SWR Aktuell Im Gespräch

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SWR Aktuell Im Gespräch episodes

  • Wenn die Bahn mal wieder ausfällt: So funktioniert Schienenersatzverkehr
    Wer mit der Bahn unterwegs ist, möchte im Idealfall pünktlich an seinem Zielort ankommen. Wenn man auf seiner Reise öfters umsteigen muss und mehrere zeitkritische Anschlüsse zu schaffen sind, steigt das Risiko für Verspätungen.
    Und dann gibt es da natürlich noch ein Wort, das bei vielen Fahrgästen der Deutschen Bahn zu Schnappatmung führen dürfte: Schienenersatzverkehr. Wo fährt der Bus nochmal genau ab und bekomme ich meinen Anschluss, wenn wir in einen Stau geraten?
    Über Bahnreisen, Verspätungen, Fahrgastrechte und Verantwortlichkeiten hat SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem mit Ansgar Staudinger gesprochen. Er ist Präsident des morgen beginnenden Verkehrsgerichtstags und Präsident des Institutes für Europäisches Verkehrsrecht.
    7 min
  • Vor Unionsanträgen zur Migration: "Kompromisslosigkeit geht unter Demokraten nicht"
    An diesem Mittwoch will die Union den Bundestag über Anträge für mehr Härte in der Migrationspolitik abstimmen lassen. Die AfD könnte dabei für die nötige Mehrheit sorgen. Davor warnen Bundeskanzler Scholz und mehrere SPD-Ministerpräsidenten in einem offenen Brief an ihre Unionskollegen. Sie werben dafür, gemeinsam für mehr Sicherheit zu sorgen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) sagte in SWR Aktuell, die demokratischen Parteien seien nach dem Anschlag von Aschaffenburg in einer herausfordernden Lage: „Wir haben in der demokratischen Mitte eine besondere Verantwortung, das Thema Migration gut zu organisieren. Das sei bei allen parteipolitischen Unterschieden Teil der demokratischen Kultur. "Das ist, was mich persönlich irritiert: wenn ein Kanzlerkandidat der Union, wie Herr Merz, sagt, er wird keine Kompromisse eingehen." Das sei in demokratischen Verfassungen "einfach nicht möglich." Die Ministerpräsidenten der Länder haben nach Ansicht Schweitzers ein "eigenes politisches Gewicht", es sei ihnen immer wieder gelungen, "parteiübergreifend Kompromisse zu finden." Das sei der Grund, warum die SPD-Ministerpräsidenten den offenen Brief geschrieben hätten und nicht die SPD-Parteiführung, sagte Schweitzer im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Gerhard Leitner.
    7 min
  • Farben, Köpfe, Slogans: Wie uns Wahlplakate beeinflussen
    "Niemand steht vor einem Plakat und sagt: Was für’n tolles Plakat – die Partei wähle ich jetzt!" Brettschneider in SWR Aktuell: "Das ist aber auch nicht die Funktion eines Plakates. Plakate können aber, wenn sie gut gemacht sind, auf Themen aufmerksam machen, die für einzelne Parteien günstig sind." Diese Themen müssten dann aber auf anderem Wege, etwa durch Kundgebungen, Wahlwerbung oder per Social Media vertieft werden.
    Plakate oft ohne Botschaft
    Bei den aktuellen Wahlplakaten vermisst der Kommunikationsforscher den Inhalt. Zum Plakat der Grünen beispielsweise, das neben dem Kanzlerkandidaten Habeck noch das Wort „Zuversicht“ darstellt, meint Brettschneider "Das ist okay, um eine Grundhaltung gegen die Weltuntergangsstimmung anderer verbreiten zu wollen. Aber das braucht Substanz, eine Botschaft müsste dazu kommen."
    Kurzer Wahlkampf wirkt sich aus
    Brettschneider vermutet, dass den meisten Parteien durch den verkürzten Wahlkampf die Zeit gefehlt habe, besonders gelungene Plakatkampagnen zu entwickeln. Welche Zukunft Wahlplakate haben, wo sich der Wahlkampf mehr und mehr ins Internet verlagert, darüber hat Frank Brettschneider mit SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex gesprochen.
    7 min
  • Pornos im Internet: Wie kann man Kinder und Jugendliche schützen?
    Bis vor genau 50 Jahren war Pornographie in Deutschland grundsätzlich verboten. Am 28. Januar 1975 änderte sich das. Inzwischen gibt es Pornos nicht mehr nur im Bahnhofskino, im Sexshop oder unter der Ladentheke, sondern im Internet: Millionen Clips sind dort zu finden. Erwachsene können selbst entscheiden, ob das für sie gut oder schlecht ist. Allerdings finden im Netz auch Kinder und Jugendliche Dinge, die alles andere als kindgerecht sind. Darüber hat SWR-Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex mit der Schuldirektorin und Bestsellerautorin Silke Müller gesprochen, die auch die erste Digitalbeauftragte von Niedersachsen war.
    9 min
  • Trump und Musk wollen den Mars besiedeln - und was macht die EU?
    Wir sind zu sehr abhängig von Diensten, die wir unter anderem aus den USA einkaufen

