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Von Timofei Bordatschow, Programmdirektor des Waldai-Klubs
Westeuropa und Japan liegen an entgegengesetzten Enden der eurasischen Landmasse und sind Produkte unterschiedlicher Geschichten und Kulturen. Aber in der Außenpolitik benehmen sie sich wie Zwillinge. In beiden Fällen werden die nationalen Entscheidungen weniger von einer heimischen Strategie geprägt als vielmehr von Washingtons Stimmungsschwankungen. Sind die USA zuversichtlich, sind sie ruhig. Ist Washington unruhig, sind sie in Panik.
Jetzt sehen wir, wie aus dieser Panik offene Aggression wird. In einem ansonsten ruhigeren Teil des Planeten haben Westeuropa und Japan angefangen, mit einem Maß militarisierter Ängstlichkeit zu posieren, das in keinem Verhältnis zu ihrer realen Macht steht. Ihr zunehmend konfrontatives Verhalten gegenüber Russland und China ist weniger ein Zeichen der Stärke als eines der Verwirrung, und eines Mangels an Zuversicht bezüglich ihrer Rolle in der entstehenden Weltordnung.
Die Wurzeln reichen tief. Das moderne Westeuropa ist, wie Japan, im Grunde eine Nachkriegsschöpfung. Der Zweite Weltkrieg ist für beide schlecht ausgegangen. Deutschland, Italien und Japan wurden direkt geschlagen und besetzt. Großbritannien und Frankreich behielten die äußeren Symbole der Macht, aber in militärischer Hinsicht stellten sie ihre Sicherheit unter den US-amerikanischen Schirm. Ihre Diplomatie war ein Faden im größeren amerikanischen Gewebe.
Während des Kalten Kriegs funktionierte dieses Arrangement einigermaßen. Die Drohung einer Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion bedeutete, dass den Westeuropäern und den Japanern klar war, jeder Krieg würde auf ihrem Boden ausgetragen. Aber eben diese Möglichkeit erzwang auch Zurückhaltung. Nachdem die Vereinigten Staaten und die UdSSR in den 1970ern wechselseitige atomare Abschreckung erreichten, genossen Europa und Japan eine seltene Periode der Stabilität und Autonomie. Der Handel mit der UdSSR wuchs. Es wurden größere Pipelines gebaut. Der politische Dialog war zwar beschränkt, aber real. Eine Zeitlang schien es, als ob sie alle die Fähigkeit wiederentdecken könnten, unabhängig zu handeln.
Diese Zeit ist vorüber. Die heutige Landschaft ist anders. Washingtons eigene Zuversicht versagt, zerrissen zwischen inneren Teilungen und einer unklaren Vorstellung von Richtung im Ausland. Und diese Unsicherheit hat seine Verbündeten entblößt. Ohne ihren eigenen strategischen Kompass haben die westeuropäischen und die japanischen Eliten nach dem einen Werkzeug gegriffen, das sie kennen: eine Show der Stärke.
Die Ergebnisse sind sichtbar. Laut einem kürzlichen Ranking in Wsgljad sind Großbritannien, Deutschland und Frankreich jetzt die Führenden bei den Ausgaben für Aufrüstung gegen Russland. Ihre Regierungen sprechen offen davon, eine Kriegsmaschine zu schaffen, die für einen einzigen Zweck geschaffen wird: Moskau entgegenzutreten. Westeuropa erinnert immer mehr an ein Militärlager, das nach dem Gestellungsbefehl sucht. Es ist alles andere als sicher, dass diese Ziele den Kontakt mit der wirtschaftlichen Realität oder der öffentlichen Meinung überstehen, aber die Absicht ist unmissverständlich. Enorme Summen fließen in die Wiederbewaffnung, und die Rhetorik wird von Monat zu Monat lauter.
Japan folgt demselben Drehbuch, mit China als Ziel. Tokio hat schon das Gespenst einer "Gefechtswarnung", wenn Peking gewaltsam gegen Taiwan vorgehen sollte. Die jüngsten Kommentare der Premierministerin, die in China schnell als eine Infragestellung der territorialen Integrität gedeutet wurden, geben eine neue Kriegslüsternheit wieder. Diskussionen darüber, sich nukleare Waffen zuzulegen, kreisen mit erschütternder Beiläufigkeit. Japan modernisiert seine Truppen und signalisiert Bereitschaft für einen größeren Konflikt, obwohl seine eigene Verfassung geschrieben wurde, um genau dies zu verhindern.
Man ist versucht, sich vorzustellen, dass Washington diese Wende vorgibt. In Wirklichkeit geschieht etwas Komplexeres. Westeuropa und Japan suchen nach ihrem Platz in einer Welt, in der die Vereinigten Staaten nicht länger für Stabilität garantieren. Ihre Macht war jahrzehntelang eine Ableitung der amerikanischen. Jetzt gerät dieses Fundament ins Rutschen, und sie fürchten das, was kommt.
Zwei Kräfte verstärken diese Ängste. Erstens, ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung nimmt ab. China, Indien und andere aufsteigende Staaten formen die globale Hierarchie neu. Die Tage, in denen Westeuropa und Japan selbstverständlich im Zentrum der Weltpolitik standen, sind vorüber. Sie scheinen zunehmend mehr die Gegenstände der Strategien anderer zu sein als die Autoren der eigenen. Ein treffendes Beispiel: Führende chinesische Vertreter weigerten sich, den deutschen Außenminister während eines geplanten Besuchs zu treffen. Peking weigerte sich einfach. Das war eine Erinnerung daran, dass einige europäische Angewohnheiten, andere zu belehren, nicht mehr automatisch Aufmerksamkeit erzeugen.
Zweitens, sowohl Westeuropa als auch Japan haben sich daran gewöhnt, die Verantwortung für die Folgen ihrer Handlungen zu vermeiden. In Jahrzehnten unter der amerikanischen Sicherheitsdecke wurde ein Instinkt für symbolische Gesten und risikofreies Moralisieren entwickelt. Jetzt, da wirkliche Entscheidungen mit wirklichen Kosten gefordert sind, ziehen sich die Eliten ins Theatralische zurück. Militärische Bedrohungen aufzublasen ist ein Weg, Aufmerksamkeit zurückzuholen und ein Gefühl zu bewahren, im Mittelpunkt zu stehen. Westeuropa hat dieses Muster jahrhundertelang genutzt und Krisen geschaffen, um Einfluss zu halten, und scheint begierig, das zu wiederholen.
Die Gefahr dabei ist, dass Verwirrung gemischt mit Unsicherheit oft Eskalation erzeugt. Washington, das mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist, nimmt an, dass seine Verbündeten endlos posieren können, ohne irgendetwas Ernsthaftes auszulösen. Dieses Vertrauen mag sich als unbegründet erweisen. Wenn Länder mit begrenzter strategischer Autonomie versuchen, sich mit Gewalt zu behaupten, geschehen Unfälle. Und andere, auch Russland und China, können sie nicht einfach ignorieren.
Nichts davon bedeutet, dass sich Westeuropa und Japan vorbereiten, um morgen einen größeren Krieg zu beginnen. Ihre Gesellschaften haben die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen, die es für eine Massenmobilisierung braucht, noch nicht erreicht. Aber das Verhalten ihrer Führer ist zunehmend erratisch, und das Ausmaß ihrer Rüstungsausgaben kann man nicht übersehen. Die Vereinigten Staaten nutzen derweil ihre Ängste als praktischen Hebel, während sie sich auf ihre umfassendere Rivalität mit China konzentrieren. Washington sieht darin wenig Schaden: Wenn die Westeuropäer einen Kampf mit Russland vom Zaun brechen, oder Japan mit China, glauben die USA, keine direkten Folgen spüren zu müssen.
Das könnte eine gefährliche Illusion sein. Russland und China machen die Handlungen ihrer ängstlichen Nachbarn etwas aus, gleich, wer ihnen ins Ohr flüstert. Die strukturellen Verschiebungen der globalen Politik sind real. Die Welt wird multipolarer. Die aufsteigenden Staaten setzen sich durch. Der amerikanische Einfluss schrumpft. Und diese Länder, die lange daran gewöhnt sind, im Schatten der amerikanischen Macht zu leben, sind unsicher, wie sie ohne ihn überleben sollen.
Sie ringen um Bedeutung und versuchen, Stärke zu signalisieren, ohne die Fähigkeiten zu besitzen, sie zu halten. Diese Mischung aus Unsicherheit, Nostalgie und strategischer Orientierungslosigkeit treibt einen großen Teil der Aggression, die wir jetzt an beiden Enden Eurasiens sehen.
Was sollte man tun? Es gibt keine einfache Antwort. Aber eines ist klar: Westeuropa und Japan müssen sich der Welt stellen, wie sie ist ‒ nicht, wie sie war. Ihre Versuche, Posen des Kalten Kriegs wieder erstehen zu lassen, werden ihren verlorenen Status nicht zurückbringen. Stattdessen laufen sie Gefahr, Krisen zu provozieren, mit denen sie nicht umgehen können.
Für Russland, China und andere, die gezwungen sind, mit diesen Nachbarn zu leben, ist Wachsamkeit essenziell. Die Herausforderung besteht nicht nur aus ihrem militärischen Gehabe, sondern auch aus der tieferen Unsicherheit dahinter. Nationen, die sich ihres Platzes in der Welt nicht gewiss sind, sind oft die Gefährlichsten. Nicht aus Stärke, sondern aus Furcht.
Ursprünglich erschienen am 17.11.2025 in der Zeitung Wsgljad. Übersetzt und bearbeitet von RT DE.
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Von Kirill Strelnikow
Die größte Schönheit des Tangos liegt darin, dass ihn zwei Menschen tanzen müssen. Und wer versucht, seinem Partner auf den Fuß zu treten, wird am Ende selbst humpeln. Dieses musikalisch-chirurgische Naturgesetz wird perfekt durch zwei Nachrichten veranschaulicht, die auf den ersten Blick scheinbar nichts miteinander zu tun haben.
Nachricht eins: US-Präsident Donald Trump hat zugestimmt, ein Gesetz zu unterzeichnen, das "höllische" Sanktionen gegen Länder vorsieht, die mit Russland Handel treiben (und überhaupt jegliche gemeinsamen Wirtschaftsprojekte haben).
Es wird erwartet, dass aufgrund dieser Sanktionen Zölle von bis zu 500 Prozent auf Importe in die USA erhoben werden. Hierbei besteht Trump darauf, die "vollständige Kontrolle über die Sanktionspolitik" zu haben – also die Macht über Strafe und Gnade. Wie in entwickelten Demokratien halt üblich, nicht wahr? Ziel ist es, Russland zu Zugeständnissen in der Ukraine-Krise und in der Folge zu Zugeständnissen auch in allen anderen Bereichen zu zwingen. Warum aufhören, wenn die Karten schon so günstig kommen?
