SWR Aktuell Im Gespräch

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SWR Aktuell Im Gespräch episodes

  • Beschäftigte in Vollzeit arbeiten weniger - in Teilzeit mehr: Woran liegt das?
    Wer vergangenes Jahr in Deutschland Vollzeit arbeitet, war eine Stunde weniger im Job als er das noch 2011 gewesen wäre. Teilzeitbeschäftigte leisten dagegen drei Stunden mehr als vor 13 Jahren. Beides hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Und es gibt mehr Teilzeit-Jobber als früher. Was diese Entwicklung mit dem Fachkräftemangel zu tun hat, erklärt der Bamberger Arbeitswissenschaftler Olaf Struck im Gespräch mit SWR-Aktuell-Moderator Florian Rudolph.
    8 min
  • Russland, China und ihre Freunde: Was ist vom BRICS-Gipfel zu erwarten?
    SWR Aktuell: Bei diesem Gipfel heute geht es um ich zitiere eine Stärkung der Vielfalt für eine gerechte, globale Entwicklung und Sicherheit. Sieht Gastgeber Russland sich tatsächlich als Garant für Sicherheit?
    Alexander Libmann: Das glaube ich nicht. Es geht hier primär um die Entwicklung der Wirtschaft zwischen den BRICS-Staaten. Aber der entscheidende Punkt ist: Jedes Land kommt zu diesem Gipfel mit eigenen Zielen und eigener Agenda. Und es ist zu sehen, wie diese Ziele sich zusammenbringen lassen.
    SWR Aktuell: Wie muss man sich diesen BRICS-Verbund vorstellen? Präsident Putin hat ja gesagt, BRICS sei nicht antiwestlich, sondern einfach nicht westlich. Wie muss man das verstehen?
    Libmann: Interessanterweise ist eigentlich eine gute Beschreibung. BRICS ist eine Vereinigung von Staaten, die ursprünglich gar nicht von diesen Staaten selbst ausgedacht wurde. Es kommt aus einem Bericht einer Investmentbank, und jetzt ist es mittlerweile eine Gruppe, die größere Volkswirtschaften, größere Staaten, aber auch größere Staaten im Sinne der Bevölkerung, der Fläche, der nichtwestlichen Welt vereinigt. Die Ziele, die Ambitionen dieser Staaten sind unglaublich unterschiedlich. Wenn es bei China und bei Russland wirklich eher um antiwestlich geht, sind andere Staaten da viel vorsichtiger und suchen primär nach konkreten wirtschaftlichen oder politischen Vorteil.
    SWR Aktuell: Verspricht denn Russlands Präsident Putin sich durch diese BRICS-Staaten tatsächlich nur wirtschaftliche Zusammenarbeit? Oder geht es da auch um Unterstützung bei der Rechtfertigung seines Kriegs gegen die Ukraine?
    Libmann: Offiziell ist die Ukraine nicht auf der Agenda des Treffens. Das wurde auch ganz klar bestätigt. Aber ein BRICS-Treffen ist natürlich für Putin sehr wichtig, um zu bestätigen, dass Russland nicht isoliert ist, dass Russland nach wie vor Verbindungen im globalen Süden hat und das Ausmaß des Treffens bestätigt das aus seiner Sicht ziemlich klar.
    SWR Aktuell: Auch wenn der Ukraine-Krieg offiziell gar nicht auf der Tagesordnung steht: Kann man denn abschätzen, wie die anderen BRICS-Staaten zu diesem russischen Krieg gegen die Ukraine stehen?
    Libmann: Ich glaube, wenn man das ganz kurz zusammenfasst, dann wäre die Situation so: Es gibt BRICS-Staaten, die den Krieg Russlands gegen die Ukraine eher ablehnen als die anderen. Alle BRICS-Staaten sind da eindeutig eher negativ gestimmt. Der Punkt ist aber, dass sie den Krieg nicht als Anlass sehen, wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Russland zu kappen. Und einige von diesen Staaten, China insbesondere, sehen den Westen eher verantwortlich für den Krieg als Russland. Da ist tatsächlich der Unterschied. Aber was gemeinsam ist: Für alle diese Staaten ist der Krieg am Ende eine lokale europäische Angelegenheit, die deren Beziehungen zu Russland nicht im starken Maße beeinflusst.
