
Sign up to save your podcasts
Or


In Johannesburg hat am Sonnabend der G20-Gipfel begonnen. Der Präsident des diesjährigen Gastgeberlandes, der Südafrikanischen Republik, Cyril Ramaphosa, hielt am Mittag die Eröffnungsrede und erklärte die Tagung für eröffnet.
Der G20-Gipfel findet am 22. und 23. November in Johannesburg statt. Alle Sitzungen und bilateralen Treffen werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, ohne Zugang für die Medien. Die russische Delegation wird vom stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung, Maxim Oreschkin, geleitet.
Die deutsche Delegation wird von Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich geleitet.
Der Eröffnung des Gipfels gingen intensive Verhandlungen über eine gemeinsame Erklärung der Staats- und Regierungschefs voraus. US-Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld angekündigt, die Veranstaltung wegen der "Unterdrückung der weißen Bevölkerung Südafrikas" zu boykottieren. Nach Angaben einer Quelle von RIA Nowosti wird Washington die Anerkennung des Abschlussdokuments ablehnen und verlangen, dass es nur als Erklärung des Vorsitzes formuliert wird. Dennoch gelang es den Parteien bis zum Freitag, sich auf den endgültigen Text zu einigen. Es wird berichtet, dass darin keine Verurteilung Russlands wegen der Ukraine-Krise enthalten sei, aber ein Aufruf zur friedlichen Beilegung von Konflikten.
Der "Gruppe der Zwanzig" gehören 19 Länder (Russland, Australien, Argentinien, Brasilien, Großbritannien, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Kanada, China, Mexiko, Saudi-Arabien, die USA, die Türkei, Frankreich, Südkorea, Südafrika, Japan) sowie die EU und die Afrikanische Union an.
Mehr zum Thema – Trump: Würde mich über Putins und Xis Teilnahme am G20-Gipfel 2026 freuen
Die republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene aus Georgia, vormals als eine der größten MAGA-Unterstützerinnen und Verteidigerinnen von US-Präsident Trump bekannt, entwickelte sich in den letzten Wochen zu einer seiner größten Kritikerinnen. Nach Missbilligung in der eigenen Partei und forcierter Kritik speziell seitens des Präsidenten gibt Greene nun in einem längeren Videobeitrag auf X bekannt, dass "ich mein Amt niederlegen werde, mein letzter Arbeitstag wird der 5. Januar 2026 sein".
Nach verbalen Attacken von Präsident Donald Trump im Streit um die Inhalte der Ermittlungsakten zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wurde Greene eigenen Angaben zufolge massiv bedroht. In einer fast elfminütigen Videobotschaft kritisiert sie nun die Republikanische Partei, die Führung des Repräsentantenhauses und den Beginn der Wahlkampfsaison mit unmissverständlicher Wortwahl, um zu erklären, "was bedeutet, dass jeglicher Mut verschwindet und nur noch der sichere Wahlkampfmodus für die Wiederwahl aktiviert wird".
My message to Georgia’s 14th district and America.Thank you. pic.twitter.com/tSoHCeAjn1
— Marjorie Taylor Greene 🇺🇸 (@mtgreenee) November 22, 2025Greene erklärt zu den Attacken und Bedrohungen gegen ihre Person zum Thema des kontrovers beurteilten Aktenskandals rund um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und der diesbezüglichen engen Beziehung zu Donald Trump:
"Wenn ich mich für amerikanische Frauen einsetze, die mit 14 Jahren vergewaltigt, verschleppt und von reichen, mächtigen Männern missbraucht wurden, sollte ich dafür nicht als Verräterin bezeichnet und vom Präsidenten der Vereinigten Staaten, für den ich gekämpft habe, bedroht werden."
US-Präsident Trump hatte zuvor der vormaligen zuverlässigen MAGA-Unterstützerin seine Unterstützung entzogen und sie in in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social als "durchgeknallte" Kongressabgeordnete beschimpft, die sich trotz seiner "rekordverdächtigen Erfolge für unser Land" immer nur mit Beschwerden zu Wort melde. Weitere Beleidigungen lauteten, Greene sei eine "zeternde Irre", die "weit nach links" abgedriftet sei.
Die Kongressabgeordnete, die sich in ihrer dritten Amtszeit in Washington befindet, erklärte in ihrem Video weiter wörtlich, es sei für ihr Verständnis "unfair" gegenüber ihrem Wahlbezirk im Nordwesten Georgias, wenn sie "eine verletzende und hasserfüllte Vorwahl gegen mich durch den Präsidenten, für den wir alle gekämpft haben, erdulden müssten", und merkte zudem an, dass "die Republikaner wahrscheinlich die Zwischenwahlen verlieren werden".
"Ich entziehe der Kongressabgeordneten Marjorie Taylor Greene meine Unterstützung", so Trump wörtlich am Freitag vergangener Woche auf Truth Social. Falls ein parteiinterner Konkurrent Greene bei einer Vorwahl in Georgia herausfordere, "werde ich diesen unterstützen". Die attackierte Politikerin erklärt dazu weiter im Video:
"Das ist alles so absurd und völlig unseriös. Ich weigere mich, eine 'misshandelte Ehefrau' zu sein, die hofft, dass alles vorbeigeht und besser wird."
I am now being contacted by private security firms with warnings for my safety as a hot bed of threats against me are being fueled and egged on by the most powerful man in the world.The man I supported and helped get elected.Aggressive rhetoric attacking me has historically…
— Rep. Marjorie Taylor Greene🇺🇸 (@RepMTG) November 15, 2025Die 51-Jährige erlangte nach ihrem ersten Einzug in den US-Kongress im Jahr 2021 sehr schnell landesweite Bekanntheit als eine der führenden Hardlinerinnen des rechten Flügels ihrer Partei. Über Jahre hinweg galt sie als enthusiastische MAGA-Unterstützerin von Donald Trump und vertrat dabei erzkonservative Positionen, so zum Abtreibungs- und Waffenrecht sowie in der Einwanderungspolitik.
Greene gehört laut US-Medien damit zu den rekordverdächtigen 49 Abgeordneten, davon zehn Senatoren, die aktuell erklärt haben, dass sie nach den kommenden Wahlen im Jahr 2026 nicht mehr in ihre Ämter zurückkehren wollen.
Mehr zum Thema – Trump unterzeichnet Gesetz zur Freigabe der Epstein-Akten
Vertreter der Ukraine und der Vereinigten Staaten werden in der Schweiz über den von Donald Trump vorgeschlagenen Friedensplan für den Ukraine-Krieg beraten.
Nach Angaben des ukrainischen Sicherheitsratschefs Rustem Umerow sollen die Gespräche in den kommenden Tagen stattfinden und hochrangige Vertreter beider Seiten an einen Tisch bringen, um mögliche Punkte eines künftigen Friedensabkommens zu erörtern.
Wladimir Selenskij hat zuvor ein Dekret unterzeichnet, das die Bildung einer ukrainischen Verhandlungsdelegation vorsieht. Diese wird von seinem engen Vertrauten Andrei Jermak geleitet. Die Entscheidung zeigt, dass Kiew die Gespräche ernst nimmt, auch wenn der Trump-Plan in der Kritik steht und bereits Diskussionen über mögliche Änderungen innerhalb Europas ausgelöst hat.
