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Was wissen wir über den Ursprung des Universums? Prof. Dr. Jan Louis ist Physiker, Vizepräsident der Universität Hamburg und Sprecher des Exzellenzclusters „Quantum Universe“. Er sagt: „Eigentlich können wir uns den Urknall gar nicht vorstellen“. Zudem erklärt er in dieser Folge der Wissenswelle, warum wir uns an einem Abend ohne Technik, die auf Quantenmechanik beruht, ziemlich langweilen würden.
In seiner Forschung beschäftigt sich Prof. Dr. Jan Louis mit der String-Theorie. Die ist zwar noch nicht experimentell bestätigt, löst aber ein grundlegendes Problem der modernen Physik: die Unvereinbarkeit des Gravitationsgesetzes nach Einstein und der Quantentheorie. „Wenn wir den Urknall beschreiben wollen, müssen wir beide Theorien heranziehen“, so Prof. Louis. Das Problem ist aber, dass die Ansätze nicht miteinander harmonieren. H Die String-Theorie würde das überwinden und es ermöglichen, den Beginn des Universums zu rekonstruieren.
„Wir wissen, dass der Urknall vor ungefähr 14 Milliarden Jahren stattgefunden hat und das Universum sich seither beschleunigt ausdehnt,“ sagt Prof. Louis. Warum das so ist, stellt die Forscherinnen und Forscher noch vor einige Rätsel. An möglichen Erklärungen arbeiten die Mitglieder des Exzellenzclusters „Quantum Universe“.. „Um den Urknall zu beschreiben, brauchen wir eine andere Vorstellung von Raum und Zeit,“ erläutert Prof. Louis.
Exzellenzcluster „Quantum Universe“ und „Wissen vom Fass“
Neben seiner Tätigkeit als Sprecher des Exzellenzclusters ist Prof. Louis derzeit auch Vizepräsident der Universität Hamburg, u. a. für die Bereiche Forschung und Nachwuchsförderung. Nach einem Auslandsaufenthalt in Israel hat er vor einigen Jahren ein besonderes Format nach Hamburg gebracht: Wissen vom Fass. „Wir treten da auf, wo normalerweise eine Band spielt“, beschreibt Prof. Louis das Event. Denn an einem Abend im Jahr kommen die Forschenden in Kneipen und Bars der Stadt und erzählen von ihrer Forschung.
Das Coronavirus bestimmt im Verlauf des Jahres 2020 unseren Alltag. Aber wie werden wir uns einigen Jahren an die Pandemie erinnern? Prof. Dr. Thorsten Logge und Nils Steffen vom Arbeitsbereich Public History der Universität Hamburg erzählen im Podcast, wie beim „coronarchiv“ Erinnerungen, Alltagserfahrungen und Stimmen zur Corona-Krise gesammelt und dokumentiert werden.
Im März 2020, kurz nachdem in Deutschland die ersten Corona-Maßnahmen beschlossen wurden, startete das „coronarchiv“, eine digitale Sammlung für Erinnerungen zur Corona-Pandemie. Unter dem Motto „Sharing is Caring“ sind Menschen dazu aufgerufen, Texte, Bilder oder Videos hochzuladen, um die eigene Alltagserfahrung mit der Pandemie zu teilen und für spätere historische Forschungen zur Verfügung zu stellen.
„Das Projekt war nicht von langer Hand geplant“, erzählen Prof. Logge und Nils Steffen im Gespräch, die vom Erfolg des digitalen Archivs überrascht wurden: Inzwischen sind etwa 4.000 Objekte eingereicht worden und täglich werden es mehr. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von den Universitäten in Bochum und Gießen wollen sie dokumentieren, was Menschen in dieser Zeit erleben. „Noch wissen wir nicht, wie wir uns später einmal an die Pandemie erinnern werden“, meint Prof. Logge, daher soll das gesammelte Material dauerhaft archiviert werden.
Warum verbreiten sich Verschwörungstheorien und Falsch- und Fehlinformationen im Internet seit der Corona-Pandemie noch stärker? Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw ist Professorin für Journalistik und Kommunikationswissenschaft im Fachbereich Sozialwissenschaften und erforscht die Debattenkultur in den Sozialen Netzwerken. Im Podcast-Gespräch erklärt sie, was den Reiz von Verschwörungstheorien ausmacht.
Viele Menschen suchen in Krisenzeiten verstärkt nach Informationen, auch in Sozialen Netzwerken – und landen meist irgendwann automatisch bei Falschinformationen, die die Unsicherheit der User ausnutzen. Die Corona-Pandemie führt nicht nur zu einer vermehrten Nutzung von Sozialen Netzwerken, die Kanäle werden auch verstärkt zur Verbreitung von digitaler Propaganda genutzt. Verschwörungstheorien werden dabei besonders häufig geteilt, weil sie einfache Erklärungen für Fragen und Probleme bieten, auf die die Wissenschaft noch keine Antworten hat, meint Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw.
Die Kommunikationswissenschaftlerin beobachtet die Debattenkultur in den Sozialen Netzwerken und analysiert, wie Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook kommentieren und posten. So hat etwa eine Studie ergeben, dass für die Verbreitung von Informationen, Empfehlungen von engen Freundinnen und Freunden entscheidend sind – und wenn unbekannte Quellen seriös wirken, werden sie fast genauso oft ausgewählt wie Postings einer Qualitätszeitung.
Ab welchem Alter beginnen Kinder zu denken? Prof. Dr. Ulf Liszkowski, Leiter des Arbeitsbereichs Entwicklungspsychologie an der Universität Hamburg, ist in seiner Forschung den Ursprüngen unserer kognitiven Fähigkeiten auf der Spur. Im Podcast-Gespräch erklärt er, ab wann Menschen denken und bewusst mit der Umwelt interagieren.
