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El Roi
Sicherlich kennt ihr die Jahreslosung 2023. Dieses Mal kann ich sie mir richtig gut merken: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ Genesis 16,13.
Am Anfang des Jahres wird reichlich über sie gepredigt, Andachten dazu gemacht, das Jahreslosungslied gesungen – manchmal kann man sie dann „fast nicht mehr hören“...
Und dann ist der „Hype“ irgendwann vorbei!
Deshalb fand ich es so gut, dass beim letzten großen Treffen der Mitarbeitenden im „Heimatland von Stufen des Lebens im Weinsberger Tal“ uns Ute wieder mit hineingenommen hat in ihre Gedanken zu diesem Vers.
Das hat mich inspiriert - und so möchte ich heute daran anknüpfen – mit 3 Gedanken, die ich bisher zur Jahreslosung gesammelt habe:
Hagar gibt Gott den Namen El-Roi: Gott, der mich sieht. Eine Frau gibt Gott einen Namen – wenn ich richtig weiß, sogar als erste Person in der Bibel. Stark oder? In der patriarchischen Welt. Noch bevor Mose Gott im Dornbusch erkennt und Gott sich ihm vorstellt, erkennt Hagar Gott und gibt ihm einen Namen. Das stärkt mich als Frau. Das ist stärkend für all die, die sonst kaum gehört oder gesehen werden.
Und so rufe ich dir heute zu: Sei gestärkt! Gott sieht DICH!
Ein Gott, der mich sieht: Ich sammle Namen oder Beschreibungen Gottes, die ich in der Bibel lese, auf einem großen Wandplakat in meinem Büro. Diese gesammelten Beschreibungen lese ich mir immer wieder durch. Es hilft mir den Fokus weg von mir auf Gott zu richten und mir vor Augen zu führen, wie groß, mächtig, umfassend Gott ist. Das rutscht mir im Alltag immer wieder weg. Dieser Gott, der sein Wort hält, der gekleidet ist in Licht, der ewig ist... – dieser Gott sieht mich. Im Größenverhältnis ist das vielleicht so vorstellbar, als wenn ich die kleine Ameise auf dem Waldboden erkenne nur mit viel schärferer Linse! Letztendlich ist dieser Ausruf Hagars zum Staunen und sich freuen!
So rufe ich dir heute zu: Freue dich! Gott sieht DICH!
Gott sieht mich und Gott sieht die anderen: Habe ich Gottes Ansehen auf mir und in mir gespürt, dann kann ich gar nicht anders als die anderen zu sehen. Wir sind geschaffen in Gottes Ebenbild. Unser Gott hört und sieht. Wir hören und sehen. Manches ist schmerzlich, manches fordert uns heraus. Doch sind wir beim Sehen und Hören nicht alleine. Gott ist immer mit dabei.
So rufe ich dir heute zu: Sei mutig und bitte Gott, dass er dich mit seinen Augen sehen lässt. Ich glaube ich werde staunen – über Gott und über mich an seiner Hand – denn mit ihm können wir über Mauern springen.
Eine gesegnete Woche! Eure Damaris Friedrich
Unter diesem Losungswort aus dem Markusevangelium stand der Kirchentag dieses Jahr, der in Nürnberg stattgefunden hat.
Auch wir, von „Stufen des Lebens“ hatten einen Stand auf dem Markt der Möglichkeiten. Wir, das war ein tatkräftiges, fröhliches Team aus ganz Deutschland.
Ja, jetzt war die Zeit, zusammen zu stehen, einander und den Menschen mit seinen Gaben zu dienen.
Das Thema Zeit ist immer wieder hochaktuell. Was heißt denn: JETZT ist die Zeit?
Auch auf dem Kirchentag war Zeit für mich ein Thema:
Neben unserem „Dienstplan“ galt es immer wieder zu entscheiden: was mache ich mit der übrigen Zeit? Verplane ich sie? Mache mir einen genauen Plan, was ich mir wo anhöre und ansehe? Oder lasse ich mich beschenken und schau, wie mir die Zeit geschenkt und gefüllt wird?
