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Amerikanischer Funk. Songs von James Brown, Wilson Pickett oder Kool & the Gang bringen die Menge zum Tanzen. Die Partys heißen „Bailes Soul“, Soul-Tanznächte, und manchmal kommen mehr als zehntausend Menschen. Organisiert werden viele dieser Events von einem Kollektiv namens Soul Grand Prix. Ihre Veranstaltungen sind legendär: riesige Lautsprecheranlagen, DJs, Visuals und ein Publikum, das sich plötzlich als Teil einer neuen Bewegung versteht. Sie nennen sie: Black Rio.
Die Musik ist nicht nur Tanzmusik. Sie bringt auch eine neue Botschaft nach Brasilien aus den USA. Der Slogan lautet: „Black is beautiful“. Afro-Frisuren, Plateauschuhe, und ein neues Selbstbewusstsein der schwarzen Jugend in Rio. Künstler wie Tim Maia, Banda Black Rio oder Jorge Ben Jor mischen Funk, Soul und brasilianische Rhythmen und liefern den Soundtrack dazu.
Und genau das macht die brasilianische Militärregierung nervös. Denn die Diktatur behauptet seit Jahren, Brasilien sei eine „Rassendemokratie“, ein Land ohne Konflikte zwischen Schwarz und Weiß. Die riesigen Soul-Partys erzählen eine andere Geschichte: über Identität, Stolz und Ungleichheit. Der Geheimdienst beginnt, die Veranstaltungen zu überwachen. Polizei taucht bei den Bailes Soul auf. Organisatoren werden verhört, manche sogar verhaftet.
Der Staat hat Angst, vor Funk. Denn dort, auf den Tanzflächen von Rio, versammeln sich plötzlich tausende junge Menschen, die entdecken, dass Musik auch ein politisches Gefühl sein kann. Obwohl die Bewegung Ende der 70er langsam verschwindet, hinterlässt sie Spuren. Aus dem Geist von Black Rio entstehen später neue brasilianische Sounds. Vom Funk Carioca bis zum modernen Hip-Hop. Alles begann mit ein paar importierten Soulplatten und einer einfachen Idee: Wenn der Groove stimmt, kann Musik sogar eine Diktatur nervös machen. Black Rio, mehr als ein Musiktrend, ein Aufbruch der jungen Menschen in Brasilien, die sich nicht mehr unterdrücken lassen wollten!
Wie klingt Musik für Roboter? Die beiden Mitbegründer der Acid Jazz Band Brand New Heavies, Dawn Joseph und Jan Kincaid, gehen dem unter ihrem Pseudonym MF Robots, auch mit ihrem dritten Album auf den Grund. III (Part One) deutet darauf hin, dass eine Fortsetzung kommen wird. Nun aber der erste Teil, und der begeistert mit Dawns Vocal-Arrangements und jenem unwiderstehlichen Groove, der längst zum Markenzeichen des Projekts geworden ist.
Der Sound des Albums pulsiert vor Energie und stilistischer Finesse. Lässige Funk-Grooves greifen ineinander wie perfekt geölte Zahnräder, während warme Rhodes-Akkorde einen sanften Teppich auslegen, über den sich pointierte Bläser mit lässiger Eleganz legen. Man spürt förmlich den Geist der großen Soul- und Funk-Ära. Hier und da blitzt die Strahlkraft von Earth, Wind & Fire auf, doch MF Robots bleiben dabei stets im Hier und Jetzt verankert.
Das Album fühlt sich an wie eine Liebeserklärung an das Leben selbst. An die Liebe, an den Groove und an die pure Freude am gemeinsamen Musizieren. Von der ersten bis zur letzten Minute strahlt es eine ansteckende, warme Energie aus, die sofort ins Ohr und direkt in die Beine geht. Das beginnt beim midtempo Opener „Children of the World“ und endet mit dem ruhigeren „Through the Pain“. Ein besonderes Highlight ist für uns das mitreissende und lebensbejahende „Hello Sunshine“.
Ein weiteres großartiges Album, und nicht nur für Roboter. MF Robots, "III Part One", ist auf Good People Records erschienen.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Bekannt wurde er zunächst als Teil des Duos Pete Rock & CL Smooth, dessen Klassiker „Mecca And The Soul Brother“ bis heute als Meilenstein gilt. Aber er hatte so oft auch für andere seine Produzenten-Finger im Spiel. Einige dieser Klassiker wollen wir heute unter die Samplelupe nehmen. Beginnen wir mit einem der wohl bekanntesten Rap Nummern überhaupt. 1994 brachte Rapper Nas sein Meisterwerk „Illmatic“ auf Columbia Records heraus. Darauf das ikonische „The World Is Yours“.
