Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend

Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend

By Tanja Hille, Vincent VenusSociety & CultureNewsGovernmentPolitics
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Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend episodes

  • Warum wir den Armen einfach Geld schenken sollten [Y Politik 20]
    Von dieser Idee würden alle profitieren.

    Die Menschheit ist reich wie nie, doch viele Menschen sind immer noch arm. Darunter leiden nicht nur sie, sondern nachweislich Demokratie, Wirtschaft und Gemeinsinn. Wir stellen zwei radikale Ideen vor, die Armut beenden und unser Sozialsystem und die Entwicklungshilfe viel, viel, viel besser machen würden.

    Warum ist Armut ein Problem?

    Arme führen ein schlechteres Leben. Aber Armut wirkt sich auch auf die Gesellschaft als Ganzes aus: mehr Kranke, mehr Gewalt, höhere Kriminalität, weniger Produktivität und Gemeinsinn.

    Das Bittere: Armut müsste es heutzutage nicht mehr geben. Es gibt genügend Wohlstand für die Menschheit – doch diese muss gerechter verteilt werden.

    Dabei ist arm nicht gleich arm:

    In Deutschland gelten knapp 20 Prozent der Bevölkerung als von Armut betroffen oder gefährdet. Diese haben weniger als 1033 Euro pro Monat zur Verfügung (2015). Absolute Armut wird von der Weltbank definiert: wer heutzutage weniger als 1,9 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hat, gilt als arm. 150 Millionen Menschen leben unter dieser Armutsgrenze.

    Was bedeutet Armut für die Betroffenen? In einem entwickelten Land wie Deutschland zum Beispiel, dass man bei Lidl den Einkauf zusammenrechnet, bevor man sich an die Kasse traut. Oder sich nie einen Kinobesuch leisten kann. Oder seinen Kindern keinen Urlaub ermöglichen kann. Im globalen Süden heißt arm zu sein, hungrig ins Bett zu gehen. Oder sich keinen Arztbesuch leisten zu können. Oder kein Dach über dem Kopf zu haben.

    Auch wenn Armut je nach Land einen anderen Anstrich hat, so bedeutet es doch immer, dass Arme nicht normal leben können: Weder können sie am gesellschaftlichen Leben voll teilnehmen, noch können sie selbstbestimmt handeln.

    Vorschlag 1: Jeder hat das Recht auf 1.500 Euro im Monat

    Vincent schlägt vor, dass erwachsene BürgerInnen das Recht haben sollten, 1.500 Euro monatlich überwiesen zu bekommen. Es gibt keine Bedingungen, aber alle zwei Jahre würde diese Art des Grundeinkommens auslaufen. Ähnlich wie bei den Mitgliedsbeiträgen von Parteien müssen die BürgerInnen selbst einschätzen, ob sie den Betrag brauchen.

    Dann werden die Leute faul und hören auf zu arbeiten!

    Aller Voraussicht nach nicht. Es gab im 20. Jahrhundert viele Studien in Nordamerika, die gezeigt haben, dass die Grundeinkommenbezieher zumeist einfach weiterarbeiten und ihre Arbeitszeiten nur leicht verringern. Berühmtes Beispiel dafür war "Mincome" (Minimum income) im kanadischen Dauphin in den 1970er Jahren. Alle armen Familien der 13.000-Einwohner-Stadt erhielten umgerechnet zum heutigen Wert 19.000 US-Dollar im Jahr. Nach vier Jahren kam eine konservative Regierung an die Macht und stoppte das Experiment – es geriet in Vergessenheit. Erst 2009 wurde es ausgwertet (von Professorin Evelyn Forget). Das Ergebnis: Die Mincome-Bezieher arbeiteten kaum weniger. Die, die es taten, kümmerten sich um Kinder oder ihre Ausbildung. Die genialen Nebeneffekte: Krankenhausaufenthalte, häusliche Gewalt und psychische Probleme sanken.

    Wen das nicht überzeugt, sollte sich die schwache Leistung unseres bisherigen Systems vergegenwärtigen: wir haben immer noch 2,8 Millionen Langleistungsbezieher von Arbeitslosengeld 2 obwohl durch die Hartz 4-Reformen Mitte der 2000er Jahre ein starker Druck auf die Bezieher aufgebaut wurde und gleichzeitig die Wirtschaft seit Jahren brummt. Arme werden momentan kaum befähigt oder motiviert – im Gegenteil, wie dieser Tweet beispielhaft veranschaulicht:

    "Hartz 4 ist der größte Scheiss.

    Als Kind von ALG2 Empfänger*innen, darf man für nicht mehr als 100 Euro im Monat arbeiten, alles darüber wird zu 80% abgezogen.

    Kann mir jemand erklären, wie man sich einen Auszug leisten soll, wenn man nichts zurück legen kann?"

    von @saarahhnr

    Geld zu verschenken können wir uns nicht leisten!

    Wahrscheinlich schon. Erstens würde ein Grundeinkommen andere Sozialleistungen ersetzen (schon heute bezieht jeder zehnte staatliche Hilfe). Zweitens würden Ausgaben in anderen Bereichen (Justiz, Gesundheitssystem) sinken. Drittens ist die Verwaltung unseres aktuellen Systems sehr, sehr teuer. Allein die Jobcenter zur Steuerung von Arbeitslosengeld 2 kosten unglaubliche 4,5 Milliarden Euro pro Jahr – nur die Verwaltung! Von diesem Betrag könnten 250.000 Menschen jeden Monat 1.500 Euro erhalten.

    Unsere Gesellschaft würde kollabieren!

    Nein. Unsere Gesellschaft würde lebenswerter und zukunftsicherer. Unsere Obzession mit Arbeit würde abnehmen. Denn egal ob konservativ oder Sozialdemokrat, alle definieren sich und Dich heute über die Arbeit. Das ist an sich nicht gut, weil Menschen mehr sind als ihr Beruf. In der Zukunft könnte diese alleinige Wertschätzung durch Arbeit dramatische Folgen haben: Dann werden Roboter und künstliche Intelligenzen Tausende Arbeitsplätze überflüssig machen. Darum brauchen wir dringend andere Werte. Das Grundeinkommen könnte dabei helfen.

