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Der Herbst ist die perfekte Jahreszeit für dieses Album der Woche. Musik zum Eintauchen, zum Einhüllen. Musik die nicht drängt, sondern einlädt. Keine Effekte, kein unnötiger Ballast. Großartige Musiker im Hintergrund und zwei musikalische Charaktere aus unterschiedlichen Welten davor. "LEO & LEO" von Leonor Watling und Leo Sidran.
Leonor Watling, Schauspielerin und Sängerin mit spanischen Wurzeln und Leo Sidran amerikanischer Singer/Songwriter, Produzent und Multiinstrumentalist haben seit gut 15 Jahren eine lose Verbindung. In Madrid haben sie sich immer wieder getroffen, und darüber gesprochen, gemeinsam etwas zu machen. Die Idee ließ man reifen bis man gespürt hat, dass es an der Zeit war, das gemeinsame Projekt anzugehen.
Jazz- und Soul-Anleihen, Singer/Songwriter-Sensibilität, subtile Pop-Momente.Die Zusammenarbeit der beiden wirkt deshalb nicht wie ein überstürztes Duett-Gimmick, sondern wie ein durchdachtes musikalisches Treffen zweier eigenständiger Persönlichkeiten mit gemeinsamen Interessen. Besonders auffällig ist die Leichtigkeit mit der sich die Stücke bewegen.
Die Songs auf dem Album bewegen sich thematisch zwischen Reflexion und kleinen Lebensbewegungen. Auf plakative Hooks wird verzichtet, stattdessen liegt die Qualität in der Klangfarbe, in der Stimmung, die sich ganz allgemein durch das Album zieht. Mal sanft gleitend, mal vorsichtig antreibend. Der Herbst klang selten schöner.
Alles beginnt in den frühen 50ern in Cincinnati, Ohio. Die Brüder O’Kelly, Rudolph, Ronald und später Vernon singen Gospel in der Kirche. Die Karriere startet zunächst schleppend und wird brutal gebremst, denn Vernon stirbt bei einem Autounfall. Doch der Glaube schenkt Hoffnung, und einen Neuanfang. 1956 zieht die Familie nach New York, wo die verbliebenen drei Brüder als Trio weitermachen. Erste R&B-Singles erscheinen, ehe 1959 mit „Shout“ der erste große Hit auf RCA Victor kommt - ein Call-and-Response-Klassiker, der bis heute Tanzflächen elektrisiert.
Motown1966 folgt der Wechsel zu Motown, mit dem Album „This Old Heart of Mine“ gelingt der endgültige Durchbruch. 1967 erscheint „Soul On The Rocks“. Ende der 60er gründen die Isleys ihr eigenes Label T-Neck Records – der Beginn ihrer goldenen Phase: Hits wie „It’s Your Thing“, „That Lady“, „Summer Breeze“ oder „For the Love of You“ verbinden Funk, Soul und Rock und machen sie zu einer der vielseitigsten Familienbands der Musikgeschichte. Gitarrist Ernie Isley erinnert dabei mit seinen Soli an Jimi Hendrix, der tatsächlich sogar kurz mit der Band spielte.
In den 80ern bringen die Isleys den Funk auf Hochglanz, etwa mit „Between the Sheets“, einem Klassiker, der unzählige Male gesampelt wurde. Nach Verlusten und Brüchen - O’Kelly stirbt 1986, Rudolph wird Prediger - bleibt Ronald Isley das Herz der Band. Unter dem Namen Mr. Biggs feiert er ab den 90ern Comebacks mit jüngeren Künstlern. Doch zwischendurch wächst die Band wieder, als Ernie, Marvin und Schwager Chris Jasper dazukommen, 1992 kommt es zu einem neuen Zusammenkommen.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends treten nur noch Ronald und Ernie als Isley Brothers auf. Bei Dreamworks feiern sie mit „Eternal“ und „Body Kiss“ große Erfolge. Nach dem 2006er-Album „Baby Makin’ Music“ wird es ruhiger, Ronald widmet sich zunehmend Soloprojekten. 2013 erscheint sein drittes Soloalbum „This Song Is For You“. 2023 schließt man mit dem Album „Make me say it again, girl“ eines der beeindruckendsten Kapitel der Soulmusic. Der titelgebende Song hat mit Beyoncé auch einen bekannten Gast, der es sich nicht nehmen ließ, bei diesem Album dabei zu sein. Hört rein.
Geboren 1945 in New York, startete Melba ihre Karriere am Broadway. Zuerst als Teil des legendären Musicals Hair, dann mit einem Tony Award für ihre Rolle in Purlie. Von dort führte der Weg direkt in die Charts: Mit ihrem Debüt "I Got Love" (1970) zeigte sie früh, dass sie mehr als nur eine großartige Stimme hat – sie hat Persönlichkeit, Energie und Soul im Überfluss. In den 70ern und 80ern wurde Melba Moore zu einer festen Größe im R&B- und Disco-Kosmos. Mit Klassikern wie "This Is It, Love’s Comin’ at Ya" oder "Falling" definierte sie den Sound einer Ära: funky, glitzernd, voller Lebenslust und Gefühl. Ihre unverkennbare Stimme ist kraftvoll, warm und emotional. Diese Stimme machte sie zu einer der prägendsten Künstlerinnen ihrer Zeit.
