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  • Ukraine: US-Gas aus Griechenland als Rettung für den Winter

    Von Jewgeni Posdnjakow

    Die Ukraine und Griechenland haben eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit im Bereich der Lieferung von US-amerikanischem Flüssigerdgas unterzeichnet. Die entsprechende Zeremonie fand in Athen statt. Beide Seiten erwarten, dass die Partnerschaft in diesem Bereich einen wichtigen Beitrag zur regionalen und europäischen Energiesicherheit leisten wird.

    Zuvor hatte Wladimir Selenskij die Möglichkeit angekündigt, Gas aus Griechenland zu importieren. Seinen Worten zufolge werde dies die Verluste bei der ukrainischen Förderung im Winter ausgleichen. Er präzisierte außerdem, dass Kiew bereits Vereinbarungen über die Finanzierung von Energieressourcen in Höhe von fast zwei Milliarden Euro getroffen habe.

    Wie Selenskij betonte, werde die wirtschaftliche Hilfe in diesem Bereich von den europäischen Partnern geleistet. Insbesondere hob er die Unterstützung Norwegens hervor und erwähnte die "aktive Zusammenarbeit" mit den US-amerikanischen Verbündeten, um eine vollständige Finanzierung zu erhalten. Bemerkenswert ist, dass Griechenland und die USA zuvor einen 20-Jahres-Vertrag über die Lieferung von 700 Millionen Kubikmetern Flüssigerdgas ab 2030 abgeschlossen hatten, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.

    Darüber hinaus berichtet die Agentur über das wachsende Bestreben der Vereinigten Staaten, die Lieferungen russischer Ressourcen in die EU zu ersetzen. Wie der Energieminister des Landes, Chris Wright, bemerkte, habe sich Griechenland lange Zeit "am Ende der Pipeline des Energieträgersystems befunden, das von Moskau dominiert wurde." Seiner Einschätzung nach werde das Land nun zum Tor für den Import von US-amerikanischem Brennstoff nach Europa.

    In der Ukraine selbst wird erwartet, dass der kommende Winter der härteste seit Beginn des Konflikts wird. Wie die Zeitung The New York Times berichtet, hat das größte Gasförderunternehmen des Landes, Naftogaz, bereits etwa 60 Prozent seiner Kapazitäten verloren, was in einigen Städten zu einer erheblichen Verknappung der Energieversorgung geführt hat.

    Hinzu kommt das Problem erheblicher Schäden an der Strominfrastruktur. Da eine schnelle Reparatur dieser Anlagen nicht möglich ist, wird ein großer Teil der Bevölkerung des Landes im Winter aufgrund der Gasverknappung nicht auf Heizgeräte umsteigen können. Die entstandene Situation ist das Ergebnis einer Reihe von Angriffen Russlands auf die Gasinfrastruktur des Gegners.

    So führten die Streitkräfte der Russischen Föderation bereits Anfang 2025 eine Reihe von Angriffen auf die westukrainischen Gasfelder durch. Wie Experten damals feststellten, würden diese Maßnahmen das Potenzial des militärisch-industriellen Komplexes Kiews erheblich verringern. Diese Taktik verfolgt Moskau auch heute noch. So wurde im Oktober in der Region Poltawa der Betrieb von Gasförderanlagen eingestellt, wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtet.

    Igor Juschkow, Experte der Finanzuniversität der Regierung der Russischen Föderation und des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit, meint, dass die Wahl Griechenlands nicht der effektivste Weg sei, die Ukraine mit Energieträgern zu versorgen. Er erklärt:

    "Mit seiner Entscheidung, Griechenland als zukünftigen Gaslieferanten für die Ukraine zu wählen, hat Wladimir Selenskij natürlich nicht den effektivsten Weg gewählt, um die Energiesicherheit der Republik zu gewährleisten. Dennoch ist die Nutzung der Infrastruktur dieses Landes zur Verwirklichung der Interessen Kiews durchaus möglich.

    Natürlich hat Athen kein eigenes Gas, daher geht es um den Kauf von US-amerikanischem Flüssigerdgas, das in griechische Häfen geliefert wird. Dort wird es aus dem flüssigen Zustand zurückgeführt und in die Transbalkan-Gaspipeline umgeleitet, die lediglich in der Lage ist, die Energieressourcen bis in die Ukraine zu transportieren.

    In diesem Sinne hat Kiew schon lange die Notwendigkeit erkannt, US-amerikanisches Flüssiggas zu kaufen. Aber es hat wohl viel Zeit gekostet, sich auf einen Entladeort zu einigen. Normalerweise kam das Gas in der Türkei an. Das verursachte aber zusätzliche Kosten. Jetzt haben sich die Länder auf einen direkten Transit durch Europa geeinigt.

    Lange Zeit stützte sich die Ukraine auf ihre eigene Gasförderung und bezog zusätzliche Mengen aus Ungarn oder Polen. Aber im letzten Jahr hat Russland die Zahl der Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Gegners erheblich erhöht. Dies führte zu einem drastischen Rückgang der Fördermengen.

    Außerdem ist es dem Land nicht gelungen, genügend Gas in die Speicher zu pumpen. Bereits seit zwei Jahren in Folge geht die Ukraine mit einem historischen Tiefstand in die Heizperiode: Es können nur 8,6 Milliarden Kubikmeter gespeichert werden. Und all dies geschieht vor dem Hintergrund eines enormen Rückgangs der Energieproduktion.