    Vorschlag 2: Statt Entwicklungshilfe zu leisten, sollten wir Geld direkt an Bedürftige überweisen

    Tanja schlägt vor, Entwicklungshilfe durch Direktzahlungen zu ersetzen. Klassische Entwicklungshilfe ist teuer und wenig wirksam. Sie ist teuer, weil westliche Organisationen und Experten viel Geld kosten. Sie ist wenig wirksam, weil die Entwicklungshelfer oft nicht richtig einschätzen, was wirklich gebraucht wird und Entwicklungsnehmer das Geld schlecht einsetzen oder veruntreuen.

    Über Direktzahlungen erhalten die Bedürftigen das Geld ohne Umwege auf ihr Handy und setzen es so ein, wie sie es für richtig erachten: meistens für ihre Unterkunft, Medizin oder Bildung.

    Zugabe: Grundeinkommen für alle

    Mein Grundeinkommen

    Der Verein arbeitet seit vier Jahren an der Verwirklichung des Grundeinkommens, in dem er Grundeinkommen verlost und untersucht, wie diese eingesetzt wird.

    Du kannst Dich bei Mein Grundeinkommen einfach für die Auslosung anmelden. Außerdem kannst Du das Projekt als Crowdhörnchen unterstützen. 71.000 Menschen geben jeden Monat durchschnittlich 4 Euro, um dem Grundeinkommen zum Durchbruch zu verhelfen.

    GiveDirectly

    Für all jene, die lieber die absolut Armen unterstützen wollen ist GiveDirectly die Lösung. Du spendest jeden Tag einen Dollar und hilfst damit einer anderen Person aus der absoluten Armut.

    91 Prozent Deines Geldes landen direkt bei den Bedürftigen - das ist ein sehr hoher Anteil. Bei der Charity-Vergleichsplattform Givewell gilt GiveDirectly als Top-Charity. Der Spiegel hat eine schöne Hintergrundgeschichte zur Organisation verfasst (Englisch).

    50 min
  • Vielflieger: Warum wir Flüge verbieten und trotzdem ans Ziel kommen
    Zwei radikale Vorschläge. Und Spartipps fürs Bahnfahren

    Mit dem Fliegen ist es wie mit dem Fleischessen: wir wissen, dass wir es nicht übertreiben sollten, wollen aber nicht verzichten. Die Folge: Klimakollaps. Damit auch unsere Kinder noch nach Malle jetten können, stellen Tanja und Vincent zwei Ideen vor, wie man Mobilität und Umweltschutz zusammenbringen kann. Das Gute: du könntest trotzdem weiter die Welt erkunden.

    Solange die Politik mit der Umsetzung noch auf sich warten lässt, geben wir in der Zugabe Tipps, wie du an günstige Bahntickets kommst.

     

    Zugabe: Günstige Bahntickets statt Fliegen
    • Frühbucherrabatte nutzen ab 6 Monate im Voraus.
    • Sparpreisfinder der Deutschen Bahn nutzen und flexibel beim An- und Abreisetag sein.
    • Eine minimal längere Strecke wählen, die die gewünschte Strecke enthalten, um andere Sparpreis-Kontingente freizuschalten.
    • Einen Ziel- oder Abfahrtsbahnhof im Ausland wählen und den eigentlichen Ziel- oder Abfahrtsbahnhof in Deutschland als Zwischenhalt einzufügen. Auf diese Weise profitierst Du von den günstigen Europa-Sparpreisen. Wer etwa von Berlin nach München möchte, kann auch eine Fahrkarte von einem Bahnhof in Polen lösen und die Teilstrecke nach Berlin verfallen lassen.
    • Bahncard nutzen und Prämienpunkte bei der Deutschen Bahn sammeln. Auch über Drittportale wie z.B. www.hrs.de.
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      Quellen aus der Podcast Folge zu Vielfliegen und Klimaschutz
      • TOP 10 der kürzesten europäischen Linienflüge auf denen Tanjas Top 3 der unnötigsten Flugstrecken basiert.
      • Flugpassagiere: 110 Millionen Personen wurden 2015 im deutschen Luftverkehr befördert.
      • Umweltschädliche Treibhausgase: Auf 100km pro Person verbraucht Fliegen 5 mal so viele Treibhausgase wie Bahnfahren und 1,5 mal so viel wie Autofahren.
      • Billigfliegen: Im Frühjahr 2018 kostete ein einzelner Flug ab Deutschland bei den Billiglinien im Durchschnitt zwischen 53 (Wizz Air) und 117 Euro (Eurowings).
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        Leseempfehlung zum Thema Klima und Flugverkehr

        Oben - Ihr Flugbegleiter. Ein Dossier der Heinrich-Böll-Stiftung und Airbus Group zum aktuellen Stand der technischen Entwicklungen und Einblicke in die politische Debatte um eine nachhaltige Zukunft des Fliegens.

        51 min
      • Schönen Sommer und gute Erholung! [Sommerpause]
        Am 27. August kommt die nächste reguläre Folge

        Wir machen es wie der Rest der Politik: Urlaub genießen und neue Kräfte für das zweite Halbjahr sammeln.

        Euch wünschen wir einen schönen Sommer! Am 27. August sind wir zurück mit einer neuen Folge. Ab dann veröffentlichen wir wieder alle zwei Wochen "Y Politik" zu wichtigen Themen abseits der Tagespolitik.

        1 min
      • Framing: Warum aus Worten politische Realität wird [Y Politik 18]
        Ihr solltet Framing stärker nutzen, denn es gibt keine neutralen Fakten.

        Fakten können nie ganz neutral und objektiv weiterverbreitet werden. Denn Menschen kommunizieren mit Worten und diese müssen gedeutet werden. In der Politik werden bewusst Begriffe verwendet, die bestimmte Gefühle, Erfahrungen oder Erinnerungen ansprechen sollen. Dieses Framing beeinflusst uns sowie politische Entscheidungen und Handlungen. In Folge 18 widmen wir uns der Frage, wie mit Sprache Politik gemacht wird. Als mündige Bürgerinnen und Bürger müssen wir Frames erkennen und ihnen auch entgegenwirken können. In der Zugabe geben wir Euch Tipps dazu.

