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Aus der Kategorie „Was man schon immer wissen wollte“ kommt heute ein Thema in die digitale Bodenprofilgrube geflattert, das uns lange beschäftigen wird. Wir reden über forschenden Voyeurismus gegenüber Badischen Riesenregenwürmern und ihre nächtlichen Aktivitäten…
Vorgespräch
Genau wie der Badische Riesenregenwurm sind wir fremdgegangen! Der Podcast Das verborgene Wasser – Grundwasserforschung in Deutschland (LURCH) stammt aus unserer Feder, ist aber eine Auftragsproduktion und befasst sich mit spannenden Perspektiven zum Grundwasser. Hört gerne mal rein!
Thema: Der Truman Wurm
In der Studie von Butt et al. (2026) geht es um das nächtliche Bewegungsmuster von Lumbricus badensis, dem Badischen Riesenregenwurm. Dieser ist eine neoendemische Art des südlichen Schwarzwalds und kommt nur dort auf basenarmen Braunerden, vor allem in hohen Lagen, vor, wie beispielsweise bei Kutschera und Elliott (2010) zu lesen ist.. Neben seiner imposanten Größe verändert er die Bodeneigenschaften in seinem Habitat merklich: Als eine epi-anezische Art, vereint er Verhaltenweisen von grabenden (anezischen) und auf der Oberfläche wohnenden (epigäischen) Würmern. Seine Wohnröhren können bis zu 2,5 - 4 m tief werden, er geht aber vor allem nachts an der Oberfläche auf Nahrungssuche. Dabei sorgt er durch die Verarbeitung von Boden- und Streumaterial für eine Verbesserung der Bodenstruktur und ist ein wichtiger Bestandteil des Stoffumsatzes. Eine Studie von Lamparski und Kobel-Lamparski (1988) gibt gar an, dass ca. 2% des humosen Oberbodens jährlich aufgenommen werden, rechnerisch also allein durch L. badensis in 50 Jahren ein Standort komplett den Wurm passiert.
Butt et al. untersuchen nun mit Nachtsichtkameras das Verhalten auf einer Untersuchungsfläche. Die mehr als 300 Stunden Videomaterial zeigen, dass die Würmer vor allem ab Mitternacht am aktivsten waren. Die insgesamt sechs Nächte zeigen in der Gesamtaktivität durchaus unterschiedliche Muster, allen gemein ist jedoch eine ähnliche Verteilung der Aktivitäten: Der Großteil (ca. 60% der Zeit) entfiel auf unterirdische Aktivität, gefolgt von Nahrungssuche (34% der Zeit). Nur ein einziger Wurm wurde wandernd beobachtet, hier ist nicht klar, ob ein zeitgleicher Regenguss zu einer Überflutung der Wohnröhre führte, was den Wurm an die Oberfläche getrieben hätte. In vier Nächten konnten sogar Paarungen beobachtet werden, die – wurmtypisch – länger als eine Stunde andauerten.
Die Studie zeigt somit einen interessanten Schnappschuss aus dem Leben eines besonderen Wurms, der auch aufgrund seiner speziellen Standortansprüche und seines kleinen Verbreitungsgebietes besonders durch den Klimawandel bedroht ist, wie beispielsweise die LUBW (2008) bereits festgestellt hat.
Karl-Heinz ist Rentner und ehrenamtlicher Ackercoach beim
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- [Soilcast in den sozialen Medien](https://linktr.ee/soilcast)
Thema: Unruhestand beim Acker e.V.
Es ist ein Donnerstagnachmittag im Leipziger Stadtteil
Mittendrin ist Karl-Heinz. Der Rentner engagiert sich
Außerdem erzählt Jan von Acker e. V., wie aus der Idee, den
Eine Reportage über ehrenamtliches Engagement, praktische
Weiterführende Links
Heute geht es um den Einfluss von Stroh auf den
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Thema: Stroh.
