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Warum machen Menschen Politik-Podcasts? Was ist das Besondere an dem Format? Wie werden sie produziert? Und welche Bedeutung haben sie im Podcast-Universum? Nach 50 Folgen des Y Politik-Podcasts drücken wir die STOP-Taste und stellen uns diese grundsätzlichen Fragen.
Für deren Beantwortung haben wir uns Verstärkung geholt von den MacherInnen dreier sehr unterschiedlicher Politik-Podcasts: Nadine Lindner von “Der Politik Podcast” des Deutschlandfunks, Gregor Schwung von “Politik mit Schwung” und Eva Schulz von “Deutschland 3000 - ‘ne gute Stunde mit Eva Schulz” haben uns Einblicke hinter die Kulissen ihrer Produktionen gewährt.
Darüber hinaus haben auch wir, Tanja und Vincent, darüber reflektiert, warum und wie wir unseren Politik-Podcast “Y Politik” produzieren. Um herauszufinden, welche Bedeutung das Genre Politik-Podcast im Vergleich zu anderen Themen hat, haben wir Spotify für einige spannende Statistiken angefragt.
Zeitung, Radio, Fernsehen, Blogs, Magazine, Videos, Stories – es gäbe viele mediale Kanäle, um Inhalte zu verbreiten. Wir wollten wissen, warum sich unsere Gäste für einen Podcast entschieden haben, um Politik zu vermitteln.
Nadine Lindner vom Deutschlandfunk genießt die Länge des Formats, die es ihr erlaubt, in die Tiefe zu gehen. Gerade für Politik-Redaktionen von Radiosendern sind Podcasts eine gute Ergänzung zu den sonst üblichen kurzen Formaten.
Neben der theoretisch unbegrenzten Länge ist auch die Freiheit in der Themensetzung ein Vorteil des Mediums Podcast. Für unabhängige PodcasterInnen wie Gregor Schwung oder uns bieten Podcasts die Möglichkeit, Inhalte nach den eigenen Vorlieben festzulegen und auf die jeweilige Zielgruppe auszurichten.
Eva Schulz betonte die freie Gestaltung der jeweiligen Folgen, wodurch auch die persönliche Erfahrungen eine politische Aussage entfalten könnten.
Die wichtigste Frage bei der Produktion eines Politik-Podcasts ist die des Themas. Wie wird es ausgewählt? Was ist relevant für den eigenen Podcast und was ist in anderen Medien besser aufgehoben?
Hierbei kommt es sehr auf das Konzept des Formats an. Gregor Schwung möchte das wichtigste Thema der Woche analysieren. Welches das ist, entscheidet er allein.
Nadine Lindner muss auch praktische Beschränkungen der Redaktionsarbeit berücksichtigen: Wer ist mit welcher Expertise im Haus und hat Zeit für die Aufnahme? Da kann es auch schon mal passieren, dass sich das Thema von “Der Politik Podcast” kurzfristig ändert.
Unter den Politik-Podcasts gibt es jedoch nicht nur themengetriebene Konzepte. Bei Deutschland3000 ergeben sich die Inhalte zusammen mit den Gästen und ihrem persönlichen Bezug zu gesellschaftlichen Themen.
Podcasts haben in der Produktion den Vorteil, dass sie sehr viel einfacher anzufertigen sind als Videoformate. Laut Nadine Lindner braucht es für den Außeneinsatz nicht viel mehr als ein Headset und Handy, wobei für reguläre Aufnahmen vollwertige Mikrofone verwendet werden. Wir von Y Politik nehmen beispielsweise mit zwei USB-Mikrofonen auf und benötigen neben diesen nur einen Laptop, zwei Kopfhörer und einen ruhigen Raum.
Die Landschaft der deutschen Politik-Podcasts wird dominiert von den Produkten der professionellen Redaktionen. Diese veröffentlichen zumeist Formate, die sie fürs Radio entwickelt haben. Mit “Der Politik Podcast”, “Stimmenfang” oder “Das Politikteil” produzieren große Medienhäuser allerdings zunehmend auch Sendungen, die ausschließlich als Podcast vertrieben werden. Die Übermacht der professionellen Politik-Podcasts erschwert unabhängigen PodcasterInnen zwar etwas den Einstieg, weil die Profis die Messlatte hochsetzen. Dafür leistet aber gerade diese Qualität auch einen Beitrag für faktenbasierte Debatten in einer Demokratie.
Um herauszufinden welche Rolle Politik-Podcasts im Podcast-Universum spielen, haben wir Spotify, Deutschlands meistgenutztes Podcast-Portal, um Einblicke gebeten. Im Juli 2020:
Du hast Lust, weitere Politik-Podcasts kennenzulernen? In Folge 16 von Y Politik stellen wir sechs Formate vor – und Empfehlungen unserer HörerInnen. Und auf Twitter haben wir für Euch eine Liste mit deutschen Politik-Podcasts erstellt.
Nach knapp drei Jahren Y Politik und 50 Folgen ist es höchste Zeit, dass wir uns bei Euch bedanken: für 53.000 mal Zuhören, über 2.000 mal Abonnieren, viele Diskussionen und Eure Themenvorschläge. Obwohl wir nun ungeplant drei Monate aussetzen mussten, haben viele von Euch einfach ältere Folgen gehört. Das freut uns! Meldet Euch gerne mit Anregungen auf Twitter, Instagram, Facebook oder per E-Mail.
Fühlt ihr euch als EuropäerIn? Oder doch mehr als Deutsche, Franzose, Dänin oder Pole? Beide Identitäten werden in der politischen Debatte immer sichtbarer: NationalistInnen prallen auf Menschen, die an eine Gesellschaft jenseits des Nationalstaats glauben.
In Folge 49 stellt Vincent eine Idee vor, die das Gemeinschaftsgefühl in Europa wahrscheinlich mehr steigern wird, als es das Erasmus-Programm je geschafft hat: Europa-Ferien. Das Gemeinschaftsgefühl ist wichtig, denn ohne es kann es keine Demokratie geben.
In den letzten zehn Jahren wurden kaum Fortschritte in der europäischen Demokratie erzielt. Die nationalen Regierungen haben die Euro-Rettung zwischen sich ausgemacht, also intergouvernemental geregelt. Das Europaparlament wurde geschwächt, weil seine SpitzenkandidatInnen im Europawahlkampf 2019 ignoriert wurden. Die EuropäerInnen selbst wurden von nationalistischen Regierungen und Medien gegeneinander ausgespielt mit Erzählungen wie die der “faulen Griechen” oder “herzlosen Deutschen”.
Überraschenderweise ist das Europagefühl in den repräsentativen Eurobarometer-Umfragen im Vergleich zu 2010 trotzdem gestiegen: 2019 identifizierten sich mehr EuropäerInnen als EU-BürgerIn (70 %), mehr fühlten sich als EuropäerIn (66 %) und mehr waren zufrieden mit der EU-Demokratie (55 %).