        These 1: Fakten objektiv zu verbreiten, ist nicht möglich

        Worte transportieren oft mehr als neutrale Fakten. Sie haben einen Bezugsrahmen, der unser Denken beeinflusst. Ein gutes Beispiel ist der Klassiker, dass man ein Glas, das bis zur Hälfte mit einer Flüssigkeit gefüllt ist, beschreiben soll. Ganz automatisch beschreibt man das Glas als “halb voll” oder “halb leer”. Obwohl jeweils der gleiche Fakt beschrieben wird, wird ein unterschiedlicher Blick auf die Welt mittransportiert. Auch bei Begriffen, die auf den ersten Blick nach einer neutralen Beschreibung aussehen, verbirgt sich auf den zweiten viel mehr. Warum sprechen wir zum Beispiel von einkommensschwachen Haushalten, anstatt von entlohnungsschwachen Unternehmen? Oder von einer Steuerlast, anstatt von einem Beitrag zum Gemeinwohl?

        These 2: Die Rechten sind besser im Framing als Linke

        In der politischen Debatte der letzten Jahre wird Framing vor allem mit der Verbreitung von rechter oder konservativer Politik verbunden. Auch die Beispiele in unserer Podcastfolge sind vor allem aus diesem Kontext. Zum einen sind konservative Werte wie Sicherheit, Zusammengehörigkeit und Ordnung einfacher in griffige Sprachbilder zu packen als komplexere Welteinstellungen wie Solidarität oder Fairness. Oftmals werden niedere Gefühle von Angst und Gefahr angesprochen, die besonders stark sind. Dabei sind US-amerikanische Konservative die Vorreiter auf dem Themengebiet und investieren in entsprechende Forschung. Insbesondere der letzte US-Wahlkampf zeigt, was alles möglich ist mit einer politischen Kommunikation, die Framing geschickt nutzt.

        These 3: Framing geht unbewusst in Realität über, deswegen hilft nur selbst denken

        Das Konzept der Shifting Baselines beschreibt, dass Menschen immer exakt jenen Zustand ihrer Umgebung für den “Normalzustand” halten, der mit der Erfahrung innerhalb ihrer Lebenszeit zusammenfällt. Veränderungen werden demnach immer relativ zum eigenen Standpunkt bewertet und nicht absolut.

        Wenn sich langsam verändert, was in einer Gesellschaft sagbar ist und was moralisch verwerflich, dann ändert sich damit auch das Wertesystem jedes Einzelnen. Die “Baseline” zu der wir moralische Bewertungen treffen und Entscheidungen einordnen, verschiebt sich – und das in ganz kleinen Schritten und damit fast unbewusst. Das ist mit ein Grund, wie es dazu kommen kann, dass Dinge sagbar und möglich werden, die vor einiger Zeit noch undenkbar waren. Das einzige was jedoch dagegen hilft, ist selbst denken und kritisches Hinterfragen.

        These 4: Framing ist mitverantwortlich für gesellschaftliche Veränderung

        Der GfK-Verein fragt jedes Jahr in einer Umfrage die Bevölkerung nach der “drängendsten Aufgabe” in Deutschland. Das Thema Zuwanderung und Integration wuchs in den letzten Jahren, dabei von 10 Prozent in 2007 auf 83 Prozent in 2016 und 56 Prozent in 2017 an. Auch in einer anderen Wertestudie, die Social Media-Beiträge ausgewertet hat, war ein Trend zu erkennen von 2009 zu 2019, dass konservative Werte wie Freiheit und Sicherheit wichtiger geworden sind als Gerechtigkeit.

        Einen Beitrag zu der veränderten Priorisierung von Werten könnte das rechte Framing in der Politik der letzten Jahre dabei gespielt haben.

        Zugabe: 3 Schritte, um Frames zu erkennen
        1. Politischen Begriff vom alltäglichen Wort trennen. Beispiel “Klimawandel”.
        2. Fragt euch, was ihr mit diesem Wort verbindet. Wofür steht “Wandel”?
        3. Fragt euch, warum euer Gegenüber genau diesen Begriff verwendet hat. Welche weiteren Begriffe fallen euch in diesem Zusammenhang ein?
        4. Empfohlen von Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling bei “Eine Stunde was mit Medien”.

          Weitere nützliche Links aus der Folge und darüber hinaus

          • “Die Macht der Sprachbilder”, Vortrag von Elisabeth Wehling auf der Re:Publica 2017: https://www.youtube.com/watch?v=3tuaXaXJ02g
          • Sea-Watch-Tweet: https://twitter.com/seawatchcrew/status/1017391495781994497
          • “The power of framing: It’s not what you say, it’s how you say it” von Steve Rathje, The Guardian: https://www.theguardian.com/science/head-quarters/2017/jul/20/the-power-of-framing-its-not-what-you-say-its-how-you-say-it
          • “Das Wörterbuch der Verschleierung” von Kai Biermann und Martin Haase, Die ZEIT: https://www.zeit.de/kultur/2018-07/rhetorik-sprache-alexander-dobrindt-worterfindungen-woerterbuch
          • 45 min
          • Die Un-Folge: Warum Tanja für euch singt [Y Politik 17]
            Keine Zeit für Recherche, aber für ein Lied

            Wir haben es zeitlich leider nicht geschafft, für eine Folge ordentlich zu recherchieren. Deswegen liefern wir euch eine Sonderfolge mit einer ganz besonderen "Zugabe".

            Schreibt uns bei Facebook oder Twitter, wenn ihr erratet, welche Partei 2016 mit dem Lied Wahlkampf gemacht hat.

            8 min
          • Politikpodcasts: Warum ihr diese sechs Podcasts über Politik hören solltet [Y Politik 16]
            Diese Podcasts inspirieren uns (Sonderfolge).

            Politik-Podcasts dominieren zwar nicht die Podcast-Charts, doch in ihren Nischen haben sich viele gute Formate etabliert. In dieser Folge sprechen wir über unsere Lieblingspolitikpodcasts und welche davon uns für Y Politik inspirieren. Wir hoffen, dass euch unsere Empfehlungen gefallen!