    Quelle: Raumfahrtkoordinatorin Anna Christmann

    SWR Aktuell: Sie halten heute Nachmittag auch eine Rede bei der Europäischen Weltraumkonferenz. Geht es da auch um die Besiedelung des Mars? Oder geht es auch eine Nummer kleiner?
    Anna Christmann: Erst mal muss man sagen, diese Konferenz findet jedes Jahr statt. Aber tatsächlich ist es dieses Jahr noch mal besonders. Gerade nach dem Amtsantritt von Donald Trump ist, glaube ich, allen klar geworden, welche Bedeutung Raumfahrt einfach für Europa hat, für unsere Souveränität hat. Denn wir sind im Moment noch zu sehr abhängig, auch von Diensten, die wir unter anderem aus den USA einkaufen, sei es, was Raketenstarts angeht, die die Satelliten in den Weltraum bringen. Oder sei es auch, was die Dienste der Satelliten selbst angeht, die zum Beispiel ja Internet aus dem Weltall ermöglichen. All das ist derzeit zu sehr dominiert von wenigen. Und da hat Europa eine sehr große Aufgabe, hier selbst souverän zu werden und selbst diese Dienste aufzubauen, auch eine aktive Raumfahrt noch mal zu stärken. Und genau darum muss es gehen in Brüssel.
    SWR Aktuell: Könnten Sie das ein bisschen konkreter machen? Was müsste Europa da tatsächlich tun, um sich unabhängiger zu machen?
    In Europa ist Raumfahrt manchmal noch zu sehr "öffentliche Manufaktur".