    SWR Aktuell: Sie sagen, man will die wirtschaftlichen Beziehungen nicht kappen. Man wird sie möglicherweise sogar noch ausbauen, eben weil es ja auch diverse Sanktionen der EU gegen Russland gibt. Geht es also unterm Strich heute auch um die Frage, wie man diese Sanktionen aushebeln kann?
    Libmann: Sie haben aus meiner Sicht eines der wichtigsten Themen angesprochen, wo tatsächlich große Fragezeichen bestehen, aber wo die Entwicklungen ganz wichtig sind: Das sogenannte BRICS-Zahlungssystem. Die Idee ist, dass BRICS die Transaktionen zwischen den Staaten durch ein alternatives Zahlungssystem abrechnen lässt, das von Zentralbanken geleitet wird. Das hat sehr viel mit Sanktionen zu tun, nicht nur mit Sanktionen gegen Russland und grundsätzlich westlichen Sanktionen. Und das würde in der Zukunft der Wirksamkeit der westlichen Strafmaßnahmen massiv schwächen.
    SWR Aktuell: Die Türkei wird heute auch dabei sein. Präsident Erdogan kommt als Gast, weil die Türkei perspektivisch bei BRICS mit dabei sein will. Was braut sich da unter Russlands Führung zusammen, und wie gefährlich kann das für Europa sein?
    Libmann: Es ist nichts unter Russlands Führung, was sich da vereinigt. Russland ist nicht die größte Wirtschaft im Sinn des Bruttoinlandsprodukts, bei weitem nicht die größte Wirtschaft, ist auch nicht das Land mit der größten Bevölkerung. Ich würde dieses Treffen nicht unbedingt als gefährlich für den Westen einstufen. Es gibt mehrere Staaten mit sehr unterschiedlichen Interessen, sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen, die sich von unseren Wahrnehmungen zum Teil massiv unterscheiden. Und diese Staaten haben wirtschaftliches Potenzial und politisches Potenzial. Das muss man einfach berücksichtigen, wenn man Außenpolitik oder Wirtschaftspolitik betreibt.
    5 min
  • Geld gesucht: Wie kommen die gesetzlichen Krankenkassen aus den Miesen?
    SWR Aktuell: Wenn wir darüber sprechen, was sich die Gesellschaft eigentlich in Sachen Gesundheit leisten möchte und leisten kann, dann muss man ja erst mal festhalten, dass es da im Prinzip zwei Gesellschaften gibt, nämlich die gesetzlich Versicherten und die Privatversicherten. Müsste denn dieser Graben nicht vielleicht erstmal geschlossen werden?
    Clarissa Kurscheid: Ehrlich gesagt, ich sehe das noch mal ein bisschen anders. Es gibt zwei Gesellschaften, das ist richtig: Es sind die Menschen mit Beziehungen und sind die Menschen ohne Beziehungen. Die, die Beziehungen ins Gesundheitswesen haben, die bekommen einfach relativ schnell Zugang - und die ohne Beziehung, die stehen halt blöd da.
    SWR Aktuell: Das heißt, dieser Graben hat wenig oder nichts mit dem Versicherungsstatus zu tun?
    Kurscheid:Wenig.
    SWR Aktuell: Aber wir hören doch trotzdem immer wieder, dass zum Beispiel Privatversicherte einen Facharzttermin relativ schnell bekommen, während gesetzlich Versicherte manchmal Monate warten…
    Kurscheid:Ja, das ist einerseits richtig. Auf der anderen Seite ist es aber auch wirklich so, wenn sie einen guten Freund, Bekannten, Freundin haben, die Ärztin ist und Sie haben ein Problem, dann kümmert derjenige sich, und dann kommen sie einfach schneller an einen Termin. Es findet keine qualitätsorientierte Gesundheitsversorgung statt. Dann können sie das Paradigma des Privatversicherten natürlich noch mit dazunehmen. Das wäre dann der zweite Punkt, auch wenn ich weiß, dass sie sehr gerne da noch mal den Blick drauf werfen wollen. Wir können auch sagen: Die Diskussion in der letzten Woche, warum der Schätzerkreis erst einen Tag später die Zahlen rausgegeben hat, das lag unter anderem daran, dass Herr Lindner nicht dagegen war, dass die Beitragsbemessungsgrenze höher gesetzt wird. An der Stelle gebe ich Ihnen natürlich Recht.
    SWR Aktuell: Aber wenn wir auf diesen „Beziehungsvorteil“ schauen, den Sie ansprechen: Ist das überhaupt etwas, wogegen die Politik etwas tun könnte?
