Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend

Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend

By Tanja Hille, Vincent VenusSociety & CultureNewsGovernmentPolitics
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Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend episodes

  • Glückspolitik: Warum Politik nach Glück statt Wachstum streben sollte [Y Politik 11]
    Wir plädieren für Glück als Staatsziel Nr. 1

    Das Bruttoinlandsprodukt als Maß für Wirtschaftswachstum ist schon lange kein guter Indikator mehr für den Fortschritt unserer Gesellschaft. Ist Glück als oberstes Staatsziel da die bessere Alternative? Wir glauben JA und besprechen in Folge 11, was Menschen tatsächlich glücklich macht und wie Glückspolitik konkret aussehen würde.

    Warum Glückspolitik statt Wirtschaftswachstum?

    Politik ist die Gestaltung der Gesellschaft, aber woran orientiert sie sich dabei eigentlich? Im Grunde streben wir nach etwas, was man oft bezeichnet als “Lebensqualität”, “Fortschritt”, “Wohlstand” oder “das gute Leben”.

    Eine sehr lange Zeit wurden diese angestrebten Ziele gleichgesetzt mit Wirtschaftswachstum. Die Prämisse dabei war, dass eine höhere Wirtschaftskraft zu höhere individuelle Einkommen, weniger Armut, bessere Bildung und mehr Gesundheit führt und zusammengenommen zu einem glücklicheren Leben. Gemessen wird das Wachstum mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es beschreibt den Gesamtwert aller Güter und Dienstleistungen, die während eines Jahres innerhalb eines Landes hergestellt wurden.

    An Wachstum und am BIP gibt es viel auszusetzen. Das wichtigste Argument gegen die Fokussierung darauf ist, dass ein steigendes Einkommen ab einer gewissen Schwelle nicht zu mehr Glück führt. Das wies Richard Easterlin bereits 1974 nach (Easterlin-Paradox).

    Wieso sollte die Politik dann weiterhin nach Wachstum streben und nicht direkt nach Glück? Durch die Glücksforschung verstehen wir immer besser, was Glück ist und wie es gemessen werden kann. Es ist das langfristige Glück nach dem wir streben sollten. Das bedeutet ein erfülltes Leben nach seinen eigenen Werten und sich dabei selbst zu verwirklichen.

    Was bedeutet Glück für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft?

    Es ist wissenschaftlich belegt, dass glücklichere Menschen im Schnitt mehr Freunde und erfüllendere, feste Beziehungen haben, die auch länger halten. Sie können sich bei Problemen stärker auf ihr Umfeld verlassen, haben ein stärkeres Immunsystem, sind die besseren Anführer und verdienen tendenziell mehr Geld.

    Glückliche Menschen haben auch positiven Einfluss auf ihr Umfeld, denn sie sind großzügiger, die besseren Partner/innen in Beziehungen und produktiver auf Arbeit. Damit tragen glückliche Menschen mehr zur Gesellschaft und Wirtschaft bei und haben auch weniger Unterstützungsbedarf durch staatliche Stellen. Zusammengefasst kann man sagen: Glückliche Menschen sind für alle besser.

    Dabei spielt Wohlstand für das persönliche Glück nur eine geringe Rolle. Es ist wissenschaftlich erwiesen: viel Geld macht nicht glücklicher! Psychologin Sonja Lyumbomirsky hat mit Kolleg/innen untersucht, was für den persönlichen Glücklichkeitswert ausschlaggebend ist und hat folgende Zusammensetzung herausgefunden:

    • 50 % Gene
    • 40 % Verhalten und Einstellung
    • 10 % Lebensumstände: Gesundheit, Schönheit, Alter, Beziehungsstatus – und Wohlstand
    • Das Prinzip der hedonistischen Tretmühle beschreibt das Phänomen, dass sich das Glückslevel von Menschen nach einem starken positiven oder negativen Ereignis schnell wieder auf den Durchschnitt einpendelt. Aus diesem Grund sind z.B. Lottogewinner/innen nicht wesentlich glücklicher als Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden.

      Was ist Glückspolitik und wie sähe sie für Deutschland aus?

      In einem einzigen Land auf der Welt wird bereits das Bruttoinlandsglück erfasst und Politik danach ausgerichtet: Bhutan. Das Centre for Bhutan Studies erfasst regelmäßig das Glücksniveau der Bevölkerung durch aufwändige Befragungen, die zum einen Aspekte wie Gesundheit, Bildung und Einkommen erfassen, aber auch das subjektive Wohlbefinden der Einwohner/innen. Der ermittelte Wert ergibt das Bruttonationalglück.

      Jede geplante Regierungsmaßnahme in Bhutan wird einer Kommission für Bruttoinlandsglück vorgelegt. Diese bewertet die Maßnahme dann dahingehend, ob sie das Glück der Bevölkerung tatsächlich steigern kann. Im Zweifel bekommt das zuständige Ministerium den Vorschlag zum Überarbeiten zurück.

      Insgesamt ist das Glück jedoch etwas kulturell sehr Spezifisches und jedes Land muss für eine potenzielle Umsetzung eine eigene Glückskonzeption entwerfen. In Deutschland gab es dafür schon einige Versuche: 2011 bis 2013 arbeitete die Bundestags-Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität an der Frage, wie Wohlstand neu definiert und gemessen werden sollte. 2016 fragte Angela Merkel im Rahmen ihrer Regierungsstrategie “Gut leben in Deutschland - was und wichtig ist” online und in über 200 Dialogveranstaltungen die Deutschen, was sie unter einem “guten Leben” verstehen. In beiden Fällen gibt es zwar Ergebnisse, doch diese scheinen nicht in die Regierungspolitik einzufließen.

      Deswegen haben wir uns überlegt: Wie würde Politik in Deutschland aussehen, wenn Glück statt Wachstum das oberste Ziel wäre?

      • Bildung: Es gäbe Schulprogramme und Weiterbildungen zu “Glück als Kompetenz”, damit man von Anfang an lernt, mit seinen Gefühlen und dem persönlichen Glücksniveau umzugehen.
      • Der 6-Stunden-Arbeitstag wäre bereits eingeführt, damit weniger Menschen an Burnout und anderen psychischen Krankheiten leiden und im Gegenzug mehr Zeit für Familie und Freunde haben.
      • Der soziale Wohlfahrtsstaat wäre stärker ausgebaut, um stabile Lebensverhältnisse zu gewährleisten, denn eine Reduzierung des Lebensstandards macht unglücklicher als zusätzlicher Reichtum glücklich macht.
      • Eine intakte und saubere Umwelt wäre wichtiger, als die Automobilkonzerne vor Zahlungen aufgrund des Dieselskandals zu schützen, denn unsere Umwelt ist die Grundlage für unser Wohlbefinden.
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        Zugabe: Was du für dein persönliches Glück tun kannst

        Sonja Lyubomirsky ist Psychologin und beschreibt in ihrem Buch “The How of Happiness” was Glück ist und wie man glücklicher werden kann. Dafür füllt man in dem Buch einen Glückserfassungsbogen aus. Auf Basis dessen empfiehlt sie Verhaltensänderungen, um das persönliche Glück zu erhöhen. Die deutsche Ausgabe “Glücklich sein: Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben” ist gerade in aktualisierter zweiter Ausgabe erschienen.

        Aus dem Buch drei allgemeine Tipps, angereichert durch weitere Quellen:

        1. Beziehungen

        Investiere in deine Beziehungen. Gute Beziehungen sind einer der größten äußeren Faktoren, die einen glücklicher oder unglücklicher machen.

        Tim Urban hilft dir in seinem wunderbaren Blog “Wait but why” herauszufinden, welcher Art Freunden du mehr Aufmerksamkeit schenken solltest.

        2. Bewegung/Sport

        Bewege Dich. Jeder ahnt es, aber die Wissenschaft hat es bewiesen: Sport, auch in leichten Dosen, macht uns glücklich. Auch langfristig lebt man mit Sport gesünder, selbstbewusster und mit weniger Leiden im Alter.

