Eine rote Börsenwoche, bröckelnde Chip-Aktien – und trotzdem gibt es erstaunlich wenig Grund zur Panik. Wir schauen uns an, warum das viel beschworene «Soft Landing» der US-Wirtschaft weiterhin funktionieren könnte. Die Inflation verliert an Druck, der Arbeitsmarkt kühlt sich ab, ohne einzubrechen, und der US-Konsum muss mit den Zahlen von Walmart, Target & Co. den nächsten Belastungstest bestehen. Gleichzeitig stellen wir eine Frage, die am Markt kaum jemand stellen will. Was wäre, wenn die Fed die Zinsen früher senkt, anstatt zu warten? Wann wäre eine Zinssenkung Rückenwind für Aktien und Anleihen – und wann würde sie genau das Gegenteil auslösen?
Richtig spannend wird es beim KI-Boom. Microsoft, Meta, Amazon, Nvidia und andere Tech-Giganten investieren gewaltige Summen in Rechenzentren, Infrastruktur und das entstehende KI-Ökosystem. Gleichzeitig finanzieren sich die Akteure teilweise gegenseitig, vergeben Kapital und sichern sich im Gegenzug Abnahmeverträge. Für manche Beobachterriecht das bereits nach gefährlicher Zirkularität und Domino-Risiko. Wir halten dagegen. Die Summen sind gigantisch und die Verflechtungen müssen beobachtetwerden. Wer daraus jedoch bereits die nächste grosse Kreditkrise konstruiert, unterschätzt möglicherweise die Mechanik dieses Investitionszyklus.
Und dann wäre da noch Japan. Der Yen steht unter massivem Druck, Interventionen zeigen bislang wenig nachhaltige Wirkung und die Erinnerung an die Carry-Trade-Turbulenzen vom August 2024 ist noch präsent. Genau darin könnte aber auch eine Chance liegen. Wenn sich der Yen und die japanische Geldpolitik stabilisieren, könnten japanische Aktien und Anleihen für Investoren interessanter werden. Direkte Währungsspekulation? Davon lassen wir lieber die Finger – aus Erfahrung.
Schliesslich landet noch ein leicht übersehener Sektor auf dem Radar: US-Homebuilder. Aufgeschobene Renovierungen, ein potenziell wieder anziehender Investitionszyklus der Haushalte und die jüngsten Signale aus dem Einzelhandels- und Baumarktsektor könnten hier neue Gewinner hervorbringen.
Kurz gesagt: Fed, AI-Schulden, Japan und Homebuilder – vier Themen, bei denen die Schlagzeile allein ziemlich wenig überdas tatsächliche Chance-Risiko-Verhältnis verrät.
❓ Wer sind wir?
Roman Przibylla ist CCO bei Bitcoin Suisse und seit mehr als 15 Jahren in verschiedenen Führungspositionen für die HSBC in Düsseldorf, die Deutsche Bank und die Commerzbank in Frankfurt sowie bei Vontobel und Maverix Securities in Zürich am Kapitalmarkt tätig.
Serge Nussbaumer ist Head Public Solutions bei Maverix. Er war zuvor Chefredaktor bei payoff.ch und seit fast 30 Jahren in verschiedenen Funktionen u.a. bei der Credit Suisse und der St. Galler Kantonalbank tätig. Dabei war er stets mit Anlegern und den Finanzmärkten verbunden.
⚠️ Disclaimer: Keine Anlageberatung oder -empfehlung. Alle Angaben ohne Gewähr. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklung.