Stufen.aufs.Ohr

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Stufen.aufs.Ohr episodes

  • Alles Eure in Liebe geschehe

    „Dass du beides vermagst, kämpfen und geschehen lassen.“ So singt Frieder Gutscher in seinem Lied „Dona nobis pacem“. Damit schließen wir unsere Männerwochenenden bei Stufen des Lebens für Männer. Wir lassen uns segnen und singen einander zu: „Sei gesegnet du und die Menschen, die zu dir gehören“. Wir bilden einen Kreis. Wir legen unsere Arme  auf die Schultern des Nachbarn. Wir verbinden uns untereinander und wir verbinden uns mit Gott. Wir öffnen uns für unseren Vater im Himmel im Namen Jesu.

    Wer sich segnen lässt, kann Segen an andere weitergeben. Die erste Frage heißt nicht: Bist du ein Segen? Sondern: Lässt du dich segnen? Am Ende unserer Männerwochenenden lassen wir uns persönlich segnen. Auch wer die anderen segnet, lässt sich von einem anderen segnen. Weil wir alle den Segen brauchen. Segne uns, o Herr, und lass uns ein Segen sein für andere.

    Geschehen lassen ist ebenso wichtig wie kämpfen. Und jedes hat seinen Platz. Wer nur kämpft, verkämpft sich leicht. Wer nur geschehen lässt, lässt sich bedienen, macht es sich einfach. Manchmal ist Kämpfen dran. Aber manches Mal macht es keinen Sinn weiter zu kämpfen.

    Geschehen lassen – Da höre ich die dritte Bitte des Vaterunsers: „Dein Wille geschehe“. Vor meinem aktiven Engagement steht das Schweigen und Hören. Was will Gott? Was will er, dass ich tun oder lassen soll. Darum beginne ich den Tag mit Luthers Morgensegen und den Worten: „Das walte Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen“. Und ich danke Gott für die Bewahrung in der Nacht und bitte ihn um Bewahrung vor dem Bösen an diesem neuen Tag.

    In diesem Jahr ist uns als Losung ein Wort aus dem Schlussteil des 1. Korintherbriefs von Paulus mitgegeben worden. Das wurde bereits vor sechs Wochen bei Stufen aufs Ohr eingebracht. Da steht im griechischen Urtext: „Panta hymoon en Agapä ginesthoo“. Wortwörtlich übersetzt: „Alles Eure in Liebe geschehe“.

    Bei der Liebe ist es wie mit dem Segen. Zuerst steht nicht der Imperativ: „Liebe!“, sondern die passive, empfangende Aufforderung: „Lass dich lieben!“ Daraus folgt dann: „Alles Eure in Liebe geschehe.“ Bleib im Fluss der Liebe Gottes. Lass dich von der Liebe Gottes ergreifen und lass sie durch dich strömen. Komm in den Flow seiner Liebe. Sei ein Moment im Movement der Liebe Gottes. Die trägt dich und stärkt dich und befähigt dich zu lieben.

    Schalom, sei gesgnet und bleibe in der Liebe Gottes

    Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

    3 min
  • Die Paulusbriefe

    Mein letzter Beitrag hat sich mit der Jahreslosung beschäftigt. Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Ein Ausschnitt aus dem Korintherbrief. Immer wieder geht es in diesem Brief um den liebevollen Umgang miteinander. Auch schreibt Paulus: Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte aber von diesen ist die Liebe.

    Und dann waren in meinem Bibelleseplan die letzten Wochen andere Paulusbriefe dran.

    Herausfordernde Texte mit Anforderungen an leitende Positionen, bei denen ich mich frage, wer dem gerecht werden soll. Aufforderungen sich von bestimmten Personengruppen fernzuhalten oder mit diesen streng umzugehen. Verhaltensregeln, die mir unsachgemäß, unzeitgemäß und nicht liebevoll vorkommen. (Briefe an Titus und Timotheus)

    Damit habe ich Schwierigkeiten.

