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Mit Angela Merkel verlassen viele PolitikerInnen aus der Baby Boomer-Generation die politische Bühne zur Bundestagswahl am 26. September 2021. Wir haben für diese Folge mit jungen Kandidierenden und den Parteijugenden gesprochen, um herauszufinden, ob wir uns auf einen Bundestag der Erneuerung freuen können. Vieles deutet darauf hin, aber jüngere Abgeordnete allein reichen als Lösung nicht aus – es braucht eine Umstellung im Wahlsystem.
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Diese Folge ist in zweierlei Hinsicht eine besondere. Erstens, da wir sie live aufgezeichnet haben im Open Air Kino der 3001 Filmnächte im Schanzenpark in Hamburg am 11. Juli 2021. Zweitens haben wir Sprachnotizen von jungen BundestagskandidatInnen der fünf demokratischen Parteien im Bundestag eingeholt. Ihr hört Einschätzungen von:
Junge Menschen sind im Bundestag unterrepräsentiert. Dass die Altersverteilung problematisch ist, finden auch die jungen Kandidierenden und haben dafür auch einige Beispiele genannt: die Prioritäten während der Corona-Pandemie oder die schleppenden Maßnahmen gegen den Klimawandel. Nur jeder 12. Bundestagsabgeordnete war zu Beginn der Legislaturperiode 2017 unter 35 Jahre alt war. Der Anteil in der Gesamtbevölkerung laut Statistischem Bundesamt ist jedoch mehr als doppelt so hoch. Das heißt: Es fehlen 63 Jüngere im Bundestag.
Unsere These ist, dass junge PolitikerInnen eine neue Politik machen. Damit diese aufgeht, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:
Das ist erfüllt, wie wir über die Parteijugenden herausgefunden haben. Bei der SPD liegt der Anteil bei einem historischen Höchstwert mit 80 Direktkandidierenden unter 35 Jahren. Bei 299 Wahlkreisen ist das fast jeder vierte. Bei Die Linke ist es jeder fünfte und bei den Grünen jede siebte. Die Jungen Liberale schicken 79 Kandidierende ins Rennen, darunter sind allerdings auch welche, die auf Listenplätzen stehen. Deswegen sind die Zahlen nicht vergleichbar (Die Junge Union hat sich trotz Nachfrage nicht zurück gemeldet, deswegen fehlen ihre Angaben).
Die jungen Kandidierenden wollen vieles anders machen. In ihren Antworten sind es vor allem zwei Punkte, die ihnen wichtig sind: Zum einen die politische Kommunikation über soziale Medien und der direkte Kontakt mit BürgerInnen. Zum anderen sind sie parteiübergreifenden Bündnisse sehr aufgeschlossen, insbesondere unter jungen Abgeordneten. Damit versprechen sie einen konstruktiveren Ton, als es die Älteren in ihren Parteien vorleben.
Natürlich ist es aber nicht so einfach mit “jung gegen alt”. Einfach nur mehr junge Abgeordnete allein reichen nicht für eine Politik, die eine gesellschaftliche Erneuerung vorantreiben kann. Dafür sind auch Änderungen im System notwendig. Aus diesem Grund schlagen wir auch vor:
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Um bislang 300 Milliarden Euro hat sich Deutschland verschuldet, um die Corona-Krise abzudämpfen. 300 Milliarden, die nicht für die Klimarettung oder Schulen zur Verfügung stehen. In dieser Folge stellen wir die Idee der Vermögensabgabe vor, mit der die Kosten der Corona-Krise gerecht beglichen werden können – ohne, dass die junge Generation auf ihnen sitzen bleibt. Mehr noch: mit dieser Idee könnte Geld eingenommen werden, das Deutschland zukunftsfest macht.
Live-Aufnahme am 11. Juli 2021
Die nächste Folge werden wir live auf dem 3001-Filmnächte-Festival im Schanzenpark von Hamburg aufnehmen. Unser Podcast ist das Vorprogramm des Films "Die Känguru-Chroniken". Los geht's am 11. Juli um 21:30 Uhr. Der Eintritt kostet 9/6 Euro. Kommt gerne vorbei!
Zum Programm
Die Corona-Pandemie hat dem deutschen Staat richtig viel Geld gekostet: für Tests und Impfungen, aber auch für finanziellen Nothilfen, das Kurzarbeitergeld, Steuerausfälle und weitere Maßnahmen. Die Corona-Kosten des Staates belaufen sich auf ca. 300 Milliarden Euro. Finanziert wurde diese bisher vor allem über Schulden.
Gleichzeitig gibt es eine wachsende Ungleichheit: Reiche sind in der Krise noch reicher geworden: Die Ungleichheit der Vermögen in Deutschland ist auf dem Niveau der Kaiserzeit, hat der französische Ungleichheitsforscher Thomas Piketty berechnet. Beispielhaft dafür steht die Anzahl der Dollar-Millionäre in Deutschland, die von 2019 bis Mitte 2020 um 58.000 Personen gestiegen ist. Schaut man auf die deutschen Dollar-Milliardäre, konnten die im Krisenjahr 2020 sogar einen Vermögenszuwachs von 55 Milliarden US-Dollar verzeichnen laut dem Global Wealth Report.