    Man darf auch nicht vergessen, dass die Ukraine bis 2025 eine gewisse Menge Gas über eine Umkehrleitung aus russischen Lieferungen nach Europa erhalten hat. Jetzt ist auch dieser 'Versorgungskanal' für Kiew geschlossen. Dementsprechend könnte die kommende Heizperiode für die Republik noch schwieriger werden als die vergangene."

    Kiew sei mit seinen eigenen Gasvorkommen unvorsichtig umgegangen, als hätte es nicht daran gedacht, dass es notwendig ist, Ressourcen für die Zukunft zu sichern, meint der Ökonom Iwan Lisan. Die Situation habe sich mit Beginn einer neuen Serie von Angriffen Russlands auf die Energieinfrastruktur noch verschärft. Der Experte hebt hervor:

    "Daher musste die Ukraine dringend neue Kanäle für den Erwerb von Gas suchen, um den entstandenen Mangel vor Beginn der Heizperiode auszugleichen. Für einen mehr oder weniger stabilen Winter muss Kiew mindestens 4,5 Milliarden Kubikmeter kaufen. Das ist eine große Zahl, aber durchaus erreichbar.

    Griechenland wird zum Umschlagplatz für US-amerikanisches Flüssigerdgas, das über das europäische Gastransportsystem in die Ukraine geliefert wird. Natürlich können solche Lieferungen nicht billig sein, aber dennoch kann das Büro von Wladimir Selenskij durch neue Finanzhilfen aus Europa gerettet werden.

    Vor kurzem hat die EU der Ukraine im Rahmen des ERA-Loans-Programms sechs Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Das ist ein beträchtliches Kapital, das ausreichen wird, um die Einkäufe ein Jahr lang oder sogar länger aufrechtzuerhalten. Sollte Kiew erneut 'versagen', wird Brüssel höchstwahrscheinlich zur Gewährleistung der Energiesicherheit der Republik beitragen."

    In Europa wolle man keine neue Flüchtlingswelle aufgrund der beispiellosen Kältewelle auslösen, meint Lisan.

    Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. November 2025 zuerst bei der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

    Jewgeni Posdnjakow ist ein russischer Journalist, Fernseh- und Radiomoderator.

    Mehr zum Thema - Der neue Korruptionsskandal in der Ukraine kommt vielen zugute, nur nicht Selenskij

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  • Verband der Familienunternehmer: "Wir verabschieden uns von den Brandmauern"

    Der Verband der Familienunternehmer hat beim Parlamentarischen Abend in den Geschäftsräumen der Deutschen Bank Anfang Oktober erstmals AfD-Vertreter eingeladen. Die Vereinigung sieht nun auch ganz offiziell die bisherige "Brandmauer" zur AfD in der Wirtschaft als gescheitert an. Hauptgeschäftsführer Albrecht von der Hagen sagte gegenüber dem Magazin The Pioneer:

    "Diese Brandmauer zur AfD – auch auf Bundesebene, die von den meisten Verbänden bislang aufrechterhalten wurde – hat nichts gebracht."

    Er betonte:

    "Wir verabschieden uns von den Brandmauern." 

    Leif-Erik Holm, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, beschrieb seinen Besuch als "intensiv" im Gespräch, und er ergänzte:

    "Selbst der Verband der Familienunternehmer, der uns früher geächtet hat, lädt uns inzwischen ein."

    Parallel übte von der Hagen deutliche Kritik am Parteiprogramm der AfD und bezeichnete Teile davon als "schiere Katastrophe". Er konstatierte:

    "In den Fachaustausch gehen wir jetzt mit ihnen, um ihnen aufzuzeigen: Mit der Wirtschaftspolitik, die sie bisher in ihrem Programm haben, würden wir alle einen phänomenalen Schiffbruch erleiden."

    Besonders kritisch sieht von der Hagen die Sozial- und Familienpolitik: Die AfD setze statt auf Kitas auf die Betreuung von Kindern zu Hause durch Mütter. Das bedeute, "dass Frauen wieder an den Herd sollen". Daraus leitet er ab:

    "Die gesamte Philosophie dahinter zielt darauf ab, dass Frauen letztlich aus der Arbeitswelt verdrängt werden."

    Dies sei weder für die Gesellschaft finanzierbar noch wirtschaftlich tragbar für Unternehmen. Auch das von der AfD geforderte Rentenniveau von 70 Prozent lehnt von der Hagen ab, da es nach seiner Einschätzung nicht umsetzbar sei.

    Grundsätzlich kommt man an der Partei allerdings schlichtweg nicht mehr vorbei. In Ostdeutschland sei es den Vertretern des Verbandes daher "schon lange freigestellt", die AfD zu Parlamentarischen Abenden einzuladen. Angesichts der Stärke der Partei in Sachsen und Thüringen komme man gar nicht umhin, dies zu tun, ergänzte von der Hagen. Demnach würde beispielsweise in Sachsen bereits jeder zweite Unternehmer mit der AfD sympathisieren. Überraschend ist das nicht: Wie kaum ein zweites Bundesland leidet das exportstarke Land der Tüftler und Innovatoren unter den antirussischen Sanktionen und damit verbundenen hohen Energiekosten.

