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Donald Trump hat seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos im Januar 2026 von einer Bedingung abhängig gemacht: Themen mit offen "wokem" Fokus sollten nicht prominent auf der Agenda stehen.
Laut mehreren Quellen haben US-Beamte im Herbst vom WEF verlangt, Inhalte zu Diversität, Frauenförderung, Klimawandel und internationaler Entwicklungsfinanzierung abzuschwächen oder zu streichen, um Trumps konservative Basis nicht zu irritieren.
Das Weiße Haus erklärte, Trumps Schwerpunkt liege auf wirtschaftlicher Sicherheit, sicheren Grenzen und "Frieden durch Stärke" statt "woker Ideologie".
Das WEF betonte, dass kein Staat seine Agenda beeinflusse, auch wenn Gespräche über Interessen und Schwerpunktsetzung bei Staatsoberhäuptern üblich seien.
Trump war zuletzt 2018 persönlich in Davos, 2025 nahm er virtuell teil und forderte Unternehmen auf, ihre Produktion in die USA zurückzuverlagern. Seine Politik folgt protektionistischen Prinzipien und der Verteidigung nationaler Interessen: Dies belegen der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, die Kürzungen bei den Auslandshilfen und das Ende von Diversity-Programmen in US-Bundesbehörden.
Das Forum 2026 steht unter dem Motto "A Spirit of Dialogue" und behandelt globale Herausforderungen wie internationale Kooperation, nachhaltiges Wachstum, verantwortungsbewusste Innovation und Wohlstand innerhalb der planetaren Grenzen. Nach internen Turbulenzen und dem Rücktritt von Klaus Schwab leiten nun Larry Fink (BlackRock) und André Hoffmann (Roche) das Forum. Mit über 60 Staats- und Regierungschefs sowie 1.600 Wirtschafts- und NGO-Vertretern wird eine Rekordteilnahme erwartet.
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Die Aussicht auf eine Friedenslösung in der Ukraine setzt den europäischen Rüstungssektor unter Druck. Ein von den USA vorgelegter 28-Punkte-Plan sieht erhebliche Zugeständnisse seitens Kiews vor. Wladimir Selenskij signalisierte Gesprächsbereitschaft, betonte jedoch, dass an den Details noch gearbeitet werden müsse.
Für Anleger bedeutet dies Unsicherheit. Die Rheinmetall-Aktie, Deutschlands größter Rüstungskonzern, fiel im DAX am Freitag zeitweise um über sieben Prozent.
Auch Hensoldt und Renk verzeichneten deutliche Kursverluste. Der Hintergrund: Ein möglicher Waffenstillstand reduziert Lieferungen und Aufträge für Munition und militärisches Gerät.
Der 28-Punkte-Plan der USA soll einen dauerhaften Waffenstillstand in der Ukraine sichern, lässt europäische Partner jedoch außen vor. Wladimir Selenskij zeigte sich gesprächsbereit, hob aber hevor, dass die Details noch verhandelt werden müssten. Für Rheinmetall bedeutet dies kurzfristige Unsicherheit, operativ bleibt der Konzern jedoch stark. Für 2024 weist das Unternehmen Lieferungen in die Ukraine von rund 1,3 Milliarden Euro aus, weitere 1,7 Milliarden Euro an Aufträgen liegen bis Ende September vor. Das Ukraine-Geschäft macht damit etwa ein Viertel des Umsatzes aus.
Analysten gehen davon aus, dass die Verteidigungsbudgets der NATO-Länder unabhängig von einem möglichen Friedensabkommen weiter steigen werden. Ein Waffenstillstand könnte die Märkte kurzfristig bewegen, die langfristige Aufrüstung in Europa jedoch kaum bremsen. Technisch gesehen hat die Rheinmetall-Aktie wichtige Unterstützungsmarken unterschritten, was kurzfristigen Verkaufsdruck erzeugt. Experten raten zu Geduld, da überstürzte Verkäufe Chancen verpassen könnten, insbesondere angesichts eines weiterhin robusten Auftragsvolumens.
Die Unsicherheit erstreckt sich über den gesamten Markt. Die Aktienmärkte stehen vor ihrer schlechtesten Woche seit sieben Monaten, belastet von Sorgen über hohe Bewertungen und die Frage, ob massive Investitionen in künstliche Intelligenz nachhaltig sind. Der MSCI All Country World Index fiel diese Woche um drei Prozent und steuert auf den stärksten Wochenrückgang seit April zu. Auch asiatische Märkte verloren deutlich, während der Swiss Market Index 0,8 Prozent zurückblieb.
Die Tech-Branche geriet ebenfalls unter Druck. Die Aktien von KI-Leitunternehmen wie Nvidia gaben nach, nachdem die Euphorie über positive Prognosen nachgelassen hatte. Die Unsicherheit mit Blick auf die US-Zinspolitik verstärkte den Verkaufsdruck zusätzlich.
Parallel dazu setzt sich die Korrektur am Kryptomarkt fort. Bitcoin fällt unter 82.000 Dollar und erlebt den schlimmsten Monat seit dem FTX-Crash 2022. Allein im November summiert sich das Minus auf knapp 26 Prozent, seit dem Rekordhoch Anfang Oktober verlor die Kryptowährung rund 35 Prozent. Extreme Hebelgeschäfte verstärken den Abwärtstrend, weil liquidierte Positionen weitere Verkäufe auslösen. Analysten sprechen von Panik-Levels wie zuletzt bei Trumps Zollankündigungen 2025.