    Ich glaube, dass die Bibel zurecht in der Form zusammengestellt ist, wie wir sie heute haben und will die Textpassagen, die mir quer kommen nicht einfach ignorieren.

    Aber ich nehme mir die Freiheit zu fragen, wie viel Menschliches in diesen Paulus-Briefen steckt. Paulus lebte in einer bestimmten Zeit, mit gesellschaftlichen Regeln, mit einem kulturellen Hintergrund und einem für diese Zeit verfügbaren wissenschaftlichen Stand.

    Dazu kommen persönliche Umstände. Können wir uns vorstellen, was in Paulus vorgeht, der Gemeinden gegründet hat und nun mitbekommt, wie diese Gemeinden von falschen Lehren oder schlechten Führern gefährdet werden? Und er kann eben nicht einfach mal schnell vorbeikommen, häufig weil er selbst inhaftiert ist. Ständig ist Paulus Leben durch die Reisen und weil er anderen lästig ist, bedroht. Es ist doch erstaunlich, wie er es überhaupt schafft, nicht permanent zu klagen oder die Hoffnung zu verlieren. Hier kann ich nur ahnen, wie mächtig der Geist Gottes in ihm gewesen sein muss.

    Wir Menschen können nur begrenzt aus unserer Haut. Es gibt ein berühmtes Zitat von Walt Disney: Wenn du es dir vorstellen kannst, kannst du es auch machen. Die Welt wie sie heute ist, mit unseren technischen, sozialen und freiheitlichen Möglichkeiten war jenseits jeder Vorstellungsmöglichkeit eines Menschen zur Zeit des Paulus.

    Und deshalb erlaube ich es mir, beim Lesen der Paulusbriefe dankbar zu sein, welch großartige Erkenntnisse hier mit mir geteilt werden und nicht zu vergessen, in welcher Zeit, in welchem Kontext oder aus welcher Lebenssituation sie entstanden sind.

    Und ich nehme mir gemäß Titus 3, 9 vor „Törichte Streitfragen aber und Geschlechtsregister und Zänkereien und gesetzliche Streitigkeiten vermeide! Denn sie sind unnütz und wertlos.“

    Es grüßt Sie Christine Sommer

    3 min
  • Wie würden Sie reagieren?

    Stellen Sie sich mal vor: Sie haben einen vollen Tag hinter sich. Sie haben manches bewirkt, und geschafft.

    Manches hat Sie belastet, manches bedrückt und gerade in diesen Zeiten ist manches um uns herum kaum auszuhalten.

    Anderes ist gelungen, Sie konnten viel erledigen, Sie sind froh, dass Sie den Tag gut herumgebracht haben. Und Sie sind erschöpft. Am Ende des Tages wollen Sie nur Ihre Ruhe.

     Und plötzlich klingelt das Telefon und eine Kinderstimme fragt: was hat dich heute glücklich gemacht? So geschieht es mir hin und wieder, wenn mein dreijähriger Enkel anruft. Er hat es tatsächlich von sich aus zu einem Ritual in der Familie gemacht.  Immer mal wieder wird am Abend diese Frage in die Runde gestellt.  

    Zum Staunen.

     Als er mich das das erste Mal fragte, war ich überrascht und überwältigt.  Wie kommt ein kleines Kind zu so einer Frage?  Wie weise doch oft Kinder sind. Ich möchte von ihnen lernen. Nicht umsonst wirbt Jesus und sagt: werdet wie die Kinder.

    Ich spürte die Ernsthaftigkeit dieser Frage und muss ehrlich sagen: zunächst fiel mir an dem Tag gar nichts ein. Und nach längerem Suchen fand ich was. Auf jeden Fall hat diese Frage sofort ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert und meine Herzenshaltung verändert.