        3. Glück im Alltag

        Erfreue dich an den kleinen Dinge des Lebens. Versuche, Alltägliches bewusst zu erleben. Setze dich z.B. mal für fünf Minuten auf eine Parkbank und genieße die Sonne. 99 Prozent unserer Tage sind Alltag. Es liegt an uns, sie zu genießen.

        Glückstest

        Wie glücklich bist du aktuell? Finde es heraus im Oxford Happiness Test, den auch Sonja Lyubomirsky in ihrem Buch verwendet (Englisch. Anderweitig auch auf Deutsch).

        49 min
      • Generation Y: Warum Millennials die Politik umkrempeln werden [Y Politik 10]
        Sie haben die richtigen Werte verinnerlicht und engagieren sich auf moderne Weise.

        Mittlerweile sind auch die letzten der Generation Y volljährig – und damit ein demokratischer Machtfaktor. In Folge 10 analysieren wir daher die Werte und das Engagement der Generation Y und warum sie die Politik verändern werden.

        Generation Y: Wer ist das eigentlich?

        Ab diesem Jahr, 2018, sind alle in der Generation Y volljährig. Sie dürfen damit wählen und müssen endlich von der Politik ernst genommen werden. Die älteren von ihnen sitzen mittlerweile in Führungspositionen – und mit Sebastian Kurz ist ein Vertreter der Generation Y sogar Regierungschef.

        Alle, die zwischen 1980 und 2000 geboren sind, zählen zu dieser Generation. Das sind in Deutschland knapp 20 Millionen Menschen und damit ¼ der Gesamtbevölkerung (trotzdem stellen sie damit eine Minderheit dar gegenüber den Ü40-Jährigen).

        Die drei vielleicht größten Unterschiede der Generation Y zu vorherigen Generationen:

        • Sie sind Digital Natives, also mit dem Internet aufgewachsen.
        • Sie haben höhere Bildungsabschlüsse. Noch nie haben so viele Menschen Abitur gemacht und an Universitäten studiert: 2017 haben 56 % in den in Frage kommenden Geburtenjahrgänge ein Studium begonnen.
        • Sie kennen nur eine globalisierte Welt, in der man leicht ausländische Medien konsumieren und Kontakt zu Menschen in anderen Ländern halten kann, aber auch globale Krisen gemeinsam erlebt.
        • Wie werden die Werte der Generation Y die Politik verändern?

          Es ist umstritten, ob man überhaupt einer Generation bestimmt Werte zuschreiben kann. Einige Eigenschaften, die den Millennials zugeordnet werden, widersprechen sich sogar (z.B. flexibel versus sicherheitsbedürftig). Trotzdem gibt es übergreifende Werte, die einen Wandel in der Politik befördern:

          Die Generation Y ist optimistisch eingestellt: Ca. 60% sehen ihrer persönlichen Zukunft positiv entgegen. Optimismus ist die Grundlage für Wandel, sei es im Privaten oder im Politischen.

          Hierarchien werden von Millennials hinterfragt: Autorität ist für sie nicht etwas, das aus einer Position hervorgeht. Stattdessen müssen Vorgesetzte sie durch Wissen und Kompetenz verdienen. Wer Autoritäten nicht blind anerkennt, kann auch das politische System einfacher hinterfragen und verändern.

          Das Vorurteil, dass junge Menschen weniger interessiert an Politik sind, stimmt nicht. 2002 gaben in der Shell-Jugendstudie nur 30% an, politische interessiert zu sein. 2015 waren es schon 41%.

          Vielleicht ist das der vielversprechendste Fakt, der für Wandel spricht: Unter den jungen Menschen gibt es heute mehr “Macher”. Die Shell-Jugendstudie hat Macher, Zögerliche, Materialisten und Idealisten identifiziert: Der Anteil der Macher ist von 25% auf 31% gestiegen.

          Die Generation Y bringt viele Voraussetzungen mit, die Politik umzukrempeln. Doch wenn man ehrlich ist, spricht einiges auch dagegen. Die jungen Menschen sind nämlich zufriedener mit dem politischen System als früher. 2015 gaben 77% in Westdeutschland und 54% in Ostdeutschland an, mit dem politischen System zufrieden zu sein. Zufriedenheit ist allerdings kein Treiber für Veränderungen.

          Dazu kommt, dass Millennials individualistisch unterwegs und deswegen schlecht organisiert sind: Die Parteibindung lässt nach, ihr Engagement ist kürzer und projektbezogener. Politische Organisationen brauchen jedoch Kontinuität und viele Mitglieder, um nachhaltig wirken zu können.

          Wie verändert das politische Engagement der Generation Y die Politik?

          Die Jugend von heute ist nicht politisch engagiert? Anstatt sich in einer Partei einzubringen oder auf die Straße zu gehen, vergibt sie lieber Likes auf Facebook? Das sind die gängigen Klischees über die Millennials. Dabei sagt das Klischee viel mehr über das veraltete Verständnis von politischem Engagement aus. Mit Politik machen, verbinden die meisten eben noch Parteien, Petitionen und Demonstrationen.

          Unsere These ist jedoch, dass die Generation Y sich nicht weniger engagiert, sondern anders. Zum Beispiel digital statt analog: Als 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, haben viele ehrenamtlichen Helfer Decken und Lebensmittel verteilt. Es gab jedoch auch digitales Engagement, zum Beispiel von Entwicklern, die Apps programmiert haben, um Geflüchteten das Ankommen in Deutschland zu erleichtern, sie mit Tandempartnern zu vernetzen oder Wohnungen zu vermitteln.

          Millennials haben andere Ansätze und Ansprüche an ihr politisches Engagement als noch Generationen vor ihnen. Sie machen Politik:

          • Digitaler
          • Zeitlich flexibler
          • Ortsunabhängiger
          • Lebenslauforientierter
          • Projektorientierter
          • Selbstwirksamer
          • Zugabe: Generation What?

            “Generation What?” ist Europas größte Jugendstudie. Sie wurde von einem Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten in ganz Europa durchgeführt. Über eine Million haben daran teilgenommen. Ziel war es, herauszufinden, wie die 18-34-Jährigen in Europa ticken: Was denken sie, welche Ziele, Wünsche, Hoffnungen und Ängste haben sie?

            Das besondere daran ist, dass es ein multimediales Projekt war. Zum einen gab es einen interaktiven und spielerischen Online-Fragebogen. Diese quantitativen Daten wurden in Echtzeit erfasst und wiedergegeben. Zum anderen wurden auch viele qualitative Interviews geführt, aus denen tolle Videoporträts zu allen möglichen Themen entstanden sind.

            Zuletzt sollte man in einer offenen Frage die Generation selbst in einem Wort beschreiben. Herausgekommen ist eine Wortwolke, die wahrscheinlich mehr aussagt als jede pseudowissenschaftliche Beschreibung der sogenannten Generation Y.

            Das Ergebnis der Studie war: Die jungen Menschen in Europa sind pragmatische Realisten, die optimistisch in die Zukunft schauen. Man könnte sagen eine “Generation Adaption”.

            47 min
          • Meinungsumfragen: Warum wir sie ignorieren sollten [Y Politik 09]
            Sie messen nicht die Wirklichkeit. Und sie führen zu schlechterer Politik.

            Meinungsumfragen sind mächtig. Das ist ein Problem: zum einen, weil sie nicht das messen können, was sie messen sollen und zum anderen, weil sie zu schlechterer Politik führen. Erster Schritt gegen ihre Vormachtstellung: Meinungsumfragen und ihre Schwächen verstehen. Darum geht es in dieser Folge 9 vom Y Politik-Podcast.

            Meinungsumfragen in der Politik: Mehr als die Sonntagsfrage

            Die bekannteste Meinungsumfrage ist die Sonntagsfrage: Menschen in ganz Deutschland kriegen die gleiche Frage gestellt: “Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?”. Die Ergebnisse dieser Stichprobe werden dann gewichtet, also unter bestimmten Annahmen auf ganz Deutschland hochgerechnet, und die Institute geben an, welche Partei gerade bei wieviel Prozentpunkten steht.