Nachricht zwei: Am 19. November 2025 endete in Moskau ein zweitägiges Treffen des Rates der Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) unter dem Vorsitz des russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin. Das formell-diplomatisch verkündete Ziel der Veranstaltung war die "Stärkung der technologischen Souveränität, der Schutz kritischer Infrastrukturen und die Förderung von Handel und wirtschaftlicher Zusammenarbeit". Tatsächlich trafen sich die Regierungschefs der SOZ-Staaten, um die Anfang September verabschiedete SOZ-Entwicklungsstrategie für den Zeitraum bis zum Jahr 2035 noch eben rasch anzupassen und die Anstrengungen und Ressourcen auf drei Schlüsselbereiche zu konzentrieren: Energie, Transportlogistik und das Finanzsystem. Bei einem Treffen mit den Leitern der SOZ-Delegationen betonte Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin die gegenwärtige "volatile Wirtschaftslage inmitten von Turbulenzen auf den globalen Märkten, von einseitigen Sanktionen, Zöllen und Kriegen". Mit anderen Worten: Es ist eine Situation entstanden, in der der Westen überzeugt ist, Russland maximalen Schaden zufügen und uns im Idealfall wirtschaftlich gänzlich strangulieren zu können, indem er den Energieträgerhandel unterbricht, Transportströme blockiert und Finanzströme abriegelt. Doch dies ist ein schwerwiegender Irrtum – oder besser gesagt, ein tragischer.
Zu zunehmendem und wilderem Unmut unserer selbst ernannter "Bestrafer" schreitet der Energiesektor der SOZ stetig voran. Da kommt einem nicht allein der Witz "Na, Kaufmann, wie steht es um Ihre Gesundheit? – Ha, darauf können Sie lange warten!" in den Sinn, sondern vor allem das Motto "Aber auch das ist noch nicht alles!" Nur einige Beispiele:
• der Baubeginn der Erdgaspipeline Kraft Sibiriens 2 (geplante Durchsatzkapazität 50 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr über 30 Jahre);
• die Entwicklung einer neuen Erdgaspipeline zwischen Russland und Kasachstan (bis zu 45 Milliarden Kubikmeter pro Jahr);
• die Entwicklung von fünf großen Wasserkraftprojekten in Pakistan;
• der Bau des größten Kernkraftwerks im Iran (vier Reaktoren, insgesamt fünf Gigawatt, Wert 25 Milliarden US-Dollar, Baufrist etwa zehn Jahre). Bis zum Jahr 2041 will der Iran insgesamt acht Reaktoren bauen und bauen lassen, zusätzlich zu einem separaten Projekt für kleinere Kernkraftwerke – und die Gesamtleistung von 20 Gigawatt in Kernkraftwerken erreichen.
Fortschritte in der Logistik:
• die beschleunigte Umsetzung des Nord-Süd-Transportkorridors, insbesondere des Baus der letzten Eisenbahnverbindung zwischen Russland und dem Iran (Rasht-Astara), wodurch der Güterumschlag auf 15 Millionen Tonnen pro Jahr steigen wird, sowie der Entwicklung des östlichen Zweigs dieses Korridors mit Verlauf durch Afghanistan und Pakistan;
• die Entwicklung der zweigleisigen Trans-Aral-Eisenbahnstrecke und der Transafghanischen Eisenbahn, die Zentralasien mit Südasien verbinden werden;
• die deutliche Steigerung der Umschlagkapazität der Nördlichen Seeroute auf 100 Millionen Tonnen pro Jahr bis zum Jahr 2030 (vergleichbar mit dem Suezkanal).
Finanzieller Durchbruch:
• der Beginn der Entwicklungsarbeiten an der SOZ-Entwicklungsbank, die die Grundlage für ein unabhängiges Zahlungssystem der Organisation bilden, westliche Verwahrstellen ersetzen und als Drehscheibe für neue Zahlungsarten, einschließlich digitaler Währungen und digitaler Finanzanlagen, fungieren wird;
• die gegenseitige Anerkennung von Kreditratings;
• die Ausgabe russischer Staatsanleihen in Yuan (korrekt: Renminbi), wodurch die Kosten für staatliche Kreditaufnahme und Schuldenbedienung deutlich gesenkt werden;
• die Ausgabe gemeinsamer Anleihen der SOZ-Staaten;
• die Schaffung einer Alternative zu SWIFT.
Wie Putin erklärte, erreicht der Handelsumsatz zwischen Russland und den anderen Staaten der SOZ bereits 409 Milliarden US-Dollar pro Jahr, und die Aussichten sind unermesslich größer. Die SOZ kann und sollte daher zu einer der einflussreichsten Vereinigungen der Welt werden.
Das Moskauer Treffen sendete eine klare Botschaft an den Westen: Wer bereit ist, einen Wirtschaftskrieg gegen Länder zu führen, die ein Drittel des weltweiten BIP erwirtschaften, muss mit den Konsequenzen rechnen. Denn Drohungen und Erpressung werden hier nicht ziehen – dafür hat sich der Westen die Falschen ausgesucht.
Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 20. November 2025.
Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetexter-Coach und politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender NTV, Ren-TV und Swesda. Er absolvierte eine linguistische Hochschulausbildung an der Moskauer Universität für Geisteswissenschaften und arbeitete viele Jahre in internationalen Werbeagenturen an Kampagnen für Weltmarken. Er vertritt eine konservativ-patriotische politische Auffassung und ist Mitgründer und ehemaliger Chefredakteur des Medienprojekts PolitRussia. Strelnikow erlangte Bekanntheit, als er im Jahr 2015 russische Journalisten zu einem Treffen des verfassungsfeindlichen Aktivisten Alexei Nawalny mit US-Diplomaten lotste. Er schreibt Kommentare primär für RIA Nowosti und Sputnik.
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Die US-Regierung hat ihre Kritik an der europäischen Migrationspolitik verschärft. Präsident Donald Trump betrachtet unkontrollierte Migration als Gefahr für die politische und gesellschaftliche Stabilität westlicher Staaten.
Das amerikanische Außenministerium hat Botschaften in Europa angewiesen, nationale Asylsysteme zu analysieren und Washington über mögliche Fehlanreize oder sicherheitsrelevante Entwicklungen zu unterrichten.
Mass migration is a human rights concern. Western nations have endured crime waves, terror attacks, sexual assaults, and the displacement of communities.U.S. officials will urge governments to take bold action and defend citizens against the threats posed by mass migration.
— Department of State (@StateDept) November 21, 2025In einer Mitteilung erklärt das State Department, dass Masseneinwanderung sowohl die öffentliche Sicherheit als auch grundlegende Menschenrechtsstandards berühre.
Genannt werden Fälle schwerer Gewalt in Deutschland, Schweden und dem Vereinigten Königreich, die aus US-Sicht auf strukturelle Schwächen im europäischen Umgang mit Migration hinweisen.
Die Initiative sorgt in mehreren EU-Hauptstädten für Irritationen.
Skeptiker werten dies als unzulässige Einflussnahme auf innenpolitische Auseinandersetzungen. Unterstützer halten dagegen, die amerikanische Position zwinge Europa zu einer überfälligen Prüfung sicherheitspolitischer Gefahren. Ob der Vorstoß aus Washington tatsächlich eine neue gemeinsame Ausrichtung hervorbringt, bleibt offen. Sicher ist lediglich, dass die Migrationsfrage erneut zum zentralen Prüfstein der politischen Verständigung zwischen den USA und Europa wird.
Großbritannien kämpft mit steigender Migration und wachsendem Sicherheitsdruck
Großbritannien ringt mit einer Migrationslage, die sich trotz politischer Beteuerungen nicht stabilisiert. Die Nettozuwanderung erreichte nach dem EU-Austritt Rekordwerte. Neue Zahlen des Statistikamts zeigen zwar einen Rückgang, doch bleibt die absolute Belastung hoch.
Vor allem die Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten prägt den Trend, während irreguläre Überfahrten über den Ärmelkanal weiter steigen. Schleusernetzwerke operieren professionell und nutzen Schwächen der Grenzbehörden aus.
Besonders belastend wirken die langjährigen Missbrauchsfälle in Städten wie Rotherham, die ein umfassendes Behördenversagen offenlegten. Der angekündigte Untersuchungsprozess soll Klarheit schaffen, doch viele zweifeln an konsequenter Aufarbeitung. Gleichzeitig steigen die Kosten des Asylsystems, und die Unterbringung Tausender Schutzsuchender bindet erhebliche Mittel.
Merkels Flüchtlingspolitik des "Wir schaffen das" ist gescheitert
Deutschland steht heute vor den Scherben einer überlasteten Asylpolitik, die nun verschärft korrigiert werden soll.
Zehn Jahre ist es her, dass Angela Merkel den Deutschen versprach: "Wir schaffen das". Ein Satz, der wie ein Symbol für Solidarität klang, sich aber als Paradebeispiel politischer Selbstüberschätzung erwiesen hat.
Über sechs Millionen Migranten kamen in dieser Zeit nach Deutschland. Einige haben sich erfolgreich integriert. Doch die gesellschaftlichen und finanziellen Folgen überwiegen. Schulen, öffentliche Räume und der Staatshaushalt tragen die Last. Die Kriminalstatistik zeigt, dass Tatverdächtige mit Migrationshintergrund in einzelnen Bereichen überrepräsentiert sind.
Organisierte Schleuserkriminalität verschärft die Lage zusätzlich. Gewalt gegen Frauen steigt, ein Drittel der Opfer häuslicher Gewalt hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Schutzmaßnahmen wie elektronische Fußfesseln oder mehr Frauenhausplätze werden angekündigt, doch sie wirken wie Pflaster auf klaffende Wunden.
Friedrich Merz konnte bisher keine Korrekturen durchsetzen. Einige Grenzkontrollen oder Einschränkungen beim Familiennachzug ändern kaum die Lage. Deutschland steht ärmer, unsicherer und gespalten da. Das Land hat die Erwartungen nicht erfüllt. Zehn Jahre "Wir schaffen das" zeigen, dass Optimismus allein keine Politik ersetzt.
Kriminalität wird in die Schweiz importiert
Die Sorge um Sicherheit wächst: Abends am Zürcher Hauptbahnhof oder frühmorgens an der Langstrasse fühlen sich immer mehr Menschen bedroht. Die Realität zeigt: Kriminalität entsteht nicht nur innerhalb der Schweiz ‒ sie wird importiert.
