Stufen.aufs.Ohr

Stufen.aufs.Ohr

Download on the App Store

Stufen.aufs.Ohr episodes

  • Es weihnachtet sehr!

    Was, jetzt schon? Wir haben gerade den ersten Advent?  Ganz unüblich, aber am liebsten würde ich jetzt schon alle Kerzen auch am Weihnachtsbaum anmachen, die Krippe leuchten lassen.

    Warum ist mir so?

    Am 1.11. ist meine Mutter nach einem bunten und erfüllten Leben mit 100 Jahren verstorben. Wir konnten noch im September ihren Geburtstag mit Kindern und Enkeln feiern, dann aber wurde ihr Lebenskreis immer kleiner.

    Am Ende wurde sie auch immer schwächer, lag im Bett, hat aber nie geklagt.

    Es war der Geist Gottes, der mir an einem Sonntag eingab, sie zusammen mit meinem Bruder noch einmal zu besuchen. In ihrem Zimmer war so viel Frieden, der Geist Gottes wirklich spürbar.

    Sie selbst erzählte uns, in der Nacht am Kamin in unserem Haus gesessen zu haben, umgeben von ihren Eltern, meinem Vater und uns. Sie habe sich gut gefühlt. Nur seien diese, sagte sie, dann weggegangen, es sei kühl geworden, aber das sei ja eine Erlösung und mein Vater würde jetzt auf sie warten.

    Dann war sie zwischendurch immer mal wieder in dieser Welt und freute sich sehr, dass mein Bruder und ich zusammen da waren.  Bei einem Besuch am nächsten Tag schlief sie viel mit einem deutlichen Hinweis, in Ruhe gelassen zu werden, sie schlafen zu lassen. Eineinhalb Tage später ist sie friedlich endgültig eingeschlafen.

    Ich habe euch nicht gegeben den Geist der Verzagtheit, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Diese Worte schrieb sie als Nachlass auf.

    Vom Glauben reden war nicht ihr Ding. Aber ich durfte die Erfahrung machen, dass sie sich  vertrauensvoll überlassenkonnte.  Ob sie spürte, dass der Vater im Himmel sie sieht, sich herabneigt, sie liebevoll beim Namen nennt und sie in ihrem herausfordernden Leben längst mit Liebe, Kraft und Zuversicht ausgerüstet hat? Ich wünsche es ihr von Herzen und auch uns, dass wir mit der liebevollen Zartheit Gottes rechnen. 

    Ich staune voller Demut, wie Gott wirklich Seine Geschichte mit jedem Menschen zu Seiner Zeit schreibt. Uns individuell, zart ruft und lockt.

    Und deswegen war mir so weihnachtlich zumute. In die große äußere Dunkelheit schien dieses besondere adventlich-weihnachtlich-österliche Auferstehungslicht hinein.

    (Auf den vielen Autorfahrten habe ich öfter erlebt, wie dunkle Wolken sich auftaten, das Licht der Sonne, wenn auch manchmal nur für eine kurze Zeit schien, als wenn Gott sagte: ich bin bei euch, hier und in alle Ewigkeit.)

    Ich wünsche uns und Ihnen, immer wieder die spürbare Zuversicht im Vertrauen, dass es in uns weihnachtet. Was ganz klein beginnt werde in uns dann eine nicht zu beschreibende Auferstehungskraft hier und in alle Ewigkeit.

    3 min
  • Das Netz hält und trägt

    Bis hierher hat mich Gott gebracht, durch seine große Güte, bis hierher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüte, bis hierher hat er mich geleit´, bis hierher hat er mich erfreut, bis hierher mir geholfen.´ 

    Mit dem ersten Vers dieses Liedes möchte ich auf die letzten 10 Jahre meines Lebens zurückblicken. Am Ewigkeitssonntag waren es genau 10 Jahre, dass Jesus meinen Mann abgerufen und ihn zu sich holte. Ich habe es damals am Sterbebett gesehen. Nach einer sehr tiefen Trauer, die wichtig für mich war, erlebte ich eben genau das, dass Jesus mein Herz und Gemüt Tag und Nacht behütet und bewahrt hat. Er hat in allen Dingen durchgeholfen – ganz viel wurde anders, aber auch wieder gut.