    Quelle: Anna Christmann, Raumfahrtkoordinatorin der Bundesregierung

    Christmann: Wir haben natürlich die letzten Jahre nicht geschlafen, sondern das schon so gesehen, dass hier mehr Anstrengung nötig ist. Und sehr plastisch sieht man das bei der European Launcher Challenge, die wir jetzt gerade aus Deutschland auch auf den Weg gebracht haben. Ein Wettbewerb für neue kommerzielle Raketen in Europa. Das ist so ähnlich wie das, was die NASA damals gemacht hat. Daraus ist SpaceX hervorgegangen. Jetzt suchen wir in Europa die Rakete der nächsten Generation von privaten Firmen. Das ist also vorbereitet, wird dieses Jahr starten und ist ein wichtiger Schritt für Souveränität im Bereich der Raketen. Und ein anderes wichtiges Projekt der EU ist das sogenannte Satellitennetzwerk Iris². Komplizierter Name, aber eigentlich ganz einfach: nämlich sozusagen das europäische Starlink, das jetzt aufgebaut werden soll in den nächsten Jahren, sodass wir selbst Zugang zu Internet übers All haben. Und wichtig ist: Gerade aus Deutschland haben wir immer sehr stark eingebracht, dass wir das wirklich auch mit privaten Firmen zusammen machen. In Europa ist Raumfahrt manchmal noch zu sehr "öffentliche Manufaktur". Und erfolgreich sind wir eben dann, wenn wir es wirklich industrialisieren, mit dem sogenannten "New-Space-Gedanken" privates Geld reinholen, dann kriegen wir die Geschwindigkeit, die wir brauchen.
    SWR Aktuell: Das ist letzten Endes auch das, was in den USA schon passiert ist und noch passiert, also Space X oder Blue Origin zum Beispiel. Es gibt auch im Südwesten Unternehmen, zum Beispiel High Impulse im Kreis Heilbronn, die sich um Trägerraketen bemühen. Können wir da schon mit den USA mithalten, oder wo stehen wir da im Moment?
    Christmann: Wir sind auf dem Weg, dahin zu kommen, und High Impulse ist tatsächlich eine von drei Firmen, die wir im kleinen Raketenbereich haben, die sich in Deutschland schon auf den Weg gemacht haben: Eine aus Baden-Württemberg, zwei aus Bayern. Allen dreien haben wir jetzt im letzten Jahr auch noch mal 95 Millionen zusätzliche öffentliche Gelder gegeben, damit sie in der Entwicklungsgeschwindigkeit eben genug unterwegs sind. Denn das ist das Thema: Wir müssen wirklich schneller werden in Europa. Wir brauchen mehr private Investitionen. Ein anderes tolles Beispiel, was auch mit dem Südwesten zu tun hat, ist auch die Frage, wie wir eben mehr privates Kapital auch in den Raumfahrtbereich bekommen, also Investoren. Das ist in Europa immer ein bisschen schwieriger. Aber deswegen hat die ESA jetzt dort auch einen neuen "Business Accelerator", wie sich das nennt, aufgebaut, wo unter anderem auch eine Stuttgarter Firma zusammen mit der "UnternehmerTUM" in München jetzt dran ist, dort Start-ups im Raumfahrtbereich zu unterstützen, wirklich auch diese privaten Gelder zu finden. Da ist also Deutschland das erste Land, das dieses ESA Projekt umsetzt, um mehr Geld in die Raumfahrt zu bekommen. Also: Wir sind hier unterwegs. Aber, ohne Frage, wir müssen hier noch um Größenordnungen besser werden, weil wir natürlich sehen, dass wir da noch im Vergleich zu anderen Regionen der Welt aufzuholen haben.
    SWR Aktuell: Jetzt ist die EU ja äußerst heterogen, da gibt es ja häufig unterschiedliche Meinungen. Wie ist es in der Raumfahrt? Ist es da wie bei allen anderen klassischen Politikfeldern, dass wir uns da eigentlich ziemlich in den Haaren liegen und alle nicht an einem Strang ziehen?
    Unsere Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sind in einem Maße von Raumfahrt abhängig wie nie zuvor.

