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Meine Schulgeschichte ist kompliziert: Ich bin bis zur vierten Klasse auf eine internationale Schule in Nagoya, Japan, gegangen. Danach habe ich auf Hawaii bis zur sechsten Klasse eine Privatschule besucht. Dort wurde ich viel wegen meiner Sehbehinderung geärgert und habe deswegen eine Waldorfschule in Honolulu besucht. Da sich meine Sehkraft verschlechterte, zogen meine Mutter und ich zurück nach Tokio, damit mich dort ein Spezialist behandeln konnte. Die neunte Klasse verbrachte ich auf einer internationalen Schule in Tokio. Nach einem weiteren Jahr auf Hawaii ging ich im zehnten und elften Schuljahr auf ein Gymnasium in Köln – als privater Austauschschüler. Das Abitur machte ich schließlich auf einer deutschen Schule in Yokohama.
Tablet als Notenpult
„Viele waren am Ende“
Go Yamamoto (42) lebt in Köln.
In unserer Abschlussarbeit im Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin haben wir die Thematik des Einkaufens für Menschen mit Sehbehinderung beleuchtet. Betreut wurde unsere Bachelor-Arbeit durch Professor Florian Adler. Wir fragten uns, inwiefern Design dazu beitragen kann, Menschen mit Sehbehinderung den selbstständigen Einkauf im Supermarkt zu erleichtern, und entwickelten einen Gestaltungsvorschlag zur besseren Orientierung.
Maria Scherlies (27) und Svenja Schulz (29) leben in Berlin.
Obwohl Baseball in Deutschland eher eine unbekannte Sportart ist, hat Blindenbaseball mich sofort in seinen Bann geschlagen. Vor allem loszurennen, wenn es heißt „Play Ball!“ und der von mir geschlagene Klingelball der verteidigenden Mannschaft zufliegt, ist ein befreiendes Gefühl.
Schnupper-Workshops für Neulinge
Geringes Verletzungsrisiko
Hoffnung auf Turniere 2022
Gabi Eichenseer (33) lebt in Nürnberg.
Herr Kleber, ich bin blind und kann Sie nicht sehen. Mögen Sie sich mit ein paar Worten beschreiben?
Wie würde ich mich beschreiben? Ich bin 54 Jahre und habe jetzt etwas zu lange Haare. Ich trage einen grauen Anzug, ein blaues Hemd und meine geliebten Sneaker. Ich würde mich noch als in Form bezeichnen – ein klassischer Familienvater sozusagen, mit den Sorgen- und Freudenfalten, die man dadurch hat.
Und Sie sind Unternehmenschef von Amazon Deutschland und in dieser Funktion Partner für den DBSV bei der Erarbeitung des Hörfilm-Skills. Das ist offenbar der erste Skill seiner Art für die Zielgruppe blinder und sehbehinderter Menschen?
Ja, tatsächlich. Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit und hoffe, dass das der Startschuss für eine Partnerschaft ist und wir irgendwann zurückschauen und sagen: Weißt du noch, damals der erste Skill, den wir gemacht haben – der Hörfilm-Skill? Das ist ein toller erster Schritt, der davon profitiert, dass drei Partner zusammenkommen: zum einen der DBSV, der uns der Kundengruppe der sehbehinderten und blinden Mitmenschen näherbringt, dann ARD, ZDF und Arte, die die entsprechenden Inhalte haben, die wir kostenfrei über den Skill zur Verfügung stellen können. Und natürlich Amazon mit dem Bestreben, das Leben aller unserer Kunden leichter zu machen.
Wie funktioniert das im Amazon-Konzern: Werden solche Dinge, die jetzt in Deutschland entwickelt werden, auch in andere Länder transportiert?
Das hoffen wir. Die deutsche Sprache für Alexa wird zum Beispiel maßgeblich in Aachen entwickelt. Wir sitzen also am Entwickler- und Forschungshebel. Unsere europäischen Kollegen werden schnell über die Ländergrenze herüberschauen und sich hoffentlich inspirieren lassen. Und dann machen wir ein großes globales Produkt daraus. Inhalte sind ja auch global, und wir würden uns sicher alle wünschen, dass auch die amerikanischen Serien zukünftig in einer Form kommen, die man im Hörfilm-Skill zur Verfügung stellen kann.
