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2019 war ein Jahr in dem die Krise unserer Demokratie, die Spaltung der Gesellschaft sowie der schlechte Zustand unseres Weltklimas deutlich wurden. Gleichzeitig traten junge Menschen in die Öffentlichkeit, die neue Wege aufzeigten, Veränderungen anstießen und Mut machten für eine bessere Zukunft. In Folge 41 stellen wir euch fünf unserer ganz persönlichen HoffnungsträgerInnen vor. Darunter auch die bekannteste deutsche Klimaaktivistin und die jüngste deutsche EU-Abgeordnete. Alle fünf haben uns in einer Sprachnachricht verraten, was ihnen Hoffnung für 2020 gibt.
Chefredakteur des Magazins “Katapult”
“Print ist tot” heißt es oft. Die Auflage von Zeitungen ist in den letzten zehn Jahren um 22 Prozent gesunken. Aus diesem Grund finden wir es umso mutiger, dass Benjamin Fredrich während seines Studiums an der Universität Greifswald im Jahr 2015 ein Magazin gründete: Katapult, ein Magazin für Kartografie und Sozialwissenschaften, welches die eher als trocken und theorielastig angesehene Sozialwissenschaft bebildern möchte.
Nicht nur die Idee ist mega, sondern Katapult ist auch noch, hingegen vieler anderer Vorhersagen, erfolgreich damit. Wir wünschen Katapult und Benjamin weiterhin viel Erfolg und viele neu abgeschlossene Abos in 2020.
Mitglied des EU-Parlaments
Im Mai 2019 haben wir ein neues Europäisches Parlament gewählt und damit auch Delara Burkhardt einen Sitz als Abgeordnete verschafft. Sie ist das jüngste deutsche Parlamentsmitglied mit ihren 27 Jahren und in der SPD. Zunächst sah es nicht einmal so aus, als hätte sie eine Chance auf eine aussichtsreiche Kandidatur. Doch der Bundesvorstand intervenierte, um die Partei jünger, weiblicher und digitaler zu machen und setzte Delara darum auf einen vielversprechenden Listenplatz.
Seitdem macht Delara nicht nur sehr gute fachliche Arbeit im Umwelt- und Innenausschuss, sondern auch hervorragende Kommunikationsarbeit, insbesondere auf Instagram. Dort erzählt sie fast täglich von ihrer Arbeit und erklärt die Europäische Union.
politische Aktivistin, insbesondere gegen Armut und Rassismus
Man könnte sagen, dass Sarah-Lee durch einen Tweet bekannt geworden ist. In diesem und vielen weiteren begründete sie, warum Hartz 4 der “größte Scheiss” sei. Sie erklärte, wie Kinder, die mit Hartz IV aufwachsen, daran gehindert werden, eigenes Geld zu verdienen – und damit auch, sich eine selbstständige Existenz aufzubauen.
Sarah-Lee macht deutlich, dass Armut immer noch vererbt wird. Sie engagierte sich nach ihrem Tweet weiter in der Öffentlichkeit und ist seit 2019 auch im Bundesvorstand der Grünen Jugend. Nicht alle im Internet freuen sich über junge schwarze Frauen mit einer starken Haltung, was ihr leider schon so manchen Shitstorm eingebracht hat. Wir finden es super, dass Sarah-Lee trotzdem weiter macht.
Geschäftsführer der Initiative Offene Gesellschaft
Die Offene Gesellschaft ist eine parteiunabhängige Bewegung, die 2015 gegründet wurde und Philip Husemann ist ihr Geschäftsführer. Unter dem damaligen Eindruck der Flüchtlingsdebatte und wachsendem Populismus, merkte man zunehmend, dass die offene Gesellschaft, in der wir in Deutschland leben, keine Selbstverständlichkeit ist. Aus diesem Grund setzt sich die Initiative mit Aktionen, Veranstaltungen und Beiträgen für ein Zusammenleben in Freiheit und ohne Hass ein.
2019 war aber kein einfaches Jahr für die Organisation, denn die staatliche Förderung für Demokratieprojekte durch “Demokratie Leben” wurde massiv reduziert. Auch Die Offene Gesellschaft ist davon betroffen. Philip Husemann versucht sein Bestes, die gute Arbeit unter diesen schwierigen Bedingungen weiterzuführen. Das finden wir stark.
Klimaaktivistin bei Fridays for Future
Spätestens seit dem letzten Jahr kennt so gut wie jeder und jede in Deutschland Luisa Neubauer. Vor gut einem Jahr, am 13. Dezember 2018, organisierte sie den ersten Klimastreik in Deutschland mit und ist heute das Gesicht der Fridays For Future-Bewegung.
Im September 2019 folgten ihr deutschlandweit anderthalb Millionen Menschen auf die Straße. Luisa gibt uns Hoffnung, weil sie mit ihrem Engagement einen großen Teil dazu beigetragen hat, dass die Politik sich mit dem Thema Umwelt auseinandersetzen muss und hoffentlich bald ausreichend klimapolitische Maßnahmen beschließt.
Die tägliche Dosis gute Nachrichten erhaltet ihr per Newsletter über “Good News”.