     Hab Lob und Ehr, hab Preis und Dank für die bisher´ge Treue, die du, o Gott mir lebenslang bewiesen täglich neue. In mein Gedächtnis schreib ich an: der Herr hat Großes mir getan, bis hierher mir geholfen.

    Jetzt nach 10 Jahren hat mich eine schwere Erkrankung überfallen und ich musste viel erleiden, ja ich musste da durch, aber Gottes Treue ist riesengroß und er war spürbar da. Termine flutschten nur so, gute Ärzte waren da, die klar und deutlich sagten, was zu tun ist und ein Heer von Mitbeterinnen und Mitbetern waren mir treu zur Seite. Ein großes Netz war das, stabil und stets bereit vor Gott zu treten und ich mitten drin. Ein Beispiel: Eine Behandlung dauerte 1 Stunde direkt in meinem Krankenhausbett und bereits nach 25 Min spürte ich, das halte ich nicht aus. Schnell schrieb ich kurze what app an 5 Leute um Gebet, dass ich durchhalten kann. 2 davon lasen das sofort und beteten intensiv, das weiß ich, weil ich es augenblicklich spürte und ich hielt durch. Ja der Herr hat Großes sichtbar an mir getan.

    Hilf fernerweit, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden. Hilf mir an all und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden. Damit sag ich bis in den Tod: durch Christi Blut hilft mir mein Gott; er hilft wie er geholfen. 

    Ja ich bitte Jesus jeden Tag, dass er mir auch jetzt im Heilungsprozess beisteht, in jeder Situation, die noch auf mich wartet. Ich kann nur raten, zapfen Sie diese großartige Quelle an. Ihre Margret Trojer

    3 min
  • Ich bin

    Im Mose 1 Kurs von Stufen des Lebens geht es auch um die Berufung des Mose.

    Gott spricht Mose aus einem brennenden Dornbusch an und beauftragt ihn, der Führer für das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten zur Freiheit zu sein.

    Mose begegnet diesem Auftrag erst einmal mit Widerstand. Obwohl Gott sich ganz am Anfang des Gesprächs selbst als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vorgestellt hat fragt Mose nach seinem Namen, als Rechtfertigung oder Beleg des Auftrags gegenüber den Israeliten.

    Und Gott sagt: Ich bin, der ich bin. Oder gemäß anderer Übersetzung: Ich werde sein, der ich sein werde. Und Mose soll den Israeliten sagen: der „Ich bin da“ hat mich geschickt.

    Diese Bezeichnung „ich bin, der ich bin.“ oder auch nur „ich bin“ gibt sich also Gott selbst. Gott offenbart hier sein Wesen, er beschreibt sich.

    Erst im Rahmen des Kurses ist mir aufgefallen, wie elementar diese Selbstaussage von Gott für meinen Glauben und mein Vertrauen auf ihn ist.

    Gott ist immer da. Seine Anwesenheit hat nichts mit meinem Gefühl, meiner Wahrnehmung zu tun. Der Eindruck, Gott sei mir fern oder Gott würde meine aktuelle Situation nicht sehen ist meine Sicht und nicht die Wahrheit. Gott ist da und sieht.

    Gott ist immer der Gleiche und bleibt totzdem zeitgemäß. Weil er und seine Ziele für die Menschen unverändert bestehen kann ich Zusagen, die in der Bibel stehen für mich in Anspruch nehmen. Von Gott erwählt zu sein, sein Wunsch nach Nähe und seine Versprechen für die Zukunft gelten jedem persönlich und über alle Zeit hinweg.

    Gerade, wenn wir den Eindruck haben, dass die Welt um uns herum aus den Fugen geht, dass das ins Wanken gerät, was ich für verlässlich gehalten habe, kann ich mir bewusst machen, dass Gott konstant ist. Er wird nicht weniger, nicht unwichtiger und bleibt immer derselbe. Seine Liebe zu uns wird nicht enden oder einschlafen.

    Er steht immer, treu und zuverlässig zu seinen Versprechen, sein Wort und seine Natur ändern sich nicht.

    Er ist für mich.

    Mein Gott ist da.