    Kurscheid: Nein. Aber vielleicht werfen wir mal den Blick auf das Thema gesamtgesellschaftliche Gesundheit und sagen, okay, wir müssen von diesem Reparaturparadigma weg, also nicht den Schwerpunkt auf die Krankenversorgung legen, sondern die Gesundheit stärker in den Fokus zu rücken, dass wir auch noch mal sagen müssen: Die Gesundheitspolitik dürften wir nicht isoliert betrachten, sondern wir müssten das als systemübergreifende Aufgabe der Sozialpolitik sehen, dass wir die Bildungspolitik mit dazunehmen, dass wir das Arbeits- und Sozialministerium dazunehmen, das wir zwischen den einzelnen Sektoren deutlicher Brücken bauen und ein Miteinander gestalten.
    SWR Aktuell: Ginge das dann eher auch in Richtung Gesundheitsvorsorge?
    Kurscheid: Unter anderem, ja.
    SWR Aktuell: Wenn Sie sagen, die Gesundheit ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, dann sind wir vielleicht doch wieder auch beim Versicherungsbereich. Denn da hat ja die Politik, vor allem die SPD, auch mal über eine Bürgerversicherung gesprochen, dass man  das eben ein bisschen vielleicht auch gesamtgesellschaftlich vereinheitlicht. Wäre das eine gute Idee, diese Idee wieder auf den Tisch zu holen?
    Kurscheid: Ich glaube, das ist politisch nicht tragbar derzeit. Wir könnten auch genauso hingehen – und das zeigt eine ifo-Studie, die im September rausgekommen ist - Anreize zur Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit zu schaffen, und da nochmal die freie Familienmitgliedschaft verändern und gleichzeitig halt auch hier Möglichkeiten schaffen, dass Frauen stärker erwerbstätig werden und dann auch als Mitglieder in die Sozialversicherung einzahlen.
    SWR Aktuell: Klar, das Ziel ist, dass möglichst viele da einzahlen? Aber kann dieses System tatsächlich weiter funktionieren, wenn eben zum Beispiel zahlungskräftige, gutverdienende Menschen in die Sozialkassen nicht einzahlen, weil sie eben in einer privaten Versicherung sind?
    Kurscheid:Ich glaube, dass der Anteil derer doch noch relativ klein ist. Aber wo ich ein Stück weit mit Ihnen gehe, ist, deutlich die Beitragsbemessungsgrenze zu erhöhen.
    5 min
  • SWR Aktuell Serie: Lassen sich Menschen von negativen Konjunktur-Meldungen runterziehen?
    SWR Aktuell: Dass sich die Beschäftigten zum Beispiel in der Autoindustrie gerade Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, ist klar. Und dass die ihr Geld dann lieber sparen, ist auch klar. Wie könnte man denn gerade diesen Personenkreis davon überzeugen, dass eine dauernde Zurückhaltung doch eher kontraproduktiv ist für die konjunkturelle Entwicklung?
    Thomas Bäumer:Das ist natürlich eine sehr, sehr schwierige Frage, wie man das hinkriegen könnte. Denn grundsätzlich sind diese Nachrichten, diese negativen Meldungen, die man auch im eigenen Konzern bekommt, etwas, was negative Stimmung auslöst, was auf die eigene Stimmung drückt. Dieses negative Erleben die negative Stimmung, ist gleichzeitig ein Warnsignal für Menschen: Irgendwas stimmt nicht. Irgendetwas ist nicht in Ordnung. Man passt sehr genau auf, was man jetzt macht. Man prescht nicht voran, kauft nicht einfach mal neue Produkte, sondern wartet eher ab. Man ist unsicher. Und jetzt zu sagen: Ich möchte die einzelnen Menschen davon überzeugen, hier dagegen anzuarbeiten, das ist ein bisschen wie beim Problem mit dem Klimawandel. Wir sind alle betroffen, wir müssten alle eigentlich dagegenhalten. Aber meinen eigenen Beitrag, den erlebe ich ja gar nicht. Das heißt, wenn mir jemand sagt: Wenn ich jetzt etwas mache, mein Geld ausgebe, dann ist die Konjunktur ja noch nicht angekurbelt. Dann ändert das ja noch nichts. Für mich ist deswegen eines, was man ganz konkret machen könnte, eher etwas im kleineren Umfeld - also, dass ich versuche, in meinem Unternehmen etwas voranzutreiben. Ich kann mir vorstellen, dass ich eher bereit bin, in meinem Unternehmen meine Produkte zu kaufen, und dass ich in meinem Unternehmen auch meine eigene Produkte promoten werde. Denn davon habe ich am Ende auch was.