Wie kann es eigentlich sein, dass wir immer so weitermachen – obwohl wir seit Jahrzehnten wissen, welche Auswirkungen unsere Lebensweise auf den Planeten hat? Wieso machen wir die Dinge nicht anders, wenn nachfolgende Generationen ansonsten auf einer teilweise unbewohnbaren Erde leben müssen?
Es braucht einen Plan, um die Welt zu retten. Der Jugendrat der Generationenstiftung hat genau diesen entwickelt und daraus ein Buch gemacht. In ihrem Spiegel-Bestseller “Ihr habt keinen Plan. Darum machen wir einen” analysieren sie die aktuelle Situation in zehn gesellschaftspolitischen Bereichen und entwerfen 100 Maßnahmen für die Rettung der Welt. Wir sprechen in dieser Folge mit zwei der Autorinnen: Franziska Heinisch (20), die in Heidelberg Jura studiert, und Hannah Lübbert (18), Studentin der Umweltwissenschaften und Psychologie in Lüneburg.
Wir haben sie unter anderem gefragt, warum sie dieses Buch schreiben mussten, wie sie die Babyboomer in die Verantwortung nehmen und wieso bei ihrer Buchvorstellung vor 500 Menschen ein Stuhl auf der Bühne frei blieb.
Außerdem sind wir in drei der zehn Themen aus dem Buch “Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen” tiefer eingetaucht. Franziska und Hanna mussten sich in den folgenden Bereichen jeweils für eine ihrer Forderungen entscheiden. Wie sehr sie mit sich gerungen haben, hört ihr im Podcast.
Entscheide Dich zur Klimakrise:
Entscheide Dich zu Arbeit:
Entscheide Dich zur Demokratie:
In der Zugabe erfahrt ihr, welche Maßnahme ihr noch heute ergreifen könnt, um unseren Planeten zu retten.
“Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen! 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft” Mit einem Vorwort von Harald Lesch von dem AutorInnenkollektiv des Jugendrates der Generationenstiftung
Verlagsbeschreibung
“Eine Generation, die lange Zeit als unpolitisch belächelt wurde, steht auf, organisiert Proteste, an denen landesweit Hunderttausende und weltweit Millionen teilnehmen. Angesichts schwindender Ressourcen und globaler Vermüllung stellen sie die Forderung nach nachhaltigem Klima- und Umweltschutz.
Acht Autoren und Aktivisten, Mitglieder des Jugendrates Generationen Stiftung, warnen nicht nur vor den Gefahren, denen sich die heutigen 14- bis 25-Jährigen ausgesetzt sehen. In genau recherchierten Beiträgen, die mit den Erkenntnissen anerkannter Wissenschaftler abgeglichen sind, stellen sie konkrete Forderungen, nehmen uns alle in die Verantwortung und entwerfen eine Vision, die die Kraft hat, Generationen zu vereinen.”
12 Euro
Leseprobe | Verlag und Bestellung
Spiegel-Bestseller Platz 5 (23.12.2019)
Paperback , Klappenbroschur, 272 Seiten, ISBN: 978-3-89667-656-6
5 Sterne, ein Herz oder ein Like. Wir bewerten Restaurants auf yelp, Ärzte auf jameda, Arbeitgeber auf kununu und Taxifahrer auf uber. Und auch wir selbst sind es schon gewohnt, von Fremden und FreundInnen bewertet zu werden. Auf Instagram hoffen wir auf möglichst viele Likes für unser hübsch angerichtetes Essen und auf Twitter viele Herzen für den pointierten politischn Tweet.
Diese Logik hat Auswirkungen auf unsere Selbstdarstellung und mentale Gesundheit. Die digitalen Ratingmöglichkeiten in den falschen Händen oder als Praxis des Regierens könnten noch stärker in unserer Leben eingreifen. In China ab 2020 ein Social Credit-System eingeführt und lässt erahnen, wohin diese Bewertungsgesellschaft führen kann. Doch auch in Deutschland gibt es mit der Schufa ein System, das das Verhalten fast aller BürgerInnen erfasst – und Entscheidungen über unser Leben fällt. Sind wir vielleicht unbemerkt auf dem Weg in eine Bewertungsdiktatur?
In Folge 39 versuchen wir Lösungen gegen den Bewertungswahnsinn zu finden. Wir diskutieren unter anderem, ob ein Boykott hilfreicher ist oder nur noch ein europäisches Verbot uns davor bewahren kann.
Die ständige Bewertung auf sozialen Medien oder Dienstleistungsplattformen kommt uns mittlerweile ganz normal vor. Wir merken dabei gar nicht, wie es das Zusammenleben und unser eigenes Handel verändert. Zum Beispiel wenn Leute besondere Orte nicht mehr aufsuchen, um diese mit eigenen Augen zu sehen oder zu genießen, sondern nur um mit den Fotos von dort die eigenen Follower zu beeindrucken. Wenn von dem Rating nicht nur das Selbstwertgefühl abhängt, sondern sogar der eigene Job, dann konzentrieren wir uns immer mehr auf Verhaltensweisen und Tätigkeiten mit der gewünschten Außenwirkung.