            Doch es gibt noch andere Meinungsumfragen: zu politischen Inhalten, zur Priorisierung von Themen und zur Beliebtheit von Politikerinnen und Politikern. Viele Akteure haben ein Interesse an diesen Ergebnissen und geben daher solche Studien in Auftrag: JournalistInnen möchten mehr über die Stimmung in Deutschland erfahren und welche Themen gerade wichtig sind. Die Bundesregierung möchte erfahren, was das Volk von ihren Vorschlägen hält und Parteien setzen auf jene Wahlplakate, die in der Fokusgruppe am besten ankamen.

            Die Daten erheben Meinungsforschungsinstitute wie z.B. Forsa, Infratest Dimap, Forschungsgruppe Wahlen oder das Allensbach-Institut meist per Telefon- oder Onlinebefragung (jeweils ca. 36 % am Befragungsmix). Anschließend gewichten sie die Rohdaten nach ihren eigenen geheimen Methoden.

            Problem 1: Umfragen messen nicht das, was sie messen sollen

            Natürlich gibt es Umfragen, insbesondere im Internet, die gar nichts taugen. Sie sind weder repräsentativ, noch neutral und dazu leicht manipulierbar. Aber auch repräsentative Umfragen sind problematisch, weil:

            • Das Label “repräsentativ” allein keine einwandfreie Umfrage garantiert.
            • Umfragen an sich kein perfektes Mittel sind, um die Realität der Menschen einzufangen.
            • Meinungsumfragen sind nicht genau: Für eine repräsentative Umfrage müssen ca. 1.000 Personen befragt werden, aber selbst dann stimmt das Ergebnis nur zu 95 % und kann mit +/-3 Prozentpunkten abweichen. Ob also in der Sonntagsfrage eine Partei einen Prozentpunkt hinzu gewinnt, sagt wenig aus. Um die Fehlergrenze auf +/- 1 Prozentpunkt zu drücken, müssten Institute mindestens 10.000 Menschen befragen. Das ist ihnen jedoch zu teuer.

              Umfrageinstitute erreichen nicht alle: Bestimmte Bevölkerungsteile können oder wollen nicht antworten, andere sind hingegen schlecht zu erreichen wie beispielsweise Pendler und junge Leute.

              Die Fragestellung beeinflusst die Antwort: Allein schon die Reihenfolge der Antwortmöglichkeiten verändern die Antworten der Befragten. Ebenso kann die Wortwahl oder Art der Frage (offen/geschlossen) das Ergebnis beeinflussen.

              Befragte sagen die Unwahrheit: Eine sehr große Fehlerquelle ist der Faktor Mensch: Befragte können keine Ahnung, aber trotzdem eine Antwort geben. Oder sie geben “sozial erwünschte” Antworten, wenn sie beispielsweise gefragt werden, ob sie wählen gehen wollen. Statt auf Umfragen sollten SozialforscherInnen mehr auf jene Daten zurückgreifen, die die Menschen freiwillig in ihrem Alltag preisgeben – zum Beispiel in der Google-Suche.

              Problem 2: Umfragen führen zu schlechterer Politik

              Selbst wenn die Ergebnisse der Meinungsumfragen noch so perfekt wären, gäbe es weiterhin genug Gründe sie zu ignorieren:

              • Falsche Interpretationen
              • Beeinflussung von Wählerinnen und Wählern
              • Zementierung des Status quo und Entpolitisierung
              • Falsche Interpretation: Daten und Statistiken werden von JournalistInnen nicht immer richtig interpretiert. Gerade die Fehlertoleranz wird oft unterschlagen. Außerdem werden Umfragen als Vorhersagen präsentiert, was sie nicht sind.

                Beeinflussung: Außerdem nehmen Statistiken, egal wie richtig oder falsch sie sind, Einfluss auf das Wahlverhalten. Sie können Leute mobilisieren oder demobilisieren. Meinungsforschung bildet Politik nicht nur ab, sondern macht Politik.

                Entpolitisierung: Politik sollte die Gesellschaft gestalten. Je mehr sich Politik jedoch an Meinungsumfragen ausrichtet, desto mehr reagiert sie auf tagesaktuelle Trendthemen, anstatt große Zukunftsvisionen zu entwickeln. Der Status quo wird zementiert und Mut unterdrückt. Das führt zu einer Entpolitisierung der Politik. Gerade kurz vor Wahlen kann man beobachten, wie es nur noch darum geht, welche Partei gerade bei wieviel Prozent steht und Themen keinen mehr interessieren.

                Zugabe: Souverän mit Umfragen umgehen
                1. Checke den Hintergrund:
                  • Wer hat die Umfrage in Auftrag gegeben? Steckt dahinter ein Interesse?
                  • Wer hat die Umfrage ausgeführt? War es ein seriöses Institut?
                    1. Lese das Kleingedruckte:
                      • Wie groß ist die Fehlergrenze? Liegen Antworten außerhalb der Fehlergrenze (von meist 3 Prozentpunkten)?
                      • Wie ist die Frage formuliert? Neutral und offen oder suggestiv und geschlossen?
                      • Der Buchtipp

                        Everybody Lies von Seth Stephens-Davidowitz zeigt auf, was Big Data kann und was es nicht kann. Dabei beschreibt er auch wie man mit z.B. Google-Suchanfragen von Menschen Erstaunliches rausbekommt.

                        43 min
                      • Kostenloser Nahverkehr: Warum das keine Spinnerei ist [Y Politik 08]
                        Günstiger als Autos – für Gesundheit, Klima und sogar die öffentlichen Kassen.

                        Weil die Bundesregierung europäische Umweltschutzvorgaben nicht einhält, schlug sie als Ausweichmanöver die testweise Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs vor. Richtig ernst nimmt das aber niemand. In Folge 8 erläutern Tanja und Vincent jedoch, warum fahrscheinloser ÖPNV wirklich eine gute Idee ist. Dafür besprechen sie nicht nur die Vorteile, sondern auch worauf es bei der Umsetzung ankommt und wie diese zu finanzieren ist. In der Zugabe erhaltet ihr Tipps, wie ihr im Großstadtjungle besser vorwärts kommt.

                        Kostenloser Nahverkehr: Warum darüber reden?

                        Die Europäische Kommission droht, die deutsche Bundesregierung zu verklagen, wenn diese es nicht endlich schafft, für saubere Luft in deutschen Städten zu sorgen. Neben der Stärkung von E-Mobilität und Verkehrsregulierungen schlagen die Bundesministerien für Umwelt und Verkehr sowie das Bundeskanzleramt vor, den öffentlichen Nahverkehr kostenlos zu machen.

                        Die einfache Gleichung ist, dass weniger Schadstoffe ausgestoßen werden wenn mehr Menschen Busse und Bahnen statt dem Auto nehmen. Modellstädte sollen Essen, Bonn, Mannheim, Reutlingen und Herrenberg werden.

                        Ganz neu ist die Idee jedoch nicht: Die Piratenpartei hat schon vor Jahren für die “fahrscheinfreie Nutzung” des öffentliche Nahverkehrs geworben. Bislang wird diese innovative Idee leider nur von Kleinparteien vertreten. Warum eigentlich?

                        Ziele: Was kann der kostenlose Nahverkehr erreichen?

                        Hauptziel des kostenlosen Nahverkehrs ist es, dass viele Menschen ihr Auto stehen lassen und stattdessen Bus und Bahn nehmen. Dadurch würde der kostenlose ÖPNV die Umwelt und die Gesundheit der Menschen schützen und für mehr Lebensqualität sowie Gerechtigkeit sorgen.

                        Jährlich sterben in Deutschland rund 66.000 Menschen vorzeitig durch die hohe Feinstaubbelastung (EEA-Studie 2017). Davon möglicherweise 38.000 aufgrund des Betrugs der Automobilkonzerne. Ebenfalls krank macht Straßenlärm. Diese interaktive Karte von Berlin zeigt, dass an den größeren Straßen die Lärmbelastung bei über 70 Dezibel liegt – so laut wie ein permanent eingeschalteter Staubsauger.

