jahres 2025 unverändert bei etwa 12 bis 13 US-Dollar pro Barrel. Erst jetzt ist der Preisnachlass aufgrund neuer Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft etwas gestiegen, während sich der Markt neu ordnet.
Die weltweiten Ölpreise begannen im Frühjahr zu fallen, nachdem Donald Trump damit begonnen hatte, Zölle gegen alle anderen Länder der Welt zu erheben. Seitdem blieben sie auf einem niedrigen Niveau mit kleinen Ausschlägen, beispielsweise als der Iran bombardiert wurde."
Außerdem hat die Ukraine seit Jahresbeginn den Transit von russischem Erdgas durch ihr Territorium eingestellt, über das jährlich etwa 16 Milliarden Kubikmeter Gas transportiert wurden. Aber der Export von Erdöl ist aus Sicht der Haushaltseinnahmen wichtiger als der von Erdgas.
Natalia Miltschakowa, leitende Analystin bei Freedom Finance Global, merkt jedoch an, dass sich nicht nur der Rückgang des Erdölpreises, sondern auch der Anstieg des Abschlags für die russische Marke Urals auf den Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen ausgewirkt hat. Während Urals im Jahr 2024 im Durchschnitt mit einem Abschlag von acht bis zehn US-Dollar pro Barrel verkauft wurde, erreichten die Abschläge in diesem Jahr, insbesondere im Herbst, bis zu 20 US-Dollar pro Barrel, was einer Erhöhung des Abschlags um das Eineinhalb- bis Zweifache entspricht, so die Expertin. Natürlich wirkten sich auch die Produktionssteigerung der OPEC+-Länder und der Rubelkurs, der vom im Haushalt eingeplanten Kurs abwich, aus.
Die russische Wirtschaft hält jedoch auf interessante Weise dem Rückgang der Ölpreise und der Haushaltseinnahmen stand und verzeichnet sogar ein Wachstum des BIP. Russland hat eine gewisse Stabilität erreicht, die es zuvor eindeutig nicht gab. Maria Giritsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Labors für die Analyse internationaler Best Practices am Gaidar-Institut für Wirtschaftspolitik, bemerkt dazu:
"Wären die Öl- und Gaseinnahmen früher so stark zurückgegangen, wäre es möglicherweise schwieriger gewesen. Anfang der 2000er-Jahre beispielsweise machte der Öl- und Gassektor in Russland 50 Prozent der Haushaltseinnahmen, mehr als 70 Prozent der Exporte und etwa fünf Prozent der Arbeitsplätze aus. Zu diesem Zeitpunkt erzielte der Öl- und Gassektor die höchsten Einnahmen."
Im Jahr 2009 halbierten sich die Öl- und Gaseinnahmen Russlands aufgrund des Preisverfalls und des Rückgangs der Exporte, sodass die russische Wirtschaft um neun Prozent schrumpfte. Dies war der größte Rückgang des russischen BIP im 21. Jahrhundert, erinnert Miltschakowa. Inzwischen ist die russische Wirtschaft in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 trotz der schwachen Ergebnisse des Öl- und Gassektors um 0,6 Prozent gewachsen.
Dabei hilft nicht nur die Senkung der Zinssätze durch die Banken im Anschluss an den Leitzins der Zentralbank von Russland. Die Wachstumstreiber in diesem Jahr sind laut Miltschakowa die verarbeitende Industrie, vor allem aufgrund von Impulsen aus dem Haushalt, und der Dienstleistungssektor, insbesondere die Gastronomie, das Hotelgewerbe und der Tourismus. Giritsch erklärt:
"Der Nicht-Ölsektor leistet im Jahr 2025 einen großen Beitrag zur Wirtschaft. Die Nicht-Öl- und Nicht-Gas-Einnahmen des Haushaltssystems stiegen um 15,1 Prozent, insbesondere aus der verarbeitenden Industrie, dem Finanzsektor, dem Bauwesen, dem Handel und dem IT-Sektor. Der Anstieg der Einnahmen spiegelt sich wahrscheinlich in der Erhöhung der Steuern von 20 auf 25 Prozent wider, wobei zuvor drei Prozent der Steuern in den föderalen Haushalt und 17 Prozent in die regionalen Haushalte flossen, nun aber fließen acht Prozent in den föderalen Haushalt. Unternehmen und Einzelunternehmer mit einem Jahresumsatz von mehr als 60 Millionen Rubel, die dem vereinfachten Steuersystem unterliegen, sind ab dem Jahr 2025 zur Zahlung der Mehrwertsteuer verpflichtet, was ebenfalls zu zusätzlichen Einnahmen geführt hat. Außerdem wurde eine progressive Einkommensteuertabelle eingeführt."
Insgesamt lässt die Verringerung des Anteils der Öl- und Gaseinnahmen am Haushalt auf 30 Prozent darauf schließen, dass das Konzept der "Rohstoffwirtschaft" für Russland überholt ist. Dies wurde zuvor insbesondere vom stellvertretenden Ministerpräsidenten der Russischen Föderation, Alexander Nowak, betont. Er hob hervor:
"Wir sind weniger abhängig von der Rohstoffwirtschaft, Bereiche wie verarbeitende Industrie, Tourismus, Kreativwirtschaft, moderne technologische Produktion mit hoher Wertschöpfung und hohen technologischen Eigenschaften entwickeln sich bereits stärker."
Seinen Worten zufolge zeugt dies davon, dass in der russischen Wirtschaft strukturelle Veränderungen stattfinden.
Giritsch differenziert zwischen der Struktur des Haushalts und der Struktur der Exporte: Für den Haushalt ist die Abhängigkeit vom Erdöl tatsächlich geringer geworden, für die Exporte jedoch nicht. So belief sich laut Angaben des Gaidar-Institut für Wirtschaftspolitik der Anteil der Brennstoff- und Energieprodukte an den russischen Exporten in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 auf bis zu 56,1 Prozent. Die Expertin betont:
"Was den Export und die Deviseneinnahmen angeht, so bleibt Russland ein ressourcenorientiertes Land, da mehr als die Hälfte der Exporte auf Brennstoff- und Energieprodukte entfallen."
Es sei noch zu früh, um zu verkünden, dass Russland keine Rohstoffwirtschaft mehr sei, meint Miltschakowa. Schließlich seien die größten Steuerzahler nach wie vor die Rohstoffunternehmen. Allerdings sei die russische Wirtschaft derzeit wesentlich diversifizierter, stimmt die Analystin zu.
Ihrer Meinung nach werde Russland mindestens bis zum Jahr 2030 oder 2035, bis die weltweite Nachfrage nach Erdöl ihren Höhepunkt erreicht, einer der größten Energieexporteure der Welt bleiben. Miltschakowa argumentiert:
"Aber in fünf bis zehn Jahren könnten Lebensmittel und, so seltsam es auch klingen mag, Trinkwasser zu einem der wichtigsten Exportgüter Russlands werden, da viele Länder in Zukunft mit einer sehr ernsten Wasserknappheit konfrontiert sein werden. Theoretisch könnte Wasser also in Zukunft Erdöl in Russland ersetzen. Die Nachfrage nach Erdgas, auch aus Russland, wird mindestens bis 2050 hoch bleiben, das erwartet sogar die Internationale Energieagentur."
Die Behauptung, dass es sich bei Russland um eine Rohstoffwirtschaft handelt, sei schon immer umstritten gewesen, meint Igor Juschkow. Er betont:
"Ja, Erdöl und Erdgas bringen dem russischen Staatshaushalt erhebliche Einnahmen, das ist eine Tatsache. Aber Gott sei Dank haben wir diese Ressourcen, ohne das wäre es für uns viel schwieriger. Das ist kein Fluch, sondern unser Wettbewerbsvorteil."
Seinen Worten zufolge handelte es sich bei der Bezeichnung Russlands als Rohstoffwirtschaft um emotionale Versuche, dem Land Vorwürfe zu machen. Er hebt hervor:
"Man kann jedoch nicht behaupten, dass wir ausschließlich eine Rohstoffwirtschaft haben. Wir verarbeiten etwa die Hälfte der mehr als 500 Milliarden Tonnen Rohöl. Das Gleiche gilt für Gas. Ist das eine Rohstoffwirtschaft? Dann könnte man auch sagen, dass die USA als weltweit führender Öl- und Gasproduzent ebenfalls eine Rohstoffwirtschaft haben. Und im Jahr 2024 könnte man die USA sogar als Rohstoffanhängsel Chinas bezeichnen, da es einen Moment gab, in dem die Vereinigten Staaten zum Hauptexporteur von Kohlenwasserstoffen in die Volksrepublik China wurden."
