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Episode 035
Der Impfstoff Corminaty, den wir im Alltag immer „Biontech“ nennen, wird zum umsatzstärksten Medikament, das es je gab. Pfizer rechnet mit rund 26 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Biontech bilanziert die Umsätze in Deutschland und der Türkei und erhält von Pfizer Zahlungen für die zur Produktion notwendigen Vorprodukte und für den vereinbarten Anteil am Rohertrag. Aktuell vermeldet Biontech einen Quartals-Gewinn von über einer Milliarde Euro. Trotzdem wird in der Debatte immer noch von einem „kleinen“ Startup gesprochen, dessen Existenz vom Patentschutz abhängt. Gibt es neben den Extrem-Positionen „Profitsüchtige Pharmagiganten“ versus „Enteignuns-Szenario“ nicht auch einen vernünftigen Mittelweg, der forschungslastigen Unternehmen wie Biontech den verdienten Return on Investment sichert und dennoch die Impfstoff-Herstellung zur allgemeinen Lizensierung freigibt?
Episode 034
Die Idee einer GmbH in Verantwortungseigentum erinnert an Beispiele wie Carl Zeiss, Bosch oder ZF Friedrichshafen mit ihren Stiftungs-Konstrukten - und aktuell Allnatura. In Ländern wie Dänemark sind zweckgebundene Unternehmen schon weiterverbreitet und die Idee, dass das Vermögen und die Gewinne des Unternehmens nicht privatisierbar sind und ausgeschüttet werden, gibt Unternehmen nicht nur eine langjährige Perspektive, sondern dürfte auch Unternehmensentscheidungen fördern, die zu 100% am Wohl des Unternehmens ausgerichtet sind und nicht an den persönlichen Interessen von Gesellschaftern – die nun zu Treuhändern werden. Diesen Anspruch haben echte Unternehmer alter Prägung zwar auch, aber gerade bei Nachfolgeregelungen in der Familie oder bei Firmenverkäufen oder Fusionen ist das nicht immer sicherzustellen. Ein Unternehmen in Verantwortungseigentum steht damit für eine nachhaltige Wertschöpfung und dürfte auch gerade für Mitarbeiter ein attraktiver Arbeitgeber sein.
Episode 033
In den Städten ist die Sache klar: Je weniger Emissionen und Lärm umso besser. Das spricht eindeutig für die E-Mobilität. Doch irgendwo muss ja der Strom herkommen, die Batterieherstellung erfordert viele Ressourcen und auch die Wasserstofferzeugung ist energieaufwendig. Die Gesamtbilanz kann eigentlich erst stimmen, wenn konsequent erneuerbare Energien genutzt werden. Das ist eine Achse der Debatte. Doch überall dort, wo Windräder und Solarparks entstehen, beobachten wir eine -zumindest gefühlte- Belastung der Anwohner. Die Entlastung in den Städten geht also teilweise zu Lasten nicht-urbanen Lebens. Und als weitere Achse haben wir das Infrastruktur-Thema. Und da warnt die Energiewirtschaft vor den Gefahren von Lastspitzen und anderen Schwierigkeiten. Sogar Blackouts werden befürchtet. Reine Lobby-Argumente? Und was hindert uns an einem energischen Handeln. Jüngst hat auch das Bundesverfassungsgericht die Klimapolitik der Bundesregierung als zu halbherzig beurteilt. Wenn die Energiewende immer wieder ins Stocken kommt, fragen sich viele, wo und wann wir das Tempo und den Ehrgeiz verloren haben.
