In der Schweiz sind Schlauchmagen und klassischer Roux-en-Y-Magenbypass (Y-Roux) die dominierenden Standardverfahren. Gleichzeitig gewinnen
Single-Anastomosen-Verfahren (wie der
Omega-Loop / One-Anastomosis Gastric Bypass) und stärker umleitende Verfahren wie
SADI-S international an Aufmerksamkeit.
Gemeinsam mit
Univ. Doz. Dr. Gerhard Prager beleuchten wir, warum diese Verfahren zunehmen, was die Datenlage hergibt, welche Risiken realistisch sind – und wie man Patient:innen heute
individuell berät, statt „One-size-fits-all“ zu denken.
Unser Gast: Univ. Doz. Dr. Gerhard Prager (Wien)Univ. Doz. Dr. Gerhard Prager ist einer der prägenden Experten der metabolisch-bariatrischen Chirurgie in Österreich und international. Er ist u. a.
Leiter der Adipositas-Ambulanz an der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie der MedUni Wien und trat 2021 die
erste Professur für Bariatrische Chirurgie in Österreich an.
In einem Beitrag der Privatklinik Goldenes Kreuz wird er zudem als
Leiter der Adipositas-Abteilung der Chirurgischen Universitätsklinik Wien genannt.
Alle Infos zu Kontakt & Profil: siehe Website (link weiter unten)
Themen & Inhalte der Folge1) Warum Single-Anastomosen-Verfahren zunehmen
- Vereinfachung der Technik: eine Nahtverbindung weniger als beim klassischen Y-Roux
- Erwartung: potenziell weniger Komplikationen, z. B. weniger „klassische“ Problemstellen (z. B. innere Hernien an bestimmten Anastomosen-Konstellationen)
- Historische Entwicklung ähnlich wie beim Schlauchmagen: „einfacher“ heißt oft „schneller verbreitet“
2) Omega-Loop vs. Y-Roux: Was sagen Studien wirklich?
- Es gibt wenige hochqualitative randomisierte Daten – ein zentraler Grund, warum manche Länder/Regionen zurückhaltender sind.
- In der Praxis existieren große Kohorten mit teils besseren Outcome-Signalen (Gewichtsverlust/Diabetes), aber RCTs zeigen häufig Vergleichbarkeit statt klare Überlegenheit.
3) Technik verständlich erklärtProf. Thalheimer übersetzt die chirurgische Logik für Patient:innen:
- Was ist gleich (Bypass-Prinzip, Umleitung, kleinere Passage)?
- Was ist anders (Pouch-Form, Schlingenlängen, Reflux-Risiko)?
- Was bedeutet das für Aufenthalt, Essen, Nachsorge?
4) Die „Power“ des Bypasses: Welche Schlinge zählt?
- Intensive Diskussion um biliopankreatische Schlinge vs. alimentäre Schlinge
- Warum historische Standards entstanden sind („so haben wir es immer gemacht“)
- Aktuelle Studienprojekte (z. B. Schweizer Multicenter-Ansätze) und warum 1-Jahres-Daten oft noch nicht die ganze Wahrheit zeigen
5) Der kritische Punkt beim Omega-Loop: Gallenreflux
- Vorteil: keine zweite Anastomose → bestimmte Hernien-/Anastomosen-Risiken fallen weg
- Nachteil: potenzieller Gallenreflux in Magen/Ösophagus – emotional und wissenschaftlich kontrovers
- Einordnung: historische Karzinom-Daten vs. heutige Realität (u. a. Helicobacter-Ära, Eradikationsstrategien)
6) SADI-S: Für wen – und warum (nicht für alle)
- SADI-S als Option besonders bei sehr hohem BMI und wenn klassischer Bypass langfristig nicht ausreichend „Endgewicht“ ermöglicht
- Wichtige Sicherheitsbotschaft: Das Verfahren gehört in erfahrene Zentren, weil die Technik anspruchsvoll ist
- Lebensqualität im Fokus: Common-Channel-Länge als entscheidender Stellhebel (zu kurz → Risiko für Durchfälle/Mangelzustände, zu aggressiv → Langzeitprobleme)
7) Wie entscheidet man in der Praxis?Pragers pragmatische Auswahl-Kriterien:
- Reflux / Hiatushernie / Entzündung am Übergang Ösophagus–Magen → eher Y-Roux
- Kein Reflux + BMI im mittleren/höheren Bereich → Omega-Loop kann Option sein
- Sehr hoher BMI → SADI-S als attraktive Methode, aber nur mit strukturierter Nachsorge
- Patient:innenwunsch zählt – aber nur auf Basis transparenter Aufklärung über Chancen & Limits
8) Blick nach vorn: Adipositastherapie in 10 Jahren
- Adipositas als chronische Erkrankung → Therapie ist langfristig
- Medikamente wirken – aber Absetzen führt häufig zu Gewichtszunahme; zudem beenden viele Patient:innen die Medikation in der „Real World“ frühzeitig
- Zukunft = multimodal: OP + Medikamente + Nachsorge, individualisiert
- Endoskopische Verfahren: spannend, aber aktuell oft weniger effektiv als etablierte chirurgische Methoden (Stand heute)
Unsere Key Takeaways- Es gibt kein „bestes“ Verfahren für alle – die OP muss zur Person passen.
- Omega-Loop: technisch einfacher, potenziell weniger bestimmte Komplikationen – aber Reflux-Frage bleibt zentral.
- SADI-S: starke Option bei BMI 50+, jedoch nur in erfahrenen Zentren und mit klarer Nachsorge-Strategie.
- Die Zukunft gehört der Kombination aus Chirurgie, Medikamenten und langfristigem Krankheitsmanagement.
Kontakt & mehr zum Gast- Univ. Doz. Dr. Gerhard Prager – Profil/Infos über seine Website sowie über institutionelle Veröffentlichungen/Beiträge. Webseite von Univ. Doz. Dr. Gerhard Prager >>>
Unsere Ressourcen Über unsere Webseite Adipositas-Zuerich.chUnsere Webseite Adipositas Zürich widmet sich ganz der Aufgabe, Dich umfassend über Adipositas zu informieren – eine Erkrankung, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen für Industrienationen eingestuft wird.Unser Ziel ist es, Dir ein tiefes Verständnis für die Ursachen, Folgen und die zahlreichen Therapiemöglichkeiten dieser komplexen Krankheit zu vermitteln.Wir bei Adipositas Zürich sehen es als unsere Mission, sowohl Betroffene als auch medizinisches Fachpersonal durch qualitativ hochwertige Informationen zu unterstützen.Dabei legen wir großen Wert darauf, die Krankheit Adipositas in all ihrer Komplexität darzustellen und Dir den Weg zu wirksamen Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
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