Die Unsicherheit an den Märkten zeigt sich somit über mehrere Anlageklassen hinweg. Sowohl Rüstungsaktien wie Rheinmetall als auch Tech- und KI-Titel sowie Kryptowährungen erleben massive Volatilität.
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Von Oleg Jassinski
Der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Chile endete gestern mit einem bedauerlichen und vorhersehbaren Ergebnis.
Die Kommunistin Jeannette Jara erhielt zwar mehr Wählerstimmen als die übrigen Kandidaten einzeln, jedoch liegt sie mit 26,85 Prozent weit unter den für einen Sieg erforderlichen 50 + 1 Prozent, sodass der Sieg des Kandidaten José Antonio Kast im zweiten Wahlgang am 14. Dezember nahezu garantiert ist.
Kast ist nicht nur rechtsgerichtet, sondern ein eindeutiger "Pinochetist". In der ersten Wahlrunde stimmten fast 40 Prozent der Wähler für die Pinochet-Anhänger (José Antonio Kast und Johannes Kaiser) und mehr als 33 Prozent für die anderen rechtsgerichteten Kandidaten (Franco Parisi, Evelyn Matthei und andere).
Wie von Anfang an zu erwarten war, liegt es an der "pseudolinken" Regierung des chilenischen Präsidenten Gabriel Boric, dass der "Pinochetismus" 37 Jahre nach dem Ende der Diktatur wieder an die Macht zurückkehrt.
Noch vor 20 Jahren standen laut verschiedenen Umfragen etwa 13 Prozent der Chilenen Augusto Pinochet "positiv" gegenüber. Heute unterstützt fast die Hälfte des Landes seine Anhänger. Vor nur sechs Jahren kam es in Chile zu einem Bürgeraufstand gegen die geltende Verfassung Pinochets, mit der Forderung, das "Erbe der Diktatur" zu beseitigen. Millionen Menschen beteiligten sich an dem Aufstand unter dem Motto "Chile ist erwacht". Doch das "Erwachen" erwies sich als Hirngespinst. Der junge, charismatische und ehrgeizige Gabriel Boric war einer der Anführer dieses Aufstands. Die erfahrenen chilenischen Rechtsgerichteten machten keinen Fehler, als sie auf ihn setzten und ihn an die Macht ließen. Wie seinerzeit Wladimir Selenskij, von dem Boric begeistert ist, erwies er sich als die richtige Wahl der Politstrategen. Der "Progressist" und "Feminist" Gabriel Boric erfüllte alle Anforderungen der in Chile regierenden Konzerne, enttäuschte die Volksmassen mit seiner Politik und bereitete den Weg für den Faschismus.
Die Kommunistische Partei schloss sich selbstmörderisch der Regierung von Boric an. Ihre Kandidatin, Jeannette Jara, versuchte während des gesamten Wahlkampfs Wähler und Geschäftsleute von ihrer gemäßigten Position, ihrer Harmlosigkeit und Verhandlungsbereitschaft zu überzeugen. Ihr Wahlprogramm bot weder den geringsten Versuch einer kritischen Realitätsanalyse noch ein echtes politisches Projekt, sondern lief fast ausschließlich unter dem Wahlkampfmotto "Stoppt die Rechtsextremen!".
Im Gegensatz zu den Linksgerichteten und Pseudolinken, die sich seit langem in einer euphorischen und depressiven Stimmung befinden, konnten die chilenischen Rechtsgerichteten, gestützt auf nahezu die gesamte von ihnen kontrollierte chilenische Presse, einen klaren politischen Plan und eine koordinierte Vorgehensweise vorlegen.
Die Linken waren nicht in der Lage, sich zu organisieren und dem Land ihre eigene politische Alternative anzubieten. Daher wird der Pinochet-Anhänger José Antonio Kast der nächste Präsident Chiles sein.
Übersetzt aus dem Russischen.
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Der Friedensplan von Präsident Trump für die Ukraine soll eine Sicherheitsgarantie nach dem Vorbild von Artikel 5 des NATO-Vertrags umfassen. Dieser verpflichtet die USA und ihre europäischen Verbündeten, einen Angriff auf die Ukraine als Angriff auf die gesamte "transatlantische Gemeinschaft" zu betrachten. Das geht aus einem Entwurf hervor, der Axios vorliegt.
Trumps Plan verlangt von der Ukraine zwar schmerzhafte Zugeständnisse, enthält aber auch ein beispielloses Versprechen. Das oberste Ziel von Präsident Wladimir Selenskij in den Friedensgesprächen sei es, eine robuste Sicherheitsgarantie der USA und Europas zu erhalten – und dies sei das erste Mal, dass Trump sich bereit erklärt habe, eine solche Garantie zu geben, hieß es seitens Axios.
Der 28-Punkte-Plan, den der US-amerikanische Staatssekretär der US-Armee, Daniel Driscoll, am Donnerstag dem ukrainischen Präsidenten Selenskij vorgelegt hat und der auch dem Magazin Axios vorliegt, besagt lediglich, dass die Ukraine "zuverlässige Sicherheitsgarantien erhalten wird."
