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Lisa Glass und Christoph Haß von PwC sind für die Initiative 'Next Level' in Norddeutschland verantwortlich. Sie betreuen junge Unternehmen, insbesondere im Bereich digitale Transformation und Startups.
Sie haben das Programm 'Scale' initiiert, das Startups über mehrere Monate mit Mentoring, Masterclasses und Zugang zu PwC-Netzwerken unterstützt. Ziel ist die Skalierung von Unternehmen.
Aufgrund der Corona-Krise mussten sie das Programm auf eine digitale Form umstellen. Sie nutzten Tools wie Jamboards und Zoom, um Workshops und Networking digital zu ermöglichen. Die Veranstaltungen wurden in kleinere Sessions aufgeteilt.
Sie betonen, dass die digitale Infrastruktur von PwC und die agilen Arbeitsweisen der Startups entscheidend für den schnellen Wechsel waren. Die digitale Transformation bietet auch Chancen für mittelständische Unternehmen.
Aaron Sterniczky, Politikwissenschaftler und Mitglied des Green Economics Institute in Oxford, spricht mit Nils Löwe über die Rolle der Digitalisierung bei der Bewältigung der Klimakrise. Sein Hintergrund liegt in der Analyse von Technologie, Ökonomie und Ökologie im Kontext historischer industrieller Revolutionen.
Er untersucht, wie die vier industriellen Revolutionen durch jeweils neue Primärenergieträger (Kohle, Erdöl, Nuklearenergie, erneuerbare Energien) geprägt wurden. Dabei zeigt er, dass jede Revolution neue Infrastrukturen für Mobilität, Kommunikation und Energie schuf, die Gesellschaften veränderten – von der Urbanisierung über die Globalisierung bis zur digitalen Vernetzung.
Sterniczky argumentiert, dass die vierte industrielle Revolution – basierend auf erneuerbaren Energien und bidirektionalen Netzwerken – nicht nur technologisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch neu gestaltet werden muss. Er betont, dass die Klimakrise nicht durch Technologie allein gelöst wird, sondern durch eine kollektive, demokratische Transformation, die Ökologie, Ökonomie und Technologie verbindet.
Er sieht Hoffnung in der wachsenden gesellschaftlichen Bewegung, wie sie sich in Klimademonstrationen weltweit zeigt. Die Dynamik der Bewegung hat sich in den letzten Jahren dramatisch beschleunigt. Die entscheidende Frage ist nicht, ob die Transformation stattfindet, sondern wie sie demokratisch und gerecht gestaltet wird, um soziale Verwerfungen zu vermeiden.
Aaron Sterniczky ist Studiengangsleiter für zwei MBA-Studiengänge an der E-Learning Group in Wien. Er ist promovierter Politikwissenschaftler mit Fokus auf Freiheit im 21. Jahrhundert. Sein Hintergrund verbindet Sozialwissenschaften mit digitaler Transformation.
Digitalisierung beschreibt er nicht als technisches Phänomen, sondern als kontinuierlichen Prozess des Wandels. Er betont, dass sie nie abgeschlossen ist und ständig durch technische, ökonomische und gesellschaftliche Kräfte beeinflusst wird. Die Digitalisierung ermöglicht neue Formen der Wissensspeicherung, -teilung und -löschung.
Ein zentrales Thema ist die Ungleichzeitigkeit zwischen technologischem Fortschritt und demokratischen Prozessen. Technologie entwickelt sich schneller als Gesetze und politische Entscheidungen. Dies führt zu Herausforderungen, da Demokratie Zeit braucht, während Technologie sich rasch verändert.
Er vergleicht die Digitalisierung mit früheren industriellen Revolutionen. Die Moderne ist durch einen ständigen Veränderungsprozess geprägt. Neue Technologien wie additive Fertigung verändern grundlegende ökonomische Modelle, wie den Produktlebenszyklus, und ermöglichen individuelle Massenproduktion.