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 23. November 2025 auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung "Wsgljad".
Mehr zum Thema – Sanktionswahnsinn gegen Russland – und gegen Europas Wohlstand
Von Timofei Bordatschow, Programmdirektor des Waldai-Klubs
Westeuropa und Japan liegen an entgegengesetzten Enden der eurasischen Landmasse und sind Produkte unterschiedlicher Geschichten und Kulturen. Aber in der Außenpolitik benehmen sie sich wie Zwillinge. In beiden Fällen werden die nationalen Entscheidungen weniger von einer heimischen Strategie geprägt als vielmehr von Washingtons Stimmungsschwankungen. Sind die USA zuversichtlich, sind sie ruhig. Ist Washington unruhig, sind sie in Panik.
Jetzt sehen wir, wie aus dieser Panik offene Aggression wird. In einem ansonsten ruhigeren Teil des Planeten haben Westeuropa und Japan angefangen, mit einem Maß militarisierter Ängstlichkeit zu posieren, das in keinem Verhältnis zu ihrer realen Macht steht. Ihr zunehmend konfrontatives Verhalten gegenüber Russland und China ist weniger ein Zeichen der Stärke als eines der Verwirrung, und eines Mangels an Zuversicht bezüglich ihrer Rolle in der entstehenden Weltordnung.
Die Wurzeln reichen tief. Das moderne Westeuropa ist, wie Japan, im Grunde eine Nachkriegsschöpfung. Der Zweite Weltkrieg ist für beide schlecht ausgegangen. Deutschland, Italien und Japan wurden direkt geschlagen und besetzt. Großbritannien und Frankreich behielten die äußeren Symbole der Macht, aber in militärischer Hinsicht stellten sie ihre Sicherheit unter den US-amerikanischen Schirm. Ihre Diplomatie war ein Faden im größeren amerikanischen Gewebe.
Während des Kalten Kriegs funktionierte dieses Arrangement einigermaßen. Die Drohung einer Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion bedeutete, dass den Westeuropäern und den Japanern klar war, jeder Krieg würde auf ihrem Boden ausgetragen. Aber eben diese Möglichkeit erzwang auch Zurückhaltung. Nachdem die Vereinigten Staaten und die UdSSR in den 1970ern wechselseitige atomare Abschreckung erreichten, genossen Europa und Japan eine seltene Periode der Stabilität und Autonomie. Der Handel mit der UdSSR wuchs. Es wurden größere Pipelines gebaut. Der politische Dialog war zwar beschränkt, aber real. Eine Zeitlang schien es, als ob sie alle die Fähigkeit wiederentdecken könnten, unabhängig zu handeln.
Diese Zeit ist vorüber. Die heutige Landschaft ist anders. Washingtons eigene Zuversicht versagt, zerrissen zwischen inneren Teilungen und einer unklaren Vorstellung von Richtung im Ausland. Und diese Unsicherheit hat seine Verbündeten entblößt. Ohne ihren eigenen strategischen Kompass haben die westeuropäischen und die japanischen Eliten nach dem einen Werkzeug gegriffen, das sie kennen: eine Show der Stärke.
Die Ergebnisse sind sichtbar. Laut einem kürzlichen Ranking in Wsgljad sind Großbritannien, Deutschland und Frankreich jetzt die Führenden bei den Ausgaben für Aufrüstung gegen Russland. Ihre Regierungen sprechen offen davon, eine Kriegsmaschine zu schaffen, die für einen einzigen Zweck geschaffen wird: Moskau entgegenzutreten. Westeuropa erinnert immer mehr an ein Militärlager, das nach dem Gestellungsbefehl sucht. Es ist alles andere als sicher, dass diese Ziele den Kontakt mit der wirtschaftlichen Realität oder der öffentlichen Meinung überstehen, aber die Absicht ist unmissverständlich. Enorme Summen fließen in die Wiederbewaffnung, und die Rhetorik wird von Monat zu Monat lauter.
Japan folgt demselben Drehbuch, mit China als Ziel. Tokio hat schon das Gespenst einer "Gefechtswarnung", wenn Peking gewaltsam gegen Taiwan vorgehen sollte. Die jüngsten Kommentare der Premierministerin, die in China schnell als eine Infragestellung der territorialen Integrität gedeutet wurden, geben eine neue Kriegslüsternheit wieder. Diskussionen darüber, sich nukleare Waffen zuzulegen, kreisen mit erschütternder Beiläufigkeit. Japan modernisiert seine Truppen und signalisiert Bereitschaft für einen größeren Konflikt, obwohl seine eigene Verfassung geschrieben wurde, um genau dies zu verhindern.
Man ist versucht, sich vorzustellen, dass Washington diese Wende vorgibt. In Wirklichkeit geschieht etwas Komplexeres. Westeuropa und Japan suchen nach ihrem Platz in einer Welt, in der die Vereinigten Staaten nicht länger für Stabilität garantieren. Ihre Macht war jahrzehntelang eine Ableitung der amerikanischen. Jetzt gerät dieses Fundament ins Rutschen, und sie fürchten das, was kommt.
Zwei Kräfte verstärken diese Ängste. Erstens, ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung nimmt ab. China, Indien und andere aufsteigende Staaten formen die globale Hierarchie neu. Die Tage, in denen Westeuropa und Japan selbstverständlich im Zentrum der Weltpolitik standen, sind vorüber. Sie scheinen zunehmend mehr die Gegenstände der Strategien anderer zu sein als die Autoren der eigenen. Ein treffendes Beispiel: Führende chinesische Vertreter weigerten sich, den deutschen Außenminister während eines geplanten Besuchs zu treffen. Peking weigerte sich einfach. Das war eine Erinnerung daran, dass einige europäische Angewohnheiten, andere zu belehren, nicht mehr automatisch Aufmerksamkeit erzeugen.
Zweitens, sowohl Westeuropa als auch Japan haben sich daran gewöhnt, die Verantwortung für die Folgen ihrer Handlungen zu vermeiden. In Jahrzehnten unter der amerikanischen Sicherheitsdecke wurde ein Instinkt für symbolische Gesten und risikofreies Moralisieren entwickelt. Jetzt, da wirkliche Entscheidungen mit wirklichen Kosten gefordert sind, ziehen sich die Eliten ins Theatralische zurück. Militärische Bedrohungen aufzublasen ist ein Weg, Aufmerksamkeit zurückzuholen und ein Gefühl zu bewahren, im Mittelpunkt zu stehen. Westeuropa hat dieses Muster jahrhundertelang genutzt und Krisen geschaffen, um Einfluss zu halten, und scheint begierig, das zu wiederholen.
Die Gefahr dabei ist, dass Verwirrung gemischt mit Unsicherheit oft Eskalation erzeugt. Washington, das mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist, nimmt an, dass seine Verbündeten endlos posieren können, ohne irgendetwas Ernsthaftes auszulösen. Dieses Vertrauen mag sich als unbegründet erweisen. Wenn Länder mit begrenzter strategischer Autonomie versuchen, sich mit Gewalt zu behaupten, geschehen Unfälle. Und andere, auch Russland und China, können sie nicht einfach ignorieren.
Nichts davon bedeutet, dass sich Westeuropa und Japan vorbereiten, um morgen einen größeren Krieg zu beginnen. Ihre Gesellschaften haben die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen, die es für eine Massenmobilisierung braucht, noch nicht erreicht. Aber das Verhalten ihrer Führer ist zunehmend erratisch, und das Ausmaß ihrer Rüstungsausgaben kann man nicht übersehen. Die Vereinigten Staaten nutzen derweil ihre Ängste als praktischen Hebel, während sie sich auf ihre umfassendere Rivalität mit China konzentrieren. Washington sieht darin wenig Schaden: Wenn die Westeuropäer einen Kampf mit Russland vom Zaun brechen, oder Japan mit China, glauben die USA, keine direkten Folgen spüren zu müssen.
