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  • Superfly Album der Woche | Diogo Strausz - "Dance Para Se Salvar"

    Diogo Strausz ist so einer, der gefühlt schon ewig in unseren Playlists herumgeistert. Mal als Produzent, mal als Remixer, mal mit eigenen Projekten. Geboren in Rio de Janeiro, pendelt er heute zwischen São Paulo und Paris, arbeitet mit Labels wie Razor-N-Tape, Far Out und Co., produziert brasilianische Größen und schraubt nebenbei an seinen eigenen, sehr cineastischen Disco-Entwürfen.

    Mit „Dance Para Se Salvar“, übersetzt so viel wie „Tanzen, um sich zu retten“, legt er nun ein Album vor, das dieses Motto ziemlich wörtlich nimmt. Strausz taucht tief in die goldene Ära des brasilianischen Disco-Funk ein, lässt auch Bossa, Samba, Cosmic-Sounds und moderne Club-Ästhetik einfließen. Das Ganze wurde ganz im analogen Spirit von Favorite Recordings, mit Vintage-Equipment eingespielt und erinnert vom Sound an alte Rio-Studio-Sessions.

    Diogo Strausz bringt uns lebendige Arrangements, analoge Instrumente, Percussion und angenehme Wärme. Man hört, dass da jemand am Werk ist, der Tanzmusik als Gemeinschafts-Erlebnis versteht: zusammenkommen, loslassen, kurz mal raus aus der Weltlage. „Dance Para Se Salvar“ ist damit mehr als nur ein Disco-Update aus Brasilien, es ist ein kleines Plädoyer dafür, sich buchstäblich durchs Leben zu tanzen.

    Anspieltipps der Musikredaktion:

    • Viver, Lutar, Reerguer
    • Com Magia
    • Ele é Artista
    • Montanha Mágica
    • Popotão Grandão
    3 min
  • Superfly Buchkultur | Die späten Tage
    Es ist ein Lebensbericht, der auch traurig sein könnte, wenn nicht so viel Schönheit darin und in seiner Beschreibung läge: »Die späten Tage« von Natascha Wodin ist ein Text irgendwo zwischen Roman, Essay und Autobiografie.
    2 min
  • Superfly Im Gespräch | Im Gespräch: Martin Schipany (MA53)

    Martin Schipany leitet die MA53, die zentrale Kommunikationsabteilung der Stadt Wien. Sie verantwortet Markenstrategie, Kampagnen, City-Events und die direkte Information der Wiener Bevölkerung über Stadtmedien - immer mit dem Ziel, Themen wie Wirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Gewaltschutz oder den Eurovision Song Contest klar und verständlich zu kommunizieren. Aber was steht für 2026 an? Welche Ziele und Hürden gibt es? Gerald Travnicek hat zum Gespräch geladen.

    Mehr hört ihr nur, wenn ihr reinhört!

    16 min
  • Superfly Album der Woche | "Under And Above The Clouds" - Various Artists

    Mit "Under and Above the Clouds" legt uns Tramp Records einen Sampler auf den Plattenteller, der erst einmal irritiert - und dann begeistert. Yacht Rock aus Deutschland und Österreich? Ja, tatsächlich. Zwischen 1979 und 1991 wurde auch hierzulande und jenseits des Brenners geschmeidig gegroovt, mit Seeblick im Kopf und Studio-Perfektion im Blut. Ganz ohne Pazifik, dafür mit viel Gefühl für Melodie und Detail. Schluss mit Endless-Summer-Postkarten - willkommen im mitteleuropäischen Soft-Rock-Paralleluniversum.

    Yacht Rock steht normalerweise für West Coast, Hochglanzproduktion und butterweiche Harmonien. Dieser Sampler zeigt, wie diese Ästhetik in unseren Breiten interpretiert wurde: ein bisschen geerdeter, manchmal eigenwillig, aber immer charmant. Ein Paradebeispiel ist Reflection mit „Because“ - warmer Blue-Eyed-Soul, der an die Doobie Brothers erinnert, dabei aber angenehm analog und unaufgeregt bleibt.