                        Auch die Lebensqualität würde steigen: Weniger Autos bedeuten mehr Platz für Fahrrad- und Fußwege sowie Parks und Plätze.

                        Cool: Y Politik kannst du jetzt auf Spotify hören

                        Ein weiteres, oft vernachlässigtes, Ziel in der Diskussion ist die soziale Gerechtigkeit. Denn solange der öffentliche Nahverkehr etwas kostet (und im internationalen Vergleich kostet er in Deutschlands Großstädten viel), stellt sich die Frage, wer sich Bus und Bahn leisten kann – und wer nicht. Ist es in Ordnung, dass sich beispielsweise Geringverdiener oder Menschen in Armut kein Ticket leisten können und in ihrer Mobilität eingeschränkt sind?

                        Die Stadt Tallin hat aus diesem Grund bereits 2013 die Nutzung des Nahverkehrs ohne Tickets möglich und viele Ärmere damit mobiler gemacht. Auch wenn in der Debatte die Menschen vom Land oft gegen die Städter ausgespielt werden, kann sich der kostenlose Nahverkehr auch für Dörfer lohnen. Dies zeigt das Beispiel von Templin in der Uckermark: Die Kleinstadt hat die Busse kostenlos gemacht, damit die Nachfrage vervielfacht und so das Verkehrsunternehmen zunächst vor der Schließung gerettet und später sogar ausgebaut (mittlerweile ist die Kommune auf eine 44 Euro-pro-Jahr-Flatrate umgestiegen).

                        Umsetzung: Wie kann der kostenlose Nahverkehr realisiert und finanziert werden?

                        Sind die Öffis zu stressig, nehmen die meisten doch lieber das Auto. Daher muss die Infrastruktur ausgebaut werden:

                        • der ÖPNV muss zuverlässig laufen,
                        • man sollte Haltestellen bequem erreichen können,
                        • die Taktung muss hoch sein, damit man schnell ankommt.
                        • Nur wenn der ÖPNV auch bei steigenden Fahrgastzahlen reibungslos läuft, kann kostenloser Nahverkehr zum Erfolg werden.

                          Die kontroverseste Frage ist jedoch: Wie kann das ticketlose Fahren überhaupt bezahlt werden? Bisher wird der Nahverkehr zum Teil aus Fahrkartenerlösen finanziert. Je größer die Kommune, desto größer der Anteil der Fahrkartenverkäufe an den Einnahmen. Umgekehrt finanzieren kleine Kommunen schon heute ihren öffentlichen Nahverkehr fast vollständig aus öffentlichen Mitteln. Deutschlandweit betrachtet beträgt der Fahrkartenerlös ungefähr ein Drittel an den Gesamtmitteln.

                          Dieser Anteil müsste von staatlicher Seite übernommen werden. Gleichzeitig fallen jedoch auch Ausgaben weg, wie die Bezahlung der Kontrolleure und Pflege der Automaten sowie die über 60.000 Strafverfahren und Gefängnisaufenthalte wegen Schwarzfahrens.

                          Einbeziehen sollte man auch die gesamtgesellschaftlichen Kosten: Wie teuer sind Unfälle mit Autos? Die Folgekosten von Krankheiten wegen Lärm und schlechter Luft? Wenn man diese Kosten mit einbezieht, ist der Autoverkehr für Kommunen dreimal so teuer wie der öffentliche Nahverkehr.

                          Zugabe: Tipps und Tricks für den Nahverkehr

                          ÖPNV-Hacks:

                          • Zu ungewöhnlichen Zeiten ins Büro fahren, zum Beispiel um 09:15 statt 9:00 Uhr, und dabei leere Bahnen genießen
                          • Alternativen suchen und z.B. mit der Regionalbahn statt der S-Bahn fahren oder stressiges Umsteigen vermeiden.
                          • Den letzten Abschnitt der Verbindung zu Fuß gehen, dabei Luft und Sonne tanken und damit entspannter ankommen.
                          • App-Vergleich:

                            • Die beste Öffi-App mit Vergleich.org finden
                            • ÖPNV selbst besser planen:

                              • Transport Fever für PC und Mac
                              • Cities: Skylines für PC und Mac
                              •  

                                51 min
                              • #DieseJungenLeute: Warum junge Menschen in der Politik klein gehalten werden [Y Politik 7]
                                Sprache und Strukturen behindern junge Leute in der Politik
                                DieseJungenLeute: Was ist das Problem?

                                Die Debatte um #DieseJungenLeute, die in der Politik nicht ernst genommen werden, nahm ihren Anfang mit Kevin Kühnert. Der Bundesvorsitzenden der Jusos machte sich über inhaltslose Fragen der Presse lustig, die nur auf sein Alter anspielten:

                                Bin heute morgen bei #RTL gefragt worden, ob ich in einer WG lebe. Werde anfangen solche überaus relevanten Fragen zu beantworten, sobald #Merkel und Co gefragt werden, ob sie beim Joghurt immer den Deckel ablecken. #diesejungenleute

                                — Kevin Kühnert (@KuehniKev) 25. Januar 2018

                                Nicht nur er musste sich dumme Sprüche anhören lassen, auch die Berliner Juso-Chefin Annika Klose war betroffen. Ihre Rede auf dem SPD-Bundesparteitag kommentierte der Chefredakteur der Welt am Sonntag so:

                                Sehr aufgeregtes Mädchen von den Jusos bekommt mehr Applaus als Martin Schulz.

                                — Peter Huth (@PeterHuth) 21. Januar 2018

                                Dies sind zwei Beispiele für viele Erfahrungen, die auf Twitter unter dem Hashtag #DieseJungenLeute geschildert wurden. Egal ob in Politik, Wirtschaft oder Alltag - überall werden junge Menschen schlechter gestellt als ältere Generationen.

                                Jugenddiskriminierung 1: Sprache und Verhaltenscodes

                                Die Analyse von den #DieseJungenLeute-Berichten zeigt, dass die meisten davon einem von vier Typen entsprechen:

                                1. Der Gegenüber geht von einem geringeren (beruflichen) Status aus
                                2. (Beispiel von Moritz Körner)
                                3. Es wird ein anderer, höher eingeschätzter Ansprechpartner gewählt
                                4. (Beispiele aus der Maybritt Illner-Sendung vom 18.01.2018)
                                5. Es werden Formulierungen eingesetzt, um den niedrigeren Status zu betonen
                                6. (Beispiel in der Tagesschau und von Anke Domscheit-Berg)
                                7. Inhalte werden als wilde Ideen abgetan und nicht ernst genommen
                                8. (Beispiel von Verena Schäffer)

                                  Vieler dieser Beispiele zeigen, wie tief in der Politik Vorurteile gegenüber jungen Engagierten sitzen. Einige sind sich ihrer eigenen Vorurteile möglicherweise gar nicht bewusst. Umso wichtiger ist es daher, seine eigenen Einstellungen zu hinterfragen. Denn die vielen Berichte zeigen, dass Jugenddiskriminierung weit verbreitet ist. Auch wenn die meisten Politiker dem Klischee eines grauhaarigen, älteren Herren entsprechen, ist das keine Entschuldigung, die Ausnahmen davon auch noch weniger ernst zu nehmen.

                                  Jugenddiskriminierung 2: Strukturen gegen die Jugend

                                  Die Strukturen in der Politik benachteiligen auf zwei Ebenen junge Menschen. Zum einen halten die alte Generation die Mehrheit am Wahlvolk und damit die Macht. Zum anderen schwächen sich die jungen durch Organisation in Jugendverbänden selbst.

                                  Deutschland entwickelt sich in eine Rentnerdemokratie: bereits heute sind 66 Prozent der Wahlberechtigten älter als 45 Jahre. Bis 2030 wird das Land noch sehr viel älter werden. In einigen Kommunen, wie beispielsweise Guben, Ost-Brandenburg, wird die Hälfte der Bevölkerung (!) älter als 60 Jahre alt sein.