Authentizität, Ehrlichkeit und Offenheit für Neues drohen in dieser Gesellschaft als positive Eigenschaften verloren zu gehen. In der Black Mirror Folge “Nosedive” von Netflix wird gezeigt, wie eine durchbewertete Gesellschaft aussehen könnte.
Eine neue Dimension bekommt die Bewertungskultur, wenn der Staat die Likes (und Dislikes) verteilt. In China wird derzeit ein Social Scoring-System ausprobiert, das 2020 im gesamten Land eingeführt werden soll. Die Regierung verspricht sich davon ein steigendes gesellschaftliches Vertrauen und die Bekämpfung von Problemen wie Korruption. Ein schlechtes Rating hat jedoch auch handfeste Konsequenzen für die chinesischen BürgerInnen. Der Score kann darüber entscheiden, welche Wohnung sie bekommen oder wohin sie reisen dürfen. Trotzdem finden 81 Prozent der Chinesen ein Social Credit-System gut.
Was das mit uns in Deutschland zu tun hat? Auch hier wären bereits 2 von 5 Deutschen bereit, das Verhalten ihrer Mitmenschen online zu bewerten. Undenkbar wäre ein staatliches oder privates Bewertungssystem also nicht – und tatsächlich gibt es bereits eines, das Euer Leben beeinflusst.
Die Kreditauskunft Schufa bewertet die Kreditwürdigkeit von 68 Millionen Menschen und von 6 Millionen Unternehmen in Deutschland. Ihr Rating kann entscheiden, ob Du einen Mietvertrag bekommst, einen Handyvertrag abschließen oder ein Bankkonto eröffnen darfst.
Besonders problematisch ist, dass die Organisation intransparent arbeitet und sich manchmal auch irrt, wie Jan Böhmermann in einem Video gezeigt hat.
Jeder und jede Einzelne sowie politische Institutionen können zu einer Welt beitragen, in der nicht das Rating die eigene Zukunft bestimmt. Fünf Ansätze aus der Folge:
Bildung und Wissen
Wir müssen die Auswirkungen von Bewertungen im Netz verstehen, um die Gefahren frühzeitig zu erkennen und nicht wie ein Frosch im heißer werdenden Wasser daran zu Grunde zu gehen.
Widerstand in Form von Verweigerung
Keine Likes mehr verteilen, keine Smileys auf der öffentliche Toilette drücken oder Fragebögen ausfüllen. Je weniger Menschen bei der Bewertung mitmachen, desto wertloser die Information.
Eine Bewegung für gesellschaftlichen Wandel
Eine bekannte Bewegung schafft Vorbilder und prägt die Kultur – so wie aktuell Fridays for Future beim Thema Klima- und Umweltschutz. Ähnlich könnte man mit Data-Privacy Positivity digitale Privatsphäre zu einem coolen Thema machen und mit Score-Shaming Menschen für die Auswirkungen ihrer Bewertungen im Netz sensibilisieren.
Wirtschaftliche Nachteile für Unternehmen
Ohne die akzeptierte Bewertungskultur im Netz und Menschen, die dabei mitmachen, würden sich diese Geschäftsmodelle für die Unternehmen nicht mehr lohnen. Instagram schafft bald die Likes unter den Bildern ab und vielleicht ziehen ja bald weitere Plattformen nach.
Europäisches Verbot
Wenn ihr wissen wollt, was Euer Schufa-Rating schaden könnte, dann besucht diesen Artikel mit Tipps.
Außerdem hier der Link, mit dem ihr einmal im Jahr euer Schufa-Rating kostenlos zugeschickt bekommt. Die Schufa muss Euch nämlich seit einiger Zeit eine gratis Datenkopie zuschicken (sie hat den Link auf ihrer Webseite aber sehr gut versteckt).
Wem es auch so graust vor der Dystopie eines Scoring-Systems, könnte die Gesellschaft für Freiheitsrechte unterstützen. Die Organisation ist die unabhängige Hüterin des Grundgesetzes und klagt regelmäßig, wenn der Staat Grundrechte missachtet.
Was fällt euch ein, wenn ihr an Zukunft denkt? Der Klimawandel? Massenarbeitslosigkeit aufgrund von Automatisierung? Krieg? Oder eher soziale Gerechtigkeit? Nachhaltigkeit? Ein gutes Leben mit Robotern, die einem helfen?
Es ist gar nicht so leicht, sich bei der Frage nach der Zukunft Utopien und positive Gesellschaftskonzepte vorzustellen. Auch in der Politik wird mehr auf aktuelle Krisen reagiert und Lösungen für akute Probleme gesucht, anstatt dass Zukunftsbilder entworfen werden. Negative Zukunftsbilder, wie sie auch Hollywood gerne verfilmt, prägen unser Denken und Handeln. Darum fällt es uns so schwer, über positive Zukünfte nachzudenken. Aber vielleicht müssen wir genau das wieder lernen! In Folge 37 sprechen wir darüber mit einer Expertin für Zukünfte, Gemina Picht von Futur Zwei.