Bei Amazon Prime gibt es jetzt die ersten Audiodeskriptionsangebote. Soll dieses Angebot ausgebaut und möglicherweise in den Hörfilm-Skill integriert werden?
Idealerweise wird es Standard. Sie haben mir ja mal erklärt, dass die Kosten für eine audiodeskriptive Version sehr gering sind, wenn man die Gesamtentwicklungskosten für einen Film betrachtet.
Wir sind in Europa dabei, für den Online-Handel und für Medienplattformen Standards der Barrierefreiheit umzusetzen. Deutschland und die anderen EU-Länder werden die entsprechenden Regelungen bis Mitte 2022 umsetzen. Dann kommen noch Übergangsfristen. Könnte es für Amazon ein Weg sein zu sagen, wir warten nicht bis zum letzten Tag der Übergangsfristen, sondern streben eine Vorreiterfunktion an?
Eine Vorbildfunktion würde ich gern einnehmen. Wir haben ein Bewusstsein für Barrierefreiheit entwickelt und wollen in vielen Bereichen im Unternehmen dafür sorgen, dass unsere Dienstleistungen und Inhalte möglichst barrierefrei zugänglich werden. Im Shopping, also beim Online-Einkaufen, liegt noch eine schöne Wegstrecke vor uns. Wir wissen aus dem Feedback auch Ihrer Mitglieder, dass wir noch eine Menge tun müssen. Im Selbstversuch habe ich festgestellt, wie schwierig oder nahezu unmöglich es ist, bestimmte Produktgruppen online zu erwerben.
Kann eine Organisation wie der DBSV ein Unternehmen wie Amazon auf dem Weg zur Barrierefreiheit unterstützen?
Ohne eine Organisation wie den DBSV stünden wir viel weiter hinten, was das Erkennen der Problematik betrifft. Und wenn ich die Problematik nicht erkenne, kann ich keine Lösung schaffen. Der DBSV ist für uns ein Expertengremium. Wir haben von vielen blinden und sehbehinderten Kunden erfahren, dass bestimmte Dinge nicht funktionieren und bestimmte Vorgänge zu lange dauern. Das müssen wir besser priorisieren und dann besser in der Lage sein, Standards zu entwerfen. Denn es geht nicht um Einzellösungen, sondern die Hoffnung ist, dass es uns gelingt, Wege aufzuzeigen, aus denen Standardlösungen entstehen.
Das hört sich so an, als seien Kooperationen zwischen Unternehmen und Organisationen aus dem Bereich behinderter Menschen eine gute Sache. Auch die DBSV-Amazon-Kooperation könnte also weitergeführt werden. Wie schätzen Sie das ein?
Ich hoffe sehr, dass das der Beginn einer längeren Kooperation ist. Ich hoffe, dass wir viele Dinge finden, die inspirierend wirken, auch für andere Unternehmen. Das ist ja kein Geheimprojekt. Die Aufgabe, Barrieren aus dem Leben zu schaffen, muss von vielen gestemmt werden, wenn nicht von uns allen. Das, was wir in die Waagschale werfen, ist Entwickler-Knowhow, Innovationspotenzial, Technik und die Möglichkeit, einen Standard, den wir vielleicht finden, global weiterzuentwickeln.
An welchen technologischen Entwicklungen, die die Nutzung digitaler Information erleichtern, arbeitet Amazon gerade?
Sie wollen das Geheimprojekt erfahren. Darüber darf ich natürlich nicht reden. Ich sage mal so: Wir sind davon überzeugt, dass Sprache zur Vereinfachung des Lebens beitragen kann, nicht nur in der Kommunikation zwischen Menschen, sondern auch bei der Erledigung zahlreicher Aufgaben. Das ist unsere Motivation. Warum umständliche Bedienungsanleitungen lesen, warum auf der Fernbedienung Knöpfe suchen, warum im Lift nach der Etage suchen, auf der Dr. Müller seine Zahnarztpraxis hat? Wir sehen Sprache als Vereinfachungsmöglichkeit für alle Kundengruppen – vom Kind bis zum Senior. Auch für mich, der ich abends nicht vom Sofa aufstehen möchte, um meine Rollläden oder mein Thermostat anders einzustellen. Sprache kann das Leben vereinfachen, wenn man sie auf natürliche Weise einsetzt. Wir wissen aber auch, dass Sprache etwas sehr Komplexes ist. Alexa in Deutschland hatte gerade ihren vierten Geburtstag, kommt also jetzt in den Kindergarten und hat noch einen weiten Weg vor sich, um das zu werden, was sich alle erhoffen: nämlich der einfachste Zugang zu bisher sehr komplexen Abläufen.