    SWR Aktuell: Nun sind natürlich bei Menschen, die in Branchen arbeiten, denen es gerade nicht so gut geht, viel stärker von solchen Sorgen und Ängsten betroffen. Nehmen wir mal an, es geht mir jetzt finanziell gut. Ich bin jetzt vielleicht nicht direkt von einer Meldung betroffen, wenn es heißt, in der Autoindustrie werden Stellen abgebaut - weil ich eben in einer anderen Branche arbeitet. Was es mit solchen Menschen? Nehmen die solche Negativmeldungen nur zur Kenntnis - oder überlegen auch die zweimal, ob sie etwas Neues kaufen?
    Bäumer: Ich glaube, das direkte Umfeld, der eigene Arbeitsplatz, hat schon einen stärkeren Impact als jetzt nur eine globale Zeitungs- oder Social-Media-Meldung, weil ich einfach  eine ganze andere Validität, also eine ganze andere Wahrheit unterstelle. Das heißt: Die Personen, die im Unternehmen arbeiten, denen es noch gut geht, die noch ein dreizehntes Jahresgehalt kriegen, die sich weiterhin keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen müssen, die sind auch nicht so stark eingeschränkt bei ihrem Konsum. Deswegen ist da das Problem gar nicht so stark zu sehen. Es ist schon sehr stark das eigentliche Umfeld, was ich erlebe, neben dem, was ich lese. Und das eigene Umfeld ist halt wichtiger.
    SWR Aktuell: Sie haben schon gesagt um Menschen zum Konsum zu bewegen, kann man natürlich erst mal im eigenen Unternehmen anfangen. Was können Unternehmen denn ansonsten tun, um Menschen jetzt auch in schwierigen Zeiten zu mehr Konsum zu bewegen? Mit Werbung allein es ist wahrscheinlich nicht getan?
    Bäumer: Ja, da haben Sie recht. Werbung läuft ja auch weiterhin. Das wird ja auch versucht in jeglicher Zeit. Ganz wichtig ist aus psychologischer Sicht das Thema „Vertrauen“. Wenn ich in negativer Stimmung bin durch negative Meldungen, dann bin ich unsicher. Dann bin ich eher ein bisschen hilflos, sorgenvoll - und mir würde helfen, wenn ich ein vertrauensvolle Person, eine vertrauensvolle Marke neben mir hätte. Das Thema Marke ist, glaube ich, etwas, das Unternehmen auch in Nicht-Krisenzeiten angehen. Eine Marke, zu der ich mich gebunden fühle, bei der ich mich wohl fühle, weil ich die schon seit Jahren oder Jahrzehnten kenne, da bin ich auch eher bereit, zu sagen – zum Beispiel bei der E-Mobilität – „Wir haben ein komplett neues Produkt. Wir glauben an dieses neue Produkt.“
    SWR Aktuell: Wenn sie die E-Mobilität ansprechen: Wir haben da jetzt veränderte Rahmenbedingungen, weil zum Beispiel die Politik die E-Auto-Förderung streicht. Schwindet dann auch möglicherweise das Vertrauen nicht nur in eine Marke, sondern in eine ganze Branche?
    Bäumer: Das ist tatsächlich bei der Autobranche superschwierig in Deutschland. Die deutschen Marken haben halt nicht gesagt: Das Thema E-Mobilität ist etwas, das wir unterstützen, das wir vorantreiben wollen. Das kam sehr, sehr spät und eher so aus einer Not heraus, teilweise politisch getrieben. Auch das heißt. Die Kunden, die Bürgerinnen und Bürger im Land, die haben sehr wohl wahrgenommen: Aha! Die Marke hat sich erst mal sehr, sehr zurückgehalten. Und jetzt sagt sie im Zweifel halbherzig: „Doch, wir machen E-Mobilität“. Mercedes zum Beispiel sagt dann: "Aber dann doch nicht so richtig..."  Und die Marken, zu denen ich gar keine Beziehung aufgebaut habe, die aus dem Ausland kommen, Tesla oder die chinesischen Marken, die helfen mir nicht weiter. Die werde ich nicht kaufen, weil ich die nicht kenne, weil das Vertrauen fehlt. Tatsächlich ist die deutsche Autoindustrie ja auch mitverantwortlich, weil sie dieses Thema so zögerlich und zaghaft angegangen ist.