            Folge 16 ist eine kurze Sonderfolge, weil wir am Aufnahmewochenende viel Zeit in unsere Konzeptüberarbeitung gesteckt haben.

             

            Unsere Politik-Podcast-Empfehlungen

             

            Der Politikpodcast vom Deutschlandfunk

            Kein anderer Podcast ist so dicht dran am Berliner Politikgeschehen. Referenz für Einsichten in die Parteipolitik.

            Die Lage der Nation

            Fasst die wichtigsten Themen der letzten Woche zusammen und ordnet sie ein. Besonders stark bei juristischen und netzpolitischen Fragen.

            6 Minuten-Politik

            Bricht ein komplexes Thema in sechs Minuten herunter. Verständlich auch für Politikeinsteiger.

            Servus Grüezi Hallo

            Durchbricht die nationale Politikwahrnehmung. Zeigt auf, wie unterschiedlich die Perspektiven dies- und jenseits der Alpen trotz gemeinsamer Sprache sind.

            Freakonomics Radio

            Interessante Forschungsergebnisse der Sozialwissenschaften kurzweilig aufbereitet. Der Fokus liegt auf der Ökonomie. Auf Englisch.

            Elementarfragen

            Versucht die Beweggründe hinter den Persönlichkeiten herauszufinden. Interviews nicht nur mit PolitikerInnen.

            Durch die Gegend

            Interviews mit KünstlerInnen, SchriftstlerInnen und PolitikerInnen – nicht im Studio, sondern an ihren Orten des Schaffens.

            Was sind eurer Meinung nach die besten Politik-Podcasts?

            Gerne nehmen wir eure Lieblingspodcasts mit auf die Liste. Kommentiert diesen Artikel oder schreibt uns bei Facebook, Twitter oder per E-Mail.

            22 min
          • Cyborgs: Warum wir längst Maschinenmenschen sind [Y Politik 15]
            Es droht das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen.

            Ein Cyborg (cybernetic organism) ist ein biologisches Wesen, dass durch technologische Erweiterungen übernatürliche Fähigkeiten erlangt. Was klingt wie Science Fiction ist teilweise schon Realität. In naher Zukunft wird der Mensch immer mehr mit der Technik verschmelzen. In den zwei Perspektiven dieser Folge gucken wir uns diese Entwicklung genauer an und fragen uns erstens “Wo stehen wir heute?” und zweitens “Was ist in Zukunft denkbar?” Eines ist klar: Die Entwicklung zum Cyborg stellt die Politik vor viele Herausforderungen.

            Cyborgs: Menschen mit viel Technik?

            Im Grunde haben Menschen schon immer Werkzeuge gebaut und verwendet, die es ihnen ermöglichte, Dinge zu tun, die sonst aus allein menschlicher Kraft nicht geschafft hätten. Der Unterschied zu früher und heute ist jedoch die Art und Intensität, wie wir Technik nutzen. Der Cyborg e.V. definiert einen Cyborg als “sehr tiefe Verschmelzung von Biologie und Technologie. [...] Die technologische Erweiterung kann implantiert sein, muss aber nicht – sie kann auch über einen intensiven Gebrauch externer Devices geschehen”.

            Ein Smartphone nutze ich anders als einen Küchenmixer. Das Smartphone ist ein Teil der Menschen geworden. Wir tragen es immer bei uns, wir können jederzeit auf das gesamte Wissen im Internet zugreifen, Gespräche mit jeder Person auf der anderen Seite der Welt führen und alles mögliche tracken. Wenn wir das Smartphone Zuhause vergessen, ist das ein sehr unwohles Gefühl, weil es eben nicht mehr nur ein nettes Werkzeug ist, sondern ein Teil von uns. Die Funktionen eines Smartphones haben wir jedoch (noch) nicht in unseren Körpern implantiert. Wir können es theoretisch jederzeit weglegen – aber macht das wirklich einen Unterschied?

            Trotzdem scheint die Haut eine besondere Grenze für Menschen darzustellen. Ein Smartphone legen wir Abends neben uns auf die Matratze, um unseren Schlaf zu tracken. Uns einen Chip einpflanzen zu lassen, der das gleiche tut, kommt uns jedoch komisch vor. Eine weitere Grenze, die oft Unbehagen bereitet, ist wenn Biologie und Technologie verschmelzen, um einen gesunden Menschen zu optimieren. Wenn jedoch Technologie in Körper eingepflanzt wird, um Krankheiten zu heilen, z.B. bei Herzschrittmachern, sehen wir kein Problem damit, Cyborgs zu kreieren. Die Grenze bis wann man noch ein Mensch ist und ab wann man von einem Cyborg sprechen kann, kann nicht genau gezogen werden.

            Wie weit sind wir in Sachen Cyborg schon heute?

            Die wichtigste Erkenntnis zu Beginn: Wir sind schon weiter als die meisten denken. Es gibt bereits heute Cyborgs – und sogar eine vorläufige Allgemeine Erklärung der Cyborgrechte. Trotzdem steht die Debatte zu dem Thema noch ganz am Anfang. Drei politische Thesen der Cyborgisierung haben wir versucht, aufzustellen:

            Die Grenze zwischen Medizin und Optimierung verschwimmt immer mehr. Es gibt bereits technisch hochentwickelte Beinprothesen wie sie durch den Läufer Oscar Pistorius berühmt geworden sind. Weniger bekannt sind Hilfsmittel für das Gehirn. Es gibt bereits heute Hirnschrittmacher, die durch elektrische Impulse Hirnareale stimulieren und bei Parkinson helfen. Oder Darba-Prothese, bei der gelähmte Menschen allein mit Gedankenkraft einen metallischen Arm bewegen können. Auch Exoskelette sind relativ weit entwickelt. Und es gibt sogar einen Prototypen für zwei weitere Arme. Dass diese Entwicklungen demnächst nicht mehr nur auf medizinische Fälle angewendet werden, sondern auch gesunde Menschen sich optimieren lassen, ist sehr wahrscheinlich.

