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Thorsten Jonas ist UX-Designer und arbeitet bei Wahlberg Urban Electrics, einem Hersteller von E-Scootern. Er hat langjährige Erfahrung in der Entwicklung digitaler Produkte, darunter die ZDF-Mediathek und die Tagesschau-App.
Er spricht über nachhaltiges UX-Design und das Sustainable UX Playbook, ein gemeinsames Projekt mit über 100 internationalen Mitwirkenden. Das Ziel ist, praktische Werkzeuge für UX-Designer zu schaffen, die Nachhaltigkeit in ihre Arbeit integrieren.
Beispiele aus dem Gespräch: Karussells auf Webseiten verschwenden Energie, weil sie oft nicht genutzt werden. Auch die Planung von Lieferdiensten wie Gorillas beeinflusst die Umwelt und Nachbarschaften negativ. Das Playbook nutzt die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) als Grundlage.
Das Playbook ist ein offenes, kostenloses digitales Werkzeug, das Workshops und Methoden zur Integration von Nachhaltigkeit in den Designprozess bereitstellt. Es wird von einer globalen Community entwickelt, ohne kommerziellen Anspruch.
Janine Steeger, bekannt als Green Janine, ist Moderatorin, Speakerin und Autorin. Sie arbeitet seit 2015 im Bereich Nachhaltigkeit. Ihr Weg begann 2011 mit der Fukushima-Katastrophe und der Schwangerschaft. Sie kündigte ihre Fernseh-Tätigkeit und gründete ihre eigene Arbeit im Umweltbereich.
Sie betont, dass Digitalisierung ohne Nachhaltigkeit nicht möglich ist. Beispiele sind intelligente Verkehrssteuerung, gezielte Bewässerung in der Landwirtschaft und digitale Regale im Einzelhandel, die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Auch virtuelle Anproben in der Modeindustrie und On-Demand-Produktion senken Ressourcenverbrauch.
Der größte Hebel für Klimaneutralität liegt in der grünen Energieversorgung. Digitalisierung hilft, Stromnetze effizienter zu nutzen, etwa durch dynamische Laststeuerung bei Windkraftanlagen. Digitale Zwillinge von Offshore-Windrädern ermöglichen Fernwartung und reduzieren Wartungsaufwand.
Sie kritisiert Pauschalurteile gegen Digitalisierung. Stattdessen fordert sie eine differenzierte Betrachtung, die Chancen wie Ressourcenschonung und Effizienzsteigerung nutzt. Ihre neue Buchveröffentlichung thematisiert weibliche Stärken in der Transformation.
Dr. Hilke Posor ist Gründerin und Geschäftsführerin der Heldenrat GmbH, einer Unternehmensberatung mit Fokus auf digitale und nachhaltige Transformation. Sie verbindet wirtschaftliche Beratung mit sozialer Verantwortung.
Das Unternehmen begleitet Unternehmen bei der Integration von Nachhaltigkeit in Geschäftsprozesse. Ein Beispiel ist ein Beleuchtungsunternehmen, das nach Einführung einer Nachhaltigkeitsmanagerin erkannte, dass das Thema nur durch breite Unternehmenskultur umgesetzt werden kann.
Posor zeigt, wie digitale Prozesse nachhaltiger gestaltet werden können: durch Ökostrom im Rechenzentrum, schlankere Software, reduzierten Datenverbrauch und Wiederverwendung von Hardware. Auch soziale Aspekte wie Diversität in der Softwareentwicklung sind relevant.
Die Sustainable Development Goals (SDGs) dienen als Orientierungsrahmen. Beispiele sind ein digitaler Avatar für Gebärdensprache bei Böhringer Ingelheim oder die Nutzung eines Forschungslabors für maritime Daten von Boris Herrmann.
Heldenrat ist ein Social Business: Der Verein ist Gesellschafter der GmbH und erhält 5 % des Umsatzes. Er hat letztes Vetorecht und sichert soziale Projekte. Die Rechtsform des Unternehmens in Verantwortungseigentum wird als Zukunftsperspektive gesehen.
Nils Löwe und Friederike Löwe, Gründer der Lionizers GmbH, reflektieren gemeinsam das Jahr des Podcasts „Software for Future“. Sie besprechen, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander verknüpft sind.