[bctt tweet="#Corona hat den Staat 300 Milliarden Euro gekostet. Mit dieser Idee begleichen wir die Schulden gerecht." username="YPolitik"]
Die Partei “Die Linke” hat einen Antrag für eine einmalige Vermögensabgabe in den Bundestag eingebracht. Darin stecken viele gute Ideen, mit denen man die Kosten der Seuche bezahlen könnte. Den Vorschlag hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) durchgerechnet:
Die vorgeschlagene Variante sieht eine Vermögensabgabe von 10 bis 30 Prozent des Vermögens ab einer bestimmten Höhe vor. Die Freibeträge liegen mit 2 Millionen Euro persönliches Vermögen und mit 5 Millionen Euro Betriebsvermögen recht hoch. Damit würde diese Abgabe nur die reichsten 0,7 Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung betreffen. Das sind vor allem jene Personen, die in der Krise noch reicher geworden sind.
Was das für wen konkret bedeuten würde, hat das DIW berechnet und die Tagesschau anschaulich dargestellt (auch die Lage der Nation hat den Vorschlag bereits diskutiert). Die Parteien im Deutschen Bundestag reagierten sehr unterschiedlich auf den Vorschlag der Linkspartei und teilweise auch mit deutlicher Kritik. Wir finden jedoch, dass die Vermögensabgabe einige Vorteile bietet:
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Städte sind laut, grau, stressig und die Luft ist schlecht. Das hat gesundheitliche Folgen wie vermehrte psychische Erkrankungen und Hunderttausende Tote durch Luftverschmutzung. Es gibt eine relativ einfache Lösung, die wissenschaftlich belegt Wunder wirkt: Bäume. Wir stellen ihre Vorteile vor und liefern Idee, wie wir unsere Städte begrünen können.
Auf dem Land lebt man in einer gesünderen Umgebung – das ist nichts Neues. Aber wie ungesund ist das Stadtleben wirklich? Studien zeigen: sehr ungesund! JedeR 20. GroßstadtbewohnerIn hat psychotische Symptome. Unter anderem hat man in der Stadt ein doppelt so hohes Schizophrenie-Risiko wie auf dem Land. Es ist sogar dreifach so hoch, wenn man in der Stadt auch geboren wurde.
Bei den körperlichen Folgen sieht es nicht besser aus. Knapp eine halbe Million Menschen sind in Europa 2018 frühzeitig gestorben, weil die Luft so schlecht ist. Laut einer brandneuen Studie tötet schlechte Luft mehr Menschen als das Rauchen. Zwei Jahre würden wir in Deutschland durchschnittlich länger leben, wenn die Luft besser wäre, schätzen Mainzer WissenschaftlerInnen.
Die Lösung ist einfach wie effektiv: Pflanzt mehr Bäume in den Block! Oder Hecken, die bringen’s auch. Sie binden Staub (große Bäume 1 Tonne Staub pro Jahr), funktionieren im Sommer wie eine Klimaanlage, bieten Tieren einen Lebensraum und liefern Sauerstoff.
Eine große Buche zum Beispiel nimmt so viel CO2 auf, wie ein Kleinwagen auf 150 km auspustet und liefert dafür Sauerstoff für 26 Menschen. Stadtbäume haben auch eine gesundheitliche Wirkung wie weniger Bluthochdruck, bei Kindern weniger Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrome und Fettleibigkeit.
Außerdem steigern Bäume das Wohlbefinden: zehn Bäume mehr in einem Wohnblock wirken auf das Wohlbefinden wie 7.000 Euro mehr Einkommen pro Jahr oder ist vergleichbar damit, sieben Jahre jünger zu sein (beeindruckende Studie aus Toronto).
Eine Übersicht über 30 Großstädte der Welt und wie es dort mit dem Baumbestand aussieht, findet ihr auf Treepedia.
Es gibt viele Möglichkeiten, um das Grün in der Stadt zu erhöhen. Zum einen sind dabei die Stadtplanerinnen und -planer gefragt sowie die EntscheiderInnen. Sie sollten die Effekte von Bäumen und Pflanzen in der Stadt kennen und nutzen, aber auch jedeR BürgerIn kann etwas tun. Wir stellen Ideen, Initiativen und Handlungsmöglichkeiten vor.
Beim Surfen durchs Netz stoßen wir häufig auf schlechte Nachrichten, Krisen und Katastrophenmeldungen. Obwohl sie uns schlechte Laune machen, klicken wir dann häufig doch noch auf die nächste Meldung und scrollen damit dem Weltuntergang entgegen. Für dieses exzessives Eintauchen in dystopische Nachrichten gibt es einen Namen: Doomscrolling.
In dieser Folge analysieren wir die Ursachen, warum wir uns so gerne dem Untergang entgegen scrollen und haben eine Menge Tipps und Tools zusammengetragen, wie man mit Doomscrolling aufhören kann. Denn die Sucht nach schlechten Nachrichten macht nicht einfach nur schlechte Laune, sondern schadet unserer Demokratie.
Dass wir auf negativen Nachrichten hängen bleiben, hat auch mit unserer Hirnfunktion und der Evolution zu tun. Das menschliche Gehirn reagiert schneller und intensiver auf Negatives als auf positive Meldungen. Mit dieser schnellen Reaktion versucht unser Körper uns vor einer möglichen Bedrohung zu schützen. Deswegen ist es auch relativ schwierig, sich davon so richtig freizumachen. Insgesamt deuten erste Studien in der Pandemie darauf hin, dass jene Menschen psychisch stärker belastet werden, die sich häufiger und länger über die (sozialen) Medien mit Corona beschäftigen.