    5 min
  • Fake News über Windräder: „Gewisse politische Akteure streuen solche Informationen gezielt“.
    Windräder stehen angeblich die meiste Zeit still und bringen nichts. Wenn sie sich dann mal drehen, sterben Vögel, die dagegen fliegen. Außerdem verursachen sie Ultraschall und werfen Schatten, der uns krank macht. Das sind einige der Vorurteile gegen Windräder.
    Die Universität Hohenheim hat untersucht, wie Falschinformationen der Akzeptanz von Windkraftanlagen schaden und dadurch den Ausbau der erneuerbaren Energien behindern. Kevin Winter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hohenheim und einer der Autoren der Studie. Über die Ergebnisse hat er mit SWR Aktuell-Moderator Florian Rudolph gesprochen.
    6 min
  • Mir schwätzet schwäbisch: Warum Dialekte wichtig sind
    In Stuttgart wird zum ersten Mal der Landespreis für Dialekt verliehen.
    Mit dem Preis will die Landesregierung den Dialekt erhalten und seine Akzeptanz fördern.
    Warum das wichtig ist und wie die Jugend zur Mundart steht, erklärt Rudolf Bühler im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Florian Rudolph. Bühler ist der Geschäftsführer des Dachverbandes der Dialekte Baden-Württemberg.
    7 min
  • Wissing (FDP): "Digitalisierung hängt Menschen nicht ab""
    SWR Aktuell: Deutschland digital, innovativ, souverän, international das ist das Motto des heutigen Digitalgipfels in Frankfurt am Main. Weit mehr als tausend Teilnehmer sind dabei aus Wirtschaft, Wissenschaft und vor allem natürlich aus der Politik. Bundeskanzler Scholz reist nach Frankfurt. Bundeswirtschaftsminister Habeck will auch dort sei. Und natürlich ist auch Digitalminister Volker Wissing von der FDP dabei. Nehmen wir mal zwei Schlagworte aus diesem geradezu zitierten Motto „innovativ und souverän“. Beschreiben diese Begriffe in Sachen Digitalisierung die Gegenwart, oder sind das Wünsche für die Zukunft?
    Volker Wissing: Wir sind schon gegenwärtig sehr gut aufgestellt. Wir sind in den letzten drei Jahren massiv vorangekommen, was die Digitalisierung angeht, und darüber freue ich mich sehr. Wir haben in Deutschland Fahrt aufgenommen, was die digitale Infrastruktur angeht. Die EU-Kommission spricht von einer spektakulären Aufholjagd. Vor allen Dingen ist wichtig, dass wir bei KI gut aufgestellt sind. Da bescheinigt uns die OECD, ein führender Standort in Europa zu sein. Und das ist der Erfolg, über den wir uns freuen können- aber auf dem wir uns nicht ausruhen wollen. Denn, wenn man vorne ist, muss man dafür sorgen, dass man auch vorne bleibt.
    SWR Aktuell: Und in manchen Studien, in manchen europäischen Vergleichen, liegt Deutschland auch wiederum eher im Mittelfeld. Da ist Finnland zum Beispiel auf Platz eins bei den Digitalkompetenzen. Was muss sich denn da noch tun?
    Wissing: Ganz entscheidend ist, dass man bei künstlicher Intelligenz vorne ist und dass man auch bei den digitalen Infrastrukturen vorne ist. Deutschland hat inzwischen 93 Prozent Flächenabdeckung mit 5G und 97 Prozent Mobilfunkabdeckung insgesamt mit 4G. Und wir kommen beim Glasfaserausbau voran. Der hat sich verdoppelt. Deutschland ist einer der führenden Forschungsstandorte für künstliche Intelligenz. Die Patente, die bei uns angemeldet werden, die zeigen, dass wir hinter den USA, aber vor China und Japan liegen. Das heißt: Platz zwei für Deutschland ist eine hervorragende Position. Deswegen sollten wir diese Erfolge identifizieren, sollten sie anerkennen, aber uns, wie gesagt, nicht darauf ausruhen. Denn entscheidend ist, dass wir jetzt, wo KI unser Leben verändern wird, auch souverän bleiben und diese Technologie selbst beherrschen.