            Für Bequemlichkeit geben wir Datenschutz auf. Sobald Technologien miteinander vernetzt sind, besteht die Gefahr der Überwachung. In Schweden kann man bereits mit seiner Hand in der Bahn bezahlen, wenn man sich einen Chip eingepflanzt hat und als Arbeitnehmer des Start-Ups Epicenter kann man Türen damit aufschließen. Gerade im Arbeitskontext schafft das die Möglichkeit, nicht nur zu überwachen, wer wann welche Tür aufgeschlossen hat, sondern auch Toilettengänge, Arbeitsantritte und Bewegungsprofile.

            Die Wohlhabenden hängen die Armen weiter ab. Es ist heute schon so, dass man sich mit Geld einen Lebensstil leisten kann, der einen produktiver und erfolgreicher macht, z.B. durch Nachhilfelehrer, Fitnesstrainer oder Wohnungen in ruhigeren Gegenden. Neue Entwicklungen wie das Stirnband “Dreem”, das den Schlaf effizienter und erholsamer macht, sind teuer. Wenn derartige Geräte weiterhin teuer bleiben, dann werden nur die Wohlhabenden sie kaufen können und noch produktiver werden, während ärmere Menschen außen vor bleiben.

            Was erwartet uns in Sachen Cyborg in der Zukunft?

            Einen großen Schritt weiter in der Entwicklung Richtung Cyborgs wäre möglich mit einer Gehirn-Computer-Schnittstelle, die durch Elektroden im Gehirn möglich gemacht wird. Das würde bedeuten, dass wir mit Computern direkt über unsere Gedanken kommunizieren können, ohne wie bisher unsere Gedanken erst in Worte fassen zu müssen, um diese dann in Sprache zu verwandeln (wie z.B. bei der Eingabe einer Google-Suche). Der große Vorteil wäre, dass Kommunikation sehr viel schneller wäre.

            Elon Musk hat für die Entwicklung einer solchen Gehirn-Computer-Schnittstelle im Juli 2016 das Start-Up “Neuralink” gegründet. Nach der These von Elon Musk ist es notwendig für die Menschen so schnell wie möglich eine solche Schnittstelle zu entwickeln, damit wir eine Chance haben, mit einer künstlichen Intelligenz in Zukunft mitzuhalten. Nach seiner Einschätzung kann bereits in 8 bis 10 Jahren die Schnittstellentechnologie auch bei Menschen verwendet werden, bei denen es keinen medizinischen Bedarf gibt.

            Der Prozess bis dahin wird unbemerkt ablaufen. Es wird keinen Tag X geben an dem allen Menschen Chips eingepflanzt werden, sondern ganz nebenbei wird die Technologie in unserem Alltag ankommen. So wie viele Funktionen beim Smartphones nach und nach eingeführt wurden, werden wir auch bei der Cyborgisierung die Geschwindigkeit und Konsequenzen nur schwer absehen können.

            Wird erst einmal die direkte Kommunikation von Gehirn zu Computer möglich sein, dann ist der Weg zur direkten Kommunikation von Gehirn zu Gehirn nicht mehr weit. Dann müssten wir unsere Gefühle nicht mehr in Worte fassen, um sie unserem Gegenüber mitzuteilen, sonder die andere Person könnte direkt erfahren, wie sich die andere Person fühlt. Eine weitere Option könnte sein, dass Daten von Computern in das Gehirn geladen werden und wir direkten Zugriff auf das gesamte Wissen im Internet bekommen.

            Alle angerissenen möglichen Zukunftsszenarien schaffen politische Fragen, auf die es kaum Antworten gibt:

            • Wie ist Identität und Individualität noch möglich, wenn Daten ins Gehirn geladen werden?
            • Wer legt fest, was relevantes Wissen und Erfahrungen sind?
            • Inwiefern ist eine Überwachung der Gedanken damit möglich?
            • Wie wird mit Verantwortung und Selbstbestimmtheit umgegangen?
            • Wer hat die Macht über die Technologie und welche Interessen werden damit verfolgt?
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              Weiterführende Literatur:

              • Möglichkeiten: Neuralink and the Brain’s Magical Future
              • Kritik: Wider den Transhumanismus
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                Zugabe:

                • Buch: Homo Deus - Eine Geschichte von Morgen von Yuval Noah Harari
                • Computerspiel: Deus Ex - Mankind Divided
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                  48 min
                • Deliveroo, Uber & Co.: Warum die On-Demand-Economy Ausbeutung ist [Y Politik 14]
                  Unsere Bequemlichkeit schadet nicht nur den Radkurieren.

                  Die On-Demand-Economy macht möglich, dass alles jederzeit verfügbar oder zumindest in kurzer Zeit bestellbar ist – sei es das Mittagessen vom Lieblingsladen, eine Reinigungskraft nach der Party oder ein Logoentwurf. Diese Bequemlichkeit geht jedoch zu Lasten der Dienstleister und verändert darüber hinaus unser gesellschaftliches Zusammenleben fundamental. In dieser Folge beleuchten wir die Perspektive derjenigen, die diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen und die Perspektive von jenen, die die Dienstleistungen erbringen. Außerdem geben wir in der Zugabe Tipps, wie ihr die Schäden der On-Demand-Economy begrenzen könnt und offenbaren die ersten Ergebnisse unserer HörerInnen-Umfrage.

                  Die On-Demand-Economy

                  Im Grunde kann man das Prinzip der On-Demand-Economy folgendermaßen zusammenfassen: Menschen ohne Zeit, aber mit Geld, lassen Menschen mit Zeit, aber ohne Geld, Tätigkeiten für sich erledigen. Der Markt dieser Dienstleistungen wächst rasant und schon heute sind Tausende derart beschäftigt – die meisten davon im Niedriglohnsektor: besonders schlecht organisiert und leicht austauschbar.

                  Bald werden allerdings nicht mehr nur die Essenslieferanten, Putzkräfte und Wäscheservices von Zuhause aus abrufbar sein, sondern auch höher qualifizierte Menschen wie Ärzte, Anwälte und Grafiker. Wir könnten uns in einigen Jahren alle auf Seite der geklickten Dienstleister wieder finden.