Der Schweizer Verhandlungsort gilt als neutraler Boden, der es allen Beteiligten erlaubt, vertraulich und ohne direkten Einfluss aus Washington oder Brüssel zu diskutieren. Die USA drängen auf eine rasche Zustimmung der Ukraine zum 28-Punkte-Plan, während die EU ihre eigene Rolle betont und auf Mitentscheidungen pocht.
Die Gespräche könnten in Genf stattfinden.
"In den kommenden Tagen" sollen hochrangige Vertreter beider Länder über mögliche Punkte eines künftigen Friedensabkommens verhandeln.
Dies teilte der ukrainische Sicherheitsratschef Rustem Umerow am Samstag über Facebook mit.
Veröffentlichung des Dekrets von Wladimir Selenskij zur Bildung der ukrainischen Verhandlungsdelegation für Friedensgespräche:
"Es wird eine Delegation der Ukraine für die Teilnahme am Verhandlungsprozess mit den Vereinigten Staaten von Amerika, weiteren internationalen Partnern der Ukraine sowie mit Vertretern der Russischen Föderation zur Erreichung eines gerechten und nachhaltigen Friedens gebildet."
Die Delegation setzt sich wie folgt zusammen:
Leitung der Delegation:
Andrei Jermak – Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, Vorsitzender der Delegation
Mitglieder der Delegation:
Rustem Umerow – Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates (NSVR) der Ukraine
Kirill Budanow – Leiter der Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums
Andrei Ignatow – Generalstabschef der Streitkräfte der Ukraine
Oleg Iwaschtschenko – Leiter des Auslandsgeheimdienstes
Sergei Kyslyza – Erster stellvertretender Außenminister
Jewgeni Ostrjanski – Erster stellvertretender Sekretär des NSVR
Alexander Poklad – Stellvertretender Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU)
Alexander Bewz – Berater des Leiters des Büros von Selenskij
Mehr zum Thema – Ukraine und EU-Staaten lehnen zentrale Punkte des US-Friedensplans ab
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine ein Ultimatum gestellt und fordert laut Medienberichten, dass Präsident Wladimir Selenskij den von ihr präsentierten Friedensplan bis spätestens Donnerstag nächster Woche unterzeichnet, wie die Financial Times (FT) unter Berufung auf westeuropäische Beamte berichtet (Bezahlschranke).
Der Gesandte Washingtons, der Staatssekretär der US-Armee Daniel Driscoll, der in Kiew mit Selenskij über den Vorschlag der USA zur Beilegung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine gesprochen hatte, teilte dann noch am Freitagabend laut FT-Artikel bei einem Treffen in der ukrainischen Hauptstadt interne Details den Botschaftern der EU und Großbritanniens sowie weiteren Beamten mit.
Ein ungenannter hochrangiger Beamter beschrieb den Ton der Zusammenkunft in der Residenz des US-Geschäftsträgers in der ukrainischen Hauptstadt demnach als "widerwärtig". Dazu heißt es in dem Artikel:
"'Wir verhandeln nicht über Details', sagte er [Driscoll] laut einem hochrangigen europäischen Beamten, der an dem Treffen in der Kiewer Residenz der US-Geschäftsträgerin Julie Davis teilnahm. Ein hochrangiger europäischer Beamter beschrieb den Ton des Treffens als 'widerwärtig'."
Den Quellen zufolge erschien Driscoll verspätet und benutzte "obszöne" Sprache, um Washingtons Standpunkte deutlich zu machen. So soll er wörtlich erklärt haben:
"Wir müssen diese Scheiße endlich hinter uns bringen. Die US-Streitkräfte lieben die Ukraine und stehen hinter ihr, aber nach ehrlicher Einschätzung des US-Militärs befindet sich die Ukraine in einer sehr schlechten Lage, und jetzt ist der beste Zeitpunkt für Frieden."
Ein weiterer hochrangiger Beamter erklärte gegenüber der FT, der Staatssekretär habe zudem betont, dass "wir nur ein kleines Zeitfenster für den Frieden haben – Präsident Trump will jetzt Frieden", so Driscoll gegenüber den Anwesenden. Trumps Gesandter fügte hinzu, dass "Sicherheitsgarantien" für die Ukraine Teil des US-Plans seien und in den kommenden Tagen mit den Westeuropäern und Kiew diskutiert werden sollen.
Der FT-Artikel berichtet, dass Driscoll zudem Forderungen von EU- und britischen Beamten abgelehnt habe, mehr Druck auf Russland auszuüben, anstatt jetzt um Frieden zu bitten. "Es stellt sich heraus, dass dies noch schlimmer ist, als wir gedacht hatten", so die Reaktion eines anderen hochrangigen EU-Beamten, der über das Treffen informiert war, gegenüber der Zeitung. Zu dem in Medien genannten geforderten "Abgabetermin" seitens Kiews heißt es in dem Artikel:
"Der hochrangige europäische Beamte bei dem Treffen sagte, [Julie] Davis und Driscoll hätten darauf bestanden, dass Präsident Selenskij das Abkommen noch vor dem amerikanischen Erntedankfest am Donnerstag unterzeichne."
Der Friedensplan der USA wurde noch nicht offiziell bekannt gegeben, Medienberichten zufolge fordert er jedoch unter anderem, dass die Ukraine ihre Truppen aus den noch von ihr kontrollierten Teilen des russischen Donbass abzieht, ihr Militär verkleinert und ihre NATO-Bestrebungen aufgibt, im Gegenzug für Sicherheitsgarantien des Westens.
Die Bemühungen Washingtons, die Ukraine zur Zustimmung zu seinem Fahrplan zu bewegen, finden vor dem Hintergrund eines Korruptionsskandals in Kiew statt, der laut Analysten die politische Position von Selenskij erheblich geschwächt hat.
Der ukrainische Präsident erklärte am gestrigen Abend in einem längeren X-Video, dass sich die Bürger der Ukraine auf eine schwierige Entscheidung seitens der politischen Führung vorbereiten müssten: entweder die "28 schwierigen Punkte" des Plans Washingtons zu akzeptieren oder zu riskieren, in den USA einen wichtigen Unterstützer zu verlieren. Wörtlich erklärte Selenskij:
"Wir sind aus Stahl. Aber auch das härteste Metall kann irgendwann versagen."
Mehr zum Thema – Ukraine und EU-Staaten lehnen zentrale Punkte des US-Friedensplans ab
Jede Kritik am US-Plan zur Beilegung des Ukraine-Konflikts zeugt von Unverständnis für die Realitäten vor Ort. Dies schrieb der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, JD Vance, auf X:
"Jede Kritik am Friedensabkommen, an dem die Regierung arbeitet, zeugt entweder von einem falschen Verständnis davon oder verzerrt einige wichtige Realitäten vor Ort."
Wie Vance betonte, sollte der Plan die Interessen beider Seiten berücksichtigen und die Chancen, dass der Konflikt nicht erneut aufflamme, so stark wie möglich erhöhen. Der Politiker fügte hinzu:
"Es gibt die Vorstellung, dass wir den Sieg in der Tasche haben, wenn wir mehr Geld, mehr Waffen oder mehr Sanktionen bereitstellen. Frieden wird nicht von gescheiterten Diplomaten oder Politikern aus einer Traumwelt geschaffen. Das tun kluge Menschen in der realen Welt."
Ausländischen Medien zufolge führen die Vereinigten Staaten "geheime Konsultationen" mit Russland über die Ausarbeitung eines Friedensabkommens. Es handelt sich um ein Dokument, das aus 28 Punkten besteht, die in vier Kategorien unterteilt sind: Frieden, Garantien für die Ukraine nach dem Vorbild von Artikel 5 des NATO-Vertrags, Sicherheit in Europa und die künftigen Beziehungen der Parteien zu den Vereinigten Staaten.