    Eine gute Woche wünscht Euch Christine Sommer

    3 min
  • Der Segen bleibt

    Die Worte von Hans-Martin Steffe in der vergangenen Woche gaben mir einen starken Anstoß. Ja, Trauer braucht Zeit. Und was haben wir nicht alles zu betrauern! So vieles müssen wir loslassen. Menschen, die uns verlassen oder weggehen, unsere körperliche Unversehrtheit, das Jungsein, die Vorstellung, dass die Menschen untereinander friedlich leben könnten, die Vorstellung, dass wir Menschen so klug sind, dass wir die Schöpfung bewahren, Vorstellungen davon, wie unser Leben verläuft und so vieles mehr.

    Vergangene Woche hörten wir die Geschichte von Jakob, wie er sich nach dem Verlust von Josef nicht trösten lassen konnte und wollte.

    Jakobs Geschichte ist eine Geschichte, mit der ich nicht so einfach fertig werde und gerade die Kapitel mit dem alten Jakob haben es mir angetan.

    Vielen ist nicht bewusst, dass nach Jakobs Krise am Jabbok das Leben Jakobs nicht zu Ende ist, sondern dass noch ein langer Lebensabschnitt kommt. Ja, er hat diese Krise durchgestanden, durchgerungen und Gott hat sich ganz mit ihm verflochten. Und doch, danach war er ein Hinkender. Die großen Krisen unseres Lebens gehen nicht spurlos an uns vorbei. Bei Jakob kommt dann der Lebensabschnitt des Alters. Nach 20 Jahren bei Laban und der Versöhnung mit seinem Bruder folgt ein Abschnitt der Verluste.  Seine geliebte Frau Rahel stirbt. Es gibt große Probleme in der Familie und Jakob muss mit der Sippe nochmal umziehen und von vorne anfangen. Zuletzt verschwindet Josef.

    Trauer braucht seine Zeit und das Älterwerden ist nicht einfach. Da sagt mancher: so habe ich mir das nicht vorgestellt.

    Und dennoch! Dieser alte Jakob lehrt mich. Nach Jahren der Dunkelheit hört er wieder Gottes Stimme. Endlich! Endlich geht es weiter! Das Licht scheint wieder. Wenn Gott redet und da ist, dann ist wieder alles möglich!

    Am Ende seines Lebens kann Jakob vor den Pharao treten und diesen, der sich ja selbst als Gott versteht, im Namen des lebendigen Gottes segnen. Und Jakob segnet alle seine Kinder und Enkel, ganz individuell und persönlich.

    Ich will mutig sein wie Jakob und trotz allem, was schwer ist, segnen. Kinder und Enkel und andere Menschen. Immer im Wissen, dass wer einmal gesegnet ist, für immer gesegnet bleibt.

    Ihre und eure Traudel Krause

    3 min
  • Trauern braucht seine Zeit

    November – trübe Tage, zunehmende Dunkelheit.

    Im November geht das Kirchenjahr zu Ende – Ewigkeitssonntag mit dem Gedenken der Verstorbenen.
    November 2023 der Krieg in der Ukraine ist nicht zu Ende. Schlimmster Terror der Hamas an dem Volk Israel. Tod und Leid bei Juden und Palästinensern.
    Sprachlos, ohnmächtig, verzweifelt sind Menschen an vielen Orten unserer Welt und auch bei uns. Leid und Schmerz, Trauer und Tod machen keine Unterschiede.

    Jakob widerfuhr das in seinen letzten Lebensjahren. Sein Lieblingssohn Josef wurde von einem wilden Tier zerrissen. Seine anderen Söhne hatten ihm das in Ziegenblut getränkte bunte Gewand des Josef zugeschickt. Zerrissen ist Josef. Das stürzte Jakob in Schmerz und Trauer. Er zerriss seine Kleider. Er zog sich innerlich zurück. Im Bodenbild vom Jakobskurs anschaulich nachvollzogen. Jakob ins Haus gestellt. Die Türen verschlossen. Um das Haus ein zerrissenes schwarzes Tuch gelegt. In der biblischen Geschichte heißt es: „Jakob wollte sich nicht trösten lassen.“

    Wie gehen wir mit einem solchen Schmerz und einer solchen tiefen Trauer um?

    Die Söhne und Töchter von Jakob kamen zu ihm und wollten ihn trösten. Doch: „Jakob wollte sich nicht trösten lassen.“
    Die ersten Reaktionen in unserem Kurs waren wenig empathisch. Er hat doch noch andere Söhne und auch Töchter. Gelten die ihm gar nichts?
    „Ich kenne das“, sagte in diese Vorwürfe hinein eine Teilnehmerin. Als ich meinen Sohn durch Krankheit verlor, habe ich mich auch zurückgezogen, habe dicht gemacht, ließ niemanden an mich ran, wollte von niemandem getröstet werden. Schon gar nicht von frommen Worten. Ich musste allein sein.