In der [Studie von Seitz et al. (2026)](https://doi.org/10.1007/s11104-026-08871-3)
Ein Lichtblick in diesem Kontext
Manchmal braucht Bodenforschung einen Sturm auf
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Thema: Vom Winde verweht
Christoph und Lea nehmen euch mit in die Steppe Nordkasachstans
Ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wollte es
Das Ergebnis überrascht: Die frisch umgebrochene Steppe hält
Kathrin und Christoph gehen dem Begriff der Bodengesundheit auf den Grund und nehmen dabei ein aktuelles Paper genauer unter die Lupe, welches das Konzept mithilfe der menschlichen Gesundheit versucht zu erklären.
Vorgespräch:
Christoph war am zurückliegenden Wochenende bei der Stiftung Kunst und Natur in Nantesbuch beim alljährlichen Soil Summit eingeladen. Bei dieser Gelegenheit hat er den französischen Journalisten Pierre Girard getroffen. Dessen Filmreihe Roots ist zum Beispiel auf YouTube zu finden und sehr zu empfehlen!
Thema: Wenn der Boden zum Arzt muss - Parallelen zwischen Bodengesundheit und menschlicher Gesundheit
Im Paper der Woche dreht sich diesmal alles um die spannende Frage: Was haben Bodengesundheit und menschliche Gesundheit eigentlich gemeinsam? Das Paper ist 2024 in Frontiers in Soil Science erschienen und dank Open Access für alle frei zugänglich.
Ihr wollt noch tiefer in das Thema Bodengesundheit einsteigen? Auf der Website des Soil Health Labs findet ihr zahlreiche frei zugängliche Ressourcen – darunter anschauliche Leitfäden zur Probenahme und zur Untersuchung verschiedener Parameter der Bodengesundheit. Auch das Bewertungsschema für Bodengesundheit der Cornell University (CASH) könnt ihr euch dort genauer anschauen.
Baijiu wird seit Jahrtausenden in China gebraut - jedoch nicht in Holzfässern, sondern in Bodengruben! Max erzählt uns heute, wie moderne Wissenschaft auf alte Tradition trifft, und ob man tatsächlich die Region anhand des Geschmacks erkennen kann.
Thema: Baijiu – Die Spirituose aus der Schlammgrube
Die Braukunst von Baiju ist ein Faszinierendes Thema. Baiju wird traditionell in China in sogenannten „Mud Pits“ (grob übersetzt als „Schlammgruben“) gebraut. Dies ist jedoch keinerseits eine schmutzige Angelegenheit. Ganz im Gegenteil: Forschung im letzten Jahrzehnt formt einen Zusammenschluss von antiker Tradition und moderner Biochemie.
Normalerweise werden Spirituosen für ihre Reinheit gepriesen, ein sauber destillierter Vodka, Gin, oder Schnaps zeichnet sich durch ein simples Geschmackprofil aus. Dieses ist meistens geprägt von purem Ethanol und einer Aromagrundlage wie die Art des Getreides oder zugesetzten Früchten/Kräutern während der Destillation. Baijiu unterscheidet sich hiervon durch ein sehr reiches und komplexes Geschmacksprofil. Dies kann für einen westlichen Gaumen manchmal überwältigend sein, wird in China aber sehr geschätzt. Mehrere Regionen in China haben sich über tausend Jahre in Baijiu Produktion spezialisiert. Ein echter Kenner weiß zwei Dinge: Eine ältere Bodengrube bringe besseren Baijiu hervor. Und jede Brauregion hat einen ganz eigenen Geschmack.
Beim Soilcast sind wir natürlich interessiert darin, wie der Boden denn den Geschmack von Baijiu beeinflusst. Folge 210 bietet einen allgemeinen Überblick über den Brauprozess, die Auswahl von Bodenart, die Kultivation von einzigartigen Mikrobiom in den Schlammwänden und den flüchtigen Aromastoffen, welche diese Populationen produzieren.
Wie so eine Brauhalle mit Braugruben aussieht seht ihr auf diesem Foto
Eine perfekte Zusammenfassung über den Brauprozess von Baijiu und der Forschung zum Grubenschlamm lässt sich online auch nochmal ansehen auf Youtube: Good baijiu starts with an old fermentation pit.
Zum Weitern nachlesen für den neugieren Hörer finden sich hier auch noch die wichtigsten Quellen zu dieser Folge:
The brewing process and microbial diversity of strong flavour Chinese spirits: a review (2017) – bietet einen allgemeinen Überblick über den Brauprozess und die mikrobielle Vielfalt bei der Herstellung von Baijiu.
