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Birgit Ahlers und Alexandra Großkurth sind Strategic Partner Manager bei Google Deutschland. Beide arbeiten seit über vier Jahren im Geo for Environment Team, das sich mit Nachhaltigkeitsprojekten in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika beschäftigt.
Sie erläutern, wie Google durch Produkte wie Google Maps und den Environmental Insights Explorer Städten Umweltdaten zur Verfügung stellt. Dazu gehören Emissionsdaten aus Verkehrsflüssen, Solarpotenzial auf Dächern und Gebäudeemissionen.
Das Tool Airview misst Luftqualität in Städten wie Hamburg mit speziell ausgestatteten Streetview-Autos. Daten werden anonymisiert und aggregiert, um Datenschutz zu gewährleisten. Auch Baumbestände werden mit Satellitendaten analysiert.
Google arbeitet mit Partnern wie der HafenCity-Universität und Städten zusammen. Ziel ist es, lokale Klimaschutzmaßnahmen durch datengestützte Entscheidungen zu unterstützen, ohne personenbezogene Daten zu verwenden.
Nils Löwe spricht in dieser Solo-Episode über die Beziehung zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Er blickt zurück auf 105 Interviews aus dem Podcast „Software for Future“.
Er nennt Beispiele wie smarte Heizthermostate, die bis zu 30 % Energie sparen, und KI-gestützte Stahlrecycling-Prozesse, die Rohstoffe und Energie reduzieren.
Gleichzeitig weist er auf die Umweltkosten der IT-Infrastruktur hin: Server, Endgeräte und seltene Erden verursachen hohe Emissionen, vor allem bei kurzer Nutzungsdauer.
Die Lösung sieht er in einer Kombination aus erneuerbaren Energien, langer Nutzung von Hardware und datenbasierten Optimierungen.
Dr. Dina Barbian leitet das Institut für Nachhaltigkeit in Nürnberg. Sie hat seit den 1990er Jahren mit Nachhaltigkeit und Digitalisierung geforscht. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Ökologie, Ökonomie und Sozialem in der digitalen Wirtschaft.
Sie diskutiert, dass Globalisierung und Nachhaltigkeit im Widerspruch stehen. Materialproduktion wird durch planetare Grenzen teurer. Digitale Dienstleistungen wie Software können weiter globalisiert werden, aber nur mit nachhaltiger Hardware und effizienter Programmierung.
Nachhaltige Softwareentwicklung erfordert sparsamen Code, lange Hardwarenutzung und Recycling. Die Lebenszyklen von Geräten sind entscheidend. Kritische Rohstoffe wie Kobalt oder seltene Erden sind knapp und schwer recycelbar.
Sie plädiert für Standards wie den blauen Engel für Software und eine breitere Akzeptanz der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Unternehmen müssen Nachhaltigkeit in ihre Strategien integrieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Antoine Verger ist Gründer und CEO von Yook, einem Startup, das Online-Shop-Betreibern hilft, die CO2-Bilanz von Produkten zu berechnen und sichtbar zu machen. Er hat in Frankreich Mathematik und Informatik studiert und arbeitete bei Orange Telekom und später bei Otto in Deutschland. Dort war er in der Tochterfirma Liquid Labs tätig, wo er mehrere Startups aufbaute.
Yook berechnet die CO2-Bilanz von Produkten anhand von Material, Herstellung, Transport und Verpackung. Die Daten stammen aus den Lieferketten der Händler oder werden durch durchschnittliche Werte ergänzt. Die Genauigkeit der Berechnung wird transparent als „Accuracy Factor“ angezeigt. Der Fokus liegt auf der Transparenz, nicht auf der vollständigen Lebenszyklus-Berechnung, da Nutzung und Entsorgung zu ungenau sind.