    Mehr zum Thema - Überschuldung in Deutschland: Russlandsanktionen als Motor

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  • Nach Sabotageakt: Polnischer Generalstab meldet Vorbereitung eines Angriffs auf das Land

    Auf Polen wird mutmaßlich ein bewaffneter Angriff vorbereitet. Dies behauptete der Chef des Generalstabs der polnischen Streitkräfte, General Wiesław Kukula. Im Radiosender Jedynka wurde der General gebeten, die Äußerungen des Pentagon-Chefs Peter Hegseth zu kommentieren, wonach sich die Welt in einer ähnlichen Situation wie 1939 und 1981 befinde. Kukula antwortete:

    "Das ist ein sehr guter Vergleich, denn heute hängt alles von unserer Position ab, davon, ob wir den Gegner zurückhalten können oder ihn im Gegenteil zur Aggression provozieren."

    Anschließend wurde der General gefragt, was es mit der Reihe von Cyberangriffen und Sabotageakten auf sich habe, von denen die Behörden berichten. Kukula äußerte sich wie folgt:

    "Der Gegner hat mit den Vorbereitungen für einen Krieg begonnen. Er schafft hier eine bestimmte Situation, deren Ziel es ist, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung und in wichtige Institutionen wie die Streitkräfte und die Polizei zu untergraben und Bedingungen zu schaffen, die eine potenzielle Aggression auf polnischem Gebiet begünstigen."

    Die Eisenbahnstrecke Warschau-Lublin, die in Richtung Ukraine führt, wurde am 17. November zum zweiten Mal innerhalb eines Tages beschädigt. Der polnische Premierminister Donald Tusk erklärte, dass die Zerstörung eines Teils der Eisenbahnstrecke auf dieser Linie das Ergebnis einer Sabotageaktion sei. Er präzisierte, dass die Strecke für die Lieferung von Hilfsgütern in die Ukraine von entscheidender Bedeutung sei, und versprach, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Das polnische Innenministerium bestätigte jedoch zunächst nicht die Berichte über einen Sprengsatz, der auf der Eisenbahnstrecke angebracht worden sein soll.

    Im Oktober gab Tusk bekannt, dass acht Personen, die der Vorbereitung von Sabotageakten verdächtigt werden, im Land festgenommen worden seien. Dies ist nicht der erste Fall dieser Art – zuvor hatten die polnischen Behörden wiederholt erklärt, Sabotageakte verhindert zu haben, die ihrer Aussage nach "im Auftrag ausländischer Geheimdienste" vorbereitet worden seien. Insbesondere im August beschuldigte Tusks Regierung Russland direkt, Bürger der Ukraine und Weißrusslands für Sabotageakte auf polnischem Territorium rekrutiert zu haben. Die russische Seite wies diese Vorwürfe zurück.

    Mehr zum Thema – Polens Premier Tusk: Eisenbahnsprengung "beispielloser Sabotageakt"

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  • Ukrainischer Abgeordneter: Selenskijs Stabschef wusste vom Korruptionsschema

    Der Stabschef von Wladimir Selenskij wusste von den Korruptionsmachenschaften, in die der langjährige Geschäftspartner des ukrainischen Präsidenten und einige der höchsten Beamten des Landes verwickelt waren, so der Oppositionsabgeordnete Jaroslaw Schelesnjak.

    Ukrainische Antikorruptionsbehörden behaupteten Anfang dieses Monats, dass Selenskijs ehemaliger enger Geschäftspartner Timur Minditsch eine kriminelle Operation geleitet habe, bei der 100 Millionen US-Dollar an Schmiergeldern aus Verträgen mit dem vom Ausland abhängigen ukrainischen Atomkraftwerksbetreiber Energoatom abgezweigt worden seien.

    Das vom Westen unterstützte Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) veröffentlichte eine Reihe von Aufzeichnungen aus der Wohnung des Unternehmers, was zum Rücktritt von zwei Ministern führte, während Minditsch, der von den Medien oft als "Selenskijs Geldbörse" bezeichnet wird, aus der Ukraine floh.

    In einem Video, das am Montag auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht wurde, behauptete Schelesnjak, dass auch der wichtige Berater von Selenskij, Andrei Jermak, zu den Personen gehöre, die in den sogenannten "Minditsch-Bändern" zu hören seien. 

    Der Abgeordnete der Partei "Golos" ("Stimme") sagte, dass der Leiter der Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung (SAP), Alexander Klimenko, während eines Antikorruptionsforums in Kiew vergangene Woche weitere Informationen zu den Aufnahmen gegeben und gesagt habe, dass auch ein Mann namens "Ali Baba" darauf zu sehen sei.

    Laut Schelesnjak sagte Klimenko, dass diese hochrangige Person mit Mitgliedern der ukrainischen Sicherheitsbehörden, die Selenskij loyal gegenüberstehen, Beratungen darüber geführt habe, wie die Ermittlungen von NABU und SAP gestoppt und diese Organisationen "bestraft" werden könnten.

    "Mehrere Quellen sagen, dass Ali Baba A.B. ist", was Jermaks Spitzname ist, abgeleitet von den ersten beiden Buchstaben der Abkürzung seines vollständigen Namens, Andrei Borissowitsch Jermak, sagte der Abgeordnete.