Bestimmte Gruppen von Migranten sind bei schweren Gewalttaten überdurchschnittlich vertreten.
Statistiken zeigen, dass Afghanen, Marokkaner und Tunesier deutlich häufiger angezeigt werden als Schweizer. Auch Menschen vom Balkan oder aus Teilen Osteuropas fallen häufiger durch Gewaltkriminalität auf.
Ein konkretes Beispiel ist Riad, 27, aus Algerien, der innerhalb weniger Stunden acht Diebstähle begeht – von Handtaschen über Autos bis zu Elektronikartikeln. Er gehört zu einer kleinen, aber auffälligen Gruppe von Intensivtätern aus dem Maghreb, die schweizweit die Strafverfolgung herausfordert.
Das föderale System erleichtert es den Tätern, sich zwischen den Kantonen zu bewegen, erschwert jedoch die Strafverfolgung und ermöglicht es ihnen, die maximale Haftdauer von 48 Stunden auszunutzen. Schnellverfahren sollen die Täter rasch aus dem Verkehr ziehen, stoßen jedoch an Grenzen, etwa bei fehlenden Wohnsitzen oder fehlender Kooperation der Beschuldigten.
Donald Trump sorgte bei seiner Rede vor der UN-Generalversammlung für Aufsehen, als er behauptete, 72 Prozent der Häftlinge in Schweizer Gefängnissen seien Ausländer.
Diese Zahl entspricht den offiziellen Daten: Laut Bundesamt für Statistik befanden sich am 31. Januar 2025 von insgesamt 6.994 Gefangenen 5.069 im Ausland geborene Personen in Schweizer Haftanstalten – das entspricht 72,5 Prozent. Dabei sind Schweizer mit ausländischer Herkunft, die eingebürgert wurden, noch nicht eingerechnet.
Die Schweiz weist damit tatsächlich einen der höchsten Ausländeranteile in Gefängnissen weltweit auf. Nur wenige Kleinstaaten wie Monaco, Liechtenstein oder Luxemburg verzeichnen noch höhere Werte.
Der hohe Anteil ausländischer Häftlinge spiegelt nicht nur die Migrationslage, sondern auch die Zusammensetzung der Bevölkerung wider: Rund 27,4 Prozent der Menschen in der Schweiz haben einen ausländischen Pass.
Besonders auffällig ist der Anteil von Ausländern ohne festen Wohnsitz in der Schweiz. Laut Studien umfasst diese Gruppe rund 34 Prozent aller Gefängnisinsassen. Dazu zählen Grenzgänger, Touristen, Sans-Papiers oder andere Personen ohne festen Aufenthaltsstatus. Auch wenn diese Details die Zahlen differenzieren, ändert dies nichts daran, dass der Großteil der Häftlinge Ausländer ist.
Ein internationaler Vergleich zeigt ähnliche Trends: In Deutschland lag der Anteil ausländischer Gefangener Ende März 2024 bei 37,4 Prozent, in Österreich überstieg er sogar die Hälfte aller Insassen.
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Von Alexander Timochin
Weniger als einen Monat, nachdem Südkorea Andeutungen über mögliche Atom-U-Boote gemacht hatte, erklärte der japanische Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi, Japan solle den Einsatz von Atom-U-Booten anstelle von dieselelektrischen in Betracht ziehen. In einer Rede gab Koizumi zum Besten:
"Die Lage um Japan herum wird so komplex, dass wir uns überlegen müssen, ob wir weiterhin Dieselkraftstoff verwenden oder die Wahl zugunsten von Atom-U-Booten treffen."
Über Atom-U-Boote denken die Japaner schon lange nach. Es ziemt sich nur nicht, darüber zu sprechen. Dasselbe gilt für die japanische Überwasserflotte, die schon heute in der Lage ist, die Marinen Großbritanniens oder Frankreichs zu schlagen. Ebenso wie für ihre weltweit zweitstärkste Flotte an U-Boot-Abwehrflugzeugen. Und eine Luftwaffe, die es mit den Chinesen Kopf an Kopf aufnehmen kann.
Die Japaner sind Meister der kognitiven Verzerrung. Sie lügen nicht und verheimlichen nichts. Aber sie stellen es so geschickt an, dass die Menschen sich schlichtweg nicht für japanische Militärpläne interessieren und stattdessen das Bild eines friedliebenden Landes mit Anime, Reiskuchen und einer hochentwickelten Autoindustrie im Kopf behalten.
So haben die Japaner ihre Experimente mit Feststoffraketen nicht geheim gehalten – sie führten sie einfach unter dem Deckmantel des M-V-Raketenprogramms durch, das auch dem Schießen von Satelliten in den Orbit gewidmet war. Nun können sie bei Bedarf eine Rakete bauen, die in der Lage ist, zehn Gefechtsköpfe an jeden beliebigen Ort im Umkreis von Tausenden Kilometern zu bringen. Doch das entgeht dem öffentlichen Bewusstsein eben.
Auch die japanischen geophysikalischen Raketen, die Hunderte von Kilogramm Nutzlast ins All befördern können, haben mehr als nur wissenschaftliche Bedeutung. Als die Japaner ihre "hubschraubertragenden Zerstörer" etwa der Izumo-Klasse bauten, war sofort klar, dass es sich bei diesen eigentlich um Flugzeugträger handelte, aber auch das wurde nicht hervorgehoben. Jetzt, da bereits F-35B (zugegebenermaßen ist dies "bloß" die Version der F-35 mit Kurzstart und senkrechter Landung) von diesen Flugzeugträgern aus starten, wird es ebenfalls nicht betont.
Ebenso weiß jeder, dass Japan im Bereich der Kernreaktoren autark ist. Alle wissen auch, dass Japan nur wenige Monate von Atombomben trennen, sobald Tokio die Entscheidung fällt, diese zu bauen. Doch all das läuft nur irgendwie im Hintergrund der medialen Berichterstattung und wird nicht berücksichtigt. So funktioniert kognitive Verzerrung. Dasselbe gilt für Atom-U-Boote.
Im Jahr 1952 endete die Besatzung Japans offiziell. Japan und die Vereinigten Staaten wurden offiziell Verbündete, und die Japaner standen vor der Frage des Wiederaufbaus ihrer militärischen Stärke. Dies war ein langwieriger Prozess, der bis heute läuft – langsam, gerade so, dass niemand beunruhigt wird.
Atomkraftwerke für Schiffe waren Teil dieses Prozesses, doch hier geht Japan besonders vorsichtig vor. Im Jahr 1955 wurde in Japan das halbstaatliche Japanische Atomenergie-Forschungsinstitut gegründet, das heute Teil der Japanischen Atomenergiebehörde ist. Im selben Jahr begann das Institut, nicht nur Reaktoren zum Erzeugen elektrischer Leistung zum Einspeisen ins Landesnetz, sondern auch Fahrzeugreaktoren zu erforschen. Zu diesem Zweck wurde die "Forschungsgruppe für Atomschiffe" gegründet.
Im Jahr 1963 verabschiedete das Institut den "Grundlagenforschungsplan für die Entwicklung und den Bau eines Schiffes mit Atomantrieb". Ein Jahr später begannen die Japaner mit der Entwicklung und dem Bau eines solchen Erprobungsschiffs – des Frachtschiffs Mutsu, das später in ein Forschungsschiff umgebaut wurde.
Hier ist eine wichtige Anmerkung angebracht: Ein Atomkraftwerk auf einem zivilen Schiff bedeutete nicht einmal damals zwangsläufig dessen militärische Nutzung (siehe die Flotte der Sowjetunion, später Russlands an nuklear angetriebenen Eisbrechern). Die UdSSR baute zu jener Zeit bereits atomgetriebene Eisbrecher; in den Vereinigten Staaten lief 1959 die Savannah, ein kommerzielles Atomschiff, das gleichzeitig als Frachter und Passagierschiff dienen sollte, vom Stapel; in Westdeutschland wurde das nuklear angetriebene Erprobungs- und Frachtschiff Otto Hahn gebaut und bis zum Jahr 1979 mit einem Atomkraftwerk betrieben.
Die Japaner jedenfalls deklarierten ihr Schiff, genau wie die Amerikaner und Deutschen, einerseits als "experimentelles Frachtschiff". Andererseits verfügte die Mutsu über Frachträume rein symbolischer Kapazität, und es war offensichtlich, dass die Japaner nicht die kommerzielle Nutzung von Atomanlagen zu kommerziellen Transportzwecken erforschen und erproben wollten, sondern deren Einsatzmöglichkeiten für jegliche Zwecke. Dies war der grundlegende Unterschied zwischen der Mutsu und sowohl dem demonstrativ zivilen US-amerikanischen als auch dem deutschen Entwurf, der sogar Massengut transportieren konnte.
Als die Mutsu fertiggestellt war, hatten das US-amerikanische und das deutsche Beispiel bereits deutlich gemacht, dass zivile Atomschiffe keine Zukunft hatten – sie durften schlichtweg die Mehrzahl der Häfen nicht anlaufen, und die Wartung war für nichtstaatliche Organisationen zu komplex. Die UdSSR bildete keine Ausnahme, da abgesehen von Eisbrechern, die eine höhere Leistung benötigten als eine dieselelektrische Anlage sie wirtschaftlich liefern kann, zu dieser Zeit keine zivilen Atomschiffe gebaut wurden.
(Als Ausnahme sind Reaktorschiffe denkbar, die, ohne selber direkt in Häfen einzulaufen, als Fahrgastschiffe ihre Passagiere mittels Zubringerbooten empfangen und absetzen, beziehungsweise als Frachtschiffe zum Laden und Löschen ihrer Fracht Leichter einsetzen ‒ die später in der Sowjetunion gebaute und betriebene Sewmorput ist hierfür ein Beispiel ‒ oder aber, ähnlich einem schwimmenden Trockendock, Zubringer-Frachtboote in ihrem Inneren aufnehmen und sie dann be- und entladen können. Alternativ ließen sich konventionelle dieselelektrische Fracht- oder Passagierschiffe dafür auslegen, nach Verlassen des Hafens unter eigenem Antrieb an selbstbewegliche schwimmende Atomkraftwerke passender Größe anzudocken. Anschließend würden sie entweder ihre Elektromotoren zum Antrieb ihrer Schiffsschrauben vom besagten Kraftwerk speisen und/oder sich von diesem mithilfe von dessen eigener Schraubenleistung antreiben lassen; Anm. d. Red.)