Irgendwann habe ich entschieden, mich „beschenken“ zu lassen, einfach mal Zeit zu lassen. Allein diese Entscheidung hat mich ungeheuer entlastet und mir entspannte Zeit geschenkt.
(Das erinnerte mich an die Gedanken aus der Anfangszeit in der Krankenhausseelsorge: Reicht die Zeit denn überhaupt? Sollte nicht viel mehr Zeit mit diesem oder jenem Menschen verbracht werden? Das hat mich unruhig gemacht, bis ich mich für das JETZT entschieden habe.
Jetzt ist die Zeit: für Gespräch, für Gebet, für Segen, für Schweigen oder auch Zeit zu gehen.)
Wenn wir die Geschichten um Jesus sehen, und das fasziniert mich immer wieder, lässt er sich unterbrechen, um zu heilen. Er ergreift die Zeit zur Stille, aber auch die Zeit zu reden. Manchmal hat man den Eindruck, es drängt Ihn JETZT!
So habe ich mich auch auf dem Kirchentag für das JETZT entschieden.
Die Zeit, die uns als Team geschenkt wurde, haben wir weiter geschenkt. Und wurden beschenkt. JETZT!
Viele Menschen kamen an unserem Stand vorbei.
Viele Menschen ließen sich unterbrechen, nahmen sich Zeit. Sie schenkten uns Vertrauen und teilten mit uns Lebenserfahrungen, Leid, Ärger und Freude.
Sie wurden beschenkt mit Gemeinschaft auf Zeit. Mit Reden in begrenzter und doch ausreichender Zeit, mit Teilen in der gewünschten Zeit.
Das Bewegendste für mich war die Segenszeit. Beim Drehen unseres Kursthemenrades blieb manches Mal der Zeiger bei „Segen“ stehen, an den Kurs erinnernd: Der Segen bleibt, die Geschichte von Jakob. Als „Mitgebsel“ haben wir an dieser Stelle angeboten, sich segnen zu lassen. Alle Menschen, alle Altersklassen ließen sich segnen, berühren und gingengestärkt, manche mit Tränen in den Augen frohgemut weiter. Viele sagten, das sei das gewesen, was sie genau jetzt gebraucht hätten.
Rechne ich mit dem Gott, der der Anfang und das Ende aller Zeit ist? Der auch meine Zeit in Seinen Händen hat? Und der, wie es im Buch Prediger heißt, Seine Ewigkeit in mein Herz gelegt hat?
Ich wünsche uns und Ihnen, dass es uns immer wieder neu gelinge, das JETZT zu ergreifen, heilige und heilsame Augenblicke zu erleben, uns daran in Dankbarkeit zu freuen und weiter zu schenken.
Je länger man das Vaterunser betet,
Mir ist die Fülle und die Tiefe des Vaterunsers wieder neu aufgegangen, als wir im letzten Herbst in unserer Gemeinde den Kurs von Stufen des Lebens vorbereitet und durchgeführt haben: „VATERUNSER – ein beinahe alltägliches Gespräch“.
Gott uns kindlich, vertrauensvoll nahen, heißt aber nicht ihn zu vereinnahmen oder zu haben. Das bringt die erste der sieben Bitten zur Sprache: „Geheiligt werde dein Name.“ Das ist eine heilsame Spannung. Gott ist Gott, der ewige und heilige, der gerechte und allmächtige. Er steht uns nicht beliebig zur Verfügung. Aber durch Jesus ist er uns nahe gekommen wie ein Vater oder eine Mutter ihrem kleinen Kind ganz nahe ist. Und doch Gott bleibt der Heilige. Nähe und Distanz in Anrede und erster Bitte des Vaterunsers. Das ist eine heilsame Spannung.
Wie sieht das mit der Heiligung aus? Zum einen Gott mit Ehrfurcht begegnen. Ihm alle Ehre geben. Ihn den dreieinigen Gott, den Vater durch den Sohn im Heiligen Geist anbeten und loben. Vor allen unseren eigenen Anliegen und Bitten ihn preisen. Gottesdienst feiern.