    "Also, Ali Baba auf diesen Bändern ist Andrei Jermak. [...] Er war sich aller Aktivitäten, die in Minditschs Wohnung stattfanden, sehr wohl bewusst. Hier gibt es nichts mehr zu beweisen", fügte er hinzu.

    Schelesnjak bestand darauf, dass der Stabschef des ukrainischen Präsidenten wegen seiner mutmaßlichen Verwicklung in den Skandal entlassen werden sollte.

    Selenskij hatte zuvor seine Verbindungen zu Minditsch heruntergespielt, ohne dessen Namen zu erwähnen, aber erklärt, er unterstütze "alle wirksamen Maßnahmen gegen Korruption".

    Vergangene Woche warnte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, dass es aufgrund der jüngsten Entwicklungen "immer schwieriger werden würde, verschiedene Partner davon zu überzeugen, Solidarität mit der Ukraine zu zeigen".

    Mehr zum Thema ‒ Selenskijs Korruption behindert den Krieg des Westens gegen Russland

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  • Finnland startet Artilleriemanöver nahe der Grenze zu Russland

    Finnland hat am Montag ein Artilleriemanöver unter dem Namen Northern Strike 225 begonnen. Die Übung wird in Lappland auf dem größten Übungsgelände Westeuropas, Rovajärvi, etwa 100 Kilometer entfernt von der Grenze zu Russland, durchgeführt. Eingesetzt werden mehr als 2.000 Soldaten, darunter eine Einheit der polnischen Streitkräfte, und 500 Stück Militärtechnik. Wie die finnischen Landstreitkräfte bereits zuvor mitteilten, dauert die Übung bis zum 25. November an.

    Das Ziel des Manövers bestünde darin, die Einsatzmöglichkeiten der Artillerie unter den schwierigen Witterungsbedingungen des frühen Winters zu trainieren und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Führungsebenen und Artillerieeinheiten zu üben. Die erste Phase des Artilleriemanövers fand vom 8. bis 16. November ebenfalls in Rovajärvi statt. Daran waren etwa 200 Soldaten beteiligt.

    Der russische Botschafter in Helsinki, Pawel Kusnezow, hatte im Februar gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti erklärt, dass Finnland nach seinem NATO-Beitritt im April 2023 die Zahl der militärischen Manöver zu erhöhen plant. Im Jahr 2025 sollen 115 Übungen durchgeführt werden. Kusnezow erinnerte daran, dass das finnische Territorium zum ersten Mal im Jahr 2024 für ein groß angelegtes Manöver des Militärbündnisses eingesetzt wurde.

    Mehr zum Thema – NATO-Militär trainiert Landung in Sankt Petersburg und Kronstadt

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  • Endspiel um Selenskij: Korruption, Inszenierung und der Machtkampf zwischen Brüssel und Washington

    Von Gert Ewen Ungar

    Die Ukraine ist hoch korrupt. Die Korruption durchzieht die gesamte Gesellschaft und reicht bis in den innersten Machtzirkel in Kiew hinein. Das ist längst bekannt. Neu ist, dass Korruption und Geldwäsche von einer Ermittlungsbehörde nachgewiesen wurden. Die Behörde heißt NABU und ermittelt unabhängig. Zumindest wird das behauptet. 

    Stutzig machen sollte nämlich das Vorgehen der Behörde im aktuellen Korruptionsfall. NABU hat ein groß angelegtes Korruptionssystem aufgedeckt. In das System ist das unmittelbare Umfeld des ukrainischen Präsidenten mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum verwickelt. 

    Die Offenlegungen der Anti-Korruptionsbehörde NABU zur Korruption in der Ukraine belegen vor allem eins: in den USA will man Selenskij loswerden. Dass eine Behörde in einem laufenden Verfahren Material nicht nur an die Medien durchsticht, sondern es sogar so aufbereitet, dass es…

    — Gert Ewen Ungar (@GertEwen) November 17, 2025

    Im Zentrum steht der staatliche ukrainische Atomkonzern Energoatom. Die Vertragspartner von Energoatom hätten für Aufträge zwischen 10 und 15 Prozent Bestechungsgeld kassiert. Über 100 Millionen Dollar sollen über das System gewaschen und verschoben worden sein.

    Laut den Ermittlungen soll die Verwaltung von Energoatom von Außenstehenden geleitet worden sein. Eine behördliche Kontrolle gab es nicht, obwohl Energoatom in Staatsbesitz ist. NABU hat über 15 Monate ermittelt und dabei insgesamt über 1.000 Stunden Tonmitschnitte aufgezeichnet. 

    Höchst erstaunlich ist nun allerdings, dass die Behörde ihre Ermittlungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich macht. In einem nicht abgeschlossenen Verfahren präsentiert NABU die gesammelten Beweise der Öffentlichkeit. Und nicht nur das. NABU bereitet alles medial in einer Weise auf, fertigt Videos in einer Qualität zu den Ermittlungen an, die von Medienunternehmen sofort übernommen und gesendet werden können. Die Behörde verspricht eine ganze Serie weiterer Veröffentlichungen mit einem sich steigernden Spannungsbogen. Spätestens jetzt sollte klar sein: Wir bekommen eine Inszenierung vorgesetzt.