Doomscrolling hat jedoch nicht nur negative Auswirkungen auf uns als Einzelpersonen, sondern auch auf die demokratische Gesellschaft. Zum einen entzieht Doomscrolling Energie, die für ein zivilgesellschaftliches Engagement hätte aufgebracht werden können. Denn wenn es uns selbst schlecht geht, haben wir weniger Kraft, uns für andere einzusetzen. Zum anderen gaukelt Doomscrolling Aktivismus vor. Denn man schaut ja aktiv hin und ist gedanklich involviert. Ändern tut sich dadurch allerdings rein gar nichts.
In der Folge besprechen wir unser Medienverhalten. Diese fünf Fragen könnten auch dir helfen, herauszufinden, ob du zu Doomscrolling neigst.
Eine Lösung gegen das Doomscrolling zu finden, ist gar nicht so einfach. Was jedoch mit Sicherheit keine gute Antwort darauf ist, ist das Abschalten aller Medien.
Es gibt die üblichen gut gemeinten Tipps, wenn man sich nicht so wohlfühlt, wie öfter mal rausgehen, meditieren anfangen oder sich mit Menschen zu umgeben, die einem gut tun. Wir haben darüber hinaus acht Möglichkeiten zusammengetragen, wie man die Negativspirale des Doomscrollings durchbrechen kann.
Bewusstsein
Als aller erstes muss man sich darüber bewusst werden, dass das eigene aktuelle Verhalten einem schadet und sich dann aktiv entscheiden, etwas zu verändern. Herzlichen Glückwunsch! Mit dem Lesen dieses Artikels und dem Hören der Folge bist du dem ersten Schritt schon sehr nahe.
Selbst entscheiden
Dann ist es wichtig, wieder zu einem aktiv Handelnden zu werden und die Rolle des passiven Konsumenten abzulegen. Daher solltest du alle Eilmeldungen und Benachrichtigungen von Social Media-Accounts abbestellen. So hast du die Erstkontrolle darüber, welche Nachrichten und Meldungen du dir wann und wie anschaust. Zum Empfangen echter Katastrophenmeldungen kannst du dir beispielsweise Katwarn herunterladen.
Infinite Scroll brechen
Die neuen Medien verleiten uns besonders zum Doomscrolling dadurch, dass bei jedem Scrollen noch mehr Meldungen und Beiträge angezeigt werden. Es gibt auf diesen Seiten kein Ende mehr. Um diese Logik zu brechen, informiere dich über Medien und Seiten, die nicht unendlich sind: zum Beispiel (gedruckte/e-paper) Zeitungen oder für Corona-Informationen ein mal am Tag bewusst auf die Seite einer Gesundheitsorganisation gehen, statt einen Live-Ticker zu abonnieren.
Gewohnheiten ändern
Wenn die Begrenzung der Bildschirmzeit bei dir nicht funktioniert, dann probiere es doch mal mit der umgekehrten Idee: Plane die Zeiten für deinen bewussten Social Media-Konsum in den Tag ein, zum Beispiel indem du dir dafür Termine in den Kalender setzt.
Sich selbst konditionieren
In der New York Times schlagen sie eine ungewöhnliche Methode vor: Spanne dir einen Gummi um die Hand beim Scrollen durch die Nachrichten und beim ersten Gefühl sich dem Weltuntergang hinzugeben, lass es gegen die Hand fetzen. So konditioniert man sich selbst dazu, sich nicht in den Strudel reinziehen zu lassen.
Aktivität statt passives Konsumieren
Was auch helfen kann, sich nicht reinziehen zu lassen, ist die aktive Teilnahme an Diskussionen und Konversationen auf Social Media, statt die Beiträge nur zu lesen. Dadurch entsteht nicht so schnell ein Gefühl der Hilflosigkeit, denn man ist selbst aktiv und stellt in den Momenten wieder eine Handlungsfähigkeit her, die möglicherweise verloren gegangen ist.
Mehr gesellschaftspolitische Zukunftsthemen, statt Eilmeldungen und Tagesnachrichten
Die Nachrichten, die besonders unsere Aufmerksamkeit binden, sind meist relativ kurzfristig relevante und zugespitzte Tagesnachrichten oder Eilmeldungen, in die man sich emotional reinsteigert. Gleichzeitig sind diese politische Themen schnell wieder unwichtig. Besser fühlt es sich oftmals an, wenn man sich mit grundlegenden politischen Zukunftsthemen beschäftigt.
Formate 100 % frei von Doomscrolling
Das gesprochenen und geschriebenen Wort dominiert die Politik: lange Reden, ausführliche Diskussionen und Pressemitteilungen. Dabei sind ungefähr zwei Drittel der Menschen eher visuelle Typen – sie verarbeiten und erlernen Informationen vor allem über das Sehen. Deswegen fordern wir mehr visuelle politische Kommunikation! (Und machen dafür drei Vorschläge).
Vor kurzem hat es eine politische Grafik zu trauriger Berühmtheit erlangt. Am 3. März 2021 trat Angela Merkel mit Michael Müller vor die Presse, um die Ergebnisse des Bund-Länder-Treffens und den aktuellen Fahrplan für die Corona-Maßnahmen vorzustellen. Veranschaulicht wurden die Beschlüsse mit einer Powerpoint-Grafik, die verschiedene Öffnungsschritte in einer Tabelle zusammengefasst hat.