    Wie kommt einer wieder zum Leben, wenn ihn Leid und Trauer gelähmt haben?

    Für Jakob war Anstoß dafür war die Verantwortung für seine Großfamilie.
    Die Hungersnot in Israel und die Nachricht, dass es in Ägypten Getreide zu holen gab,
    ließ ihn handeln. Er beauftragte seine Söhne: „Zieht hinab nach Ägypten und kauft uns Getreide, dass wir leben und nicht sterben.“

    Als Jakob erfuhr, dass Josef noch am Leben war, sogar als wichtigster Minister des Pharao in Ägypten in der Hungersnot für Getreide sorgte, wollte er das nicht glauben. „Aber sein Herz blieb kalt.“ Es dauerte, es brauchte das Erzählen von den Worten, die Josef zu seinen Brüdern gesagt hatte, und einen sichtbaren Beleg, die Wagen des Pharao. „Da wurde der Geist Jakobs lebendig.“

    Hin und wieder dürfen wir jemandem Trost spenden, nicht nur mit Worten. Aber das haben wir nicht in der Hand. Manche erfahren dabei: Wer durch den Schmerz geführt wurde, kann Menschen im Schmerz beistehen. Schmerz kann in Segen verwandelt werden.

    Seid gesegnet und seid ein Segen

    Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

    3 min
  • Fest feiern

    Es ist noch nicht lange her, da haben wir „Platzwechsel“ gefeiert. Als Leiterin von Stufen des Lebens in Baden habe ich meinen Platz geräumt und Rahel Becker übergeben. Das war Anlass für ein Fest. Und es wurde ein großes Fest. Erst hinterher haben wir alle vernommen, was für schreckliche Katastrophen in Israel am selben Tag passierten. Wir haben es nicht gewusst. War es gut so?

    Da wurde mir bewusst: wie wichtig es ist ein Fest zu feiern, trotz allem, allem zum Trotz . Seit dem Tod von meinem Mann merke ich immer wieder, wie nahe Karfreitag und Ostersonntag beieinander liegen. Wie nah Not und Schmerz, Freude und Glück beieinander liegen. Alles zu Seiner Zeit.

    Kurz vor dem Fest wurde ich gefragt, ob ich nicht traurig sei, wenn jetzt der Abschied Realität werde, die Veränderungen und die neue Stufe des Lebens auf mich zukommen. Ganz kurz überlegte ich, ob ich in diese Traurigkeit einstimmen sollte, die ich kenne. Ich entschied mich dann und sagte: ja, das kommt vor, wird auch immer wieder vorkommen, aber JETZT feiern wir ein Fest. Das war ein echter Entschluss.

    Und so feierten wir ein Fest der Freude, der Dankbarkeit, ein Fest der Gemeinschaft, ein Fest des Zurückschauens auch auf Schwieriges, ein Fest des nach vorne Blickens noch nicht wissend was kommt. Ein Erntedankfest des Lebens.

    Als eine Bodenbildstation hatten wir das Gleichnis vom „Verlorenen Schaf“ ausgelegt unter dem Thema „Weil du JA zu mir sagst“.

    Vielleicht glich unsere Freude der des guten Hirten, der ein Fest mit seinen Freunden gefeiert hat, nachdem er das Schaf suchte, fand , aufnahm  und mit Freude auf seinen Schultern trug. So lange bis das verletzte Herz wieder neu mit Seiner Liebe angefüllt war, sodass es dann wieder springen konnte.  Wir haben wohl diese Erfahrungen des Geliebt Seins, die uns so zur Freude wird, gefeiert. Auch, die Erfahrung, dass diese Freude auf andere in der Herde überspringt. Gleichzeitig sind es diese Erfahrungen, die den Blick auf diejenigen in unserer Herde öffnet, die der Liebe, des Gesucht-, des Gefunden-, des Aufgenommen- und Getragen Seins und der Freude bedürfen.

    Ein Fest machen ein Festmachen dessen, was Er an uns Gutes getan hat, trotz allem, allem zum Trotz.