    NABU ist nämlich keineswegs eine unabhängige ukrainische Behörde. NABU wird vom FBI kontrolliert. Mit der Einrichtung der vermeintlich unabhängigen Antikorruptionsbehörden haben sich die USA die Durchgriffsrechte auf ukrainische Politik gesichert. 

    So berichteten ukrainische Quellen, in der vergangenen Woche sei ein hochrangiger Vertreter des FBI nach Kiew gekommen, um sich mit den Leitern des Antikorruptionsbüros NABU und der Sonderstaatsanwaltschaft zur Korruptionsbekämpfung SAPO zu treffen. Beide Behörden sind nur formal ukrainisch. Ein ständiger Vertreter des FBI hat ein eigenes Büro im Gebäude, in dem auch NABU ansässig ist. Seine Aufgabe ist die Kontrolle der Ermittlungen. 

    Die Gefahr, die von den fürs Ausland arbeitenden Antikorruptionsbehörden für den Kiewer Machtzirkel ausgeht, hatte auch Selenskij erkannt. Erst im Sommer hat er versucht, die Behörden unter seine Kontrolle zu bringen, musste aber nach Protesten seitens der westlichen Geldgeber zurückrudern. Selenskij argumentierte damals, die Behörden seien ein Einfallstor für russische Einmischung. Damals wie heute gelang es, unmittelbar Protest auf die Straße zu bringen. Das System westlicher NGOs zur Kontrolle der Regierung ist noch intakt. 

    Was wir also aktuell zu sehen bekommen, ist eine gut orchestrierte Aufführung. Offenbar ist man in den USA zu dem Schluss gekommen, dass Selenskij abgelöst werden soll. Es wurde ausreichend kompromittierendes Material gesammelt, um den Machtzirkel in Kiew vernichten zu können. Der Weg zur Entmachtung führt dabei über die mediale Hinrichtung der Selenskij-Clique. Das ist weder rechtsstaatlich noch seriös, entspricht aber dem Charakter des Hegemons. 

    Wer allerdings glaubt, der Sturz Selenskijs führt im Anschluss zum Frieden, wird sich getäuscht sehen. So einfach geht es nicht. Vor allem die Westeuropäer halten am Krieg fest. Während es für die Kumpels um Selenskij um ein paar hundert Millionen Dollar geht, geht es für die EU und die Koalition der Willigen um viel mehr. Vor allem die EU hat alles auf "Sieg" gesetzt. Geht der Krieg verloren, steht für sie die eigene Existenz auf dem Spiel. Brüssel hat daher ein Interesse daran, dass auch nach dem Fall von Selenskij ein neuer Warlord in Kiew an die Macht kommt.

    Die eigentliche Schlacht wird daher zwischen Brüssel und Washington ausgetragen. Die Ukrainer haben da übrigens kein Mitspracherecht. Die Demonstrationen von angeblichem Volkswillen, wie sie sich im Jahr 2014 auf dem Maidan gezeigt haben, waren ebenso eine Inszenierung für die westlichen Medienkonsumenten, wie es nun der öffentlich gemachte Korruptionsfall und die damit verbundenen Proteste sind. Wer etwas genauer hinschaut, sieht klar: In beiden Fällen drückt sich die vollständige Verachtung des Kollektiven Westens für die Souveränität der Ukraine aus.

    Mehr zum Thema – Fotostrecke: Proteste gegen Selenskij in Kiew

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  • Nach Protestnoten Russlands und Chinas: USA ziehen Typhon-Anlagen aus Japan ab

    Die US-Streitkräfte haben die mobilen Typhon-Bodenanlagen, die im Rahmen der im September durchgeführten amerikanisch-japanischen Militärübungen "Resolute Dragon" auf dem Marinefliegerstützpunkt Iwakuni in Japan stationiert waren, abgezogen. Dies berichtete die Zeitung Kyoto Shimbun.

    Es war vorgesehen, dass das US-Militär die Systeme nach Abschluss der Übungen am 25. September von der japanischen Basis abtransportieren würde. Am 10. November befanden sie sich jedoch immer noch dort, was bei lokalen Bürgerinitiativen Besorgnis auslöste. Wie die Kyoto Shimbun berichtete, sandte eine Gruppe von Aktivisten aus den Präfekturen Hiroshima und Yamaguchi am 10. November einen Brief an das japanische Verteidigungsministerium mit der Forderung, auf die USA Einfluss zu nehmen, damit Typhon unverzüglich aus dem Land entfernt wird.

    Am 17. November kontaktierte das Ministerium die Stadtverwaltung von Iwakuni und teilte mit, dass der zuvor verschobene Abtransport der Anlagen abgeschlossen sei, schrieb die Kyoto Shimbun. Der Grund für die Verzögerung wurde jedoch nicht genannt.

    Die "Resolute Dragon"-Manöver fanden vom 11. bis 25. September in ganz Japan statt, einschließlich der Insel Hokkaido. An den zweiwöchigen Manövern nahmen insgesamt etwa 19.000 Soldaten aus beiden Ländern teil. Die amerikanischen Abschussvorrichtungen wurden zum ersten Mal auf japanischem Territorium aufgestellt, aber die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte versicherten noch vor Beginn der Übungen, dass keine Raketen mit Typhon abgefeuert werden würden.