Daneben haben die USA den Ukrainern jedoch einen weiteren Vertragsentwurf vorgelegt. Darin heißt es, dass jeder künftige "signifikante, vorsätzliche und anhaltende bewaffnete Angriff" Russlands auf die Ukraine "als Angriff auf den Frieden und die Sicherheit der transatlantischen Gemeinschaft" angesehen werde und die USA und ihre Verbündeten entsprechend reagieren werden – "notfalls mit militärischer Gewalt".
Das Dokument enthält Zeilen für die Unterschriften der Ukraine, der USA, der EU, der NATO und Russlands. Ein hochrangiger Beamter des Weißen Hauses sagte, Russland sei über den Entwurf informiert worden, es sei jedoch unklar, ob die Unterschrift von Präsident Wladimir Putin letztendlich erforderlich sein werde, so Axios.
Die Sicherheitsgarantie würde zunächst für zehn Jahre gelten und könnte im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden.
Ein hochrangiger Beamter des Weißen Hauses sowie eine weitere Quelle mit direktem Wissen bestätigten die Echtheit des Dokuments. Der Beamte fügte hinzu, der Vorschlag müsse mit den europäischen Partnern diskutiert werden und könne sich noch ändern. Er fügte hinzu, die Trump-Regierung betrachte die vorgeschlagene Sicherheitsgarantie als einen "großen Gewinn" für Selenskij und die langfristige Sicherheit der Ukraine.
Wladimir Selenskij liegt nun ein Vorschlag vor, der ihn dazu verpflichten würde, noch mehr ukrainisches Territorium abzutreten als Russland derzeit kontrolliert und der eine Wiederaufnahme Russlands in die Gemeinschaft der Nationen "mit Aufhebung der Sanktionen und Amnestie für Kriegsverbrechen" vorsieht.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte in einer ersten Reaktion auf den neuen Friedensplan lediglich, es gebe in der Sache nichts Neues zu verkünden. Ein Friedensplan für die Ukraine müsse die Ursachen des Konflikts beseitigen, erklärte Peskow. Zwar gebe es Kontakte mit den USA, aber derzeit keine Verhandlungen über einen solchen Plan.
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Die Branchenwebseite "Land & Forst" berichtet über das knallharte Agieren der Leibniz Universität Hannover, bezogen auf den Umgang mit dem Besitzer und Betreiber des Obsthof Hahne aus Laatzen in der Region der Landeshauptstadt von Niedersachsen. Der Obstbauer berichtet resigniert von der Kündigung seines Pachtvertrags für ein großes Feld, welches er seit 2009 zum Anbau von mehreren Apfelsorten nutzte. Ausgehend von der unwiderruflichen Kündigung müssten nun bis Ende des Jahres rund "22.000 Apfelbäume, viele davon voller Früchte" abgeholzt und das Feld samt Sicherungszäunen und Wasserleitungen gerodet werden.
Das betroffene Gelände samt Anbaunutzung gilt laut "Land & Forst"-Artikel als "ökologisch wertvolles Biotop", da der Pächter über die Jahre 15 Apfelsorten anbaute, darunter die Sorten Boskop, Elstar und Idared. Zu dem bewusst geführten Feld heißt es weiter zur mühsam aufgebauten Arbeit des Pächters:
"Hahne pachtete das 7,5 Hektar große Areal 2009 und baute dort 15 Apfelsorten an. Inzwischen sind die Bäume auf voller Höhe und liefern seit zwölf Jahren stabile Erträge. Nach Einschätzung des Obstbauers hätten sie noch mehrere Jahre wirtschaftlich genutzt werden können."
Im Verlauf der Jahre hätte der Betreiber eines Obsthofes mit Eigenkapital rund "vier Kilometer Wasserleitungen, 4.500 Pfähle und 18.000 Stäbe verlegt", um die Anbaufläche zu sichern und gewinnbringend zu nutzen. Ausgehend von der nun ausgesprochenen Beendigung des Pachtvertrags müssen alle Anlagen abgebaut und eingelagert werden. Das weitere Vorgehen lautet:
"Mitte November beginnt eine Fachfirma mit der Rodung der Bäume, die anschließend gehäckselt werden. Auch rund 150 Nistkästen werden entfernt."
Leibnitz Uni Hannover opfert 22.000 Apfelbäume für eine PV-Freianlage: Top, holen wir eben noch mehr Äpfel aus Chile, Italien & Co., verbessert garantiert die Klimabilanz. pic.twitter.com/BvgkN2bOs3
— alexander moehnle (@AMoehnle) November 20, 2025Zusätzlich zu der existenzgefährdenden Pachtkündigung informiert der Pächter darüber, dass zudem noch im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Verpächter geklärt werden müsste, wer für die im Frühjahr 2024 "defekten Pumpen für die Frostschutzberegnung" verantwortlich sei, was wiederum zu massiven Ernteausfällen in dem Jahr führte. Dazu heißt es:
"Der Landwirt verlangt Schadensersatz, bislang ohne Einigung. Ein Gerichtsverfahren wird immer wahrscheinlicher. Das Landvolk Hannover weist darauf hin, dass in solchen Fällen meist der Pächter die Beweispflicht trägt."