    Und es muss nicht immer ein großes Fest sein. Es gibt die kleinen Feste, zu zweit oder zu dritt, auch ganz allein. Denn der gute Hirte, Jesus, ist immer dabei und freut sich über die Heiligen Augenblicke, die wir feiern.

    Wie wäre es mal wieder mit einem Fest? Die Freude möge Sie und Euch immer wieder neu beglücken. Das wünscht Isabel Prinzessin zu Löwenstein, Heidelberg

    3 min
  • Sorgen

    Von denen haben wir meistens genug – oder?

    Im doppelten Sinne!

    Wir machen uns Sorgen um Vieles. Es gibt Vieles, um das wir uns Sorgen machen können, müssen oder es einfach tun.

    Gerade wenn wir die Nachrichten anschauen oder lesen.

    Der Ukraine-Krieg dauert an und es scheint kein Ende in Sicht zu sein.

    Und nun der Konflikt im Gaza-Streifen, der Terror in Israel, die Notlage, Auswegslosigkeit der Menschen.

    Die Sorge, dass sich in unserem Land der Antisemitismus verstärkt, die Sorge um unsere Demokratie. Der Klimawandel, der in anderen Teilen der Welt schon stärkere Auswirkungen hat, als wir sie bei uns in Deutschland bisher spüren.

    Ich möchte gar nicht weitermachen.

    Wir spüren die Not und fragen uns, wie geht es weiter? Was passiert noch?

    Dazu kommen die Sorgen in unserem „kleinen“ Lebensumfeld. Sorgen bei Krankheit in Familie und Freundeskreis, Schwierigkeiten bei der Arbeit oder in familiären Situationen.

    Was mache ich nur mit all diesen Sorgen.

    Bei vielen bin ich hilflos, fühle mich ohnmächtig und überfordert.

    Was mache ich?

    Gleichzeitig spüre ich die andere Bedeutung dieses Satzes (Von denen habe ich genug!) so deutlich: Nein, ich will mich nicht vor Sorgen verzehren. Ich will mich nicht um so Vieles Sorgen! Das ist eine Sehnsucht, ein Wunsch.

    Ja, was mache ich dann? Wegzaubern geht nicht. Wegdrücken, Verdrängen auch nicht – oder nur eine gewisse Zeit.

    Heute sang ich plötzlich dieses Lied von Peter Strauch– plötzlich war es da – und deshalb gibt es auch dieses Stufen.aufs.Ohr:

    Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag, ich was wird morgen sein.

    Doch du liebst mich – du lässt mich nicht los. Vater du wirst bei mir sein.

    Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein – ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

     Wenn ich morgens oder tagsüber so bei mir bin, anfange zu beten – dann kommen mir viele Menschen und Situationen in den Sinn, die mich bewegen und die zum Sorgen sind. Und dann halte ich alles, was mich in diesem Moment bewegt meinem Vater im Himmel hin. Dem, der mich und die anderen nicht loslässt, dem – der trotz allem – diese Welt in seinen Händen hält. Dem, der den Überblick hat.

    Ihm halte ich alle und alles hin und tanke neues Vertrauen, neue Hoffnung, mache mein Herz fest in ihm – dass einmal Friede sein wird und Gerechtigkeit sein wird.

    So kann ich dann weitergehen, Ausschau halten, wo ich gefragt bin ein Mensch des Friedens zu sein, wo ich mit aushalten soll und ich selbst Schritte gehen soll, um mein Leben zu verändern, so dass es Gott und den anderen dient.

    „Kommt zu mir – alle die ihr mühselig und beladen seid“ sagt Jesus – ich will euch erquicken (Mt 11,28) – heute ermutige ich euch und mich, nicht müde zu werden das zu tun!

    Seid gesegnet.

    3 min
  • Schichten

    In unserem Kirchenbezirk im Weinsberger Tal haben die Kurse zu Mose I begonnen. In der ersten Einheit geht es auch um Geschichte – Schichten, die sich in unserem Leben eingelagert haben. Visualisiert wird dies über verschiedene Stoffe, die im Lebenskorb eingeschichtet sind.

    Einschichtungen, Schichtmodelle finden sich auch in vielen anderen Bereichen wieder. Gesteinsschichten, die übereinander liegen, verworfen werden, sich durch Einflüsse wie Druck und Temperatur verändern und Bodenschätze bilden.