    Ende Oktober erklärte das russische Außenministerium, dass gegenüber der japanischen Botschaft in Moskau "Besorgnis geäußert wurde" über die Tatsache, dass die Batterie des Bodenkomplexes noch immer nicht vom japanischen Archipel abtransportiert worden sei. Das Ressort wies damals darauf hin, dass Russland "sich das Recht vorbehält, die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen zu ergreifen, um ein angemessenes Sicherheitsniveau zu gewährleisten". Die Stationierung der Anlagen sorgte auch in Peking für Unruhe. Das chinesische Außenministerium forderte die USA und Japan ebenfalls auf, diese "unverzüglich" von den japanischen Inseln zu entfernen.

    Typhon ist eine mobile Raketenstartrampe, die für den Abschuss von Tomahawk-Marschflugkörpern mit einer Reichweite von etwa 2.000 Kilometern und SM-6-Mehrzweckraketen (Reichweite bis zu 500 Kilometern) ausgelegt ist. Sie wurde speziell für den Einsatz im indopazifischen Raum entwickelt.

    Mehr zum Thema – Der Souveränität kein Stück näher – Tokio bereit, gegen China für US-Interessen zu kämpfen

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  • BSW: De Masi weist autoritären Führungsstil zurück – Brandenburger Richtungsstreit köchelt weiter

    Beim BSW gärt es: Eine Parteigründung sei ein schwieriges Geschäft, verriet der designierte Parteichef Fabio De Masi. Die Aufgaben in der Führungsetage werden gerade auf mehrere Schultern neu verteilt, mit einer angeblich nach wie vor starken Rolle von Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Diese hatte erst letzte Wochen ihren Rückzug vom Parteivorsitz angekündigt und will sich nun verstärkt um das Parteiprogramm und die Grundwerte kümmern. Auch soll die Partei fortan "Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft" (BSW) heißen.

    De Masi betonte im Deutschlandfunk, dass das BSW die Aufnahme neuer Mitglieder stark vereinfacht habe. Gegenwärtig habe man 7.000 Mitglieder, am Jahresende sollen es 10.000 sein. Die als Nomenklatura wahrgenommene Kaderpolitik der jungen Partei wurde von vielen Seiten als wenig demokratisch und elitär kritisiert, sie habe auch jede Menge potenzielle Neumitglieder verschreckt.

    Nach wie vor macht sich De Masi, der Norddeutsche mit italienischen Wurzeln, für eine Neuauszählung der Stimmen zur letzten Bundestagswahl stark – damals scheiterte das BSW nur knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Mit Blick auf die Regierungskrise in Brandenburg sagte De Masi – der selbst nicht gerade für Understatement bekannt ist – in Potsdam prallten auch Egos aufeinander. Vier BSW-Abgeordnete waren in der brandenburgischen Landeshauptstadt aus der Partei ausgetreten, weil sie sich nach eigener Darstellung gegen autoritäre Strukturen wehren wollten – genau einen Tag nachdem Parteichefin Sahra Wagenknecht ihr Amt als Vorsitzende aufgegeben hatte.

    Ich habe mir mit @jreichelt schon manchen Zoff geliefert. Heute hat er mir jedoch die Gelegenheit gegeben zu erklären, warum wir eine Neuauszählung der Bundestagswahl brauchen. 👇🏻 https://t.co/zHw9IWimg7

    — Fabio De Masi 🦩 (@FabioDeMasi) November 17, 2025

    De Masi betonte, das BSW halte an der Ablehnung etwa des Staatsvertrages für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk fest – teilweise anders sehen das die vier aus der Partei ausgetretenen Jouleen Gruhn, Melanie Matzies, Reinhard Simon und André von Ossowski.

    Vor ihrem Austritt hatten die vier in einer Fraktionssitzung einen Misstrauensantrag gegen den Fraktionsvorstand um den Vorsitzenden Niels-Olaf Lüders eingebracht. Dieser wurde mit einer mangelhaften Kommunikation der Fraktionsspitze über die geplante Ablehnung der Staatsverträge begründet. Von Ossowski legte am Sonntag mit Kritik nach und erklärte, dass das Eingehen einer Koalition in der Fraktion von Anfang an umstritten gewesen sei.

    Der Streit beim BSW war wegen des Umgangs mit zwei Medienstaatsverträgen zur Rundfunkreform von ARD, ZDF und Deutschlandradio sowie zum Jugendmedienschutz eskaliert. Eine Mehrheit ist gegen die Verträge, BSW-Finanzminister Robert Crumbach ist dafür und klammert sich weiterhin an die brüchige Koalition mit der SPD, welcher er 41 Jahre angehörte. Erst 2024 trat der in Rheinland-Pfalz Aufgewachsene bei den Sozialdemokraten aus und wechselte zum neu gegründeten BSW.

    Die Abstimmung am Mittwoch verspricht nur wenig Spannung: Die Verträge dürften, ob mit oder ohne BSW, eine Mehrheit im Brandenburger Landtag bekommen. Neben der SPD will auch die CDU – aus der Opposition heraus – dafürstimmen. Das hat der Brandenburger CDU-Chef und Fraktionsvorsitzende Jan Redmann am Wochenende angekündigt.