Zu den Nutzungsplänen nach Rodung und Rückbau des Feldes heißt es seitens der Universität:
"Die Leibniz Universität Hannover will das Gebiet künftig für eine Freiland-Photovoltaikanlage nutzen, die etwa die Hälfte des Energiebedarfs der Hochschule decken soll. Außerdem ist ein kombinierter Betrieb aus Solaranlage und landwirtschaftlicher Forschung vorgesehen."
Dafür seien bereits mit Stadt- und Gemeindeverantwortlichen entsprechende Gespräche gelaufen. Der Artikel kommentiert:
"Für die Hahnes bedeutet die Beendigung des Pachtverhältnisses den Verlust einer wichtigen Produktionsfläche – und ein Beispiel dafür, wie knappe landwirtschaftliche Flächen zunehmend in Konkurrenz zu beispielsweise Energieprojekten geraten."
Der betroffene Obsthof besteht seit 1949 und wird aktuell in zweiter Generation geführt.
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Im Südosten Nürnbergs, nicht weit vom Reichsparteitagsgelände entfernt, befindet sich der Südfriedhof. Dort gedenkt die Stadt Nürnberg der rund 5.000 zwischen 1939 und 1945 verstorbenen ausländischen Kriegsgefangenen und zivilen Zwangsarbeiter. Die weitaus größte Opfergruppe mit 3.500 Toten kam aus der Sowjetunion. Die Opfer sind meist in Massengräbern beigesetzt. Die Gefangenen starben an Kälte, Nahrungsmangel, mangelnder medizinischer Versorgung oder auch infolge von Bombenangriffen. Ihnen zum Gedenken legte die Gesellschaft für Deutsch-Russische Freundschaft e. V. einen Kranz nieder.
Den meisten heutigen Besuchern des Reichsparteitagsgeländes dürfte nicht bewusst sein, dass unweit der nationalsozialistischen Propagandabauten einst tausende Menschen litten und starben. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde aus dem SA-Zeltlager am Bahnhof Märzfeld, das eigentlich die Besucher des "Reichsparteitags des Friedens" hätte aufnehmen sollen, ein Lager für Kriegsgefangene aus dem Polenfeldzug. Aber auch gefangene Soldaten aus Belgien und Frankreich wurden dort untergebracht, später zudem Serben, Italiener, US-Amerikaner und zivile Zwangsarbeiter.
Besonders schlecht wurden sowjetische Kriegsgefangene behandelt. In den Jahren 1941 und 1942 kam es zu einem regelrechten Massensterben. Die hungernden und frierenden Gefangenen aus dem "Russenlager" mussten bei Erdarbeiten auf dem zum Reichsparteitagsgelände gehörenden Märzfeld Schwerstarbeit leisten. Auch für die Rüstungsindustrie und bei der Beseitigung von Trümmern nach den Bombardierungen wurden sie eingesetzt. Und immer wieder kam es zu sogenannten Aussonderungen, ein Euphemismus für Selektionen in den Tod. Der überlebende Iwan Melnikow schildert eine solche "Aussonderung" im Nürnberger "Russenlager":
"Die Gestapo kam, man ließ uns mit dem nackten Oberkörper in Dreierreihen antreten und untersuchte unsere Hände, Gesicht, Hals und Augen. Wer ihnen verdächtig vorkam, der musste seine Hose herunterziehen. Sie suchten Juden und Leute mit intellektuellen Berufen. Es wurden circa 70 Mann ausgewählt und man führte sie ab, ich weiß nicht, wohin."
Heute weiß man, wohin die "Ausgesonderten" kamen: auf den SS-Schießplatz Dachau-Hebertshausen, wo sie von der SS exekutiert wurden – ein Ort, wo den russischen und weißrussischen Landsleuten der Ermordeten heutzutage in kleinlicher Häme ein würdiges Gedenken verwehrt wird (RT DE berichtete). 2.500 Insassen des Nürnberger "Russenlagers" sollen den Erschießungen in Dachau zum Opfer gefallen sein.
Das Ausmaß des Elends wird ausgerechnet in einem Brief eines Bewachers deutlich, den dieser an seine Familie geschickt hat. Der Wachsoldat Otto Madl hatte sogar ein Foto von verzweifelten Gefangenen, die auf einer Wiese nach Nahrung suchen, angefertigt und es mit "Russen beim Grasfressen" betitelt. Sogar Kannibalismus unter den Gefangenen schildert Madl seiner Ehefrau Cilly. "Ein Bild des Grauens und Schreckens", gesteht der Wehrmachtsangehörige in seinem Brief vom 7.12.1941 ganz offen ein. Zwischen Urlaubsplänen und (eher pessimistischen) Spekulationen über die Kriegsaussichten schreibt Madl:
"Die gefangenen Russen fallen nur um, dann sie tot. Die werden ganz nackt auf einen Wagen geworfen und abends werden sie eingegraben."
Und weiter, nach den Schilderungen des Hungerkannibalismus:
"Ich glaube, da herrscht Ruhr und Hungertyphus, sonst könnten nicht so viele sterben, die meisten werden ja erschlagen. Zwei von den Menschenfressern wurden gestern erschossen. Da könnt Ihr Euch nun ein kleines Bild machen, wie es zugeht, hier in diesem schönen Ort.Es sind nur kleine Beispiele, wie es zugeht, wenn die Menschen Hunger haben."