Pete Rock suchte vermehrt im Jazz nach Samples. Und fand für diesen Track das richtige beim Song „I Love Music“ des Ahmad Jamal Trios. 1970 auf Impulse Records erschienen muss man beim Song zu Minute 5 springen, um dieses wirklich kurze Sample zu finden. Kurz an Dauer, lang an Bedeutung.
Samples gäbe es noch einige. Wie ihr sie findet? Reinhören!
Genau hier setzt Too Good To Go an. Die 2015 in Kopenhagen gegründete Initiative will überschüssige Lebensmittel retten, bevor sie entsorgt werden - und hat sich von einer Start-up-Idee zu einer internationalen Bewegung entwickelt. Und bei mir ist der Geschäfgtsführer von Too Good To Go - Österreich, Georg Strasser. Hört rein!
Gegründet wurde die Formation 1990 in München: MC David Pe, Producer Glammerlicious und DJ Explizit. In einer Zeit, in der viele noch auf Englisch rappten, begann David Pe früh damit, seine Texte konsequent auf Deutsch zu schreiben. Ein Schritt, der damals alles andere als selbstverständlich war und der später den Weg für viele nachfolgende Artists ebnete.
Mit ihrem Debütalbum „Coole Scheiße“ aus dem Jahr 1994 machten Main Concept erstmals richtig auf sich aufmerksam. Es folgten Releases wie „Genesis Exodus“, das heute als echter Underground-Klassiker gilt, und später Projekte wie „Plan 58“, ein Album, das komplett auf Freestyle-Sessions basiert. Parallel gründeten sie ihr eigenes Label 58Beats, über das sie nicht nur ihre eigene Musik, sondern auch andere Stimmen der Szene unterstützten und präsentierten.
Main Concept stehen seit jeher für Hip-Hop mit Haltung: intelligente Texte, kompromisslose Beats und eine starke Freestyle-Tradition. Von frühen Jams in Münchner Clubs bis hin zu allerlei Kollaborationen mit Acts aus der deutschsprachigen Szene. Mehr als 35 Jahre Rap-Kultur, Freestyle-Spirit und Münchner Hip-Hop-DNA. Danke Main Concept - am 14. März sind sie live im B72.
Gegründet 1968, entwickelt sich die Gruppe rasch zur musikalischen Institution. Der Name ist Programm: „Poly-Rythmo“, viele Rhythmen. Und genau das liefern sie. Funk, Afrobeat, Soul, Latin-Einflüsse und psychedelische Gitarren treffen auf traditionelle Rhythmen aus Benin, vor allem aus dem Voodoo-Kontext. Das Ergebnis ist hypnotisch, tanzbar und gleichzeitig kulturell verwurzelt. In den 1970er Jahren nimmt die Band Hunderte Songs auf, Schätzungen sprechen von über 500 Tracks. Veröffentlicht werden sie vor allem lokal in Benin und den Nachbarländern. International bleiben sie zunächst ein Geheimtipp. Während in Nigeria Fela Kuti den Afrobeat global bekannt macht, groovt Poly-Rythmo etwas westlich davon mit eigener Handschrift: weniger politisch aufgeladen, dafür oft noch stärker im traditionellen Rhythmus verankert.
Charakteristisch sind der treibende Bass, Bläser, verzerrte Gitarren und vor sich hin groovende Percussions. Man hört förmlich, wie mehrere rhythmische Ebenen ineinandergreifen. Die Songs können sich anfühlen wie eine nächtliche Tanzsession unter freiem Himmel. Tranceartig, energetisch, fast spirituell. Nach einer ruhigeren Phase in den 1980ern wird die Band in den 2000ern von internationalen DJs und Labels wiederentdeckt. Alte Vinyl-Aufnahmen tauchen in europäischen Clubs auf, Compilations erscheinen, und plötzlich steht das Orchestre Poly-Rythmo wieder auf Festivalbühnen. Diesmal weltweit. 2011 folgt mit „Cotonou Club“ sogar ein neues Studioalbum. Ein spätes, aber verdientes Comeback.
Was diese Musik heute so spannend macht? Sie klingt roh und direkt, aber gleichzeitig zeitlos. Viele aktuelle Afro-Funk- und Global-Groove-Produktionen beziehen sich auf genau diesen Sound. Poly-Rythmo zeigt, dass westafrikanischer Funk nicht nur ein historisches Kapitel ist, sondern ein lebendiger Einfluss bis in unsere Gegenwart.
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