    SWR Aktuell: Nun sagt die Kreditanstalt für Wiederaufbau in einer Studie im September, dass die Erforschung digitaler Technologien keine Stärke des deutschen Innovations-Ökosystems sei. Führende Länder brächten hier vier bis sechsmal so viele wissenschaftliche Publikationen zu diesen Technologien hervor. Ist da also doch noch Nachholbedarf da?
    Wissing: Nein, man kann immer besser werden, aber wir stehen sehr gut da. Die OECD, wie gesagt, bescheinigt uns ein führender Forschungsstandort bei KI zu sein. Aber wenn man diese ganzen Studien, die sich zum Teil auch widersprechen, mal beiseite nimmt, sehen wir ja, dass bei den digitalen Start-ups im KI-Bereich Deutschland ein enormes Wachstum hat. Da liegen wir hervorragend. Und das bedeutet: Bei uns passiert gerade ganz viel im Bereich künstlicher Intelligenz. Offensichtlich gelingt es uns sehr gut, dass wir die Erkenntnisse aus der Wissenschaft und Forschung auch ins Wirtschaftsleben transferieren können. Das heißt: Bei uns finden nicht nur Forschung und Entwicklung statt, sondern auch Gründung. Innovation wird bei uns umgesetzt und wird dann in Zukunft auch zur Wertschöpfung in unserem Land beitragen.
    SWR Aktuell: Nun ist natürlich KI ein super wichtiges Thema, gerade für Unternehmen, und das wird in den nächsten Jahren sicherlich ein noch wichtigeres Thema werden. Aber viele ganz normale Bürgerinnen und Bürger sagen vielleicht auch: Naja, künstliche Intelligenz ist mir relativ wurscht, solange ich nicht einmal einen Führerschein oder meinen Ausweis digital beantragen kann. Wir haben neulich erst von einer Umfrage berichtet. Da haben ganz viele Menschen gesagt, sie hätten mittlerweile digitalen Kontakt zu ihrem Rathaus, ihrer Stadtverwaltung - aber nur, um einen Termin zu vereinbaren. Mehr tut sich da in Sachen Digitalisierung noch nicht. Wann wird denn das flächendeckend besser?
    Wissing: Es ist vor allen Dingen eine Herkulesaufgabe für die Länder. Da muss mehr passieren. Der Bund hat seine Verwaltungsdienstleistungen bereits zu 90 Prozent digitalisiert. Sie können ein Fahrzeug voll digital anmelden und abmelden. Sie können mit dem E-Rezept das ist auch ein schönes Beispiel, ganz einfach ein Medikament bestellen oder auch ein neues Rezept sich digital zusenden lassen. Wir haben mit dem Deutschland-Ticket bei 13 Millionen Nutzern einen Riesensprung bei der Digitalisierung des ÖPNV geschafft und 4,8 Millionen aktive Kunden bei der Bund AG. Also klar, die Verwaltung, Dienstleistungen vor allen Dingen auf Landes- und kommunaler Ebene, die müssen digitaler werden. Beim Bund sind es schon 90 Prozent. Und das zeigt: Ja, es geht was, wenn man gezielt an einer Sache arbeitet.
    SWR Aktuell: Da Sie das Deutschland Ticket ansprechen: Ich habe das auch. Und als ich das bekommen habe vor etwas mehr als einem Jahr, da war das eine Plastikkarte. Und auf dieser Plastikkarte war ein QR-Code aufgedruckt, und den konnten dann Kontrolleure abscannen. Es ist auch noch wieder so halb-digital gedacht. Findet die Digitalisierung vielleicht auch in manchen Köpfen, vielleicht auch auf Landes- bis hin zu Kreisebene, eben noch nicht ausreichend statt?