Wie Wladimir Putin erklärte, liege Russland der Text des amerikanischen Plans vor, aber er sei noch nicht konkret diskutiert worden. Der Präsident schloss nicht aus, dass dieses Dokument als Grundlage für eine endgültige Beilegung dienen könnte. Insgesamt sei Moskau mit der Lage an der Front zufrieden, weil sie zur Erreichung der Ziele der militärischen Sonderoperation mithilfe von Waffen führe, aber der Kreml sei dennoch zu Verhandlungen und einer friedlichen Lösung der Probleme bereit.
Am Vortag veröffentlichte der ukrainische Abgeordnete Alexei Gontscharenko den von den USA vorgeschlagenen Friedensplan. Das Dokument enthält den Verzicht der Ukraine auf einen NATO-Beitritt, ihren Rückzug aus der DVR und LVR und die Festschreibung des atomwaffenfreien Status des Landes. Im Gegenzug sollen im Falle einer Zustimmung zu diesem Plan die Sanktionen gegen Russland aufgehoben und ein langfristiges Abkommen mit Washington über wirtschaftliche Zusammenarbeit geschlossen werden.
Mehr zum Thema – Putin: Trumps Plan kann zur Grundlage eines Friedens in der Ukraine werden
Von Henry Johnston
Im Zentrum des gesamten Trends zur Entdollarisierung steht ein seltsames Paradoxon. Sowohl die BRICS-Länder, die nach Alternativen zum US-Dollar suchen, als auch die alternde Hegemonialmacht USA, die diesen Prozess zu verhindern versucht, haben sich, zumindest offiziell, auf eine ähnliche, aber nicht ganz zutreffende Erzählung geeinigt: dass die allmähliche Abkehr vom US-Dollar in erster Linie durch die Instrumentalisierung der Währung durch Washington als finanzielle Waffe vorangetrieben wird.
Die Sanktionen gegen Russland im Jahr 2022 markierten sicherlich den entscheidenden Moment, in dem Washington jeden Anspruch darauf aufgab, der wohlwollende Hüter des globalen Dollarsystems zu sein, und stattdessen beschloss, diese Währung als Knüppel gegen geopolitische Gegner einzusetzen. Geopolitisch gesehen war dies ein Wendepunkt, und Historiker der Zukunft werden dies mit ziemlicher Sicherheit auch so sehen.
Aber ist das wirklich der einzige Grund, warum Länder eilig nach Alternativen zum US-Dollar suchen? Die Behauptung, dass die Entdollarisierung letztlich eine Reaktion auf den Druck der USA ist, klingt wie eine BRICS-Version einer Warnung à la Niemöller vor Gleichgültigkeit angesichts von Verfolgung: "Zuerst holten sie sich Russland, als Nächstes könnten sie uns holen kommen." Die Implikation ist, dass jedes Land das nächste Opfer des launischen Zorns Washingtons sein könnte.
Aber kaum jemand hält inne, um zu fragen, wie realistisch das eigentlich ist. Ist China – eine systemisch zentrale Wirtschaft – wirklich von Sanktionen im Stil Russlands bedroht? Würden die USA es wirklich wagen, harte Sanktionen gegen Indien, Brasilien oder die BRICS-nahe Türkei zu verhängen? Wenn die USA nicht einmal mit Trumps "Liberation Day"-Zöllen davonkommen können, ohne den Markt für US-Staatsanleihen fast in die Luft zu jagen, glaubt dann wirklich jemand, dass sie Chinas Reserven einfrieren könnten, ohne fünf Minuten später eine Finanzkrise auszulösen, die die von 2008 in den Schatten stellen würde?
Offen gesagt: Selbst die Sanktionen gegen Russland, das sich bis 2022 bereits erheblich vom US-Markt abgekoppelt hatte, sind nicht besonders gut gelaufen.
Die stille Enteignung von Vermögen, die niemand bemerken soll
Der eigentliche Grund für die Entdollarisierung ist wirtschaftlicher Natur: Angesichts ihrer hohen und weiter steigenden Schuldenlast werden die USA strukturell negative Realzinsen benötigen. Für die Inhaber von Reserven bedeutet dies einen systematischen Kaufkraftverlust. In diesem Sinne ist die Entdollarisierung weniger eine politische Aussage als vielmehr eine Investitionsentscheidung. Dieser Prozess begann lange vor den Sanktionen gegen Russland und wäre auch ohne diese Sanktionen weitergegangen.
Seit 2014 kaufen ausländische Zentralbanken netto keine US-Staatsanleihen mehr, während die Defizite der USA weiter wachsen. Dieser wenig bekannte Wendepunkt wird sicherlich einen Ehrenplatz einnehmen, wenn eines Tages die endgültige Bilanz des Übergangs zu einem neuen System gezogen wird. Mit anderen Worten: Auch 2014 waren die Zeichen bereits deutlich zu erkennen. Die langfristige Entwicklung der US-Finanz- und Geldpolitik deutete auf Probleme hin. Die US-Defizite waren nicht mehr episodisch und durch die Rezession bedingt, sondern hatten sich zu einem dauerhaften Merkmal der Wirtschaft entwickelt.
Springen wir ins Jahr 2022 – das Jahr, das beiläufig als Startpunkt für die Entdollarisierung genannt wird. Sicherlich war dies ein wichtiges Jahr, und eine Reihe von Statistiken belegen dies: Die Goldkäufe der Zentralbanken – im Wesentlichen eine Entdollarisierung der Reserven – stiegen in diesem Jahr sprunghaft an. Aber lag das alles an den Sanktionen gegen Russland? Es stellte sich heraus, dass zu dieser Zeit noch etwas anderes vor sich ging, das viele Akteure – insbesondere China – möglicherweise erschreckt hat.
Zwischen 2020 und 2022 stieg die US-Staatsverschuldung von 23 Billionen US-Dollar auf über 30 Billionen US-Dollar, ein beispielloser Anstieg außerhalb von Kriegszeiten, während sich die Bilanzsumme der US-Zentralbank von 4 Billionen US-Dollar auf 8,9 Billionen US-Dollar mehr als verdoppelte. Unterdessen erwies sich das angeblich exotische und vorübergehende politische Instrument der "Quantitativen Lockerung", das nach der Krise von 2008 eingeführt wurde, als ziemlich dauerhaft. Mit anderen Worten: Die beunruhigenden Signale von 2014 klangen nun, als würden sie durch ein Megafon gebrüllt.
Bis 2022 war wahrscheinlich den meisten Menschen weltweit klar geworden, dass die USA keinen glaubwürdigen Weg zur Haushaltskonsolidierung haben und auch nichts unternehmen, um einen solchen zu finden, sodass sie mit ziemlicher Sicherheit negative Realzinsen einführen müssen, um die Schuldenlast im Laufe der Zeit abzubauen. Um zu verstehen, wie negative Realzinsen zur Steuerung der Verschuldung beitragen, betrachten wir ein extremes Beispiel: Wenn Sie in der Weimarer Republik eine Geldsumme schuldeten, wäre es für Sie viel einfacher gewesen, diese zurückzuzahlen, sobald die D-Mark hyperinflationär wurde – Sie hätten einfach ein Paar Schuhe verkaufen müssen, um Ihre zuvor enorme Schuld zu begleichen.