     Was hat dich heute glücklich gemacht? Ist das eine kostbare Frage am Ende des Tages. Sie eröffnet mir den Blick für etwas Schönes, Positives.  Und sei es noch so klein. Mein innerer Blick wird umgelenkt und sucht bis er findet. Die Herzenshaltung ist auf einmal Dankbarkeit. Und wenn ich es vielleicht manchmal nicht „glücklich“ nennen könnte, so doch fröhlich und dankbar.

     So manches „zufällige“ oder „Zugefallene“ kommt mir in Erinnerung. Mich drängt es dann auch zu sagen: Gott sei Dank.

    Gott sei Dank für das, was ich entdecken durfte.

    Gott sei Dank für ein Kind, das einem den Herzensblick für die Kostbarkeiten des Lebens eröffnet.

    Gott sei Dank, dass ich danken kann.

    Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, denn seine Güte währet ewiglich.

     Ps. 136,1

    Und was hat DICH heute glücklich gemacht?

    3 min
  • Manchmal denke ich, es frisst mich auf...

    Kennt ihr dieses Gefühl?

    Eine Sache, eine Aufgabe, oder jemand nimmt so viel Raum in euch und um euch herum ein, dass ihr das Gefühl habt ihr seid vereinnahmt, ja, werdet von diesem aufgefressen?

    Dabei war es zu Beginn ganz anders.

    Mit Freude, Lust und Begeisterung gestartet; Ideen gehabt; einen Sinn darin gesehen – auch ganz klar gewusst: das will ich und das mache ich!

     

    Und dann wird es auf einmal ZUUU viel.

    Es dauert länger als gedacht.

    Anderes kommt noch dazu - Ungeplantes.

    Es wird schwieriger, statt einfacher.

    Der Verzicht, der zu Beginn im richtigen Maß war, wird übermäßig.

     

    Mir geht es immer wieder so.

    Und dann?

    Ich lerne gerade, dieses Gefühl erst einmal „nur“ wahrzunehmen.

    Nicht zu bewerten und leichtfertig Aussagen über mich und andere zu treffen.

    So geht es mir. Ich begegne mir selbst.

     

    Dann kommen mir oft ganz viele Geschichten aus der Bibel in den Sinn, in denen es Menschen genauso ging.

    Als erstes kam mir dieses Mal Marta in den Sinn. Ich bin mir sicher – sie ist voll Enthusiasmus, Freude und mit einem dienenden Herzen gestartet, als Jesus in ihr Haus kam.

    Und dann hat sich dieses „Aufgefressen werden - Gefühl“ herangeschlichen, wurde immer größer, dass hier etwas nicht so läuft wie sie sich das dachte oder auch einfach die Kraft für fehlt. Die Sache, die Person, die Aufgabe übernimmt das Regiment.

    Was macht sie?

    Sie geht zu Jesus – bei ihm platzt es heraus – ihm gegenüber kann sie sich zeigen.

    Auch ich platze bei Jesus. Da bin ich ganz ich. Bei ihm kann ich schimpfen wie bei keinem anderen. Ohne Blatt vor dem Mund. Ohne Angst, zu verletzen oder hinterher nicht mehr geliebt zu sein. Ich weiß: Er hält alles aus – ob wahr oder gefärbt, ob verachtend oder komplett in Frage stellend. Und er hält es auch aus, wenn ich immer wieder ihm das gleiche um die Ohren haue und jammere.

     

    Er bleibt nicht stumm. So wie er „Marta, Marta“ sagt, sagt er auch meinen Namen.

    Dann taucht Goliath vor meinem inneren Auge auf– wie er dasteht, ein Riese, und alles überschattet. Die Sonne bedeckt.

    Worauf schaue ich?

    Und ich höre Jesu Stimme, die sagt: Du musst nicht. Du entscheidest, was du tust. Höre, was ich für dich heute habe – das tue.

    Der To-do Berg bleibt der gleiche Riese. Die Aufgaben lösen sich nicht auf. Doch ich habe nun meine Waffenrüstung an, die mir passt und meine Hand in der des Löwen von Judah, der an meiner Seite geht.

    Ich begegne Gott.