    Quelle: Anna Christmann, Grünen-Abgeordnete aus Stuttgart

    Christmann: Insgesamt sehen wir schon, dass wir sehr einig sind innerhalb der Europäischen Union, dass wir hier Europa stärker positionieren müssen. Dafür haben wir ja auch viele Programme gemeinsam auf den Weg gebracht. Wir haben ja nicht nur jetzt dieses neue Satellitenprogramm, sondern wir haben ja auch schon im Erdbeobachtungsbereich mit Copernikus ein großes Flaggschiff. Wir haben mit Galileo einen Service, der so ist wie GPS, nur besser - und viel zu wenige kennen ihn. Hier haben wir mit großer Einigkeit schon viele Dinge auf den Weg gebracht. Diskussionen gibt es natürlich immer. Das bleibt auch in der Raumfahrt nicht aus. Aber bei der Zielrichtung sind wir, denke ich, sehr klar. Es geht eher darum, insgesamt die Priorität der Raumfahrt im Vergleich zu anderen Themen auch noch mal zu stärken. Ich glaube, das trifft nicht nur für Europa, sondern für die gesamte Gesellschaft zu. Manche nehmen es immer noch zu sehr als Nischenthema war. Dabei sind unsere Sicherheit und unsere Wettbewerbsfähigkeit in einem Maße davon abhängig wie nie zuvor.
    SWR Aktuell: Wenn es um unsere Sicherheit geht. Wie problematisch wäre es denn tatsächlich, wenn Donald Trump die Raumfahrt in den USA so sehr vorantreibt, dass tatsächlich ein Amerikaner oder eine Amerikanerin als Erstes die Flagge auf den Mars platzieren würde?
    Christmann: Erstmal sind wir mit den Amerikanern ja auch in enger Partnerschaft. Wir haben gerade letztes Jahr auch noch mal den ersten deutsch-amerikanischen "Space-Dialog" gehabt, wo wir gerade über die nächsten Mondmissionen, die dort ja auch gerade ganz konkret schon in Vorbereitung sind, gesprochen haben. Da ist Deutschland, da ist Europa ein ganz starker Partner der USA. Dort erleben wir eigentlich eher, dass es im Gegensatz zu den Apollo -Missionen vor vielen Jahrzehnten mittlerweile heißt: Amerika geht nicht allein, sondern gemeinsam mit Europa, mit Partnern. Und da werden wir natürlich auch weiter Interesse haben, uns da einzubringen, um natürlich gerade bei solchen Explorationsmissionen auch dabei zu sein. Beim Mond ist es schon sehr konkret. Wir liefern hier ein ganz entscheidendes Teil mit dem European Service Module, das Teil der Mondrakete ist. Und hier werden wir natürlich jetzt auch in der neuen Situation mit den USA eng im Austausch bleiben, weil diese Kooperationen natürlich wichtig sind.
    8 min
  • Hopplahopp-Bundestagswahl: Wie das Organisieren in RP so schnell klappen kann
    SWR Aktuell: Wie sehr sind sie in diesen Tagen im Stress wegen dieses vorgezogenen Wahltermins?
    Marcel Hürter: Jede Wahl ist mit Herausforderungen verbunden, so auch diese. Die kürzeren Fristen sind für alle, vor allem für die Wahlvorschlagsträger, aber später auch für die Briefwähler eine Belastung. Aber die Wahl kommt ja nicht ganz überraschend, nachdem der Bundeskanzler ja schon vor längerem angekündigt hat, dass es eben auf eine Neuwahl hinausläuft.
    SWR Aktuell: Bis zum 20. Januar hatten jetzt die Parteien, Wählervereinigungen und Einzelpersonen Zeit, ihre Listen und Direktkandidaten zusammenzustellen und dann bei den Wahlleitern und -leiterinnen einzureichen. Erst dann kann die Wahlmaschinerie in Gang gesetzt werden. Was bedeutet das jetzt für Sie konkret?
    Hürter: In der Tat durften die Parteien bis zum 20. Januar Vorschläge einreichen. Die Wahlausschüsse haben inzwischen getagt in Rheinland-Pfalz Beitrag. Aber es gibt noch die Möglichkeit, Beschwerde gegen die Nichtzulassung einzureichen. Das heißt, erst ab dem 30. Januar kann dann wirklich gedruckt werden. Insofern ist das ein sehr knapper Zeitraum für die Briefwahl.
