ARTISAPIECEOFCAKE

ARTISAPIECEOFCAKE

By laStaempfli&Raimund DeiningerArts
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ARTISAPIECEOFCAKE episodes

  • WILMA ALLMÄCHTIG: KI-KRIMI AUS DER REIHE LINN KEGEL VON ISABEL ROHNER. Regula Stämpfli trifft die Bestsellerautorin zum Gespräch über neues Buch - eine hochkomische Versuchsanordnung über Macht, Theater und Politik.

      Isabel Rohner hat getan, was Literaturgeschichte viel zu selten aus eigener Kraft vermag: Sie hat eine grosse Denkerin aus dem Keller des Vergessens geholt und ihr Werk zurück in die politische Gegenwart getragen. Isabel Rohner erschloss Hedwig Dohms Schriften, zusammen mit Nikola Müller, gab und gibt deren Werke heraus und machte aus einer beinahe verschütteten Stimme wieder eine unüberhörbare Autorin der Frauenbewegung. Als Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht feierte, 2018, verhalf Isabel Rohner zur Feier dieses grossen Schrittes für die Demokratie. Hätte sie dies nicht getan, hätte das offizielle Deutschland das Jubiläum recht eigentlich verpasst – ein Skandal. Als die Schweiz 50 Jahre Frauenstimmrecht feierte – wiederum der Staat sein eigenes Jubiläum beinahe verschlief, hätten sich nicht grosse Frauen wie Isabel Rohner und in der Schweiz die Juristin Zita Küng dafür eingesetzt –, setzte Isabel Rohner, zusammen mit Irène Schäppi, mit einem der wichtigsten Bücher zur Schweizer Frauengeschichte, dem langen Kampf um die Gleichstellung ein Denkmal, eine Denkschrift (2021).

      Neben Isabel Rohners wissenschaftlichen Arbeit, ihren Büchern und ihrem beruflichen Engagement, baute sie gemeinsam mit Regula Stämpfli  auch noch jenen Podcast auf, der regelmässig die deutsche Öffentlichkeit erschüttert und zu grossen Attacken wie Lobpreisungen auf deren Macherinnen führt, die unbeirrt weiterfahren: Die Podcastin. Regula Staempfli zeichnet dieses Gespräch sowohl für Art Is A Piece of Cake als auch Die Podcastin auf. Erstpublikation ist der Kunstpodcast von Regula Stämpfli (bis zum Tod von Raimund Deininger 2025 als Gemeinschaftsprojekt Stämpfli/Deininger), da es sich bei der Krimireihe von Isabel Rohner um ein wichtiges Kunstwerk der zeitgenössischen Literaturkunst handelt. Gespräche zu einzelnen Folgen der Krimireihe rund um Linn Kegel siehe u.a. auch https://diepodcastin.de/2023/12/09/diepodcastin-mit-weihnachtsgeschenk-kalte-sophie-von-isabel-rohner-regula-staempfli-isabel-rohner-besprechen-kalte-sophie-und-wie-es-ist-autorinnen-zu-sein/

      Isabel Rohner mit ihrem neuen Werk WILMA ALLMÄCHTIG, 2026. Eine unbedingte Leseempfehlung: Wilma allmächtig ist weit mehr als ein Technikkrimi. Der Roman ist eine funkelnde, böse und hochkomische Versuchsanordnung über Macht, Erinnerung und die Frage, wem die Geschichte gehört, sobald Maschinen sie verwalten. Er zeigt, wie eine KI genau jene weibliche Überlieferung verschlingt, die Isabel Rohner mit aussergewöhnlicher Beharrlichkeit, Gelehrsamkeit und Leidenschaft gerettet hat. Ach ja: Und weshalb es dringend ein Hedwig Dohm Musical braucht.

      Hier die Angaben zum Buch: Isabel Rohner: WILMA ALLMÄCHTIG (Roman). edition rosch 2026. 

      ISBN 978-3982942711

      eBook 9,99 Euro

      Print 15,99 Euro

      Bestellen: https://www.amazon.de/Wilma-allm%C3%A4chtig-Isabel-Rohner/dp/3982942713?source=ps-sl-shoppingads-lpcontext&ref_=fplfs&psc=1&smid=A3JWKAKR8XB7XF&language=de_DE

      Weitere Infos: www.isabelrohner.com

      Ach ja, und unbedingt: Buchen Sie Alle das Hedwig Dohm Trio, siehe https://www.hedwigdohm.de/

      58 min
    • Bilder, die bewegen: Zu den neuen Werken von Ilana Lewitan. Ein Kunstgespräch anlässlich der Ausstellung in Wien, Untere Weissgerberstrasse 17, 1030 Wien, "bout". Moderation: Regula Staempfli.
        Ilana Lewitan, Ausstellungsfoto vom 10.10.2026 in Wien von Nuriel Molcho.

        Regula Stämpfli traf die grosse zeitgenössische, internationale Künstlerin Ilana Lewitan zum zweiten Mal zu einem ausführlichen Werkgespräch. Anlass sind die neuen Werke der jüdischen Künstlerin, die vom 10.-31.10.2026 in Wien ausgestellt werden. 