Doch Melba Moore war nie nur eine Performerin. Sie setzte sich für soziale Themen ein, feierte mit Songs wie "Lift Every Voice" and Sing schwarze Kultur und Empowerment, und blieb stets ihrer Vision treu: Musik als Ausdruck von Stärke, Liebe und Hoffnung.
Heute, mit 80, steht sie immer noch auf der Bühne, veröffentlicht neue Songs und strahlt die gleiche Energie aus wie damals. Eine Frau, die Disco überlebt hat, Soul verkörpert und generationsübergreifend inspiriert. Happy Birthday!
Kokoroko verbinden Jazz, Afrobeats und Highlife zu einem einzigartigen, warmen Sound, der längst über die Londoner Szene hinausstrahlt. 2018 gelingt ihnen mit der Ballade „Abusey Junction“ der Durchbruch. Vier Jahre später folgt mit „Could We Be More“ ihr Debütalbum, das es bis auf Platz 30 der britischen Albumcharts schafft. Mit „Could We Be More Remixes“ macht die Band den nächsten Schritt und öffnet ihren Sound für die Clubwelt - die Songs des Albums werden neu interpretiert, mit Einflüssen aus Afro-House, Future Bounce und Techno. So entsteht ein Klang, der die Vielfalt Londons und der schwarzen Diaspora widerspiegelt.
Tuff Times Never LastIhr aktuelles Album „Tuff Times Never Last“ zeigt, wie sehr sich Kokoroko weiterentwickelt haben. Es dreht sich um die Dualitäten des Lebens – um Widerstandskraft, Freude und darum, in schwierigen Zeiten Leichtigkeit zu bewahren. Der Sound ist wärmer, farbiger und verspielter als zuvor. Über elf Songs hinweg bewegt sich die Band zwischen Brit-Funk, Neo-Soul, westafrikanischer Disco, Bossa Nova, Lovers Rock und Funk.
Auch klanglich schlagen Kokoroko neue Wege ein. In der zweijährigen Entstehungsphase des Albums entdeckte die Band ihre Liebe zu Vintage-Studioequipment, MPC-Drumcomputern und psychedelischen Synth-Sounds. Das Experimentieren mit analogen Geräten prägt ihren neuen Stil – besonders in der Single „Sweetie“, einer verspielten Hommage an die Liebe und den westafrikanischen Disco-Sound. Wer den Sound von Kokoroko erleben will hat bald die Chance dazu: Am 30.Oktober spielt die Band live im Flex.
Wenn der Sommer sich leise verabschiedet hat, liefert Al Sunny den idealen Soundtrack für genau diesen Moment. „Summer End“, das dritte Album des französischen Singer-Songwriters, vereint sonnendurchfluteten Soul, Pop und sanften Westcoast-Groove zu einem warmen, modernen Klangbild voller Gefühl und Eleganz.
Bekannt geworden durch seine Alben „Time to Decide“ (2017) und „Planets“ (2021), präsentiert sich Al Sunny hier erstmals als Teil der Légère Recordings Family und startet damit ein neues Kapitel seiner Karriere. Aufgenommen im Heimstudio seines langjährigen Weggefährten Florian Pellissier und veredelt in Paris, klingt „Summer End“ zugleich intim und makellos. Funky Basslines, weiche Gitarren, samtige Vocals und eine feine, spätsommerliche Melancholie.
Musikalisch bewegt sich Sunny weiterhin zwischen Steely Dan, Al Jarreau und Toto, öffnet sich aber neuen Einflüssen von Sault, Khruangbin und Tom Misch. Das Ergebnis ist ein eleganter Mix aus Retro-Vibes und modernem Soul, der leicht und dennoch tief wirkt. Mit „Summer End“ gelingt Al Sunny ein wunderbar fließendes, gefühlvolles Album. Sein erstes auf Légère Recordings, und vielleicht sogar sein bislang bestes.
Anspieltipps der Musikredaktion:
1971 erscheint die erste Single auf dem kleinen Label Money Back. Erste Gehversuche, die noch weit weg vom Eerfolg sind, der sich später in der Disco Ära einstellen wird. 1973 wird das Atlantic Sublabel "ATCO" auf die Schwestern aufmerksam. Es erscheine zwei weitere Singles, mit wenig Erfolg, ehe 1974 mit der Nummer „Love don’t you go through no changes on me“ auch an Hitparadenluft geschnuppert wird. Die Single findet sich ein Jahr später auch auf dem Albumdebut „Circle Of Love“ wieder. 1977 wechseln sie für das Folgealbum „Together“ zu einem anderen Atlantic Ableger, "Cotillion". Anfang 1979 lernen sie zwei Musiker und Produzenten kennen, die gerade die Discowelle mit ins Rollen bringen.