Frau Giegerich, welche Aufgabe haben Sie als Frauenbeauftragte des DBSV?
Priorität hat natürlich die Beratung von betroffenen Frauen in jegliche Richtung, ob das jetzt zu Nachteilsausgleichen ist, zu Hilfsmitteln oder auch die familiäre Situation, der Job und vieles mehr. Es ist ganz breit gefächert. Die Beratung findet überwiegend am Telefon statt, per Mail, aber auch am Rande von Veranstaltungen.
Welcher Art von Beratung ist das in der Regel? Oder ist das völlig unterschiedlich?
Es ist total unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel die alleinlebende ältere Dame, die sich einfach mal unterhalten möchte, oder die gestresste Mutter, die Teilzeit berufstätig ist, und über der im Moment alles zusammenbricht, im Job, ein neues Programm, die Kinder in der Schule haben Probleme, und der Vater hält sich raus – dann hilft oft ein Gespräch, um wieder klarer zu sehen. Ich kann dann Fachdienste empfehlen, und sagen, wo man Hilfe bekommen kann. Ich rede mit den Frauen, frage, wo der Schuh drückt, und überlege mit ihnen, wie wir die Situation entschärfen können.
Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten positiv für Frauen mit
Wir sind auf jeden Fall sichtbarer geworden, wenn ich das Wort so benutzen darf, und das ist natürlich wunderschön. Wenn ich zurückdenke: Als Kind mit meiner Sehbehinderung – damals habe ich noch ein bisschen mehr gesehen – da habe ich mich geschämt für diese Behinderung, und wurde mehr oder weniger versteckt. Man hat nicht offen darüber reden können, und heute ist man einfach sichtbarer. Wir sprechen von Barrierefreiheit, nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch im Internet. Wir können fordern, dass wir Zugang zu Konzerten, zu Theatern und anderen Einrichtungen haben, und dass wir auch ohne Assistenz dorthin gehen können. Das ist positiv, obwohl es natürlich noch viel zu tun gibt.
Und wo sehen Sie Frauen mit Behinderung stärker benachteiligt als Frauen es ohnehin schon manchmal sind?
Da ist natürlich in erster Linie der Assistenzbedarf, den Frauen mit Behinderung oft haben. Doch das geht Männern mit Behinderung genauso. Es gibt jedenfalls noch einige Hürden zu nehmen, bei denen Frauen den Männern nicht gleichgestellt sind. Auch bei der Partnerwahl gibt es seltsamerweise große Unterschiede, wenn ich es aus meiner langjährigen Erfahrung in der Beratung sehe: Ein blinder Mann findet auf jeden Fall schneller eine sehende oder blinde Partnerin als umgekehrt, warum auch immer. Das liegt vielleicht zum Teil daran, dass Frauen einfach ein bisschen empathischer sind.
Was sind die dringlichsten Probleme in puncto Gleichberechtigung, die der DBSV und die Mitgliedsvereine angehen könnten?
2016 gab es beim Verwaltungsrat in Saarbrücken, bei dem ich zu Gast war, das Thema Frauenarbeit im DBSV. Es ging darum, dass in Führungspositionen noch viel zu wenige Frauen sind. Wir haben zwar Landesvorsitzende in einigen Bundesländern, unter anderem in Bayern, aber in den Landesvorstandsgremien ist die Frauenquote noch sehr niedrig. Es fehlt auch, dass man die Frauen motiviert, denn im Unterschied zu Männern trauen sich Frauen oft nicht zu, ein solches Amt anzugehen. Manche haben vielleicht auch nicht die nötige Vorbildung in Rhetorik, in Führungsqualitäten oder wie man in Konflikten reagiert. Da könnte man ansetzen, um mehr Frauen in die Gremienarbeit zu bringen und sie zu motivieren, ein Amt zu übernehmen.
Brauchen Blinden- und Sehbehindertenorganisationen oder auch andere Selbsthilfe-Vereine eine Frauenquote?