Die Japaner erkannten also durchaus die überwiegende Sinnlosigkeit von Atomkraftwerken für die zivile Schifffahrt – dennoch wurde die Mutsu im Jahr 1972 vom Stapel gelassen. Das einzige "rein zivile" an den technischen Daten des Schiffes war der Urananreicherungsgrad seines Reaktors – etwa 4,44 Prozent –, und nicht einmal hier ist die Sache so einfach: Niedrig angereichertes Uran wird durchaus auch in Militärreaktoren verwendet, beispielsweise in den französischen Atom-U-Booten der Rubis-Klasse (Anreicherungsgrad 7 Prozent).
Im Jahr 1974 unternahmen die Japaner den ersten Versuch, den Atomreaktor der Mutsu in Betrieb zu nehmen, scheiterten jedoch sofort – es kam zu einem Unfall mit einem Austritt radioaktiven Kühlmittels. Der Unfall wurde behoben, und das Schiff konnte seinen Betrieb fortsetzen. Und genau hier liegt der interessante Punkt:
Unter Bedingungen der gewerblichen Schifffahrt, unter denen die Unmöglichkeit des Einsatzes von Kernkraftwerken bereits offensichtlich war, blieb die Mutsu 21 Jahre lang im Dienst. Zum Vergleich: Die US-Amerikaner und Deutschen hatten sich bereits nach zehn Jahren Experimenten mit nuklear angetriebenen Handelsschiffen vollends sattgespielt. Die Japaner hingegen perfektionierten ihren Druckwasserreaktor (im Wesentlichen derselbe wie die in U-Booten verwendeten) bis zum Erreichen von … nun, wir wissen nicht, was genau sie erreichen wollten, aber sie haben es wohl erreicht. Dass sie alle praktischen Probleme haben lösen können, ist hinlänglich bekannt. Doch warum sie ein Schiff, das in der ersten Phase seines Betriebs dauerhavariert war, sage und schreibe 21 Jahre lang betrieben, bleibt ein Rätsel. Das Schiff selbst wurde, nachdem die technischen Probleme gelöst waren, im Jahr 1995 auf einen konventionellen Antrieb umgerüstet, in "Mirai" umbenannt und zu einem Forschungsschiff umgebaut.
Jedenfalls unternahm Japan keine weiteren Versuche mehr, Schiffsreaktoren zu bauen. Die Forschung auf diesem Gebiet wurde jedoch fortgesetzt. Japan führte auch Unterwasserforschungen durch. Im Jahr 2015 veröffentlichte dasselbe Institut die Studie "Betriebsbedingungen und Betriebsmodus eines atomgetriebenen Unterwasserforschungsschiffs; Bericht der Arbeitsgruppe zur Anwendung eines ultrakompakten Kernreaktors für die Meeresforschung". Ein Forschungsschiff wurde natürlich nie gebaut – aber dafür wurde die Forschung dennoch fortgesetzt.
Die japanischen Bemühungen gewannen in den 2020er Jahren neuen Schwung: Im Jahr 2024 wurde bekannt gegeben, dass Mitsubishi Heavy Industries ein Kooperationsabkommen mit dem britischen Unternehmen Core Power zur Entwicklung eines Schiffsreaktors unterzeichnet habe.
In letzter Zeit häufen sich Veröffentlichungen, die nahelegen, dass atomgetriebene Handelsschiffe sehr wohl eine Zukunft haben. Heute wissen wir allerdings, dass auch Südkorea seine militärische Forschung zu nuklearen Schiffsantrieben hinter der hypothetischen Nutzung von Kernenergie für Handelsschiffe verbarg. Und wie sich herausstellen sollte, war Südkorea eben nicht das einzige solche Land.
Im Februar 2024 richtete das japanische Verteidigungsministerium das sogenannte Hauptquartier zur Umsetzung der Verbesserung der grundlegenden Verteidigungsfähigkeiten ein, das eine ständige Expertengruppe mit Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern bildete. In einem Bericht vom 19. September 2025 empfahl man dort, "die Anschaffung verbesserter Langstrecken- und Langzeit-Tauchfähigkeiten für U-Boote mit Senkrechtstartraketen zu erwägen … ohne Rücksicht auf herkömmliche Einschränkungen".
Dies anders zu interpretieren als einen direkten Bezug zu Atom-U-Booten, ist schon sehr schwer, da Japan die einzige andere Alternative zu dieselektrischen U-Boot-Antrieben, anaerobe Antriebstechnologien, bereits jetzt nutzt. Doch bevor Südkorea die USA um Erlaubnis zum Bau von Atom-U-Booten bat, wartete Japan ab. Nun, unter dem Deckmantel angeblicher Bedrohungen seitens Russlands, Chinas und der Demokratischen Volksrepublik Korea, hat Tokio sein Interesse an Atom-U-Booten öffentlich bekundet. Eine Entscheidung ist damit noch nicht gefallen: Es wird wohl einige Zeit dauern, bis sich alle an die Diskussion um Japans Atom-U-Boot-Flotte gewöhnt haben und den Nachrichten darüber keine Beachtung mehr schenken.
Japans Fähigkeit, Atom-U-Boote eigenständig zu bauen, sollte jedenfalls außer Frage stehen.
U-Boot-Bauprojekte wie die Taigei-Klasse zeigen deutlich, dass Japan, abgesehen vom Antrieb, nichts Neues entwickeln muss – ihm steht bereits alles zur Verfügung. Japan fehlt lediglich das hochangereicherte Uran, wie es in US-amerikanischen und russischen U-Boot-Reaktoren verwendet wird. Wie jedoch das Beispiel Frankreichs zeigt, geht es eben auch ohne. Und Japan hatte wortwörtlich Jahrzehnte Zeit, einen Marinereaktor mit niedrig angereichertem Uran zu entwickeln, und hat diese Zeit intensiv genutzt.
Eine Präsenz von Atom-U-Booten in der japanischen Flotte eröffnet Tokio die Möglichkeit, Kampfgruppen zu bilden, die denen der US-Marine mit ihren Flugzeugträgern nur geringfügig unterlegen sind. Diese Gruppen werden zudem schlagkräftiger sein als die sogenannten Expeditionary Strike Groups (ESGs) der US-Marine, die amphibische Angriffsschiffe mit Kampfflugzeugen anstelle von "richtigen" Flugzeugträgern einsetzen.
Japan wird damit die Fähigkeit erlangen, maritime Operationen in Reichweiten durchzuführen, die lediglich durch die Ausdauer der U-Boot-Besatzung und die Bordvorräte an Verpflegung begrenzt sind. Die Japaner werden dann im Ochotskischen Meer, vor Kamtschatka sowie im Wesentlichen überall im asiatisch-pazifischen Raum operieren können. Die etwaigen Vorteile japanischer U-Boote im Kampf hängen von ihrer zukünftigen Konstruktion ab.
Russland ist sich bekanntlich der feindseligen Politik Tokios gegenüber Moskau, insbesondere auf See, bewusst. Die Aufnahme von Atom-U-Booten in die japanische Marine wird die japanische Bedrohung für Russland auf ein Niveau bringen, das mit dem vor dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar ist.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei Wsgljad am 17. November 2025.
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Von Sergej Strokan
Am 17. November traf sich der russische Außenminister Sergei Lawrow in Moskau mit seinem indischen Amtskollegen Subrahmanyam Jaishankar. Jaishankar war anlässlich der Tagung des Rates der Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) nach Moskau gereist. Dies war das letzte hochrangige Treffen vor dem für Anfang Dezember in Neu-Delhi geplanten Gipfeltreffen zwischen Indien und Russland.
Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Indien wird von besonderer Bedeutung sein, da es sich um seine erste Reise dorthin seit Beginn des Ukraine-Konflikts handelt, insbesondere angesichts der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, Indien dazu zu bewegen, sich vom russischen Öl abzuwenden. Trotz des Drucks von außen, der diesen Gipfel zu einer großen Herausforderung macht, signalisieren sowohl Moskau als auch Neu-Delhi, dass die Einmischung der USA ihre strategische Partnerschaft nicht schwächen wird.
Vor den Gesprächen mit Lawrow am Rande des SOZ-Treffens hatte Jaishankar am 7. November in Neu-Delhi den stellvertretenden russischen Außenminister Andrei Rudenko getroffen. Im Anschluss an dieses Treffen berichtete das russische Außenministerium, dass beide Seiten "Meinungen zu dringenden Fragen, zukünftigen Richtungen für eine vielschichtige bilaterale Zusammenarbeit und dem Zeitplan für bevorstehende hochrangige Treffen ausgetauscht haben".
Obwohl der Kreml die Termine für Putins Besuch noch nicht offiziell bekannt gegeben hat, wird davon ausgegangen, dass das 23. Indien-Russland-Gipfeltreffen Anfang Dezember stattfinden wird. Dies fällt mit dem geplanten Russland-Indien-Forum zusammen, das von Roscongress organisiert wird.
"Das Russland-Indien-Forum findet vom 4. bis 5. Dezember 2025 in Neu-Delhi, Indien, statt. Hochrangige Beamte und Wirtschaftsführer beider Länder werden an dem Forum teilnehmen", gab Roscongress bekannt.
Zu den wichtigsten Diskussionsthemen des Forums gehören der Ausbau der industriellen Zusammenarbeit, die Verbesserung des Zugangs für indische Maschinen und technische Güter zum russischen Markt sowie die Steigerung der russischen Käufe indischer Lebensmittelprodukte. Darüber hinaus werden die Parteien Möglichkeiten für gegenseitiges Wachstum im Bereich der digitalen Dienste, die Steigerung der russischen Importe indischer Arzneimittel und Arbeitskräfte sowie die Verbesserung der Zusammenarbeit im Tourismusbereich und des touristischen Austauschs untersuchen.
Letzte Woche leitete Alexei Grusdew, der stellvertretende russische Minister für Industrie und Handel, die russische Delegation beim Internationalen Partnerschaftsgipfel in Vishakhapatnam im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh. In einem Interview mit russischen Journalisten betonte er, dass das bevorstehende Forum, das zeitgleich mit dem hochrangigen Gipfeltreffen stattfindet, sich auf die Erschließung neuer Nischen konzentrieren werde, insbesondere auf Möglichkeiten zur Steigerung der Importe aus Indien.
Unterdessen berichtet die indische Zeitung Economic Times, dass auf dem Gipfel voraussichtlich ein Abkommen über die Mobilität von Arbeitskräften geschlossen wird, das darauf abzielt, die Zahl der in Russland arbeitenden indischen Staatsbürger in den kommenden Jahren zu erhöhen.