        Zur Ausstellung hat Dr. Regula Stämpfli Politphilosophin, Podcaster von artisapieceofcake.art sowie selber Kunstsammlerin, einen eigenen Werktext für Ilana Lewitans neue Arbeiten verfasst. Copyright Regula Staempfli, Munich 2026.

        Regula Staempfli und Ilana Lewitan bei ihrem ersten Werkgespräch 2025.

        „Erinnerung ist bei der international bekannten Münchner Küstlerin Ilana Lewitan kein Archiv, in dem die Vergangenheit ordentlich beschriftet und sicher verwahrt liegt. Lewitans künstlerisches Werk und Erinnerung sind in Bewegung. Vergangenheit taucht auf, die Gegenwart entzieht sich, beides setzt Bilder frei und verwischt im selben Moment eindimensionale Spuren. Lewitans Werk folgt keiner Chronologie, es ist kein Erzählen, sondern die Kunst der Kunst, wo das Werk aus sich, durch die Künstlerin und mit dem Publikum noch kreativer wird. Was wir zu wissen glauben, stimmt selten vollständig mit dem überein, woran wir uns erinnern und was dies für die Gegenwart bedeutet. Bei Lewitans Werk wirkt Manches fort, das wir erst jetzt wahrnehmen können. 

        Genau in diesem Zwischenraum entstehen die Arbeiten von Ilana Lewitan: zwischen Wissen und Erinnerung, zwischen dem Gesagten und dem Verschwiegenen, zwischen einer historisch beglaubigten Vergangenheit und ihrer kaum greifbaren Gegenwart im eigenen Leben.

        Die neuen kleinformatigen Bilder wirken wie innere Landkarten. Wälder, leere Stühle, isolierte Hände, menschliche Körperfragmente, Tiere, Kreise, Augen und rätselhafte Apparaturen begegnen einander in offenen Bildräumen. Nichts ist hier vollständig ausformuliert. Gemaltes, Gezeichnetes und fotografisch Wirkendes überlagern sich, ohne sich zu einer geschlossenen Erzählung zu fügen. Die einzelnen Elemente scheinen Verbindungen anzubieten, widersetzen sich aber einer endgültigen Deutung. Sie verhalten sich darin wie Erinnerungen und Gegenwart: Ein Gegenstand ist plötzlich ganz deutlich, während der Zusammenhang, in dem er einst stand, verloren gegangen ist.

        Man könnte diese Arbeiten auch als Topografien des inneren Lebens deuten. Da gibt es Wege, die nirgendwohin führen, Waldstücke ohne erkennbaren Horizont, Räume ohne sichere Begrenzung und Figuren, von denen nur einzelne Körperteile sichtbar bleiben. Der Mensch ist anwesend, aber selten vollständig. Eine Hand hebt sich, zeigt, hält oder warnt. Ein Fuss berührt den Boden. Ein Gesicht erscheint in einem umschlossenen Bildraum. Eine Gestalt steht am Rand, als gehöre sie bereits einer anderen Zeit an. Immer wieder stellt sich die Frage: Wer betrachtet hier wen? Sehen wir ein Bild an – oder werden wir aus dem Bild heraus beobachtet?

        Die zahlreichen kreisförmigen Zeichen verstärken diese Ungewissheit. Sie können Augen sein, Lupen oder Erinnerungslinsen, durch die Einzelheiten vergrössert werden. Sie erinnern an Markierungen auf alten Fotografien, an Zielscheiben oder an Löcher in einer Oberfläche. Manchmal scheinen sie etwas festhalten zu wollen, manchmal bezeichnen sie gerade das Fehlende. Sie strukturieren den Blick und führen ihn zugleich in die Irre. Denn Erinnerung zeigt uns niemals das Ganze. Sie richtet unsere Aufmerksamkeit auf einzelne, oft nebensächlich wirkende Details – und erklärt gerade diese zu Trägern einer ganzen Geschichte.

        Auch die weissen Flächen sind nicht einfach Hintergrund. Sie sind ein wesentlicher Teil der Komposition. Das Weiss trennt, schützt und isoliert. Es gibt den Bildern Luft, aber es verweist auch auf Auslassung. Hier fehlt etwas. Hier wurde etwas nicht gemalt, nicht ausgesprochen oder noch nicht erinnert. In diesen offenen Flächen bekommt die Stille eine sichtbare Form. Sie ist weder leer noch friedlich. Sie bewahrt, was nicht ohne Weiteres zur Sprache kommen kann.

        Lewitans Kunst ist biografisch grundiert, ohne sich in Biografie zu erschöpfen. Als Tochter polnischer Überlebender der Shoah wuchs sie mit einer Vergangenheit auf, die zugleich allgegenwärtig und verschwiegen war. Erst mit fast sechzig Jahren erfuhr sie, was ihr Vater lange verborgen hatte. Ein solches Wissen fügt der eigenen Lebensgeschichte nicht einfach ein neues Kapitel hinzu. Es verändert rückwirkend die vorhergehenden Kapitel. Frühere Gesten, Ängste, Sätze und Formen erhalten plötzlich eine andere Bedeutung. Auch das Schweigen selbst wird lesbar.