Comparative characterization and contribution of key aroma compounds in the typical base liquor of Jiang-flavor Baijiu from different distributions in the Chinese Chishui River basin (2023) – geht ins Detail zu den verschiedenen flüchtigen Aromastoffen und dem Einfluss unterschiedlicher Regionen auf das Geschmacksprofil. Außerdem hat es die schönsten Grafiken.
Unraveling the regional environmental ecology dominated baijiu fermentation microbial community succession and associated unique flavor (2024) – behandelt die Sukzession der mikrobiellen Gemeinschaften in den Bodengruben.
Quality Control Strategies for Pit Mud Based on the Synergistic Effects of Flavor, Microorganisms and Physicochemical Factors (2025) – erläutert noch einmal genauer den Einfluss von Bodeneigenschaften auf die Qualität von Baijiu und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Baijiu-Forschung.
Trinkt bitte mit Verantwortung!
Kann man einen Boden untersuchen, ohne eine Bodenprobe ins Labor zu schicken? Laura erklärt: zum Teil ja, man muss nur schauen welche natürlichen Pflanzen dort wachsen. Als Indikatoren für die Standortverhältnisse dienen in dem Fall die Ellenberg-Zeigerwerte.
Hausmeisterei
Der Soilcast sucht Bodenmikrofon-Paten und -Patinnen!
Um den Bodenmikrofonverleih auch 2027 durchführen zu können, brauchen wir Menschen, die uns bei der Anschaffung der Bodenmikrofon-Sets unterstützen. Bitte meldet euch, wenn ihr Lust habt, den Verleih und auch die Gestaltung der Soundmap ab 2027 möglich zu machen. Das Ganze geht mit einem niedrigen dreistelligen Betrag und ganz viel Freude an Wissenschaftskommunikation!
Wir freuen uns auch über hinweise auf Firmen, Stiftungen, Vereine etc., die für solch eine Patenschaft in Frage kommen!
Mail: [email protected]
Vorgespräch
Im Film King’s Land aus dem Jahr 2023 geht es neben Drama, Liebe und Konflikten tatsächlich um Bodenkunde! Dieser Film sei allen empfohlen, die auf drama und Dänemark und bodenkunde stehen!
Thema: Was wächst, verrät den Boden?!
Um die Eigenschaften eines Bodens zu bewerten muss man nicht sofort graben, sondern kann sich erst einmal an der Oberfläche umschauen. Welche natürlichen Pflanzen im Freiland wachsen, liefern Hinweise für die Standortverhältnisse. Diese sogenannten Zeigerpflanzen können für die effektive Bodenbewertung genutzt werden. Die Ansprüche von Pflanzen an ihre Umwelt- und Bodeneigenschaften sind über die empirischen Kenngrößen, der Zeigerwerte nach Ellenberg, seit 1974 definiert. Sie ordnen Pflanzen bestimmte Umweltbedingungen zu, liegen auf einer Skala von 1 bis 9 und basieren auf Beobachtungen in der Natur.
Wie gut diese aber funktionieren und ob sie mit Messungen von Bodeneigenschaften im Labor übereinstimmen, untersuchte die vorgestellte Studie Reliability of Ellenberg indicator values for moisture, nitrogen and soil reaction: a comparison with field measurements.
Tipp von Christoph: Die App Flora Incognita
Der Bodenmikrofonverleih soll auch 2027 weiterlaufen. Könnt ihr uns dabei unterstützen? Meldet euch per Mail an [email protected]!
Manchmal beginnt preisgekrönte Wissenschaft mit einer verrückten Idee – und einem Spaten. Christoph und Lea gehen der Frage nach, was vergrabene Unterhosen über unseren Boden verraten.