Bereits in seinem vorherigen Brief vom 2.12.1945 konnte Madl seine Cilly beruhigen:
"Du brauchst gar keine Sorgen zu haben, dass mir hier was passieren kann, die Russen können ja niemand was tun, weil sie zu matt sind."
Trotz der Entkräftung der Gefangenen gab es Widerstand. Der bereits erwähnte Iwan Melnikow schildert einen Aufstandsversuch, der allerdings aufgrund von Verrat scheiterte:
"Danach brachte man uns in die Nähe von Nürnberg in große weiße Zelte, circa 700 Personen. Wir wurden schlecht mit Essen versorgt und so fanden sich unter uns einige, die das Kommando übernahmen: Sie haben uns in Züge aufteilen und einen Aufstand machen wollen, indem wir ein Waffen- und Lebensmittellager beschlagnahmen und uns in die Berge nach Westen durchschlagen."
Und im Sommer 1944 gelang es tatsächlich zwei Rotarmisten mit der Hilfe deutscher Arbeiter zu fliehen und bis zur Befreiung bei Partisanen in den Karpaten unterzutauchen.
Nach dem Krieg und der Befreiung des Lagers durch die US-Amerikaner am 17. April 1945 ging das Sterben zunächst weiter. Besonders unter den sowjetischen Gefangenen grassierte der Typhus. Viele hatten auch sogenannte "Evakuierungsmärsche" in den Süden Bayerns mitmachen müssen. Die völlig entkräfteten Gefangenen erlebten die Rückkehr in die Heimat nicht mehr oder mussten zunächst wochenlang medizinisch betreut werden, bevor sie in die Sowjetunion zurückkehren konnten.
Heute erinnert in Nürnberg (abgesehen von Infosäulen und Gedenktafeln) nichts mehr an das einstige "Russenlager". Nach dem Krieg wurden auf dem Lagergelände deutsche Gefangene, hauptsächlich SS-Männer, gefangen gehalten (der Schauplatz der Nakam-Aktion); später lebten dort Displaced Persons im sogenannten Valka-Lager, vor allem Esten und Letten. Und in den Wirtschaftswunderjahren entstand schließlich die heutige Trabantenstadt Nürnberg-Langwasser. Auch medial ist das Thema wenig aufbereitet worden. Während die Nakam-Episode verfilmt wurde und es Dokumentarfilme über das Valka-Lager gibt, fehlt eine entsprechende filmische Würdigung beispielsweise des Lagerausbruchs der Sowjetsoldaten.
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Von José Luis Granados Ceja
Der venezolanische Innenminister Diosdado Cabello hat einen kürzlich erschienenen Bericht der New York Times zurückgewiesen, wonach die laufenden Verhandlungen mit den USA den Rücktritt von Präsident Nicolás Maduro in zwei Jahren beinhalten könnten. Er dementierte entschieden jegliche Verhandlungen über eine Übergangsregierung.
Laut Quellen, die von der New York Times konsultiert wurden, sollen die USA ein Angebot abgelehnt haben, das den Rücktritt Maduros innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens vorgesehen hätte.
"Sie fallen auf Lügen herein … sie sagen, [Maduro] habe ihnen zwei weitere Jahre angeboten, und sie glauben diesen Unsinn. Sie schreiben es selbst und glauben es", sagte Cabello in seiner wöchentlichen Fernsehsendung. "Nichts, absolut nichts kann die Bolivarische Revolution gefährden."
US-Präsident Donald Trump sprach kürzlich davon, die Verhandlungen mit der Maduro-Regierung wieder aufnehmen zu wollen, nachdem er sie Anfang des Jahres ausgesetzt hatte.
Nicolás Maduro hat sich mehrfach öffentlich für einen Dialog mit Washington ausgesprochen, dabei allerdings die Verteidigung der venezolanischen Souveränität betont.
"Was den imperialistischen Norden und seine Worte und Drohungen anbelangt, so ist das deren Sache, ebenso wie ihre kriminellen Ambitionen, unser Amerika zu kolonisieren und zu erobern", sagte Maduro am Donnerstag während eines Besuchs in der Gemeinde Ojo de Agua in der Nähe von Caracas.
"Wohin gehen wir? Nie wieder werden wir eine Kolonie sein. Nie wieder. Niemals!"
Die Meldung über die Bereitschaft des Weißen Hauses zu Gesprächen kommt inmitten einer zunehmenden militärischen Aufrüstung der USA unweit des venezolanischen Territoriums, nachdem die USS Gerald R. Ford Carrier Strike Group im Zuständigkeitsbereich des US Southern Command (SOUTHCOM) eingetroffen ist.
Die Carrier Strike Group 12, zu der auch der Flugzeugträger Gerald Ford gehört, wird die bereits in der Karibik stationierte US-Flotte um mindestens 4.000 Militärangehörige, Dutzende von taktischen Flugzeugen und Zerstörer ergänzen. Die Trump-Regierung behauptet, die militärische Aufrüstung in der gesamten Region sei Teil einer Mission zur Drogenbekämpfung, um zu verhindern, dass Drogen das US-Territorium erreichen.