Edwards & RodgerEin Song, der in Zeiten von Umbruch und Aufbruch das ausdrückte, was viele fühlten: Zusammenhalt, Freude und Stolz auf die eigene Herkunft. Disco war plötzlich mehr als nur Tanzmusik, sie war Gemeinschaft. Und Sister Sledge wurden zu Ikonen weiblicher Unabhängigkeit und Brückenbauerinnen zwischen den Generationen. Es entstehen Song um Song, und alle sind sie, auch Dank der Produzenten Edwards und Rodgers zeitlose Klassiker. „Lost in Music“, „Thinking of you“ oder „He’s the greatest dancer“ haben allesamt Hitcharakter.
Das Album „We are Family“ schlägt ein und macht aus den Schwestern Sledge gefeierte Stars. Im Jahresrhythmus erscheinen weitere Alben. 1980 etwa „Love somebody today“, in den Jahren darauf „All American Girls“, „The Sisters“, „Betcha say that to all the girls“ und „When the Boys meet the girls“. Auch wenn die großen Erfolge der Singles in Zusammenarbeit mit den Chic Machern Nile Rodgers und Bernard Edwards nicht mehr erreicht werden, Sister Sledge haben bereits Kultstatus.
Mitte der 80er trennte sich Kathy Sledge von der Gruppe um eine Solokarriere zu verfolgen. Die anderen Schwestern tourten weiter, insbesondere in Europa, wo sie in den 90er ein Comeback feierten. Vor allem durch neue Remixe ihrer großen Hits. Sister Sledge sind nicht nur Disco Queens, sie sind Botschafterinnen von Gemeinschaft und Empowerment. Im Jahr 2017 starb Joni Sledge, ihre Schwestern Debbie und Kim machten zunächst noch weiter, wollten das Vermächtnis aber auch nicht ausreizen. Zu groß ist die Legende. Nile Rodgers bezeichnet die Platte „We Are Family“ übrigens als einen seiner stolzesten Momente als Produzent. Sister Sledge, forever…
Wenn Young Gun Silverfox Soul-Funk neu belebt, FLO die R&B-Ära zurückbringt oder Kali Uchis Disco spielt, entzünden sie mehr als Klang – sie wecken unser emotionales Gedächtnis. Studien zeigen: Musik-Nostalgie aktiviert Hirnareale für Belohnung und Wohlbefinden. Vertraute Töne machen uns oft glücklicher als das nächste Dating-Match.
Nostalgie reicht jedoch über Musik hinaus. In Mode, Kunst und Design kehrt das Vertraute zurück – Baggy Jeans, Polaroids, Vinyl. Retro wird zum Gegenmittel einer digitalen Welt und zum Verkaufsargument: „Nostalgia Marketing“ setzt auf vertraute Ästhetik, weil sie Vertrauen schafft und sich gut anfühlt. Auch Masters of the Universe erlebt ein Comeback – keine Neuinterpretation, sondern Hommage. Nostalgie schenkt emotionale Kontinuität in Zeiten ständigen Wandels.
Sie ist kein Rückschritt, sondern Remix: Jede Generation sampelt ihre Vergangenheit neu. Soul trifft Trap, Funk mischt sich mit Elektro, Vintage wird Stil. Nostalgie vereint Wandel und Erinnerung, schafft Zugehörigkeit und gemeinsame Momente.
Vielleicht wird Retro deshalb nie alt – weil es uns daran erinnert, wer wir waren und wer wir noch sind.
Wenn man in der Musik von Ankommen spricht, dann kann man auch von einem Ziel sprechen, das man vor Augen hat. Die Grazer Band Sladek hat nach einigen großartigen Alben und EPs mit ihrem neuen Album dieses Ziel erreicht und eine neue Reise angetreten. „Things Gotta Change“ nimmt klassische Soul Traditionen ernst, ist aber keine Retrokopie.
Bei der Produktion von „Things Gotta Change“ hat man Wert auf Wärme und organischen Klang gelegt. Weg vom klinischen, digital polierten Sound und hin zu analogen Texturen und gut gefüllten Arrangements. Dieser Ansatz verleiht dem Album eine gewisse Zeitlosigkeit: Es erinnert natürlich an Soul-Klassiker, ohne dabei aber staffelig nostalgisch zu wirken.
Thematisch bewegt sich das Album in einem persönlichen wie universellen Rahmen: Es geht um Liebe, Sehnsucht, Beständigkeit aber auch Wandel und Hoffnung. Die Single „What a Little Love Can Do“ etwa fungiert als Appell zur Empathie, gegen Hass und gesellschaftliche Spaltung. Die Lyrics wirken dabei authentisch, jedoch nicht übertrieben pathetisch. Das verleiht dem Album emotionale Glaubwürdigkeit.
Die Songs fügen sich zu einer harmonischen Reise. „Weight of the World“ als Opener setzt gleich zu Beginn eine schwere, nachdenkliche Stimmung, während „Bye Bye“ als Schlussstück einen versöhnlichen Ausklang bietet. In der Mitte des Albums glänzt die Single „Here to stay“ während der Titeltrack „Things Gotta Change“ in seiner Position im zweiten Teil des Albums wie ein emotionaler Katalysator wirkt.
Sladek , "Things Gotta Change", ist auf SLDK Records erschienen.
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