        Ein Schlüssel zu Lewitans Werk liegt in den Titeln. Was uns im Innersten berührt. Wo die Stille wohnt. Zwischen Wissen und Erinnerung. Ein Ort zum Verweilen. Wohin die Gedanken auch immer hinführen. Was die Stille bewahrt. Zwischen Nähe und Ferne. Schreibe mir einen Liebesbrief. Dort, wo die Erinnerung beginnt. Am Rande der Erinnerung. Auf der Durchreise. Wo Traum und Liebe sich begegnen.

        Diese Titel sind keine Bildbeschreibungen. Sie schreiben nicht vor, was wir sehen sollen. Vielmehr öffnen sie einen zweiten Bildraum: einen literarischen, poetischen Raum neben der Malerei. Sie klingen wie Sätze aus einem Gespräch, das unterbrochen wurde, wie Botschaften an einen abwesenden Menschen oder wie Zeilen aus Briefen, deren Empfänger vielleicht nicht mehr erreichbar sind. Manche Titel stellen einen Ort in Aussicht, ohne ihn geografisch festzulegen. Wo wohnt die Stille? Wo beginnt Erinnerung? Wo liegt der Rand dessen, was erinnert werden kann?

        Nicht übersehen werden darf wie sinnlich Lewitans Werk ist. Lewitans Farben besitzen eine eigenständige Kraft. Türkis, Blau, Rosa, Rot, Grün und Schwarz stehen nicht bloss im Dienst eines biografischen oder historischen Inhalts. Sie erzeugen Reibung, Temperatur und Rhythmus. Das leuchtende Türkis kann eine Landschaft öffnen und sie im nächsten Moment unwirklich erscheinen lassen. Rosa trägt Zärtlichkeit und Künstlichkeit zugleich. Rot ist Lebensfarbe, Warnsignal und Wunde. Schwarz begrenzt, verschattet und hält die übrigen Farben zusammen. Farbe, Titel, Werk führen uns zur Kunst, dort, wo Wissen seine Sicherheit verliert, Erinnerung zu sprechen beginnt und die Gegenwart immer wieder neu gesehen, gedacht und gemalt werden kann.“

        57 min
      • Ein Mann zwischen zwei Welten – und die Medien, die nur eine davon sehen. George Weinberg über die "The Art of Disagreement" – Die Kunst des politischen Widerspruchs auf Art is a Piece of Cake. Mit Regula Stämpfli.

          Ein Land, zwei Lager und eine politische Debatte, die festgefahren scheint. Wenn wir über die Zukunft der westlichen Welt sprechen, fällt ein Name unweigerlich zuerst: Donald Trump. Für die einen ist er ein rotes Tuch, für die anderen ein notwendiger Disruptor. In diesem Podcast geht es um die Kunst der Politik und das Experiment, die eigene laStaempfli Komfortzone der links-feministischen Bubble zu verlassen und einen sehr klugen Gesprächspartner zu Wort kommen zu lassen. Wir blicken mit George Weinberg (Unternehmer, Berater, Geschäftsführer „Grundwert USA“ und Republicans Oversees) hinter die Kulissen der Macht und fragen: Was, wenn der radikale Bruch mit den alten Konventionen genau das ist, was das System braucht?

          Zu Gast ist heute George Weinberg. George Weinberg ist einer der profiliertesten politischen Vertreter der US-Republikaner im deutschsprachigen Raum. Als Vorsitzender und Geschäftsführer der Republicans Overseas Germany repräsentiert er die Interessen der konservativen US-Bürger im Ausland und gilt als überzeugter Verfechter des Trump-Flügels (der MAGA-Bewegung). George Weinberg und Regula Stämpfli sprechen über eine Stunde zur Kunst der Politik, zum Mediafail der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland, wenn es um die USA und Israel geht, wir reden über strategische Allianzen und die steile These, weshalb Donald Trump am Ende gut für uns alle sein könnte. Ein Gespräch über Realpolitik abseits der gängigen Schlagzeilen. Schärfen Sie Ihre Argumente, öffnen Sie den Geist – und los geht’s. Zur Webseite George Weinberg, https://www.republicans-germany.de/blog

          Kunst entsteht nicht nur dort, wo Menschen einander bestätigen. Sie entsteht auch im Widerspruch, in der Reibung und im Versuch, eine andere politische Wirklichkeit zu verstehen, ohne sie sich zu eigen zu machen.