Das könnte eine gefährliche Illusion sein. Russland und China machen die Handlungen ihrer ängstlichen Nachbarn etwas aus, gleich, wer ihnen ins Ohr flüstert. Die strukturellen Verschiebungen der globalen Politik sind real. Die Welt wird multipolarer. Die aufsteigenden Staaten setzen sich durch. Der amerikanische Einfluss schrumpft. Und diese Länder, die lange daran gewöhnt sind, im Schatten der amerikanischen Macht zu leben, sind unsicher, wie sie ohne ihn überleben sollen.
Sie ringen um Bedeutung und versuchen, Stärke zu signalisieren, ohne die Fähigkeiten zu besitzen, sie zu halten. Diese Mischung aus Unsicherheit, Nostalgie und strategischer Orientierungslosigkeit treibt einen großen Teil der Aggression, die wir jetzt an beiden Enden Eurasiens sehen.
Was sollte man tun? Es gibt keine einfache Antwort. Aber eines ist klar: Westeuropa und Japan müssen sich der Welt stellen, wie sie ist ‒ nicht, wie sie war. Ihre Versuche, Posen des Kalten Kriegs wieder erstehen zu lassen, werden ihren verlorenen Status nicht zurückbringen. Stattdessen laufen sie Gefahr, Krisen zu provozieren, mit denen sie nicht umgehen können.
Für Russland, China und andere, die gezwungen sind, mit diesen Nachbarn zu leben, ist Wachsamkeit essenziell. Die Herausforderung besteht nicht nur aus ihrem militärischen Gehabe, sondern auch aus der tieferen Unsicherheit dahinter. Nationen, die sich ihres Platzes in der Welt nicht gewiss sind, sind oft die Gefährlichsten. Nicht aus Stärke, sondern aus Furcht.
Ursprünglich erschienen am 17.11.2025 in der Zeitung Wsgljad. Übersetzt und bearbeitet von RT DE.
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Von Kirill Strelnikow
Die größte Schönheit des Tangos liegt darin, dass ihn zwei Menschen tanzen müssen. Und wer versucht, seinem Partner auf den Fuß zu treten, wird am Ende selbst humpeln. Dieses musikalisch-chirurgische Naturgesetz wird perfekt durch zwei Nachrichten veranschaulicht, die auf den ersten Blick scheinbar nichts miteinander zu tun haben.
Nachricht eins: US-Präsident Donald Trump hat zugestimmt, ein Gesetz zu unterzeichnen, das "höllische" Sanktionen gegen Länder vorsieht, die mit Russland Handel treiben (und überhaupt jegliche gemeinsamen Wirtschaftsprojekte haben).
Es wird erwartet, dass aufgrund dieser Sanktionen Zölle von bis zu 500 Prozent auf Importe in die USA erhoben werden. Hierbei besteht Trump darauf, die "vollständige Kontrolle über die Sanktionspolitik" zu haben – also die Macht über Strafe und Gnade. Wie in entwickelten Demokratien halt üblich, nicht wahr? Ziel ist es, Russland zu Zugeständnissen in der Ukraine-Krise und in der Folge zu Zugeständnissen auch in allen anderen Bereichen zu zwingen. Warum aufhören, wenn die Karten schon so günstig kommen?
Nachricht zwei: Am 19. November 2025 endete in Moskau ein zweitägiges Treffen des Rates der Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) unter dem Vorsitz des russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin. Das formell-diplomatisch verkündete Ziel der Veranstaltung war die "Stärkung der technologischen Souveränität, der Schutz kritischer Infrastrukturen und die Förderung von Handel und wirtschaftlicher Zusammenarbeit". Tatsächlich trafen sich die Regierungschefs der SOZ-Staaten, um die Anfang September verabschiedete SOZ-Entwicklungsstrategie für den Zeitraum bis zum Jahr 2035 noch eben rasch anzupassen und die Anstrengungen und Ressourcen auf drei Schlüsselbereiche zu konzentrieren: Energie, Transportlogistik und das Finanzsystem. Bei einem Treffen mit den Leitern der SOZ-Delegationen betonte Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin die gegenwärtige "volatile Wirtschaftslage inmitten von Turbulenzen auf den globalen Märkten, von einseitigen Sanktionen, Zöllen und Kriegen". Mit anderen Worten: Es ist eine Situation entstanden, in der der Westen überzeugt ist, Russland maximalen Schaden zufügen und uns im Idealfall wirtschaftlich gänzlich strangulieren zu können, indem er den Energieträgerhandel unterbricht, Transportströme blockiert und Finanzströme abriegelt. Doch dies ist ein schwerwiegender Irrtum – oder besser gesagt, ein tragischer.
Zu zunehmendem und wilderem Unmut unserer selbst ernannter "Bestrafer" schreitet der Energiesektor der SOZ stetig voran. Da kommt einem nicht allein der Witz "Na, Kaufmann, wie steht es um Ihre Gesundheit? – Ha, darauf können Sie lange warten!" in den Sinn, sondern vor allem das Motto "Aber auch das ist noch nicht alles!" Nur einige Beispiele:
• der Baubeginn der Erdgaspipeline Kraft Sibiriens 2 (geplante Durchsatzkapazität 50 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr über 30 Jahre);
• die Entwicklung einer neuen Erdgaspipeline zwischen Russland und Kasachstan (bis zu 45 Milliarden Kubikmeter pro Jahr);
• die Entwicklung von fünf großen Wasserkraftprojekten in Pakistan;
• der Bau des größten Kernkraftwerks im Iran (vier Reaktoren, insgesamt fünf Gigawatt, Wert 25 Milliarden US-Dollar, Baufrist etwa zehn Jahre). Bis zum Jahr 2041 will der Iran insgesamt acht Reaktoren bauen und bauen lassen, zusätzlich zu einem separaten Projekt für kleinere Kernkraftwerke – und die Gesamtleistung von 20 Gigawatt in Kernkraftwerken erreichen.
Fortschritte in der Logistik:
• die beschleunigte Umsetzung des Nord-Süd-Transportkorridors, insbesondere des Baus der letzten Eisenbahnverbindung zwischen Russland und dem Iran (Rasht-Astara), wodurch der Güterumschlag auf 15 Millionen Tonnen pro Jahr steigen wird, sowie der Entwicklung des östlichen Zweigs dieses Korridors mit Verlauf durch Afghanistan und Pakistan;
• die Entwicklung der zweigleisigen Trans-Aral-Eisenbahnstrecke und der Transafghanischen Eisenbahn, die Zentralasien mit Südasien verbinden werden;
• die deutliche Steigerung der Umschlagkapazität der Nördlichen Seeroute auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr bis zum Jahr 2030 (vergleichbar mit dem Suezkanal).
Finanzieller Durchbruch:
• der Beginn der Entwicklungsarbeiten an der SOZ-Entwicklungsbank, die die Grundlage für ein unabhängiges Zahlungssystem der Organisation bilden, westliche Verwahrstellen ersetzen und als Drehscheibe für neue Zahlungsarten, einschließlich digitaler Währungen und digitaler Finanzanlagen, fungieren wird;
• die gegenseitige Anerkennung von Kreditratings;
• die Ausgabe russischer Staatsanleihen in Yuan (korrekt: Renminbi), wodurch die Kosten für staatliche Kreditaufnahme und Schuldenbedienung deutlich gesenkt werden;
• die Ausgabe gemeinsamer Anleihen der SOZ-Staaten;
• die Schaffung einer Alternative zu SWIFT.
Wie Putin erklärte, erreicht der Handelsumsatz zwischen Russland und den anderen Staaten der SOZ bereits 409 Milliarden US-Dollar pro Jahr, und die Aussichten sind unermesslich größer. Die SOZ kann und sollte daher zu einer der einflussreichsten Vereinigungen der Welt werden.
Das Moskauer Treffen sendete eine klare Botschaft an den Westen: Wer bereit ist, einen Wirtschaftskrieg gegen Länder zu führen, die ein Drittel des weltweiten BIP erwirtschaften, muss mit den Konsequenzen rechnen. Denn Drohungen und Erpressung werden hier nicht ziehen – dafür hat sich der Westen die Falschen ausgesucht.
Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 20. November 2025.
Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetexter-Coach und politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender NTV, Ren-TV und Swesda. Er absolvierte eine linguistische Hochschulausbildung an der Moskauer Universität für Geisteswissenschaften und arbeitete viele Jahre in internationalen Werbeagenturen an Kampagnen für Weltmarken. Er vertritt eine konservativ-patriotische politische Auffassung und ist Mitgründer und ehemaliger Chefredakteur des Medienprojekts PolitRussia. Strelnikow erlangte Bekanntheit, als er im Jahr 2015 russische Journalisten zu einem Treffen des verfassungsfeindlichen Aktivisten Alexei Nawalny mit US-Diplomaten lotste. Er schreibt Kommentare primär für RIA Nowosti und Sputnik.
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Die US-Regierung hat ihre Kritik an der europäischen Migrationspolitik verschärft. Präsident Donald Trump betrachtet unkontrollierte Migration als Gefahr für die politische und gesellschaftliche Stabilität westlicher Staaten.
Das amerikanische Außenministerium hat Botschaften in Europa angewiesen, nationale Asylsysteme zu analysieren und Washington über mögliche Fehlanreize oder sicherheitsrelevante Entwicklungen zu unterrichten.
Mass migration is a human rights concern. Western nations have endured crime waves, terror attacks, sexual assaults, and the displacement of communities.U.S. officials will urge governments to take bold action and defend citizens against the threats posed by mass migration.
— Department of State (@StateDept) November 21, 2025In einer Mitteilung erklärt das State Department, dass Masseneinwanderung sowohl die öffentliche Sicherheit als auch grundlegende Menschenrechtsstandards berühre.
Genannt werden Fälle schwerer Gewalt in Deutschland, Schweden und dem Vereinigten Königreich, die aus US-Sicht auf strukturelle Schwächen im europäischen Umgang mit Migration hinweisen.
Die Initiative sorgt in mehreren EU-Hauptstädten für Irritationen.
Skeptiker werten dies als unzulässige Einflussnahme auf innenpolitische Auseinandersetzungen. Unterstützer halten dagegen, die amerikanische Position zwinge Europa zu einer überfälligen Prüfung sicherheitspolitischer Gefahren. Ob der Vorstoß aus Washington tatsächlich eine neue gemeinsame Ausrichtung hervorbringt, bleibt offen. Sicher ist lediglich, dass die Migrationsfrage erneut zum zentralen Prüfstein der politischen Verständigung zwischen den USA und Europa wird.
Großbritannien kämpft mit steigender Migration und wachsendem Sicherheitsdruck
Großbritannien ringt mit einer Migrationslage, die sich trotz politischer Beteuerungen nicht stabilisiert. Die Nettozuwanderung erreichte nach dem EU-Austritt Rekordwerte. Neue Zahlen des Statistikamts zeigen zwar einen Rückgang, doch bleibt die absolute Belastung hoch.
Vor allem die Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten prägt den Trend, während irreguläre Überfahrten über den Ärmelkanal weiter steigen. Schleusernetzwerke operieren professionell und nutzen Schwächen der Grenzbehörden aus.
Besonders belastend wirken die langjährigen Missbrauchsfälle in Städten wie Rotherham, die ein umfassendes Behördenversagen offenlegten. Der angekündigte Untersuchungsprozess soll Klarheit schaffen, doch viele zweifeln an konsequenter Aufarbeitung. Gleichzeitig steigen die Kosten des Asylsystems, und die Unterbringung Tausender Schutzsuchender bindet erhebliche Mittel.
Merkels Flüchtlingspolitik des "Wir schaffen das" ist gescheitert
Deutschland steht heute vor den Scherben einer überlasteten Asylpolitik, die nun verschärft korrigiert werden soll.
Zehn Jahre ist es her, dass Angela Merkel den Deutschen versprach: "Wir schaffen das". Ein Satz, der wie ein Symbol für Solidarität klang, sich aber als Paradebeispiel politischer Selbstüberschätzung erwiesen hat.
Über sechs Millionen Migranten kamen in dieser Zeit nach Deutschland. Einige haben sich erfolgreich integriert. Doch die gesellschaftlichen und finanziellen Folgen überwiegen. Schulen, öffentliche Räume und der Staatshaushalt tragen die Last. Die Kriminalstatistik zeigt, dass Tatverdächtige mit Migrationshintergrund in einzelnen Bereichen überrepräsentiert sind.
Organisierte Schleuserkriminalität verschärft die Lage zusätzlich. Gewalt gegen Frauen steigt, ein Drittel der Opfer häuslicher Gewalt hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Schutzmaßnahmen wie elektronische Fußfesseln oder mehr Frauenhausplätze werden angekündigt, doch sie wirken wie Pflaster auf klaffende Wunden.
Friedrich Merz konnte bisher keine Korrekturen durchsetzen. Einige Grenzkontrollen oder Einschränkungen beim Familiennachzug ändern kaum die Lage. Deutschland steht ärmer, unsicherer und gespalten da. Das Land hat die Erwartungen nicht erfüllt. Zehn Jahre "Wir schaffen das" zeigen, dass Optimismus allein keine Politik ersetzt.
Kriminalität wird in die Schweiz importiert
Die Sorge um Sicherheit wächst: Abends am Zürcher Hauptbahnhof oder frühmorgens an der Langstrasse fühlen sich immer mehr Menschen bedroht. Die Realität zeigt: Kriminalität entsteht nicht nur innerhalb der Schweiz ‒ sie wird importiert.
Bestimmte Gruppen von Migranten sind bei schweren Gewalttaten überdurchschnittlich vertreten.
Statistiken zeigen, dass Afghanen, Marokkaner und Tunesier deutlich häufiger angezeigt werden als Schweizer. Auch Menschen vom Balkan oder aus Teilen Osteuropas fallen häufiger durch Gewaltkriminalität auf.
Ein konkretes Beispiel ist Riad, 27, aus Algerien, der innerhalb weniger Stunden acht Diebstähle begeht – von Handtaschen über Autos bis zu Elektronikartikeln. Er gehört zu einer kleinen, aber auffälligen Gruppe von Intensivtätern aus dem Maghreb, die schweizweit die Strafverfolgung herausfordert.
Das föderale System erleichtert es den Tätern, sich zwischen den Kantonen zu bewegen, erschwert jedoch die Strafverfolgung und ermöglicht es ihnen, die maximale Haftdauer von 48 Stunden auszunutzen. Schnellverfahren sollen die Täter rasch aus dem Verkehr ziehen, stoßen jedoch an Grenzen, etwa bei fehlenden Wohnsitzen oder fehlender Kooperation der Beschuldigten.
Donald Trump sorgte bei seiner Rede vor der UN-Generalversammlung für Aufsehen, als er behauptete, 72 Prozent der Häftlinge in Schweizer Gefängnissen seien Ausländer.
Diese Zahl entspricht den offiziellen Daten: Laut Bundesamt für Statistik befanden sich am 31. Januar 2025 von insgesamt 6.994 Gefangenen 5.069 im Ausland geborene Personen in Schweizer Haftanstalten – das entspricht 72,5 Prozent. Dabei sind Schweizer mit ausländischer Herkunft, die eingebürgert wurden, noch nicht eingerechnet.
Die Schweiz weist damit tatsächlich einen der höchsten Ausländeranteile in Gefängnissen weltweit auf. Nur wenige Kleinstaaten wie Monaco, Liechtenstein oder Luxemburg verzeichnen noch höhere Werte.
Der hohe Anteil ausländischer Häftlinge spiegelt nicht nur die Migrationslage, sondern auch die Zusammensetzung der Bevölkerung wider: Rund 27,4 Prozent der Menschen in der Schweiz haben einen ausländischen Pass.
Besonders auffällig ist der Anteil von Ausländern ohne festen Wohnsitz in der Schweiz. Laut Studien umfasst diese Gruppe rund 34 Prozent aller Gefängnisinsassen. Dazu zählen Grenzgänger, Touristen, Sans-Papiers oder andere Personen ohne festen Aufenthaltsstatus. Auch wenn diese Details die Zahlen differenzieren, ändert dies nichts daran, dass der Großteil der Häftlinge Ausländer ist.
Ein internationaler Vergleich zeigt ähnliche Trends: In Deutschland lag der Anteil ausländischer Gefangener Ende März 2024 bei 37,4 Prozent, in Österreich überstieg er sogar die Hälfte aller Insassen.
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Von Alexander Timochin
Weniger als einen Monat, nachdem Südkorea Andeutungen über mögliche Atom-U-Boote gemacht hatte, erklärte der japanische Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi, Japan solle den Einsatz von Atom-U-Booten anstelle von dieselelektrischen in Betracht ziehen. In einer Rede gab Koizumi zum Besten:
"Die Lage um Japan herum wird so komplex, dass wir uns überlegen müssen, ob wir weiterhin Dieselkraftstoff verwenden oder die Wahl zugunsten von Atom-U-Booten treffen."