    Der Reiz dieser Compilation liegt genau hier: Under and Above the Clouds ist keine Hitparade, sondern eine Schatzkiste. Vergessene Tracks, regionale Szenen, musikalische Umwege – alles greift ineinander und erweitert den Begriff Yacht Rock um spannende Nuancen. Vieles klingt vertraut, kippt aber im richtigen Moment ab: funky Grooves, jazzige Details oder schlicht der Umstand, dass diese Musik dort entstanden ist, wo man sie am wenigsten erwartet hätte.

    Under and Above the Clouds - Yacht Rock Grooves from Germany & Austria 1979–1991 ist auf Tramp Records erschienen – und ein überzeugender Beweis dafür, dass Smoothness keine geografischen Grenzen kennt.

    Anspieltipps der Musikredaktion:

    • Because
    • Austrian Sky
    • To the Westcoast
    • River of Laughter
    • Silverboat
    3 min
  • Superfly Buchkultur | Die Ausweichschule
    Manchmal gibt es Bücher, von denen man erst ein wenig später merkt, dass sie einem nicht aus dem Kopf gehen. Bei mir war das das Buch »Die Ausweichschule« von Kaleb Erdmann, es stand in diesem Jahr auch auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis.
    2 min
  • Superfly Musikgeschichten | The Christmas Song

    Geschrieben, 1945 von den Musikern Mel Tormé und Robert Wells, beide fest im amerikanischen Jazz- und Songwriter-Milieu der Zeit verankert. Entstanden ist der Song kurioserweise mitten im Sommer: Wells hatte eine Liste mit winterlichen Bildern notiert, angeblich, um sich bei der Hitze gedanklich abzukühlen. Tormé vertonte diese Bilder später zu einer Melodie, die ebenso schlicht wie zeitlos wirkt.

    Mel Tormé, oft als „The Velvet Fog“ bezeichnet, war ein vielseitiges Talent: Sänger, Pianist, Komponist und Arrangeur, der eng mit der West-Coast-Jazz-Szene verbunden war. Seine Stimme und sein Gespür für harmonische Feinheiten prägten den Song entscheidend, auch wenn er selbst nie die bekannteste Version eingesungen hat. Robert Wells hingegen arbeitete vor allem als Songwriter und Produzent und war in den 1940er-Jahren eine feste Größe im US-Radio- und Popgeschäft. Gemeinsam gelang ihnen ein Text, der bewusst auf religiöse Bezüge verzichtet und stattdessen universelle, beinahe filmische Momentaufnahmen beschreibt.

    Berühmt wurde „The Christmas Song“ durch Nat King Cole, der den Titel erstmals 1946 mit seinem Trio aufgenommen hat. Später folgten zwei weitere Versionen, darunter die luxuriös orchestrierte von 1961, die heute als Standard gilt. Coles ruhige, warme Baritonstimme verlieh dem Song jene intime Nähe, die ihn bis heute von vielen anderen Weihnachtsliedern unterscheidet. Statt Pathos oder Jubel setzt das Stück auf Zurückhaltung und ein Gefühl von stiller Dankbarkeit.

    Inhaltlich funktioniert der Song wie eine sanfte Collage aus Erinnerungen: geröstete Kastanien, eisige Winterluft, Kinderchöre, Bilder, die weniger konkret erzählen als Emotionen wecken. Diese Offenheit macht „The Christmas Song“ generationenübergreifend anschlussfähig und erklärt, warum er von Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald und Frank Sinatra ebenso interpretiert wurde wie von modernen Pop- und R&B-Künstler:innen wie Norah Jones oder Olivia Dean.

    Heute ist „The Christmas Song“ nicht nur ein fester Bestandteil der Weihnachtszeit, sondern auch ein Lehrstück klassischer amerikanischer Songwriting-Kunst: eine Melodie ohne Übertreibung, ein Text ohne Kitsch, und zwei Autoren, denen es gelungen ist, ein saisonales Lied zu schreiben, das weit über seine ursprüngliche Zeit hinaus Bestand hat.

    5 min

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