Die Spannung vom nahen und verborgenen Gott finden wir auch in Luthers Kleinem Katechismus bei der Auslegung der 10 Gebote. Jedes Gebot beginnt mit der Begründung:
Schalom und liebe Grüße Hans-Martin Steffe
Pfingsten gehört neben Weihnachten und Ostern zu den großen christlichen Festen, aber außerhalb der christlichen Gemeinden geht Pfingsten irgendwie unter.
Laut einer Umfrage weiß nur etwa jeder Zweite in Deutschland, was an Pfingsten eigentlich passiert ist. Irgendwie hat sich aus Pfingsten auch keine allgemeine Tradition entwickelt, wie Weihnachtsbräuche oder Osterhasen, die dafür sorgen, dass man im Supermarktregal an die anstehenden Feiertage erinnert wird.
Vielleicht gibt es hierfür historische Hintergründe, die ich nicht kenne, aber ich denke es hat auch etwas damit zu tun, dass das Pfingstereignis nicht so anschaulich ist.
Jeder kann mit dem Bild eines neugeborenen Kindes etwas anfangen und die heilige Familie kann in der Kunst sehr einfach dargestellt werden. Auch Kreuzigung und Auferstehung können zumindest optisch noch gut nachvollzogen werden.
Der Geist Gottes aber entzieht sich der Darstellung. Die Bibel nutzt Vergleiche: Der Geist kommt wie ein Taube herab, Feuerzungen setzen sich auf die Apostel.
Bilder helfen uns Menschen etwas begreifbar zu machen. Gerade bei Stufen des Lebens nutzen wir das. Und vielleicht macht das die Geschichte von der Ausgießung des Geistes so schwierig. Wir können den Geist nicht sehen. Wenn er abgebildet werden soll, müssen wir auf Vergleiche, auf Symbole zurückgreifen und Symbole muss man immer deuten können.
Auch mir fällt es schwer den Heiligen Geist jemand anderem zu erklären.
Das liegt auch daran, dass er geheimnisvoll vielseitig ist. Der Heilige Geist ist ein Teil Gottes und ist auch in mir. Der Geist ist mein Helfer, mein Glaubensunterstützer und auch derjenige, der mich verändern kann und mich mit Fähigkeiten ausrüstet, die nicht aus mir selbst kommen. Er ist ein Mittel mit dem Gott wirken kann und er nutzt einzelne Menschen oder auch Menschengruppen als Werkzeuge. Er hat eigentlich keine eigene Gestalt und tritt in sehr unterschiedlichen Wirkungsweisen auf.
Wenn ich dies versuche jemandem zu erklären, der keine eigenen Erfahrungen mit dem heiligen Geist hat, sehe ich die Fragezeichen im Gesicht des anderen. Davon kann ich mich frustrieren lassen und aufhören über den Geist zu reden. Aber dann wird Pfingsten irgendwann zum vergessenen Fest und gilt nur noch als Startschuss der Sommersaison.
Also versuchen wir doch weiter, Bilder und Symbole zu finden und den Geist zu beschreiben. Der Geist, der ist wie der Wind – man sieht ihn nicht, doch spürt man ihn, wenn er weht und man kann die Auswirkungen beobachten. Erzählen wir, wie der frische Windgeist mich verändert und andere bewegt und den Kopf frei macht für neue Gedanken.
Berichten wir von den Feuerflammen, wenn plötzlich jemand sprichwörtlich „Feuer und Flamme“ für etwas wird und für ein Thema brennt, wo also jemand begeistert wird. Erinnern wir einander daran, wenn der Geist unsere Zunge lenkt und so Kommunikationsprobleme ausräumt.