Episode 032
In Deutschland geht der Siegeszug der Elektromobilität nur langsam voran. Erfolgsmeldungen über hohe Zuwachsraten referenzieren dabei auf ein äußerst niedriges Ausgangsniveau. Mittlerweile stellt auch die deutsche Autoindustrie die Elektrifizierung in den strategischen Mittelpunkt. Doch nicht nur der US-Hersteller Tesla – auch immer mehr chinesische Anbieter stärken ihre Position im Markt. Ein große Herausforderung ist immer noch die Ladeinfrastruktur. Aber kann eine Umstellung von Verbrenner- auf Elektromotoren eigentlich als zukunftsweisendes Mobilitätskonzept betrachtet werden? Löst das unsere Klimaprobleme oder die angespannte Verkehrs- und Parkraumsituation in Ballungsräumen? Immer mehr Experten verneinen diese Frage und verweisen darauf, dass wir geteilte Transportlösungen fördern und die Individualmobilität reduzieren müssen. Ist das jenseits der Großstädte realistisch und welche Rolle kann das autonome Fahren einnehmen? Bislang sehen wir bevorzugt Anstrengungen, um Oberklassefahrzeuge mit passiver Sensorik und der Fähigkeit zum teilweisen odervollständigen autonomen Fahren auszustatten. Was derzeit fehlt sind Pläne für Standards und eine aktive Verkehrsleitsteuerung – ähnlich dem Flugverkehr.
Episode 031
Darf man die NORDSTREAM Pipeline zu Ende bauen? Darf man den russischen SPUTNIK V Impfstoff verimpfen? Braucht es mehr Sanktionen und Boykotte gegenüber Moskau? Ist Vladimir Putin ein rücksichtsloser Autokrat oder gar „Mörder“ (Zitat Joe Biden)? In einem offenen Brief haben zahlreiche Künstler und Prominente sich dieser Tage an den russischen Präsidenten gewandt und sich für den Aktivisten und Oppositionellen Nawalny, der sich derzeit im Hungerstreik befindet, eingesetzt. Die Fronten sind extrem verhärtet und die diplomatische Tugend des Dialogs scheint in Zeiten von Twitter & Co. aus der Mode gekommen zu sein. Der deutsche Außenminister Heiko Maaß steht zumindest nicht in übermäßigen Verdacht, diesen Dialog zu suchen. Und auch sein erfahrenes Pendant Sergey Lavrov gefällt sich gerne in der Rolle des Hardliners. Seit dem Ausschluss Moskaus aus der Gruppe der G8 nimmt der neue kalte Krieg beidseitig dramatisch an Fahrt auf. Lieber Sanktionen und Säbelrassen als Gespräche? Lieber Krieg als Frieden? Und was ist mit dem Putin geworden, der uns vor 20 Jahren verbal die Hand gereicht hat?
Episode 030
Identitätspolitische Aktivisten reklamieren für sich oft die Interessenvertretung ganzer Kollektive, denn Herkunft, Geschlecht, Rasse und Hautfarbe oder Religion werden kollektiv verstanden und ideologisch regelmäßig stark betont. Plötzlich geht es nicht mehr um tatsächlichen Rassismus in Sport und Kultur, sondern bestimmte Sportarten, wie der Wintersport, oder auch Musikstile, wie die klassische Musik, werden per se als rassistisch verortet. In der Kunstszene werden sogar dediziert antirassistisch motivierte Bilder von Künstlern abgehangen. Es werden Yoga-Kurse mit dem Vorwurf des Identitätsraubs boykottiert und protestiert gegen Schauspielerinnen und Schauspieler, die in Film und Fernsehen oder im Theater Rollen von schwulen, lesbischen oder transsexuellen Charakteren übernehmen. Und auch die Hautfarbe eines Synchronsprechers oder einer Übersetzerin scheint im Kontext der Identitätsideologie wieder eine große Rolle zu spielen. Im universitären Umfeld nimmt die Identitätspolitik einen immer größeren Raum ein, hat aber auch längst den Mainstream erfasst. Es lohnt sich, mit den Motivationen und Argumenten der Aktivistinnen und Aktivisten auseinanderzusetzen, denn deren Forderungen erfolgen meist im Namen von wichtigen Werten wie Anti-Rassismus, Religion, Feminismus oder Minderheitenrechte. Und dennoch stellen viele Menschen befremdet fest, dass nicht primär die Gleichberechtigung oder der Abbau von noch existierenden Benachteiligungen im Vordergrund der Ideologie steht, sondern die Interessen und der Einfluß einer einzelnen, vermeintlich homogenen, Gruppen. Derzeit scheint es, dass der Dialog schwieriger wird und Lautstärke sowie Kompromisslosigkeit eine konstruktive Debatte verhindern.