Der Fokus liegt auf Energieverbrauch: Digitale Systeme verbrauchen Strom und Ressourcen. Solange Energie nicht aus 100 % grünen Quellen stammt, bleibt der ökologische Fußabdruck hoch. Beispiele sind Heizungssysteme mit 30 % Einsparung durch intelligente Thermostate oder Stahlproduktion mit grünem Wasserstoff.
Sie betonen, dass viele Unternehmen erst durch gesetzliche Reporting-Pflichten (ab 500 Mitarbeiter) mit CO2-Bilanzen beginnen. IT-Abteilungen sind oft der beste Startpunkt für nachhaltige Veränderungen, da sie Change-Prozesse kennen.
Ein zentrales Fazit ist: Erst durch Digitalisierung entstehen Daten. Erst dann kann man nachhaltig handeln. Tools wie SDGs (Sustainable Development Goals) werden als praktische Orientierungshilfe genutzt. Die Zukunft liegt in der Kombination von Technologie und ökologischem Bewusstsein.
Matthias Kühl von dezera entwickelt Software zur Optimierung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) in Fernwärmenetzen. Er hat Elektrotechnik studiert und sich auf Energietechnik spezialisiert. Vor seiner Selbstständigkeit arbeitete er an der HAW in der Forschungsgruppe C4DSI.
Das Ziel ist die Maximierung der Erlöse aus dem Stromverkauf durch intelligente Steuerung der KWK-Anlagen. Die Software analysiert den Strompreis an der Börse, den Wärmebedarf und die Verfügbarkeit von Speichern und Gaskesseln. Sie entscheidet, wann die KWK-Anlage läuft, um Strom bei hohen Preisen zu erzeugen und bei niedrigen Preisen auszuschalten.
Die Lösung nutzt Wärmebedarfsprognosen, Mindestlaufzeiten und andere technische Grenzen. Sie zeigt Kunden, dass ihre Annahmen über Betriebszeiten oft falsch sind. Die Digitalisierung ist ein Prozess, der mit Vertrauen und Datenarbeit beginnt.
Zukünftig sollen auch Großwärmepumpen in die Optimierung integriert werden. Ziel ist eine Strom-only-Gesellschaft ohne fossile Brennstoffe. Wasserstoff als Energiequelle wird als ineffizient angesehen. Die Software soll in bestehenden Heizzentralen eingesetzt werden, nicht in vermaschten Netzen.
Christopher Sweetser ist Business Development Manager bei Techbuyer. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Aufbereitung und Wiederverwendung von gebrauchter Server-Hardware. Es betreibt eine Kreislaufwirtschaft im Rechenzentrumsbereich.
Techbuyer kauft gebrauchte Server ein, bereitet sie auf, löscht Daten (DSGVO-konform) und verkauft sie wieder. Jeder Server enthält etwa zehn kritische Rohstoffe. Die Lebensdauer von Neuware liegt bei drei bis fünf Jahren, gebrauchte Server können über 20 Jahre genutzt werden.
Die Hauptherausforderung ist die Wahrnehmung: Viele Kunden glauben, gebrauchte Hardware sei weniger zuverlässig. Techbuyer weist mit Studien nach, dass gebrauchte Hardware nicht schlechter ist als Neuware. Energieeffizienz allein reicht nicht für Entscheidungen – auch Wartung, Migration und Kosten spielen eine Rolle.
Techbuyer arbeitet mit großen Herstellern zusammen, fördert nachhaltige Verpackung (bis 70 % recycelt) und setzt auf gemeinsame Lösungen mit Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Die eigene Software InteractDC unterstützt die Effizienz von Rechenzentren.
Christian Gericke ist Mitbegründer und Geschäftsführer von bitkasten, einem Nürnberger Softwareunternehmen. Das Unternehmen digitalisiert Briefkommunikation und Informationsaustausch für Unternehmen.
Der Bitkasten nutzt bestehende Druckdatenströme. Dokumente werden an die Postadresse gebunden, elektronisch zugestellt und über App oder Webinterface abgerufen. Kein Druck, kein Porto, nur sichere digitale Zustellung.
Gericke betont, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammengehören. Ein Brief verursacht etwa 20 Gramm CO2, eine E-Mail nur etwa 7 Gramm. Unternehmen sparen Kosten und CO2, ohne große IT-Projekte.