Über Atom-U-Boote denken die Japaner schon lange nach. Es ziemt sich nur nicht, darüber zu sprechen. Dasselbe gilt für die japanische Überwasserflotte, die schon heute in der Lage ist, die Marinen Großbritanniens oder Frankreichs zu schlagen. Ebenso wie für ihre weltweit zweitstärkste Flotte an U-Boot-Abwehrflugzeugen. Und eine Luftwaffe, die es mit den Chinesen Kopf an Kopf aufnehmen kann.
Die Japaner sind Meister der kognitiven Verzerrung. Sie lügen nicht und verheimlichen nichts. Aber sie stellen es so geschickt an, dass die Menschen sich schlichtweg nicht für japanische Militärpläne interessieren und stattdessen das Bild eines friedliebenden Landes mit Anime, Reiskuchen und einer hochentwickelten Autoindustrie im Kopf behalten.
So haben die Japaner ihre Experimente mit Feststoffraketen nicht geheim gehalten – sie führten sie einfach unter dem Deckmantel des M-V-Raketenprogramms durch, das auch dem Schießen von Satelliten in den Orbit gewidmet war. Nun können sie bei Bedarf eine Rakete bauen, die in der Lage ist, zehn Gefechtsköpfe an jeden beliebigen Ort im Umkreis von Tausenden Kilometern zu bringen. Doch das entgeht dem öffentlichen Bewusstsein eben.
Auch die japanischen geophysikalischen Raketen, die Hunderte von Kilogramm Nutzlast ins All befördern können, haben mehr als nur wissenschaftliche Bedeutung. Als die Japaner ihre "hubschraubertragenden Zerstörer" etwa der Izumo-Klasse bauten, war sofort klar, dass es sich bei diesen eigentlich um Flugzeugträger handelte, aber auch das wurde nicht hervorgehoben. Jetzt, da bereits F-35B (zugegebenermaßen ist dies "bloß" die Version der F-35 mit Kurzstart und senkrechter Landung) von diesen Flugzeugträgern aus starten, wird es ebenfalls nicht betont.
Ebenso weiß jeder, dass Japan im Bereich der Kernreaktoren autark ist. Alle wissen auch, dass Japan nur wenige Monate von Atombomben trennen, sobald Tokio die Entscheidung fällt, diese zu bauen. Doch all das läuft nur irgendwie im Hintergrund der medialen Berichterstattung und wird nicht berücksichtigt. So funktioniert kognitive Verzerrung. Dasselbe gilt für Atom-U-Boote.
Im Jahr 1952 endete die Besatzung Japans offiziell. Japan und die Vereinigten Staaten wurden offiziell Verbündete, und die Japaner standen vor der Frage des Wiederaufbaus ihrer militärischen Stärke. Dies war ein langwieriger Prozess, der bis heute läuft – langsam, gerade so, dass niemand beunruhigt wird.
Atomkraftwerke für Schiffe waren Teil dieses Prozesses, doch hier geht Japan besonders vorsichtig vor. Im Jahr 1955 wurde in Japan das halbstaatliche Japanische Atomenergie-Forschungsinstitut gegründet, das heute Teil der Japanischen Atomenergiebehörde ist. Im selben Jahr begann das Institut, nicht nur Reaktoren zum Erzeugen elektrischer Leistung zum Einspeisen ins Landesnetz, sondern auch Fahrzeugreaktoren zu erforschen. Zu diesem Zweck wurde die "Forschungsgruppe für Atomschiffe" gegründet.
Im Jahr 1963 verabschiedete das Institut den "Grundlagenforschungsplan für die Entwicklung und den Bau eines Schiffes mit Atomantrieb". Ein Jahr später begannen die Japaner mit der Entwicklung und dem Bau eines solchen Erprobungsschiffs – des Frachtschiffs Mutsu, das später in ein Forschungsschiff umgebaut wurde.
Hier ist eine wichtige Anmerkung angebracht: Ein Atomkraftwerk auf einem zivilen Schiff bedeutete nicht einmal damals zwangsläufig dessen militärische Nutzung (siehe die Flotte der Sowjetunion, später Russlands an nuklear angetriebenen Eisbrechern). Die UdSSR baute zu jener Zeit bereits atomgetriebene Eisbrecher; in den Vereinigten Staaten lief 1959 die Savannah, ein kommerzielles Atomschiff, das gleichzeitig als Frachter und Passagierschiff dienen sollte, vom Stapel; in Westdeutschland wurde das nuklear angetriebene Erprobungs- und Frachtschiff Otto Hahn gebaut und bis zum Jahr 1979 mit einem Atomkraftwerk betrieben.
Die Japaner jedenfalls deklarierten ihr Schiff, genau wie die Amerikaner und Deutschen, einerseits als "experimentelles Frachtschiff". Andererseits verfügte die Mutsu über Frachträume rein symbolischer Kapazität, und es war offensichtlich, dass die Japaner nicht die kommerzielle Nutzung von Atomanlagen zu kommerziellen Transportzwecken erforschen und erproben wollten, sondern deren Einsatzmöglichkeiten für jegliche Zwecke. Dies war der grundlegende Unterschied zwischen der Mutsu und sowohl dem demonstrativ zivilen US-amerikanischen als auch dem deutschen Entwurf, der sogar Massengut transportieren konnte.
Als die Mutsu fertiggestellt war, hatten das US-amerikanische und das deutsche Beispiel bereits deutlich gemacht, dass zivile Atomschiffe keine Zukunft hatten – sie durften schlichtweg die Mehrzahl der Häfen nicht anlaufen, und die Wartung war für nichtstaatliche Organisationen zu komplex. Die UdSSR bildete keine Ausnahme, da abgesehen von Eisbrechern, die eine höhere Leistung benötigten als eine dieselelektrische Anlage sie wirtschaftlich liefern kann, zu dieser Zeit keine zivilen Atomschiffe gebaut wurden.
(Als Ausnahme sind Reaktorschiffe denkbar, die, ohne selber direkt in Häfen einzulaufen, als Fahrgastschiffe ihre Passagiere mittels Zubringerbooten empfangen und absetzen, beziehungsweise als Frachtschiffe zum Laden und Löschen ihrer Fracht Leichter einsetzen ‒ die später in der Sowjetunion gebaute und betriebene Sewmorput ist hierfür ein Beispiel ‒ oder aber, ähnlich einem schwimmenden Trockendock, Zubringer-Frachtboote in ihrem Inneren aufnehmen und sie dann be- und entladen können. Alternativ ließen sich konventionelle dieselelektrische Fracht- oder Passagierschiffe dafür auslegen, nach Verlassen des Hafens unter eigenem Antrieb an selbstbewegliche schwimmende Atomkraftwerke passender Größe anzudocken. Anschließend würden sie entweder ihre Elektromotoren zum Antrieb ihrer Schiffsschrauben vom besagten Kraftwerk speisen und/oder sich von diesem mithilfe von dessen eigener Schraubenleistung antreiben lassen; Anm. d. Red.)
Die Japaner erkannten also durchaus die überwiegende Sinnlosigkeit von Atomkraftwerken für die zivile Schifffahrt – dennoch wurde die Mutsu im Jahr 1972 vom Stapel gelassen. Das einzige "rein zivile" an den technischen Daten des Schiffes war der Urananreicherungsgrad seines Reaktors – etwa 4,44 Prozent –, und nicht einmal hier ist die Sache so einfach: Niedrig angereichertes Uran wird durchaus auch in Militärreaktoren verwendet, beispielsweise in den französischen Atom-U-Booten der Rubis-Klasse (Anreicherungsgrad 7 Prozent).