Seit August hat Washington Marineeinheiten und tausende Soldaten in der Karibik zusammengezogen. Die US-Streitkräfte haben 22 Schiffe bombardiert, die laut Regierungsvertretern Drogen in die USA transportiert haben sollen, wobei 83 Zivilisten getötet wurden.
Die US-Bombardierungskampagne in der Region wurde heftig kritisiert, unter anderem vom Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, der die Militäraktionen der USA verurteilte, sie als "inakzeptabel" bezeichnete und eine Untersuchung forderte.
Ein Bericht von NBC News enthüllte, dass Marine-Oberst Paul Meagher, der oberste Militärrichter bei SOUTHCOM, vor Beginn der tödlichen Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmugglerboote ernsthafte rechtliche Einwände erhoben und gewarnt hatte, dass diese Attacken zu "außergerichtlichen Tötungen" führen könnten.
Seine Bedenken wurden Berichten zufolge von höherrangigen Beamten, darunter auch vom Justizministerium, überstimmt. Vor einer gescheiterten Abstimmung im US-Senat letzte Woche, mit der der Einsatz der US-Streitkräfte gegen Venezuela ohne Genehmigung des Kongresses verhindert werden sollte, teilte die Rechtsabteilung des Justizministeriums den Gesetzgebern mit, dass die Rechtsauffassung, mit der das Weiße Haus derzeit die Angriffe auf See rechtfertige, sich nicht auf Angriffe an Land erstrecke.
Trump hat angedeutet, dass er bereits entschieden habe, ob er Angriffe innerhalb Venezuelas anordnen wird oder nicht. Medien berichten, dass dem US-Präsidenten in den letzten Tagen militärische Optionen vorgelegt wurden.
Neue Berichte der Times bestätigten, dass Trump CIA-Pläne für verdeckte Aktionen innerhalb Venezuelas genehmigt hat. US-Außenminister Marco Rubio gab am Sonntag bekannt, dass das sogenannte Cartel de los Soles (zu Deutsch "Kartell der Sonnen") mit Wirkung vom 24. November als "ausländische terroristische Organisation" eingestuft werde.
Die Trump-Regierung hat Caracas vorgeworfen, eine wichtige Rolle im internationalen Drogenhandel zu spielen, jedoch keine gerichtlich geprüften Beweise vorgelegt, um ihre Behauptungen zu untermauern.
Der stellvertretende russische Außenminister Sergei Rjabkow warnte, dass die unbegründeten Anschuldigungen Washingtons gegen Venezuela die Karibik zu einem neuen Spannungsherd machten. In einem Interview für die Nachrichtenagentur TASS argumentierte Ryabkov, dass Washington einen "völlig künstlichen Vorwand" benutze. Er bestand darauf, dass Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels mit anderen Mitteln verfolgt werden sollten und dass den Vorwürfen gegen venezolanische Führungskräfte die rechtliche Grundlage fehle.
Auch China kritisierte öffentlich die zunehmende militärische Präsenz der USA in den karibischen Gewässern nahe Venezuela und bezeichnete sie als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes. Die Sprecherin des Außenministeriums, Mao Ning, bekräftigte die Unterstützung Pekings für die Erklärung der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (CELAC) von 2014, die Lateinamerika und die Karibik als "Zone des Friedens" definiert, und betonte, dass China jegliche Aktionen ablehne, die gegen die Charta der Vereinten Nationen oder die Souveränität anderer Staaten verstoßen.
Übersetzt aus dem Englischen von Olga Espín.
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Die EU müsse aufhören, den Ukraine-Konflikt durch die Finanzierung der "korrupten Kriegsmafia" in Kiew zu verlängern. Stattdessen sollte sie ihre Bemühungen auf den Frieden konzentrieren, erklärte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban.
Der Ministerpräsident äußerte sich am Dienstag inmitten eines massiven Korruptionsskandals, der die Ukraine weiterhin erschüttert. Letzte Woche kündigte das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) die Untersuchung einer "hochrangigen kriminellen Organisation" an, die mutmaßlich vom ehemaligen Selenskij-Geschäftspartner Timur Mindich geleitet wird. Die kriminelle Vereinigung soll rund 100 Millionen Dollar an Schmiergeldern vom staatlichen Kernkraftwerksbetreiber Energoatom abgezweigt haben.
Am Dienstag schrieb Orbán auf X: "Das Zusammenkratzen von mehr Geld für die Ukraine zielt nur darauf ab, die Feindseligkeiten zwischen Russland und der Ukraine zu verlängern."
"Lasst uns den gesunden Menschenverstand walten lassen. Lasst uns aufhören, einen Krieg zu finanzieren, der nicht gewonnen werden kann, zusammen mit der korrupten ukrainischen Kriegsmafia, und unsere Kräfte auf die Herstellung des Friedens konzentrieren."
Brüssel versuche, 135 Milliarden Euro für Kiew "zusammenskratzen", aber das Geld gebe es nicht. Die EU-Führung habe drei Vorschläge, wie man an das Geld kommen könne, und alle führten in die gleiche "Brüsseler Sackgasse", so Orban.