Ich bin gegen die Frauenquote, muss ich ehrlich sagen. Wir besetzen dann irgendwelche Ämter mit Frauen, die vielleicht dort gar nicht so am richtigen Platz sind. Wir brauchen Frauen, die dieses Amt auch ausfüllen können, die wirklich Interesse daran haben und die nötige Qualifikation dafür. Mit Quotenfrauen kommen wir da, glaube ich, nicht weiter.
Sie haben eine Mailingliste für Frauen ins Leben gerufen, die ursprünglich nur für Bayern gedacht war, inzwischen aber auch Frauen in anderen Bundesländern zugänglich ist. Über welche Themen tauschen sich die Frauen in den Mails aus? Gibt es besonders stark diskutierte Themen?
Geplant war die Mailingliste damals in Bayern, um schnellstmöglich auf Seminare und Kurse, die in meinem Frauenreferat entstanden sind, aufmerksam zu machen und die Information darüber schnell an die Frauen weiterzugeben. Und dann kamen Fragen auf wie: Welche Haushaltsgeräte sind bedienbar, welche neue Waschmaschine, welcher Herd? Gerade die Geräte mit Touch-Feldern sind ja oft schwierig zu bedienen für unseren Personenkreis.
Geht es hin und wieder auch um das Thema Gleichberechtigung in den Mails oder kam das noch nicht vor?
Ab und zu mal. Die Zahl der weiblichen Vereinsmitglieder kenne ich jetzt nur aus Bayern: Dort sind etwa 58 Prozent der Mitglieder weiblich. Beim Verwaltungsrat in Saarbrücken wurde von rund zwei Dritteln weiblicher Mitglieder gesprochen. Allgemein wird das Thema Gleichberechtigung noch zu wenig diskutiert, da könnte noch mehr passieren, da ist noch viel Luft nach oben.
Was halten Sie vom Weltfrauentag?
Sehr viel. Ich finde es toll, dass es diesen Tag gibt. Wir hatten auch schon ein Seminar am Weltfrauentag und haben uns feiern lassen und uns selbst gefeiert. Frauen mussten ja um alles kämpfen, wenn man zum Beispiel nur an das Wahlrecht denkt oder daran, dass früher der Mann sein Einverständnis geben musste, wenn eine Frau wieder berufstätig werden wollte. Frauen mussten sich immer alles erkämpfen, und deshalb darf der Weltfrauentag nicht abgeschafft werden – den brauchen wir noch.
Robbie, was macht deiner Meinung nach einen guten Podcast aus?
Das Wichtigste ist, dass der Podcast etwas Besonderes hat, das man so woanders nicht bekommt. Es gibt zum Beispiel einen relativ neuen Podcast von Radio Bremen, der heißt „Kein Mucks!“. Da werden historische Kriminalhörspiele, also Radiohörspiele von 1947 bis 1980, veröffentlicht, in jeder Folge eines. Das ist etwas Besonderes, weil solche historischen Radioaufnahmen sehr beliebt, aber legal nicht zu bekommen sind. Dann wird der Podcast präsentiert von Bastian Pastewka, und dem hört man einfach an, dass er sich für das Thema begeistert und sich damit auskennt. Da werden zum Beispiel Schauspielerinnen und Schauspieler vorgestellt, es wird erzählt über die Umstände der Auf-nahmen und historische Hintergründe. Das heißt, einerseits ist der Inhalt etwas Besonderes, und dann wird er auch noch kompetent serviert – das gibt dem Podcast ein Alleinstellungsmerkmal.
Und was ist das Besondere an den Podcasts des DBSV-Jugendclubs?
Beim DBSV gelten ja alle bis 35 Jahre als jugendlich, das heißt, dass man eine weite Themenpalette hat. Ich kann einerseits einen Beitrag machen über schulische Inklusion, der für Schülerinnen und Schüler interessant ist, dann etwas über Fortbildungsangebote oder Berufsbilder, was eher für ältere Jugendliche interessant ist. Oder ich mache etwas über ein neues Hilfsmittel, das für alle interessant ist.
Wie können andere Vereine oder Privatpersonen Podcasts nutzen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen?