                                  Diese zahlenmäßige Übermacht der Alten wird noch durch eine Rechtebeschneidung der jüngeren verstärkt: sie dürfen erst ab 18 Jahren den Bundestag wählen – das Wahlvolk ist also noch älter als die Gesamtbevölkerung Aus diesen Gründen haben junge Menschen so gut wie keine politische Relevanz.

                                  Darüber hinaus schwächt die Tradition der Selbstorganisation in Jugendorganisationen die junge Generation. Anstatt in den Vorständen der Parteien zu sitzen, engagieren sich NachwuchspolitikerInnen meist bei der Jungen Union, den Jusos, JuLis oder der Grünen Jugend. Das hat Vor-, aber auch gravierende Nachteile:

                                  • die Öffentlichkeit nimmt Jugendorganisationen nur bei Jugendthemen ernst.
                                  • beim Übergang in die Mutterorganisation mit 35 Jahren gehen viele Nachwuchskräfte verloren, u.a. wegen des Kulturschocks.
                                  • in den Entscheidungsgremien der Mutterorganisationen ist der Altersdurchschnitt noch einmal höher.
                                  •  

                                    Zugabe: Tipps und Tricks, um mit doofen Sprüchen umzugehen

                                    Der wichtigste Ratschlag: reagiere und lasse dumme Sprüche deinem Gegenüber nicht einfach durchgehen. Damit würdest du sie indirekt akzeptieren.

                                    Drei Denkanstöße, wie du auf dumme Sprüche reagieren kannst:

                                    • Solche Sprüche sagen mehr über den aus, der sie gesagt hat, als über dich. Interpretiere daher das Gesagte als Selbstaussage und spiele den Ball zurück.
                                    • Stelle naive Rückfragen und lasse dir das Gesagte erklären. Das kann für dein Gegenüber schnell unangenehm werden, wenn er oder sie mit seinen impliziten Vorurteile konfrontiert wird.
                                    • Lächle, denn das wirkt souverän und zeigt, dass du über den Dingen stehst.
                                    • Wie du nicht reagieren solltest:

                                      Ein TAZ-Journalist empfahl auf die Frage, ob man der Praktikant sei, zu antworten “Und ich dachte sie wären mein Opa. Aber der hat sich besser gehalten - und ist seit 3 Jahren tot”. Das ist wohl eher ein No-Go als ein gut gemeinter Rat. Eine ebenso schlechte Reaktion ist, sich zu rechtfertigen und damit eine Verteidigungshaltung einzunehmen.

                                      49 min
                                    • Nudging: Warum Regierungen Psychotricks anwenden [Y Politik 06]
                                      Modernes Regierungsinstrument oder undemokratische Massenmanipulation?

                                      Was ist Nudging? Wie wirkt es und solltet ihr dafür oder dagegen sein? Diesen Fragen gehen wir in Folge 6 nach. Dabei denkt sich Vincent in die Perspektive des Staates hinein und Tanja in die der genudgten Bürgerinnen und Bürger. Ohne zu viel zu verraten: über den Wert des Nudgings werden sich beide nicht einig. Für alle, die bis zum Schluss Nudging positiv gegenüber stehen, gibt es in der Zugabe Tipps, wie man die Anstupser im Alltag selbst anwenden kann.

                                      Definition von Nudging und welche Regierungen es nutzen

                                      Ein Nudge beeinflusst menschlichen Entscheidungen, indem die Entscheidungsarchitektur verändert wird. Ein Beispiel: wenn in der Mensa das gesunde Obst auf Augenhöhe platziert wird und das Dessert weiter unten, dann greifen die Studierenden öfter zum Salatteller.

                                      Die Definition von Nudging umfasst,

                                      • dass durch die Veränderung der Entscheidungsarchitektur keine Option ausgeschlossen wird,
                                      • dass der Nudge im Interesse der Person bzw. des Gemeinwohls ist,
                                      • dass der Nudge unterbewusst wirkt und die Psychologie von Menschen nutzt,
                                      • dass der Nudge auf einer systematischen Auswertung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse beruht.
                                      • Geprägt wurde die als Nudging bekannte systematische Beeinflussung von Menschen von dem Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler und dem Rechtswissenschaftler Cass Sunstein mit ihrem 2008 erschienen Buch Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness (DE: "Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt").

                                        Doch Nudging ist nicht bloße Theorie, sondern wird von einigen Regierungen bereits in der Praxis genutzt. Vorreiter war der britische Premierminister David Cameron, der das Behavioral Insights Team (“Nudge-Unit”) bereits 2010 installierte. Erst im Jahr 2014 schrieb das deutsche Bundeskanzleramt Stellen aus, für die drei ReferentInnen gesucht wurden mit "hervorragenden psychologischen, soziologischen und verhaltenswissenschaftlichen Kenntnissen". Seitdem wird in der Projektgruppe “Wirksam Regieren” daran gearbeitet, Nudging in die deutsche Politik einfließen zu lassen.

                                        Die Perspektive der Nudger: Was bringt das dem Staat?

                                        Aus Sicht einer Regierung ist Nudging ein Instrument unter vielen:

                                        • Der Klassiker: Gesetze. Du musst das tun, oder wir bestrafen dich (z.B. Steuern zahlen).
                                        • Die Alternative: Anreize. Wenn du das tust, dann geben wir dir was (z.B. Geld für die Solaranlagen auf dem Dach).
                                        • Das Neue: Nudging. Wir helfen dir, dich für das Richtige zu entscheiden.
                                        • Zwei Argumente sprechen für Nudging als Regierungsinstrument: Erstens ist es eine kostengünstigere Methode, um zu regieren. Zum Beispiel konnte eine Studie in den USA feststellen, dass Nudging Menschen wesentlich effizienter dazu bringt, sich impfen zu lassen. Mit dem gleichen Budget konnten drei Mal soviele Menschen zu diesem Schritt bewegt werden, als wenn der Staat mit Geld gelockt hätte. Ähnliches gilt für die Altersvorsorge oder Stromsparen.

                                          Zweitens rückt beim Nudging der Bürger oder die Bürgerin wieder stärker ins Zentrum des Regierens. Während Gesetze und Anreize Menschen als rationale Wesen voraussetzen, akzeptiert Nudging, dass Menschen fehlbar sind und von vielen Faktoren beeinflusst werden.

                                          Die Perspektive der Genudgten: Was haben die Bürgerinnen und Bürger davon?

                                          Um aus der Perspektive der Genudgten zu urteilen, muss man zwei Arten von Nudges unterscheiden: Die paternalistischen Nudges und die Gemeinwohl-Nudges.

                                          Die paternalistischen Nudges haben als Ziel, das Individuum zu einem “besseren”, gesünderen, nachhaltigeren Lebensstil zu bewegen. In diesen Fällen entscheidet der Staat, was ein guter Lebensstil für den einzelnen Menschen ist. Kritiker bemängeln allerdings, dass es den Staat Nichts angehe, wie das Individuum sein Leben gestaltet. Gäbe es nicht auch ein Recht auf Unvernunft? Und wenn ja, wird dieses nicht durch paternalistische Nudges eingeschränkt?

                                          Allgemeinwohl-Nudges zielen darauf ab, das gesellschaftliche Allgemeinwohl zu vergrößern. Im Fall der Organspende beispielsweise hat die Verhaltensforschung gezeigt, dass ein Opt-Out-System (Österreich) einem Opt-In-System (Deutschland) überlegen ist. Kritiker wenden ein, dass die Allgemeinheit zwar profitiere, es aber trotzdem in einer Demokratie auch noch höhere Prinzipien gäbe, die mit Psychotricks schwerlich vereinbar seien: Transparenz, Kontrollmöglichkeiten, Nachvollziehbarkeit und öffentliche Teilhabe an der Gesetzgebung.

                                          Fakt ist: In vielen Fällen kann mit Hilfe von Nudging Politik betrieben werden, ohne das dafür Gesetze erlassen werden müssen. Oft reichen Veränderungen in der Administration aus.