Die Darstellung hat für viel Verwirrung und Belustigung gesorgt. Viele Abgeordneten fanden sich in dem “Corona-Irrgarten” selbst nicht zurecht, wie der WDR herausfand. Die Idee war jedoch gut gemeint, denn Grafiken können wesentlich verständlicher als reiner Text sein. Der Grund: das menschliche Gehirn ist auf Bildverarbeitung getrimmt.
Visuelle politische Kommunikation muss besser umgesetzt werden! Wir stellen drei Schritte vor, wie die Politik das bildhafte Kommunizieren lernen und anwenden kann.
Der erste Schritt für eine Veränderung muss ein gewisses Bewusstsein für die Bedeutung von Bildern sein. PolitikerInnen und ihre Teams müssen sich fortbilden. Ein gutes Buch für den Start ist zum Beispiel “Auf der Serviette erklärt” von Dan Roam (oder das englische Original “On the Back of a Napkin”).
Bilder sagen oft mehr als Worte und durch das Internet sind Emojis mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Kommunikation – über Landesgrenzen hinweg. Sascha Lobo schrieb dazu “Esperanto ist tot, lang leben Emojis”.
Dabei sind Emojis keine Spielerei mehr. Selbst das wichtigste politische Abkommen Europas aus dem Jahr 2017 wurde in Emojis kommuniziert: mit fasste der damalige EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker den Brexit-Deal zusammen.
Ihr wollt politische Memes und Emojis verstehen lernen? Vier Lese-Tipps:
Man kann und muss natürlich nicht alles selbst können. Profi-PolitikerInnen und Ministerien sollten sich das Wissen ins Team holen, z.B. über ausgebildete Grafik-DesignerInnen oder Daten-JournalistInnen.
Gerade der Datenjournalismus taugt als Vorbild. Denn komplexe Themen journalistisch über visualisierte Daten und interaktive Webseiten aufzuarbeiten, wird immer beliebter. Ein aktuelles Beispiel ist das ZEIT Online-Projekt “Das Coronavirus in Grafiken, Karten und Illustrationen”, das dieses Jahr den Grimme-Preis gewinnen könnte.
Klar, es können sich nicht alle eineN Haus-GrafikerIn leisten. Doch mittlerweile gibt es auch Tools wie “Tableau Public”, mit denen man kostenlos Daten einfach und schick visualisieren kann.
Und selbst PowerPoint erlaubt, einfache Datenvisualisierung! Das hat Finanz-Staatssekretär Wolfgang Schmidt unter Beweis gestellt, der in Eigenregie die neuesten Corona-Maßnahmen in eine gut strukturierte Tabelle umgewandelt hat. Da kann sich das Bundespresseamt der Kanzlerin noch was abschauen (und sollte das auch ).
Wenn Dich das Thema visuelle politische Kommunikation interessiert, dann wahrscheinlich auch unsere Folge, wie politische Bildung gegen Verschwörungstheorien wirken kann.
Angela Merkel ist die Kanzlerin der Alternativlosigkeit. 16 Jahre “fahren auf Sicht”, 16 Jahre “Politik der Trippelschritte” gehen mit der Bundestagswahl im Herbst zu Ende. 2021 ist also das Jahr, in dem unser Land einen neuen Weg wählt. Die Frage ist: in welche Richtung soll es gehen? Realutopien ermöglichen eine Vorstellung von Zukünften, die zwar ganz anders sind als unsere Gegenwart, aber trotzdem erreichbar. Wie wird die Welt aussehen, wenn wir jetzt anfangen, sie zu verändern?
Wir sprechen in dieser Folge mit einem Experten für Utopien, Lino Zeddies, über utopisches Denken als Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel und wie es uns persönlich bei Veränderungen hilft. Außerdem erfahrt ihr, wie ihr nicht an der aktuellen Welt verzweifelt, während ihr euch für eine bessere einsetzt.
Eine "Utopie" wird meist als eine schöne und gute Welt oder Gesellschaft verstanden, die es nur in der Vorstellung geben kann. Sie ist also fiktiv und unerreichbar. Das Gegenteil ist eine "Dystopie", die eine pessimistische Vorstellung der Welt oder Gesellschaftsordnung verkörpert.
Nimmt man es genau, dann müssten wir statt von einer “Utopie” eigentlich von einer “Eutopie” als “guter Ort” reden, denn letzteres ist die korrekte altgriechische Übersetzung. “Utopie” bedeutet wörtlich schlicht “Nicht-Ort” (in der Folge erfahrt ihr, warum die Begriffe immer verwechselt werden).
Eine oft hervorgebrachte Kritik gegenüber einer Utopie ist, dass diese nicht erreichbar sei und die beschriebene Welt in weiter Ferne liegen würde. Utopien werden von manchen als nette Fantasiewelten abgetan. Diese beinhalte auch eine Weltflucht, die davon ablenkt, die aktuellen Probleme unserer Zeit anzugehen.
“Realutopien” hingegen zeichnen zwar auch eine schöne zukünftige Welt in unserer Vorstellung, allerdings sollen Realutopien innerhalb einiger Jahre und mit aktuellen Mitteln und Rahmenbedingungen erreicht werden könnten. Die Idee dahinter: Wenn wir uns vorstellen können, wie eine zukünftige Welt aussehen soll, dann können wir auch konkret darauf hinarbeiten.
In dieser Folge erfahrt ihr nicht nur, wie realutopische Vorstellungen aussehen können und wie man mit ihnen die Welt vielleicht ein Stückchen besser machen kann, sondern auch welche Gefahren sie bergen. Auch einige historische Diktatoren hatten Vorstellungen einer neuen zukünftigen Gesellschaft, die sie mit Gewalt und Unterdrückung zu verwirklichen versuchten.