Tatsächlich waren die realen Renditen in den USA in diesem Zeitraum von 2020 bis 2022 stark negativ: Die Inflation lag (offiziell) bei etwa 7 bis 8 Prozent, während die Rendite zehnjähriger US-Anleihen bei etwa 1,5 Prozent lag. Eine solche Situation mindert die Kaufkraft des US-Dollars. Das ist keine gute Option, wenn man eine ganze Reihe von Staatsanleihen hält. Der Analyst Luke Gromen bezeichnete dies als "Enteignung" des Vermögens einer Nation durch die Amerikaner. Wenn Sie Rohstoffe in einer Währung kaufen müssen, die an Wert verliert – und Rohstoffe werden nicht billiger –, haben Sie ein ernstes Problem.
Man muss keinen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften haben, um zu verstehen, dass die Abwertung des US-Dollars und eine massive Inflation letztlich das Ende bedeuten. Die einzige andere Option für die USA besteht darin, die Zinssätze hochzuhalten und dann unter der Last der Bedienung ihrer Schulden zu höheren Zinssätzen zu ersticken – was ebenfalls eine massive Kreditkrise zur Folge hätte. Wenn sie zwischen einem schnellen und einem langsamen Tod wählen müssen, entscheiden sich Regierungen in der Regel für Letzteres.
So standen die Inhaber von US-Schulden weltweit im Jahr 2022 vor erheblichen realen Verlusten. Für einen privaten Investor ist das unangenehm. Für eine Zentralbank, die Hunderte Milliarden an Reserven hält, ist es existenziell untragbar. Ich wage zu behaupten, dass diese Situation in den Kreisen der Wirtschaftspolitik bestimmter Länder nicht weniger Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat als die Auswirkungen der Ukraine-Krise.
Auch wenn die Realzinsen 2023 (knapp) wieder in den positiven Bereich zurückkehrten, hat die USA nicht die geringste Neigung gezeigt, ihre fiskalische Rücksichtslosigkeit zu mäßigen. Sie wird weiterhin in hohem Maße Staatsanleihen emittieren, um immer größere Defizite zu decken, und der Druck auf die US-Zentralbank, in der nächsten Rezession mehr Schulden zu monetarisieren, wird bestehen bleiben. Das Problem ist nun strukturell und dauerhaft.
Washington und die BRICS-Staaten sind sich einig: "Lasst uns das nicht tun"
Warum also wird angesichts all dessen so viel Wert auf Geopolitik gelegt? Ein Teil dessen, was hier vor sich geht, ist der völlig natürliche Mechanismus der Narrativbildung in einer Welt mit kurzen Nachrichtenzyklen, immer kürzerer Aufmerksamkeitsspanne und von den Medien hochgespielten geopolitischen Dramen. Negative Realrenditen und die Zusammensetzung der Reserven sind kein gutes Fernsehprogramm, wie man früher zu sagen pflegte. Dramatische geopolitische Konfrontationen hingegen schon.
Allerdings gibt es auch eine bewusste Verschleierungstaktik – und zwar auf beiden Seiten der geopolitischen Kluft.
Es versteht sich von selbst, dass Washington alles in seiner Macht Stehende unternimmt, um den Prozess der Entdollarisierung herunterzuspielen oder zu leugnen. Die meisten amerikanischen und anderen westlichen Institutionen ziehen es vor, ihren Blick bescheiden von den Goldvorräten abzuwenden, die in die Tresore der Zentralbanken anderer Länder geschoben werden. Sie geben sich alle Mühe, Statistiken zu zitieren, die zeigen, dass die Verwendung des Dollars stabil bleibt (solche Statistiken lassen sich sicherlich finden).
Aber soweit das Thema Entdollarisierung angesprochen werden muss, zieht Washington das seiner Meinung nach kleinere Übel vor: Es räumt einige Kollateralschäden im Zusammenhang mit der politischen Instrumentalisierung des US-Dollars ein, anstatt zuzugeben, dass die gesamte wirtschaftliche Grundlage des US-Dollarsystems vor unseren Augen erodiert.
Im April 2023 räumte Janet Yellen ein, dass "die Anwendung von Finanzsanktionen, die mit der Rolle des US-Dollars verbunden sind, das Risiko birgt, dass dies im Laufe der Zeit die Hegemonie des US-Dollars untergraben könnte". Für sie geht es lediglich darum, ein geopolitisches Instrument so zu kalibrieren, dass die Gefahr minimiert wird, dass der Rest der Welt auf wilde Ideen kommt, um die Renditen seiner Investitionen zu sichern.
Bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus im Juli 2023 mit dem Titel "Dollar-Dominanz: Erhaltung des Status des US-Dollars als globale Reservewährung" gab Dr. Daniel McDowell, Professor für internationale Angelegenheiten an der Syracuse University, in seiner Stellungnahme eine typische Interpretation dieses Gedankens wieder:
"Je mehr die Vereinigten Staaten zu Finanzsanktionen gegriffen haben, desto mehr haben sie ihren Gegnern und ausländischen Hauptstädten die strategische Verwundbarkeit bewusst gemacht, die sich aus der Abhängigkeit vom Dollar ergibt. Einige Regierungen haben darauf mit Anti-Dollar-Maßnahmen reagiert, die darauf abzielen, die Abhängigkeit einer Volkswirtschaft von der US-Währung für Investitionen in grenzüberschreitende Transaktionen zu verringern. Obwohl diese Maßnahmen manchmal ihre Ziele verfehlen, haben andere zu einer moderaten Entdollarisierung geführt."
Da haben Sie es. Die Kosten für die Verfolgung der außenpolitischen Agenda der USA müssen anerkannt werden – aber sie belaufen sich größtenteils auf eine "bescheidene Entdollarisierung".
Es liegt auf der Hand, dass die USA ein enormes Interesse daran haben, ihre schwankende Dollar-Hegemonie aufrechtzuerhalten, und ihre Schwächen nicht zu sehr offenlegen wollen. Zu sagen "wir geben zu, dass die Sanktionen gegen Russland einigen Leuten Unbehagen bereitet haben" funktioniert viel besser als zu sagen "wir hoffen, dass niemand bemerkt, dass es ein sicherer Weg ist, irgendwann pleitezugehen, wenn man US-Dollar in seinen Kassen hält".
Das wirft jedoch die Frage auf: Was genau hat die BRICS-Gruppe davon, wenn sie den geopolitischen Aspekt gegenüber dem wirtschaftlichen Aspekt betont?
Betrachten Sie es einmal so: Angenommen, Sie halten eine ganze Reihe von Anleihen eines bestimmten Unternehmens, haben aber kein großes Vertrauen in dieses Unternehmen. Eine Sache, die Sie auf keinen Fall tun würden, wäre, Ihre Zweifel an der Zahlungsfähigkeit dieses Unternehmens öffentlich zu äußern. Denn damit würden Sie den Wert der Anleihen, die Sie noch halten, erheblich mindern.
Nehmen wir nun an, Sie verkaufen tatsächlich einen Teil dieser Anleihen – nicht zu Schleuderpreisen, sondern indem Sie Ihren Bestand schrittweise reduzieren. Da Sie ein Großaktionär sind, wird dies bemerkt. Es wäre gut, wenn Sie Ihre Vorgehensweise irgendwie verschleiern könnten, damit Sie nicht öffentlich zugeben müssen, dass Sie nicht an die Zahlungsfähigkeit des Emittenten Ihrer Anleihen glauben. Sobald Sie dies tun, würden die Anleihen, die Sie noch halten, stark an Wert verlieren – ganz zu schweigen davon, dass Sie eine Panik auslösen könnten, auf die Sie selbst nicht vorbereitet sind.