Im Jahr 1974 unternahmen die Japaner den ersten Versuch, den Atomreaktor der Mutsu in Betrieb zu nehmen, scheiterten jedoch sofort – es kam zu einem Unfall mit einem Austritt radioaktiven Kühlmittels. Der Unfall wurde behoben, und das Schiff konnte seinen Betrieb fortsetzen. Und genau hier liegt der interessante Punkt:
Unter Bedingungen der gewerblichen Schifffahrt, unter denen die Unmöglichkeit des Einsatzes von Kernkraftwerken bereits offensichtlich war, blieb die Mutsu 21 Jahre lang im Dienst. Zum Vergleich: Die US-Amerikaner und Deutschen hatten sich bereits nach zehn Jahren Experimenten mit nuklear angetriebenen Handelsschiffen vollends sattgespielt. Die Japaner hingegen perfektionierten ihren Druckwasserreaktor (im Wesentlichen derselbe wie die in U-Booten verwendeten) bis zum Erreichen von … nun, wir wissen nicht, was genau sie erreichen wollten, aber sie haben es wohl erreicht. Dass sie alle praktischen Probleme haben lösen können, ist hinlänglich bekannt. Doch warum sie ein Schiff, das in der ersten Phase seines Betriebs dauerhavariert war, sage und schreibe 21 Jahre lang betrieben, bleibt ein Rätsel. Das Schiff selbst wurde, nachdem die technischen Probleme gelöst waren, im Jahr 1995 auf einen konventionellen Antrieb umgerüstet, in "Mirai" umbenannt und zu einem Forschungsschiff umgebaut.
Jedenfalls unternahm Japan keine weiteren Versuche mehr, Schiffsreaktoren zu bauen. Die Forschung auf diesem Gebiet wurde jedoch fortgesetzt. Japan führte auch Unterwasserforschungen durch. Im Jahr 2015 veröffentlichte dasselbe Institut die Studie "Betriebsbedingungen und Betriebsmodus eines atomgetriebenen Unterwasserforschungsschiffs; Bericht der Arbeitsgruppe zur Anwendung eines ultrakompakten Kernreaktors für die Meeresforschung". Ein Forschungsschiff wurde natürlich nie gebaut – aber dafür wurde die Forschung dennoch fortgesetzt.
Die japanischen Bemühungen gewannen in den 2020er Jahren neuen Schwung: Im Jahr 2024 wurde bekannt gegeben, dass Mitsubishi Heavy Industries ein Kooperationsabkommen mit dem britischen Unternehmen Core Power zur Entwicklung eines Schiffsreaktors unterzeichnet habe.
In letzter Zeit häufen sich Veröffentlichungen, die nahelegen, dass atomgetriebene Handelsschiffe sehr wohl eine Zukunft haben. Heute wissen wir allerdings, dass auch Südkorea seine militärische Forschung zu nuklearen Schiffsantrieben hinter der hypothetischen Nutzung von Kernenergie für Handelsschiffe verbarg. Und wie sich herausstellen sollte, war Südkorea eben nicht das einzige solche Land.
Im Februar 2024 richtete das japanische Verteidigungsministerium das sogenannte Hauptquartier zur Umsetzung der Verbesserung der grundlegenden Verteidigungsfähigkeiten ein, das eine ständige Expertengruppe mit Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern bildete. In einem Bericht vom 19. September 2025 empfahl man dort, "die Anschaffung verbesserter Langstrecken- und Langzeit-Tauchfähigkeiten für U-Boote mit Senkrechtstartraketen zu erwägen … ohne Rücksicht auf herkömmliche Einschränkungen".
Dies anders zu interpretieren als einen direkten Bezug zu Atom-U-Booten, ist schon sehr schwer, da Japan die einzige andere Alternative zu dieselektrischen U-Boot-Antrieben, anaerobe Antriebstechnologien, bereits jetzt nutzt. Doch bevor Südkorea die USA um Erlaubnis zum Bau von Atom-U-Booten bat, wartete Japan ab. Nun, unter dem Deckmantel angeblicher Bedrohungen seitens Russlands, Chinas und der Demokratischen Volksrepublik Korea, hat Tokio sein Interesse an Atom-U-Booten öffentlich bekundet. Eine Entscheidung ist damit noch nicht gefallen: Es wird wohl einige Zeit dauern, bis sich alle an die Diskussion um Japans Atom-U-Boot-Flotte gewöhnt haben und den Nachrichten darüber keine Beachtung mehr schenken.
Japans Fähigkeit, Atom-U-Boote eigenständig zu bauen, sollte jedenfalls außer Frage stehen.
U-Boot-Bauprojekte wie die Taigei-Klasse zeigen deutlich, dass Japan, abgesehen vom Antrieb, nichts Neues entwickeln muss – ihm steht bereits alles zur Verfügung. Japan fehlt lediglich das hochangereicherte Uran, wie es in US-amerikanischen und russischen U-Boot-Reaktoren verwendet wird. Wie jedoch das Beispiel Frankreichs zeigt, geht es eben auch ohne. Und Japan hatte wortwörtlich Jahrzehnte Zeit, einen Marinereaktor mit niedrig angereichertem Uran zu entwickeln, und hat diese Zeit intensiv genutzt.
Eine Präsenz von Atom-U-Booten in der japanischen Flotte eröffnet Tokio die Möglichkeit, Kampfgruppen zu bilden, die denen der US-Marine mit ihren Flugzeugträgern nur geringfügig unterlegen sind. Diese Gruppen werden zudem schlagkräftiger sein als die sogenannten Expeditionary Strike Groups (ESGs) der US-Marine, die amphibische Angriffsschiffe mit Kampfflugzeugen anstelle von "richtigen" Flugzeugträgern einsetzen.
Japan wird damit die Fähigkeit erlangen, maritime Operationen in Reichweiten durchzuführen, die lediglich durch die Ausdauer der U-Boot-Besatzung und die Bordvorräte an Verpflegung begrenzt sind. Die Japaner werden dann im Ochotskischen Meer, vor Kamtschatka sowie im Wesentlichen überall im asiatisch-pazifischen Raum operieren können. Die etwaigen Vorteile japanischer U-Boote im Kampf hängen von ihrer zukünftigen Konstruktion ab.
Russland ist sich bekanntlich der feindseligen Politik Tokios gegenüber Moskau, insbesondere auf See, bewusst. Die Aufnahme von Atom-U-Booten in die japanische Marine wird die japanische Bedrohung für Russland auf ein Niveau bringen, das mit dem vor dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei Wsgljad am 17. November 2025.
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Von Sergej Strokan
Am 17. November traf sich der russische Außenminister Sergei Lawrow in Moskau mit seinem indischen Amtskollegen Subrahmanyam Jaishankar. Jaishankar war anlässlich der Tagung des Rates der Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) nach Moskau gereist. Dies war das letzte hochrangige Treffen vor dem für Anfang Dezember in Neu-Delhi geplanten Gipfeltreffen zwischen Indien und Russland.
Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Indien wird von besonderer Bedeutung sein, da es sich um seine erste Reise dorthin seit Beginn des Ukraine-Konflikts handelt, insbesondere angesichts der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, Indien dazu zu bewegen, sich vom russischen Öl abzuwenden. Trotz des Drucks von außen, der diesen Gipfel zu einer großen Herausforderung macht, signalisieren sowohl Moskau als auch Neu-Delhi, dass die Einmischung der USA ihre strategische Partnerschaft nicht schwächen wird.
Vor den Gesprächen mit Lawrow am Rande des SOZ-Treffens hatte Jaishankar am 7. November in Neu-Delhi den stellvertretenden russischen Außenminister Andrei Rudenko getroffen. Im Anschluss an dieses Treffen berichtete das russische Außenministerium, dass beide Seiten "Meinungen zu dringenden Fragen, zukünftigen Richtungen für eine vielschichtige bilaterale Zusammenarbeit und dem Zeitplan für bevorstehende hochrangige Treffen ausgetauscht haben".
Obwohl der Kreml die Termine für Putins Besuch noch nicht offiziell bekannt gegeben hat, wird davon ausgegangen, dass das 23. Indien-Russland-Gipfeltreffen Anfang Dezember stattfinden wird. Dies fällt mit dem geplanten Russland-Indien-Forum zusammen, das von Roscongress organisiert wird.
"Das Russland-Indien-Forum findet vom 4. bis 5. Dezember 2025 in Neu-Delhi, Indien, statt. Hochrangige Beamte und Wirtschaftsführer beider Länder werden an dem Forum teilnehmen", gab Roscongress bekannt.