In der Folge fragen wir auch, wie utopisch Parteien eigentlich ticken und ob politische EntscheidungsträgerInnen überhaupt die AkteurInnen sind, die Utopien verwirklichen können. Welche Rolle spielt dabei das Individuum und was kann jeder und jede von uns tun, um einer besseren Welt näher zu kommen?
Lino Zeddies hat sich, wie er selbst sagt, “dem großen gesellschaftlichen Wandel verschrieben”. Auf seinem bisherigen Lebensweg als Ökonom, Organisationsberater und Coach hat er sich bereits mit verschiedenen Themen und Organisationen auseinandergesetzt.
Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass er seine Vorstellungen einer realistisch utopischen Welt in einem Buch aufgeschrieben hat. In “Utopia 2048” entwirft er eine Zukunft in der eine sozial-ökologische Wende gelungen ist und die Demokratie und Wirtschaft den Menschen dienen. Vor kurzem hat er außerdem das Zentrum für Realutopien “Reinventing Society” mitgegründet.
In der Podcast-Folge beantwortet er uns nicht nur sehr viele Fragen zu Utopien und utopischen Denken, sondern zeigt uns auch eine Übung, mit der wir und ihr das Potential von Utopien für Projekte nutzen können.
Zwei vielversprechende Initiativen casten für das Superwahljahr 2021 die besten politischen Ideen und Talente – und wollen damit die deutsche Politik aufmischen. Warum wir das grundsätzlich genial finden, aber trotzdem ein paar Schwächen ausgemacht haben, hört ihr in Folge 55.
Es sollte uns nicht egal sein, ob Politik modern und innovativ oder angestaubt daherkommt. Wenn wir auch in Zukunft in Deutschland gut leben wollen, muss die Politik Veränderungen und Krisen vorausschauend angehen. Wir dürfen uns vom Wandel nicht abhängen lassen, sondern müssen selbst digitaler, schneller und anpassungsfähiger werden.
Es gibt ein Gegenargument, das viel genutzt wird und das wir nicht mehr hören wollen: “Die Gesellschaft ist noch nicht bereit dafür…” oder “es gibt keine Akzeptanz in der Bevölkerung dafür…”. Dabei ist es gerade das Gestalten der Zukunft, was Politik ausmacht – und nicht das Nach-dem-Mund-Reden.
Zu häufig beziehen sich Politiker:innen bei diesen Aussagen auf die, die am lautesten schreien. Beispielsweise hört man in der Corona-Pandemie immer wieder von Politiker:innen, dass mit den Corona-Maßnahmen den Menschen zu viel zugemutet wird und schneller Lockerungen her müssten. Dabei zeigten die Umfragen zum Aufnahmezeitpunkt, dass nur ein kleiner Anteil von 14 Prozent die Corona-Maßnahmen übertrieben finden und die überwältigende Mehrheit von 84 Prozent diese als gerade richtig einschätzt oder sogar findet, dass sie härter ausfallen müssten (Stand 05.02.2021).
Die Initiative Brand New Bundestag möchte Innovation in die Politik bringen und das erreichen durch neue und junge Politiker:innen, die in einem Casting-Prozess ausgewählt und dann zum Erfolg gecoacht werden. Die Idee dahinter ist, dass es eine neue Generation von Politiker:innen braucht. Eine neue Generation, die mutig ist, verschiedene Perspektiven einnimmt, progressive Forderungen stellt und damit den Politikbetrieb von innen heraus verändert. Kann das funktionieren?
Vorbild der Initiative ist die fast schon Ikone der linken Progressiven in den USA, Alexandria Ocasio-Cortez (AOC), die 2019 als jüngste Abgeordnete in den Kongress eingezogen ist und dabei unterstützt wurde von Brand New Congress. Zwar sind die politischen Systeme in den USA und in Deutschland nur bedingt vergleichbar. In beiden Fällen versuchen die Initiativen jedoch einen Bruch mit dem etablierten System und verändern wie in der Politik Karriere gemacht wird.
In der deutschen Demokratie haben die Parteien ein Rekrutierungsmonopol für öffentliche Ämter und Mandate. Seit 1949 wurde kein einziger parteiunabhängiger Bewerber mehr in den Bundestag gewählt!
Für Brand New Bundestag wird es die größte Herausforderung sein, ihre bereits gecasteten Kandidat:innen für die Bundestagswahl 2021 aussichtsreich zu positionieren. Aber auch in den USA hat es von 31 Bewerber:innen von Brand New Congress nur eine geschafft (AOC). Manchmal reicht aber auch eine Person, um das Bild von Politik und Politiker:innen auf den Kopf zu stellen (Dokumentation “Knock Down the House”).
Wie in der Business-Start-up-Welt gilt, dass nur die Wenigsten erfolgreich sein werden – vielleicht nur eine von 31. Die Wahrscheinlichkeit, eine deutsche AOC zu finden, ist zwar gering, aber der Versuch ist es wert. Denn sollte dies gelingen und damit politische Innovation möglich gemacht werden, könnten die Auswirkungen gewaltig sein.
Eine weitere neue Initiative ist JoinPolitics. Sie sind nicht nur auf der Suche nach Kandidat:innen für politische Ämter, sondern auch nach Lösungsideen für die großen Fragen unserer Zeit. Für die ausgewählten gibt es nicht nur Startkapital, sondern auch eine Förderung mit Wissen und Netzwerk.