    Oder die Entstehung von Humus – fruchtbarer Erde. Immer mehr wird der Wert von Kompost entdeckt. Bei einem guten Kompost sammelt sich schichtweise Verschiedenes an – vieles davon würden wir eigentlich als unnütz und mindestens unansehnlich abtun. Damit Kompost gut reift, muss die Belüftung stimmen und die Organismen, die die Bestandteile umsetzen. Vielfalt der Schichten wirkt sich positiv aus. Durch die Bearbeitung vom Menschen und vielen – oft nicht sichtbaren Wesen – erfolgt eine Umwandlung. Es entsteht ein fruchtbares Substrat, das dem Leben dienen kann.

    Auch die Bibel besteht für mich aus vielen Schichten. Über lange Zeiträume haben sich Geschichten, Lieder, Visionen zusammengesammelt. Einzelverse, Textabschnitte, Bücher bilden Muster. Zwischen den Schichten gibt es Zusammenhänge, die überaus komplex sind. Vorher und nachher, Ursache und Wirkung, menschgemacht und gottgemacht, Himmel und Erde sind untrennbar vermischt, beeinflussen sich gegenseitig, sind verwoben und alles enthält immer Elemente vom anderen,

    Wenn ich die Bibel für mich nutzbar und fruchtbar machen möchte, dann muss ich in die Schichten eintauchen. Es gibt Schichten, die sich mir nicht erschließen. Deren Sinn ich nicht sofort erkenne oder die ich sogar unpassend finde. Aber meine Erfahrung ist, dass sich etwas entwickeln kann, wenn ich dran bleibe, wenn ich Muster genauer ansehe, wenn ich versuche Zusammenhänge zwischen altem und neuen zu finden. Wenn ich mir die Grundmuster der Schicht ansehe, ohne mich daran zu stören, dass es da Stellen gibt, die mich abstoßen oder die ich zu schnell als altmodisch abtue und versuche sie auszusortieren.

    Der Geist Gottes hilft bei der Bearbeitung, macht uns die Texte bekömmlich, schafft Erkenntnisse und lässt uns immer neue Verbindungen finden. Zum Glück gibt es aber auch Texte und Verse, deren Muster sofort entgegenleuchtet, deren Schatz sich schnell enthüllt.

    Das Durchforsten, das Bearbeiten, sich damit beschäftigen, nicht nachgeben hat einen Lohn. Die Bibel wird zum Lebensbuch, dient dem Leben.

    Wenn Druck aufkommt, quillt von unten ein Vers, eine Textstelle durch, die mir hilft den Druck auszuhalten. Meine Seele kann sich nähren von den Früchten der Bearbeitung.

    Viel Freude beim umgraben wünscht Eure Christine Sommer

    3 min
  • Meine Beziehungskisten

    Ich bin gerade mit König David beschäftigt und mit seinen und meinen Beziehungskisten. Von König David heißt es, dass vor und nach ihm kein größerer König in Israel war. Er muss also ein richtig großes Vorbild sein. Der Größte eben. Das kennen wir vielleicht alle, dass es dieses Bestreben in uns gibt, dass wir der oder die Größte sein wollen und viel Kraft und Zeit dafür investieren. Manchmal ist es vielleicht einfach nur ein Muster, dass es, wie bei mir, eben zur Lebensgeschichte gehört, dass man die oder der Älteste in der Geschwisterreihe war.

    Von David heißt es, er war der Größte. Ohne Anstrengung oder Geschwisterreihe. Dann lese ich seine Geschichte im Alten Testament und bin erstaunt. Ja, er war der Mann, der Israel zum Friedensreich führte. Aber es gibt auch den David, der sich immer wieder schuldig machte und keineswegs eine weiße Weste hatte. Also doch kein Vorbild? David ist der Mann, der immer und immer wieder sagte: „Herr, ich habe gesündigt“.

    Könnte das heißen, Herr, ich habe wieder mal selbständig entschieden. Ich habe wieder einmal so getan, als ob es dich nicht geben würde. Ich habe wieder mal so gehandelt, als ob ich die letzte Instanz wäre.  Herr ich habe gesündigt! Es tut mir leid! Vergib mir! Ich will wieder, dass mein Herz ungeteilt dir gehört. Dass mein ganzes Herz dir gehört, mit allem was mir gelungen ist, aber auch mit dem, wo ich schuldig geworden und gescheitert bin.