          Eine persönliche Bemerkung von Regula Stämpfli. Mein heutiger Gast, Dr. George Weinberg, vertritt in mehreren Fragen deutlich andere Positionen als normalerweise auf Art Is A Piece of Cake geäussert werden. Besonders in der Einschätzung der AfD liegen Regula Stämpfli und George Weinberg weit auseinander. Gerade deshalb veröffentliche ich dieses Gespräch. Ein Podcast ist kein Gesinnungszertifikat und ein Interview keine Zustimmungserklärung. Art is a Piece of Cake versteht Kunst auch als Kunst des Gesprächs: als Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten, Widerspruch kenntlich zu machen und dennoch zuzuhören. Das folgende Gespräch dokumentiert eine demokratische Begegnung auf Augenhöhe – etwas, das viel zu selten passiert.

          1 hr 16 min
        • Rabbi Eli: Unkonventionell, spannend, literarischer Knüller. Die jüdische Ermittlerin zwischen N.Y., Psychoanalyse und Zürich; ihre Schöpferin Marianne Feder zu Gast bei Regula Stämpfli in "Art Is A Piece of Cake."
            Rabbi Eli Marianne Feder. Bilder copyright Feder.
            Screenshot

            Die Krimireihe von Marianne Feder über die unkonventionelle Rabbi Eli gehört zum Besten auf dem Buchmarkt. Bisher eher ein Insidertipp, doch nun ist der zweite Band, „Die Kur“ für den Krimipreis 2026 nominiert. Hören wir doch grad selber, was die Jury schreibt: 

            „In Marianne Feders Kriminalroman «Die Kur. Rabbi Elis zweiter Fall» steht eine unkonventionelle Ermittlerin im Zentrum, die sich weder von Autoritäten noch von gesellschaftlichen Erwartungen einschüchtern lässt. Rabbi Eli ist eine starke, aufgeklärte und kluge Frau: intellektuell ebenso überzeugend wie spirituell, selbstsicher und sich ihrer persönlichen Ausstrahlung durchaus gewiss. Ihre riskanten Nachforschungen führen sie in ein Geflecht aus Abhängigkeiten, verdrängten Wahrheiten und subtiler Manipulation. Besonders eindrucksvoll sind Feders profunde Kenntnisse der Theorie und Geschichte der Psychotherapie. «Die Kur» zeigt eindrucksvoll, wie therapeutische Autorität entsteht, Deutungshoheit missbraucht und vermeintliche Hilfe zum Instrument der Kontrolle werden kann.„

            Die Schriftstellerin und Kunsttherapeutin Marianne Feder vermittelt in ihren Romanen moderne, liberale und vielschichtiges Bilder jüdischen Lebens in Europa und in N.Y. – mit Ausflügen in die jüdische Geschichte bspw. von Odessa. Die Romane unterscheiden sich deutlich von den konfliktdominierten Bildern vieler Nachrichtensendungen über Israel und das Judentum und sie sind, neben brillanten Dialogen und literarischen Leckerbissen unfassbar komisch. Kulturelle und historische Hintergründe verbinden sich bei Marianne Feder mit einem leichten Zug ins Absurde; die Stories sind unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich. Gerade in einer Zeit, die sich verstärkt mit Antisemitismus auseinandersetzen muss, ist dieser scharfsinnig gemachte Krimi von besonderer Aktualität – von Rabbi Eli und Marianne Feder werden wir in Zukunft noch viel mehr hören und erfahren. Das Gespräch zwischen der Schriftstellerin Marianne Feder und Regula Staempfli gehört zur wunderbaren Tradition des „sprechenden Denkens“ und macht Lust auf die Romane von Marianne Feder. Regula Staempfli würde sich ja über eine hochkarätige Netflix-Serie enorm freuen.

            Die Musik ist von Marianne Feder, auf Youtube abspielbar, grossen Dank an die Künstlerin: https://youtu.be/Q472bng9UFo

            47 min
          • Homer, The Odyssey and Women who fight at home. English Podcast by classic scholar and political philosopher Regula Stämpfli (laStaempfli) exploring Homer's epic, Christopher Nolan's The Odyssee, and the women who sustain the world while its heroes wande
            • laStaempfli

                Introduction and Image: Athena watches over Vienna—and over this podcast. She is the goddess of metis: intelligence in motion, strategic imagination, and the art of finding a passage where brute force sees only a wall. Without Athena, Odysseus would remain merely a warrior lost at sea. Through her, he becomes the man of many turns, capable of disguise, invention, survival—and return. It is fitting, then, that our journey into Homer begins beneath her golden helmet: with a woman presiding over the story men have called heroic for almost three thousand years. © Regula Stämpfli 2026

                Welcome to Art Is a Piece of Cake.

                Today, I am speaking in English because Homer’s Odyssey has begun another voyage. Christopher Nolan has brought it into the cinema, and an ancient Greek poem has entered the vast machinery of the Anglo-American imagination: Hollywood, global audiences, heroic images, famous bodies and magnificent storms.

                This is a wonderful moment to return to Homer.

                The Odyssey has travelled for almost three thousand years. It has crossed languages, empires, religions and oceans because every age discovers another Ithaca inside it. Every generation recognises the longing to return, and every generation must decide what homecoming means.