Heiko Müller ist Team- und Accountmanager bei der HEC GmbH in Bremen. Er verantwortet mehrere Teams und hat über 25 Jahre Erfahrung in der Digitalisierungsberatung und Softwareentwicklung. Sein Unternehmen beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter und entwickelt individuelle Softwarelösungen für mittelständische Unternehmen.
Die Diskussion dreht sich um die Bedeutung von Digitalisierung, die sich nicht neu erfinden, sondern Prozesse digital strukturieren soll. Müller kritisiert den Einsatz von Standardsoftware, die Prozesse anpasst, statt umgekehrt. Er nennt dies „Softwaresozialismus“. Stattdessen setzt er auf individuelle Lösungen, die auf spezifischen Unternehmensabläufen basieren.
Müller betont, dass Innovation nicht immer disruptive sein muss. Nach Schumpeter ist jede neue, wirtschaftlich sinnvolle Software eine Innovation. Erfolgreiche Software entsteht durch enge Zusammenarbeit mit Anwendern, durch agile Entwicklung und durch technische Grundlagen wie automatisiertes Testen. Die Erwartungshaltung der Nutzer ist heute höher als vor 25 Jahren.
Für Softwareentwickler bedeutet dies, nicht nur technisch kompetent zu sein, sondern auch neugierig auf Anwendungsfelder wie Logistik zu sein. Praxiserfahrung, wie Betriebsbesichtigungen oder Schulterblicke, sind entscheidend. Lernen ist lebenslang – durch Netzwerke, Podcasts und aktive Teilnahme an Branchenverbänden wie der BVL.
Jens Bahnsen ist Projektleiter Digitalisierung bei der Buhck Gruppe, einem norddeutschen Familienunternehmen mit 31 Einzelunternehmen. Das Unternehmen betreibt Abfallentsorgung, Rohr- und Kanalreinigung sowie Beratungsdienstleistungen.
Bahnsen beschreibt drei Schwerpunkte der Digitalisierung: Optimierung interner Prozesse, Verbesserung des Kundenerlebnisses über digitale Services wie eine Bestell-App und ein Kundenportal, sowie die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle wie die Plattform Gewado für Abfalldokumentation.
Er betont, dass Digitalisierung nicht zur Arbeitsplatzvernichtung führt, sondern Freiräume schafft. Die Mitarbeiter sollen durch Automatisierung von Routineaufgaben mehr Zeit für persönliche Kundenkontakte erhalten.
Ein zentrales Thema ist das Zusammenarbeiten mit Wettbewerbern. Die Branche öffnet sich zunehmend, um gemeinsam Innovationen voranzutreiben und sich globalen Konkurrenten zu stellen.
Silke Stoewing ist selbstständige Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt auf Produktivität und Büroorganisation. Sie hat 35 Jahre im Büro gearbeitet, darunter als Assistentin der Geschäftsführung. Ihr Ansatz basiert auf dem MZM-Baukasten, einem werteorientierten, mitarbeiterzentrierten System.
Sie betont: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Ihr Fokus liegt auf Menschen, Prozessen und Kultur. Ein Beispiel ist die Einführung eines Unternehmens-Wikis bei einem pharmazeutischen Unternehmen, das 100 neue Außendienstmitarbeiter schulte.
Die Einführung digitaler Werkzeuge gelingt nur mit Kulturwandel. Stoewing nutzt Werteabfragen, um gemeinsame Leitsätze zu entwickeln. Dieser Prozess schafft Verständnis und motiviert Mitarbeiter. Sie beobachtet: Wenn Werte nicht übereinstimmen, zeigt sich das in Fluktuation oder Krankmeldungen.
Ihr größter aktueller Herausforderung ist die Einführung einer Mitarbeiter-App in einem Handwerksbetrieb. Ein älterer Mitarbeiter lehnt sie ab, weil er keine Information erhalten hat. Die Kommunikation fehlt, was Widerstand auslöst.
Nils spricht mit Philipp Ellerbrock vom Milchhof Ellerbrock in der Nähe von Lübeck. Er ist Landwirt und hat seinen Kuhstall mit einfachen digitalen Technologien ausgestattet.