Das heißt aber auch, dass fast 30 Jahre nach Gründung der Europäischen Union 1992 sich immer noch 30 % nicht als EU-BürgerIn sehen, sich 33 % ausschließlich ihrem Nationalstaat zugehörig fühlen und 45 % nicht mit der Demokratie zufrieden sind. Es bleibt also die Frage: Wie kann man das Zugehörigkeitsgefühl zu und die Begeisterung für die europäische Demokratie steigern?
Die Idee ist einfach und genial: Alle EuropäerInnen bekommen zum 18. Geburtstag ein kostenloses Interrail-Ticket vom Staat finanziert. 2018 wurde dies bereits testweise umgesetzt nach einer Kampagne des Autorenduos “Herr und Speer”.
Durch eine Europareise mit dem Zug erlebt man die EU hautnah und direkt, was man vorher nur aus Medien oder dem Schulunterricht kannte. Man trifft auf EU-BürgerInnen aus anderen Ländern, mit anderen Sprachen und Kulturen, entdeckt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die Möglichkeit einer kostenlosen Interrail-Reise soll jungen Menschen aus Europa diese gemeinsame Erfahrung ermöglichen und so den europäischen Gemeinschaftssinn stärken.
FreeInterrail hat viele Fans, aber auch ein paar Kritikpunkte: Zum einen kann man nicht vorhersagen, wie das Ticket eingesetzt werden wird. Die Jugendlichen könnten auch einfach in großen Gruppen an den Strand fahren und damit keinen Kontakt zu Einheimischen und anderen EuropäerInnen suchen. Oder sie können nicht losfahren, weil der Urlaub zu teuer ist. Denn auch wenn das Ticket kostenlos wäre, kämen noch Kosten für Verpflegung und Unterkunft dazu.
Damit ist das Risiko groß, dass FreeInterrail nur dem finanziell besser gestellten Teil der Jugendlichen zu Gute kommt. Wie könnte der Austausch in Europa gefördert werden, ohne dabei Ärmere auszuschließen?
Wäre ein verpflichtender europäischer Austausch für alle jungen EuropäerInnen nicht die Idee, um die europäische Demokratie zu stärken? Statt zum Bund ginge es nach Europa!
In höheren Klassen machen bereits einige SchülerInnen einen Austausch bei Familien in anderen EU-Länder. Dabei lernen sie nicht nur viel über die europäischen Nachbarländer, sondern auch deren Alltag, die Sprache und Kultur. Diese Angeboten für einige wenige könnten für alle ausgebaut werden.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Was jedoch dagegen sprechen könnte, ist, dass Familien sehr verschieden sind und auch unterschiedliche Möglichkeiten haben, Jugendliche bei sich aufzunehmen oder ihnen ein gutes Umfeld zu bieten. Aus diesem Grund und wegen Sicherheitsbedenken ist eine andere Idee noch überzeugender.
Die Idee: Jedes Kind macht in der 9. oder 10. Klasse drei Wochen Europa-Ferien – bezahlt von der Europäischen Union. Damit diese Ferien auch die europäische Demokratie fördern, müssten sie besonders gestaltet sein: Zum Beispiel sollten die Kinder jeweils in einem anderen Land die Ferien absolvieren. Die Kleingruppen sollten nach Nationalitäten gemischt sein und zwischendurch Wissen über die EU vermittelt werden.
Jugendferienlager sind in vielen europäischen Ländern ein bekanntes Konzept und es gibt bereits Anbieter ähnlicher Events, die die Europa-Ferien in ihr Portfolio aufnehmen könnten. Damit wären Europa-Ferien sowohl mit hohen Qualitätsmaßstäben als auch sicher umsetzbar. Der nette Nebeneffekt für die Eltern ist, dass ihre Kinder für drei Wochen während den Sommerferien betreut wären.
Natürlich muss die Idee auch staatlich finanziert werden, damit niemand ausgeschlossen wird. Laut Netmoms.de kostet eine Woche Ferienlager bei ehrenamtlichen Anbietern bis zu 130 Euro/Woche. Für 500 Euro bekäme man also drei Wochen Ferien sowie die Anfahrt finanziert. Damit sind die Europa-Ferien für den Staat so teuer wie ein Interrail-Globalpass, bei dem jedoch Unterkunft und Verpflegung noch oben drauf kommen.
EU-weit belaufen sich die Kosten – sehr grob geschätzt – auf 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist zwar eine sehr große Summe, aber immer noch günstiger als das Erasmus+-Programm mit ca. 3 Milliarden Euro pro Jahr. Und von letzterem profitieren ja vor allem Studierende.
Über das DiscoverEU-Programm werden seit 2018 jedes Jahr 30.000 kostenlose Free Interrail-Tickets verlost. Auch dieses Jahr soll noch eine Verlosung stattfindet. Wenn ihr also um die 18 Jahre alt seid (oder jemand passenden kennt), dann besucht die Seite – und entdeckt Europa!
Wenn Dich diese Folge zu den Europa-Ferien interessiert hat, dann höre doch rein in Folge 27. In dieser besprechen wir mit Kommunikationsberater Johannes Hillje, warum eine europäische Öffentlichkeit so wichtig ist – und wie wir sie erreichen.
Bei einem sind sich alle Stammtische dieser Republik einig: Wenn SpitzenpolitikerInnen nach ihrer Amtszeit in die Wirtschaft wechseln, dann riecht das nach Korruption. Beispiele für umstrittene Wechsel gibt es einige: Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, der nach seiner Kanzlerschaft bei Nord Stream einstieg, oder die Ex-Bundesminister Ronald Pofalla und Dirk Niebel. Der eine wechselte zur Deutschen Bahn, der andere zu Rheinmetall.
Derartige “Drehtürkarrieren” direkt von der Politik in die Wirtschaft haben immer ein Geschmäckle, insbesondere wenn Interessenskonflikte im Spiel sind. Aber was ist eine berufliche Alternative für SpitzenpolitikerInnen nach ihrem Mandat? In Folge 48 erläutern wir, warum nicht der Wechsel von der Politik in die Wirtschaft oder gar Lobbyismus an sich das Problem ist, sondern die fehlende Kontrolle des Lobbyismus.
Anfang des Jahres 2020 wurde bekannt, dass der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewählt wurde. Im Mai 2020 gab es eine ähnliche Meldung: Laut Medienberichten wird Andrea Nahles ab August 2020 Leiterin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation werden – eine Unterbehörde mit rund 1400 Beschäftigten, die die Ansprüche der Beamten des früheren Staatsunternehmens Deutsche Bundespost betreut. Damit schlug sie nach ihrem Rücktritt als Partei- und Fraktionschefin zwar einen anderen Weg ein, doch auch Andrea Nahles steht in der Kritik.
