Demnach liegen zwischen der gewünschten Freizeitgestaltung und dem, was man tatsächlich in der freien Zeit macht, oft Welten: "Wenn wir die Menschen fragen, was sie besonders gerne machen, dann sind es eigentlich eher erholsame Tätigkeiten, wie ausschlafen, faulenzen, chillen und möglichst viel Zeit mit dem Partner oder mit Freunden zu verbringen."
"Viele sind nach der Arbeit Couch-Potatoes"
Als Grund dafür, dass die Bundesbürger oft medial geprägte Aktivitäten ausüben, nennt Reinhardt, dass viele Menschen nach der Arbeit sich lieber auf dem Sofa niederlassen und sich passiv berieseln lassen.
Man sollte nur ein Stück weit aufpassen, dass man zumindest hin und wieder unter der Woche den Hintern hochkriegt und mal Freunde trifft, auch mal etwas mit der Familie macht, sportlich aktiv ist oder ins Theater oder Kino geht - also, dass man noch irgendetwas macht, was dann das Highlight der Woche ist.
Quelle: Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen
Aus wissenschaftlicher Sicht sollte man sich in der Freizeit von und für die Arbeit körperlich und geistig erholen, erklärt Reinhardt. Das hänge auch davon ab, was man beruflich mache: "Wer körperlich sehr aktiv ist, will sich körperlich erholen - wer geistig viel arbeitet, will erstmal, dass die Gedanken ein bisschen zur Ruhe kommen." Auch Alter, Geschlecht und Einkommen spielten eine Rolle. "Grundsätzlich ist die Freizeit dadurch gekennzeichnet, dass ich etwas tue, ohne es tun zu müssen. Die Freiwilligkeit sollte im Vordergrund stehen."
Zu wenig Zeit: So kann ich meine freie Zeit besser gestalten
Um die Freizeit effizienter zu gestalten, rät Reinhardt dazu, das eine oder andere wegzulassen: "Wir leben in einer Zeit, in der wir die Freizeit optimieren wollen. Wir treiben Sport, um den Körper und die Gesundheit zu optimieren. Wir sind auf Social Media aktiv, um uns besonders positiv darzustellen. Vielleicht sollten wir auch mal ein Stück weit nicht alles mitmachen und uns fragen, was uns wirklich guttut; zum Beispiel nur auf dem Balkon sitzen und in den Himmel gucke - und dann nicht den Fehler machen und schnell wieder aufs Handy zu schauen."
Zwei Freizeitaktivitäten sind seit den vergangenen vierzig Jahren, seitdem es den Freizeitmonitor gibt, immer unter den Top Ten: das Fernsehen schauen und das Radio hören, so Reinhardt. Was sich am Freizeitverhalten in den letzten Jahrzehnten verändert hat, darüber hat SWR Aktuell-Moderator Simon Dörr mit dem wissenschaftlichen Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen gesprochen.