Obwohl der B2C-Markt noch nicht stark von der Transparenz beeinflusst ist, zeigen sich erste Effekte bei der Kundenbindung. Der größere Einfluss liegt im B2B-Bereich, wo Unternehmen aufgrund neuer EU-Vorschriften (CSRD) ihre Emissionen aus Einkäufen berichten müssen. Yook hilft hier, fundierte Entscheidungen zwischen Produkten zu treffen, wo bisher keine Daten vorlagen.
Die größte Herausforderung ist die Akzeptanz der Marken, die Angst vor Klagen oder Greenwashing haben. Yook arbeitet mit klaren Methoden und Transparenz, um Vertrauen aufzubauen. Die Daten sind nicht perfekt, aber besser als nichts. Die langfristige Vision ist, dass Technologie die Sichtbarkeit von Emissionen in der Wirtschaft erhöht.
Samuel Waldeck ist einer der Gründer von Shift GmbH, einem Unternehmen, das das modulare Smartphone Shift Phone entwickelt. Das Unternehmen ist über Crowdfunding finanziert und verzichtet auf Investoren. Alle Gewinne fließen in soziale und ökologische Projekte.
Shift produziert in einer eigenen Manufaktur in Hangzhou, China. Die Fertigung ist auf faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Praktiken ausgerichtet. Die Produktion erfolgt dort, weil kurze Lieferwege und geschlossene Kreisläufe – wie Mehrwegverpackungen – ökologisch sinnvoller sind als eine Endmontage in Deutschland.
Das Shift Phone ist bewusst mit einem älteren Prozessor ausgestattet, um langfristige Software-Unterstützung zu ermöglichen. Die Geräte sind reparierbar und haben einen wechselbaren Akku. Trotz technischer Nachteile im Vergleich zu Flaggschiff-Modellen wird Wert auf Nachhaltigkeit, Transparenz und soziale Verantwortung gelegt.
Shift verfolgt kein Geschäftsmodell, das auf Gewinnmaximierung basiert. Stattdessen strebt das Unternehmen an, so viel Gutes wie möglich zu tun und Schaden zu minimieren. Das Unternehmen ist Teil der Purpose Economy und setzt sich für eine Wirtschaft ein, die auf Werten wie Vertrauen, Liebe und Gemeinwohl basiert.
Philipp von Bieberstein ist Co-Gründer von Climatiq, einem Berliner Startup. Das Unternehmen baut eine öffentlich zugängliche Datenbank für CO2-Emissionsfaktoren. Die Daten stammen aus öffentlichen Quellen wie Umweltbundesamt oder EPA.
Climatiq stellt APIs bereit, um Emissionsberechnungen automatisiert in Geschäftsprozesse zu integrieren. Beispiele sind die Auswahl zwischen Flug- oder Seetransport bei Kundenbestellungen oder die Optimierung von Cloud-Workloads nach Echtzeit-Strommix.
Die Datenbank ist Open Data. Nutzer können eigene Daten hinzufügen. Climatiq arbeitet mit einer britischen Universität zusammen. Ziel ist eine zentrale, verlässliche Quelle statt 20 bis 30 getrennten Datenquellen.
Die größte Herausforderung ist die Priorisierung: Was wird zuerst gebaut? Zudem ist die Datenqualität und -normalisierung schwierig. Auch die Integration in ERP-Systeme wie SAP erfordert viel Data Cleaning.
Prof. Dr. Christoph Meinel leitet das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und ist Initiator der Clean-IT-Initiative. Er hat den Energieverbrauch der Digitalisierung untersucht und festgestellt, dass dieser doppelt so hoch ist wie der des weltweiten Flugverkehrs.
Er betont, dass 13 der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele ohne digitale Technologien nicht erreichbar sind. KI-Modelle wie Deep Learning erfordern Energie, vergleichbar mit 300 Flügen zwischen New York und San Francisco.
Die Clean-IT-Initiative will Entwickler sensibilisieren, Energieeffizienz in Software zu integrieren. Dazu gehören Forschung zu binären neuronalen Netzen, die 90 Prozent weniger Energie verbrauchen, und die Entwicklung von Messmethoden für Energieverbrauch in Software.