                Americans know something about journeys. Their literature begins again and again with departure: the ship, the frontier, the road, the promise of another life beyond the horizon. The British imagination knows the sea as history, empire, danger and desire. Homer’s voyage brings both traditions to a question that unsettles the heroic picture: What if the decisive adventure happens not only to the man who leaves, but also to the woman who remains?

                Odysseus travels through monsters, temptations, shipwrecks and stories. Penelope travels through time.

                She governs a house under occupation. She protects a son who is growing into danger. She keeps violent men at a distance through intelligence, performance and delay. At night, she unweaves what she has woven during the day. This famous gesture is often treated as a symbol of patience. I hear something more radical in it: Penelope controls the code.

                Penelope in Munich — A poem by Regula Stämpfli

                It is summer in Munich. Linden leaves hold the light, and the old palace walls breathe the cool breath of fountains. Swans move slowly through Nymphenburg green, as if beauty had never asked them to explain themselves. Munich has become my Ithaca. Arrival here is no harbour bell, no sudden shore. It is the work of every morning. I write. I loosen the thread. I write again. I wait—for no man, for no rescue, only for the world to remember its courage for kindness. Cats cross the rooms. Books climb the walls. Art lies open across the tables, each sheet of paper quietly certain that hope is a craft. My sons travel through worlds of their own. My beloved sails other waters. I tend no sacred hearth. I tend a life. And women come. They bring stories, wounds, weariness, and the old hunger for a room where no one has to fight. I open the door. I cook. I listen. I drive. I share. I have always believed that happiness grows when given away. Perhaps that has been my loveliest mistake. For sometimes another guest enters, silent and uninvited: an old shadow called comparison. Why her? Why not me? Why does light fall easily there while I carry stones? Then the eyes change. Praise retreats. Thanks lose their way. Beauty ceases to be shared and becomes an accusation—not because I own more, not because I know more, but because happiness in another woman can seem the cruellest injustice of all. Then I think of Penelope: the worker at the loom, the ruler of the interval, the woman who takes up the thread each day and wins the night back with her hands. And I think of the maids: how swiftly the powerless are made to carry the guilt of a ruined house; how men use their bodies, then call survival betrayal. This summer taught me another kind of weaving. I had made myself smaller so others might feel tall. I had lowered my light so no one need shield her eyes. I had mistaken gratitude for love. Then came the first No. A small word. One syllable. It passed through years like a bell through clear air. Since then I have known: friendship cannot live where one woman gives and another only takes. It lives in wonder, in gratitude, in two faces turned towards the same beauty. Our grandmothers cut paths through stone so that we might walk with lighter feet. We need not trade their freedom for bitterness. Today I open every window. Air crosses the rooms. I hide nothing. I take my place inside my own life. I am not alone. I am with myself. I am not waiting. Perhaps this is the truest Ithaca: the place where Penelope is free. Free to say no—even without a man at her side.

                © Regula Stämpfli 2026

                52 min
              • "Daughterland. Kunstprojekte/ Art projects" von Ruth E. Herzka. Ein Gespräch mit der Künstlerin über ihr neues Buch: Memories, Tochtererinnerungen und das Verweben von Geschichte und Kunst. Moderation: Regula Stämpfli.
                  Daughterland, edition clandestine, Ruth E. Herzka im Gespräch mit Regula Staempfli, im Sommer 2026.

                  „Sie ist Mitteleuropa, denkt er. Sie ist Wien. Sie ist Österreich. Sie ist ein silberner Kaffeelöffel. Sie ist Schlagobers. Sie ist Schnaps. Sie ist Strudel, staubzuckerbestäubt. Sie ist das Geräusch höflichen Beifalls. Sie ist ein Luster. Sie ist ein Samtvorhang.“ Zitat aus der wunderschönen „edition clandestin“ – zitiert nach Deborah Levy, „Black Vodka.“

                  Anhand sinnlicher Erinnerungen begab sich die schweizerisch-österreichische Künstlerin Ruth E. Herzka, die der zweiten Generation (2nd Generation) nach der Shoa angehört, auf die Suche nach dem Abwesenden, Verlorenen. Die Dokumentation ihrer bildnerischen Arbeiten in Auseinandersetzung mit ihren Grossmüttern, die sie selbst nie gekannt hat, bilden zusammen mit Fotos von Reisen in die Herkunftsländer ihrer Grossväter ein Ganzes. Gespräche mit der Künstlerin und Texte von Gastautor:innen runden das Künstlerinnenbuch ab.

                  VON DEN SPUREN DES ERINNERNS IN DER KUNST UND GEGENWART. SCHRIFTLICHES INTERVIEW MIT RUTH E. HERZKA VON REGULA STÄMPFLI.

                  Hier das Interview schriftlich, das laStaempfli und Ruth E. Herzka vorbereitet haben und das theoretisch noch klarer erzählt als der Podcast und das mündliche Gespräch, das durch die Technikübertragung etwas an Spontaneität verloren hat. In der Kombination hier auf artisapieceofcake ein Kunstwerk on ist own.