Episode 029
In Griechenland ist das orthodoxe Osterfest Anfang Mai der Höhepunkt des religiösen Jahres und auch in Italien steht Ostern äußerst hoch im Kurs. Wir alle lieben das Osterfest, bis in die USA, nach Mexiko, in die Philippinen und sogar bis hin zu den Osterinseln im Südostpazifik. Wenn man anschaut, wie fantasiereich und bunt die Welt Ostern feiert, kann man erahnen, wie ein altes Frühlingsfest mit heidnischen Bräuchen mit biblischen Ereignissen zu einem bedeutenden religiösen Fest verschmolzen ist. Und das mindert nicht die Bedeutung. Bis in die Kulinarik hinein findet man überall Symbole, die für einen positiven Neuanfang stehen und das Osterfest gerade zu dieser Jahreszeit zu einem derart beliebten Fest der Hoffnung machen.
Episode 028
Kunst ist ein riesiger Investment-Markt ist und es gibt seit jeher viele wertvolle, traditionelle Kunstwerke, die in tresor-ähnlichen Lagern aufbewahrt werden, statt an der Wand zu hängen. Gutachten und Echtheitszertifikate spielen eine große Rolle und die Blockchain-Technologie bietet sich hier an, für fälschungssichere Zertifikate und die Einzigartigkeit eines künstlerischen Werks zu gewährleisten. Und auch Computerkunst gibt es schon sehr lange. Mit NFT´s werden diese Aspekte miteinander verknüpft. Digitale Kunst wird zum attraktiven, fälschungssicheren Investment und lässt sich mittels Krypto-Währungen bezahlen. Nur ein Hype? Wenn man sieht, wie viele Galerien, Museen und Auktionshäuser in den letzten Monaten das Thema aufgreifen, sicher nicht.
Episode 027
Fakt ist, dass Supermärkte regelmäßig palettenweise Joghurts und andere unbedenklich verzehrfähige Lebensmittel entsorgen und Fakt ist auch, dass das Containern bzw. die Aneignung in unserem Rechtssystem aus diversen Gründen strafbar sein kann. Als sinnvolle Lösung für die Supermärkte, die ja nicht aus Spaß wegwerfen und für die rund um ihre Müllcontainer ja auch zahlreiche Sorgfaltspflichten und Haftungsprobleme bestehen, hat sich daher eine Abgabe an Tafeln erwiesen. Aber das kann natürlich nur einen kleinen Teil der wegzuwerfenden Lebensmittel betreffen. In Frankreich gibt es mittlerweile ein Gesetz, dass das normale Wegwerfen verbietet und eine größtmögliche Weiterverarbeitung, z.B. als Tierfutter, Dünger oder für die Energie vorsieht. Aber auch hier wird das Problem von hinten angegangen, die Frage müsste ja eigentlich sein, warum so viele Lebensmittel weggeworfen werden müssen.
Episode 026
Auch unter Tierschützern und Ernährungsexperten werden die ganzen Labels und Ampeln hitzig diskutiert. Fakt bleibt, dass wir mit Abstand das Land in Europa mit den niedrigsten Kampfpreisen im Lebensmittelhandel sind und die Discounter auch bei Bioprodukten extrem niedrige Preise im Einkauf verhandeln, der wenig Luft für die Erzeuger lässt über das Minimum an Anforderungen für ein Label hinauszugehen. Weil es die Kunden angeblich so wollen. Und über allem schwebt immer die unterschwellige Drohung, wie teuer alles werden würde, wenn man sich konsequent an Tierwohl und Gesundheit orientieren würde. Tatsächlich wären die wirklichen Verteuerungen wesentlich niedriger als suggeriert. Und unsere Lebensmittelpreise immer noch vergleichsweise niedrig. Einige bringen auch eine Tierwohlsteuer in die Debatte ein. Aber was sollen eine Steuer, Label und Tierwohlkennzeichen bringen, wenn damit nicht gleichzeitig klare gesetzliche Regelungen für die Tierhaltung und Lebensmittelerzeugung verbunden sind. Die Freiwilligkeit und das reine Vertrauen auf trügerische Positivsiegel ist eine Art Mogelpackung. In jedem Fall sehr mutlos und kurz gesprungen – denn die Bedingungen für die Tiere werden sich damit nur sehr langsam verbessern.
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