Da es seine erste Reise dorthin seit Beginn des Ukraine-Konflikts ist, hat der Indien-Besuch von Putin eine große symbolische Bedeutung. Es ist erwähnenswert, dass vor genau 25 Jahren, im Oktober 2000, Präsident Putin und der damalige Premierminister Atal Bihari Vajpayee eine Erklärung über eine strategische Partnerschaft unterzeichneten, die die Verpflichtung beinhaltete, jährliche Treffen der Staatschefs beider Länder abwechselnd in Russland und Indien abzuhalten.
In den letzten fünf Jahren wurde diese langjährige Tradition jedoch unterbrochen. Putins letzter Besuch in Indien fand 2021 statt, vor Beginn der Militäroperation in der Ukraine und den umfangreichen Sanktionen und Bemühungen, Russland international zu isolieren. Der wachsende Druck auf Moskau und die Versuche des Westens, Neu-Delhi in eine antirussische Koalition einzubinden, haben die Partnerschaft zwischen Russland und Indien erschwert.
Indien hatte gehofft, dass Präsident Putin das Land 2023 während der indischen G20-Präsidentschaft besuchen würde. Auf dem Gipfeltreffen in Neu-Delhi wurde Russland jedoch von Lawrow vertreten.
Die Situation hat sich nach der Amtseinführung von Präsident Trump im Januar dieses Jahres weiter verschlechtert. Trump hat beispiellose Schritte in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Neu-Delhi unternommen und erklärt, er werde Indien dazu drängen, den Kauf von russischem Öl einzustellen. Und Trump ging über bloße Drohungen hinaus.
Am 6. August verhängte der US-Präsident zusätzliche Zölle in Höhe von 25 Prozent gegen Indien aufgrund des Erwerbs von russischem Öl und Erdölprodukten. Am 22. Oktober verhängte das US-Finanzministerium dann Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil sowie deren 34 Tochtergesellschaften.
Infolgedessen sahen sich große indische Ölraffinerieunternehmen, die eine Verletzung der US-Sanktionen befürchteten, gezwungen, neue Bestellungen zu stoppen und auf den Spotmärkten nach Alternativen zu russischem Öl zu suchen. Darüber hinaus hatte die staatliche Oil India Corporation Schwierigkeiten, auf Dividenden in Höhe von rund 300 Millionen US-Dollar aus russischen Ölfeldern zuzugreifen, da diese Gelder aufgrund internationaler Sanktionen in russischen Banken blockiert sind und somit nicht nach Indien transferiert werden können.
Oil India hält in Zusammenarbeit mit Indian Oil Corporation Bharat PetroResources Anteile an verschiedenen russischen Projekten. Indischen Quellen zufolge prüfen diese Unternehmen derzeit rechtliche Möglichkeiten zur Lösung der Probleme und hoffen, dass während des bevorstehenden Gipfeltreffens zwischen den Staatschefs beider Länder eine Lösung gefunden wird.
Bei der Erörterung dieses Konflikts im Internationalen Diskussionsklub Waldai stellte Präsident Putin fest, dass die Verluste Indiens durch Sanktionen denen entsprechen würden, die durch den Verzicht auf russische Energielieferungen entstehen würden. "Wenn Indien unsere Energierohstoffe ablehnen würde, würde es messbare Verluste erleiden, die unterschiedlich geschätzt werden. Einige gehen davon aus, dass diese sich auf neun bis zehn Milliarden US-Dollar belaufen könnten, wenn sie sich daran halten. Umgekehrt würden ihnen bei einer Ablehnung Sanktionen in Form höherer Zölle auferlegt, was ebenfalls zu vergleichbaren Verlusten führen würde. Warum sollten sie sich also daran halten?"
Unterdessen hat Trump seine Absicht signalisiert, den Druck zu erhöhen. "Wissen Sie, mit Indien und dem Öl, und Indien zieht sich jetzt zurück, und andere ziehen sich zurück", sagte Trump am 15. November in einem Interview mit GB News.
Am Vorabend des Treffens zwischen den Außenministern Russlands und Indiens kündigte Trump seine Bereitschaft an, einen Gesetzentwurf des US-Kongresses zu unterstützen, der Sanktionen gegen alle Länder vorsieht, die Geschäfte mit Russland machen. Diese Initiative umfasst sekundäre Sanktionen gegen Russlands Handelspartner und sieht einen erschreckenden Einfuhrzoll von 500 Prozent auf Waren vor, die aus Ländern, die Öl, Gas, Uran und andere Produkte aus Russland kaufen, in die USA eingeführt werden.
Dieser Artikel wurde zuerst von Kommersant veröffentlicht und vom RT-Team übersetzt und bearbeitet.
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Von Dmitri Skworzow
"Die russische Wirtschaft zeigt nicht nur Stabilität, sondern sorgt auch für tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Die Verdopplung des nominalen BIP, Rekordwachstumsraten und die Verringerung der Abhängigkeit vom Rohstoffsektor sind die wichtigsten Ergebnisse unserer Arbeit in den letzten Jahren", erklärte der russische Vize-Premierminister Alexander Nowak.
Trotz des Sanktionsdrucks der vergangenen Jahre konnte Russland sogar seine Exporte von Erdöl und Erdölprodukten steigern – im Jahr 2021 brachte dies dem Land 181 Milliarden US-Dollar ein, im Jahr 2024 – 195 Milliarden US-Dollar. Die Lieferungen von Pipelinegas sind zwar – aus offensichtlichen Gründen – deutlich zurückgegangen, dafür sind die Exporte von Kohle und Basismetallen stabil geblieben. Aber, was noch wichtiger ist: Der Anteil der Nicht-Rohstoff-Exporte an den gesamten Lieferungen russischer Waren ins Ausland steigt von 32,2 Prozent im Jahr 2022 auf 34,8 Prozent im Jahr 2024. Im Jahr 2025 wird das Volumen der Nicht-Rohstoffexporte nach Angaben des russischen Ministeriums für Industrie und Handel voraussichtlich 149,24 Milliarden US-Dollar erreichen.
Am deutlichsten wird dieser Erfolg am Beispiel der russischen Landwirtschaft. Noch vor 15 Jahren, im Jahr 2010, beliefen sich die russischen Lebensmittelexporte auf lediglich 8,1 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2022 erreichten sie bereits 41,6 Milliarden.
Das weitere Wachstum war eher bescheiden – nicht zuletzt aufgrund der Probleme, die der Westen den russischen Getreideexporten zu bereiten versuchte. Dabei ging ein Teil der Lieferungen zu Vorzugspreisen an die ärmsten Länder Afrikas und Asiens. Im Jahr 2023 brachte der Lebensmittelexport Russland 43,5 Milliarden US-Dollar ein, im Jahr 2024 – 43 bis 45 Milliarden US-Dollar. Diese Schwankungen in den Zahlen sind darauf zurückzuführen, dass die Lieferungen in nationalen Währungen oder in Währungen russlandfreundlicher Länder bezahlt wurden und eine korrekte Umrechnung in US-Dollar recht schwierig ist.
Gleichzeitig erfolgte eine Umorientierung der russischen Lebensmittelexporte von Europa hin zu befreundeten Ländern.
Der Anteil Europas ging stark zurück, dafür stiegen die Exporte nach China, Indien, Ägypten, Iran, Saudi-Arabien, Afrika, in die Türkei und in die GUS-Staaten. Insgesamt lieferte Russland im Jahr 2024 Agrarprodukte bereits in 160 Länder weltweit.
Auch die Struktur der Lebensmittelexporte wurde zunehmend differenzierter: Zwar dominieren nach wie vor Getreide und Pflanzenöle, jedoch steigt der Anteil von Fleisch, Milchprodukten, Süßwaren, Getränken, Fischfilets und Fertiggerichten rapide an. Und übrigens: Vor nicht allzu langer Zeit wurde Russland auf dem Weltmarkt nicht nur zum führenden Lieferanten von Weizen, sondern auch von Pflanzenöl. Unser Land gehört auch zu den drei weltweit führenden Fisch-Exporteuren.
In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 stieg der Export von Fleischfertigprodukten um 19 Prozent, von Teigwaren – um 25 Prozent, von Speiseeis – um 35 Prozent, von alkoholfreien Getränken – um 11 Prozent, von Süßwaren – um 7 Prozent, von Käse und Quark – um 19 Prozent und von Wein und Spirituosen – um 30 und 37 Prozent. All dies sind Produkte mit hoher Wertschöpfung, und dieses Wachstum ist nicht nur in den GUS-Ländern zu beobachten, sondern auch in China, der Türkei, Saudi-Arabien, Vietnam, Südkorea, Algerien, Angola und anderen Ländern Afrikas und Asiens.
Den zweitwichtigsten Nicht-Rohstoff-Exportsektor stellt die chemische Industrie dar, insbesondere die Düngemittelbranche.
Während die russischen Erdgaslieferungen ins Ausland zurückgegangen sind, steigt der Export von Düngemitteln, die auf Basis dieses Gases hergestellt werden – ein weiteres Beispiel für den erfolgreichen Absatz von Produkten mit hoher Gewinnmarge.
Im Jahr 2024 konnte Russland Düngemittel im Wert von rund 13 Milliarden US-Dollar ins Ausland verkaufen und damit mehr als 20 bis 22 Prozent des weltweiten Exports für sich beanspruchen. Damit festigte es seine Position als größter Marktteilnehmer in diesem Segment. Die Neuausrichtung der Lieferungen auf die BRICS-Länder, andere Länder Asiens und Afrikas sowie die Steigerung des russischen Marktanteils am weltweiten Export von Düngemitteln waren bereits vor Beginn der militärischen Sonderoperation in der Ukraine zu beobachten. So stiegen die Lieferungen von Düngemitteln nach Brasilien von 1,87 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 3,55 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021. Seit 2023 ist Brasilien der größte Abnehmer russischer Düngemittel (im Jahr 2024 – 4,17 Milliarden US-Dollar). Neben anderen großen Abnehmern (Indien, China) steigern auch Länder wie Thailand, Mexiko, Vietnam, Bangladesch, Myanmar, Indonesien und die Türkei ihre Düngemittelimporte aus der Russischen Föderation.
Am stärksten von den Sanktionen betroffen war jedoch nicht der Gassektor, sondern der Export russischer Hightech-Industrieprodukte. Nach 2022 gingen die Exporte russischer Maschinenbauprodukte in die EU um 41 Prozent zurück. Die Exporte nach den USA, Großbritannien, Kanada, Japan und Südkorea sanken bis 2024 um das 9- bis 10-fache.