Thema: Tatort Unterhose – Lizenz zum Graben
1000 Schweizer:innen, 2000 Unterhosen, 12.000 Teebeutel – und ein Ig-Nobelpreis am Ende: Christoph und Lea widmen sich einer Schweizer Citizen Science Website des Projektes Beweisstück Unterhose](https://soilproof.org/beweisstuck-unterhose/)) Studie Bender et al. Aus dem Jahr 2026](https://doi.org/10.1002/ppp3.70259)), die Bodengesundheit auf ungewöhnliche Weise misst. Statt komplizierter Laboranalysen wird einfach eine Baumwollunterhose vergraben – je schneller sie verrottet, desto aktiver der Boden. Was zunächst wie ein Scherz klingt, entpuppt sich als überraschend aussagekräftiges Mass für Bodenfruchtbarkeit, mit dem sich Gärten, Äcker, Wiesen und Rasenflächen direkt vergleichen lassen. Die beiden schauen sich an, wie belastbar die Ergebnisse wirklich sind, was das für den eigenen Garten bedeutet, und wie die etablierte Vorläufermethode Tea Bag Index Website der Tea Bag Index](https://www.teatime4science.org)) dabei half, die Zahlen einzuordnen. Zur Feier des Tages gibt's außerdem einen YouTube-Ausschnitt (YouTube-Video des Ig-Nobelpreises) [https://www.youtube.com/watch?v=I4l-zFWZCS0] von der 36. Ig-Nobelpreis-Verleihung, bei der die Studie in diesem Jahr ausgezeichnet wurde.
Warum riecht Vogelsand süßlich – und warum kann ein Sandweg ähnlich duften? Christoph spricht mit Laura über Anisöl, technische Geruchstricks und die Chemie des Bodengeruchs: Geosmin, MIB, Petrichor und flüchtige Stoffe aus gestörten Böden, Porenluft und Mikroben.
Hausmeisterei
Auf Bluesky ist mittlerweile ein Bot zu finden, der euh automatisch über neue Folgen informiert: https://bsky.app/profile/soilcast.sueden.social.ap.brid.gy
Thema: Eau de Soil
Warum riecht Vogelsand manchmal süßlich – und warum kann eine wassergebundene Wegedecke ähnlich nach Erde, Regen oder Kindheit duften? In dieser Folge sprechen Christoph und Laura über Geruchstricks, Bodengeruch und die Frage, was unsere Nase eigentlich wahrnimmt.
Beim Vogelsand ist die Spur ziemlich konkret: Viele Produkte enthalten ausdrücklich Duftzusätze wie Anisöl. Keine Werbung, nur Produktbeispiele: Dein Bestes Vogelsand mit Muschelgrit & Anisöl und ZooRoyal Vogelsand mit Muschelgrit & Anisöl zeigen schon in Name bzw. Zusammensetzung, dass hier nicht nur Sand im Spiel ist.
Technisch kann man Gerüche aber nicht nur überdecken, sondern auch binden oder abbauen. Dazu passen etwa Zeolithe als Geruchs- und Ammoniakbinder in Tierstreu und anderen Anwendungen, beschrieben in Mumpton (1999): La roca magica, sowie Studien zur Entfernung von Geosmin und MIB durch Sandfilter/Bioreaktoren oder Aktivkohle-Filter.
Das Hauptpaper der Folge ist Busby et al. (2023): Characterising earth scent. Die Studie schaut sich zwei zentrale flüchtige organische Verbindungen des Bodengeruchs an: Geosmin und 2-Methylisoborneol, kurz MIB – und fragt, wann Böden besonders viel davon freisetzen.
Dabei geht es unter anderem um Bodenstörung, Bodentextur, Bodenbedeckung und Regen. Spannend für unsere Hörerinnenfrage: Die Studie untersucht nicht nur „Boden riecht“, sondern was passiert, wenn Boden bewegt, befeuchtet oder durch unterschiedliche Substrate geprägt wird.
Als Hintergrund nutzen wir Insam & Seewald (2010): Volatile organic compounds (VOCs) in soils. Das Review ordnet ein, warum Böden Quellen und Senken flüchtiger organischer Verbindungen sein können – und warum Bodengeruch auch etwas über Mikroben, Feuchte, Poren und organische Substanz verraten kann.
Außerdem verweisen wir auf Garbeva et al. (2023): Volatile sensation. Dort geht es um Geosmin als erdigen Geruchsstoff – aber auch darum, dass solche Gerüche für andere Organismen Signale sein können: Lockstoff, Warnsignal oder Hinweis auf Wasser, Nahrung und Mikroben.
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