Futur Zwei ist eine gemeinnützige Stiftung für Zukunftsfähigkeit. Für das Projekt Zukunftsbilder sind Gemina Picht und Magali Mohr durch ganz Deutschland gereist, um über 200 Jugendliche und junge Erwachsene zu fragen, wie sie sich die Zukunft vorstellen.
Gemina und Magali haben in der Stadt und auf dem Land mit verschiedenen Gruppen gesprochen. Sie waren bei Pfadfinderinnen, Chorsängern, Schützen, Schülerinnen und Schulabbrechern, die alle zwischen 15 und 26 Jahren alt waren.
Und obwohl die jungen Leute diejenigen sind, die in der Zukunft leben werden müssen, fiel es ihnen schwer, sich eine bessere Welt vorzustellen. Warum ist das so? Gemina Picht gibt Antworten in der Folge und erläutert auch, warum das eine Zukunftsbild der Jugend nicht existiert, sondern eher mehrere Zukünfte, die von einem “fetten Mähdrescher” bis zum Leben auf dem Mars reichen (Lest dazu auch diesen Artikel).
Zugabe: Toolkit für Zukunfts(t)räume von Futur Zwei
Die Stadt droht das Land abzuhängen. Wer eine funktionierende Gesellschaft will, muss das verhindern. Schnelles Internet kann dafür die Lösung sein. In Folge 36 vom Y Politik-Podcast erfahrt ihr, warum Internet so extrem wichtig für den ländlichen Raum ist, welche Modellprojekte es bereits gibt und wie es überhaupt sein kann, dass Deutschlands Internet schlechter als das von früheren Sovietstaaten ist.
Die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland ist nicht nur möglicherweise die “Schicksalsfrage für die Zukunft unseres Landes”, sondern auch Bestandteil unseres Grundgesetzes. Das bedeutet nicht, dass jetzt Ende September überall Oktoberfest gefeiert werden muss, sondern dass die Ressourcen und Möglichkeiten eines Lebens nicht vom Wohnort abhängig sein dürfen.
Eine vernünftige Infrastruktur wie Straßen, Nahverkehr, ärztliche Versorgung, Mobilfunk etc. muss überall gegeben sein. Dass Deutschland davon noch weit entfernt ist, zeigen viel Studien. Die bekanntesten und umfangreichsten sind darunter der Deutschlandatlas der Bundesregierung und der Disparitätenbericht der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Auch die Bundesregierung wollte sich dem annehmen und hat dafür die Kommission “Gleichwertige Lebensverhältnisse” im Juli 2018 ins Leben gerufen. Im Sommer 2019 sollte ein Abschlussbericht vorgelegt werden. Doch dazu kam es nicht, weil laut Aussage der FAZ die Uneinigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu groß waren. Dafür sind dann die drei BundesministerInnen Horst Seehofer, Franziska Giffey und Julia Klöckner nach vorne geprescht mit “Unser Plan für Deutschland. Gleichwertige Lebensverhältnisse überall”, in dem sie zwölf Maßnahmen als Lösung präsentieren. Alle sind richtig, aber die Umsetzung bleibt dabei unkonkret und so vage, dass womöglich weniger passieren wird als erhofft.
Wir glauben, dass die im Bericht vorgestellte Maßnahme 3 den größten Unterschied machen wird: “Breitband und Mobilfunk flächendeckend ausbauen”.
Wenn ein Ort die Ressourcen und Möglichkeiten eines Menschen definieren, kann die Lösung dann nicht sein, den Ort zu überwinden? Die Digitalisierung kann dies schaffen, indem das Internet in vielen Bereichen unabhängig vom Wohnort die gleichen Chancen ermöglicht.
Gesundheit und Pflege
Das Problem: Es gibt zu wenig ÄrztInnen auf dem Land, die Anfahrtswege sind lang, die Bevölkerung wird älter und der Zeitdruck ist hoch. Bereits eine naheliegende Lösung wie eine digitale Patientenakte kann einen großen Mehrwert schaffen, weil Abstimmungen zwischen Praxen und Pflegeeinrichtungen erleichtert werden (z.B. Snimed-IT). Wenn dann auch noch die Technologien Videotelefonie, digitale und dynamische Anamnesebögen (z.B. EXIST) oder KI-gestützte Befunde die Fachkräfte unterstützen, kann auch in den entlegensten Orten eine gute Gesundheitsversorgung gewährleistet werden.
Wirtschaft und Arbeiten
Ländliche Räume mit wenig Industrie bieten weniger Möglichkeiten für die Karriere. Zusätzlich müssen ArbeitnehmerInnen oft lange Wege in Kauf nehmen und zu größeren Ortschaften pendeln. Das Internet ermöglicht es, eine Vielzahl von neuen und alten Berufen ortsunabhängig auszuüben. Darüber hinaus könnte für ländliche Orte mit guter Anbindung an große Stadtzentren das Konzept von Co-Working Spaces interessant sein. Nicht nur für die internetaffinen Solo-Selbstständigen und ClickworkerIinnen vor Ort, sondern auch für kreative Großstädter, die einen Rückzugsort zum Arbeiten im Grünen suchen (z.B. Coconat in Bad Belzig).