Eine begeisternde Woche wünscht Euch Christine Sommer
Die Geschichte vom Auszug aus Ägypten beschäftigt mich. Nach vielen Plagen und Schwierigkeiten zeigt sich eine Tür, ein Tor. Wer mag, kann die spannende Geschichte lesen im 2.Mosebuch Kapitel 14. Was schon nicht mehr wahr zu werden schien, ist auf einmal möglich. In einem Vers heißt es: „Der Herr zog vor ihnen her“. Ein großes Ereignis. Die Israeliten ziehen aus Ägypten aus, heraus dem Land, in dem sie als Sklaven dienen mussten. 600 000 Männer, nochmal so viele Frauen, Kinder und viele Tiere machten sich auf den Weg. (2.Mose 12,37) Ausziehen, heißt das nicht, alles hinter sich lassen, sich auf den Weg machen? Da kommt in mir die Frage auf, wann kann ich das alles hinter mir lassen, was mich immer wieder in Spannung hält und infrage stellt. Wann kann ich heraus aus der Eigenverurteilung…“ schon wieder hast du es nicht geschafft“. Wann heraus aus alten Gewohnheiten und Strukturen? Wann endlich kann ich mich neu auf den Weg machen? Ich spüre, dass es den richtigen Augenblick gibt. Den Kairos. Und ich merke, dass ich nur losgehen kann, wenn das ganze große Volk“ in mir“ eins ist. Gott will Freiheit für seine Menschen, sein „Go“ ist schon längst da.
Wenn ich das Kapitel 14 lese, spüre ich allerdings etwas davon, was da alles in mir gegen diesen Aufbruch steht. Bisher war immer der Pharao, die Seite in mir, die sich nicht verändern will, so stark, dass es keine Chance gab. Aber dann, nach vielen Plagen kam der Aufbruch und das Volk zog los.
Und dann? Das Volk gerät in die Klemme. Plötzlich war vor ihnen das Meer und hinter ihnen der Pharao mit seiner Streitmacht. Pharao hatte es sich anders überlegt. Er wurde rückfällig. In diese Situation hinein sagt im Vers 14 Mose zu seinem Volk:“ Fürchtet euch nicht. Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet stille sein.“ Eine große Ruhe liegt in diesem Satz. Der Herr macht es! Und wie soll das gehen? Es kam ein Ostwind. Nur ein Ostwind. Aber der treibt das Wasser auseinander. Damit das Volk einen Weg findet. Zugegeben, es ist kein ungefährlicher Weg, aber eine Möglichkeit, um durchzukommen.
Die Frage ist, ob wir es wagen, uns unter diesen Umständen auf den Weg zu machen. Pfingsten steht vor der Tür. Das Fest, in dem Gott uns in einer ganz aktiven Weise begegnet. Im Wind des Heiligen Geistes. Ob es damit etwas zu tun hat?
In diesem Sinn wünsche ich uns ein bewegtes Pfingstfest.
Ihre und eure Traudel Krause
So ging es mir schon mal... und dann hatte ich doch was zu sagen. Heute ist es anders. Aber von vorne...
Eigentlich wäre heute jemand anderes an der Reihe – wir hatten mal getauscht und Anfang letzter Woche meinte sie, dass sie diese Woche aufgrund der Fülle an Aufgaben doch keinen Impuls schreiben kann. Ich bot an, den Impuls zu übernehmen, hatte ich doch so einiges im Kopf, was mich beschäftigt.
Das Wochenende kam, bisher war noch keine Zeit und nun wollte ich schreiben – aber es kam nichts. Verschiedene Themen bewegen mich seit einer Weile oder auch ganz aktuell seit letzter Woche, über die ich gern was sagen würde: z.B. zur Heiligkeit Gottes oder über die für mich schwierigen Stellen in der Bibel, wenn geschrieben steht: „Gott verstockte das Herz von Pharao“ – bevor das Volk aus Ägypten ausziehen kann ODER auch die Stelle aus 1. Samuel, wo erzählt wird, dass Gott einen bösen Geist zu Saul kommen lässt.
Wie bekomme ich das mit der Gnade Gottes zusammen, von der ich letzte Woche geredet habe?
Viele Gedanken und Fragen, ein Suchen in mir – und noch nichts ist reif, um gesagt zu werden.
Und dann ist es gut – auch nichts zu sagen.