Der Fokus liegt auf praktischer Umsetzung: Keine Kundenportale, keine unnötigen Scans. Stattdessen zentrale, sichere Plattform für alle Dokumente. Zukunftsidee: Integration mit Online-Banking und automatische Zahlungen.
Lucas Corts ist Head of Business Development bei Smart Steel Technologies GmbH, einem Berliner Softwareunternehmen. Das Unternehmen entwickelt KI-gestützte Lösungen für Stahlhersteller wie ThyssenKrupp und Salzgitter. Ziel ist die Optimierung von Energieverbrauch, Produktqualität und Produktivität im Stahlprozess.
Die KI-Software analysiert komplexe Produktionsabläufe, insbesondere im Elektro-Lichtbogenofen. Sie optimiert die Schrotzzugabe, die Temperatursteuerung und die Stahlchemie. Dadurch können Energieeinsparungen und eine Reduktion von CO2-Emissionen erreicht werden – aktuell etwa 1,7 Tonnen CO2 pro Tonne Stahl.
Das Unternehmen arbeitet nicht mit Rohstoffen, sondern unterstützt Stahlwerke bei der Digitalisierung. Es ermöglicht CO2-Mapping und -Tracking, was für Zertifizierungen in der Automobilindustrie wichtig ist. Die Lösungen sind bereits in Betrieb und zeigen nachweisbare Einsparungen.
Die größten Herausforderungen sind der Aufbau des Teams und die Kommunikation komplexer Technologien ohne physischen Kontakt. Der Gründer hat einen mathematischen Hintergrund und kombiniert KI-Know-how mit tiefem metallurgischem Prozesswissen aus der Industrie.
Ulrich Garbrecht ist selbstständiger Energieberater mit Schwerpunkt auf der Analyse von Stromverbräuchen mittels Software. Er hat ursprünglich Energieaudits für große Handelsunternehmen durchgeführt.
Er entwickelte eine Software, die Stromverbräuche als Rasterdiagramme visualisiert. Ein Fall: ein Baumarkt hatte nachts über drei Jahre Strom verbraucht, weil ein Dämmerungsschalter defekt war. Das kostete 30.000 Euro jährlich.
Die Software analysiert vollständige Datensätze, nicht nur Stichproben. So werden Verbrauchsmuster sichtbar, die bei manueller Prüfung übersehen werden. Beispiele: Lüftungsanlagen laufen nachts, Beleuchtung läuft durchgehend.
Einsparpotenziale liegen bei durchschnittlich 4 % bei vielen Standorten. Maßnahmen sind oft einfach: Licht ausschalten, Lüftung anpassen. Keine Großinvestitionen wie LED-Tausch nötig.
Die größte Herausforderung ist die Ansprache von Entscheidern bei großen Unternehmen. Die Software nutzt Daten, die von Energieversorgern bei großen Abnehmern erfasst werden.
Sabine Auer und Christina Vogel von elena-international entwickeln eine Software-Plattform für Stadtwerke und Energieversorger. Beide haben technische und wirtschaftliche Hintergründe in der Energiewende. Auer ist Physikerin mit Schwerpunkt auf Stromnetzen, Vogel Wirtschaftsingenieurin mit Erfahrung im Transfer von Forschung in die Praxis.
Die Plattform bietet modulare Software-as-a-Service-Lösungen zur Planung von Quartiers- und Mieterstromsystemen. Sie integriert Daten zu Verbrauch, Erneuerbaren, Speichern und Elektromobilität. Kunden erhalten wirtschaftliche und technische Auswertungen ohne tiefes Fachwissen.
Besonders betont wird die Reduktion von Planungszeit und -kosten durch die Integration mehrerer Tools in einem System. Ein Beispiel ist die Berechnung von Solarpotenzialen auf Schuldächern in Hamburg mit 89 Megawattstunden Peak-Leistung. Die Software generiert Lastprofile und wirtschaftliche Szenarien.
Die größte Herausforderung ist die Entwicklung eines skalierbaren Produkts für heterogene Kunden. Dazu nutzen sie das Lean-Startup-Prinzip: Kundeninterviews vor der Entwicklung, Prototypen in PowerPoint, und Erprobung in Vorprojekten, um echten Mehrwert zu sichern.
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