                  Ruth E. Herzka Ich möchte mit Dir nicht einfach über Kunst sprechen, sondern mit Dir hineingehen in diesen Moment, in dem ein Bild entsteht, sich formt, sich widersetzt, sich vielleicht auch entzieht; wie, wo beginnst Du? 

                  R.H. Das Vorbewusste kann frau sich wie ein Wartezimmer vorstellen. Durch den künstlerischen Prozess werden Erinnerungen, Erfahrungen aktiviert und ins Bewusstsein geholt. Ausgangspunkt ist für mich dabei oft Fotomaterial, eine bestimmte Materialität oder Farbigkeit mit einer bestimmten Stimmung, die bei mir dieses Material hervorruft.

                  Daughterland, wie kam es dazu? 

                  R.H. Über die Jahre habe ich einige Kunstprojekte durchgeführt, die ich zusammen mit den Recherchen dazu in eine Form bringen wollte. Dafür schien mir ein Künstlerinnenbuch am geeignetsten, da diese Dokumentation so auch in einen Dialog mit der Leserschaft gestellt wird. Die Begegnung mit der Verlegerin von edition clandestin war dabei ein Glücksfall, da sie jahrzehntelange Erfahrung in der Herausgabe von Künstler:innenbüchern hat und im Nu erfasst hat, worum es mir bei diesem Projekt geht. Die Zusammenarbeit mit der Wiener Buchgestalterin Martina Gaigg war wunderbar. Sie hat diesem Anliegen mit meinem Bildmaterial eine ausgesprochen schöne Form gegeben. Die Gastbeiträge der Vermittlerin und Künstlerin Patricia Hujinen, der Kuratorin Dina Ehrenfreund und des israelischen Kunsthistorikers und Kurators Hagai Segev, haben das Buch bereichert. Vaterland, Tochterland, Daughterland: es ist Zeit, dass die Töchter ihre Geschichten erzählen.

                  Mich interessiert auch diese Bewegung zwischen Erinnern und Erfinden, zwischen dem, was war, und dem, was nicht mehr zugänglich ist: Arbeitest Du gegen das Vergessen an, kämpfst Du gegen das Verschwinden, oder akzeptierst Du, dass bestimmte Dinge nicht mehr rekonstruierbar sind und gerade deshalb in Bildern eine andere, vielleicht stärkere, vielleicht auch schmerzhaftere Form annehmen? 

                  In meiner Arbeit geht es vorwiegend um subjektive Erinnerungsarbeit. Dabei werden persönliche Erlebnisse, Emotionen und Biographische Fragmente ins Zentrum gerückt, um sie so von der Vergangenheit in die Gegenwart zu überführen, die eigene Lebensgeschichte zu ordnen ist ein Begleiteffekt. Kreation von Kunst, um sich seiner selbst zu vergegenwärtigen. Bsp. rumänische Bluse, ein Geschenk des Grossvaters, die eine Brücke bildete zwischen dem Aufwachsen in der Schweiz und einer anderen Welt, der Vorfahren. Ich beschäftige mich in meinen Werken mit deren Prägung und sehe mich als Zwischenglied zwischen der Welt meiner Grosseltern und Eltern, sowie derjenigen der jüngeren Generation unserer Söhne: Dor v’dor… 

                  Und wenn Bilder entstehen, wenn sie sich zeigen, wenn sie sich behaupten, können sie dann heilen, können sie beruhigen, oder legen sie nicht vielmehr frei, was nicht heilt, was offen bleibt, was weiterarbeitet?

                  R.H. Ich erlebe dies vielmehr als Klärung und Integration von vielfältigen Gefühlen zu denen sowohl Schmerz, Trauer aber auch Freude und Geborgenheit gehört.

                  Wenn wir über den Körper sprechen, und wir müssen über den Körper sprechen, gerade in einer Zeit, in der Körper verletzt, verändert, operiert, ausgeliefert werden, frage ich Dich: Was geschieht mit Identität, wenn der Körper sich radikal verändert, wenn er sich nicht mehr als stabiler Ort erleben lässt, sondern als etwas Fragiles, Angegriffenes, vielleicht auch Fremdes.

                  R.H. Unsere Identität wird im Laufe des Lebens durch persönliche Erlebnisse und soziale Interaktionen geformt und verändert. Solche wie von dir beschriebenen Ereignisse stellen eine enorm verunsichernde Herausforderung für die Betroffenen dar. Die Bewältigung einer solchen Erfahrung hängt von der Resilienz/ Widerstandsfähigkeit der Person ab, aber auch vom Umfeld. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen im Programm des Ausstellungsraums balagan ARTS, den ich vor sechs Jahren gegründet habe und leite, Tandemausstellungen durchzuführen. Das sind Ausstellungen an denen jeweils eine geflüchtete Künstlerin und eine Künstlerin, die schon länger in der Schweiz lebt, beteiligt ist. Balagan kommt aus dem Hebräischen und ursprünglich aus dem Polnischen, wie ich erst später erfahren habe. Es bedeutet so viel wie Wirrwarr, Chaos: um Neues zu kreieren, brauchen wir Chaos.