     

    Ich lade euch ein, auch in diese Geschichten einzutauchen, sie vor eurem inneren Auge zu sehen und zu spüren, was Gott euch ins Herz gibt und ganz persönlich zuspricht.

    So können wir getrost und hoffnungsvoll unsere Geschichte mit Gott schreiben.

    Eine gesegnete Woche, Eure Damaris Friedrich

    4 min
  • Gott hat Erbarmen mit der ganzen Menschheit

    Heute will ich unsere Aufmerksamkeit auf eine Geschichte aus dem zweiten Königebuch, Kapitel 5 richten.  Starke Charaktere wie du und ich kommen darin vor.

    Zunächst Naaman, ein sehr erfolgreicher Hauptmann des Königs von Aram. Er stammt aus dem Ausland, ist ein gewaltiger Mann – jedoch aussätzig. Also unheilbar krank. Dann kommt ein junges israelisches Mädchen mit hoher Sozialkompetenz in der Geschichte vor. Sie arbeitet im Haushalt der Frau des Naaman als Dienstmagd. Und sie spricht zu ihrer Herrin: „Ach, dass Naaman in Samaria, in meiner Heimat sein könnte. Der Prophet dort könnte ihn heilen.“

    Der Stein kommt ins Rollen. Naaman bekommt Urlaub und reist nach Israel – natürlich mit enorm viel Gold und Geld für den König von Israel. Naaman begegnet in Israel zuerst dem König von Israel. Der ist entsetzt und zerreißt seine Kleider. Er vermutet Provokation, denn „bin ich denn Gott, dass ich heilen könnte?“ Elisa, der Prophet in Israel bekommt Wind von der Sache und bittet den König von Israel: Schick den Naaman zu mir, damit er merkt, dass ein Prophet in Israel ist“.

    Naaman kommt zu Elisas Haus. Natürlich erwartet er, dass der Prophet ihn ehrt. Stattdessen schickt Elisa nur einen Boten hinaus, der ausrichten lässt, Naaman solle sich 7 mal im Jordan waschen, dann sei er gesund.

    Naaman ist zornig. Was erlaubt sich dieser Prophet. Spinnt der? Das Wenigste wäre, dass er zu mir herauskommt. Und überhaupt, gibt es in Damaskus nicht viel bessere Flüsse als diesen lächerlichen Jordan? Zornig zog  Naaman weg. „Da machten sich seine Diener an ihn heran“ und argumentierten mit ihm. Wenn er etwas Großes von dir verlangt hätte, du hättest es getan….. Naaman lässt sich darauf ein. „Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan 7 mal und sein Fleisch wurde rein wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein.“

    Er geht zurück zum kantigen Elisa und sprach: „Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen außer in Israel.“

    Die Geschichte bewegt mich. Naaman muss herunter von seinem Roß und seinen Vorstellungen, und dann kann er sich einlassen auf den unbekannten Gott. Dieser Gott fragt nicht nach Religionszugehörigkeit oder Volk. Es reicht, dass ich komme. Gott hat Erbarmen mit der ganzen heilsuchenden Menschheit.

    Ist das nicht ein Lichtblick in unseren Tagen?

    Ihre und eure Traudel Krause

    3 min
  • Erwartend sein

    Geschafft. Die Krippe samt Weihnachtsdeko ist wieder im Keller verschwunden, die Liederbücher aufgeräumt; lediglich ein einsamer Schoko-Nikolaus steht noch da…. Einen Monat ist es jetzt schon her, dass wir Weihnachten gefeiert haben - die Geburt Jesu. Wie viel ist seither geschehen. Weihnachten ist vorbei. Eigentlich schon wieder ein alter Hut - jetzt, mitten im Januar…. Oder doch nicht? Beim Aufräumen blieb ich an einem Buchtitel von Anselm Grün hängen…. „Weihnachtlich leben“… Ich kam ins Nachdenken…. Weihnachtlich leben - an allen 365 Tagen im Jahr… All das, was mich beschäftigt, meine Sorgen und meine Angst, meine Traurigkeit, meine Freude und meinen Dank - all dass zur Krippe zu bringen und abzulegen. Durchzuatmen. Auch mitten im Januar in der Erwartung leben, dass mir vor dort aus etwas zufließt an Gutem…. An Segen…. Kann - will ich so leben?