    SWR Aktuell: Es gibt ja auch Wahlleiter, die bitten die Wählerinnen und Wähler, wenn möglich, auf die Briefwahl zu verzichten – und doch lieber an die Urne zu gehen, um die Verwaltung zu entlasten. Warum wird es tatsächlich so eng mit der Briefwahl?
    Hürter: Die Frist für die Briefwahl ist weniger als zwei Wochen. Das heißt, wer als Wähler mit dem Instrument Briefwahl arbeiten möchte, sollte sich beeilen. Das heißt: Unmittelbar die Unterlagen anfordern, dann auch sehr schnell wieder auf den Weg zurück zur Verwaltung bringen oder sich eben, wenn ihm das zu kurzfristig ist, für die Urnenwahl entscheiden.
    SWR Aktuell: Es braucht ja auch Menschen, die dann auch vor allem am Wahltag helfen. In den meisten Fällen sind es Freiwillige. Stehen denn in Rheinland-Pfalz genug Leute zur Verfügung?
    Hürter: In der Tat werden viele Menschen benötigt, um eine Wahl zu organisieren. In Rheinland-Pfalz gehen wir davon aus, dass rund 45.000 Menschen in die Wahl eingebunden sind, die allermeisten ehrenamtlich, aber auch viele in den Verwaltungen. Das ist in der Tat für die eine oder andere Region schwierig. Aber ist bis jetzt immer gelungen. Trotzdem die Bitte: wenn dieses Ehrenamt an Sie herangetragen wird, sich auch zur Verfügung zu stellen.
    SWR Aktuell: Wenn es an Personal fehlt, dann kann eine Gemeinde auch Menschen zum Dienst an der Urne verpflichten. Wird das im Einzelfall notwendig sein?
    Hürter: Mir sind jetzt konkret keine Fälle bekannt, wo das aktuell notwendig ist. Das sollte sich um komplette Einzelfälle handeln.
    SWR Aktuell: Sie klingen tatsächlich sehr abgebrüht und sehr ungestresst. Ist es auch tatsächlich so? Oder können Sie das gerade einfach gut verbergen, dass Sie eigentlich alle Hände voll zu tun haben?
    Hürter: Es gibt viele kleine und mittelgroße Herausforderungen, aber wir haben das in den vergangenen Jahren immer gut hinbekommen - und diesmal auch. Und insofern: Ja, man ist sorgfältig, auch manchmal in Sorge. Aber das gehört auch dazu, wenn man eine Wahl seriös organisiert.
    SWR Aktuell: Von was für Herausforderungen sprechen Sie?
    Hürter: Das sind natürlich ganz viele Dinge, die im Vorfeld zu erledigen sind, die auch theoretisch schiefgehen können. Wo Menschen arbeiten, passieren auch mal Fehler. Bis jetzt sind keine aufgetreten. Aber zum Beispiel bei Kommunalwahlen gibt es mal Schreibfehler bei Namen. Es kann mal sein, dass ein Wahlvorschlagsträger einen Fehler macht und einen Wahlvorschlag nicht richtig einreicht. So wurden auch am Freitag drei Wahlvorschläge nicht zugelassen, weil zu wenig Unterschriften organisiert wurden, die als Unterstützungsunterschriften notwendig waren. Insofern sind das so die kleinen und mittelgroßen Sorgen, die man hat. Aber wie gesagt, es ist bis jetzt eine ganz normale Wahl.
    4 min
  • Erste Störche in Rheinland-Pfalz: Deshalb kehren sie schon jetzt zurück
    Sie klappern wieder von den Dächern und suchen nach Würmern auf den Feldern. In vielen Orten in Rheinland-Pfalz sind die Störche wieder da.
    Zurückgekehrt aus ihrem Winterquartier. Zwar ist der Winter noch nicht vorbei, doch das Nahrungsangebot ist bereits vorhanden. "Solange wir hier keinen dauerhaften Bodenfrost haben, finden die Störche genug zu fressen. Da machen auch ein paar Minustemperaturen in der Nacht nichts aus", sagt Jessica Lehmann, Leiterin des Storchenzentrums in Bornheim. Es sei nicht die Kälte, die die Vögel im Winter wegzieht, sondern das Nahrungsvorkommen. Die Daunenfedern ermöglichen dem Storch außerdem gut auf Temperaturunterschiede zu reagieren.
    Der Storch konnte bisher gut auf den Klimawandel reagieren. Er ist angepasst auf das Klima in der Sahara in Afrika als auch auf die Kälte hier. Radikale Temperaturunterschiede machen ihm nicht so viel aus.