Das gilt es auch einzuüben:
nichts zu sagen, wenn man nichts zu sagen hat und die Leere dann nicht mit Worten zu füllen – weil man meint, man muss, soll, kann...
UND etwas zu sagen, wenn man was zu sagen hat.
Heute morgen kam mir dann der Gedanke: Les den Text zur Himmelfahrt Jesu.
Das werde ich nun tun - aus Lukas 24 - und ihr dürft Hören, Lauschen, dem Nachspüren und eure Gedanken wahrnehmen.
Jesus erschien seinen Jüngern nach seiner Auferstehung. Er verbrachte Zeit mit ihnen und erklärte ihnen manchen Zusammenhang der Schriften. „Ihr seid Zeugen für alles, was geschehen ist“, sagt Jesus zu ihnen. „Ich werde den Geist zu euch senden, den mein Vater versprochen hat. Bleibt hier in der Stadt, bis ihr diese Kraft von oben empfangen habt.“
Dann führte Jesus sie aus der Stadt hinaus bis nach Betanien. Er hob die Hände und segnete sie. Noch während er sie segnete, entfernte er sich von ihnen und wurde zum Himmel emporgehoben. Die Jünger fielen zu Boden und beteten an. Dann kehrten sie voller Freude nach Jerusalem zurück. Sie verbrachten die ganze Zeit im Tempel und lobten Gott.
Vielleicht bist du diese Woche Zeuge für Jesus und lobst ihn voller Freude.
Eine gesegnete Woche, Eure Damaris Friedrich
An einem der letzten Sonntage predigte unser Pastor über die Gnade. Bibeltext war der Epheserbrief Kapitel 2. Ganz deutlich macht Paulus in diesem Briefabschnitt, dass wir „aus reiner Gnade errettet sind“ (Vers 5) – und aus nichts anderem oder ohne irgendwas dazu: allein durch Gnade. Es ist die Gnade Gottes. Punkt. Die alles verändert und alles macht.
In Vers 8 & 9 schreibt Paulus: „Das (also die Errettung, das Lebendigmachen) verdankt ihr nicht eurer eigenen Kraft, sondern es ist Gottes Geschenk. Gott gibt es unabhängig von irgendwelchen Taten, damit niemand darauf stolz sein kann.“
Gnade – Gott allein.
Was macht das mit dir – wenn du das so hörst?
Du hast nichts dazu beigetragen. Du kannst dich nichts rühmen. Du kannst nicht stolz darauf sein.
Ich glaube die erste Reaktion ist Freude und Dankbarkeit. Geschenke sind was Tolles. Die nehmen wir gern an. Vielleicht ist eine Reaktion auch Erleichterung – dass ich nichts „machen muss“.
Gehen wir einen Stock tiefer in unseren Gedanken und Gefühlen. Was regt sich da?
Naja, also klar! Gott schenkt mir die Gnade – aber ich, der Mensch, muss sie doch annehmen und mich dafür entscheiden. Das ist schon mein Teil daran. Ich nehme an und vertraue Gott.
Doch etwas Stolz? Doch etwas zum Rühmen? Doch etwas, das wir dazu beitragen...?
Meinen Beobachtungen nach fällt es uns Menschen sehr schwer ein Geschenk einfach anzunehmen, zu empfangen, OHNE, dass wir dafür irgendwann etwas zurückgeben. Spätestens wenn wir das nächste Mal zu Besuch kommen, bringen wir was „Kleines“ mit.
Was wäre, wenn wir wirklich gar nichts dazu beitragen – sondern Gott uns zuerst beschenkt und dann noch das „Wollen und das Vollbringen“ in uns wirkt?
Halten wir das aus?
Warum fällt es uns so schwer, NICHTS zu tun, „reine Empfangende“ zu sein?
Wer bin ich dann? Wer sind dann die anderen? Welchen Wert habe ich, ohne etwas zu tun, nicht einmal das Empfangen, Annehmen oder Entscheiden...
So tiefgehende Fragen.