Ehrenamtliches Engagement
Zwischen 2006 und 2016 haben sich 15.549 Vereine aufgelöst – vor allem auf dem Land. Viele der Vereinsneugründungen finden hingegen in Städten statt. Dabei sind Vereine ein Grundpfeiler der Zivilgesellschaft. Ehrenamtliche organisieren den Zusammenhalt, fördern den Gemeinsinn und ermöglichen Teilhabe, insbesondere bei schwacher oder fehlender staatlicher Infrastruktur. Daher muss das Engagement gefördert und erleichtert werden. Zum Beispiel indem regelmäßig anfallende Verwaltungsaufgaben im Verein digitalisiert werden, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können und auch mit weniger Mitgliedern seinem Vereinszweck nachzukommen oder durch hyperlokale Netzwerke in denen man sich organisiert und gegenseitig unterstützt (z.B. meinDorf 55+ für Senior/innen im Nassauer Land).
[bctt tweet="Doch, wir brauchen 5G an jeder Milchkanne. Dieser Podcast erklärt, warum schnelles Internet auf dem Land wichtig ist." username="YPolitik"]
Deutschland investiert jedoch aktuell zu wenig in den Netzausbau. Auf absehbare Zeit wird dadurch das Internet zu schlecht sein, um Innovationen im notwendigen Maße zu fördern und die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse voranzutreiben.
Denn für schnelles Internet braucht es Glasfaserkabel, das die Signale in Lichtgeschwindigkeit leiten kann. In Deutschland läuft das Internet jedoch immer noch größtenteils über Kupferkabel. Kupfer begrenzt die Geschwindigkeiten: 50 bis 100 mbit/Sekunde sind drin, mit dem Supervectoring-Verfahren maximal 250 mbit. Schon heute ist klar, dass die Bundesregierung ihr eigenes Ziel von 2016 nicht erreichen wird: 2025 sollte es in Deutschland “die beste Infrastruktur der Welt” geben – dank Gigabit-Netzen. Die sind aber technisch unmöglich mit Kupferkabeln. Deutschland ist weit abgeschlagen im Vergleich mit nur 3,2 % Glasfaser-Anschlüsse gegenüber beispielsweise Litauen mit 73 % Anschlüssen.
Happy Birthday, Grundgesetz! Vor 70 Jahre trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Doch mittlerweile ist nur jeder Zweite zufrieden mit der Demokratie. Irgendwie muss das doch besser gehen! Wie wäre es mit einer Technokratie, in der ExpertInnen regieren statt PolitikerInnen?
In Folge 35 spielen wir eine Expertenregierung für Deutschland einmal theoretisch durch und stellen dabei fest, dass die Idee besser klingt als sie ist. Die gute Nachricht ist jedoch, das es im heutigen System schon ganz viele verschiedene Möglichkeiten gibt, Sachverständige und Expertise in den politischen Prozess einzubeziehen. Es stellt sich heraus, dass zum Beispiel Enquete-Kommissionen das wohl unterschätzteste Instrument parlamentarischer Politik sind.
Eine Technokratie würde genau wie die Demokratie auf Prinzipien basieren – und einige davon sind sogar miteinander kompatibel, so beispielsweise Minderheitenschutz, Mehrheitsprinzip, Verfassungsmäßigkeit oder Schutz der Menschenrechte. Im Gegensatz dazu hätten andere wichtige Grundsätze in einer Technokratie möglicherweise keinen Platz mehr:
Statt Wahlen, in denen alle mit dem gleichen Gewicht ihre Stimme abgeben dürfen und dadurch mit entscheiden, würden jene mit dem meisten Wissen die Entscheidungen für alle treffen. Wenn das Wissen das höchste Gut ist und Politik möglichst nah an einer objektiven “Wahrheit” agieren soll, dann wird auch Gewaltenteilung nicht mehr notwendig sein. Die Opposition gäbe es dann vor allem zwischen verschiedenen Wissenschaften und als Auseinandersetzung verschiedener Schulen in der Wissenschaft, aber nicht als politische Opposition.
In der Politik geht es aber nicht nur um das Regieren und erarbeiten von Gesetzen. Ihre Aufgabe ist es auch die diskutierten Themen und getroffenen Entscheidungen in die Gesellschaft zu tragen und den BürgerInnen zu vermitteln. Dass ProfessorInnen aber nicht unbedingt die besten im kommunizieren sind, können viele bestätigen, die schon einmal in einer schlechten Vorlesung saßen. Absolute Neutralität erfordert darüber hinaus die Negierung von Werten, die jedoch tief in uns Menschen verankert sind. Auch Rationalität ist nicht per se erstrebenswert. Dafür gibt es zu viele Beispiele in der Welt, bei denen die rationalste Umsetzung eines Ziels zu viel Leid geführt hat.
Enquete-Kommissionen (EK) kennt fast niemand, dabei bestehen sie seit der Reform der Geschäftsordnung des Bundestages im Jahr 1969 und machen genau das, was viele sich öfter wünschen würden: In EK arbeiten ParlamentarierInnen direkt mit Sachverständigen, vor allem aus der Wissenschaft, zusammen. Dabei arbeiten alle fraktionsunabhängig und möglichst offen an einem Thema.