Obwohl ihr neuer Job weder in der Wirtschaft noch im Lobbyismus angesiedelt ist, wird er kritisch kommentiert wie beispielsweise vom Handelsblatt als “Job mit Beigeschmack”. Es scheint, dass man als PolitikerIn nicht nur während der Amtszeit viel falsch machen kann, sondern auch danach wenig richtig.
Das Problem ist eigentlich nicht, dass Menschen nach politischen Karrieren einen Job in der Wirtschaft ergreifen (irgendwas müssen sie ja arbeiten), sondern wie sie ihre politischen Netzwerke und ihr Insiderwissen dort dann nutzen. Der Interessenkonflikt zwischen Politik und Wirtschaft wird zu einem Problem, wenn sich Unternehmen unlautere Vorteile verschaffen, indem sie ehemalige PolitikerInnen unmittelbar nach deren Amtszeit bei sich einstellen.
Von richtiger Korruption könnte man dann sprechen, wenn bereits während der Mandatszeit über eine Folgebeschäftigung verhandelt wird und dadurch politische Entscheidungen zu Gunsten des neuen Arbeitgeber beeinflusst würden. Dass eine derartige Bevorteilung während der Amtszeit in Deutschland passiert, kann wissenschaftlich jedoch nicht bestätigt werden.
Die Frage muss also sein: Wie kann verhindert werden, dass ausscheidende PolitikerInnen ihre Machtposition für die Interessen einzelner Wirtschaftsunternehmen missbrauchen?
Eine Karenzzeit ist die naheliegendste Lösung, wenn man den schnellen Wechsel von der Politik in die Wirtschaft unterbinden möchte. Sie ist eine Art Sperrfrist oder auch Abkühlungsphase, die regelt, dass eine bestimmte Frist eingehalten werden muss, bevor PolitikerInnen nach dem Ausscheiden aus ihrem Amt eine neue Position außerhalb der Politik antreten dürfen. Dadurch sollen Interessenskonflikte zwischen der neuen und der alten Stelle vermieden werden.
In Deutschland gibt es seit Juli 2015 ein Karenzzeit-Gesetz für PolitikerInnen auf nationaler Ebene. Sie umfasst die Kanzlerin, MinisterInnen sowie Parlamentarische StaatssekretärInnen. Einige deutsche Bundesländer haben ähnliche Regelungen einer verbindlichen Karenzzeit übernommen.
Die seit 2015 geltende Sperrfrist kann aktuell zwischen 12 und 18 Monaten nach Ausscheiden betragen. In dieser Zeit muss eine Beschäftigung außerhalb des öffentlichen Dienstes angezeigt werden und auf Interessenkonflikte geprüft werden. Für die Prüfung wurde eine 3-köpfige Kommission eingerichtet aus dem einstigen Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU), Ex-Verfassungsrichter Michael Gerhardt und der ehemaligen Hamburger Senatorin Krista Sager (Grüne). Sie sprechen mit Wechselwilligen und überprüfen deren Lebensläufe. Bei Verstößen ist die Kommission jedoch relativ machtlos: echte Sanktionen gibt es nicht. Und die Dauer von 12 bis 18 Monate wird von den Transparenzorganisationen Lobbycontrol und Transparency Deutschland als zu kurz kritisiert.
Das Karenzzeit-Gesetz muss verbessert werden. Als Beispiel dafür kann Kanada dienen. Zum einen gibt es dort eine Sperrfrist von ganzen fünf Jahren und zum anderen ein strenges Lobbyregister. Letzteres hilft, die Karenzzeit durchzusetzen. Das Registrierungs- und Meldesystem ist verpflichtend für alle als Lobbyisten tätigen Personen. Diese müssen bei der Registrierung nicht nur ihre persönlichen Daten angeben, sondern auch alle ihre Klienten, der Bereich ihrer Lobbyarbeit und jegliche öffentlichen Ämter, die sie bisher innehatten. Ein eigener Kommissar für Interessenskonflikte berät und überprüft PolitikerInnen und LobbyistInnen. Bei einem Verstoß kann kann die Kommission Strafen bis zu 34.000 Euro verhängen.
Ihr seid für klare und strenge Regeln, die geheimen Lobbyismus verhindern können? Dann unterstützt die Petition “Schluss mit geheimem Lobbyismus!” von abgeordnetenwatch.de.
Welche Macht haben Zahlen in der Politik? Wir zeigen, dass Statistiken oft nicht objektiv sind, in die Irre führen und sogar Menschenleben kosten können. Dafür nehmen wir in Folge 47 das berühmte Bruttoinlandsprodukt auseinander und legen dar, wie die Hälfte der Bevölkerung in vielen Statistiken ignoriert wird. In der Zugabe belegen wir anhand unserer eigenen Podcast-Statistiken, dass selbst eindeutige Zahlen Interpretationsspielräume lassen.
Zahlen scheinen objektiv und neutral, das sind sie aber nicht. Vielmehr sind sie interpretationswürdig, abhängig vom Kontext und nicht wert- oder ideologiefrei. Dies ist vor allem bei Zahlen der Fall, die in der Politik verwendet werden. Denn diese beruhen meistens auf einer Berechnung, die wiederum bestimmte Annahmen über die Welt trifft, ungenau sein kann und dadurch niemals wert- oder ideologiefrei ist.
Mit Zahlen wird versucht, die Realität in einen Wert zu pressen. Dadurch kann sie immer nur einen Teilausschnitt unserer Welt beschreiben und niemals ein umfassendes Bild darstellen. Das Zählbare steht im Vordergrund und schwierig Zählbares wird ignoriert. Allein aus diesem Grund sollten Zahlen allein nie eine ausreichende Grundlage für politische Entscheidungen sein.
In Debatten werden Zahlen gerne als Argumente eingebracht. Zum einen scheinen sie Orientierung zu bieten in einer großen, komplexen und unübersichtlichen Welt. Zum anderen vermitteln sie Kompetenz und Sicherheit. Eine Statistik ist auch gerne mal ein “Totschlagargument”, das nicht weiter erklärt werden muss. Eine Zahl kann selten schnell überprüft werden und steht so oft für sich. Deshalb ist es umso wichtiger, kritisch mit ihnen umzugehen – insbesondere jetzt, wo durch die Corona-Pandemie ein großes Verlangen nach eindeutigen Zahlen in der Politik gibt.