                  Perspektive 1: Diejenigen, die Dienstleistungen in Anspruch nehmen

                  Man kann immer gute Gründe finden, sich Dinge liefern zu lassen, anstatt sie selbst in der Stadt zu besorgen: Sie sind im Netz billiger, nur wenige Läden führen sie überhaupt im Sortiment oder man hat schlicht keine Zeit, die Besorgung zu machen.

                  Leider merken wir nicht, was all diese kleinen Kaufentscheidungen mit uns und unserer Gesellschaft machen. Mittlerweile haben viele von uns so viele Tätigkeiten ausgelagert, dass unser Alltag verändert ein anderer geworden ist. Vor einiger Zeit hätte ein Samstag noch so aussehen können: Wäsche waschen, in der Stadt neue Schuhe besorgen, Lebensmittel einkaufen, die Wohnung putzen, sich etwas kochen und ins Kino gehen. Heute holt Zipjet morgens meine dreckige Wäsche, dann bestelle ich neue Schuhe bei Zalando und Lebensmittel bei Amazon Fresh, eine Putzkraft von Helpling kommt vorbei, mein Abendessen bringt mir Deliveroo und ich gucke eine Netflix-Serie.

                  Dass man durch die Auslagerung von Alltagstätigkeiten mehr Zeit hat, um “sinnvollere” Dinge zu tun, ist dabei oft ein Trugschluss, denn wenn wir ehrlich sind: shoppen kostet auch online viel Zeit. Mit dem Fokus aufs Internet mutieren wir zu Stubenhockern und richten uns in einer neuen Häuslichkeit ein. Die Gesellschaft spielte sich jedoch vor allem auf den Straßen ab. Dort kommt man mit Menschen auch außerhalb seines eigenen direkten Umfelds in Kontakt. Damit geht ein Stück politisches Leben verloren.

                  Zudem bilden sich immer stärker zwei Klassen aus: Die Klasse, der gedient wird und die Klasse, die dient. Eine gesellschaftliche Ständeordnung, wie sie früher üblich war, kommt zurück. Im Unterschied zum Adel früher kennen wir unsere “Diener” jedoch noch nicht einmal persönlich. Wir beauftragen sie über die Benutzeroberfläche einer Online-Plattform und bauen keine soziale empathische Verbindung mit ihnen auf.

                  Perspektive 2: Diejenigen, die Dienstleistungen ausführen

                  Für Arbeitnehmer mit bestimmten Anforderungen an ihre Arbeit kann die On-Demand-Economy Vorteile bieten: wegen der Flexibilität für Freigeister und hochmobile sowie wegen der geringen Einstiegshürde für geringqualifizierte Menschen.

                  Für die allermeisten bedeutet die On-Demand-Economy allerdings Nachteile und teilweise sogar Ausbeutung. Der Klassiker sind ungelernte Fahrradkuriere. Bei Deliveroo oder Foodora arbeiten mittlerweile deutschlandweit tausende von Menschen, liefern Essen von Restaurants nach Hause – und werden dabei ausgebeutet. Sie sind meistens selbstständig oder geringfügig beschäftigt und müssen viele Arbeitsmittel privat stellen: u.a. das eigene Fahrrad und ein Smartphone mit ordentlich Datenvolumen, um die Aufträge zu empfangen. Bei Deliveroo werden sie mit 5-6 Euro für jede Lieferung bezahlt, bei anderen erhalten sie immerhin einen Stundenlohn. Der Bereitschaftsdienst ohne Aufträge, die Anreise sowie Urlaub, Versicherung und Rente müssen jedoch privat finanziert werden. Gleichzeitig werden die Fahrer rund um die Uhr mit GPS verfolgt, es wird ausgewertet wie schnell sie arbeiten und sie werden mit ihren Kollegen verglichen. Der Arbeitnehmerschutz ist schlecht, vor allem bei Deliveroo. Nachdem Angestellte einen Betriebsrat gegründet hatten, wurden viele Verträge nicht mehr verlängert.

                  Der hohe Wettbewerbsdruck, schlechter Arbeitnehmerschutz und niedrige Bezahlung treffen jedoch nicht nur Geringqualifizierte. Auch in anderen Branchen greifen die gleichen Mechanismen der On-Demand-Economy. Zum Beispiel bei Grafikdesignern, die über Plattformen wie Fiverr ihre Dienstleistungen anbieten. Dort kämpfen sie gegen andere Designern um Aufträge und verdienen oftmals nur wenige Dollar für eine anspruchsvolle Leistung. In Zukunft könnten auch Hochqualifizierte wie Marketingspezialisten, Ärzte oder Rechtsanwälte auf Knopfdruck buchbar sein.

                  Zugabe: Was jeder und jede von uns tun kann, um die Schäden der On-Demand-Economy zu begrenzen

                   

                  1. Verzichtet auf Dienste, die ausbeuten.

                  Bestellt eure Bücher zum Beispiel wieder im Einzelhandel. Dort werden sie auch meistens über Nacht geliefert. Verwendet die genossenschaftlich organisierte und fair bezahlende Amazon-Alternative Fairmondo und wenn ihr euch schon Lebensmittel liefern lasst, dann von REWE anstatt Amazon Fresh.

                  2. Vermeidet Bestellungen zu bestimmten Zeiten

                  Bestellt nicht wenn die Nachfrage gerade am höchsten ist und darum der Druck auf die Dienstleister besonders hoch ist. Nutzt zum Beispiel Amazon nicht für das Besorgen der Weihnachtsgeschenke. Nutzt keine Prime-Lieferungen über Nacht, wenn ihr die bestellten Dinge nicht unbedingt innerhalb von 24 Stunden braucht. Und bestellt das Essen nicht online, wenn das Wetter draußen so stürmisch, regnerisch oder kalt ist, dass ihr selbst auch nicht Fahrrad fahren würdet.

                  3. Fastet die On-Demand-Economy

                  Nehmt euch mal vor, einen Monat darauf zu verzichten, Dinge und Dienste im Internet zu bestellen. Tut damit nicht nur etwas Gutes für die Menschen, die dort arbeiten, sondern beobachtet auch mal, was das mit euch macht. Wie abhängig seid ihr schon? Wie gut könnt ihr noch darauf verzichten?