                  R.H. Ist der weibliche Körper in Deiner Arbeit ein Ort der Erinnerung, ein Speicher von Geschichte, von Erfahrung, oder ist er ein Ort des Konflikts, der Auseinandersetzung, der Unruhe, in dem sich gesellschaftliche, politische, intime Spannungen verdichten?

                  Ich denke sowohl als auch. Einerseits beschäftige ich mich intensiv mit sinnlichen Erinnerungen, was sich in meiner mehrjährigen malerischen Auseinandersetzung mit Stoffen von alten Toravorhängen aus Osteuropa gut zum Ausdruck kommt. Diese Erinnerungen sind körperlich gespeichert und betrachte ich als unglaublichen kulturellen Schatz. Andererseits schlägt sich die Fluchtgeschichte der Familie väterlicherseits, sie mussten 1938 Wien verlassen, weil sie Juden waren und blieben auf der Durchreise in der Schweiz stecken, da die Grenzen zugingen. Ein Glück für sie, obwohl sie den ganzen Krieg über von Ausweisung bedroht waren. Durch meine Kunst habe ich die Möglichkeit, diese und andere Erfahrungen in etwas Neues zu transformieren. Kreieren kommt von Creare gebären/ erschaffen und ist somit eine grundsätzlich weibliche Erfahrung.

                  Und weil Deine Arbeit nicht im luftleeren Raum entsteht, sondern eingebettet ist in Geschichte, in jüdische Erfahrung, in europäische Gegenwart, möchte ich Dich fragen, wie sich diese Dimension in Deinem Arbeiten zeigt: Trägst Du diese Geschichte bewusst, reflektiert, suchend, oder arbeitet sie in Dir, unbewusst, fragmentarisch, manchmal widersprüchlich, manchmal klar, manchmal kaum benennbar? 

                  R.H. Ich hatte die Chance durch die Teilnahme an Tagungen Reisen in die Herkunftsländer meiner Vorfahren mütterlicherseits und väterlicherseits verbinden zu können. So fuhr ich nach Polen, Wroclaw, und von Belgrad aus nach Rumänien, Timisoara, sowie mehrmals nach Wien. Diese Reisen waren für mich sehr klärend, weil ich meine kulturellen Prägungen besser nachvollziehen und sie dadurch bewusst machen konnte. Dabei wurde mir aber auch schmerzlich bewusst, was fehlt, respektive was durch die weitgehende Auslöschung jüdischen Lebens in Süd- und Osteuropa verloren gegangen ist. 

                  Und wie erlebst Du Europa, die Schweiz heute, als Raum, der jüdische Erfahrung versteht, aufnimmt, schützt, oder als Raum, der sie rahmt, codiert, verschiebt, vielleicht auch verdrängt?

                  Die Schweiz tat sich schon immer schwer in der Auseinandersetzung mit dem Andersartigen, so ist es zwar schmerzlich aber nicht weiter erstaunlich, dass es keine Thematisierung, geschweige denn Auseinandersetzung mit dem Thema der zweiten Generation nach der Shoa gibt. Die Ereignisse infolge des siebten Oktobers führten weiter aktuell auch hierzulande zu einer Isolation der jüdischen Bevölkerung und grosser Verunsicherung. Dies betrifft nicht nur die religiöse Minderheit, sondern auch uns säkulare Jüd:innen. Ja, wir fühlen uns nicht mehr sicher und es gilt ständig abzuwägen, worüber zu sprechen ist und worüber nicht. Das Besprayen von fünf Galerien in Zürich, deren Inhaber oder Ausstellende jüdisch waren, hat auch uns bei balagan ARTS veranlasst uns sicherheitstechnisch instruieren zu lassen. Es gibt G-sei dank in der Oeffentlichkeit Exponenten, die sich auch für die Sicherheit von unsereins einsetzen. Im Alltag fühle ich mich aber ziemlich allein gelassen. Nicht nur in Künstlerkreisen. Einmal mehr zeigt sich, wer die wirklichen Freund:innen sind, auf wenn Verlass ist und auf wen nicht. Dieses Wiedererwachen des Antisemitismus ist enttäuschend, er war ja auch in der Schweiz nie wirklich weg, aber die Heftigkeit ist schon erschütternd. Was mir besonders zu schaffen macht, ist das Schweigen und kommentarlose Übergehen zur Normalität. Wie wenn unsere Erfahrung nicht zählen würde.

                  Du arbeitest als Künstlerin und als Kunsttherapeutin, und gerade diese Doppelbewegung interessiert mich sehr: Wo endet für Dich das Heilen, wo beginnt die Wahrheit, wo kippt das eine ins andere, wo widersprechen sie sich vielleicht sogar? Geht es Dir darum, etwas zu beruhigen, etwas zu ordnen, etwas zu integrieren, oder geht es Dir darum, sichtbar zu machen, offenzulegen, auszuhalten, auch dann, wenn es nicht auflösbar ist, wenn es nicht heilbar ist?