Die Themen behandeln immer große, komplexe Zukunftsfragen, die im politischen Tagesgeschäft nicht beantwortbar sind. Es sind meistens politisch und gesellschaftlich bedeutsame Debatten und naturwissenschaftlich-technische Entwicklungen. Ziel ist es in dieser Kommission langfristige Entscheidungen des Bundestages mit zu beeinflussen, Wissen zu sammeln und Empfehlungen für Gesetze und Gesetzesänderungen auf den Weg zu bringen.
Die EK sind also ein Instrument des Parlaments, sich unabhängig von der Regierung Informationen zu beschaffen. Um eine EK einzurichten, müssen (nur) ein Viertel aller Abgeordneten im Bundestag zustimmen. Besetzt werden diese Arbeitsgruppen dann von den Fraktionen und es wird sogar jeweils ein eigenes Sekretariat eingerichtet, um die Arbeit administrativ zu unterstützen.
In der Legislatur 2017-2021 gibt es bislang zwei Enquete-Kommissionen:
Alle Dokumente, Tagesordnunge der Sitzungen sowie das Abschlussdokument sind offen einsehbar.
Vincent und Tanja besprechen ihre momentanen Lieblingspodcasts und das Feedback von Hörern zu den Folgen Schule der Zukunft und politischer Protest. Außerdem geht es um einen Misserfolg und zwei gute Neuigkeiten. Zwischendrin erfahrt ihr, warum Vincent Tanja schon wieder austricksen musste.
Ein Podcast wie Vincent sich Y Politik wünscht, wenn Zeit und Geld nicht begrenzt wären. Anhand von Geschichten werden in diesem Podcast größere Phänomene aufgearbeitet. Wie in einer guten Reportage gibt es viel Hintergrund und eine aufwändige Produktion.
Inspiriert von den amerikanischen Vorbildern und der Kunst des Story-Tellings erzählt dieser Podcast Geschichten von Menschen, die einen Moment in ihrem Leben hatten, der alles verändert hat.
“Wenn man jemand anderen kennenlernt, erfährt man immer auch was Neues über sich selbst” ist der Slogan des Interview-Podcasts von Deutschland3000 und in diesem Fall trifft das voll zu.
Unser heutiges Schulsystem ist mittlerweile schon gut zwei Jahrhunderte alt und wirklich viel verändert hat sich nicht. Anstatt Kreidetafeln gibt es in manchen Klassenzimmern mittlerweile Smart Boards und Gruppenarbeit ist kein Fremdwort mehr, aber die Strukturen und Prozesse sind noch die gleichen wie vor hundert Jahren. Die Welt drumherum hat sich jedoch radikal verändert. Drei schwere Fehler sieht Vincent in unserem Schulsystem.
Das aktuelle Schulsystem ist vergleichbar mit einer Fabrik, in der jeder Lernende mit seiner „Produkt-Kohorte“ sortiert nach Geburtsdatum mit 20 bis 30 anderen aufs Fließband kommt und die Schullaufbahn durchläuft. Dabei gehört es mittlerweile zum Allgemeinwissen, dass man in großen Gruppen schlechter lernt und zentrale Prüfungen nur Standardwissen abfragen. Es herrscht Konformität. Anstatt die Entwicklung eines individuellen Profils zu fördern, wird die natürliche Neugier erstickt.
Die Schule bewertet und belohnt mit guten Noten diejenigen, die eine individuell hohe Leistung erzielen. Warum eigentlich? Den Rest unseres Lebens arbeiten wir in Gruppen und bei jedem Bewerbungsgespräch für einen Job lobt man sich für seine Teamfähigkeit, nur in der Schule hat diese Fähigkeit wenig Bedeutung. Der Lernerfolg, die Leistung und der Fortschritt einer Gruppe ist nicht viel wert – dadurch wird jedeR zum Einzelkämpfer erzogen.
Vielerorts gibt es noch das dreigliedrige Schulsystem, das wie kaum etwas anderes junge Menschen vorselektiert und damit ihre Zukunft bestimmt. Schon in der ersten PISA-Studie 2001 wurde Deutschland eine der schlechtesten Chancengerechtigkeit im Bildungssystem bescheinigt. Auch heute noch gibt es wenig Durchlässigkeit.
Vielleicht ist aber auch grundsätzlich die Trennung in akademisch und nicht-akademisch nicht mehr zeitgemäß, wenn man feststellt, dass mittlerweile 30 Prozent aller über 34-Jährigen in Deutschland einen Studienabschluss und über die Hälfte der Anfang 20-Jährigen Abitur haben.
Es gibt auch im Jahr 2019 schon Schulen, die neuere Ansätze verfolgen wie beispielsweise, die Montessori-Schulen mit dem Ansatz “Hilf mir, es selbst zu tun” oder Waldorf-Schule mit dem Leitgedanken “Denken, fühlen, wollen”. Darum soll es in der Folge aber nicht gehen. Wir wollen wirklich einmal neu und ohne Grenzen denken.