Der Emittent der Anleihen ist hier natürlich die US-Regierung, und bei den Anleihen handelt es sich um US-Staatsanleihen und andere damit verbundene US-Schuldtitel. Sie sollten mit Ihren Äußerungen besser etwas vorsichtig sein, wenn Sie nicht ein großes Loch in Ihr eigenes Portfolio reißen wollen, ganz zu schweigen davon, dass Sie sich wahrscheinlich einer unangenehmen Vergeltungsmaßnahme aussetzen würden. China hält nach wie vor sehr viele US-Dollar-Vermögenswerte. Auch andere BRICS-Länder (mit Ausnahme Russlands) verfügen über beträchtliche Bestände.
Was die BRICS-Staaten tatsächlich tun, ist Folgendes: Sie kaufen so diskret wie möglich Gold (Gold ist derzeit die am schnellsten steigende internationale Reservewährung); sie versuchen, bilaterale Abrechnungen in anderen Währungen als dem US-Dollar zu fördern; sie sichern sich Swap-Linien in lokaler Währung; sie kaufen Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit; sie arbeiten an einer neuen Finanzinfrastruktur.
Auf offizieller Ebene äußern sie sich jedoch in der Regel sehr zurückhaltend und sprechen meist nur von Diversifizierung oder Risikomanagement. Die chinesische Devisenaufsichtsbehörde (SAFE) ist eine äußerst wichtige Institution – sie ist der eigentliche Verwalter der Reserven des Landes. Sie veröffentlicht Jahresberichte, die, gelinde gesagt, etwas trocken zu lesen sind. Wichtig ist, dass sie ihre Reservenverschiebungen nicht öffentlich als Ablehnung der US-Schulden darstellt. Wer in einem SAFE-Bericht nach spannender Rhetorik sucht, wird in der Regel bitter enttäuscht.
Wenn die BRICS-Staaten ihre Rhetorik etwas verschärfen, neigen sie dazu, sich auf den geopolitischen Aspekt zu konzentrieren: Die USA missbrauchen die Privilegien, die mit ihrer Führungsrolle im System einhergehen; die USA wenden Doppelmoral an; die USA mischen sich in die Souveränität anderer Länder ein. Diese Vorwürfe sind absolut zutreffend und spielen sicherlich eine Rolle in den Überlegungen der BRICS-Regierungen. Aber dies ist auch eine Möglichkeit, das, was den Entdollarisierungsprozess wirklich antreibt, herunterzuspielen.
Das Ergebnis ist bizarrerweise, dass zwei konkurrierende geopolitische Blöcke sehr vorsichtig um das offensichtliche Problem herumtanzen.
Diese seltsame Übereinstimmung der Narrative fand ihren perfekten Ausdruck in einer Analyse der Carnegie Endowment vom Oktober 2024 mit dem Titel "China's Dollar-Dilemma". Carnegie ist fest in der politischen Mainstream-Szene Washingtons verankert, sodass seine Darstellung ein verlässlicher Maßstab für das Denken des Establishments ist.
Der Artikel beginnt mit einer bekannten Behauptung: "Die sich verschärfenden US-Wirtschaftssanktionen gegen das russische Finanzsystem haben in China die Besorgnis über seine umfangreichen Dollar-Vermögenswerte und die Abhängigkeit des chinesischen Finanzsystems vom Dollar verstärkt."
Von dort ausgehend hebt der Artikel selektiv nur die Motive hervor, die chinesische Beamte und Wissenschaftler ohne Bedenken öffentlich äußern können: Angst vor Sanktionen, Angst vor dem Einfrieren von Vermögenswerten und Angst vor einer Überdehnung der Macht der USA. Er zitiert einen einflussreichen chinesischen Ökonomen, der aufgrund des Sanktionsrisikos eine Verringerung des Engagements im US-Finanzministerium fordert, und zitiert eine renommierte staatlich geförderte Zeitschrift, die davor warnt, dass Chinas Reserven "zunehmend zu 'Geiseln' werden" – ein direkter Verweis auf das Einfrieren der Vermögenswerte der russischen Zentralbank.
All diese Punkte tauchen zwar in der chinesischen Debatte auf, aber gerade deshalb, weil chinesische Beamte sie ohne Risiko äußern können. Das Verhalten der USA kann kritisiert werden, die Lebensfähigkeit des US-Dollars jedoch weniger. Chinas Diversifizierung wird auf externe Bedrohungen zurückgeführt, nicht auf interne Einschätzungen zu langfristigen Renditen, negativen Realrenditen oder der Entwicklung der US-Fiskalpolitik. Diese Argumente passen gut in Chinas öffentlichkeitswirksame Darstellung. Carnegie sollte sehr wohl wissen, dass Chinas tatsächliche Analyse der Angelegenheit weit über das hinausgeht, was öffentlich präsentiert wird, aber es wurde kein Versuch unternommen, dies zu untersuchen.
Diese Argumente passen jedoch auch gut in den Diskurs des westlichen Establishments. Eine auf Sanktionen fokussierte Erklärung ermöglicht es US-amerikanischen Analysten, das Unbehagen der Länder des Globalen Südens anzuerkennen, ohne die tiefergehende Frage zu stellen, ob US-Schulden strukturell unattraktiv geworden sind. Sie bewahrt das Bild der USA als rationale, stabile Hegemonialmacht und nicht als Schuldner, dessen finanzpolitischer Kurs und Währungssystem den Inhabern von Devisenreserven Verluste beschert. Es wird nicht untersucht, wie die fiskalische Expansion der USA direkt zu einem höheren Risiko für China in Bezug auf Zinsverluste führt – was keineswegs eine triviale Frage ist!
Das Ergebnis ist aufschlussreich: In einem fast 5.000 Wörter langen Artikel beschränkt sich die Diskussion über die Tragfähigkeit der US-Schulden auf einen einzigen Satz, der lediglich die Schuldenstände bis zum Jahr 2050 prognostiziert, ohne zu analysieren, was diese Stände für den Status von US-Staatsanleihen als Reservewährung bedeuten. Ein Leser könnte leicht zu dem Schluss kommen, dass Chinas Diversifizierung fast ausschließlich durch Sanktionsängste motiviert ist. Aber hier kommt der Clou: Hätte dieser Leser die Veröffentlichungen der BRICS-Staaten durchgesehen, wäre diese Schlussfolgerung nur noch verstärkt worden.
Die zentrale Ironie besteht also darin, dass eine lange, sorgfältig argumentierte Analyse, die im Herzen des westlichen politischen Establishments erstellt wurde, letztlich die vorherrschende Erzählung innerhalb der BRICS-Welt selbst widerspiegelt. Beide Seiten betonen die Geopolitik und das Sanktionsrisiko und spielen die grundlegende finanzielle Logik herunter, die US-Vermögenswerte weniger attraktiv macht. Sie kommen aus völlig unterschiedlichen Gründen zu derselben Erklärung – aber die Konvergenz ist unverkennbar.
Eine Konvergenz zwar, aber letztendlich gibt es einen Unterschied. Soweit ich das beurteilen kann, glaubt das Establishment in Washington tatsächlich an seine eigene Propaganda, während die BRICS-Länder genau wissen, wie die Lage wirklich ist, und sorgfältig daran arbeiten, das System stabil zu halten, während es langsam ersetzt wird.