Zu den wichtigsten Diskussionsthemen des Forums gehören der Ausbau der industriellen Zusammenarbeit, die Verbesserung des Zugangs für indische Maschinen und technische Güter zum russischen Markt sowie die Steigerung der russischen Käufe indischer Lebensmittelprodukte. Darüber hinaus werden die Parteien Möglichkeiten für gegenseitiges Wachstum im Bereich der digitalen Dienste, die Steigerung der russischen Importe indischer Arzneimittel und Arbeitskräfte sowie die Verbesserung der Zusammenarbeit im Tourismusbereich und des touristischen Austauschs untersuchen.
Letzte Woche leitete Alexei Grusdew, der stellvertretende russische Minister für Industrie und Handel, die russische Delegation beim Internationalen Partnerschaftsgipfel in Vishakhapatnam im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. In einem Interview mit russischen Journalisten betonte er, dass das bevorstehende Forum, das zeitgleich mit dem hochrangigen Gipfeltreffen stattfindet, sich auf die Erschließung neuer Nischen konzentrieren werde, insbesondere auf Möglichkeiten zur Steigerung der Importe aus Indien.
Unterdessen berichtet die indische Zeitung Economic Times, dass auf dem Gipfel voraussichtlich ein Abkommen über die Mobilität von Arbeitskräften geschlossen wird, das darauf abzielt, die Zahl der in Russland arbeitenden indischen Staatsbürger in den kommenden Jahren zu erhöhen.
Da es seine erste Reise dorthin seit Beginn des Ukraine-Konflikts ist, hat der Indien-Besuch von Putin eine große symbolische Bedeutung. Es ist erwähnenswert, dass vor genau 25 Jahren, im Oktober 2000, Präsident Putin und der damalige Premierminister Atal Bihari Vajpayee eine Erklärung über eine strategische Partnerschaft unterzeichneten, die die Verpflichtung beinhaltete, jährliche Treffen der Staatschefs beider Länder abwechselnd in Russland und Indien abzuhalten.
In den letzten fünf Jahren wurde diese langjährige Tradition jedoch unterbrochen. Putins letzter Besuch in Indien fand 2021 statt, vor Beginn der Militäroperation in der Ukraine und den umfangreichen Sanktionen und Bemühungen, Russland international zu isolieren. Der wachsende Druck auf Moskau und die Versuche des Westens, Neu-Delhi in eine antirussische Koalition einzubinden, haben die Partnerschaft zwischen Russland und Indien erschwert.
Indien hatte gehofft, dass Präsident Putin das Land 2023 während der indischen G20-Präsidentschaft besuchen würde. Auf dem Gipfeltreffen in Neu-Delhi wurde Russland jedoch von Lawrow vertreten.
Die Situation hat sich nach der Amtseinführung von Präsident Trump im Januar dieses Jahres weiter verschlechtert. Trump hat beispiellose Schritte in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Neu-Delhi unternommen und erklärt, er werde Indien dazu drängen, den Kauf von russischem Öl einzustellen. Und Trump ging über bloße Drohungen hinaus.
Am 6. August verhängte der US-Präsident zusätzliche Zölle in Höhe von 25 Prozent gegen Indien aufgrund des Erwerbs von russischem Öl und Erdölprodukten. Am 22. Oktober verhängte das US-Finanzministerium dann Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil sowie deren 34 Tochtergesellschaften.
Infolgedessen sahen sich große indische Ölraffinerieunternehmen, die eine Verletzung der US-Sanktionen befürchteten, gezwungen, neue Bestellungen zu stoppen und auf den Spotmärkten nach Alternativen zu russischem Öl zu suchen. Darüber hinaus hatte die staatliche Oil India Corporation Schwierigkeiten, auf Dividenden in Höhe von rund 300 Millionen US-Dollar aus russischen Ölfeldern zuzugreifen, da diese Gelder aufgrund internationaler Sanktionen in russischen Banken blockiert sind und somit nicht nach Indien transferiert werden können.
Oil India hält in Zusammenarbeit mit Indian Oil Corporation Bharat PetroResources Anteile an verschiedenen russischen Projekten. Indischen Quellen zufolge prüfen diese Unternehmen derzeit rechtliche Möglichkeiten zur Lösung der Probleme und hoffen, dass während des bevorstehenden Gipfeltreffens zwischen den Staatschefs beider Länder eine Lösung gefunden wird.
Bei der Erörterung dieses Konflikts im Internationalen Diskussionsklub Waldai stellte Präsident Putin fest, dass die Verluste Indiens durch Sanktionen denen entsprechen würden, die durch den Verzicht auf russische Energielieferungen entstehen würden. "Wenn Indien unsere Energierohstoffe ablehnen würde, würde es messbare Verluste erleiden, die unterschiedlich geschätzt werden. Einige gehen davon aus, dass diese sich auf neun bis zehn Milliarden US-Dollar belaufen könnten, wenn sie sich daran halten. Umgekehrt würden ihnen bei einer Ablehnung Sanktionen in Form höherer Zölle auferlegt, was ebenfalls zu vergleichbaren Verlusten führen würde. Warum sollten sie sich also daran halten?"
Unterdessen hat Trump seine Absicht signalisiert, den Druck zu erhöhen. "Wissen Sie, mit Indien und dem Öl, und Indien zieht sich jetzt zurück, und andere ziehen sich zurück", sagte Trump am 15. November in einem Interview mit GB News.
Am Vorabend des Treffens zwischen den Außenministern Russlands und Indiens kündigte Trump seine Bereitschaft an, einen Gesetzentwurf des US-Kongresses zu unterstützen, der Sanktionen gegen alle Länder vorsieht, die Geschäfte mit Russland machen. Diese Initiative umfasst sekundäre Sanktionen gegen Russlands Handelspartner und sieht einen erschreckenden Einfuhrzoll von 500 Prozent auf Waren vor, die aus Ländern, die Öl, Gas, Uran und andere Produkte aus Russland kaufen, in die USA eingeführt werden.
Dieser Artikel wurde zuerst von Kommersant veröffentlicht und vom RT-Team übersetzt und bearbeitet.
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Von Dmitri Skworzow
"Die russische Wirtschaft zeigt nicht nur Stabilität, sondern sorgt auch für tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Die Verdopplung des nominalen BIP, Rekordwachstumsraten und die Verringerung der Abhängigkeit vom Rohstoffsektor sind die wichtigsten Ergebnisse unserer Arbeit in den letzten Jahren", erklärte der russische Vize-Premierminister Alexander Nowak.
Trotz des Sanktionsdrucks der vergangenen Jahre konnte Russland sogar seine Exporte von Erdöl und Erdölprodukten steigern – im Jahr 2021 brachte dies dem Land 181 Milliarden US-Dollar ein, im Jahr 2024 – 195 Milliarden US-Dollar. Die Lieferungen von Pipelinegas sind zwar – aus offensichtlichen Gründen – deutlich zurückgegangen, dafür sind die Exporte von Kohle und Basismetallen stabil geblieben. Aber, was noch wichtiger ist: Der Anteil der Nicht-Rohstoff-Exporte an den gesamten Lieferungen russischer Waren ins Ausland steigt von 32,2 Prozent im Jahr 2022 auf 34,8 Prozent im Jahr 2024. Im Jahr 2025 wird das Volumen der Nicht-Rohstoffexporte nach Angaben des russischen Ministeriums für Industrie und Handel voraussichtlich 149,24 Milliarden US-Dollar erreichen.
Am deutlichsten wird dieser Erfolg am Beispiel der russischen Landwirtschaft. Noch vor 15 Jahren, im Jahr 2010, beliefen sich die russischen Lebensmittelexporte auf lediglich 8,1 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2022 erreichten sie bereits 41,6 Milliarden.
Das weitere Wachstum war eher bescheiden – nicht zuletzt aufgrund der Probleme, die der Westen den russischen Getreideexporten zu bereiten versuchte. Dabei ging ein Teil der Lieferungen zu Vorzugspreisen an die ärmsten Länder Afrikas und Asiens. Im Jahr 2023 brachte der Lebensmittelexport Russland 43,5 Milliarden US-Dollar ein, im Jahr 2024 – 43 bis 45 Milliarden US-Dollar. Diese Schwankungen in den Zahlen sind darauf zurückzuführen, dass die Lieferungen in nationalen Währungen oder in Währungen russlandfreundlicher Länder bezahlt wurden und eine korrekte Umrechnung in US-Dollar recht schwierig ist.
Gleichzeitig erfolgte eine Umorientierung der russischen Lebensmittelexporte von Europa hin zu befreundeten Ländern.