                  4. Gebt fettes Trinkgeld

                  Wenn ihr schon etwas bestellen müsst, weil es anders nicht geht, dann gebt euren “Dienern” zumindest ein ordentliches Trinkgeld. Das bessert den ansonsten niedrigen Lohn auf.

                  51 min
                • Eure Meinung: Warum wir unser Konzept überdenken [Y Politik 13]
                  Sonderfolge: Wir bitten Euch um Rat

                  Das Konzept für den Y Politik-Podcast haben wir im Sommer und Herbst 2017 entwickelt. Im Dezember sind wir dann mit unseren ersten Folgen online gegangen. Wir freuen uns seitdem über so viel positive Rückmeldung und auch über einige Verbesserungsvorschläge.

                  Nach zwölf Folgen und 5.000 Downloads wollen wir nun innehalten und kontrollieren, ob das gegenwärtige Format Euch schon das bestmögliche Hörvergnügen bietet, oder, ob da noch mehr geht. Deswegen wollen wir Euch und Eure Wünsche an den Podcast in Folge 13 besser kennenlernen.

                  Die große Y Politik-Umfrage

                  Um herauszufinden, was Euch gefällt, wer Ihr überhaupt seid und was wir besser machen können, wäre es große Klasse, wenn Ihr unsere Befragung ausfüllt. Darin fragen wir Euch unter anderem, was Eure Lieblingsfolge ist, ob wir zu viel oder wenig labern und was wir ändern sollen. Je nachdem, wie detailliert Ihr Rückmeldung gebt, werdet Ihr zwischen drei und zehn Minuten brauchen.

                  Wir werten Eure Empfehlungen bis zur nächsten Folge am 21. Mai aus und besprechen dann auch die ersten Ergebnisse.

                  Tausend Dank für Eure Unterstützung

                  Tanja & Vincent

                  Zur Umfrage: https://goo.gl/forms/5cTOnlxm1eWTmSA43

                  12 min
                • Kindheitshelden: Warum Serien und Hörspiele uns politisch beeinflussen [Y Politik 12]
                  Als Kind habt ihr sie gesuchtet, aber ihre Botschaften nicht bemerkt.

                  Was haben Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen, TKKG, Spongebob Schwammkopf und die Schlümpfe gemeinsam? Sie haben unsere Kindheit begleitet und dabei bestimmte Rollenbilder und politische Systeme vermittelt. In Folge 12 analysieren wir diese und haben auch noch einen Filmtipp für euch.

                  Wie Kinder durch Serien und Hörspiele geprägt werden

                  Der Zustand unserer Gesellschaft wird derzeit wieder breiter diskutiert. Dabei wird deutlich, dass viele Menschen andere Einstellungen und Werte verinnerlicht haben, als wir und unser Umfeld. Drei Beispiele dafür:

                  • Demokratie: Nur 48 Prozent der Deutschen gelten als Überzeugte Demokraten
                  • Gesellschaft: 25 % sagen, dass Migranten nicht zum “Wir-Gefühl der Gesellschaft gehören
                  • Werte: ca. 40 % sind materialistisch eingestellt
                  • Besonders prägend für die Einstellungen und Werte eines jeden Menschen ist das Kindes- und Jugendalter. Wertevermittlung findet dabei nicht nur in der Schule und der Familie statt, sondern auch über Serien im Fernsehen und Hörspiele. Ein Kind im Alter von vier Jahren schaut im Durchschnitt bereits 80 Minuten pro Tag Fernsehen. In dem Alter identifiziert man sich mit seinen Helden besonders stark und orientiert sich an ihnen. Es steckt also ganz schön viel Potenzial für Beeinflussung in diesen Kinderserien.

                    Individuell: Welche Rollenbilder und Werte vermitteln Kinderserien?

                    Ein Hörspiel, das viele Kinder der 80er und 90er Jahre geprägt hat, ist Bibi Blocksberg. Bibi Blocksberg ist ein Mädchen das hexen kann, so wie auch ihre Mutter Barbara Blocksberg. Der Vater Bernhard und alle anderen in ihrem Wohnort haben keine Zauberkräfte. Bibi und ihre Mutter Barbara sind also eigentlich sehr mächtige Frauen. Dem sind sie sich auch bewusst, lassen sich nicht viel sagen und machen ihr Ding. Ein tolles Rollenvorbild für junge Mädchen, könnte man meinen.

                    Gleichzeitig wird jedoch ein konservatives Familienbild vorgelebt. Die Blocksbergs sind scheinen Spießer zu sein: Mutter Barbara ist überwiegend Hausfrau, kümmert sich um ihre Familie und versucht (meistens weniger erfolgreich), gut zu kochen. Vater Bernhard sorgt für den finanziellen Unterhalt der Familie und möchte ein möglichst “normales” Leben führen. Die Nachbarn sollen nicht über die Familie reden. So werden Bibi und Barbara ständig normalisiert, anstatt auf ihre Einzigartigkeit und Macht stolz zu sein.

                    Ein wichtiges Genre für Jugendliche sind Detektivgeschichten. Hier spaltet sich die Generation in Die Drei ??? und TKKG. Die Drei ??? haben seit neustem ein weibliches Pendant: Die drei !!! sind eine Mädchen-Clique, die im Gegensatz zu den Jungs jedoch ganz andere “Abenteuer” erleben, zum Beispiel “Gefahr im Fitnessstudio” oder “Duell der Topmodels”. Hier werden schlimmere Rollenklischees bedient als in den 70er und 80er Jahren.

                    Die vier Freunde Tim (Tarzan), Karl, Klößchen und Gaby klären schwierige Fälle auf unter dem Namen TKKG – und das auf moralisch fragwürdige Art und Weise. Oftmals wird dabei an rechtsstaatlichen Prinzipien vorbei ermittelt und Selbstjustiz geübt. Bei TKKG vermittelt das einzige Mädchen Gaby ein passives Bild von Frauen. Sie wird vor allem als Freundin von Tim beschrieben und wenn es zu gefährlich wird, wird sie nach Hause geschickt. Der Anführer Tim ist nicht nur gewalttätig, sondern mobbt Klößchen auch dauerhaft für sein Übergewicht, der sich nicht einmal wehrt. Die erfolgreichste Ermittlungsmethode von TKKG ist Racial Profiling und basiert oft auf rassistischen Stereotypen. Zwielichtig sind vor allem Südländer, Osteuropäer, Menschen mit auffälligen Merkmalen wie Narben und Tattoos, aber auch Punks, Gammler und Rocker. Hätten Tim, Karl, Klößchen und Gaby etwa AfD gewählt, würden sie in der heutigen Gesellschaft leben?