Spannend finde ich, dass dieses Kapitel in der Basisbibel mit „Die Einheit der Kirche“ überschrieben ist. Wie kommen die Übersetzer drauf, dieses Kapitel über das Gnadengeschenk mit der Einheit der Kirche zusammenzubringen? Andere Übersetzungen reden vom „Neuen Leben“. Ich weiß es nicht.
Aber ich ahne, dass unsere Einheit als Christen von dieser radikalen Haltung des „Allein durch Gottes Gnade“ abhängt. Dann ist Jesus unsere Mitte, der Tod und die Auferstehung unsere Rettung und wir alle die Beschenkten. Punkt.
Jeden Morgen beginne ich mit Luthers Morgensegen:
Ich danke dir, mein himmlischer Vater,
Kurz und kräftig und konzentriert ist dieses Morgengebet. Es ist angestoßen von der siebten Bitte im Vaterunser, wie Jesus es uns vorgesagt hat. Da heißt es: „…sondern erlöse uns von dem Bösen“. In Luthers Morgensegen ist das Böse vielfältig angesprochen.
Zuerst im Danken dafür, dass Gott uns in der vergangenen Nacht vor allem Schaden und aller Gefahr bewahrt hat. Leben ist immer gefährdet. Leben ist verletzlich. Am Morgen fröhlich aufstehen, ist nicht selbstverständlich. Darum danke ich jeden Morgen, dass Gott mich in der vergangenen Nacht behütet hat.
Auf das Danken folgt das Bitten. Ebenfalls gegen die Macht des Bösen befehle ich mich dem himmlischen Vater an. „Er wolle mich behüten vor Sünden und allem Übel.“ Also vor dem abgründigen Bösen, dass ich vergesse, dass Gott ein liebender Vater ist und sich um seine Kinder sorgt. Die Sorge soll mich nicht bestimmen und entmutigen. Aber ich bitte auch um Bewahrung vor allem Übel, vor allem, was mich an Zerstörerischem umgibt.
Auf Danken und Bitten folgt die tägliche Lebenshingabe an den Vater im Himmel im Namen Jesu: „Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.“
Kurz und kräftig und konzentriert ist Luthers Morgensegen. Ihn auswendig lernen, lohnt sich, und ihn zu verinnerlichen. Dann kann es in mir beten, wenn mir eigene Worte fehlen.
Ich sitze im Ostergottesdienst und wünsche mir so sehr, dass ein Wort von Jesus mich berührt, mich trifft. Ich wünsche mir, dass ich dem Auferstandenen begegne und ich in sein neues Leben mit hineingezogen werde.
Ich höre das 15. Kapitel des ersten Korintherbriefes, das ist der Predigttext :“Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift, dass er begraben wurde, dass er am dritten Tage auferstanden ist nach der Schrift, und dass er gesehen wurde von Kephas, danach von den Zwölfen, danach von 500 auf einmal, von denen die meisten noch leben, aber einige sind entschlafen…“. Einige sind gestorben und das hat die Korinther irritiert.
Das Problem in Korinth- wie auch bei uns heute ist, dass die Menschen sterben, dass wir oft durch großen Schmerz und durch großes Leid gehen, dass das Sterben scheinbar alles infragestellt. In Korinth sagten dann manche, es gäbe keine Auferstehung von den Toten. Paulus antwortet darauf: Wenn ihr sagt, dass es keine Auferstehung gibt, dann ist euer Glaube nichtig. Paulus ist ganz klar, es ist eine existentielle Frage.
Ich höre sehr aufmerksam zu und merke, dass diese Fragen mich schon immer sehr stark bewegen. Die Vergänglichkeit und Endlichkeit unseres Lebens stellte und stellt für mich die wichtigste, die brennendste Frage dar. Und ich erinnere mich, dass der entscheidende Satz am Anfang meines Lebens als Christ der Satz Jesu war: „Wer an mich glaubt, der HAT das ewige Leben“. Nicht, der wird es haben. Sondern: der hat das ewige Leben. Das Leben mit Christus ist hier und heute ewiges Leben.