Dabei kann es diese Eindeutigkeit noch gar nicht geben, denn die Wissenschaft ist noch mitten dabei, das Virus und seine Ausbreitung zu untersuchen. Aktuell ist der Reproduktionsfaktor (Mai 2020) die wichtigste Zahl. Sie entscheidet darüber, ob Grenzen geschlossen werden, wen wir sehen dürfen und ob die Schulen öffnen. Im März hingegen wurde vor allem noch über die Verdopplungszeit geredet.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Corona-Zahlen von verschiedenen Ländern oftmals nicht miteinander vergleichbar sind. Ja, die Zahlen können verwirrend sein und sie werden es auch erstmal bleiben, solange wir noch mittendrin in der Entwicklung sind. Die Politik und die Gesellschaft müssen lernen mit unsicheren Zahlen umzugehen.
Die wohl mächtigste politische Zahl hat erst vor wenigen Tagen wieder für einige Schlagzeilen gesorgt: Das Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal 2020 um 2,2 Prozent gesunken aufgrund der Corona-Pandemie. Die Regierung denkt nun an Milliardeninvestitionen, um das Wachstum wieder anzukurbeln. Das BIP ist die eine Zahl, die ausreicht, damit alle scheinbar wissen, was die neueste WIrtschaftsentwicklung bedeutet und wie jetzt gehandelt werden muss.
Um die Wirkmächtigkeit und die Grenzen ihrer Aussagekraft zu verstehen, müssen wir uns die Definition und Geschichte des Bruttoinlandsprodukts anschauen: Das BIP ist eine konstruierte Zahl und das Ergebnis von Entscheidungen und Berechnungen. Sie erfasst den Wert der im Inland erwirtschafteten Leistungen einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Das BIP ist also die Summer der produzierten Güter und Dienstleistungen, die jeweils mit einem Geldwert versehen wurden.
Auch wenn die Zahl für uns nicht mehr weg zu denken ist, ganz so lange gibt es das BIP noch nicht. Es wurde im zweiten Weltkrieg und in den USA populär, um die auf Krieg umgestellte Wirtschaft steuern zu können.
Es gibt einiges an Kritik am BIP auszusetzen:
Eine goldene Zahl, die all dies erfasst, wird es nicht geben, aber mit alternativen Indikatoren kann man sich dem Wohlstand von Gesellschaften besser annähern und verdeutlichen, wie beschränkt unsere Perspektive mit dem BIP als Indikator ist.
Alternative Indikatoren zum BIP könnten:
Umgesetzt wurden einige dieser Verbesserungen im Better Life Index der OECD. Für diesen Index werden verschiedene “harte” und “weiche” Faktoren gewichtet zusammengefasst. Im Ranking der (wirtschaftlich starken) 37 OECD-Staaten landet Deutschland dabei auf Platz 15. Ein weiterer Vorteil des Better Life Index ist, dass man ihn auf der Webseite selbst nach den eigenen Prioritäten gewichten kann. Wie aber bei allen politischen Zahlen kann man aber auch am Better Life Index Kritik üben.
Hauptquelle: “Die Macht der einen Zahl”. Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts vom Politikwissenschaftler Philipp Lepenies. In der Kurzversion als Radiofeature bei Deutschlandfunk Kultur.
In einer digitalisierten und datengetriebenen Welt haben Zahlen einen großen Einfluss auf unser Leben. Das Problem ist, dass die Datengrundlage in vielen Fällen eine Hälfte der Bevölkerung vergisst, nämlich die Frauen.
Werden bestimmte Dinge nach einer Durchschnittsgröße eingerichtet, ist damit z.B. in fast allen Fällen die männliche Durchschnittsgröße gemeint. Der Mann gilt in vielen Bereichen als der Standardmensch und die Frau als Abweichung davon. Wenn du beispielsweise nicht an das oberste Supermarktregal herankommst oder automatische Türen sich nur mit dem Wedeln deiner Arme öffnen oder Autogurte in deinen Hals schneiden, kann es daran liegen, dass du eine Frau bist. Bei der Konzeption wurde die Durchschnittsfrau einfach ignoriert.
Das Problem ist, dass es für Frauen nicht nur unangenehm und oft umständlich ist, in einer Welt zu leben, die für Männer designt worden ist, sondern sogar tödlich sein kann.
Ein erschreckendes Beispiel dafür ist die Unfallstatistik. Frauen sind weniger in Autounfälle verwickelt als Männer. Trotzdem erleiden sie 17 Prozent mehr unfallbedingte tödliche Verletzungen. Ein Grund dafür ist, dass Frauen gefährlicher sitzen. Da sie oft kleiner als die Durchschnittsmänner sind, sitzen sie höher und weiter vorne, was die Gefahr für Verletzungen der Organe und Beine bei einem starken Aufprall erhöht.
In der EU werden bei jedem zugelassenen Auto mindestens fünf Tests mit Crashtest-Dummies durchgeführt, aber fast ausschließlich mit einem sogenannten “50-Perzentil-Mann”, der 175 cm groß ist, 78 kg wiegt und die Muskelverteilung und den Wirbelsäulenaufbau eines Mannes aufweist. Aus diesem Grund sind Autos für Männer im Durchschnitt sicherer gebaut als für Frauen.
Weitere gefährliche Beispiele sind Medikamente, die nur an Männer getestet werden und bei Frauen ganz anders wirken. Auch Herzinfarkte werden oft nicht erkannt, weil Frauen andere Symptome aufweisen als Männer. Letztere gelten in der Medizin meistens noch als der menschliche “Standardkörper”.
Die Lösung ist einfach und schwierig zugleich, denn die Ungleichheit ist keine Männerverschwörung, sondern oft eine unterbewusster Diskriminierung. Ein Blinder Fleck, der zu häufig übersehen wird und sich dadurch wiederholt.
Vier Hebel, um die weibliche Perspektive bei der Gestaltung der Welt einzubeziehen:
Hauptquelle: Das Buch “Unsichtbare Frauen. Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert” von Caroline Criado- Perez.
Eine fortwährende Diskussion zwischen Vincent und Tanja ist, ob unsere Folgen zu lang sind. Um diese zu beantworten haben wir deshalb unsere Spotify-Zahlen ausgewertet. Hier die drei bisher relevantesten Erkenntnisse:
Bedeuten diese Ergebnisse nun, dass wir kürzere Folgen machen sollten? Die Zahlen sprechen dagegen – und dafür. Wie bei allen Zahlen müssen wir also eine Abwägung treffen. Und am besten holen wir uns vorher noch qualitative Rückmeldungen* ein, damit wir uns nicht nur auf Zahlen verlassen müssen. ;-)
* Schreibt gerne eure Meinung dazu in die Kommentare oder an [email protected].
Einsamkeit ist kein individuelles Problem, um das sich jeder nur privat kümmern sollte. Denn Einsamkeit wird begünstigt durch die Art wie wir als moderne Menschen leben und durch die Strukturen, die uns umgeben. Die Politik kann diese Rahmenbedingungen gestalten und menschenfreundlicher machen. In Folge 46 schlagen wir daher zwei Lösungen vor, was die Politik gegen die Einsamkeit tun kann.