Unsere Schule beginnt mit der ersten Stunde um 9 Uhr und nicht mehr um 7:45/8:00 Uhr. Das letzteres zu früh wäre, weiß die Wissenschaft schon seit Jahren. Du begrüßt deine Freundinnen und Freunde, die du seit neun Jahren kennst, denn ein System, das aussortiert, gibt es nicht mehr. Alle lernen gemeinsam und das in Klassengrößen mit maximal 19 MitschülerInnen, weil man in kleineren Gruppen erwiesenermaßen besser lernt.
Die erste Stunde und es ist Gesellschaftskunde angesagt. Die Lehrerin gibt 15 Minuten Input zur Weimarer Republik. Anschließend habt ihr 60 Minuten Zeit, um selbst zu recherchieren, warum es die Demokratie nicht gepackt hat. Bis zur nächsten Stunde bereitet ihr dann eine kleine Präsentation vor mit den Lehren für die heutige Demokratie. #Transferleistung
Es ist jetzt 12 Uhr und du hast eine Stunde Pause. Du loggst dich in die digitale Lernumgebung ein. Darin siehst du zentral in deinem Dashboard: Deinen Projektplan, Erinnerung für die Hausaufgaben und passende Youtube-Videos zu letzten Stunde, das Quiz der Woche, eine Einladung des Schulpsychologen für kommende Woche und deine Entwicklungsmatrix. #EntwicklungStattNoten
Um 13 Uhr ist Sitzung der Schülerzeitungsredaktion. Du bist für den Podcast zuständig. Ihr loggt euch in die digitale Lernumgebung ein und öffnet den Rechenschaftsbericht der Schulleitung. Ihr wollt eine Podcast-Folge produzieren zur nahenden Abstimmung: In drei Wochen dürfen die SchülerInnen nämlich wieder darüber abstimmen, wie ein Teil des Jahresbudget der Schule eingesetzt werden soll: neuer Sportplatz oder neue Kletterspinne? Wie in einer Demokratie üblich, sollten jene, die abstimmen, auch die Argumente kennen. Deswegen tragt ihr diese jetzt zusammen und produziert eine Folge. #Medienkompetenz #gelebteDemokratie
Es ist 17 Uhr. Dein digitales Portal hat dich daran erinnert, dass du jetzt Basketball hast. Dieser Sport wird vom lokalen Basketballverein angeboten – in Zusammenarbeit mit der Schule. #Gesundheit
Um 19 Uhr hast du gegessen und checkst deine Nachrichten: deine Mentorin, eine Schulexterne mit Lebenserfahrung jenseits des Schulkosmos, will sich kommende Woche mit dir treffen. Du sagst zu. #FürDasLebenLernen
Dann klappst du deinen Computer zu und machst, was du willst.
Was haltet ihr von diesem Schultag im Jahr 2029? Schreibt uns bei Social Media oder [email protected]
Aus Worten des Hasses können Taten der Gewalt werden. Das hat der Mord am Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) am 2. Juni 2019 uns noch einmal deutlich vor Augen geführt. Was können wir und die Politik eigentlich dagegen tun? In Folge 32 widmen wir uns Strategien gegen den Hass. Mit dabei in dieser Folge sind außerdem Paulina Fröhlich von Kleiner 5 und Marijana Todorovic von den Stammtischkämpfer*innen. Beide engagieren sich seit Jahren gegen Hetze und stellen im Y Politik-Podcast vor, was gegen den Hass wirkt.
Die rechte Szene radikalisiert sich, fühlt sich von der Flüchtlingspolitik provoziert und begeht politische Straftaten. Der Mord an Walter Lübcke ist kein Einzelfall und nicht der erste dieser Art. Im Wahlkampf 2015 wurde die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt.
Der rechte Hass trifft aber nicht nur PolitikerInnen, sondern besonders auch die Geflüchteten, die in Deutschland Schutz suchen sowie MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund. Zur Chronik des Hasses zählen die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen, die Anschläge in Mölln und Solingen in den 1990ern, die Morde des NSU über ein Jahrzehnt und die zahlreichen Brandanschläge auf Asylheime seit 2015.
[bctt tweet=""Worte sind der Nährboden für Taten". #Hass" via="no"]
Es gibt eine deutliche Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland. Seit den 1970er wurden 229 Morde, 123 Sprengstoffanschläge, 2173 Brandanschläge, 12 Entführungen und 174 bewaffnete Überfälle gezählt, die auf das Konto rechtsextremer Terroristen gehen (alles Mindestangaben). Und trotzdem gibt es hochrangige Politiker in diesem Land, die sich dessen nicht bewusst sind und folgendes twittern:
Wenn die Berichte zum Fall #Lübeck zutreffen, dann war es kaltblütiger rechtsextremer Mord. Das haben wir seit den NSU-Morden nicht mehr für möglich gehaltenen. Es ist furchtbar und schreit nach rückhaltloser Aufkläring & Bestrafung. https://t.co/34VQfOcjAj
Paulina Fröhlich arbeitet mittlerweile bei Das Progressive Zentrum und hatte die Initiative Kleiner 5 mitgegründet. Vor der Bundestagswahl 2017 hat sie alles gegeben, damit die AfD unter der 5-Prozenthürde bleibt und damit nicht in den Bundestag einzieht (Doku “Egal gibt es nicht”). Wir haben sie gefragt,
Hetze ist eine Begleiterscheinung einer Entwicklung, die die gesamte Gesellschaft betrifft. Es gibt immer mehr Spaltungen und die Ursachen dafür liegen tief. Trotzdem muss der Staat angesichts der Gefahr sofort handeln und die betroffenen Menschen sowie die Demokratie schützen.