    Wissing: Das Problem ist, dass sich viele Menschen Doppelstrukturen wünschen. Das heißt, das Analoge soll beibehalten werden und das Digitale als Option. Hinzukommen. Das halte ich nicht für richtig. Wir müssen digital machen, das Analoge abschalten, nur noch digital arbeiten, wo es sinnvoll ist und wo es gut funktioniert. Denn der Vorteil des Digitalen ist ja nicht nur, dass es einfacher ist im Umgang im Alltag, sondern dass auch Daten generiert werden, die uns helfen, die Dinge präziser zu planen. Bleiben wir beim Beispiel des ÖPNV: Wenn wir wissen, wie viele Menschen zu welcher Uhrzeit von wo nach wo fahren wollen, dann kann man den ÖPNV auch passgerecht planen. Dann fahren weniger Busse und Bahnen leer durch die Gegend. Das ist effizienter, kostengünstiger. Und dadurch kann man das Angebot für die Bürger so ausweiten, dass es dann zur Verfügung steht, wenn es von vielen genutzt werden soll. Und diese Dinge, die brauchen wir in den nächsten Jahren. Der Bund ist hier Treiber. Wenn ich nicht so viel Druck gemacht hätte, hätte es das Deutschland-Ticket in Papierform gegeben. Das war jedenfalls der Wunsch vieler Bundesländer. Deswegen ist es wichtig, dass wir ein Digitalministerium auf Bundesebene haben, das klar committed ist, mit einer klaren Digitalstrategie und immer wieder einfordert, dort, wo es sinnvoll ist, so schnell wie möglich „digital only“.
    SWR Aktuell: Sie sagen: alles digital. Hängen Sie dann nicht wieder zum Beispiel ältere Menschen ab, die sagen: Ich komme mit der Technik nicht klar?
    Wissing: Die Digitalisierung hilft auch älteren Menschen. Ich habe neulich sind Digital-Preis bei der Caritas mit verliehen und dort erleben können, wie Menschen mit Behinderung es im Leben leichter haben, wenn Digitalisierung und künstliche Intelligenz genutzt werden. Dieses Argument, dass die Digitalisierung Menschen zurücklässt, teile ich nicht. Im Gegenteil: Digitalisierung ist ein wichtiger Beitrag zur Inklusion und auch zur Unterstützung von Menschen, die im Alltag Unterstützung brauchen. Nehmen Sie nur eine Sprachsteuerung eines Zimmers. Dann müssen Menschen, die vielleicht Schwierigkeiten haben, aufzustehen oder zu laufen, nicht den Lichtschalter bedienen oder können Hilfe auch einfach per Sprachsteuerung rufen, wenn sie sie brauchen. Auf einfache Art und Weise. Sie müssen nicht Knöpfe betätigen, wenn ihnen das körperlich schwerfällt. Wir sollten dieses Argument, dass Menschen nicht zurückgelassen bleiben dürfen, dass ja richtig ist, nicht als Argument gegen die Digitalisierung nutzen. Denn Digitalisierung ist ein wichtiger Inklusionsbeitrag.
    8 min
  • Antisemitismus: Zentralratspräsident Schuster kritisiert Justiz
    SWR Aktuell: Wie bedroht fühlen sich Juden in Deutschland im Moment?
    Josef Schuster: Seit dem 7. Oktober 23, dem Terroranschlag der Hamas in Israel, beobachten wir nicht nur, aber gerade auch in Deutschland einen deutlichen Anstieg antisemitischer Handlungen. Handlungen im Wort, Handlungen in Schrift - und wie wir jetzt wieder merken, eben auch in Taten, und zwar von ganz unterschiedlichem Spektrum: der muslimische islamistische Terrorismus, auf der einen Seite linksextremer Antisemitismus, auf der anderen Seite aber auch weiterhin einen rechtsextremen Antisemitismus.
    SWR Aktuell: Nun hören wir nach solchen antisemitischen Straftaten immer wieder, dass das jüdische Leben in Deutschland einen hohen Schutz verdiene. Gestern hat Bundesinnenministerin Faeser gesagt, der Schutz jüdischer Einrichtungen und israelischer Einrichtungen habe höchste Priorität. Jetzt kann man sagen: Okay, im konkreten Fall ist der Anschlag vereitelt worden. Der Schutz hat funktioniert. Aber gehen Sie davon aus, dass die Schutzmaßnahmen wirklich ausreichend sind?
    Schuster: Ich glaube, man muss ganz ehrlich und offen sagen: Einen hundertprozentigen absoluten Schutz wird kann es nicht geben. Trotzdem bereits seit dem versuchten Synagogen-Attentat in Halle vor fünf Jahren wurden die Sicherheitsmaßnahmen für israelische und jüdische Einrichtungen in Deutschland erheblich verstärkt. Und ich sehe schon die ernsthaften Bemühungen der Sicherheitsbehörden, hier für Sicherheit zu sorgen, was sich auch in der Meinung und der Empfindung der jüdischen Menschen in Deutschland widerspiegelt.