Aber auch in diesem Fall gelang es, die Lieferungen von Maschinenbauprodukten umzuleiten. Die Exporte von Industrieausrüstung nach China stiegen 2022 um 4 bis 5 Prozent und 2023 um etwa 30 Prozent (und nach Indien um 18 Prozent).
Am schnellsten nehmen die russischen Industrieexporte in die GUS-Staaten zu (vor allem nach Kasachstan, Weißrussland, Usbekistan, Armenien und Kirgistan).
Ein Großteil der russischen Industrieexporte entfällt auf Lieferungen von Energieanlagen (Kraftwerke, Turbinen, Generatoren, Transformatoren, Umspannwerke). Das "Flaggschiff" dieses Prozesses ist natürlich die "Perle" der russischen Energiewirtschaft – die Atomindustrie. Trotz der Sanktionen konnte die russische Atomindustrie ihre Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern sogar noch ausbauen. Hierzu ein anschauliches Beispiel: Am 19. November fand die feierliche Zeremonie zur Errichtung des Reaktorgehäuses des ersten Kraftwerksblocks des Atomkraftwerks El Dabaa statt, das derzeit von Russland in Ägypten gebaut wird.
Derzeit umfasst das Auslandsauftragsportfolio des russischen Staatskonzerns Rosatom 33 Kernkraftwerksblöcke mit hoher Leistung (und einige weitere mit geringer Leistung) in elf Ländern. 22 Kraftwerksblöcke befinden sich in der Bauphase (Betonarbeiten, Bau und Anlageninstallation).
Die übrigen Projekte befinden sich in der Vertrags-, Genehmigungs- und Vorbereitungsphase (z. B. "Paks II" in Ungarn, zwei VVER-1200-Blöcke mit der Aussicht auf eine Erweiterung auf vier in Usbekistan, weitere Etappen indischer Projekte usw.). Die Exporteinnahmen dieses Staatskonzerns beliefen sich im Jahr 2024 auf über 18 Milliarden US-Dollar – 2,14-mal mehr als im Jahr 2021 (8,4 Milliarden US-Dollar).
Die Aussichten für einen langfristigen Anstieg der russischen Exporte von Energieanlagen werden von Experten mit der Verbesserung der Beziehungen zu afrikanischen Ländern in Verbindung gebracht.
In Afrika gibt es zahlreiche Energieeinrichtungen, die noch im 20. Jahrhundert mithilfe sowjetischer Fachleute gebaut wurden. Während des "grünen" Energiebooms hegten die afrikanischen Länder die Hoffnung, dass ihre Umstellung auf erneuerbare Energieträger von den Industrieländern finanziert würde. Heutzutage bestehen diese Hoffnungen nicht mehr: Die Idee einer vollständigen Umstellung auf erneuerbare Energiequellen erwies sich als diskreditiert, und in Afrika steht nun die Modernisierung bestehender Energieanlagen (sowie der Bau neuer Erzeugungsanlagen) auf der Tagesordnung.
Dank der Erfahrungen mit der Modernisierung der Energiewirtschaft, die von der UdSSR übernommen wurde, verfügt Russland über erhebliche Wettbewerbsvorteile. Experten schätzen das Gesamtauftragsvolumen für das kommende Jahrzehnt auf mindestens 150 Milliarden US-Dollar.
Noch größere Perspektiven verspricht jedoch der Export russischer Softwareprodukte und IT-Lösungen. Dies gilt insbesondere für Länder, die mit Russland verbündet oder ihm gegenüber neutral sind. Allein in der ersten Hälfte des laufenden Jahres überstieg die Zahl der Projekte russischer IT-Unternehmen, die in Länder des Globalen Südens exportiert wurden, den Wert für das gesamte Jahr 2024. Das Exportvolumen von Computerdienstleistungen belief sich im ersten Halbjahr auf über 1,2 Milliarden US-Dollar.
Selbstverständlich bleibt der Export von Kohlenwasserstoffen weiterhin eine wichtige Voraussetzung für eine positive Handelsbilanz Russlands. Aber der wachsende Nicht-Rohstoff-Export zeigt, wie sich die russische Wirtschaft in einer postglobalen Welt entwickeln kann. Der russische Nicht-Rohstoff-Export wird immer komplexer und diversifizierter – er erstreckt sich mittlerweile weit über Waffen und Weizen hinaus. In zahlreichen Wirtschaftsbereichen weist Russland einzigartige Kompetenzen und ein beträchtliches Exportpotenzial auf.
Die aktuellen geopolitischen Veränderungen führen dazu, dass immer mehr Partner Russlands echte internationale Subjektivität und reale Souveränität erlangen. Sie können nun selbstständig entscheiden, mit wem die Zusammenarbeit am vorteilhaftesten ist, ohne auf den Druck des Westens Rücksicht nehmen zu müssen. So erhält Russland die Möglichkeit eines stabilen industriellen Wachstums – unter anderem durch Industrie-, Agrar- und andere Exporte, die nicht von der Rohstoffförderung und den Weltölpreisen abhängig sind.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 19. November 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
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Von Dmitri Bawyrin
Der US-Senator aus South Carolina, Lindsey Graham, ist in freudiger Erregung. Dieser Zustand tritt bei ihm immer dann ein, wenn Moskau Probleme hat oder Kiew "Siege" feiert, was für ihn meist dasselbe bedeutet. Lindsey Graham ist ein Feind Russlands: Das ist sein Job, seine Rolle, seine Mission.
Doch dieses Mal gaben weder Moskau noch Kiew Graham Anlass zur Begeisterung – im Gegenteil, das Regime seines Kumpels Wladimir Selenskij ist drauf und dran zu zerfallen, und die russischen Streitkräfte haben Kupjansk befreit und sind nach Guljaipolje vorgerückt. Der russophobe Senator fühlt sich jedoch durch US-Präsident Donald Trump persönlich ermutigt: Dieser bat ihn in einem Telefonat, im US-Senat einen Entwurf für "vernichtende" Sanktionen gegen Russland voranzutreiben.
Diese Gesetzesvorlage ist indes längst fertig, sie wird von beiden Parteien unterstützt: 80 von 100 US-Senatoren sind bereit, dafür zu stimmen. Der US-Präsident hätte nur "Ja" sagen müssen, doch er zögerte fast ein halbes Jahr lang.
Laut Lindsey Graham habe Trump seine Zustimmung während einer Golfpartie mit dem Chef der Republikaner im US-Senat, John Thune, gegeben und Graham anschließend als Verfasser des Gesetzentwurfs angerufen: Und der Senator strahlte über das ganze Gesicht, vor Freude über die Gunst seines Vorgesetzten.
Allerdings scheint sich Lindsey Graham zu früh zu freuen. Es sieht so aus, als würde er lediglich ausgenutzt werden. Ihm selbst muss dies bewusst sein: Gegenüber Journalisten gestand er bereits ein, nichts über den neuen Friedensplan zu wissen, den Washington Kiew unter Ausnutzung der Schwächung des Regimes von Selenskij aufzwingt. Dieser Plan, so wie er in den westlichen Medien wiedergegeben wird, sieht lediglich die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland vor und nicht die Verhängung neuer Sanktionen.
Man könnte argumentieren, dass dies Teil einer einheitlichen Strategie ist, die sowohl "Zuckerbrot" als auch "Peitsche" umfasst, wobei Lindsey Graham damit betraut wurde, die "Peitsche" einzusetzen. Allerdings scheint dies nicht der Fall zu sein. Donald Trump beabsichtigt, mithilfe dieses US-Senators ein scheinbar geringfügiges Problem zu lösen, das ihn letztendlich seine Präsidentschaft kosten könnte.
Denn Grahams Gesetzentwurf sieht die Einführung von Zöllen von bis zu 500 Prozent auf Waren aus Ländern vor, die mit Russland Außenhandel betreiben. Auf Verlangen des Weißen Hauses ist er jedoch so formuliert, dass er diese Zölle nicht selbst festlegt, sondern dem US-Präsidenten das Recht dazu einräumt. Trump achtet sehr darauf, dass die Außenpolitik ein Vorrecht des Weißen Hauses bleibt und dass sich der US-Kongress nicht darin einmischt. Deswegen ließ er sich nicht zu einer anderen Gesetzesfassung überreden.
Doch selbst in der aktuellen Fassung wurde diese Gesetzesvorlage von Donald Trump zweimal "begraben" – sehr zur Enttäuschung von Lindsey Graham, der sie wieder "ausgraben" musste. Und mitten im Sommer wurde dies in besonders herablassender Form formuliert: Ihre Hilfe ist nicht gefragt, wir werden das ohne Sie regeln. Der US-Präsident hat also persönlich erklärt, dass die Frage der Strafzölle nicht mehr aktuell sei, machte dann aber plötzlich eine Kehrtwende um 180 Grad – und rief Graham an. Mit anderen Worten: Die Lage ist ernst.
Wie sich herausgestellt hat, gibt es in den USA eine Verfassung mit für alle verbindlichen Bestimmungen, und eine dieser Bestimmungen sieht vor, dass die Befugnis zur Einführung von Zöllen auf ausländische Waren beim US-Kongress liegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Weiße Haus bereits seinen Zollkrieg mit einem Großteil der übrigen Welt geführt und Zölle zum wichtigsten Instrument der Außenpolitik gemacht. Die Feststellung ihrer Rechtswidrigkeit durch den Supreme Court bedeutet nicht nur die Aufhebung dieser Handelszölle und das Scheitern von Trumps Strategie, sondern auch, dass der US-Haushalt ausländischen Lieferanten mehr als 100 Milliarden US-Dollar zurückerstatten müsste.
"Welch eine Schande!", wie einst eine der Figuren eines sowjetischen Kindermärchens, Karabas Barabas, aus einem anderen Anlass bemerkte.
Trotz der Tatsache, dass die meisten Richter mit den US-Republikanern sympathisieren, können sie eine so eindeutige Bestimmung des US-Grundgesetzes nicht so einfach ignorieren. Die an die Beklagten – Vertreter des Weißen Hauses – gestellten Fragen betrafen hauptsächlich, ob Donald Trump sich bewusst sei, welchen Präzedenzfall dies für künftige US-amerikanische Präsidenten schaffen könnte.
Die Beklagten wiederum versuchten – in guter Tradition der Trumpisten – den Anschein zu erwecken, dass sie völlig gelassen seien, und betonten die Katastrophe, die eintreten werde, wenn das Gericht diese Handelszölle aufheben sollte. Allerdings scheint es für die Richter keinen anderen Ausweg zu geben, ohne dass dies zu einem Reputationsverlust für das Weiße Haus führen würde.