Vorschläge, was der Staat gegen Hass tun sollte:
Vorbeugen
Bekämpfen
Marijana Todorociv ist Politikwissenschaftlerin, arbeitet hauptberuflich zu umwelt- und entwicklungspolitischen Themen und engagiert sich ehrenamtlich bei den Stammtischkämpferinnen. Die Stammtischkämpferinnen sind eine Initiative der Organisation Aufstehen gegen Rassismus. In Trainings und Seminaren ermutigen sie dazu, rechte Parolen und Hass nicht unwidersprochen stehen zu lassen, sondern das Wort zu ergreifen. Innerhalb von 6 Stunden und mit praktischen Übungen erarbeiten sie dafür Strategien mit den Teilnehmenden. Wir haben Marijana nach ihren Erfahrungen gefragt:
Die Stammtischkämpfer*innen haben bereits 11.000 Menschen in 700 Seminaren ausgebildet. So divers wie die Teilnehmenden sind auch die persönlichen Strategien gegen den Hass. Gemeinsam haben sie alle, dass man sich selbst kennen muss, um zu wissen wie man gut reagieren kann. Denn es ist schwierig, die erste Schrecksekunde zu überwinden, wenn jemand in der Öffentlichkeit rechte Parolen raushaut oder sogar eine Person Opfer von einem rassistischen Angriff wird.
Alternative Strategie: Den Nazis das Bier wegkaufen wie in Ostritz
Von der Couch
Mit einem Klick
Action!
Freitags wird immer noch für das Klima gestreikt, Youtuber wie Rezo machen Politik und die Grünen stehen dank der jungen WählerInnen in Umfragen erstmals vor der CDU Es ändert sich gerade etwas in diesem Land. Eine ganze Generation scheint sich zu politisieren und die Agenda zu setzen. Doch obwohl sich viele immer eine politischere Jugend gewünscht hatten sind sie jetzt überfordert. Vor allem viele aus den älteren Generationen verstehen diese jungen Leute nicht: wie sie im Internet leben, welche Sprache sie sprechen und warum in den letzten Jahren alles schlecht gewesen sein soll. In Folge 31 wollen wir uns diese politisierte Generation Z genauer anschauen und Ansätze diskutieren, um den Generationenkonflikt zu vermeiden. Wer besser verstehen will, was diese jungen Leute politisch bewegt, hört bis zur Zugabe und folgt unseren Top 3 der politischen Influencer.
Als Generation Z werden die zwischen 1997 und 2012 Geborenen bezeichnet. Sie sind die Nachfolgegeneration der berühmten Generation Y und damit jünger als Vincent und Tanja. Auch wenn man die Einteilung in Generationen kritisch hinterfragen kann, gibt es gemeinsame historische und kulturelle Ereignisse sowie gesellschaftliche Trends, die prägend sind für die Jugend einer bestimmten Generation. Klaus Hurrelmann ist einer der bekanntesten Jugendforscher und hat mit seinen Studien herausgefunden, dass die heutigen unter 20-Jährigen sich mehr für Politik interessieren als die Generation vor ihnen – über die Wucht von Fridays for Future ist jedoch auch er überrascht.
Dass sich politische Aktivität und Themen der jungen Menschen von den Älteren unterscheiden, haben nicht zuletzt Fridays for Future und die unterschiedlichen Ergebnisse der ErstwählerInnen und Ü60-Jährigen bei der Europawahl gezeigt. Wenn sich diese Spaltung fortsetzt, könnte zu einem Problem werden, weil unsere Gesellschaft auf einem Generationenvertrag beruht. Das bedeutet, dass die aktuell arbeitende Bevölkerung die Rente der jetzigen RentnerInnen bezahlt. In den kommenden Jahren wird dieser Generationenvertrag stark belastet werden, wenn nicht mehr drei, sondern zwei Arbeitende einen Renter finanzieren.
Ein offener Generationenkonflikt würde bei der Lösung dieses Problems nicht helfen, sondern die Fronten verhärten. Der Zukunftsforscher Christian Scholz sieht zudem eine Beziehungsstörung zwischen etablierten PolitikerInnen und der Generation Z, die vor allem darauf fußt, dass sich junge Menschen von PolitikerInnen nicht ernst genommen fühlen. Bereits 2015 hat er sieben Probleme identifiziert und, warum Politiker und die Generation Z nicht zueinander finden.
Eva Schulz von Deutschland3000
Mai Thi Nguyen-Kim vom MaiLab
Diana zur Löwen
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