Prof. Dr. Ulf Liszkowski erforscht das menschliche Miteinander. Dazu beschäftigt er sich vor allem mit der Entwicklung von Kindern. In Experimenten, bei denen zum Beispiel Kleinkinder auf Dinge zeigen müssen, beobachtet er ihre Aktionen und Reaktionen. So will er herausfinden, ab wann Kinder bewusst handeln, in Interaktion treten und das machen, was wir als Denken bezeichnen. Im Podcast erläutert der Entwicklungspsychologe, woran er bewusste Entscheidungen der Kinder erkennt, wie ein Versuchsaufbau mit Kleinkindern aussieht und welche Fragen sich aus seinen Forschungsergebnissen für die Psychologie ergeben.
Weitere Infos: KOKU – Forschungszentrum für kognitive und kulturelle Entwicklung
Die Antike ist zwar mehr als 1.500 Jahre her, wirkt aber bis heute nach: Im Podcast-Gespräch werfen wir mit der Althistorikerin Prof. Dr. Kaja Harter-Uibopuu einen Blick hinter die Kulissen ihrer Forschung und klären, was das Geräusch fallender Kugeln mit der Demokratie im antiken Griechenland zu tun hat.
Prof. Harter-Uibopuu erforscht die Rechtsgeschichte der griechischen Stadtstaaten. Dazu untersucht die Althistorikerin antike Inschriften und literarische Texte und versucht aus diesen Hinweisen zu rekonstruieren, wie Gerichtsprozesse in der Praxis durchgeführt wurden. Für die Prozesse in Athen mussten bis zu 2.000 Richter erlost werden – und das an jedem Gerichtstag neu. Um dieses Verfahren nachvollziehen zu können, hat sie mit ihrem Team eine antike Losmaschine gebaut, ein Kleroterion. Wie die Losmaschine im Einsatz klingt, ist in der Podcastfolge zu hören.
Neben der Bedeutung des Losens für die antike Demokratie erklärt die Rechtshistorikerin, warum Jura-Studierende heute noch immer Römisches Recht lernen und welche Klischees über die Antike sie regelmäßig ärgern. Prof. Harter-Uibopuu ist stellvertretende Sprecherin des Exzellenzclusters „Understanding Written Artefacts“, in dem Forscherinnen und Forschern die Entwicklung und Funktionen von Schriftartefakten in Manuskriptkulturen, von den Anfängen im alten Mesopotamien bis ins digitale Zeitalter, untersuchen.
Weitere Informationen
Fossilien geben Einblick in die Geschichte der Entwicklung des Lebens. Im Podcast-Gespräch werfen wir mit dem Leiter des Geologisch-Paläontologischen Museums, Dr. Ulrich Kotthoff vom Institut für Geologie, einen Blick hinter die Kulissen seiner Forschung und klären, warum in Hamburg keine Dinosaurier zu finden sind.
Dr. Ulrich Kotthoff erforscht Mikrofossilien, dazu zählen etwa Pollenkörner oder Einzeller, die vor mehreren Zehntausend Jahren gelebt haben. Auf Forschungsreisen sammelt er Bohrkerne und kommt zu neuen Erkenntnissen im Bereich in der Klimageschichte des Ostseeraums. Im Gespräch erklärt der Paläontologe, wie sich anhand von Fossilien Klimaveränderungen, die Evolution und die Entwicklung der Artenvielfalt nachvollziehen lassen.
Zudem leitet Dr. Ulrich Kotthoff das Geologisch-Paläontologische Museum am Centrum für Naturkunde (CeNak), das in einer Ausstellung bedeutende geologische und paläontologische Funde zeigt. Am Ende des Gesprächs stellt er sein Lieblingsobjekt aus der Forschungssammlung vor.
Weitere Infos: Geologisch-Paläontologisches Museum
Das Coronavirus hat sich innerhalb weniger Monate fast weltweit verbreitet. Warum kam es ausgerechnet bei diesem Virus zu einer Pandemie? Der Virologe Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit im Podcast-Gespräch über das neuartige Coronavirus, die Folgen für die Forschung und welche Konsequenzen wir für die Wissenschaft aus der Pandemie ziehen sollten.
„Viren sind kein Uhrwerk“, sagt Prof. Schmidt-Chanasit, daher lassen sich der Verlauf und die Ausbreitung einer Pandemie nur schwer vorhersagen. Szenarien, die in der Theorie entwickelt wurden, halten daher der Praxis nicht immer Stand: „Wir werden immer wieder überrascht und lernen täglich hinzu.“
Normalerweise erforscht er Viren, die von Stechmücken übertragen werden – sog. Arboviren. Seit einigen Wochen jedoch hat Prof. Schmidt-Chanasit seine eigene Forschung auf Eis gelegt und es dreht sich bei ihm und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) alles um das neuartige Coronavirus. Neben der Krankenversorgung werden dort auch Corona-Tests durchgeführt und erste Studien mit Medikamenten gestartet.
Prof. Dr. Hans-Christoph Koller ist Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg und forscht zum Thema Bildung. Er hat das Konzept der transformatorischen Bildungsprozesse entwickelt, mit dem er zum Beispiel Schulerfolg und Adoleszenzverlauf von jungen Männern mit Migrationshintergrund untersucht.
Musik: Francois Maugame, A Kings Honour
Prof. Dr. Michael Zimmermann leitet das Numata Zentrum für Buddhismuskunde an der Universität Hamburg und forscht über indischen Buddhismus. Im Gespräch erzählt er von der Herausforderung mit überlieferten Manuskripten zu arbeiten, von der Buddha-Natur und wie Achtsamkeit zum Trend wurde.
Musik: Francois Maugame, A Kings Honour
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