    Quelle: Jessica Lehman, Leiterin des Storchenzentrums in Bornheim

    Es seien Wetterextreme, die den Storch vor Probleme stellen können. So war unter anderem zu viel Regen ein Grund dafür, dass die jüngste Brutsaison die schlechteste seit fast 30 Jahren war. Doch die Einschnitte seien regional sehr unterschiedlich gewesen, so Lehman. Während in der Pfalz in manchen Orten alle Storchenhorste leer blieben, gäbe es im Hunsrück mittlerweile mehr Störche. Insgesamt habe das Land eine recht stabile Population, sodass eine schwache Brutsaison verkraftbar sei, so Lehmann.
    Was es braucht, damit Störche sich wohlfühlen und wie es dem Land Rheinland-Pfalz gelungen ist, Störche wieder heimisch zu machen, erzählt Jessica Lehmann im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex.
    7 min
  • Bundestagswahl im Februar: Hat der Winter-Termin Einfluss auf die Ergebnisse?
    SWR Aktuell: Eine Bundestagswahl im Februar - gab es das schon mal?
    Eine Winter-Wahl ist kein Novum. Aber sie liegt schon einige Zeit zurück

    Quelle: Roland Abold, Geschäftsführer von infratest dimap

    Roland Abold: Eine Bundestagswahl im Februar gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. In den letzten 30 Jahren waren die Bundestagswahlen immer im Herbst, und da haben wir uns auch ein bisschen dran gewöhnt. Aber vorher gab es schon mehrmals Winter-Wahlen. Zum Beispiel wurde 1983, nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition, im März gewählt, 1987 dann im Januar und zur Wiedervereinigung 1990 wurde im Dezember gewählt. Insofern ist eine Winter-Wahl jetzt kein Novum. Aber die sie liegt schon einige Zeit zurück.
    SWR Aktuell: Gibt es denn Erkenntnisse darüber, ob der Wahltermin grundsätzlich einen Einfluss auf das Wahlverhalten der Menschen hat?
    Abold: Durch die vorgezogene Wahl ist natürlich die Vorbereitungszeit für alle Beteiligten recht kurz. Der Wahlkampf wird kürzer und komprimierter ausfallen. Aber wenn man jetzt die verschiedenen Wahlen zu verschiedenen Zeiten im Jahr betrachtet, gibt es keine klaren Muster, im Sinne von dass jetzt ein bestimmter Wahltermin als solches grundsätzlich die Wahlbeteiligung oder die Wahlentscheidungen beeinflusst. Wenn man zum Beispiel auf die Wahlbeteiligung schaut: Die höchste jemals aufgetretene Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen gab es 1972, da war die Wahl im November - also auch eher im sehr späten Herbst. Die niedrigste Wahlbeteiligung gab es 2009 bei einer Wahl im September, also bei einer ganz „normalen“ Wahl. Es ist ganz offenbar so, dass andere Faktoren wie politische Grundstimmung oder Erfolge der Parteien bei der Mobilisierung eine wesentlich größere Rolle spielen als der reine Termin.
    SWR Aktuell: Jetzt haben wir hier im Südwesten, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz genau an diesem Termin auch die Hochphase des Karnevals und der Fastnacht. Könnte das einen Einfluss haben darauf, ob die Leute tatsächlich wählen gehen - oder eben nicht, wenn sie doch lieber zur Narrensitzung gehen?
    Abold: Der Karneval kann vielleicht in der Wahlvorbereitung eine gewisse Rolle spielen. Da es gibt in den Karnevalshochburgen zum Beispiel organisatorische Themen, dass Mehrzweckhallen, die normalerweise zum Auszählen der Briefwahl genutzt werden oder so, zum Beispiel durch Karnevalsveranstaltungen blockiert sein könnten. Aber das wird bis zum Wahltag alles geklärt sein. Ein großer Einfluss auf die Beteiligung oder auch auf das Wahlverhalten ist in dem Sinne nicht zu erwarten. Wir werden vermutlich am Wahlsonntag einzelne Wähler und Wählerinnen sehen, die verkleidet ins Wahllokal gehen. Aber ich denke, Fastnacht feiern und wählen gehen, das passt eigentlich relativ gut zusammen, und da dürfte es keine größeren Effekte geben.
    SWR Aktuell: Wie bei jeder Wahl gibt es ja auch bei der vorgezogenen Bundestagswahl die Möglichkeit, per Brief zu wählen. Allerdings sind dieses Mal die Fristen verhältnismäßig kurz. Könnte das ein Problem werden?
    Abold: Über die kürzeren Fristen wird seit mehreren Tagen auch intensiv in den Medien berichtet. Ich denke, das führt auch dazu, dass die Wahlberechtigten dafür sensibilisiert werden und sich auch rechtzeitig um das Thema kümmern. Ob es im Einzelfall dann sein kann, dass jemand sagt, okay, das ist mir alles zu und zu umständlich, da lasse ich mich davon abschrecken, das will ich jetzt nicht ausschließen. Aber für gewöhnlich sind diejenigen, die die Briefwahl nutzen, oftmals auch die Wählerinnen und Wähler, die sich frühzeitig für eine Partei entschieden haben und denen es aber auch wichtig ist, dass ihre Stimme am Ende zählt. Und darum werden viele von denen, die Bedenken haben, dann einfach tatsächlich ins Wahllokal gehen und vor Ort abstimmen, sodass dort nicht viele Stimmen verloren gehen dürften.
    Seit dem Anschlag in Magdeburg und den Ereignissen in Aschaffenburg kommt das Thema Migration sehr viel deutlicher durch