Der Anteil Europas ging stark zurück, dafür stiegen die Exporte nach China, Indien, Ägypten, Iran, Saudi-Arabien, Afrika, in die Türkei und in die GUS-Staaten. Insgesamt lieferte Russland im Jahr 2024 Agrarprodukte bereits in 160 Länder weltweit.
Auch die Struktur der Lebensmittelexporte wurde zunehmend differenzierter: Zwar dominieren nach wie vor Getreide und Pflanzenöle, jedoch steigt der Anteil von Fleisch, Milchprodukten, Süßwaren, Getränken, Fischfilets und Fertiggerichten rapide an. Und übrigens: Vor nicht allzu langer Zeit wurde Russland auf dem Weltmarkt nicht nur zum führenden Lieferanten von Weizen, sondern auch von Pflanzenöl. Unser Land gehört auch zu den drei weltweit führenden Fisch-Exporteuren.
In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 stieg der Export von Fleischfertigprodukten um 19 Prozent, von Teigwaren – um 25 Prozent, von Speiseeis – um 35 Prozent, von alkoholfreien Getränken – um 11 Prozent, von Süßwaren – um 7 Prozent, von Käse und Quark – um 19 Prozent und von Wein und Spirituosen – um 30 und 37 Prozent. All dies sind Produkte mit hoher Wertschöpfung, und dieses Wachstum ist nicht nur in den GUS-Ländern zu beobachten, sondern auch in China, der Türkei, Saudi-Arabien, Vietnam, Südkorea, Algerien, Angola und anderen Ländern Afrikas und Asiens.
Den zweitwichtigsten Nicht-Rohstoff-Exportsektor stellt die chemische Industrie dar, insbesondere die Düngemittelbranche.
Während die russischen Erdgaslieferungen ins Ausland zurückgegangen sind, steigt der Export von Düngemitteln, die auf Basis dieses Gases hergestellt werden – ein weiteres Beispiel für den erfolgreichen Absatz von Produkten mit hoher Gewinnmarge.
Im Jahr 2024 konnte Russland Düngemittel im Wert von rund 13 Milliarden US-Dollar ins Ausland verkaufen und damit mehr als 20 bis 22 Prozent des weltweiten Exports für sich beanspruchen. Damit festigte es seine Position als größter Marktteilnehmer in diesem Segment. Die Neuausrichtung der Lieferungen auf die BRICS-Länder, andere Länder Asiens und Afrikas sowie die Steigerung des russischen Marktanteils am weltweiten Export von Düngemitteln waren bereits vor Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine zu beobachten. So stiegen die Lieferungen von Düngemitteln nach Brasilien von 1,87 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 3,55 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021. Seit 2023 ist Brasilien der größte Abnehmer russischer Düngemittel (im Jahr 2024 – 4,17 Milliarden US-Dollar). Neben anderen großen Abnehmern (Indien, China) steigern auch Länder wie Thailand, Mexiko, Vietnam, Bangladesch, Myanmar, Indonesien und die Türkei ihre Düngemittelimporte aus der Russischen Föderation.
Am stärksten von den Sanktionen betroffen war jedoch nicht der Gassektor, sondern der Export russischer Hightech-Industrieprodukte. Nach 2022 gingen die Exporte russischer Maschinenbauprodukte in die EU um 41 Prozent zurück. Die Exporte nach den USA, Großbritannien, Kanada, Japan und Südkorea sanken bis 2024 um das 9- bis 10-fache.
Aber auch in diesem Fall gelang es, die Lieferungen von Maschinenbauprodukten umzuleiten. Die Exporte von Industrieausrüstung nach China stiegen 2022 um 4 bis 5 Prozent und 2023 um etwa 30 Prozent (und nach Indien um 18 Prozent).
Am schnellsten nehmen die russischen Industrieexporte in die GUS-Staaten zu (vor allem nach Kasachstan, Weißrussland, Usbekistan, Armenien und Kirgistan).
Ein Großteil der russischen Industrieexporte entfällt auf Lieferungen von Energieanlagen (Kraftwerke, Turbinen, Generatoren, Transformatoren, Umspannwerke). Das "Flaggschiff" dieses Prozesses ist natürlich die "Perle" der russischen Energiewirtschaft – die Atomindustrie. Trotz der Sanktionen konnte die russische Atomindustrie ihre Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern sogar noch ausbauen. Hierzu ein anschauliches Beispiel: Am 19. November fand die feierliche Zeremonie zur Errichtung des Reaktorgehäuses des ersten Kraftwerksblocks des Atomkraftwerks El Dabaa statt, das derzeit von Russland in Ägypten gebaut wird.
Derzeit umfasst das Auslandsauftragsportfolio des russischen Staatskonzerns Rosatom 33 Kernkraftwerksblöcke mit hoher Leistung (und einige weitere mit geringer Leistung) in elf Ländern. 22 Kraftwerksblöcke befinden sich in der Bauphase (Betonarbeiten, Bau und Anlageninstallation).
Die übrigen Projekte befinden sich in der Vertrags-, Genehmigungs- und Vorbereitungsphase (z. B. "Paks II" in Ungarn, zwei VVER-1200-Blöcke mit der Aussicht auf eine Erweiterung auf vier in Usbekistan, weitere Etappen indischer Projekte usw.). Die Exporteinnahmen dieses Staatskonzerns beliefen sich im Jahr 2024 auf über 18 Milliarden US-Dollar – 2,14-mal mehr als im Jahr 2021 (8,4 Milliarden US-Dollar).
Die Aussichten für einen langfristigen Anstieg der russischen Exporte von Energieanlagen werden von Experten mit der Verbesserung der Beziehungen zu afrikanischen Ländern in Verbindung gebracht.
In Afrika gibt es zahlreiche Energieeinrichtungen, die noch im 20. Jahrhundert mithilfe sowjetischer Fachleute gebaut wurden. Während des "grünen" Energiebooms hegten die afrikanischen Länder die Hoffnung, dass ihre Umstellung auf erneuerbare Energieträger von den Industrieländern finanziert würde. Heutzutage bestehen diese Hoffnungen nicht mehr: Die Idee einer vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energiequellen erwies sich als diskreditiert, und in Afrika steht nun die Modernisierung bestehender Energieanlagen (sowie der Bau neuer Erzeugungsanlagen) auf der Tagesordnung.
Dank der Erfahrungen mit der Modernisierung der Energiewirtschaft, die von der UdSSR übernommen wurde, verfügt Russland über erhebliche Wettbewerbsvorteile. Experten schätzen das Gesamtauftragsvolumen für das kommende Jahrzehnt auf mindestens 150 Milliarden US-Dollar.
Noch größere Perspektiven verspricht jedoch der Export russischer Softwareprodukte und IT-Lösungen. Dies gilt insbesondere für Länder, die mit Russland verbündet oder ihm gegenüber neutral sind. Allein in der ersten Hälfte des laufenden Jahres überstieg die Zahl der Projekte russischer IT-Unternehmen, die in Länder des Globalen Südens exportiert wurden, den Wert für das gesamte Jahr 2024. Das Exportvolumen von Computerdienstleistungen belief sich im ersten Halbjahr auf über 1,2 Milliarden US-Dollar.
Selbstverständlich bleibt der Export von Kohlenwasserstoffen weiterhin eine wichtige Voraussetzung für eine positive Handelsbilanz Russlands. Aber der wachsende Nicht-Rohstoff-Export zeigt, wie sich die russische Wirtschaft in einer postglobalen Welt entwickeln kann. Der russische Nicht-Rohstoff-Export wird immer komplexer und diversifizierter – er erstreckt sich mittlerweile weit über Waffen und Weizen hinaus. In zahlreichen Wirtschaftsbereichen weist Russland einzigartige Kompetenzen und ein beträchtliches Exportpotenzial auf.
Die aktuellen geopolitischen Veränderungen führen dazu, dass immer mehr Partner Russlands echte internationale Subjektivität und reale Souveränität erlangen. Sie können nun selbstständig entscheiden, mit wem die Zusammenarbeit am vorteilhaftesten ist, ohne auf den Druck des Westens Rücksicht nehmen zu müssen. So erhält Russland die Möglichkeit eines stabilen industriellen Wachstums – unter anderem durch Industrie-, Agrar- und andere Exporte, die nicht von der Rohstoffförderung und den Weltölpreisen abhängig sind.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 19. November 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
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