Und dann höre ich, dass die Tatsache der Auferstehung auch für die Menschen des Alten Testamentes gilt, dass es für Mose zum Beispiel gilt. Dass nur wir in der Kategorie der Zeit leben. Gott ist ewig, bei ihm gibt es kein vorher und nachher. Was war, gilt auch jetzt und bleibt wirksam für alle Zeit.
Das wichtige Wort für mich ist das Wort“ Vergegenwärtigung“. Ich nehme es jetzt heute für mich als Gegenwart, dass Jesus Christus den Tod besiegt hat, dass er alle Schlüssel hat, dass er für mich aufgeschlossen hat.
Ich merke, dass die Stelle, die mir am Schwersten geht, gleichzeitig auch die Stelle ist, an der ich für Gottes Berührung am empfänglichsten bin. Und ich spüre jetzt: Die Osterfreude ist da! Der Herr ist auferstanden!
In unserem Bezirk finden zurzeit Kurse zu „Ein Platz an der Sonne“ statt. In der ersten Einheit geht es um Zachäus, der in einen Baum gestiegen ist, um Jesus zu sehen. (Lukas 19,1 ff)
Eine eher beiläufige Frage im Kurs ist „Wie sehen denn unsere Bäume aus?“
Die Frage beschäftigt mich, weil ich sie nicht so leicht beantworten kann. Der Baum bietet Zachäus die Möglichkeit Jesus zu sehen, aber er ist auch ein Versteck. Der Baum gibt Zachäus scheinbare Größe, sorgt aber auch für Abstand zu den Anderen - auch zum eigentlichen Sehnsuchtspunkt Jesus.
Wo also gibt es heute Beispiele, in denen man sehen will, aber nicht gesehen werden will?
Hier fallen mir die neuen Medien ein. Aus dem sicheren Versteck meiner Internet-Identität kann ich Kommentare abgeben, bewerten, benoten, schlechtmachen ohne dass ich mich den anderen stellen muss und ohne das Risiko, dass jemand den gleichen Maßstab bei mir anlegen könnte.
Auch Fernsehgottesdienste erscheinen mir wie solche Bäume, wenn ich sie dem Präsenzgottesdienst vorziehe, um bestimmten Menschen nicht zu begegnen oder weil man leicht umschalten kann, wenn Bestandteile kommen, die einem nicht passen.
In letzter Zeit ist mir der Begriff Zuschauergesellschaft mehrfach aufgefallen. Wir sehen zu, wir bewerten, wir wollen informiert und unterhalten werden ohne Entscheidungen zu treffen, für die ich einstehen muss. Wir setzen uns in den Baum.
Und was passiert nun, als Jesus an dem Baum vorbeikommt, auf dem Zachäus in seiner Zuschauerrolle sitzt? Er fordert ihn auf, herunterzusteigen, weil er in seinem Hause einkehren muss. Also raus aus der Zuschauerrolle, raus aus dem Versteck.
Und dafür bekommt er eine echte Begegnung mit Jesus, nicht nur ein aus dem Versteck gedrehtes Video eines vorbeiziehenden Rabbi.
Er nimmt Jesus auf und das bewirkt in ihm eine Veränderung. Er bereut seinen bisherigen Umgang mit seinen Mitmenschen und will ihnen nun Gutes tun. Heute würden wir vielleicht sagen, er will sich in die Gesellschaft integrieren und Jesus fordert auch die Gemeinschaft auf, Zachäus aufzunehmen.
Zuschauer zu sein ist zunächst ein einfacher Weg. Der Nachteil ist, dass man in der Masse untergeht, eigentlich keine Rolle spielt, nicht persönlich vorkommt. Wenn ich nichts an mich heranlasse, kann mich auch nichts berühren.
Manchmal beklagen sich Menschen bei mir, dass sie nicht gesehen werden. Könnte das auch daran liegen, dass derjenige versteckt in seinem Baum sitzt und anders als Zachäus nicht bereit ist, jemanden zu sich einzulassen?
Es wäre doch schöner, wenn wir zum Ernten in die Bäume steigen und nicht zum Zuschauen.
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