    SWR Aktuell: Andererseits aber Sie haben es gesagt nehmen andere antisemitische Straftaten zu, auch Beleidigungen, Hass, all das gehört dazu. Kann die Politik überhaupt was tun, um dieses gesellschaftliche Klima zu ändern?
    Schuster: Es sind zwei Dinge: Es ist natürlich so, dass die Politik schon viel tut. Es gibt aber noch einen anderen Bereich, der mir auch sehr wichtig ist. Das ist der Bereich der Justiz. Und da habe ich die Empfindung, dass, wenn es zu strafbaren Handlungen kommt, die Justiz doch ein bisschen zu nachsichtig ist. Urteile, die dann gesprochen werden, haben in meinen Augen nicht den ausreichend abschreckenden Charakter.
    SWR Aktuell: Dann gibt es noch den großen Bereich der Außenpolitik. Israel ist im Krieg mit der Hamas seit dem Überfall am 7. Oktober vor einem Jahr. Nun hat Bundeskanzler Scholz vergangene Woche im Bundestag gesagt, Deutschland werde auch künftig Waffen an Israel liefern. Aber es gab ja kurz zuvor Berichte über einen zwischenzeitlichen Exportstopp. Haben Sie denn weiter das Gefühl, dass die Solidarität Deutschlands mit Israel wirklich eine echte Staatsräson ist?
    Schuster: Ich habe schon die Empfindung, dass seitens der Politik sowohl auf der Seite der Ampelkoalition als auch der Opposition eine klare Meinung und Stellung gibt. Etwas anderes ist die Empfindung der Gesellschaft. Da habe ich das Gefühl, dass die Solidarität mit Israel leider in den letzten Monaten abgenommen hat. Und da muss man auch sagen, dass einiges, was wir aus Bildern aus dem Nahen Osten sehen, auch in diese Richtung wirkt. Und so habe ich die Empfindung, dass es einer Terrororganisation wie der Hamas oder auch der Hisbollah gelingt, Bilder in die Welt zu senden, die genau in diese Richtung zielen.
    4 min
  • Matcha Latte - So wird der heiße Trend-Drink wirklich gesund
    Es sieht nicht so lecker aus, ein bisschen wie Spinatsuppe - aber Matcha Latte ist inzwischen der absolute Trend-Drink in vielen Coffee-Shops und Kaffeehäusern. Das grüne Pulver darin wird aus der Teepflanze hergestellt, aus der auch grüner, weißer und schwarzer Tee gewonnen werden. Was kann Matcha Latte wirklich? "Matcha ist ein Wachmacher, ähnlich wie Kaffee", sagt Ernährungsberaterin Anna Dandekar in SWR Aktuell.
    Matcha macht langanhaltender wach als Kaffee
    Dabei sei Matcha ein besonders edler Tee: "Die Blätter werden handverlesen und haben ganz viele Aminosäuren, weshalb er auch so teuer ist." Matcha enthalte doppelt so viel Koffein wie grüner Tee und damit ein kleines bisschen mehr als Kaffee. "Er macht jedoch langsamer, aber dafür langanhaltender wach", so die Ernährungsberaterin. Wie man das ihrer Ansicht nach "gesündeste Energie-Getränk" am besten zubereitet, darüber hat Anna Dandekar mit SWR Aktuell-Moderatorin Petra Waldvogel gesprochen.
    5 min
  • Neuer Bahn-Fahrplan: So spare ich beim Ticket-Kauf Geld
    Bahnreisende können seit dieser Woche Fahrten für den neuen Fahrplan ab Dezember buchen. Doch wie lange im voraus sollte beispielsweise der nächste Städtetrip im Frühjahr gebucht werden?
    "Grundsätzlich gilt, je früher ich buche, desto größer ist die Chance, einen Sparpreis oder einen Supersparpreis zu ergattern - wobei man wissen sollte, dass der Supersparpreis nicht storniert werden kann", sagt SWR-Bahnexperte Uwe Bettendorf in SWR Aktuell.
    Neues Angebot für Frühbucher
    "Frühbucher können ihre Tickets für inländische Fernverbindungen ab jetzt sogar schon zwölf Monate vor Reiseantritt buchen." - Wann es bei welcher Fahrt am günstigsten ist - und ob man bei Kombi-Tickets immer spart, unter anderem darüber hat SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem mit Uwe Bettendorf gesprochen.
    4 min

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