Besonders wichtig ist der Initiative dabei, dass die politische Idee innovativ, wirkungsorientiert und umsetzbar ist. Bewerbungen können beispielsweise für eine Kandidatur für ein Bürgermeisteramt oder ein Bundestagsmandat eingereicht werden oder für eine politische Kampagne mit dem Ziel, eine Gesetzesänderung zu erwirken.
Insgesamt startet JoinPolitics mit einer Spendenzusage in Höhe von 2,7 Millionen Euro über eine Laufzeit von 4 Jahren. Das klingt erst einmal viel, aber im Vergleich zu den 1,7 Milliarden Euro Venture Capital, die in Deutschland allein 2019 für junge Unternehmen eingesetzt wurden, wiederum nicht.
Um die Demokratie in Deutschland weiterzuentwickeln, braucht es mutige Initiativen wie JoinPolitics und Brand New Bundestag, die auch risikoreiche politische Ideen und Politiker:innen fördern. Denn in Deutschland gibt es dafür keine Alternativen. Das Stiftungsförderwesen ist zwar ausgeprägt, aber langsam, defensiv und höchst bürokratisch.
Und wenn falls auch nur eine gecastete Person oder Idee erfolgreich ist und etwas bewegen kann, hat es sich schon gelohnt.
Wir wünschen viel Erfolg!
Wenn Dir diese Folge gefallen hat:
Ein Drittel der Deutschen glaubt an eine Weltverschwörung. Dagegen reichen korrekte Fakten allein nicht aus. Wir müssen an die Ursachen. Der Schlüssel dafür liegt in der Jugend. In dieser Folge präsentieren wir daher drei Lösungsansätze, wie Kinder und Jugendliche zu stabilen Demokratinnen und Demokraten heranwachsen. Kritisches Denken, Medienkompetenz und ein Grundvertrauen in das demokratische System und seine Institutionen sind die Basis dafür.
Mündige Bürgerinnen und Bürger sind die Basis einer jeden Demokratie. Doch gerade während der Corona-Krise zeigt sich, wie zerbrechlich diese demokratische Basis ist und wie groß das Potenzial derjeniger ist, die sich von diesem “System” abwenden oder an eine Verschwörung glauben.
Laut der Studie der Konrad Adenauer-Stiftung von 2020 glaubt jedeR Dritte daran, dass geheime Mächte die Welt steuern. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Leipziger Autoritarismus-Studie. Demnach meint jedeR Dritte, dass die Corona-Krise groß geredet wurde, damit einige wenige profitieren.
Diese Einstellungen offenbaren fundamentale Zweifel an unserem demokratischen System, weil sie ein großes Misstrauen gegen den Staat und seine RepräsentantInnen ausdrücken. Wir sollten sie als Warnsignale begreifen und reagieren.
Dabei gilt aber: die Mehrheit steht hinter unseren Institutionen der Demokratie. Den Medien vertrauten 2019 60 Prozent (ein Höchststand seit 2001), dem Bundestag 2020 58 Prozent und dem Justizsystem sogar noch mehr.
Das Gegenmittel für Verschwörungsmythen ist politische Bildung. Nach der oben zitierten Umfrage der Konrad Adenauer-Stiftung glauben das Märchen von den geheimen Mächten doppelt so häufig Menschen mit HauptschülerInnen mit Lehre wie AbiturientInnen (42 zu 20 Prozent).
Eine mögliche Erklärung dafür könnte der Politikunterricht liefern, denn Politik wird an Gymnasien häufiger unterrichtet – auch bereits in den Klassenstufen 5 bis 10 (0,78 Wochenstunden zu 0,66). Darüber hinaus gibt es mit der Oberstufe deutlich mehr Angebote der politischen Beteiligung für GymnasiastInnen als für die anderen. Welche Möglichkeiten gibt es, um das Angebot der politischen Bildung für alle zu vergrößern?
Ein Ort, an dem man alle Kinder und Jugendliche erreichen kann, ist die Schule. Gleichzeitig wird der Politikunterricht in jedem Bundesland anders gehandhabt, da Bildung Ländersache ist. Der Politikunterricht heißt nicht nur jeweils anders, sondern findet auch unterschiedlich häufig statt. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat in einer Studie zusammengefasst, was das konkret bedeutet und herausgefunden jede wievielte Schulstunde eine Politikstunde ist (Klassenstufe 5-10).
In Hamburg beinhaltet durchschnittlich jede 40. Schulstunde Politik. Damit liegt die Hansestadt genau im Mittelfeld. In Berlin hingegen ist es nur jede 70. Schulstunde. Spitzenreiter im Politikunterricht geben ist Nordrhein-Westfalen: dort ist jede 28. Stunde Politik angesagt.
Wenn wie in Berlin Politik durchschnittlich nur alle drei Wochen auf den Stundenplan steht, müssen wir uns nicht wundern, wenn unsere angehenden BürgerInnen nicht fit für die Demokratie sind. Wir brauchen mehr Politikunterricht!
Zusätzlich zum klassischen Politikunterricht muss Demokratie auch erlebbar gemacht werden, zum Beispiel durch Planspiele und Simulationen. In denen schlüpfen Kinder und Jugendliche in die Rolle von Abgeordneten. So erfahren sie, wie es sich anfühlt, über Themen zu verhandeln, abzustimmen – und auch, dass es nicht immer so läuft, wie man es sich wünscht. Beispiele und Angebote von Planspielen:
Medien gelten in Demokratien auch als die vierte Gewalt des Staates. Sie sind wichtig für die Kontrolle der Politik, aber auch für Politikvermittlung und Diskussionen in der Bevölkerung.