     

    Wohlgemerkt: Erwartungen zu haben und Erwartend zu sein sind ja zweierlei Stiefel….  Es ist ein großer Unterschied, ob ich erwarte, dass meinem Wünschen und Wollen entsprochen wird. Klare Erwartungen an Gott und das Leben zu haben. Oder ob ich es einübe, in der Haltung zu leben, erwartend zu sein…. Ich darf und soll mir durchaus über meine Wünsche im Klaren sein. Ich darf und soll sie vor Gott bringen. Zur Krippe bringen. Beten.

    Beten jedoch in dem Bewusstsein, dass Gott kein Geldautomat ist, der das alles erfüllt. Sondern in der Haltung, dass Gott mich hört und sieht. Und dass er den Weg schon kennt - auch wenn er vielleicht nicht so aussieht, wie ich es mir wünsche….

     

    Weihnachtlich leben - für mich hat das in der zurückliegenden Zeit bedeutet, meine eigenen Vorstellungen und Pläne loszulassen - teilweise unter Schmerzen. Ich habe neue Schritte wagen müssen, bin Herausforderungen begegnet - inmitten von Angst und Sorge. Und ich habe eingeübt - jeden Tag neu - all das zur Krippe zu bringen. Und erwartend zu sein, dass Jesus genau dort hineingeboren wird…. Hineingeboren wird in meine Angst und die Sorge vor der Zukunft. Hineingeboren wird auch in das Neue, das kommen wird. Wie das genau geschehen soll, weiß ich noch nicht.

     

    Aber ich habe erleben dürfen, dass mir dann - zu meiner großen Überraschung - Freude zuteil wurde. Und das tiefe Vertrauen, dass er den Weg kennt - auch wenn er für mich noch im Nebel liegt… Das Vertrauen, dass Paulus so beschreibt: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen.“

     

    Weihnachtlich leben - ich will es weiter riskieren und darauf vertrauen, dass Christus in mein Heute hineingeboren wird.

     

    Eine gesegnete Woche wünscht Eure Christina Stadelmann.

    3 min
  • Dein Wille geschehe

    Das Vaterunser trägt. Es gibt unserem Leben Orientierung. Es gibt Kraft in den elementaren Nöten. Widerstandskraft gegen die Macht des Bösen und unserer Ängste. Das Vaterunser hat uns Jesus gegeben, gelehrt und geboten. Das Vaterunser ist verheißungsvoll.

    Das habe ich beim Kurs von Stufen des Lebens entdeckt: „Vaterunser, ein beinahe alltägliches Gespräch“.

    Ich habe es wieder bewusst zu meinem täglichen Gespräch gemacht. Bestärkt hat mich seit zwei Jahren auch das große Werk von Jon Fosse, der im letzten Jahr den Literaturnobelpreis erhalten hat. Der schließt alle seine sieben Bücher seines Romans mit dem Vaterunser auf Latein und in der Landessprache. Immer wieder greift er zum Vaterunser. Da findet er Ruhe und seine Mitte.

    Dreimal am Tag bete ich das Vaterunser, am liebsten wenn die Gebetsglocke läutet, morgens, mittags und abends. Aber auch unser Beten zu zweit eröffnen wir mit dem Vaterunser. Und für jeden der sieben Tage steht für mich eine der sieben Bitten. Beginnend mit dem Sonntag: „Geheiligt werde dein Name“. Am Montag: „Dein Reich komme.“ Am Dienstag: „Dein Wille geschehe“. Mit den drei Dein-Bitten sollen wir unser Beten beginnen, hat Martin Luther angemahnt. Nicht mit dem, was uns alles umtreibt.