    Quelle: Wahlforscher Roland Abold

    SWR Aktuell: Nach dem Attentat in Aschaffenburg dreht sich der Wahlkampf im Moment sehr um die Migrationspolitik. Kann es passieren, dass der Wahlkampf, der jetzt kürzer ist, deswegen tatsächlich eigentlich nur ein Thema hat, dass einfach zu wenig Zeit ist, um noch andere Sachen auf den Tisch zu bringen?
    Abold: Wir beobachten natürlich in unseren Studien auch, dass anfangs der Wahlkampf eher auf das Thema Wirtschaft ausgerichtet war. Aber jetzt kommt, schon seit dem Anschlag in Magdeburg und jetzt auch mit den Ereignissen in Aschaffenburg, das Thema Migration doch sehr viel deutlicher noch einmal durch. Das wird dann letzten Endes auch den Wahlkampf zu einem Stück dominieren. Inwiefern es in den kommenden Wochen ausschließlich um Migration geht, das kann man jetzt noch nicht abschätzen. Aber es ist definitiv so, dass das Thema Migration wieder mehr und mehr wichtiger wird, auch in der Auseinandersetzung und im Wahlkampf.
    5 min
  • „Schattenbericht“ zu Armut in Deutschland: Warum arm nicht gleich hilflos ist
    Mehr Geld kann jeder gebrauchen- aber manche haben es wirklich nötig, weil sie arm sind. Das sind laut Diakonie und der Organisation "Nationale Armutskonferenz" 14,5 Prozent der Menschen in Deutschland. 17,7 Millionen seien von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, also rund ein Fünftel der Bevölkerung. So steht es im sogenannten Schattenbericht der Armutskonferenz. Den üblichen offiziellen Armutsbericht der Bundesregierung gibt es derzeit nicht, Grund ist das Scheitern der Ampelkoalition. Gisela Breuhaus ist selbst arm und Mitglied in der "Nationalen Armutskonferenz". SWR-Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex hat mit ihr gesprochen.
    9 min
  • Holocaust: Wie sich das Gedenken ändert und welche Gefahren dadurch drohen
    Wichtig, möglichst konkret an die Menschen, die das betroffen hat, zu erinnern - und gleichzeitig auch zu fragen: Was hat das eigentlich mit heute zu tun?