Doch die Medienwelt hat sich gewandelt und ist heute so offen wie nie zuvor – offen für neue Politikformate, aber auch für Personen, die Verschwörungen und weitere Lügen verbreiten wollen. Deswegen sollte das Interesse einer demokratischen Gesellschaft sein, die “wertvollen” bzw. nicht demokratieschädigenden Formate zu fördern.
Stärkstes Positiv-Beispiel dafür ist FUNK, das junge Netzwerk der Öffentlich-Rechtlichen, das über 70 Formate u. a. auf YouTube produziert. Das Problem: FUNK ist mit 45 Millionen Euro Jahresbudget völlig unterfinanziert. Zum Vergleich: allein für die Übertragungsrechte der Fußball-WM 2018 in Russland bezahlten die Öffentlich-Rechtlichen 218 Millionen Euro. Dazu kamen noch die Produktionskosten.
Neben der Budgetknappheit ist die größte Herausforderung für das Inhaltenetzwerk, weniger gebildete junge Menschen zu erreichen. Die Lösung dafür: Politik anbieten, wo es die ZuschauerInnen nicht erwarten. Das haben beispielsweise Joko & Klass vorgemacht, die bereits mehrfach ihre Primetime-Minuten eingesetzt haben, um auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen.
Aber auch InstagrammerInnen wie Diana zur Löwen und Louisa Dellert oder die Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit der YouTuberin selfiesandra sind gute Beispiele dafür.
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2020 war ein Schrottjahr. Voll Leid und geplatzter Träume. Aber auch in dieser Trostlosigkeit haben viele Menschen nicht aufgehört, sich für eine bessere Welt einzusetzen. In Folge 53 schauen wir uns an, was drei dieser Initiativen im Krisenjahr erreicht haben.
Seit mehr als drei Jahren stellen wir im Y Politik-Podcast Akteure des Fortschritts vor. Manchmal erwähnen wir sie nur kurz in der Zugabe-Rubrik, manchmal portraitieren wir sie und manchmal diskutieren wir auch stundenlang mit ihnen. Bei drei von ihnen haben wir nachgeschaut, was sie 2020 trotz allem umsetzen konnten.
Vor einem Jahr haben wir euch den wahrscheinlich erfolgreichsten Jungverleger Deutschlands vorgestellt: Benjamin Fredrich mit seinem Katapult-Magazin. Dieses hat er 2015 in Greifswald gemeinsam mit anderen Studis gegründet. Mittlerweile zählt Katapult schon über 65.000 AbonnentInnen und 28 Team-Mitglieder.
Im letzten Jahr ist das Magazin nicht nur rasant gewachsen, sondern hat einen gleichnamigen Verlag an die Seite bekommen. Die ersten Bücher hat dieser Verlag bereits veröffentlicht – eines davon ist “Die Redaktion” über die Gründung und den Aufbau des Katapult-Magazins. Gekrönt wurden all die Erfolge im letzten Jahr durch den Kauf eines Schulgebäudes, das zum Hauptquartier des Verlages umgebaut werden soll.
Im November 2018 waren Käthe und Ilan von “Es geht LOS” bei uns im Podcast zu Gast. Damals haben sie erzählt, wie sie 100 BürgerInnen für einen Rat auslosen, der gemeinsam mit ExpertInnen Antworten auf politische Fragestellungen finden soll, um so Bevölkerung und Politik wieder näher zusammen zu bringen.
Nun ist es soweit! Der erste BürgerInnenrat startete im Januar 2021. 160 ausgeloste Menschen aus ganz Deutschland entwickeln Antworten auf die Frage: Wie soll die Bundesrepublik künftig auf der weltpolitischen Bühne auftreten?
Vor 2 Jahren hatten wir Michael Bohmeyer und “Mein Grundeinkommen e.V.” in unserem Podcast vorgestellt. Dieser verlost mehrmals im Jahr Grundeinkommen im Wert von jeweils 1.000 Euro pro Monat. Insgesamt wurden, Stand Januar 2021, bereits 730 Einkommen verlost – über 8,5 Millionen Euro.
Im Sommer 2020 hat der Verein das “Pilotprojekt Grundeinkommen” gestartet. Bei diesem vergleichen sie das Wohlergehen und die Aktivitäten von Personen, die ein Grundeinkommen empfangen, mit denen einer Vergleichsgruppe. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung werden sie diese Erkenntnisse auswerten. 2024 wissen wir dann, wie und ob das Grundeinkommen in Deutschland funktionieren könnte.
Mehr gute Nachrichten findet Ihr bei Good News.
Welchen Beruf möchte ich ergreifen? Im Vergleich zu früher haben immer mehr Menschen diese Qual der Wahl. Was dir die Berufsberatung dabei nicht erzählt: welchen Job du wählst, ist auch eine politische Frage.
80.000 Stunden investiert ein Mensch durchschnittlich während eines Lebens in den Beruf. Mit unserer Berufsentscheidung wirken wir zwangsläufig auf unsere Umgebung ein. Aus diesem Grund fragen wir uns in Folge 52: “Wie politisch ist unsere Berufswahl?” und blicken aus fünf Perspektiven auf ethische und politische Kriterien bei der Karriereentscheidung.