    An Dienstag also: „Dein Wille geschehe“. Dagegen kann sich viel in uns sperren, entdecke ich beim Vaterunser-Kurs von Stufen des Lebens. Das können Erfahrungen aus der Kindheit sein. Da wurde mir der Wille von Erwachsenen aufgedrängt, der Wille zum Gehorchen und zur Anpassung. Da ist es wichtig, mir klar zu machen, dass Gottes Wille ganz anders ist. Gott will, dass ich lebe. Gott liebt Eigen-Sinn und Lebens-Lust. „Deine Wille geschehe“ ist aber mehr, als den eigenen Willen bekommen. Manchmal heißt es auch einwilligen in das Unveränderliche, auch wenn es mir nicht gefällt.

    „Dein Wille geschehe“ ist ein Blicköffner. Wegschauen von mir selbst auf das, was Gottes ureigener Wille ist. Gott will für alle Leben. Gott leidet an der Zerstörung des Lebens, an Hass, an Eigensucht. Gott will unseren Horizont erweitern. Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt. Ich bin für Größeres bestimmt als für mein kleines Ego. Jesus hat den Willen Gottes zusammengefasst im Doppelgebot der Liebe, bei dem ich als Dritter miteingebunden bin: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft. Und deinen Nächsten wie dich selbst.“

    Oder mit unserer neuen Jahreslosung, die letzte Woche zu Wort kam: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ oder noch knapper wortwörtlich: „Alles Eure in Liebe geschehe“.

    Ein Jahr nach Gottes Willen wünsche ich uns und Grüße,

    Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

    3 min
  • Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe

    Könnten wir ein bisschen zusammen träumen?

    Wie würde die Welt aussehen, wenn Menschen, bei allem, was sie tun, nur das Beste für den Anderen im Sinn haben?

    Ich sehe Türen ohne Schlösser, weil niemand befürchten muss, dass eingebrochen wird. Waffen, Militär, Grenzkontrollen gibt es nicht.

    Keiner hat Angst vor anderen Menschen; es gibt kein Misstrauen oder Vorurteile, denn ich weiß ja, dass der andere mir nichts Schlechtes will.

    Keiner schreibt dem anderen vor, wie er zu sein hat.

    Jeder hat die Freiheit so zu leben, mit den Werten, den Vorstellungen, den Neigungen, wie er will.

    Regeln sind überflüssig, weil der Schutz der Schwachen oder Bedürftigen ganz automatisch erfolgt.

    Ein schöner Traum. Leider nur ein Traum.

    Vielleicht ahnen Sie schon, worum es geht. Wir sind neu im Jahr 2024 angekommen und die diesjährige Jahreslosung aus 1. Korinther 16,14 ist

    Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe

    Das ist der Aufruf dazu, den Traum zumindest einmal für mich selbst umzusetzen. Was ich in Liebe tue, das mache ich im Interesse des anderen, nicht in meinem Interesse.

    Manchmal schleicht sich unter dem Deckmantel der Liebe auch Bevormundung, „besser wissen, was der andere braucht“ ein. Es ist nicht leicht zu erkennen, wo die Grenze zwischen Liebe und Machtausübung ist. Je ernster ich meine Werte nehme und je eitler ich vertrete, dass nur diese richtig sind, desto größer ist die Gefahr, dass meine Liebe nicht mehr geduldig, freundlich ist, sondern dass ich mich wichtig mache, mich aufblase, taktlos werde und eigentlich meinen Vorteil suche. Denn das alles ist nicht Liebe - nicht meine Erkenntnis, sondern so in 1. Korinther 13 nachzulesen.

    Die Jahreslosung stammt aus dem Brief des Paulus an die Korinther. Die Gemeinde hatte Probleme, man war sich uneins, hat gestritten. Nach den Grußformeln kommt Paulus direkt zum Thema, verurteilt die Streitereien und bringt es auf den Punkt: es gibt nur einen Christus. Er äußert sich dann zu sehr vielen akuten Problemen und schließlich in Kapitel 13 steht das Hohelied der Liebe.