Dies ist genau der Punkt, weshalb der zweimal abgelehnte Gesetzentwurf von dem zweimal gedemütigten Lindsey Graham für das Weiße Haus nun von Nutzen ist. Denn er verleiht dem US-Präsidenten die Befugnis, beliebig hohe Zölle zu erheben (300 Prozent sind im Grunde genommen bereits ein Handelsembargo, vorgesehen ist sogar eine Obergrenze von 500 Prozent). Zwar können Sanktionen formal nur gegen Außenhandelspartner Russlands verhängt werden, jedoch hat Trump in dieser Hinsicht "Glück" – die meisten Länder der Welt, einschließlich der USA, können als Handelspartner Russlands angesehen werden. Selbst die baltischen Staaten beziehen nach wie vor Waren aus Russland und verkaufen an Russland eigene Güter.
Somit stellt der Gesetzentwurf von Lindsey Graham nicht den von ihm beabsichtigten Schlag gegen Russland dar, sondern ist vielmehr ein Hilfsmittel für die Außenhandelsstrategie der Trump-Anhänger. Auf welcher Grundlage Zölle eingeführt und abgeschafft werden, werden sie später selbst entscheiden. Dies setzt natürlich voraus, dass sie den US-Kongress dazu bewegen können, die "richtige" Fassung dieses Gesetzentwurfs zu verabschieden, denn wie die Geschichte mit dem U.S. Supreme Court beweist, gibt es im Weißen Haus Juristen aller Art, darunter auch solche, die sich nicht genau an die Verfassung erinnern können.
Für Russland sind die aktuellen Entwicklungen jedoch nicht unbedingt positiv zu bewerten.
Auch wenn Donald Trump die Gesetze über "vernichtende Sanktionen" für seine eigenen Zwecke benötigt und nicht, um zu den Prinzipien des ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden in den Beziehungen zu Moskau zurückzukehren, sind diese Ziele dennoch unredlich. Hätte der Supreme Court diese "Sekte" unter der Führung von US-Finanzminister Scott Bessent, der dem US-Präsidenten die Idee der Zoll-Erpressung eingeflößt hat, zurechtgewiesen, würde Indien beispielsweise russisches Öl mit größerer Zuversicht kaufen als derzeit, nachdem es den US-Zöllen unterworfen wurde. Im Gegensatz zu China hat Indien nicht viele Instrumente, um sich gegen den Zoll-Druck seines wichtigsten Außenhandelspartners, nämlich der USA, zu wehren.
Es ist stets von Vorteil, einen US-Präsidenten zu haben, der keine Zölle einführen kann, anstatt einen, der dies tun darf. Auch wenn das Weiße Haus bestrebt ist, eine gemeinsame Sprache mit dem Kreml zu finden und den Widerstand Kiews zu brechen, beabsichtigt es dennoch, die Politik fortzusetzen, russische Energieressourcen aus ihren gewohnten Märkten – von der Europäischen Union bis Indien – zu verdrängen, um sie durch eigene zu ersetzen. Und diese "Musik" wird ewig erklingen, während Lindsey Grahams "Lied" im Großen und Ganzen bereits gesungen ist.
Sehr wahrscheinlich verlieren die Republikaner im kommenden November die Wahlen zum US-Kongress, woraufhin die russlandfeindlichen Demokraten die Initiative in Bezug auf Sanktionen und die weitere Unterstützung Kiews an sich reißen werden. Allerdings wird Lindsey Graham in der neuen Zusammensetzung des US-Kongresses nicht mehr vertreten sein. Umfragen zufolge sprechen sich 57 Prozent der Republikaner in South Carolina für seinen Rücktritt aus, sodass die Chancen dieses langjährigen Russophoben auf einen Sieg bei den Vorwahlen sehr gering sind. Es gibt eine neue Generation US-amerikanischer Rechtsgerichteter – "trumpistische" Republikaner – die Graham als nicht mehr zeitgemäße Symbolfigur ersetzen wollen. Dieser spießige "Falken" des Kalten Krieges, dem es mehr darum geht, Russland Probleme zu bereiten, als die Probleme der USA zu lösen, passt nicht in die Zukunft.
Zum Abschluss soll er sich darüber freuen, dass man es ihm erlaubt hat, "Munition" für die Politik anderer bereitzuhalten. Niemand wird zulassen, dass Lindsey Graham, der früher darauf hoffte, US-Präsident oder zumindest US-Außenminister zu werden, seine eigene Politik betreibt. Andere Zeiten, andere Sitten.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 21. November 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
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Mit dem 28 Punkte umfassenden Friedensplan besteht erneut die Chance auf Frieden in der Ukraine. Der Plan schafft zudem die Bedingungen dafür, sich über Jahre und Jahrzehnte hinziehende Grenzstreitigkeiten auszuräumen, die für den Fall eines militärischen Sieges Russlands über die Ukraine eintreten würden. Darauf weist der Politologe Johannes Varwick in einem Beitrag auf X hin.
Die Ukraine hätte dabei den größten Schaden, da sie zum dauerhaften Austragungsort eines neuen Ost-West-Konflikts werden würde. Des Weiteren müsste die westeuropäische Allianz die Ukraine dauerhaft finanzieren.
Meine 12 Punkte-Bewertung des 28-Punkte Plans im Krieg gegen die #Ukraine : 1. Im Krieg gegen die Ukraine gab es von Beginn an Überraschungen, 180-Grad-Wenden und verpasste Chancen. Nur eines ist gleichgeblieben: Die Radikalisierung auf allen Seiten nahm schrittweise zu und…
— Johannes Varwick (@JohannesVarwick) November 23, 2025Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario groß, denn erneut ermuntern die Westeuropäer die Machteliten in der Ukraine dazu, einen Friedensschluss abzulehnen. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hält an der Unterstützung für die Ukraine weiter fest. Sie sagte am Freitag vor einer Woche, "Kriege werden von denen verloren, denen zuerst das Geld oder die Soldaten ausgehen." Die EU werde per finanzieller Unterstützung der Ukraine und durch weitere Sanktionen gegen Russland dafür sorgen, dass nicht der Ukraine, sondern Moskau das Geld ausgehe.
Allerdings sucht die EU inzwischen händeringend nach Finanzquellen. Belgien und auch die Clearinggesellschaft Euroclear wehren sich gegen die Absicht der Kommission, das eingefrorene russische Vermögen zu konfiszieren. Euroclear hat für den Fall sogar mit Klage gedroht.
Die Versuche, durch Sanktionen die Fähigkeit Russlands, den Krieg fortzuführen, zu begrenzen, sind bisher gescheitert. Nachrichten über immer umfassendere Angriffe Russlands mit immer mehr Drohnen und Raketen belegen dieses Scheitern. Ein Umdenken ist in Westeuropa dennoch nicht zu erkennen.
Zudem drohen der Ukraine tatsächlich die Soldaten auszugehen. Die Berichte über Massendesertationen häufen sich ebenso wie die über Zwangsrekrutierungen.
Dessen ungeachtet interessiert man sich in der EU, aber auch in Deutschland nicht für die realen Verhältnisse. Der Chef des Kanzleramts Thorsten Frei nennt den 28-Punkte-Plan "verstörend". Ihn irritiert besonders, dass er auf Russlands Forderung nach Beachtung seiner Sicherheitsinteressen Rücksicht nimmt. In Westeuropa, vor allem aber in Deutschland will man auf jeden Fall verhindern, dass russische Interessen bei der Regulierung des Konflikts Beachtung finden. Zur Durchsetzung des wenig realistischen Vorhabens ist man bereit, die Ukraine komplett zu opfern.
Deutschlands Außenminister fordert die Einbeziehung der Europäer in die Verhandlungen. Das klar erkennbare Ziel ist es, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen und einen Friedensschluss zu hintertreiben. Die westlichen Staaten haben diese Praxis bereits bei Minsk II angewandt. Im Frühjahr 2022 wurde zudem die Unterzeichnung eines bereits weitgehend ausgehandelten Abkommens zwischen Russland und der Ukraine durch westliche Intervention verhindert.
Bundeskanzler Merz behauptet, Kriege würden nicht durch die Großmächte über die Köpfe der betroffenen Länder hinweg beendet. Der Zweite Weltkrieg wurde von den Großmächten beendet, ohne dass Deutschland ein Mitspracherecht hatte. Obwohl sich die Lage der Ukraine nach jeder Intervention der Europäer verschlechtert hat, fordert der CDU-Hardliner Roderich Kiesewetter einen "Siegesplan" für die Ukraine. Durch Waffenlieferungen soll die Ukraine befähigt werden, über Russland zu siegen. Der Plan gilt als völlig unrealistisch, birgt zudem die Gefahr einer weiteren Eskalation.
„Kriege können nicht beendet werden durch Großmächte über die Köpfe der betroffenen Länder hinweg“, sagte Friedrich Merz am Rande des G20-Gipfels. Eine Lösung brauche die Zustimmung der Ukraine und Europas. Am Sonntag treffen sich ihre Sicherheitsberater mit den USA in Genf. pic.twitter.com/gTtdHZ5HB0
— Bericht aus Berlin (@ARD_BaB) November 22, 2025Berlin, Brüssel, Paris und London beharren darauf, dass es zunächst einen Waffenstillstand und erst im Anschluss Friedensverhandlungen geben soll. Dahinter verbirgt sich die Absicht, sogenannte Friedenstruppen in der Ukraine zu stationieren. Das käme der Präsenz von NATO-Truppen durch die Hintertür gleich. Die Absicht, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, ist eine der zentralen Ursachen des Konflikts. Dass die "Koalition der Willigen" daran festhält, zeigt, dass es in Westeuropa keine Bereitschaft zum Frieden gibt. Für Russland ist eine Präsenz von NATO-Truppen in der Ukraine unannehmbar.
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Von Geworg Mirsajan
"Es ist ziemlich aufschlussreich, vom aktuellen deutschen Regierungschef zu hören, dass Deutschland wieder die führende Militärmacht in Europa werden will, vor allem im Zusammenhang mit den jüngsten Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Niederlage des Hitler-Nazismus. Das zeigt, dass die Geschichte für diese Leute kein lehrreiches Beispiel ist",
so reagierte der russische Außenminister Sergei Lawrow auf die Rede des deutschen Bundeskanzlers vor einer Woche im Bundestag, in der er die Umwandlung der Bundeswehr in eine führende europäische Armee zur Priorität seiner Regierung erklärte.