Henry Johnston ist ein in Moskau ansässiger Redakteur, der über ein Jahrzehnt lang im Finanzwesen tätig war. Übersetzt aus dem Englischen.
Mehr zum Thema – Wie eine beiläufige Bemerkung Putins einen tieferen wirtschaftlichen Wandel offenbart
Von Waleria Werbinina
Unmittelbar nachdem das US-Portal Axios berichtet hatte, dass US-Präsident Donald Trump einen neuen Plan zur friedlichen Beilegung des russisch-ukrainischen Konflikts vorbereitet habe, geriet Europa in Aufruhr. Es wird behauptet, dass die Ukraine gemäß diesem Plan Zugeständnisse machen müsse. Dabei spielt es keine Rolle, dass weder Moskau noch Washington die Existenz eines solchen Plans offiziell bestätigen. "Bislang gibt es in dieser Angelegenheit keine Neuigkeiten, über die wir informieren könnten", erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow zu diesem Thema.
Das Leid der französischen Zeitung Le Monde ist bereits in der Überschrift deutlich zu erkennen: "Russland und die USA verhandeln erneut hinter dem Rücken der Europäer." Der Hauptgrund für dieses Leid ist folgender: Es gab nicht nur keine Rücksprache mit den EU-Behörden, sondern diese wurden nicht einmal darüber informiert, dass überhaupt irgendwelche Verhandlungen stattfinden.
El Mundo aus Spanien stellt kategorisch fest: "Die Europäische Union wusste nichts von den Verhandlungen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin, die einen 28-Punkte-Friedensvorschlag ausgearbeitet haben." "Ich weiß nichts über diesen sogenannten Friedensplan. Das Einzige, was ich darüber weiß, habe ich in der Presse gelesen ... Spanien hat mit diesem angeblichen Friedensplan nichts zu tun, und auch die EU war nicht daran beteiligt", bestätigt der spanische Außenminister José Manuel Albares.
Unterdessen werden verschiedene Fassungen der im angeblichen Friedensplan enthaltenen Bestimmungen bereits intensiv diskutiert. So bezeichnet beispielsweise das deutsche Magazin Focus sie mit typisch deutscher Direktheit als "vollständige Kapitulation" der Ukraine. Focus zitiert dabei Experten des Instituts für Kriegsforschung, die der Meinung sind, dass "der Friedensplan, der bisher von keiner der Seiten offiziell bestätigt wurde, für die Ukraine den Verlust wichtiger Verteidigungspositionen bedeuten könnte ... und die Ukrainer im Gegenzug nichts erhalten würden".
"Wir wünschen uns Frieden, die Ukrainer wünschen sich Frieden, und zwar einen gerechten Frieden, der die Souveränität jedes Staates respektiert. Wir wünschen uns einen dauerhaften Frieden, jedoch kann Frieden nicht durch Kapitulation erreicht werden", erklärte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot. Auch im britischen Guardian wird das Wort "Kapitulation" mit Nachdruck verwendet, obwohl im Falle einer tatsächlichen Kapitulation die Bedingungen weitaus härter wären und sicherlich niemand der Ukraine erlauben würde, ihre eigene Armee zu behalten.
"Wir wollen keine Kapitulation der Ukraine", fügte Barrot hinzu. Schließlich hat die Ukraine gerade ein Memorandum of Understanding mit Frankreich über den Kauf von hundert Rafale-Kampfflugzeugen und einer Vielzahl anderer Waffen unterzeichnet. All dies könnte zu Großaufträgen führen, wenn der Krieg noch ein, zwei, drei, fünf oder zehn Jahre andauert. Wenn jedoch Frieden geschlossen würde, was würde dann mit all diesen Unternehmen geschehen, die sich auf die Massenproduktion von Tod spezialisiert haben? Wer würde sie benötigen?
Die Italiener waren von Trumps Friedensplan so verwirrt, dass sie in der Corriere della Sera darüber zu spekulieren begannen, ob der US-Präsident versuche, "die Aufmerksamkeit" vom Skandal um die Akten von Jeffrey Epstein abzulenken. Dennoch wird angemerkt, dass der Zeitpunkt für den Friedensplan richtig gewählt sei: Trotz aller Widerstände Selenskijs "schwächen ihn die Korruptionsskandale in Kiew". Um jedoch nicht zu "Vasallen" zu werden, müsse Europa die Ukraine weiterhin unterstützen, "indem es Hunderte Milliarden Euro aus den (in Europa eingefrorenen) Kreml-Reserven verwendet und den Verkauf russischen Öls einschränkt".
Noch deutlicher äußert sich die deutsche Zeitung Die Welt, die der Ansicht ist, dass "der neue amerikanisch-russische Friedensplan nicht nur einer Kapitulation der Ukraine gleichkommt, sondern auch nichts Gutes für Europa verspricht". Daher sollten weder die ukrainische Führung noch Europa "jemals den vorgeschlagenen Kernpunkten zustimmen", die zu einem "Verlust der europäischen Sicherheit" führen würden.
Und Die Welt erklärt, warum das so ist: "Die Festigungsanlagen im Donbass, um die derzeit heftig gekämpft wird, wurden über viele Jahre hinweg errichtet ... Ein Rückzug ohne Kampf wäre ein Geschenk an Moskau ... Auf kurze oder mittlere Sicht würde dies Russland eine ideale Ausgangsposition für einen weiteren Angriff verschaffen."
Darüber hinaus würde "ein Verbot von Langstreckenwaffen im ukrainischen Waffenarsenal dem Land das wirksamste Druckmittel entziehen. Langstrecken-Drohnen und Marschflugkörper sind derzeit das einzige Mittel für die Ukraine, den Krieg auf das Gebiet des Gegners zu verlagern und Waffenproduktionsstätten und Infrastruktur zu zerstören".
Vor allem aber müsse der Krieg fortgesetzt werden, damit sich Europa wohlfühle. "Die gesamte Sicherheit Europas wäre gefährdet, wenn der Friedensplan in dieser Form umgesetzt würde".
In Europa herrscht so starke Überzeugung über Russlands Absichten, es anzugreifen, dass die Äußerungen des französischen Generalstabschefs General Fabien Mandon eine neue politische Debatte auslösten.
Im Hinblick auf einen eventuellen Krieg mit Russland erklärte er, dass die Franzosen "nicht bereit sind, den Verlust ihrer Kinder zu akzeptieren ... und wirtschaftliche Einbußen hinzunehmen", weshalb sich das Land in einer Risikozone befinde. Die Opposition warf dem General vor, Kriegshetze zu betreiben, aber der Skandal konnte durch die "Macronisten" und ihre Anhänger entschärft werden. So bemerkte der republikanische Senator Cédric Perrin: "Die Aussage, dass wir unsere Kinder verlieren sollten, war vielleicht etwas härter als nötig. Aber wenn solche Formulierungen notwendig sind, damit jeder die Ernsthaftigkeit der Situation begreift, dann denke ich, dass er damit Recht hatte.
Wie der deutsche Außenminister Johann Wadephul erklärte, müssen alle Vereinbarungen über einen eventuellen Waffenstillstand mit der Ukraine diskutiert werden, "und Europa muss ebenfalls einbezogen werden". Das Gleiche wurde fast wortwörtlich von der Chefin der europäischen Diplomatie Kaja Kallas ausgedrückt. Doch wenn Europa auf den Krieg setzt und diesen Krieg als einzige Option propagiert, ergibt es keinen Sinn, mit den Europäern über eine Waffenruhe zu diskutieren.