    Die Jahreslosung stammt aus den Grußformeln am Schluss des Briefes. Ich würde sagen, der Schlussappell als Zusammenfassung: Egal, ob ihr im täglichen Miteinander unterschiedliche Standpunkte habt, ob einer den anderen auch mal unfair behandelt, auch wenn ihr aus unterschiedlichen Bubbles kommt – so lange alles was ihr tut in Liebe geschieht, könnte ihr als Gemeinschaft bestehen und Licht für diese Welt sein.

    Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2024 und hoffe, dass die Jahreslosung vielen ein Motto für den Umgang miteinander in Liebe sein wird.

    Ihre Christine Sommer

    3 min
  • Macht hoch die Tür - die Tor macht weit!

    Was? Schon wieder dieses Adventslied denkt ihr vielleicht. Es ist doch schon bald Weihnachten, da ist doch jetzt mal ein anderes Lied dran.

    Oder: „Oh, ja, das haben wir dieses Jahr viel zu wenig gesungen – weil die Adventszeit so kurz war.“

    Ich weiß noch, wie mich dieses Lied als Teenie langweilte. Ich fand es irgendwie träge und den Text mit den Worten so altbacken. Später sang ich es gern, weil mir Gott so glanzvoll, königlich, mächtig und prächtig vor Augen gemalt wurde.

    Heute ist es eines meiner Lieblingslieder zu dieser besonderen Zeit. 

    Gestern im Gottesdienst bei uns, wurde darüber gepredigt – über Psalm 24, in dem diese Verse vorkommen.

    Und zum ersten Mal wurde mir dabei mit diesem Psalm ein Bild vor Augen gemalt, das ich mit euch teilen möchte: 

    Das Volk steht vor dem Tor des Tempelhofs und möchte hineintreten.

    Es bittet Gott: Mach die Tore auf, wir möchten hinein zu Dir. Wir möchten dir begegnen.

    Ganz neu steht mir diese - meine - Bitte an Gott vor Augen: 

    Bitte, mein himmlischer Vater, öffne DU das Tor zu meinem Herzen, damit DU in mir einkehren kannst. 

    Es beinhaltet ein Sehnen, ein Suchen von mir nach dem DU Gottes und ein gleichzeitiges „mich in SEINE Hände“ hineinlegen, da ich weiß:

    ER ist es, der in mir das Wollen und das Vollbringen schenkt.  

    Gleichzeit zeichnet das Bild, wie GOTT vor dem Tor steht und seine Botschafter mir zurufen: Macht die Tore auf, Gott möchte hinein zu Dir - ER möchte Dir begegnen.

    Mein himmlischer Vater bittet mich: Öffne Du das Tor zu deinem Herzen, damit Ich in dir einkehren kann. 

    Das beinhaltet ein Sehnen, ein Suchen von GOTT nach MIR- als Sein gegenüber. 

    Es berührt mich - diese Innigkeit, dieses Sehen und Suchen Gottes nach mir, nach uns. Ich spüre, wie sehr Er darauf wartet, dass ich öffne und ihn bei mir einkehren lasse. 

    Er ist der Gott, der mit uns sein möchte: Immanuel- am hellen Tag und in dunkelster Nacht. 

    Ich glaube, ab jetzt singe ich es nochmal anders.

    Ja Gott, mein König zieht ein, mächtig und stark, glänzend und herrlich.

    Doch jetzt hat es eine Innigkeit, Vertrautheit dazubekommen, eine Herzlichkeit, denn ich spüre die Sehnsucht Gottes nach uns darin, nach allen Menschen.

    Dieses Sehnsuchtsgefühl Gottes nach mir möchte ich dieses Weihnachten bewahren und mir immer wieder vor Augen führen- bis hinein ins neue Jahr.