Das Institut fördert die Themen durch OpenHPI, eine Plattform für digitale Aufklärung, und eine eigene Konferenz. Ziel ist es, Nachhaltigkeit als Standardkriterium in der Softwareentwicklung zu etablieren.
Christoph Teusch ist Nachhaltigkeitsmanager bei der AfB Group, einem Sozialunternehmen mit Sitz in Deutschland. Das Unternehmen beschäftigt 600 Menschen, davon 45 Prozent mit Schwerbehinderung. Es betreibt IT-Refurbishing und Recycling für öffentliche und private Unternehmen.
AfB nimmt jährlich etwa 450.000 gebrauchte IT-Geräte auf, löscht die Daten professionell und bereitet sie für einen zweiten Lebenszyklus auf. Geräte, die nicht wiederverwertbar sind, werden in Europa recycelt. Der Fokus liegt auf Business-Hardware wie ThinkPads, nicht auf Consumer-Geräte.
Das Unternehmen betont, dass aktuell keine „grüne IT“ existiert, da der größte Umweltaufwand bei Rohstoffabbau und Produktion entsteht. Durch längere Nutzungsdauer – etwa ein Jahr mehr – lassen sich CO2-Emissionen um bis zu 49 Prozent senken. Modularität von Geräten, wie im Forschungsprojekt Modest, könnte die Wiederverwendbarkeit verbessern.
AfB setzt auf Transparenz: Kunden erhalten Protokolle, Garantien bis zu drei Jahre und Wirkungsurkunden mit konkreten Zahlen zu eingesparten CO2-Emissionen, Ressourcen und sozialen Wirkungen. Die größte Herausforderung ist die Balance zwischen sozialer Inklusion, wirtschaftlichem Erfolg und Wettbewerb im Markt.
Dr. Jannic Horne ist Gründer und Mitbegründer von ImpactNexus, einem Startup an der TU Berlin. Das Team entwickelt eine Software, die Unternehmen bei der Messung und Verbesserung ihres Nachhaltigkeitspotenzials unterstützt.
Die Software nutzt ESG-Kriterien und Impact-Management-Prinzipien, um Wirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu bewerten. Sie analysiert Geschäftsmodelle, identifiziert relevante Stakeholder und zeigt Verbesserungspotenziale auf.
Mit NLP werden Forschungspapiere, News und Artikel ausgewertet, um Wissensdatenbanken zu füllen. Diese dienen zur automatisierten Generierung von konkreten Verbesserungsvorschlägen für Unternehmen.
Ein Beispiel zeigt, dass ein afrikanisches Startup zur Blutspende-App die Bedeutung von Spendern als Stakeholder erst durch die Analyse erkannte. Die Software dient als digitaler Berater, der Wirkungsforschung und Entscheidungsfindung strukturiert unterstützt.
Alma Spribille ist Gründerin und Geschäftsführerin von WEtell, einem Mobilfunkanbieter mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Das Unternehmen arbeitet klimaneutral, speichert wenig Nutzerdaten und löscht sie schnell. Verträge sind monatlich kündbar.
WEtell setzt auf Transparenz: keine Langzeitverträge, faire Preise für alle, kein Datenverkauf. Der Kundenservice ist in Freiburg ansässig. Das Unternehmen ist bei der GLS Bank, einer nachhaltigen Bank, angesiedelt.
Klimaschutz erfolgt durch CO2-Kompensation in Pflanzenkohleprojekten und Solaranlagenbau. 60 Prozent der Mobilfunkemissionen entstehen durch Netznutzung, 40 Prozent durch Smartphone-Herstellung und Laden. Die Nutzungsdauer von Geräten ist entscheidend für Nachhaltigkeit.
Kürzere Verträge fördern Flexibilität und vermeiden übermäßigen Konsum. WEtell aktualisiert Tarife für Bestandskunden kostenneutral. Die größte Herausforderung ist der Break-Even bei 15.000 Kund:innen, aktuell sind es etwa 6.500.
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