    Quelle: Heike Radvan, Institut für Rechtsextremismusforschung, Uni Tübingen

    SWR aktuell: Wie wichtig ist der Holocaust-Gedenktag in der politischen Bildung?
    Heike Radvan: Er ist sehr wichtig, so wie Sie es auch gerade in der Anmoderation gesagt haben. Und wir sind ja damit konfrontiert, dass die Methoden in der historisch-politischen Bildung hier auch verändert werden müssen, damit wir möglichst konkrete Auseinandersetzung mit dem ermöglichen können, für junge Menschen: Was hat den Holocaust eigentlich ausgemacht? Wie sah das aus? Auch: Wie hat die Verfolgung begonnen? Insofern ist das sehr wichtig für die Erinnerung, möglichst konkret an die Menschen, die das betroffen hat, zu erinnern und gleichzeitig auch zu fragen: Was hat das eigentlich mit heute zu tun? Was kann man gegebenenfalls auch daraus lernen?
    SWR Aktuell: Können Sie uns ein paar Beispiele nennen, wie sich diese Arbeit verändert hat?
    Radvan: Wir wissen aus der Forschung und aus der Praxis: Was wirklich einen Unterschied macht, sind langfristige pädagogische Projekte, also weniger kurzfristige Interventionen oder kurzfristige Besuche auch zum Beispiel in Gedenkstätten. Was einen Unterschied macht, ist, wenn ich zum Beispiel mit einer Schulklasse - oder auch mit einer Gruppe, wenn ich in der offenen Jugendarbeit tätig bin - fragen kann: Wer war eigentlich an unserer Schule betroffen von dem Holocaust? Und wie sah das für die Person dann ganz konkret aus? Dass ich mir zum Beispiel Briefe angucken kann oder auch fragen kann: Wer hat sich eigentlich damals wie verhalten in der Situation, als die Verfolgung begannen? Wer hat unterstützt, wer hat weggeguckt, wer hat was gemacht? Wer war verantwortlich letztendlich für die Verfolgung? Geschichte ist ja kompliziert, ist komplex. Und sich dem zu nähern, ernöglicht diese langfristige biografische, lokalhistorische Recherche so etwas wie Perspektivwechsel. Die ermöglicht einen möglichst empathischen Zugang, und tatsächlich nachzuvollziehen, wie das konkret für die Betroffenen ausgesehen hat. Wenn ich dann noch die Möglichkeit habe, zum Beispiel Angehörige zu kontaktieren und darüber auch noch einmal Zeitzeugnisse mir anzusehen oder dann vielleicht auch in die Gedenkstätte zu fahren und mich dieser Person weiterzuvermitteln. Ich kann das in die Gegenwart holen: Wie wird eigentlich an unserer Schule erinnert - oder wird in der Straße, in dem Haus, wo ich wohne, irgendwie erinnert an diese Personen? Und wenn ja, wie? Wie ist das möglich? Auch kann ich in der Stadtverordnetenversammlung zum Beispiel mit den Jugendlichen dann auch diese Frage aufwerfen und das dann ganz konkret dort verhandeln - und auch durchkämpfen, dass es einen Erinnerungsort gibt. Das macht einen Unterschied für junge Menschen: darüber zu sprechen, sich damit auseinanderzusetzen.
    Die Kinder und die Enkel der Verfolgten sprechen auch, sind bereit, die Erfahrungen ihrer Eltern, ihre Angehörigen sehr konkret zu vermitteln

    Quelle: Heike Radvan, Professorin für Erziehungswissenschaften, Uni Tübingen

    SWR Aktuell: Der Holocaust-Gedenktag ist in diesem Jahr auch ein besonderer, weil er vermutlich einer der letzten mit lebenden Zeitzeugen sein wird. Wie kann man diese Erfahrung denn ersetzen? Kann man sie überhaupt ersetzen? Was braucht es, wenn solche Zeitzeugen nicht mehr da sind, um zu vermitteln, wohin diese rassistischen Stereotype führen können?
    Radvan: Erst mal sind Zeitzeugen noch da, die sprechen auch noch. Und wir haben uns seit vielen Jahren ja genau darauf vorbereitet. Was oft vergessen wird: Die Kinder und die Enkel der Verfolgten sprechen auch, sind bereit, die Erfahrungen ihrer Eltern, ihre Angehörigen sehr konkret zu vermitteln.
    SWR Aktuell: Aber das ist natürlich trotzdem etwas anderes, wenn man mit jemandem spricht, der tatsächlich dort war und der das Ganze wirklich selbst erlebt hat. Es ist doch ein anderer Eindruck…
    Radvan: Ohne Frage. Wir haben uns seit vielen Jahren darauf vorbereitet. Es gibt Videomaterial beispielsweise. Es gibt viele neue Methoden, wo ich mich über eine biographische Auseinandersetzung dem annähern kann, mich einer Person zuwenden kann, so wie ich das beschrieben habe, aus mehreren Perspektiven: Wie hat das damals konkret ausgesehen? Wie ist da was passiert? Das hilft, einen Perspektivwechsel zu ermöglichen, und das macht einen Unterschied. Dafür gibt es Methoden, zum Beispiel auch für die Migrationsgesellschaft. Wir haben biografische Zeugnisse von Personen, die verschiedenen Betroffenengruppen des Holocaust angehört haben:  Sinti und Roma, auch Menschen mit Migrationsgeschichte, lesbische Frauen, schwule Männer, Menschen, die wegen körperlicher und geistiger Beeinträchtigungen verfolgt wurden. Man hat ganz verschiedene Zugänge, um das nachvollziehbar zu machen, was den Holocaust ausgemacht hat.
    6 min

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