Einsamkeit ist tödlicher als Übergewicht und soll genauso tödlich sein wie eine Schachtel Zigaretten am Tag. Noch dazu nimmt das Phänomen Einsamkeit zu. Immer mehr Menschen fühlen sich einsam und leiden darunter. Schnell denkt man dabei an ältere Menschen, die alleine leben, z.B. weil sie ihren Partner oder ihre Partnerin verloren haben. Einsamkeit betrifft jedoch alle Altersgruppen und nimmt auch bei jüngeren Generationen wie der Generation Y zu.
Insgesamt sollen 10 bis 15 Prozent der Deutschen unter Einsamkeit leiden. Bei den über 85-Jährigen sind es sogar 20 Prozent. Die Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie halten nun schon seit Wochen an und werden das Problem der Einsamkeit höchstwahrscheinlich verstärken. Vor allem Singles befürchten, dass jetzt einsame Wochen anstehen.
Großbritannien hat es vorgemacht und zu Beginn des Jahres 2018 ein Einsamkeitsministerium gegründetAuch in Deutschland wäre das denkbar angesichts der zunehmenden Vereinsamung (Es gibt aber auch kritische Stimmen). Was würde passieren, wenn Deutschland ein Einsamkeitsministerium hätte?
Symbolischer Akt
Aufmerksamkeit und Bewusstsein
Klare Verantwortungszuschreibung
Vorabprüfung politischer Maßnahmen
Maßnahmen und Gesetze gegen Einsamkeit
Informationskampagnen gegen Einsamkeit durchführen
Wenn es darum geht, die Umgebung an die menschlichen Bedürfnisse anzupassen, um Wohlbefinden zu steigern, müssen wir auch unser derzeitiges Wohnen hinterfragen. Der dänische Architekturprofessor Jan Gehl hat in seinem Buch “Städte für Menschen” Faktoren definiert, die eine menschenfreundliche Stadt ausmachen:
Positiv- und Negativ-Beispiele für lebenswerte Städte, die Einsamkeit verringern könnten:
Ein zweiter Aspekt unseres modernen Wohnens ist die große Anzahl an Single-Haushalten. In vier von zehn Haushalten lebt nur eine Person und das kann das Risiko für psychische Krankheiten erhöhen. Wer allein lebt, leidet ungefähr doppelt so oft an einer psychischen Erkrankung wie andere. Es gibt neue Wohnlösungen, die mehr Gemeinschaft ermöglichen und die der Staat fördern kann, was er teilweise auch bereits macht: Mehrgenerationenhäuser und Wohnprojekte mit gemeinsam genutzten Sozialräumen sind ein Weg, genauso wie Senioren-WGs.
Die Podcasterin von Herrengedeck, Ariana Baborie, hat auf ihrem Instagram-Kanal von Psychologinnen, Therapeuten und Betroffene Tipps gegen Einsamkeit gesammelt und kompakt veröffentlicht.
Lest ihre 20 Tipps, um euch zu stärken, wenn ihr Depressionen habt, Angststörungen oder schlecht alleine sein könnt und die Corona-Zeit mit Quarantäne, Ausgangssperren und Kontaktverbot für euch besonders schwer ist.
Darunter auch einige Programme, die mit Expertinnen und Experten gemeinsam entwickelt wurde und während Corona kostenfreie Angebot machen, wie z.B. die App SELFAPY.
Die Menschheit ist verletzlich. Das zeigt uns der Coronavirus. Dabei ist die weltweite Pandemie noch nicht einmal die größte Gefahr für uns Menschen. Darum machen wir uns in Folge 45 auf die Suche nach einem Backup für die Menschheit. Wie schützen wir unsere Existenz? Wie bewahren wir unser Wissen?
Die größten Risiken für die Existenz der Menschheit sind laut einem Bericht der Global Challenges Foundation:
Es gibt unfassbar viele Menschen und Initiativen, die sich Gedanken darüber machen, wie das Wissen unserer Zivilisation bewahrt wird. Das mag auch daran liegen, dass unser Zeitalter stärker vom Vergessen bedroht ist als die vorherigen. Es gibt zwar sehr viel mehr Informationen als früher, aber überwiegend in digitaler Form. CDs und DVDs sind nicht länger als ein paar Jahre haltbar und selbst Festplatten und USB-Sticks, die als Archiv verwendet werden, gehen nach maximal ca. 30 Jahren kaputt.
Anders hingegen Papier und Pergament, das bis zu mehrere hundert Jahre haltbar ist. Sogar bis zu 10.000 Jahre können Keramiktafeln Wissen speichern. Obwohl es früher weitaus weniger Informationen gab, wird man über die Generationen vor uns mehr erfahren können, als über uns – es sei denn wir langzeitarchivieren.
Warum? Die Voyager Golden Record enthält eine Botschaft an außerirdisches intelligentes Leben über die Menschheit.
Wie? Eine Datenplatte aus Kupfer, die vergoldet ist, um nicht zu rosten. Diese Platte wurde 1977 mit den Raumsonden Voyager 1 und 2 ins Weltall geschossen und soll dort noch in 500 Millionen Jahren auffindbar sein.
Was? Zahlreiche und verschiedene kuratierte Bild- und Audioinformationen über die Erde und die Menschheit, u.a. Grußbotschaften in verschiedenen Sprachen, Tiergeräusche und Musik.
Auch ein aktuelles Projekt schickt das Wissen der Menschheit ins Weltall - genauer gesagt die gesamte englischsprachige Wikipedia auf den Mond. Und auch der Tesla-Gründer Elon Musk ist involviert und hilft der Arch Mission Foundation bei einem Projekt.
Warum? Es soll ein Geschenk an unsere Enkel in einer fernen Zukunft sein, damit sie sich an uns erinnern und unsere Zeit nicht vergessen.
Wie? Keramaiktafeln (20 x 20 cm), auf die bis zu 50.000 Zeichen gedruckt werden können. Gebrannt und in Keramikboxen nummeriert werden sie in einer Salzmine in Hallstatt (Österreich) gelagert. Dort können sie bis zu 1 Million Jahre bestehen. Mit Tokens, auf denen der Standort abgebildet ist, kann das Archiv wiedergefunden werden.
Was? Kein kuratiertes Museum, sondern vielmehr ein Schnappschuss unserer Zeit mit u.a. den 1.000 wichtigsten Bücher, aber auch Facebook-Posts, Blogs, Protokolle von Konferenzen zu aktuellen Themen und auch Darstellungen des alltäglichen Lebens wie Hochzeitsfotos, Diplomarbeiten, Kochrezepte. Eine besonders nützliche Information für die Zukunft sind auch die genauen Standorte der Atommülllagerstätten.