                                          Mehr zum Widerspruch Nudging-Demokratie hört ihr in der Podcastfolge “Nudging: Der Apfel auf Augenhöhe” von Deutschlandfunk Nova.

                                          Zugabe: Wie ihr selbst nudgen könnt

                                          Mit dem Buch Pre-Suation von Robert Cialdini könnt ihr selbst zu Nudgern werden – von anderen, aber auch von euch selbst. Drei Tipps aus seinem Buch:

                                          Erster Tipp für alle kreativen Aufgaben, z.B. Schreiben: arbeitet dort, wo sich eure Zielgruppe aufhält oder druckt euch Fotos von dieser aus. Der Effekt: ihr passt Stil und Wortwahl für euer Publikum an.

                                          Um euch in in eine bestimmte Stimmung zu versetzen, macht es wie Barney Stinson und hängt Motivationsposter auf. Klingt verrückt, hat aber zu 20 % höherer Produktivität in einem Call Center geführt. Bei dieser Methode hängt der Effekt von der Bildauswahl ab: “Der Denker” hat eine andere Wirkung als eine Marathonsiegerin.

                                          Ultimativer Tipp, der viele Psychotricks vereint: sei freundlich und großzügig gegenüber anderen. Ein Effekt ist: sie werden euch mehr mögen und vertrauen. Ein anderer ist, dass sie sich revanchieren werden. So funktionieren z.B. Testsnacks in Supermärkten, die den Absatz der Produkte steigern, oder das unerwartete Dessert aufs Haus im Restaurant, das zu mehr Trinkgeld führt. Nebeneffekt dieses Psychotricks: mehr Freundlichkeit auf der Welt ;-)

                                          47 min
                                        • Ausblick 2018: Warum wir auf das Jahr wetten [Y Politik 05]
                                          Wir geben vier Wetten auf 2018 ab – obwohl die politische Zukunft immer unberechenbarer zu werden scheint.

                                          Die politische Zukunft scheint immer unberechenbarer zu werden: Obwohl Institute und Medien das Gegenteil vorhersagten, wurde Donald Trump Präsident der Vereinigte Staaten und die Briten stimmten für den Brexit. Wir wagen trotzdem vier Wetten auf 2018 – und das mit hohem Wetteinsatz.

                                          Tanja präsentiert zwei politische Wetten für Deutschland und Vincent wagt sich an Wetten für Europa und die Welt. Falls ihr Lust bekommen habt, euer Erspartes für echte Wetten auf politische Ereignisse zu setzen, haben wir in unserer Zugabe ein paar Tipps für den Erfolg zusammengestellt.

                                          Zukunftsprognosen und die Politik

                                          Zukunftsprognosen und Politik vertragen sich üblicherweise nicht. In der Politikwissenschaft gilt, dass wissenschaftliches Arbeiten nur rückblickend möglich ist. Politische Ereignisse in der Vergangenheit werden analysiert und Erklärungsmuster gesucht.

                                          Mit Vorhersagen halten sich WissenschaftlerInnen zurück und treffen höchstens noch Aussagen über den Ausgang von Wahlen. Doch wegen falschen Prognosen bei der US-Wahl und dem Brexit-Referendum ist die Wahlforschung unter Druck geraten.

                                          Allerdings liegen nicht nur WahlforscherInnen regelmäßig daneben: Selbst Bill Gates verschätzte sich gewaltig, als er 1993 meinte, dass das Internet nur ein Hype sei (weitere amüsante Fehlprognosen).

                                          Wetteinsatz zwischen Tanja und Vincent: Wer eine der vier Wetten verliert, muss ein politisches Lied in einer kommenden Folge singen.

                                          Wette 1: Wie geht die aktuelle Regierungsbildung in Deutschland aus?

                                          Solange wie seit der letzten Bundestagswahl am 24. September 2017 hat es noch nie in der Bundesrepublik Deutschland gedauert, eine Regierung zu bilden. Ende des letzten Jahres sah es noch so aus als würde das erste Mal eine Jamaika-Koalition die Bundesregierung bilden, doch diese scheiterte.

                                          Bei Aufnahme dieser Folge (06.01.2018) sondierten CDU und SPD darüber, ob sie Koalitionsverhandlungen für eine Wiederauflage der großen Koalition (GROKO) führen, bzw. in leicht abgewandelter Form eine Kooperationskoalition (KOKO) eingehen. Weitere Optionen wären eine CDU-geführte Minderheitsregierung oder Neuwahlen. Drei Aspekte bestimmen den Ausgang der Verhandlungen: Der Prozess, die Themen, Befürworter und Gegner (Infratest dimap Studie zur Haltung ggü. einer GroKo in der Bevölkerung).

                                          Vincent wettet, dass es zu einer GROKO/KOKO kommen wird. Tanja wettet, dass es zu einer CDU-geführten Minderheitsregierung kommt. Was wettest du?

                                           

                                          Wette 2: Erleben wir 2018 die Grundsteinlegung der Vereinigten Staaten von Europa?

                                          Während Deutschland noch mitten in der Regierungsbildung steckt, drängen einige hochrangige PolitikerInnen, wie der französische Präsident Emmanuel Macron oder EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker, darauf, dass sich die Europäischen Union reformiert. Sind das erste Hinweise darauf, dass wir in diesem Jahr die Grundsteinlegung der Vereinigten Staaten von Europa erleben werden?

                                          Dafür spricht, dass der äußere Druck auf Europa größer wird, weil die Nachbarschaft im Chaos oder Autokratie versinkt und die USA als Bündnispartner wegfallen. Außerdem gibt es konkrete Pläne, die Währungsunion zu vertiefen – und damit der Kern der EU. EntscheidungsträgerInnen in Schlüsselpositionen der europäischen Politik setzen sich ebenfalls für eine weitere Integration ein.

                                          Dagegen spricht jedoch, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Reformen vor der Europawahl 2019 umzusetzen. Die Kommission will bis März 2019 erreichen, dass die EU-Mitgliedstaaten einen gemeinsamen Beschluss zur Zukunft Europas fassen. Darüber hinaus gibt es nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner der Integration: vor allem die nationalistisch regierte Länder wie Ungarn und Polen, aber auch die europaskeptischen Regierungen wie Österreich oder Dänemark. Falls Italiens Regierung bei der Wahl im März ebenfalls ins integrationsfeindliche Lager fiele, könnten Reformen scheitern.

                                          Eine exzellente Vorschau, was die Europäische Union sonst noch 2018 erwartet, findet ihr auf dem Blog des Europawissenschaftlers Manuel Müller.

                                          Vincent wettet, dass es zu einer Grundsteinlegung der Vereinigten Staaten von Europa kommen wird. Tanja wettet dagegen. Was wettest du?

                                           

                                          Wette 3: Wird die CSU die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl in Bayern holen?

                                          Im Herbst dieses Jahr finden Landtagswahlen in Bayern statt und lange Zeit galt es als Gewissheit, dass die CSU mit absoluter Mehrheit regiert. Seit 2008 ist dieser Trend jedoch gebrochen und auch die CSU muss Koalitionen eingehen. Schafft sie es dieses Jahr wieder zu einer alleinigen Regierung?

                                          Dagegen spricht das Ergebnis der letzten Bundestagswahl, welches das schlechteste seit 1945 war (39 %). Ob ihnen ein neuer Spitzenkandidat oder die angekündigte “Konservative Wende“ bei der Landtagswahl zugutekommt, ist ebenfalls fraglich. Auch die allgemeine Entwicklung in der Politik geht in Richtung einer fragmentierten Parteienlandschaft.

                                          Vincent und Tanja wetten beide, dass die CSU keine absolute Mehrheit bei den nächsten Landtagswahlen holt. Was wettest du?

                                           

                                          Wette 4: Ist Donald Trump am 31.12.2018 noch Präsident der USA?