€135 billion. That's how much money the head of the Brusselian bureaucracy, President @vonderleyen, wants to scrape together for Ukraine. This is the price of prolonging the war.The President has one problem: she doesn't have this money. What she does have are 3 proposals on… pic.twitter.com/XFic4Fsgmr
— Orbán Viktor (@PM_ViktorOrban) November 20, 2025Gemäß dem ersten Vorschlag sollten die Mitgliedstaaten "freiwillig und bereitwillig aus ihren eigenen Haushalten" einen Beitrag leisten, und der zweite Vorschlag beinhalte Brüssels Lieblings-"Zaubertrick": eine gemeinsame Kreditaufnahme. Das bedeute: "Heute gibt es kein Geld für den Krieg, also werden unsere Enkel die Rechnung bezahlen. Absurd." Die letzte Option sei die Beschlagnahmung eingefrorener russischer Vermögenswerte, was als "bequeme Lösung" angesehen werden könne, aber unvorhersehbare Risiken für die gesamte Eurozone mit sich bringe.
Russland hat bereits gewarnt, dass es das Antasten seiner eingefrorenen Vermögenswerte als "Diebstahl" betrachte und drohte mit Vergeltungsmaßnahmen. Ein Großteil der eingefrorenen Vermögenswerte wird von der Clearingstelle Euroclear in Belgien verwaltet, das sich daher entschieden gegen eine mögliche "Art Beschlagnahmung" ausspricht. Die anderen EU-Mitglieder sollten die enormen rechtlichen und finanziellen Risiken mittragen, welchen Belgien sich mit der Beschlagnahmung aussetze, erklärte die belgische Regierung.
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Die Trump-Regierung hebt die erst im Sommer verhängten Strafzölle auf Lebensmittelimporte aus Brasilien auf. Wie die US-Regierung mitteilte, werden die Importgebühren von 40 Prozent auf Rindfleisch, Kaffee und verschiedene Früchte aus Brasilien nicht mehr erhoben. Die Anordnung gilt rückwirkend ab dem 13. November. Bereits gezahlte Zölle können erstattet werden.
Laut dem Weißen Haus folgt die Aufhebung der Zölle auf Gespräche zwischen Trump und Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva. Allerdings stand Trump in den USA zuletzt wegen steigender Lebensmittelpreise zunehmend unter Druck.
Brasiliens Präsident Lula begrüßte den Schritt der USA und sagte, er sei "glücklich". "Diese Dinge werden geschehen, wenn wir es schaffen, den Respekt der Menschen zu gewinnen", sagte er. Brasilien liefert ein Drittel des in den USA konsumierten Kaffees und hat sich in jüngster Zeit zu einem wichtigen Lieferanten von Rindfleisch entwickelt.
In dem Dekret, das Trump am Donnerstag unterzeichnete, wurden die Maßnahmen gegen brasilianische Behörden, die an der Strafverfolgung und Verurteilung des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro beteiligt waren, nicht erwähnt.
Washington hatte im Juli als Reaktion auf die strafrechtliche Verfolgung von Brasiliens ehemaligem Präsidenten Jair Bolsonaro Zölle eingeführt. Im September wurde Bolsonaro schließlich wegen des Versuchs eines Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt. Trump hatte das Vorgehen gegen Bolsonaro als politisch motiviert bezeichnet und sich damit klar in die inneren Angelegenheiten Brasiliens eingemischt.
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Generalleutnant Christian Freuding, seit dem 1. Oktober 2025 der 22. Inspekteur des Heeres der Bundeswehr, darf sich im Rahmen der aktuellen medialen Mobilmachung von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ausführlich zu seiner Wahrnehmung äußern, wie "Deutschland durch Hingabe und Innovationen kriegstüchtig werden" könnte. Freuding erläutert, dass ein Sieg der Ukraine ungewiss, dafür "die Durchhaltefähigkeit aber entscheidend" sei. Weitere Ausführungen erfolgen zum Thema, dass sich ein Krieg Russlands gegen die NATO grundlegend vom Ukraine-Krieg unterscheiden würde.
Die FAZ-Redaktion gab dem kontrovers wahrgenommenen Generalleutnant Christian Freuding breiten Raum, seine Visionen zur Bundeswehr und kommenden Aufgabengebieten ausführlich darzulegen (Bezahlschranke). Der Artikel erhielt die wörtliche Überschrift:
"Wir sind bereit für den Fight tonight"
Einleitend erklärt der neue Inspekteur des Heeres, dass seine "Prioritäten" aktuell darauf liegen, dass "wir die Einsatzbereitschaft des Heeres auf dem Weg zur Kriegstüchtigkeit weiter erhöhen müssen". Gleich zu Beginn lautet daher die ambitionierte Ansage im dritten Satz des Interviews:
"Jeder Tag zählt, und wir haben wenig Zeit. Der Feind wartet nicht auf unsere Fertigmeldung."
Weitere wichtige Schwerpunkthemen sind die zügige Umsetzung des neuen Wehrdienstgesetzes sowie "Innovation", die demnach "eine völlig neue Bedeutung für Landstreitkräfte gewonnen hat". Zur Frage, wie viele Bundeswehrbrigaden "heute bereit zu einem hochintensiven Gefecht" wären, lautet dann die wörtliche Erklärung:
"Natürlich sind wir bereit, für den 'Fight tonight', also den unmittelbaren Kampf. Aber wir wissen sehr wohl auch, dass wir im gesamten Heer noch Defizite haben, personelle und materielle [...] Wir brauchen im gesamten Heer die Fähigkeit, im Gefecht nicht nur zu bestehen, sondern uns auch durchzusetzen, zu gewinnen. Da haben wir noch eine Strecke zu gehen."