Warum? Die Arten- und Kulturpfanzenvielfalt der Erde erhalten, langfristig und auch über Kriege und Naturkatastrophen hinweg. Insbesondere ausreichend Saatgut für zur Ernährung wichtiger Lebensmittel wie Reis, Weizen, Kartoffeln, Nüsse.
Wie? Ein Tresor in einem Bunker auf der norwegischen Insel Spitzbergen.
Was? Mehr als eine Million Samen aus der ganzen Welt.
Warum? Es wird geschätzt, dass ca. 50 bis 90 Prozent aller Sprachen auf der Welt im Laufe des nächsten Jahrhunderts verschwinden werden.
Wie? Auf einer fein geätzten Scheibe aus einer Nickellegierung soll das Archiv mit optischen Hilfsmittel über 10.000 Jahre lang lesbar sein.
Was? Informationen zu mehr als 1.500 menschlichen Sprachen.
Für verschiedene existenzbedrohende Szenarien gibt es unterschiedliche Maßnahmen zur Rettung der Menschheit: Isolation, Bunker oder die Besiedelung eines weiteren Planeten.
Es gibt sogar Schätzungen darüber, wie viele Menschen überleben müssten, um eine neue gesunde Bevölkerung aufzubauen. Möglicherweise könnten 160 überlebende Menschen ausreichen, um die genetische Vielfalt zu bewahren. Wenn man Folgekatastrophen mit einberechnet, bräuchte es aber 14.000 Menschen.
Drei Möglichkeiten, wie die Menschheit in großen Krisen überleben kann:
Gerade vor der Gefahr von Pandemien, die sich schneller ausbreiten, je vernetzter die Menschen sind, würde Isolation helfen. Diese nützt aber nur sofern eine Gegend wirklich konsequent abgeriegelt werden kann. Das ist heutzutage fast nicht mehr möglich und birgt auch die Gefahr, dass ein späteres Ankommen der Krankheit umso stärkere Auswirkungen hat. Das zeigte auch der Landkreis “Gunnison” in Colorado während der Spanischen Grippe 1918. In einem Pandemie-Szenario könnten von der restlichen Menschheit abgeschotteten Völker, wie beispielsweise die Ureinwohner von Nord-Sentinel, am Ende der Geschichte die Überlebenden sein.
Während des Kalten Krieges hat der Staat auch in Deutschland noch Atomschutzbunker betrieben. Seit 2007 gibt es hier allerdings keine staatlichen Schutzräume mehr. Reiche Menschen haben allerdings weiterhin die Möglichkeit, sich einen Bunker in Deutschland zu leisten: Über das Projekt Europa One kann man sich ein Apartment im Luxusbunker kaufen (für mindestens zwei Millionen Euro pro Apartment). In den USA, Kansas, kaufen sich die Silicon Valley-Milliardäre in das “Survival Condo” ein. Und falls was passieren sollte, werden sie in gepanzerten Wagen von Söldnern abgeholt.
Der Planet ist der einzige entfernt erdähnliche Planet, den wir mit unserer gegenwärtigen Technologie erreichen können. Und wenn alles glatt läuft, dann wird 2024 der erste Mensch einen Fuß auf den Mars setzen. Das ist in nur vier Jahren. Hinter den Plänen steckt Space X, die Firma von Elon Musk. Das ist jenes Unternehmen, das 2018 einen Tesla-Wagen ins All geschossen hatte. Es gibt auch noch weitere Initiativen, wie beispielsweise Mars One, die ebenfalls versuchen den Mars zu erobern. Selbst wenn es in einigen Jahren klappen sollte, die ersten Menschen auf den Mars zu bringen, wird es schwierig ihn langfristig besiedeln und eine Gesellschaft aufbauen zu können. Trotz aller Unwägbarkeiten: eine unabhängige Zivilisation jenseits der Erde wäre das einzige echte Backup für die Menschheit.
Die Backup-Möglichkeiten der Menschheit sind nicht reizvoller als das aktuelle Leben auf unserem Planeten. Aus diesem Grund sollten wir uns lieber dafür einsetzen und unser Möglichstes dazu beitragen, die Erde lebenswert zu erhalten – und das auch für die Generationen nach uns.
New Work verspricht Mitbestimmung auf allen Ebenen. Doch wenn es hart auf hart kommt, stehen ArbeitnehmerInnen schutzlos da. Nur Betriebsräte ermöglichen es Angestellten, Ihren ChefInnen auf Augenhöhe zu begegnen – notfalls vor Gericht. In Folge 44 erklären wir, warum Betriebsräte so unerlässlich sind und trotzdem reformiert werden müssen.
Digitale Arbeitsweisen und Tools ermöglichen es immer mehr ArbeitnehmerInnen, selbst zu bestimmen, wann und wo sie arbeiten wollen. In selbstorganisierten Teams und Unternehmen mit flachen Hierarchien können sie sogar über Richtungsentscheidungen oder Gehälter mitentscheiden. Die schöne neue Arbeitswelt verspricht Selbstbestimmung und Mitbestimmung.
Gleichzeitig haben jedoch immer weniger Unternehmen einen Betriebsrat, der eine institutionalisierte und rechtlich-verankerte Mitbestimmung in Betrieben sichern würde. Braucht es denn Betriebsräte überhaupt noch in Zeiten von New Work? In dieser Folge meinen wir JA und fordern eine Renaissance der Betriebsräte.
Denn Betriebsräte setzen sich nicht nur für die Belange der Arbeitnehmerschaft ein, sondern haben Rechte und Pflichten, die eine Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber auf Augenhöhe ermöglichen. Die Grundlage dafür sind Gesetze wie das Betriebsverfassungsgesetz. Vor 100 Jahren wurde der Grundstein für diese Gesetze und eine erstmalig gesetzlich vorgeschriebene Vertretung der ArbeitnehmerInnen in den Betrieben hart erkämpft. Wir sollten diese nicht leichtfertig über Bord werfen. Wir meinen: In modernen Unternehmen sollten andere Formen der Beteiligung nicht die Betriebsräte ersetzen, sondern beide miteinander verbunden werden.
Die New Work-Bewegung gründet auf den Ideen von Frithjof Bergmann. Er ist ein österreichischer-amerikanischer Philosoph und reiste in den 60ern und 70ern viel durch die sogenannten Ostblockländer. Seine Erkenntnis war: Der Sozialismus funktioniert nicht, aber der Kapitalismus in der vorherrschenden Form ebenfalls nicht.
Daraus entstand die Idee, dass Arbeit nicht als Lohnarbeit begriffen werden sollte, sondern als Selbstverwirklichung. Man solle in erster Linie nicht mehr arbeiten gehen, um Geld zu verdienen, sondern um einen Sinn zu verfolgen. Die drei wichtigsten Werte der New Work-Bewegung sind Selbstständigkeit, Handlungsfreiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Die Digitalisierung befeuerte dieses Konzept des Arbeitens, da sie orts- und zeitunabhängiges sowie selbstständiges Arbeiten ermöglicht.