                                          Es gibt zwei Verfahren, die dies verhindern könnten: Er tritt zurück oder wird seines Amtes enthoben. Beides wäre plausibel, aufgrund seiner zahlreichen Verflechtungen mit Russland, Interessenskonflikten, der Comy-Affäre, dem neuen Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ und vielem mehr.

                                          Um Trump seines Amtes zu entheben, müssten beide Kammern des amerikanischen Parlaments mit einer Mehrheit dafür stimmen, was eher unwahrscheinlich ist. Denn dafür müssten viele republikanische Senatoren gegen ihren eigenen Präsidenten stimmen.

                                          Beim Wettanbieter Ladbrokes kann man echtes Geld auf diese Wette setzen, dort liegt die Quote derzeit bei 4, dass Trump 2018 noch aus dem Präsidentenamt ausscheidet (Stand: 12.01.2018).

                                          Vincent und Tanja wetten beide, dass Donald Trump am 31.12.2018 nicht mehr Präsident der USA sein wird (vermutlich aufgrund eines Rücktritts). Was wettest du?

                                           

                                          Zugabe: Echte Wettmöglichkeiten auf politische Ereignisse

                                          Fans wetten auf Sportergebnisse, aber auch Politikinteressierte können auf Ereignisse in der Politik wetten – insbesondere in Großbritannien. Solltet ihr trotz der bestehenden Spielsuchtgefahr auf die Politik wetten wollen, dann beachtet unsere folgenden Tipps:

                                          1. Verfolgt politische Geschehnisse.
                                          2. Schließt Wetten weit im Voraus ab.
                                          3. Überlegt, ob ihr euer Geld so lange binden wollt.
                                          4. Wettet bei britischen Anbietern, da die ein größeres Angebot haben.
                                          5. Anbieter von politischen Wetten:

                                            • Ladbrokes (z.B. Wann wird Trump ersetzt)
                                            • William Hill (z.B. Nächstes Land, das die EU verlässt)
                                            • bet-at-home (z.B. britische Thronfolge und Schottlands Unabhängigkeit)
                                            • 1XBet (u.a. Die verrücktesten Trumpwetten unter den Spezialwetten der USA)
                                            • bwin
                                            • Bet365
                                            • 888Sports
                                            • Show Notes
                                                • 01:53
                                                  Das Phänomen: Zukunftsprognosen
                                                • 06:20
                                                  Wette 1: Wie geht die aktuelle Regierungsbildung in Deutschland aus?
                                                • 17:56
                                                  Wette 2: Erleben wir 2018 die Grundsteinlegung der Vereinigten Staaten von Europa?
                                                • 28:51
                                                  Wette 3: Wird die CSU die absolute Mehrheit in Bayern holen?
                                                • 36:30
                                                  Wette 4: Ist Donald Trump am 31.12.2018 noch Präsident der USA
                                                • 44:45
                                                  Voting: Wie wettet ihr?
                                                • 45:14
                                                  Zugabe: Echte Wettmöglichkeiten auf die Politik
                                                  55 min
                                                • Politische Bewegungen: Warum du nicht auch noch eine gründen solltest [Y Politik 4]
                                                  Neu ist hip. Aber die etablierten Organisationen bieten euch Vorteile.

                                                  Politische Bewegungen sind hip! Die junge Generation will ihr eigenes Ding machen und meidet etablierte Strukturen. Wir argumentieren dagegen. Anhand zweier Beispiele zeigen wir in Folge 4, welche Nachteile Neugründen mit sich bringt und warum bestehende Organisationen einen Versuch verdient haben. Aber wenn ihr am Ende der Folge immer noch euer Projekt starten wollt, dann hört in die Zugabe rein, in der wir euch zwei Hilfsmittel empfehlen. Denn wenn schon alles neu machen, dann auch besser.

                                                  Das Phänomen: Politische Bewegungen

                                                  Politische Bewegungen verfolgen ein gesellschaftspolitisches Ziel, das unabhängig vom etablierten Parteien- und Institutionensystem erreicht werden soll. Zum einen wird es in digitalen Zeiten immer einfacher, sich dezentral zu vernetzen und sich zu einer Bewegung zusammenzutun. Zum anderen klingt es auch wesentlich schicker und hipper, sich in einer Bewegung zu engagieren als zum Beispiel in einer Partei. Fast 15 Millionen Personen waren im Jahr 2017 in Deutschland ehrenamtlich tätig, aber nur ein kleiner teil davon politisch aktiv und noch weniger Mitglied von politischen Bewegungen.

                                                  Zivilgesellschaft und Stand up for Europe

                                                  In der Zivilgesellschaft stehen sich zwei Lager gegenüber: die “Alte Zivilgesellschaft”, mit vielen Mitgliedern, Ortsgebundenheit und Kongressen, gegen die “Digitale Zivilgesellschaft”, mit wenigen Aktivisten, zentraler Organisation und Onlinetools

                                                  Stand up for Europe gehört zu letzteren und versteht sich als Bürgerbewegung, die Hoffnung auf eine bessere europäische Zukunft schaffen will. Obwohl sie sich erst im Dezember 2016 aus drei Organisationen gegründet hat, sind bereits 1.600 bei ihnen Mitglied und 120.000 Fans ihrer Facebook-Seite. Trotzdem gibt es zwei Probleme mit “Stand up for Europe”.

                                                  Zum einen verfolgt die Organisation die gleichen Ziele, wie die Jungen Europäischen Förderalisten (JEF) und die Union Europäischer Föderalisten (UEF) – hat sich also klar als Konkurrenz gegründet, obwohl der europäische Föderalismus bereits schwach aufgestellt ist. Jetzt gilt: Volksfront von Judäa gegen Judäische Volksfront.

                                                  Zum anderen erscheint die Demokratie innerhalb von “Stand up for Europe” schwach ausgeprägt zu sein, wie die gescheiterten Vorstandswahlen auf dem Konvent Anfang November 2017 gezeigt haben. Bis Februar 2018 müssen diese laut Delegiertenbeschluss wiederholt werden. Dann wird sich zeigen, ob alle in der bisherigen Verbandsführung auch mögliche Abwahlen akzeptieren oder der Verband auseinanderbricht.

                                                  Das Plädoyer: verbindet das Alte mit dem Digitalen, bringt neue Ideen in etablierte und demokratisch organisierte Strukturen ein, anstatt euer eigener Boss sein zu wollen.

                                                  Parteien: Demokratie in Bewegung

                                                  Demokratie in Bewegung (DiB) hat sich im April 2017 als Partei im links-progressiven Spektrum neu gegründet. Sie ist formal damit als Partei organisiert, sieht sich selbst aber als Bewegung fernab der alten und etablierten Parteien. Auch wenn es begrüßenswert ist, dass DiB die Parteienlandschaft aufrütteln und Demokratie neu zu denken will, sprechen gegen Parteineugründungen vier Mythen über das Engagement in einer neuen Partei:

                                                  1. Es ist leichter, sich einzubringen
                                                  2. Es ist einfacher, sich mit den Positionen zu identifizieren
                                                  3. Die Organisationsstrukturen sind moderner
                                                  4. Man hat mehr Macht und Einfluss
                                                  5.  

                                                    Fazit der Folge 4 von Y Politik

                                                    Überlegt, welche Motivation ihr habt. Geht es darum, selbst zu glänzen oder wirklich um die Sache? Wenn es um die Sache geht, dann versucht es erst bei bestehenden Organisationen. Die bieten eine Grundlage, sind demokratisch verfasst und lechzen nach motivierten jungen Köpfen. Tretet lieber mit hundert Menschen in eine etablierte Organisation ein und verändert diese, als mit hundert Menschen eine neue Bewegung zu gründen.

                                                    Zugabe

                                                    Falls ihr trotz aller Gegenargumente immer noch eine neue politische Organisation gründen wollt, dann empfehlen wir euch:

                                                    Der NGO Leitfaden stellt vieles vor, das ihr zu einer Neugründung braucht, z.B. Projektmanagementtools, Content-Strategien oder Videogrundlagen. Er ist kostenlos und auf Deutsch.