Viele in Europa hoffen ihrerseits, dass Trumps Plan, selbst wenn er offiziell vorgestellt werden sollte, keine Ergebnisse erzielen würde. Die polnische Zeitung Rzeczpospolita schreibt: "Die Ukraine kann nicht mit dem Gazastreifen gleichgesetzt werden ... Die Wahrscheinlichkeit eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine ist gleich null."
"Selbst wenn Donald Trump alle denkbaren und undenkbaren Instrumente der USA einsetzen würde (und andere Machtzentren von seiner Idee überzeugen könnte), würde dies bestenfalls zu einer Einfrierung des Krieges entlang der derzeitigen Frontlinie führen."
Im Gegensatz zu den meisten europäischen Regierungsvertretern, die davon überzeugt sind, dass es der Ukraine mit Waffen und finanzieller Unterstützung gelingen könnte, Russland ernsthaften Schaden zuzufügen, ist man in Ungarn der Ansicht, dass "der Zeitfaktor nicht zugunsten der Ukraine wirkt". Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó stellte klar, dass sein Land einen möglichen Friedensplan unterstützen werde.
Während europäische Politiker sich mit Panik und Verzweiflung äußern und die US-Medien mit neuen, unbestätigten "Leaks" über Trumps Plan für die Ukraine Öl ins Feuer gießen, berichtet die russische Armee von neuen militärischen Erfolgen und demonstriert die offensichtliche Überlegenheit Russlands auf dem Schlachtfeld.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 20. November 2025 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.
Mehr zum Thema - Ukraine und EU-Staaten lehnen zentrale Punkte des US-Friedensplans ab
Von Dagmar Henn
Wenn man die Dokumente des Nord-Stream-Untersuchungsausschusses liest, würde eigentlich jeder vernünftige Deutsche erwarten, dass es dabei um die Sprengung der Pipelines geht. Oder um die Frage, warum der Untersuchungseifer der Bundesregierungen seit damals so bescheiden ausgefallen ist. Oder welche Daten eigentlich zu diesem Terroranschlag vorliegen, unter Einbeziehung aller akustischen Aufzeichnungen, samt Versuchen, die zugehörigen Schiffe zu identifizieren und zu lokalisieren ... Ja, da ließe sich eine Menge machen.
Auch über die Nummer mit den Sanktionen damals, die dazu führte, dass Nord Stream 1 außer Betrieb ging, weil eine Maschine von Siemens dann in Kanada repariert werden musste, dort aber nicht zertifiziert werden konnte ... Da ist ein Winter, in dem für Büroräume und Schulzimmer Temperaturen unter 18 Grad verordnet wurden, aber das alles ist kein Thema.
Nein, Thema dieses Untersuchungsausschusses ist die "Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern" und außerdem die Frage, wie man denn je für diese Pipeline habe sein können, die doch Gas von den bösen Russen nach Deutschland transportierte. Und eingerührt haben sie die lieben Grünen, denen auch sonst das Frieren zu verdanken ist. Und sogar diese perverse Liebe zu Ukrostan, dem die Milliarden hinterhergeworfen werden.
Von der natürlich auch Ex-Kanzler Olaf Scholz nicht frei ist, der vor dem Landtag in Schwerin dann gleich beteuert, selbstverständlich sei es ihm ganz wichtig gewesen, dass die Gaspipeline durch die Ukraine weiter in Betrieb bleibe. Richtig, die Pipeline, aus der sich eine gewisse Gasprinzessin namens Julia Timoschenko einst illegal ihren Reichtum abgezapft hatte.
Während dieser seltsame Untersuchungsausschuss läuft, der ungefähr so sinnvoll ist, wie sich bei einem Mordfall an einem Bahnsteig auf die Untersuchung der Fahrkarte zu konzentrieren, wird in Polen ein Mann freigelassen, der, zumindest nach Überzeugung der deutschen Generalbundesanwaltschaft, den Sprengsatz mit gelegt haben soll. Richtig, die Geschichte mit dem Boot Andromeda und den Amateuren. Wie auch immer, der Eifer deutscher Behörden in der ganzen Affäre ist ja äußerst zwiespältig, denn eigentlich will man doch eher nicht, dass da einer vor Gericht auftaucht und etwas erzählt. Oder gar ein Gericht feststellen muss, dass das ganz anders war. Dadurch ergeben sich so bizarre Situationen, dass ein polnisches Gericht einen der Verdächtigen aus der Haft freilässt statt ihn nach Deutschland auszuliefern, und das Gericht, wie die polnische Regierung, ihn zum Helden erklären, weil er die böse Pipeline zerstört hat, und die deutsche Regierung still schweigt, statt den polnischen Botschafter einzubestellen und ihn zu fragen, ob er noch alle Latten am Zaun hat, einen Kriegsakt gegen sein Nachbarland gutzuheißen.
Wobei ja von polnischer Seite erklärt wird, das sei doch eine russische Pipeline. Zu der sie aber erst wurde, als – wer? die Polen – dafür sorgten, dass eine Beteiligung deutscher Unternehmen untersagt wurde. Eigentlich sollte das nämlich eine gemeinsam gebaute Pipeline sein, deren Nutzen, nebenbei, vor allem für die deutsche Industrie ...
Aber wen interessieren schon solche Details? Und überhaupt, Scholz vor diesem Untersuchungsausschuss. Der Mann, dessen ganzes Leben Historiker einmal mit diesem dümmlichen Grinsen zusammenfassen werden, in jenem Moment in Washington, als US-Präsident Joe Biden erklärte, er werde die Pipeline verhindern. Dafür hätte Scholz vor einen Untersuchungsausschuss gehört, und wenn die deutschen Gewerkschaften auch nur noch ein Butterbrot wert wären, hätten sie ihm wegen der Folgen auf die Arbeitsplätze und die Einkommen der arbeitenden Bevölkerung deshalb die Hölle heißgemacht, in wie außerhalb eines Untersuchungsausschusses.
Doch in Deutschland redet man über die Fahrkarte und vergisst den Ermordeten. Und Scholz leistet nicht Abbitte für sein völliges Versagen als deutscher Kanzler in jenem Moment, sondern dafür, dass er nicht gegen den Bau der Pipeline agiert hatte. Er sei schon immer für LNG-Terminals gewesen, erklärte er. Sicher, schließlich ist ein Rolls-Royce auch ein Auto. Das ist dann sozusagen Erdgas für Besserverdiener. Mithin Scholz' gewöhnlicher Umgang, wenn man so an die Warburg-Bank und Cum-Ex denkt.
Apropos Cum-Ex - die Presseberichte über den Untersuchungsausschuss vermerken lobend, Scholz habe hier gar keine Gedächtnislücken gehabt. Man könnte ja die Probe aufs Exempel machen und einen Untersuchungsausschuss zu den wirklichen Fragen zu Nord Stream einrichten, wer da wirklich gesprengt hat und so. Wetten, Scholz entdeckt die Gedächtnislücke wieder? Er und noch ganz viele andere?
Aber hey, das echte Problem ist doch, dass wir Deutschen durch das böse Russengas viel zu billig gelebt haben. Oder dass es da oben in Schwerin einfach zu windig ist und zwischen manchen Ohren deshalb nur Luft ist. Scholz, der Lurch, erweist sich natürlich als echter Parteifreund seiner Genossin Manuela Schwesig, weil er nicht sagt, wie nützlich diese Pipeline (und schon ihr Bau) für das deindustrialisierte Bundesland war und gewesen wäre, sondern sie im Stich lässt. Was aber eigentlich ohnehin egal ist, denn bei den nächsten Wahlen in Meck-Pomm gewinnt sowieso die AfD.