Es folgen Ausführungen zu den andauernden Bundeswehrproblemen von "dreißig Jahren De-Investment" und fortdauernden Defiziten bei der Ausrüstung der Truppe. So wären Defizite im Bereich Flugabwehr zu korrigieren:
"[...] ich blicke da durchaus auch kritisch auf die Zulieferzahlen und -zeiten. Ich halte das persönlich nicht für ausreichend, um uns der Bedrohungslage entsprechend ausstatten zu können. Daher suchen wir nach Alternativen, um uns für den 'Fight tonight' und die Zeit bis 2029 besser aufzustellen."
Gleichwohl erinnern die FAZ-Redakteure daran, dass Verteidigungsminister Pistorius erklärt hatte, "die Bundeswehr sei in einer besseren Verfassung, als der Berichterstattung zu entnehmen sei". Daraufhin führt Freuding aus:
"Ich sehe das in der Bewertung unserer Verbände bei großen internationalen Übungen. Da zeigen sich Einsatzfreude und professionelles Können, da zeigt sich Innovationsdenken, und da zeigt sich, dass alle daran arbeiten, wirklich kriegstüchtig zu sein und abschreckungsfähig zu werden."
Auf das Thema des Ukraine-Krieges und seiner beratenden Rolle in Kiew angesprochen, führt der Generalleutnant aus, dass "der Krieg vom Grundcharakter her zum Abnutzungskrieg geworden ist". Der erneute an Freuding gerichtete inhaltliche Spielball lautet dann seitens der FAZ-Redakteure, dass "manche sagen, Russland komme in der Ukraine kaum voran, folglich sei es auch zu einem Angriff auf die NATO nicht in der Lage". Freuding erwidert:
"Wir sehen in Russland Kriegswirtschaft mit hohen Produktionszahlen an Munition und Großgerät. Depots werden aufgefüllt, und Russland entwickelt Nachbauten ausländischer Waffen weiter, zum Beispiel in der Drohnenfertigung. Die gab es vor dem Krieg noch fast gar nicht, und jetzt kann Russland Drohnen in Masse und hoher Qualität herstellen. Zudem wachsen die russischen Streitkräfte trotz erheblicher Verluste weiter auf […]"
Dann folgt die daraus resultierende Einschätzung bekannter willkürlicher Mutmaßungen zum Thema der russischen Ausweitung von Angriffszielen:
"Ich glaube, ein russischer Krieg gegen NATO-Streitkräfte würde vollkommen anders verlaufen als der gegen die Ukraine. Die Fähigkeiten der NATO, zum Beispiel mit Landstreitkräften in der Tiefe zu wirken, aber auch in den Domänen Luft, See, Cyber, sind völlig andere als die der mit beeindruckender Tapferkeit kämpfenden Ukrainer."
Daher sei der Kriegsverlauf in der Ukraine "keine Blaupause für eine Auseinandersetzung zwischen Russland und der NATO", so Freuding. Für ihn wären die Erfahrungen im Kontakt mit der militärischen Leitung in Kiew von elementarer Bedeutung für seine kommenden Bundeswehraufgaben. Dazu erklärt er:
"Mir ist daher wichtig, die Erfahrungen der Ukrainer viel stärker in unsere Ausbildung einfließen zu lassen. Ich habe mit meinem ukrainischen Amtskollegen verabredet, dass wir Veteranen nach Deutschland bringen wollen. Soldaten, die dann an unseren Truppenschulen, wo unsere Offizieranwärter und Unteroffiziere ausgebildet werden, berichten können, wie der Krieg geführt wird und was er bedeuten kann. Und diese Erfahrungen sollen dann durch ukrainische Ausbilder auch in der praktischen Ausbildung ihren Niederschlag finden."
Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Alexei Makejew, erklärte umgehend begeistert in einem X-Beitrag:
"Die Bundeswehr kann viel von den ukrainischen Streitkräften lernen."
Die Bundeswehr kann viel von den ukrainischen Streitkräften @DefenceU lernen. Mein Freund Generalleutnant Dr. Christian Freuding, im Interview mit der @faznet über Pläne, ukrainische Kampferfahrungen systematisch in die deutsche Ausbildung zu holen.https://t.co/bs8RBSb6Sc pic.twitter.com/MmiiKfPeOc
— Oleksii MAKEIEV 🇺🇦 (@Makeiev) November 20, 2025Eine weitere vorbereitete Frage der beiden FAZ-Redakteure Peter Carstens und Konrad Schuller lautet dann wörtlich:
"Früher hieß es: Süß und ehrenvoll ist der Tod fürs Vaterland. Dann gab es den Missbrauch des 'Heldentodes' im Dritten Reich. Hat das Heer ein Konzept für den tödlichen Aspekt des Soldatenberufs?"
Freuding erklärt, dass es für ihn "darum geht , durch Kriegführen-Können, durch Krieggewinnen-Wollen Krieg zu verhindern. Es folgt die adaptierte, das Interview abschließende, bereits bekannte Formulierung:
"Es ist unsere Freiheit, die wir zu bewahren und zu verteidigen haben. Es gibt keine größere Aufgabe. Alles dafür einzusetzen, das ist Freiheit."
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