                                                    Der Campaigning Guide liefert einen schnellen Rundumblick, was ihr bei einer Kampagne beachten müsst: vom Unterschied zwischen Bildung und Mobilisierung, über SMARTE Ziele, wie man Menschen vom Liken zum Machen bewegt oder wie man mit der Presse umgeht. Er ist in der Digitalversion kostenlos und auf Englisch.

                                                     

                                                    Du möchtest dich doch lieber als Mitglied in einer bestehenden Partei engagieren? Auch gut. Sie brauchen junge Engagierte:

                                                    • CDU
                                                    • SPD
                                                    • Grüne
                                                    • FDP
                                                    • Linke
                                                    • 48 min
                                                    • 2017: Warum junge Menschen das Jahr gerettet haben [Y Politik 3]
                                                      Unsere ganz persönliche Liste der Top 6 jungen politischen Influencer 2017

                                                      In dieser Folge schauen wir zurück auf das vergangene Jahr und setzen den krisenfokussierten Jahresrückblicken etwas entgegen. Denn wir erzählen euch, welche jungen Menschen 2017 gerettet haben. Wir stellen unsere ganz persönliche Liste der Top 6 politischen Influencer aus dem letzten Jahr zusammen und fragen, wer euer Nummer-1-Retter ist. In unserer Zugabe küren wir außerdem den Wettbewerb “Germany’s next BundeskanzlerIn” zum Flop des Jahres.

                                                      Junge Engagierte: In der Unterzahl

                                                      Als jung gilt man in der Politik sehr lange, mindestens bis 35. Trotzdem wird Politik vor allem von älteren Menschen gemacht, der sogenannten Babyboomer-Generation. Der Bundestag ist im Durchschnitt 49 Jahre alt und auch in der deutschen Bevölkerung sind 57,2% aller Menschen älter als 40 Jahre. Diese Alterskohorten sind daher besonders mächtig bei Wahlen. Das Brexit-Referendum, die Präsidenschaftswahl zwischen Donald Trump und Hillary Clinton sowie die Bundestagswahl 2017 wären anders ausgegangen, hätten nur junge Menschen entschieden. Entgegen der Vorwürfe sind viele junge Menschen von heute sehr politische interessiert, engagieren sich, wollen Debatten anstoßen und die Gesellschaft sowie ihre eigene Zukunft mitgestalten. Sechs von ihnen stellen wir euch in dieser Folge vor.

                                                      Shahak Shapira (29 Jahre)

                                                      Shahak Shapira ist Autor, Künstler und Satiriker und war in diesem Jahr vor allem an drei großen politischen Aktionen beteiligt. Mit “Yolocaust” stieß er eine Debatte über die Erinnerungskultur an den Holocaust an. Mit “#HeyTwitter” kritisierte er den nachlässigen Umgang von Twitter mit Hass-Tweets und zusammen mit der Partei “Die Partei” infiltrierte er 31 nichtöffentliche Facebook-Gruppen der AfD und machte deren Hass so für alle einsehbar. Er hat 2017 gerettet, weil er öffentlichkeitswirksam gegen Antisemitismus, Rassismus und Hetze vorgeht und dabei seinen Humor nicht verliert.

                                                      Diana Kinnert (26 Jahre)

                                                      Diana Kinnert ist Studentin, schreibt für verschiedene Medien und ist vor allem in der Politik unterwegs. Seit 2009 engagiert sie sich aktiv in der CDU. Dort fällt sie nicht nur dadurch auf, dass sie auf “Tattos und Frauen steht”, immer Basecap trägt und einen Migrationshintergrund hat, sondern vor allem auch durch ihre klaren Positionen. Dieses Jahr ist ihr erstes Buch erschienen “Für die Zukunft seh’ ich Schwarz. Plädoyer für einen modernen Konservatismus”. Sie hat 2017 gerettet, weil sie zeigt, dass Konservatismus nicht gleichzusetzen ist mit Leitkultur, sondern auch weltoffen, tolerant und modern geht.

                                                      Katja Sinko (27 Jahre)

                                                      Katja Sinko ist Mitinitiatorin von “The European Moment”, eine proeuropäische Kampagne, die Europaorganisationen und Unabhängige zusammen gebracht hat, um gemeinsam - und vor allem medienwirksam - für ein demokratisches Europa einzustehen. Die Initiative hat zum Beispiel im März 2017 den March for Europe in Berlin organisiert sowie eine Raddemo im Sommer und die Online-Petition “Mach’s europäisch” an den Bundestag. Sie hat 2017 gerettet, weil sie es geschafft hat viele Menschen für die europäische Sache zu mobilisieren.

                                                      Paulina Fröhlich (25 Jahre)

                                                      Paulina Fröhlich hat nach ihrem Studium die Initiative Kleiner Fünf gegründet, die zum Ziel hatte, dass bei der Bundestagswahl 2017 die Rechtspopulisten unter 5 Prozent bleiben. Auch langfristig setzen sie sich mit radikaler Höflichkeit, gut gemachten Leitfäden und unterschiedlichen Kampagnen gegen Rechtspopulismus und für demokratische Teilhabe ein. “Egal gibt es nicht” ist eine beeindruckende Langzeitdoku über Paulina und ihren ehrlichen Willen, Rechtspopulismus zu verstehen. Sie hat 2017 gerettet, weil sie nicht akzeptieren wollte, dass das erste Mal seit Jahrzehnten wieder Rechtsextreme in das deutsche Parlament einziehen.

                                                      Philipp Ruch (36 Jahre)

                                                      Philipp Ruch ist Aktionskünstler und Leiter des Zentrums für Politische Schönheit (ZPS), mit dem er die Gleichgültigkeit seiner Generation durchbrechen möchte. Eine der spektakulärsten und wichtigsten Aktionen 2017 ist das Holocaust-Mahnmal direkt vor Björn Höckes Haus, der Anfang des Jahres das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin als “Denkmal der Schande” bezeichnete. Er hat 2017 gerettet, weil er Höcke diese Ungeheuerlichkeit nicht hat durchgehen lassen.

                                                      Verena Hubertz (29 Jahre)

                                                      Verena Hubertz ist Gründerin eines Berliner Startups, Mitglied in der SPD und hat dieses Jahr zusammen mit weiteren Initiatorinnen die Initiative SPD++ ins Leben gerufen. Direkt nach der diesjährigen Bundestagswahl ging das Projekt online und hat sich zum Ziel gesetzt, die Partei jünger, weiblicher und vielfältiger zu machen - mit einer Revolution von unten. Auf dem Bundesparteitag im Dezember haben sie schon Erfolge erzielt. Sollte SPD++ Erfolg haben, dann wäre das nicht nur ein Lebenszeichen für die SPD, sondern für alle Parteien. Sie hat 2017 gerettet, weil sie gezeigt hat, dass es auch in großen Volksparteien möglich ist, Erneuerung anzustoßen.

                                                      51 min
                                                    • Bundestag: Warum wir das Parlament auslosen statt wählen sollten [Y Politik 01]
                                                      "Losen statt wählen", diese Idee besprechen Tanja Hille und Vincent Venus in der ersten Folge des Y Politik-Podcasts. Aufhänger ist, dass der Bundestag nach der Bundestagswahl 2017 die Gesellschaft nicht mehr abbildet. Ein gelostes Parlament wäre ausgeglichener was Geschlecht, Bildung, Alter und Berufe anging – hätte allerdings auch einen großen Nachteil. In der Zugabe der Folge lernt ihr einen schlauen Belgier kennen sowie eine Initiative, die mit Spenden einen gelosten BürgerInnenrat aufbauen will.
                                                      38 min

                                                    About Y Politik-Podcast | Lösungen für das 3. Jahrtausend

                                                    From the publisher's feed

                                                    Politik bedeutet schon immer Probleme anzugehen. Aber das dritte Jahrtausend braucht neue Lösungen. Diese stellen Tanja Hille & Vincent Venus im Y Politik-Podcast vor – nicht neutral, niemals…