Es gibt allerdings auch kritikwürdige Aspekte der New Work-Bewegung, wie beispielsweise eine zunehmende Selbstausbeutung. In Start-Ups arbeiten die Angestellten 10 % mehr als im Durchschnitt, tragen dabei oft mehr Verantwortung und verdienen dafür 7 % weniger. Außerdem schlecht: Die Erwartung immer erreichbar zu sein und das zunehmende Verschwimmen von Privatleben mit Beruflichen.
Betriebsräte könnten sich mit den Arbeitsbedingungen und Anliegen der Beschäftigten auseinandersetzen und positive Änderungen verhandeln. Doch leider sind Betriebsräte gerade in diesen New-Work-Arbeitskontexten Mangelware. Insgesamt gibt es nur in 10 % aller privatwirtschaftlichen Betrieben ab 5 Beschäftigten einen Betriebsrat. Dabei hat ein Betriebsrat starke Mitbestimmungsrechte und kann z.B. mitentscheiden bei Einstellungen, Gehältern oder der Einführung von Software. Da New Work eben nicht automatisch eine “schöne neue Arbeitswelt” ist, brauchen auch diese Unternehmen eine gewählte Interessenvertretung.
Clubs sind mehr als Feierstätten. Der Umgang mit ihnen zeigt, wie die Gesellschaft Subkulturen wertschätzt. In den letzten Jahren wurden Clubs strukturell aus Innenstädten vertrieben. Clubsterben überall. In dieser Folge offenbaren wir die kulturelle und – unterschätzte – wirtschaftliche Bedeutung von Clubs. Du erfährst, warum der wichtigste Lösungsansatz im Baurecht liegt, wieso das Katasteramt ein unerwarteter Verbündeter der Clubszene ist und was es mit dem “Parlamentskreis Clubkultur” auf sich hat.
Steigende Mietpreise in den Innenstädten, Wohnverdichtung und Gentrifizierung sind Dauerthemen in Berlin und anderen Großstädten. Sie betreffen nicht nur MieterInnen, sondern zunehmend die Clubs. Die Berliner Clubs sind besonders in Bedrängnis, müssen Luxuswohnungen weichen und werden in die Randgebiete gedrängt. Gleichzeitig werden klassische Kulturinstitutionen, wie Theater, Museen oder Konzerthäuser, besonders staatlich geschützt. Dabei gibt es überraschend wenige Unterschiede zwischen Clubs und Kulturstätten.
In Folge 43 argumentieren wir, was für die Anerkennung von Clubs als Kulturstätte spricht, welche Maßnahmen das Clubsterben verhindern – und lassen dabei ClubbetreiberInnen von ihren Erfahrungen berichten.
Warum immer wieder Clubs schließen müssen und es so schwer ist, etwas dagegen zu tun, liegt an ihrem Status als Vergnügungsstätte. Damit liegen sie in der selben rechtlichen Kategorie wie Spielhallen, Bordelle, Sex-Kinos und Wettbüros.
Der Clou: Wenn Clubs im Baurecht als Kulturstätte aufgeführt werden würden, dann würden sie einen höheren Schutz genießen.
ClubbetreiberInnen setzen sich deshalb dafür ein, dass Clubs als Kulturbetriebe anerkannt werden. In Berlin haben sich unter anderem dafür zur Clubcommission zusammengetan. Von Diskotheken, die kommerzielle Unterhaltung anbieten und profitmotiviert sind, grenzen sich Clubs dahingehend ab, dass sie ein ausgewähltes Musikprogramm anbieten, KünstlerInnen fördern und Kulturangebote machen.
In der Bundespolitik ist das Thema Clubsterben und seine Relevanz seit kurzem angekommen. Am 15. Februar 2020 fand ein Fachgespräch im Bundestag dazu statt. Mehrere Abgeordnete aus verschiedenen Parteien haben sich daraufhin zum “Parlamentskreis Clubkultur” zusammengetan, um gegen das Clubsterben vorzugehen.
Bei einer Veranstaltung der SPD Berlin zum Thema “Clubsterben in der Innenstadt: Welche Instrumente können die Verdrängung stoppen?” waren wir vor Ort im Sage-Club/KitKat (Der Club in Berlin-Mitte ist aktuell von einer Schließung bedroht). Dort haben wir O-Töne des Geschäftsführers des Sage-Clubs, Sascha Disselkamp, und der Betreiberin des Gretchen-Clubs und Clubcommission-Vorsitzende, Pamela Schobeß aufgenommen. Die Ausschnitte hört in der Podcast-Folge.
Die Studie “Clubkultur Berlin” 2019 hat die Diskussion um den Status der Berliner Clubs auf eine datengestützte Grundlage gestellt. Clubs zeichnen sich nach dessen Definition aus durch den Ort bzw. Raum und ihr kuratiertes Programm, das nicht nur Musik beinhaltet, sondern auch andere Kunst-, Kultur- und politische Veranstaltungen. Besonders entscheidend für einen Club ist jedoch auch das Publikum, die Community oder sogar eine bestimmte Szene – nicht umsonst gibt es oftmals eine harte Türpolitik.
Dies beinhaltet eine soziale Dimension, da Clubs oftmals Schutzräume für marginalisierte Gruppen und Minderheiten bieten, wie queere, homosexuelle und sexpositive Räume. Clubkultur bedeutet Vielfalt und die Akzeptanz des Anderssein.
Die Branche ist aber auch ein Wirtschaftsfaktor. Der Studie zufolge sind über 9.000 Menschen in den Berliner Clubs direkt beschäftigt und machen einen Gesamtumsatz von fast 1,5 Milliarden Euro pro Jahr in Berlin. Aus den Ergebnissen der Studie lässt sich eine Ungleichbehandlung der Clubszene gegenüber der etablierten Kulturorte wie Museen und Theater ableiten.
Wie ihr Status einzuordnen ist, hängt aber vor allem davon ab, welche Bedeutung und Wertschätzung wir als Gesellschaft der Clubkultur beimessen – egal ob wir sie selbst gerne nutzen.