    Ob das die Größe Davids war? Sein ganzes Leben, sein ganzes Herz, vor Gott auszuschütten und alle Beziehungskisten mit Gott zu teilen? Mir scheint, dass es das ist, was ihn für uns zum Vorbild macht.

    Auf der einen Seite:“ Herr ich habe gesündigt.“ Und zum anderen:“ Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist seinen Heiligen Namen. Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

    Wenn ich David so vor mir sehe, dann möchte ich von seiner Größe lernen. Alles darf sein, alles gehört zu mir. Alle meine Beziehungskisten sind Gott nicht fremd. Er sieht mich. Mein ganzes Herz soll dem Herrn gehören. Denn er krönt mich mit Gnade und Barmherzigkeit.

    Ich grüße euch in die neue Woche hinein

     Eure Traudel Krause

    3 min
  • Vaterunser- elementare Nöte erkennen und vor Gott bringen

    Ich bin zum Schatzsucher geworden. Dazu hat mich Matthias Claudius verführt. Der meinte, dass es das Vaterunser wert ist, dass wir uns mit ihm intensiv beschäftigen, „um unbekannten Schätzen auf die Spur zu kommen“. Ich suche die Schätze des Vaterunsers und habe eine Predigtreihe begonnen. Mit dem Vaterunser bin ich seit dem letzten Jahr intensiv unterwegs. Der Kurs von Stufen des Lebens in unserer Gemeinde hat mir dazu Anstoß gegeben: „Vaterunser – ein beinahe alltägliches Gespräch“.

    Ich studiere seitdem auch die Auslegung des Vaterunsers in den Katechismen von Martin Luther. Mit Hilfe einer Interpretation meines längstens verstorbenen theologischen Lehrers Albrecht Peters. Er hat fünf Aspekte bei Luther herausgearbeitet, warum das Vaterunser so wichtig ist. Mich hat in den letzten Wochen der vierte Aspekt umgetrieben:

    Im Vaterunser erkennen wir unsere elementaren Nöte und bringen sie vor Gott.

    Was sind unsere elementaren Nöte und wo werden sie im Vaterunser aufgenommen?

    Das habe ich vor kurzem in einer Themenreihe in der Gemeinde gefragt. Zunächst habe ich wie bei Stufen des Lebens das Vaterunser mit dem konzentrierten Bodenbild der sieben Blüten um die zentrale Blüte gelegt. Beim Sprechen des Vaterunsers habe ich die Vaterblüte mit der Anrede entfaltet, dann die sieben Blüten mit den sieben Bitten, eine nach der anderen.
    Und dann schrieben wir auf ovale Kärtchen, was uns an elementaren Nöten in den Sinn  kommt, was uns umtreibt und belastet. Natürlich wurden die vielfältigen Krisen genannt, die uns Angst machen und Sorge. Aber es kamen auch Nöte, die mit uns und unserer Gesellschaft zu tun haben. Es macht mir Not, dass wir so wenig empathisch sind, dass der Egoismus sich ausbreitet, die Unfähigkeit auf den anderen zu hören und die wachsende Undankbarkeit.
    Wir haben die Nöte den Bitten beigelegt. Wir haben selbst entdeckt. Es stimmt, wir können alles, was uns umtreibt zu einer, zwei oder drei der Bitten legen. Unsere elementaren Nöte werden in den Vaterunser-Bitten aufgenommen. Es stimmt, was der Theologe Helmut Thielike geschrieben hat: „Das Vaterunser ist das Gebet, das die Welt umspannt.“
    Jede Bitte des Vaterunsers kann man jeweils einem Tag der Woche zuordnen. „Geheiligt werde dein Name“ dem Sonntag. Ich füge dann der Bitte elementare Nöte hinzu.

    So versuche ich mit dem Vaterunser durch die Woche zu gehen. Im Vertrauen auf den Vater im Himmel. „Wenn die Last der Welt dir zu schaffen macht, hört er dein Gebet.“

    Schalom und liebe Grüße

    Ihr und Euer

    Hans-Martin Steffe, Linkenheim-Hochstetten

    3 min

About Stufen.aufs.Ohr

From the publisher's feed

Stufen.aufs.Ohr – Stufen zum Lauschen - für Zwischendurch