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In den Worten der Aussendung, die Jesus selbst seinen Jüngern mit auf den Weg gibt, lässt sich etwas von dem erkennen, was die Grundgestalt der Kirche ist. Es ist wie ein außerordentlicher und heiliger Moment, in dem Jesus den Jüngern, die er „zu sich ruft“, das sagt, was sie in seinem Namen von da an tun sollen: „Treibt die unreinen Geister aus, heilt Kranke“ oder wie es bei Markus heißt „Verkündet, das Himmelreich ist nahe!“. Und damit kann kein einmaliges Handeln sein, sondern es ist das, was fortan wesentliches und vorrangiges Tun der Kirche sein soll. Mit ganz konkreten Hinweisen weist er ihnen den Weg, wie sie sich verhalten sollen: immer zu zweit gehen, dort bleiben, wo sie aufgenommen werden und falls man sie nicht anhört, den Staub von den Füßen schütteln. Es ist auch ein Hinweis, wie die herausfordernde Aufgabe der Sendung Jesu heute gelebt werden muss: in gemeinschaftlichem Beten und Handeln, in der Treue zum eigenen Dienst und gleichzeitig die Mahnung zu neuem Aufbruch hörend, wenn es keine Fruchtbarkeit mehr gibt.
Jesus hat sich die Demütigung nicht erspart und den Jüngern nicht die Peinlichkeit, als er in der Synagoge von Nazareth durch die eigenen Leute ins Abseits gestellt wurde. Es war eine Ohnmachtserfahrung, als er merkte, dass er nichts für die Menschen dort tun kann, wenn sie ihm argwöhnisch und mit Vorbehalten begegnen. Neben den Erfahrungen und Zeichen seiner Macht, die dem Besuch in Nazareth vorausgehen, steht dieses Ereignis, wo sie Jünger in die Erfahrung der Ohnmacht hineingenommen werden, als würden sie hineinwachsen in die Erfahrung des Kreuzes. Jesus kann nur wirken, wo sich ihm ein Mensch vertaruensvoll öffnet und wir dürfen uns die Frage stellen, ob er in meinem Leben wirken darf.
Es ist ein Lebensgesetz, das Jesus hier in den Mittelpunkt seines Gleichnisses vom Samen stellt, das unserem Empfinden diametral entgegensteht. Wenn wir im Alltag etwas planen und tun, dann gehen wir davon aus, dass wir mit unserem eigenen Einsatz und unserer Initiative ganz und gar dafür verantwortlich sind, ob etwas daraus wird. Wenn wir nur genug investieren, wird es schon werden. So oder so ähnlich funktioniert unsere moderne Gesellschaft, in der alles auf Leistung und Machbarkeit angelegt ist.
Das Wachstum, von dem Jesus spricht, verläuft anders: säen und pflanzen muss man, der Anfang will gesetzt werden, aber das, worauf es vor allem ankommt, das Größer- und Reiferwerden und zur eigentlichen Gestalt gelangen, so wie ein Baum, in dem die Vögel des Himmels nisten und Leben entfalten, das geschieht in der Kraft eines anderen - und ganz im Verborgenen, nicht sichtbar und in der Geduld des Warten-Könnens.
„Nicht nur ich lebe, sondern auch ihr sollt leben!“
Im Glaubensbekenntnis beten wir: „Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht!“, und als Jesus im Verborgenen, als die Jünger hinter verschlossenen Türen sich versammelt haben, zu ihnen kommt, sagt er zu ihnen: „Empfangt den Heiligen Geist!“, damit sie anderen die Sündenvergebung zusprechen können. Es ist der Geist, der neues Leben schenkt, der von den Altlasten unseres Lebens befreit, damit der Mensch in neuer Freiheit leben kann. Dann ist es möglich, auch von diesem Leben an andere weiterzugeben, in jeder Begegnung, in jedem Wort, in jedem Gruß an andere, aber auch in der Verkündigung. Jesus haucht seine Jünger an, wie die Lesung heute sagt, und es ist der Geist der Versöhnung, den Jesus zuvor am Kreuz, in seinem Sterben, ausgehaucht hat, den die Jünger zuerst empfangen, bevor sie selbst zu Zeugen werden können.
Ein kleiner Abschnitt aus dem Gebet Jesu am Abend vor seinem Tod gibt in inniger uns berührender Weise wieser, wie Jesus uns in die Liebe des Vaters hineinbetet. Hier sagt er auch, was sein Auftrag war, den er hier in die Hände des Vaters zurücklegt, nämlich der Menschheit göttliches, ewiges Leben zu geben: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich, den einzigen wahren Gott erkennen.“ Nur das ist Leben, wenn es uns gelingt, die Mauer, die so oft zwischen uns und Gott besteht, zu durchbrechen. Und Jesus nimmt seine Jünger in seinen Lobpreis hinein und hält sie in seinen Händen dem Vater hin. Übergabe des Lebens an Gott, auch am Lebensende, ist etwas anderes als Gott das Leben zu entreißen und selbst ein Ende zu setzen.
„Dies habe ich Euch gesagt, damit meine Freude in euch bleibt und Eure Freude vollkommen wird“. Jesus sagt diese Worte zu seinen Jüngern als sein Leben bedroht ist und sein Leiden kurz bevorsteht. Er spricht in diesen Abschiedsreden viel von der Liebe und von der Freude. Es ist auch die tiefste Sehnsucht unseres Lebens zu einer bleibenden Freude zu gelangen, die nicht vergeht und immer bleibt. Wo aber ist das zu finden? Das, was mehr ist als ein vorübergehendes Gefühl und ein unbeständiger Traum! Vielleicht gibt es eine Entscheidung zur Freude, wie es eine Entscheidung zur Liebe gibt - und beides, wenn es in unserem Leben Raum gewonnen hat - bricht sich Bahn und macht unser Christsein glaubwürdig.
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