Bullshit-Jobs sind Tätigkeiten, die völlig überflüssig sind. Bei diesen sagen die Ausübenden selbst, dass es keine Existenzberechtigung für ihre Arbeit gibt und die Welt ohne sie die gleiche oder sogar eine bessere wäre. Solche Jobs tragen nichts zu unserer Gesellschaft bei, die Leidtragenden sind dabei vor allem jene Menschen, die in solchen Jobs arbeiten – denn langfristig können sie unglücklich machen.
In dem gleichnamigen Buch Bullshit Jobs hat David Gräber, Kulturanthropologe und Aktivist, Geschichten von diesen Menschen gesammelt. Er verknüpft seine Beobachtungen mit einer Systemkritik, denn viele dieser nutzlosen Tätigkeiten existieren vor allem, damit andere ihren Status und Macht begründen können.
Ein Beispiel für ihn sind RezeptionistInnen, die nur einen Zweck erfüllen: Status vermitteln. Und weil ManagerInnen sich oft über die Anzahl ihrer Untergebenen definieren, gibt es eine ganze Menge von unnötigen Stellen.
Frage dich, du einen Bullshit-Job hast. Und falls ja, dann wirst du mit einem Jobwechsel langfristig wahrscheinlich glücklicher sein.
Durch die Corona-Pandemie haben wir alle von ihnen gehört: “systemrelevante Berufe”. Das sind Berufe, die notwendig sind, um die kritische Infrastruktur in unserer Gesellschaft aufrecht zu erhalten.
Dazu gehören: Energieversorger, Wasser & Entsorgung, Ernährung & Hygiene, Informationstechnik & Telekommunikation, Gesundheit, Finanz- & Wirtschaftswesen, Transport & Verkehr, Medien, Staatliche Verwaltung (Bund, Land, Kommune), Schulen, Kinder- & Jugendhilfe und Behindertenhilfe.
Wer in einem dieser Bereiche arbeitet, kann sich sicher sein, einen Beitrag für andere zu leisten.
InternetbetrügerInnen, HeiratsschwindlerInnen, AuftragsmörderInnen – klar, mit solchen Tätigkeiten schadet man direkt anderen. Komplizierter ist jedoch die Perspektive, welchen verdeckten Schaden jene Unternehmen anrichten, für die wir unsere Arbeitskraft einsetzen.
In der Studie “A bit rich” haben britische Wirtschaftswissenschaftlerinnen gut bezahlte Jobs mit Niedriglohnjobs verglichen in Bezug auf das Jahresgehalt und welchen Wertbeitrag dieser Job zur Gesellschaft beiträgt. Das Ergebnis: einige gut bezahlte Jobs tragen nicht nur wenig zur Gesellschaft bei, sondern schaden ihr sogar.
Das Magazin Neue Narrative hat in ihrem Artikel “Warum Konzern-Psychopathen unser Klima zerstören” analysiert, wie bestimmte Konzerne wirtschaften und dabei den Planeten zerstören, da sie nur an ihren eigenen Nutzen denken. Ihr Appell ist: “Wenn dein Unternehmen zu denen gehört, die es nicht schaffen, die Klimakrise zu bekämpfen oder zumindest ernst zu nehmen, dann überleg dir bitte genau, weshalb du weiterhin für dieses Unternehmen arbeiten möchtest.”
Genau wie bei der Frage, bei wem wir was kaufen (Fairtrade-Kaffee, Bio-Bananen, Arbeitnehmerschutz etc.) sollten wir auch darüber nachdenken, für wen wir unsere 80.000 Arbeitsstunden einsetzen.
Es passiert vielen von uns, dass wir vor lauter Arbeit nicht mehr dazu kommen, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.
Sehr vereinnahmende Jobs können einem in diesem Sinne unpolitisch werden lassen. Dabei baut unsere Gesellschaft auf engagierte Bürgerinnen und Bürger. Das Vereinsleben, viele Wohltätigkeitsorganisationen und politische Meinungsbildung in einer Demokratie funktionieren nicht, ohne die Beteiligung der Menschen. Aus diesem Grund wirkt sich die fehlende Zeit nicht nur auf den persönlichen Bereich aus, sondern auch der Gesellschaft wird dadurch etwas genommen.
Die Organisation 80.000 Hours untersucht Karrierewege und gibt Empfehlungen ab, wie man mit seiner Karriere und der eigenen Berufswahl eine größtmögliche positive Wirkung in der Welt erzielen kann. Sie ist ein Teil des Zentrums für Effektiven Altruismus und basiert auf der gleichnamigen philosophisch utilitaristischen Philosophie.
Bei der Karrierefindung nach effektiven Überlegungen sollten drei relevante Fragen mit einbezogen werden (aus dem Guide von 80.000 Hours):
Erstens:
Ein kleiner Ausschnitt von Themen, auf die das zutrifft:
Zweitens:
Ein kleiner Ausschnitt von möglichen Karrierewegen:
Drittens:
Für wen das alles nichts ist, hält der Effektive Altruismus noch eine weitere Möglichkeit bereit: Earning to Give. Das bedeutet, dass man einen gut bezahlten Job ergreift, möglichst viel Geld verdient und dann einen beträchtlichen Anteil des eigenen Einkommens an eine effektive Organisation spendet. Die Effektivität ist dabei besonders hoch, da man davon ausgehen kann, dass andere Menschen, die denselben Job machen, ihr Geld nicht oder zumindest nicht in diesem Ausmaß spenden würden.
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Und wie in der Folge versprochen:
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