    Und ich möchte meine Sehnsucht nach ihm nicht verdecken lassen durch Trubel und Tun, sondern immer wieder meine Herzenstür IHM hinhalten, mich öffnen, soweit mir möglich ist und Ihn bitten: Komm du herein, kehre ein, ich möchte dir Herberge sein. 

    Gesegnete Weihnachten und eine gute, gesegnete Übergangszeit ins neue Jahr wünsche ich euch zusammen mit dem ganzen S.a.O - Team.

    Eure Damaris Friedrich 

    Spätestens am 8.1. kommt das neue S.a.O!

    3 min
  • Oh Heiland reiß die Himmel auf!

    Sehnsucht und Klage sind Motive des 2. Advents. Klagen über Leben in dunklen Zeiten, wo Gott so verborgen ist. Und Sehnsucht nach Versöhnung und Frieden, Gerechtigkeit für alle und Schutz der Verfolgten, Bewahrung der Schöpfung angesichts der Klimakrise.

    Sehnsucht und Klage sind Motive des 2. Advents. Das kommt vor allem im alttestamentliche Predigttext aus Jesaja 63 und 64 zur Sprache: „Ach, dass du den Himmel zerrissest“. Ein herzanrührender Volksklagepsalm aus einer schweren Zeit für das Volk Israel nach der babylonischen Gefangenschaft im immer noch verheerten Land mit dem zerstörten Tempel und existentiell bedroht von den Nachbarvölkern.

    „Ach, dass du den Himmel zerrissest“. Das hat vor 400 Jahren in der Mitte des Dreißigjährigen Krieges Friedrich Spee bewegt, ein eindringliches Gebetslied zu schreiben.

    O Heiland, reiß die Himmel auf, / herab, herab vom Himmel lauf,
    reiß ab vom Himmel Tor und Tür, / reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

    Das Lied ist in der Evangelischen Kirche Wochenlied zum 2. Advent. Ein leidenschaftliches Gebet. In sieben Strophen 10 Mal ein „Solo-O“. O Heiland, O Gott, O Erd, O klare Sonn. Herzbewegende barocke Dichtung. Das Elend seiner Zeit hat den katholischen Priester, Lehrer, Seelsorger und Ankläger des Unrechts,  Friedrich Spee zu diesem Lied der Klage und Sehnsucht getrieben.

    Nicht nur der Dreißigjährige Krieg, nicht nur die Pest waren vom Übel, auch die Inquisition mit Foltern und Verbrennen von Frauen auf dem Scheiterhaufen.

    Für diese Frauen hatte sich Friedrich Spee eingesetzt und ein Buch herausgebracht, in dem er die Skandale und Intrigen seiner Zeit anprangerte. Eine Anklage gegen die Hexenprozesse. Dafür wäre er beinahe selbst auf dem Scheiterhaufen gelandet. Wenige  Jahre vor seinem Tod wurde er unterwegs brutal zusammengeschlagen, fast zu Tode geprügelt. Friedrich Spee starb mit 44 Jahren an der Pest. Er hatte sich bei der Pflege von verwundeten Soldaten angesteckt.

    Friedrich Spee, 26 Jahre vor Paul Gerhardt geboren, hat wie der weit über 100 Lieder gedichtet. Zu den bewegendsten gehört das Lied zum 2. Advent:

    „O Heiland, reiß die Himmel auf“. Aus Liebe zu Gott und Jesus hat Friedrich Spee Liebeslieder auf Gott und Jesus gedichtet. Aus Liebe zu den geplagten, unterdrückten und geschändeten Menschen wurde er ihr Anwalt und Ankläger gegen ihre Peiniger.

    Der 2. Advent will unserer Sehnsucht und Klage Sprache verleihen mit den biblischen Texten und den starken Liedern aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Achtung bei Gebrauch kann es zu Mutanfällen führen

    .Mit adventlichem Gruß
    Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

    3 min

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Stufen.aufs.Ohr – Stufen zum Lauschen - für Zwischendurch