Das Bewusstsein fürs Clubsterben scheint zu steigen. Im Januar 2020 wurde der Begriff “Clubsterben” so häufig gegoogelt wie die letzten zehn Jahre nicht. Wenn es jedoch an konkrete Maßnahmen geht, wird es tricky, denn hier haben wir es mit einem Politikfeld zu tun, dass sich auf fast allen Ebenen des politische Mehrebenensystems abspielt:
Gemeinden, Landkreise, Bundesländer und der Bundesstaat. Das Thema Clubsterben betrifft auf Gemeindeebene vor allem die Verwaltungen, die Bauordnungen und dergleichen umsetzen. Andere Bestimmungen, wie die Lärmschutzverordnung, werden auf Landesebene entschieden. Und auf der Bundesebene stellt sich die Frage, in welche Kategorie des Baurechts die Clubs einzuordnen sind und welchen Schutz sie im Gewerberecht genießen. Aufgrund der verschiedenen Zuständigkeiten schlagen wir drei Ansätze für Maßnahmen vor, die den Clubs helfen könnten.
Die Norm für einen erwerbstätigen Menschen ist die 40-Stunden-Arbeitswoche und zwei freie Tage am Wochenende. Was passiert, wenn man das umdreht? Wenn nur noch zwei Arbeitstage in der Woche die Regel sind und ansonsten Freizeit haben?
Es gäbe weniger Unfälle aufgrund von Schlafmangel, weniger Menschen würden an stressbedingten Depressionen leiden, die Einsamkeit im Alter könnte abgeschwächt und die Klimakrise ein Stück weit gelöst werden. Die Arbeit wäre nicht mehr unser Lebensmittelpunkt und würde damit auch nicht mehr unsere Identität und Existenz bestimmen.
Auf den ersten Blick wirkt eine Zwei-Tage-Woche wie ein Wunschtraum. Doch angesichts der aufkommenden Künstlichen Intelligenz ist eine radikale Arbeitszeitverkürzung vielleicht das einzige Mittel, um unsere Gesellschaft zusammen zu halten. In Folge 42 beschreiben wir die Vorteile einer solchen Umstellung und zeigen, wie Realität werden könnte.
Die Rettung unseres Klimas ist da politische Thema unserer Zeit. Die Lösungen für den Klimawandel drehen sich meistens um Verzicht: weniger Fliegen, weniger Fleisch, weniger Energieverbrauch. Verzichten aber wollen die Wenigsten. Konservative Kräfte greifen das auf und fahren damit Kampagne gegen die Grünen und Fridays For Future: Diese seien eine Verbotspartei, bzw. spaßbefreite Bewegung. Es gibt jedoch einen Verzicht, gegen den wohl niemand etwas hätte, der aber trotzdem gut fürs Klima ist: Der Verzicht auf Arbeit.
Eine Studie hatte sich 2018 die Staaten der USA angeschaut und festgestellt, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Arbeitszeit und dem CO2-Ausstoß. Die Forscher bewerten Arbeitszeitverkürzungen darum tatsächlich als Politikmaßnahme für den Klimaschutz. Eine Studie von 2019 fand ebenfalls auf der Ebene der Haushalte heraus, dass ein Haushalt weniger Emissionen ausstößt, wenn dessen Mitglieder weniger arbeiten.
Auch wenn weniger Arbeiten als alleinige Maßnahme nicht den Klimawandel stoppen kann, so könnte es doch zur Lösung des Klimaproblems beitragen. Insbesondere da es von der Bevölkerung vermutlich wohlwollender aufgenommen werden würde als andere Verzichtsmaßnahmen.
Das höchste Ziel im Leben ist meistens glücklich zu werden, Sinn zu erfahren und sich selbst zu verwirklichen. Die Erwerbsarbeit ist für dieses Ziel oft das Mittel zum Zweck.
Daraus ergibt sich, dass Arbeit unsere Existenz begründet. Wenn Personen sich neu kennenlernen, ist die übliche Frage “Und was machst du so?”. Sie zielt auf unseren Beruf ab und anstatt uns vorzustellen mit: “Ich arbeite bei [Unternehmen XY]”, sagen wir “ich bin [Berufsbezeichnung]”. Diese Beobachtung scheint erstmal ein Detail zu sein, sie bestimmt aber unser Leben, denn daraus resultiert ein gesellschaftlicher Zwang, sich über seine Arbeit zu definieren.
Sie bemisst auch, wieviel ich zur Gesellschaft beitrage und welchen Wert ich in dieser Gesellschaft trage, die so tickt. Die schreckliche Kehrseite ist, dass arbeitslosen Menschen vermittelt wird, dass sie weniger wert seien, weil sie nicht durch Arbeit an der Gesellschaft teilhaben.
Die Selbstverwirklichung führt auch dazu, dass Arbeit zu etwas wird, was wir tun, weil wir es selbst möchten und nicht, weil mein Arbeitgeber mit einen Lohn dafür zahlt. Die eigenen Ansprüche werden höher, wenn meine Arbeitsergebnisse und Produktivität meine Identität widerspiegeln, was nicht selten zu Selbstausbeutung führt. Vielfach versuchen Menschen diesem Druck zu entgehen, indem sie Yoga machen, in den Pausen meditieren und an ihrer eigenen Work-Life-Balance arbeiten.
Diese individuellen Lösungen helfen aber immer nur Einzelnen, die negativen Folgen unserer Arbeitswelt ein Stück weit abzumildern. Letztere haben allerdings strukturelle Gründe – darum sollten wir auch mit strukturellen politischen Maßnahmen antworten. So erreichen wir, dass ein glückliches Leben für alle möglich wird, und nicht nur für privilegierte Menschen, die sich eine Teilzeitstelle leisten können.
Aus diesem und den andere Gründen sollten wir uns auf den Weg zu einer 2-Tage-Woche machen.
Der erste Schritt ist die Reflexion unseres aktuellen Arbeitens. Wir müssen uns vom Denken “Du bist, was du arbeitest”, verabschieden, um eine demokratische Mehrheit für Reformen zu organisieren.
Aktuell ist es für Arbeitgeber günstiger, Überstunden einzufordern, als eine weitere Stelle zu schaffen. Das liegt daran, dass Sozialabgaben pro Arbeitsstelle anfallen – und nicht pro Arbeitsstunde.
Erst könnte man die Standard-Arbeitszeit von 40 Stunden in Deutschland auf eine 35-Stunden-Woche wie in Frankreich reduzieren und dann Schritt für Schritt von einer 4-Tage-Woche, über eine 3-Tage-Woche zu einer 2-Tage-Woche.
Bislang werden wir alle immer noch dafür ausgebildet, einen Job unser ganzes Leben lang auszuüben. Weil durch Automatisierung der Wert der Erwärbstätigkeit abnehmen wird, müssen die Menschen wieder lernen, den Sinn des Lebens anders zu definieren.
Die Krankenkassen und das Rentensystem müssen so angepasst werden, dass ihre Leistungen weiterhin finanzierbar bleiben. Das bedingungslose Grundeinkommen könnte die bessere Alternative sein. Neue Steuern auf Roboter, Künstliche Intelligenz und Finanzprodukte könnten dem Staat helfen, die nötigen Mittel dafür aufzutreiben.
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