Zentrale Technologien sind eine Wärmebildkamera im Stall, ein Schwanzsensor zur Erfassung der Bewegung und ein Magensensor, der Temperatur und Bewegung über Jahre misst. Diese Daten werden in einer App zusammengeführt.
Die Systeme erkennen frühzeitig Krankheiten, Kalbungsphasen und Veränderungen im Trinkverhalten. Ein Beispiel: Wenn die Körpertemperatur einer trächtigen Kuh sinkt, ist das ein Hinweis auf die Kalbung. Bei Abweichungen im Trinkverhalten oder Bewegungsmuster schlägt die App Alarm.
Der Nutzen liegt in der Vermeidung von Antibiotikaeinsatz. Eine Krankheit, die zu spät erkannt wird, führt zu fünf Tagen Milchverlust und zehn Tagen Nachweiszeit. Das System amortisiert sich, wenn nur eine Kuh früh erkannt wird.
Nils Löwe und Friederike Löwe sprechen ohne Gast. Es ist der Weihnachtsgruß des Podcasts Software for Future für das Jahr 2019.
Sie danken dem Team: Mohammed für die Schnittarbeit, Juliane für Texte, Maria für organisatorische Unterstützung, Rike für die Illustrationen und andere unbekannte Helfer.
Die beiden bedanken sich bei den Hörerinnen und Hörern für das Zuhören, die E-Mails und Kommentare. Sie betonen, dass das Feedback den Podcast sinnvoll macht.
Sie kündigen eine Veränderung im Jahr 2020 an: Der Fokus verschiebt sich von der Definition von Digitalisierung hin zu Digitalisierung und Innovation. Es folgen neue Gespräche und ein akustisches Upgrade mit neuer Musik.
Henning Vöpel ist Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Professor für Volkswirtschaftslehre an der HSBA. Das HWWI analysiert globale Wirtschaftstrends und deren Auswirkungen auf Norddeutschland.
Er erklärt, dass Digitalisierung keine Technologie allein ist, sondern eine Vernetzung von Menschen, Maschinen und Gebäuden durch massenhaften, realzeitfähigen Datenaustausch. Diese Veränderung beeinflusst Kommunikation, Kultur und Wirtschaft grundlegend.
Vöpel kritisiert, dass Entscheidungsträger die digitale Transformation unterschätzen. Er nennt drei konkrete Fragen für Unternehmen: Welche Daseinsberechtigung hat mein Angebot morgen? Wie nutze ich Daten als Ressource? Welche Kooperationen brauche ich? Diese Fragen sollen systematisch beantwortet werden.
Er betont, dass digitale Transformation nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch strukturelle Veränderungen in Bildung, Infrastruktur und Kooperationskultur gelingt. Projekte wie Hammer Brooklyn sollen diese Transformation durch kollaborative Räume unterstützen.
Mark Hebbel ist Head of Software Solutions bei der Basler AG in Ahrensburg. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für industrielle digitale Kameras und verkaufte 2017 etwa 500.000 Geräte. Hebbel verantwortet eine interne Abteilung, die mit Startups neue Softwarelösungen für Kameras entwickelt.
Die Kameras werden nicht mehr nur als Werkzeug zur Defekterkennung eingesetzt, sondern als Teil intelligenter Systeme. Beispiele sind Skelett-Tracking für Altenpflege, Emotionserkennung im Einzelhandel oder automatisierte Lieferketten im Industrial IoT.
Basler kooperiert mit Startups, um innovative Software zu integrieren. Die Kunden erhalten nicht nur Hardware, sondern Beratung und Lösungen, die die Wertschöpfungskette optimieren. Die größte Herausforderung ist Change Management, besonders in traditionellen Industriebranchen.
Die Digitalisierung verändert die Branche: Kameras sind heute Teil von Cloud- und Edge-Systemen. Die Technologie aus Smartphones ermöglicht kostengünstigere Lösungen für neue Märkte wie Retail oder Smart Cities.
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