Es kommt darauf an, wen oder was ich erreichen möchte. Wenn ich etwas vermitteln möchte, von dem jemand noch nichts weiß, würde ich keinen Podcast machen. Ein Podcast richtet sich an Menschen, die ein bestimmtes Interesse verbindet. Das kann politisch sein, aber auch Musik, Sport oder Kultur. Da gibt es eine große Themenvielfalt. Wenn ich zum Beispiel vermitteln möchte „Blinde Menschen gehen beim Behindertengleichstellungsgesetz baden“, wie wir das vor ein paar Jahren wollten, kann ich so eine Information nicht mit einem Podcast verbreiten. Ein Politiker, den ich überzeugen will, hört sich keinen einstündigen Podcast an. Da muss ich mit sozialen Medien arbeiten. Natürlich kann man über die sozialen Medien auch den eigenen Podcast bewerben.
Welche technische Ausrüstung braucht man, um einen Podcast auf die Beine zu stellen?
Man braucht nicht viel. Mit den meisten Smartphones kann man sehr passable Sprachaufnahmen machen; zum Beispiel, wenn man Interviews machen möchte. Man kann damit natürlich auch seine eigene Moderation aufnehmen.
Wie bekommt man die Podcasts unter die Leute?
Wichtig ist, dass man eine sogenannte Hosting-Plattform findet, also so etwas wie Podigee, Podhost oder Apple-Podcasts. Dort ist der Podcast quasi zu Hause, dort wird er „gehostet“. Dieses Zuhause ist eine Website, auf der der Podcast bereitgestellt wird. Wer einen Podcast anbietet, lädt ihn als MP3-Datei auf diese Hosting-Plattform hoch, gibt den Titel und eine Beschreibung ein. Man kann dort auch Schlagworte für den Podcast eingeben, sodass die Leute ihn finden, wenn sie im Internet Suchbegriffe eingeben.
Wie barrierefrei sind diese Plattformen für blinde und sehbehinderte Nutzerinnen und Nutzer?
Da kann ich nur für Podigee, Apple-Podcast und Podhost.de sprechen. Letzteres ist eine ziemlich veraltete Plattform. Podigee und Apple-Music sind weitgehend barrierefrei, wenn man blind ist. Bei Podigee hatten wir anfänglich Probleme mit der Gestaltung, weil es für Sehbehinderte wohl schwierig war von der Schriftart, von den Farben und von den Kontrasten her, aber bedienbar ist es schon.
Was glaubst du: Wird der aktuelle Podcast-Boom anhalten oder irgendwann abbrechen?
Für mich ist der Podcast das Medium der Zukunft. Er ist jetzt schon zu einem etablierten Format geworden. Das Zuhör-Radio wird mehr und mehr zurückgehen. Die öffentlich-rechtlichen Sender bedienen mehr und mehr die breite Masse und drängen Sparteninteressen, sei es eine besondere Musik, Hörexperimente oder ausgefallene Themen, immer mehr an den Rand. Die werden noch produziert, aber zu unmöglichen Zeiten gesendet. Sie werden aber auch vermehrt als Podcast bereitgestellt. Daher wird das das Medium der Zukunft sein – auch weil man nicht mehr zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein muss, um etwas zu hören, sondern man es hören kann, wann und wo man möchte. Ob man im Zug sitzt oder beim Arzt oder in der Mittagspause.
Hast du einen Lieblingspodcast?
Ja, einen englischen, der heißt „Song-Exploder“. Einmal monatlich kommt eine halbstündige Episode raus, und da wird immer beleuchtet, wie der Song einer Singer-Songwriterin oder einer Band entstanden ist. Der Künstler, die Künstlerin oder die Band erzählen, wer zuerst auf die Idee gekommen ist, wie sie sich den Song auf Tournee erst mal aufs iPhone gesungen haben, wie er dann im Studio verfeinert wurde und wer dann auf die Idee für das letzte Riff oder so gekommen ist. Währenddessen hört man Klangbeispiele, bis zum Schluss der fertige Song entstanden ist. Für mich als jemand, der sich für Musik begeistert, ist das ein klasse Podcast. Da kommen berühmte Leute zu Wort – es waren schon Metallica, R.E.M. und U2 da –, aber auch unbekanntere Singer-Songwriter. Das ist eine schöne Mischung und mit viel Liebe zum Detail produziert.
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