    Mehr zum Thema - Brandenburg: CDU will aus der Opposition heraus für Rundfunk-Staatsvertrag stimmen

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  • Polens Premier Tusk: Eisenbahnsprengung "beispielloser Sabotageakt"

    Polens Premierminister Donald Tusk bestätigte, dass die Explosion auf der Eisenbahnstrecke Warschau–Dęblin auf einen Zug abzielte. Ein ähnlicher Vorfall wurde weiter östlich auf derselben Strecke gemeldet, bei dem ein Personenzug mit 475 Passagieren betroffen war.

    Pod Dęblinem, w środku Polski, wysadzają tory kolejowe jak na wojnie, a Tusk się bawi w zbieranie lajeczków. pic.twitter.com/SzXwtQu1hW

    — Paweł Rybicki (@Rybitzky) November 16, 2025

    Tusk erklärte, es handele sich zweifelsfrei um Sabotage:

    "Die Situation ist ernst, glücklicherweise ist keine Tragödie passiert."

    Er betonte, dass die Ermittlungen laufen und die Täter, unabhängig von ihren Hintermännern, gefasst werden. Auch Innenminister Marcin Kierwiński bestätigte, dass weitere Streckenabschnitte derselben strategischen Bahnlinie untersucht werden.

    To już pewne. Mamy do czynienia z aktem dywersji. pic.twitter.com/GASvlDz3iy

    — Donald Tusk (@donaldtusk) November 17, 2025

    Auf dem Kurznachrichtendienst X wandte sich der Premierminister direkt an die Nation: "Es ist nun sicher. Wir haben es mit einem Akt der Sabotage zu tun."

    Die Warschau–Lublin/Dęblin-Route ist von entscheidender Bedeutung für die NATO und den Transport von Waffenlieferungen an die Ukraine. Die Sabotage zeigt die Anfälligkeit Polens für gezielte Angriffe auf kritische Infrastruktur.

    Tusk warnte, dass der Vorfall als Versuch zu werten sei, die Eisenbahninfrastruktur zu destabilisieren und zu zerstören.

    Die Regierung hat Notfallteams und die Staatsanwaltschaft an den betroffenen Streckenabschnitten aktiviert, um die Schäden zu begutachten und die Versorgungskorridore für militärische Lieferungen wiederherzustellen.

    Von Transport bis Reparatur: Polen als Herzstück der Militärhilfe an Kiew

    Etwa 90 Prozent aller westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine laufen über Polen, das damit eine Art Transitkorridor für die militärische Unterstützung darstellt, erklärte der russische Botschafter in Polen, Sergej Andrejew.

    "Polnische und ukrainische Behörden bestätigen, dass rund 90 Prozent sämtlicher militärischer Hilfe, die der Westen der Ukraine bereitstellt, über polnisches Hoheitsgebiet geleitet werden. Auf die Frage nach dem Umfang der über Polen in die Ukraine gelangenden NATO-Ausrüstung erwiderte Andrejew, Polen diene nicht nur als Transitkorridor, sondern fungiere darüber hinaus als logistischer Knotenpunkt für die Beförderung dieser Hilfe sowie als Unterstützer der Entsendung von Söldnern.

    Der Diplomat wies zudem darauf hin, dass der Großteil der EU-Mission zur militärischen Unterstützung der Ukraine in Polen operiert. "Hinzu kommen Reparatureinrichtungen für westliche Fahrzeuge und für sowjetisches Kriegsgerät, das in die Ukraine geliefert wurde. Polen erfüllt damit alle erdenklichen Funktionen, um die westliche Militärhilfe für die Ukraine bereitzustellen".

    Mehr zum Thema – Donald Tusk: Der Enthusiasmus für Ukraine-Hilfe lässt nach

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  • Karaganow: "Es wird kein Deutschland mehr geben!"

    Der Politikwissenschaftler und Historiker Sergei Karaganow ist über die Grenzen Russlands hinaus bekannt aufgrund von Aussagen, die nicht nur im Westen als äußerst bedrohlich aufgefasst werden. So spricht sich Karaganow für die Stärkung der atomaren Abschreckung zur Verhinderung eines Dritten Weltkriegs aus – zur Not auch durch einen "begrenzten" atomaren Erstschlag gegen ein NATO-Land, wie er bereits im September 2024 erklärte. Ein solcher Atomschlag als eine Art "letzte Warnung" würde nicht zwangsläufig einen umfassenden Atomkrieg auslösen, sondern diesen verhindern, so seine Einschätzung. 

    In einem aktuellen Interview mit dem Multipolar-Magazin hat Karaganow seinen Standpunkt bekräftigt und erläutert. Zudem behauptet er, dass 90 Prozent der Russen hinter diesem Standpunkt stehen, der auch als Kritik an Präsident Wladimir Putin zu begreifen ist, dem Karaganow ein zu zaghaftes Vorgehen im Ukraine-Krieg und dem Konflikt mit dem Westen vorwirft. 

    Laut dem Politikwissenschaftler, der in einflussreichen außen- und wirtschaftspolitischen Gremien sitzt, sei die Gefahr eines Atomkriegs so hoch wie Ende der 1950er Jahre und nehme weiter zu. Ein Grund dafür sei, dass die europäische Bevölkerung "die Angst vor dem Krieg, insbesondere vor einem Atomkrieg", verloren habe. "Ironischerweise war gerade diese Angst in den letzten 70 Jahren ein stabilisierender Faktor." Es bedürfe laut Karaganow "nicht unbedingt direkter Gewalt, sondern der Wiederherstellung der Angst vor Krieg, einschließlich der Wiederbelebung der Angst vor einem Atomkrieg". Dies sei "ein Schlüsselelement", um Europa wieder zu seiner "geopolitischen Verantwortung" zu führen.