Aber nicht nur die Nachkommen deutscher Nazis lernen nichts aus der Geschichte. Ebenso unwissend sind die Nachkommen japanischer Militaristen. Insbesondere die neue Premierministerin des "Landes der aufgehenden Sonne", Sanae Takaichi. Bei ihrem Treffen mit Donald Trump war sie fröhlich und benahm sich manchmal wie ein Teenager (sie hüpfte beispielsweise herum und wedelte mit den Armen). In anderen Fällen verhält sich Sanae Takaichi aggressiv und spielt die Rolle der "Eisernen Lady".
Und oft erinnert diese Aggression an die Schritte des imperialistischen Japans. Ein Land, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weite Teile Ostasiens besetzt hielt. Und im Zuge der Schaffung einer "Sphäre des gemeinsamen Wohlstands" dort einen regelrechten Völkermord verübte.
Der Völkermord war sowohl kultureller (das koreanische Alphabet wurde verboten, und den Kindern wurden japanische Namen gegeben) als auch physischer Natur. Er umfasste die Verschleppung Hunderttausender Frauen in Feldbordelle für die japanische Armee und Experimente mit biologischen Waffen in der Einheit 731. Und natürlich die Ermordung von Millionen Chinesen während der Besatzung (der bekannteste Vorfall ist das Massaker von Nanking).
Man kann nicht sagen, dass die japanische Bevölkerung davon nichts wusste. So berichteten japanische Zeitungen beispielsweise begeistert über den "freundschaftlichen Wettbewerb" zweier Offiziere der Kaiserlichen Japanischen Armee in China, bei dem es darum ging, wer von ihnen mehr Köpfe gewöhnlicher chinesischer Passanten abschlagen würde.
Es ist nicht verwunderlich, dass China jegliche Schritte Tokios zur Wiederbelebung des Militarismus mit Argwohn betrachtet. Und die Erklärung von Sanae Takaichi, dass Japan bereits in diesem Haushaltsjahr seine Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des BIP erhöhen wolle (ursprünglich war dies für 2027 geplant), sorgte für Unruhe.
Vor einigen Tagen hat die japanische Premierministerin jedoch faktisch ihre Absicht bekundet, in China einzumarschieren.
Bekanntlich wurde Japan nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das Recht auf eine eigene Armee entzogen (durch einen entsprechenden Verfassungsartikel), und es durften nur Selbstverteidigungskräfte bestehen bleiben. Heute wird allmählich klar, dass dieser Entzug nur formaler Natur war. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Selbstverteidigungskräfte (die die USA zur Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichts in Ostasien benötigen) zu einer der mächtigsten regionalen Armeen herangewachsen. Im Jahr 2015 wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Einsatz dieser Streitkräfte zur kollektiven Selbstverteidigung in bestimmten Fällen erlaubt, darunter auch in einer "existenzbedrohenden Situation" für Japan.
Die Vorgänger von Sanae Takaichi haben den Begriff "existenzbedrohende Situation" nicht konkretisiert, die derzeitige Premierministerin jedoch schon. Sie behauptete, dass eine "Existenzbedrohung" im Falle eines Angriffs Chinas auf Taiwan – chinesisches Hoheitsgebiet, das vorübergehend nicht unter der Kontrolle Pekings steht – entstünde.
Einfach ausgedrückt ist Tokio nach Ansicht von Sanae Takaichi voll und ganz berechtigt, einen "Verteidigungskrieg" gegen China um Taiwan zu beginnen. Taiwan stand übrigens von 1895 bis 1945 unter japanischer Besatzung und wurde, wenn man sich an den Papieren und rechtlichen Formalitäten festhält, nach dem Zweiten Weltkrieg von den Japanern nicht an die Chinesen übergeben. Wie im Fall der Kurilen-Inseln verzichtete Japan im Friedensvertrag von San Francisco auf die Souveränität über die Insel, aber China (wie auch die UdSSR) war kein Unterzeichner dieses Dokuments, da es nicht zur Konferenz eingeladen worden war.
Und Japan hat genug Mittel, um einen Krieg um Taiwan zu beginnen. Auf dem Land ist die japanische Armee der chinesischen unterlegen, aber zu Wasser und in der Luft herrscht ein gewisses Gleichgewicht (vor allem, weil Japan seine gesamten See- und Luftstreitkräfte an einem Punkt konzentrieren kann, während China ein riesiges Seegebiet verteidigen muss).
Es ist nicht verwunderlich, dass Peking diese Äußerungen äußerst ernst genommen hat. Man bezeichnete sie als "erste Androhung von Gewaltanwendung" seitens Tokios seit 80 Jahren (d. h. seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs) und begann sofort mit Sanktionen.
Insbesondere hat China den Import japanischer Meeresfrüchte ausgesetzt. Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um Peanuts – das Handelsvolumen belief sich auf nur eine halbe Million Dollar. Die Chinesen könnten jedoch weitere Embargos gegen andere Warengruppen verhängen. Das chinesische Außenministerium droht:
"Japan muss zunächst seine falschen Äußerungen zurücknehmen und konkrete Maßnahmen zum Schutz der politischen Grundlage der chinesisch-japanischen Beziehungen ergreifen; Andernfalls bleibt China keine andere Wahl, als weitere Maßnahmen zu ergreifen."
Und was die Maßnahmen angeht, so eröffnet sich Peking ein riesiger Spielraum. Im Jahr 2024 exportierte Japan Waren im Wert von 120 Milliarden Dollar nach China – dies ist im Grunde genommen sein zweitgrößter Exportmarkt nach den USA.
In der Frage des nicht-kommerziellen Exports hat China sofort seine Trümpfe ausgespielt. Das Außenministerium der Volksrepublik China hat seinen Touristen empfohlen, Japan nicht zu besuchen, und führende chinesische Fluggesellschaften haben ihren Bürgern bereits versprochen, ihnen den Kaufpreis für in diesem Jahr gekaufte Flugtickets vollständig zu erstatten, wenn sie diese stornieren.
Zum Verständnis: Von Januar bis September 2025 besuchten 9,3 Millionen chinesische Touristen die japanischen Inseln. Das heißt, jeder vierte Tourist in Japan war Chinese. Allein im Zeitraum von Juli bis September gaben sie 13 Milliarden Dollar im Land aus (das heißt, sie aßen, tranken, schliefen und spazierten).
Auch auf diplomatischer Ebene wächst die Spannung.
"Ein schmutziger Kopf, der sich nach vorne reckt, wird ohne zu zögern abgeschlagen",
so kommentierte der chinesische Generalkonsul in Osaka, Xue Jian, die Erklärung von Sanae Takaichi auf seiner Seite in den sozialen Netzwerken. Er löschte diesen Beitrag, forderte Japan dann aber auf, "zumindest ein Minimum an Vernunft und Gesetzestreue zurückzugewinnen, um nicht erneut eine nationale Zerstörung in Form einer Niederlage zu erleiden", und spielte damit auf die Folgen des Zweiten Weltkriegs an.
Das chinesische Außenministerium entschuldigte sich nicht für die Äußerungen seines Mitarbeiters (auch nicht für die gelöschten). In einer Erklärung der Pressestelle der Behörde heißt es:
"Es ist unverantwortlich von einigen japanischen Politikern und Medien, bewusst einen Beitrag aufzubauschen, Verwirrung zu stiften und die Aufmerksamkeit abzulenken."
Das chinesische Außenministerium machte damit deutlich, dass nicht Peking, sondern Tokio sich entschuldigen müsse. Und gerade die Japaner sollten sich nicht über Drohungen mit "Enthauptungen" empören.
Auch Russland und China sind sich in der Frage der Verurteilung des japanischen Militarismus einig. Die beiden Länder, die während des Zweiten Weltkriegs die meisten Menschenleben für den Sieg geopfert haben, halten nun erneut dieselben beiden Aggressoren in Schach. Und wieder tun sie dies gemeinsam, Hand in Hand. Sie lehren sie die Lektionen der Geschichte, da diese selbst nicht in der Lage sind, daraus zu lernen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 21. November 2025 zuerst in der Zeitung Wsgljad erschienen.
Geworg Mirsajan ist außerordentlicher Professor an der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation, Politikwissenschaftler und eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Geboren wurde er 1984 in Taschkent. Er machte seinen Abschluss an der Staatlichen Universität Kuban und promovierte in Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt USA. Er war von 2005 bis 2016 Forscher am Institut für die Vereinigten Staaten und Kanada an der Russischen Akademie der Wissenschaften.
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Die europäische Variante einer friedlichen Lösung zwischen Russland und der Ukraine sieht vor, dass den ukrainischen Streitkräften keine Beschränkungen auferlegt werden, berichtete die Washington Post (WP) unter Berufung auf eine Kopie des Dokuments.
Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) haben ihren Entwurf als Antwort auf den von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plan ausgearbeitet, der unter anderem eine Begrenzung der Stärke der ukrainischen Streitkräfte auf 600.000 Mann vorsieht. Eine Bestimmung zur Festlegung der maximalen Stärke der ukrainischen Armee ist auch im russischen Memorandum enthalten, das Moskau Kiew bei den Verhandlungen in Istanbul Anfang Juni übermittelt hat.
Die WP nennt auch weitere Bestimmungen des europäischen Plans, wonach
Die USA schlagen vor, das Kernkraftwerk Saporoschje unter der Kontrolle der IAEA in Betrieb zu nehmen und die erzeugte Elektrizität zwischen Russland und der Ukraine im Verhältnis 50:50 aufzuteilen. Gemäß diesem Plan würden die Krim, Lugansk und Donezk de facto als russisch anerkannt und die Grenzen in den Gebieten Cherson und Saporoschje entlang der Kontaktlinie eingefroren.
Europäische Staats- und Regierungschefs äußerten sich zu dem amerikanischen Dokument und behaupteten, es bedürfe weiterer Überarbeitung. Die EU ist besorgt über die vorgeschlagene Begrenzung der Stärke der ukrainischen Armee, da dies das Land "anfällig für zukünftige Angriffe" mache, und besteht darauf, dass die Grenzen der Ukraine "nicht mit Gewalt verändert werden dürfen". Sie haben am Rande des G20-Gipfels in Südafrika einen Gegenvorschlag ausgearbeitet und ihn an die USA geschickt.
Am 23. November finden in Genf Gespräche zwischen Vertretern der EU, der USA und der Ukraine über den Plan Washingtons statt. Laut CNN soll in Kürze auch ein Treffen zwischen Russland und den USA stattfinden. Der russische Präsident Wladimir Putin teilte mit, dass die Vereinigten Staaten ihre Vorschläge nicht "konkret" mit Moskau besprochen hätten, dass sie aber die Grundlage für eine endgültige Einigung bilden könnten.
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