Ihm sei es gleich klar gewesen, "dass es im Fall eines Angriffs Russlands auf die Ukraine nicht weitergehen kann mit Nord Stream 2", erklärt er. Ja, er war sofort bereit, das Wohl seiner Untertanen dem edlen Ukrostan zu opfern. So ist er nun einmal. Jetzt ist sein Auftritt in Schwerin vorüber. Der Untersuchungsausschuss wird sich weiter leidenschaftlich den falschen Fragen widmen, und irgendwo in der Tiefe der Ostsee fragen sich die Fische, woher diese komische lange Brutröhre kommt, und irgendwo in den Vereinigten Staaten ist vermutlich ein Trupp Kampftaucher stolz auf seine Leistung. Das russische Erdgas geht derweil nach China.
Und die braven Deutschen lassen das ganze dumme Schauspiel über sich ergehen und hoffen nur, dass der Winter nicht so kalt wird wie das anstehende Wochenende mit minus 15 Grad, weil dann nämlich das Gas ausgeht.
Mehr zum Thema – Aufgepasst, Europäer: Der Terroranschlag auf die Nord-Stream-Pipelines war nur der Anfang
Auf dem Kunstmarkt gibt es eine neue Wende: Weibliche Käufer, die zuvor nur einen relativ geringen Anteil ausmachten, drängen nun massiv auf den Markt. Das zeigt eine aktuelle Studie von Survey of Global Collecting, die im Auftrag der Art Basel und der Bank UBS durchgeführt wurde. Die Mitte des Jahres 2025 durchgeführte Studie umfasste 3.100 vermögende Privatpersonen (High-Net-Worth Individuals, HNWI) aus zehn Ländern, die aktiv Kunst kaufen. Das Ziel war einfach: zu verstehen, in welche Richtung sich der Markt bewegt. Die Ergebnisse der Studie waren überraschend: Es stellte sich heraus, dass Frauen, die allmählich mehr als ein Drittel des weltweiten Vermögens kontrollieren und deren Anteil rapide wächst, nun auch auf dem Kunstmarkt eine aktive Rolle spielen. The Art Newspaper schreibt:
"Im Jahr 2024 gaben wohlhabende Sammlerinnen 46 Prozent mehr für Kunst aus als ihre männlichen Kollegen – vor allem dank Millennials und Frauen der Generation Z. Die durchschnittliche Millennial-Frau aus der Stichprobe gab 643.700 US-Dollar pro Jahr aus, eine Vertreterin der Generation Z 537.400 US-Dollar und lag damit doppelt so hoch (sogar etwas mehr) als Männer im gleichen Alter. Dabei erreichten die durchschnittlichen Ausgaben unter der Generation der Millennials in Festlandchina 3,9 Millionen US-Dollar und in Japan etwas mehr als eine Million US-Dollar."
Die Studie zeigt, dass Frauen häufiger Risiken eingehen, indem sie Werke von unbekannten Künstlern kaufen. So gaben 55 Prozent der Frauen (gegenüber 44 Prozent der Männer) an, dass sie Werke wenig bekannter Künstler erwerben. Dabei räumte mehr als die Hälfte der Befragten ein, dass sie solche Käufe für riskant halten.
Interessant ist auch, dass Kunstsammlerinnen weitaus vielfältigere Interessen haben als ihre männlichen Kollegen. Während Männer sich bei Auktionen hauptsächlich auf Malerei, Skulpturen und Grafik konzentrieren – also traditionelle Bereiche –, gehen Frauen Risiken ein und kaufen auch Fotografien, Installationen, Textilkunst und digitale Kunst.
Mehr zum Thema – Nach Tretjakow und Morosow: Privatsammler übergibt Russland Kunstwerke in Milliardenhöhe
Das Unternehmen EuroChem, Russlands größter Düngemittelhersteller, hat beim Schiedsgericht von Sankt Petersburg und der Region Leningrad Klage gegen den italienischen Ingenieur- und Baukonzern Maire S.p.A. und dessen russischer Tochtergesellschaft MT Russia LLC eingereicht. Die italienischen Firmen fungierten als Auftragnehmer für den Bau einer Ammoniak- und Harnstofffabrik in der Stadt Kingisepp. Die Bauarbeiten für die Anlage sollten im Jahr 2023 abgeschlossen sein, wurden jedoch im Jahr 2022 wegen Sanktionen ausgesetzt. Das Unternehmen hält Verweise auf äußere Umstände für "unbegründet" und erklärte:
"Die Klage gegen die Muttergesellschaft Maire S.p.A., die als Bürge für die Erfüllung der Vereinbarungen auftritt, zielt darauf ab, die legitimen Interessen der russischen Seite zu schützen und eine Entschädigung für den entstandenen wirtschaftlichen Schaden aus den Vermögenswerten der gesamten internationalen Gruppe zu erhalten, die aktiv Geschäftsprojekte entwickelt, unter anderem in den GUS- und BRICS-Ländern."
EuroChem hat bereits beim Moskauer Schiedsgericht Sicherungsmaßnahmen erwirkt und alle beweglichen und unbeweglichen Vermögenswerte der am Rechtsstreit beteiligten italienischen Unternehmen gepfändet. Medienberichten zufolge haben Gerichtsvollzieher bereits mit der Pfändung der Vermögenswerte der Beklagten begonnen. EuroChem stellte fest, dass "die Entscheidung des Gerichts über die einstweiligen Maßnahmen nicht nur rechtzeitig, sondern auch dringend notwendig war", da die italienischen Unternehmen mit dem aktiven Verkauf der Rechte an den Vermögenswerten beschäftigt waren und offenbar versuchten, diese der russischen Gerichtsbarkeit zu entziehen.
Außerdem hat EuroChem 16 italienische Banken gebeten, alle Finanztransaktionen seiner ehemaligen Auftragnehmer – Tecnimont SpA und deren russische Tochtergesellschaft MT Russia – zu stoppen. Wie das Portal RBK unter Berufung auf die Pressestelle des Unternehmens berichtet, bittet EuroChem darum, laufende und zukünftige Zahlungen einzufrieren und den Geldverkehr auf Konten mit einem Gesamtbetrag von 9,5 Milliarden Rubel zu beschränken. Vertreter von EuroChem begründeten die Entscheidung, sich auch an italienische Banken zu wenden, damit, dass sie "versuchen, vor den Risiken im Zusammenhang mit dem Gerichtsverfahren gegen ihre Kunden zu warnen". Das Unternehmen betont, dass es auf eine "rasche und positive Reaktion" hoffe.
Die Medien haben die bevorstehenden Gerichtsverfahren bereits als "Prozesse des Jahrhunderts" bezeichnet, da es um enorme Summen geht. Die Klage von EuroChem gegen seine ehemaligen italienischen Partner beläuft sich auf 203 Milliarden Rubel – das sind mehr als zwei Milliarden Euro.
EuroChem ist einer der weltweit größten Hersteller von Mineraldüngern und wurde vom Milliardär Andrei Melnitschenko gegründet. Seit März 2022 unterliegt er Sanktionen der EU und Großbritanniens, seit August 2022 auch Sanktionen der USA.
Mehr zum Thema – Unter Sanktionen leidender russischer Düngemittelhersteller EuroChem expandiert nach Brasilien
From the publisher's feed