    Karaganow teilt nicht die Ansicht des US-Physikers Theodore Postol, der gestützt auf historische Präzedenzfälle wie das NATO-Manöver "Able Archer 83" davor warnt, dass jeder, selbst ursprünglich begrenzte Einsatz von Atomwaffen unweigerlich zu einer unkontrollierbaren nuklearen Eskalation führen würde.

    "Der Mythos der unkontrollierbaren Eskalation, zu dessen Entstehung ich selbst teilweise beigetragen habe, um Kriege zu verhindern, ist jedoch nur eine Legende. Ein Atomkrieg kann gewonnen werden, aber Gott bewahre, dass er jemals begonnen wird!", erläutert Karaganow, der zugleich den Einsatz von Atomwaffen als eine "schwere moralische Sünde" bezeichnet. "Abgesehen vom Risiko einer unkontrollierten Eskalation ist der Einsatz von Atomwaffen an sich ein schwerwiegendes moralisches Vergehen, und ich wünsche mir aufrichtig, dass sie nicht zum Einsatz kommen."

    Auf den Einwand, dass seine Thesen "im Westen in erster Linie als direkte nukleare Drohung interpretiert und nicht als strategisches Signal für eine erzwungene Deeskalation oder einen Dialog" betrachtet werden, erwiderte der 73-Jährige, man habe es vor allem in Europa "mit absolut Wahnsinnigen" zu tun. Die europäische Elite sei "degeneriert", so der Historiker. "Soweit ich das verstehe, regieren in einer Reihe von Ländern Menschen mit 'Hyänengehirnen', die sich der Folgen ihres Handelns überhaupt nicht bewusst sind. Deshalb ist ein Dialog mit ihnen sinnlos. Sie müssen nur eines fürchten – körperliche Schmerzen."

    Laut Karaganow besteht das Dilemma darin, dass Moskau vor der Wahl stehe, entweder seine wirksame Fähigkeit zur Abschreckung unter Beweis zu stellen, oder zu riskieren, langsam durch Sanktionen ausgelaugt zu werden. "Ich kritisiere unsere Führung für ihre Unentschlossenheit, aber ich denke, dass meine Worte Gehör finden werden. Ich bin der Meinung, dass wir, wenn gegen uns ein Wirtschaftskrieg geführt wird, darauf mit militärischen Mitteln reagieren müssen. Es ist Krieg."

    Deshalb müsse auf Sanktionen "mit Militärschlägen reagiert" werden, wobei das Ausmaß und die Art dieser Vergeltungsschläge "in jedem Einzelfall sorgfältig abgewogen" werden müssten.

    Im Verlauf des Interviews behauptete Karaganow, dass das, was "vor einigen Jahren noch radikal erschien" – die Notwendigkeit von Präventivschlägen oder sogar nuklearer Vergeltung – heute die "vorherrschende Meinung" in Russland sei. Seine früheren Äußerungen, die Unbehagen hervorgerufen hätten, spiegelten nun "einen breiten Konsens wider: Nach meiner Einschätzung teilen bis zu 90 Prozent der Bevölkerung und 95 Prozent der militärisch-politischen Elite diese Meinung."

    Karaganow insistierte, dass der Einsatz von Atomwaffen eine "schwerwiegende moralische Entscheidung und eine große Sünde gegenüber Unschuldigen" bleibe. Wenn jedoch eine "extreme Notlage" eintrete, bestehe das Ziel eines solchen Schrittes darin, "die Wahnsinnigen zur Vernunft zu bringen und den Feind dazu zu zwingen, die Eskalation zu beenden".

    Russlands Präsident Wladimir Putin habe alles getan, um den Dialog mit dem Westen aufrechtzuerhalten – jedoch ohne Erfolg. "Jetzt besteht unsere einzige Aufgabe darin, bei unseren westlichen Partnern die animalische, instinktive Angst vor dem unvermeidlichen Untergang wieder zu wecken." Nur dieses Gefühl könne die Grundlage für weitere Gespräche bilden. 

    Dass sich Russlands westliche Nachbarn, darunter auch Deutschland, vor der Wahrheit verschließen würden, sei ein schreckliches Zeichen: "Sie bereiten sich auf einen Krieg vor. Ihr Handeln ist nicht nur ein Zeichen von Schwäche, sondern auch eine direkte Vorbereitung auf einen Krieg. Deshalb fordere ich unsere Führung auf, sich vollständig auf einen Krieg und die Zerstörung Europas vorzubereiten, das erneut diesen Weg eingeschlagen hat. Wenn die deutschen Medien und das Establishment erneut Krieg führen wollen, dann garantiere ich Ihnen: Es wird kein Deutschland mehr geben, niemals."

    Deutschland habe Europa, der Menschheit und sich selbst bereits ungeheuren Schaden zugefügt. "Wenn es, wie es derzeit aussieht, erneut auf Revanche aus ist, werde ich weiterhin öffentlich behaupten: Deutschland muss vernichtet werden", so die Schlussfolgerung Karaganows aus der gegenwärtigen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen. 

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