                    Systemisch: Welche politischen und wirtschaftlichen Systeme vermitteln Kinderserien?

                    Der Kampf Kapitalismus gegen Kommunismus wurde in der Realität entschieden, aber in Fernsehsendungen geht er weiter.

                    Spongebob Schwammkopf zum Beispiel erzieht dich zum fleißigen Arbeiter für den Kapitalismus: Spongebob arbeitet für einen Burgerladen, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er gibt sich jeden Tag die größte Mühe, den besten Job zu machen und sich dadurch zu verwirklichen. Sein Boss, Mr. Crabs, ist dabei der profitgeile Kapitalist, der nur seinen Umsatz maximieren will, obwohl er quasi konkurrenzlos ist. Seine Systemgegner hält er klein. Thadeus steht der Arbeit im Burgerladen eher kritisch gegenüber, meckert viel und streikt sogar mal. Doch in der Serie wird er als uncooler Anti-Held dargestellt. Zufall? Wenn euch das nicht überzeugt, dann vielleicht die Theorie, dass die sieben Hauptcharaktere von Spongebob Schwammkopf die sieben Todsünden verkörpern.

                    In Entenhausen wird ebenfalls der Kapitalismus thematisiert. Dagobert Duck schwimmt nicht nur in Geld, sondern ist auch die mächtigste Person in Entenhausen. Er hat dadurch aber auch mit einigen Problemen zu kämpfen, wie mit Einbrechern, dem steuerneintreibenden Staat und seinen Verwandten. Sein Neffe Donald Duck strebt ebenfalls nach Reichtum, scheitert dabei jedoch immer, um sich in der nächsten Folge wieder abzustrampeln. Allerdings wird in Entenhausen der Kapitalismus nicht nur abgefeiert: Der Pechvogel Donald Duck ist am Ende der sympathische Held und einige Folgen verdeutlichen auch, dass Geld allein nicht glücklich macht.

                    Höhepunkt des ungezügelten Wettbewerbs ist jedoch Pokémon. Worum geht es in dem Anime? Ash Katchum und andere Pokemaster streben danach, die “Allerbesten” zu werden, und greifen dabei zu fragwürdigen Mitteln: sie fangen wild lebende Pokémons, versklaven sie und zwingen sie, bis zur Ohnmacht zu kämpfen.

                    Das Gegenstück dazu sind die Schlümpfe. Diese leben in einem alternativen politischen System, das Karl Marx kommunistischer Utopie ähnelt. Jeder Schlumpf lebt dort nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Jeder hat eine besondere Kompetenz wie kochen, handwerken – oder schlafen. Dafür werden alle akzeptiert. Es gibt kein Geld, kein Handel und keinen Privatbesitz. Alle arbeiten für das Wohl der Gemeinschaft. In der Folge “Geldbaum” wird nur ein einziges Mal Geld eingeführt – mit schrecklichen Auswirkungen auf das Zusammenleben der Schlümpfe. Der Bösewicht der Serie ist Gargamel, ein ruchloser Kapitalist: Er strebt nach Gold und ist dafür sogar bereit, zu töten.

                    Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg zeigen das hässliche Gesicht der Demokratie. Der Bürgermeister von Neustadt ist zwar gewählt, trägt aber autokratische Züge, ist korrupt und unfähig. Er übergeht den Stadtrat und legt sich mit den Medien an (in Form von Karla Kolumna). Nach einer Studie des Politologen Gerd Strohmeier zeichnen diese Serien ein sehr schlechtes Bild von Politik und Wirtschaft. Dieses sei “wenig förderlich” bei der Erziehung von Kindern zu mündigen BürgerInnen. Wir haben die Situation in Neustadt jedoch anders interpretiert, nämlich als einen gesunden Konflikt der Staatsgewalten, in dem BürgerInnen und die Presse die Exekutive kontrollieren.

                    Deine Meinung

                    Welche Kinderserie vermittelt am stärksten politische Botschaften?

                    • Spongebob Schwammkopf
                    • Die Schlümpfe
                    • Bibi Blocksberg
                    • TKKG
                    • Zugabe: Politische Film- und Literaturempfehlungen

                      Schaut euch den Film Zoomania (OT: “Zootopia”) an.

                      Einige Rezensionen dazu:

                      • “Zootopia Review: Disney Animation’s most important and political film yet” - Screen Crush
                      • “Mit dem neuen Animationsfilm „Zootopia“ schafft Disney ein unerwartet politisches Integrations-Plädoyer” - Frankfurter Rundschau
                      • “The Most Politically Influential Film Of The Oscars Will End Up Being ‘Zootopia’” - Huffpost
                      • “Zootopia: Yes, Disney Made a Movie About White Supremacy and the War on Drugs” - TheRoot
                      • Zwei weitere Tipps, die Tanja ins Zwischenfazit geschummelt hatte ;)

                        • Good Night Stories for Rebel Girls: Porträts weiblicher Heldinnen der Geschichte, von der ersten Frau im All bis zum Tennisprofi Serena Williams.
                        • “Bilder im Kopf”: Eine Liste von Kinder- und Jugendbüchern, in denen schwarze deutsche Kinder und Kinder of Colour die ProtagonistInnen sind, ohne, dass die Story sich zwangsläufig um Aussehen und Herkunft dreht.
                        • 50 min

                        About Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend

                        From the publisher's feed

                        Politik bedeutet schon immer Probleme anzugehen. Aber das dritte Jahrtausend braucht neue Lösungen. Diese stellen Tanja Hille & Vincent Venus im Y Politik-Podcast vor – nicht neutral, niemals…