                  R.H. Wie ich vorgängig ausgeführt habe, gilt es dabei sicher etwas zu ordnen. Dann ist es aber bestimmt eine gewisse Art durch die Welt zu gehen und Erfahrungen zu verarbeiten. An Heilung glaube ich in diesem Sinne nicht, vielmehr an Integration von schmerhaften oder traumatischen Erfahrungen. Die Kunst kann eine Brücke sein, Dinge auszudrücken, die entweder vorsprachlich sind oder durch Sprache nicht in derselben Art ausgedrückt werden können. Bei meiner Arbeitsweise ist aber Sprache immer auch Teil des Prozesses. Deshalb habe ich an mehreren Stellen auch mit kulturellen Mediator:innen zusammengearbeitet.

                  Kommen wir zum Material: Textil, Stoff, Faden:

                  R.H.Meine Auseinandersetzung mit Stoffen nahm seinen Anfang in meinen ethnologischen Untersuchungen der Stoffe der Beduininnen im Sinai zu Studienzeiten. Die Verwendung von bereits vorhandenen Textilien wie in meiner Serie zu den Kasperlfiguren, die meine Grosseltern im Schweizer Exil geschaffen haben, das Nähen von verschiedener Materialen, das malen der erwähnten sakralen Stoffe beschäftigt mich seit langem und hat mich auch  meiner Grossmutter mütterlicherseits nahegebracht, die diesbezüglich sehr begabt sein gewesen sein soll. In unseren Breitengraden gilt das Textile als weibliche Kulturtechnik, in anderen Kulturkreisen ist das anders. Ich beobachte, dass meine Verwendung von Stoffen in meinen Werken die Besucher:innen besonders anspricht. So hatte ich in Ausstellungen schon sehr berührende Begegnungen, in denen es um eigene Erfahrungen mit Textilien ging. In einem solchen Moment bin ich besonders glücklich, da es in der Kunst ja schliesslich auch um Dialog geht.

                  Beitragsbild verschwommen, Bildschirmfoto als Verbindung von laStaempfli von real und digital, August 2026. Die Unschärfe, die Schrägheit ist gewollt.

                  Eine Korrektur zum mündlichen Gespräch: Regula Stämpfli interpretiert den Gesang des Urgrossvaters von Ruth E. Herzka als „progressiv“, was falsch ist. Dies ist falsch. Es gibt in keine Instrumente in der orthodoxen Gemeinde. Regula Staempfli bittet um Verzeihung dieser Interpretation, die von ihr stammt und nicht von Ruth E Herzka.

                  Das Buch ist in allen Buchhandlungen bestellbar. Es ist wunderschön, äusserst klug und sehr inspirierend. Gehört in jeden kunstafinen und historisch interessierten Haushalt.

                  1 hr 7 min
                • "Frauen. Weibliche Lebenswelten im Mittelalter." Ein Podcast von Dr.phil. Regula Staempfli zur fantastischen Ausstellung in der Stiftsbibliothek St. Gallen, Sommer 2026.

                    Das Mittelalter ist finster, die Kirche allmächtig, die Welt unbeweglich, die Menschen sind abergläubisch, die Männer herrschen und die Frauen leiden – so ungefähr lautet die handliche Kurzfassung von tausend Jahren europäischer Geschichte, die sich in unseren Köpfen festgesetzt hat und die so bequem ist, weil sie nichts erklärt, sondern alles mit einem einzigen Wort verdunkelt: Mittelalter.

                    Dieses Mittelalter, das weniger eine Epoche als eine Projektionsfläche darstellt, beginnt irgendwo nach dem Untergang Roms, endet irgendwann mit Renaissance, Buchdruck oder Entdeckung Amerikas und dient der Moderne vor allem dazu, sich selbst für aufgeklärt zu halten. Je schwärzer der Hintergrund, desto heller leuchtet die Gegenwart; je stummer die Menschen der Vergangenheit erscheinen, desto vernünftiger können wir uns vorkommen. Das sogenannte finstere Mittelalter ist deshalb vielleicht der erfolgreichste Selbstbetrug der Neuzeit. Es erzählt nicht, wie Menschen zwischen dem fünften und fünfzehnten Jahrhundert lebten, sondern wie spätere Jahrhunderte über sie urteilen wollten.

                    Wer in die Stiftsbibliothek St.Gallen tritt, muss diesen Irrtum beinahe zwangsläufig zurücklassen. Denn hier liegt das Mittelalter nicht als dunkler Block vor uns, sondern als eine Welt aus Stimmen, Farben, Zeichen, Berührungen, Korrekturen, Gebrauchsspuren und widersprüchlichen Lebensentwürfen. Hier sind die Jahrhunderte nicht verschwunden. Sie haben sich in Pergament eingeschrieben, in Tinte abgelagert, in Initialen und Randbemerkungen erhalten. Ein Buch ist hier niemals nur ein Buch. Es ist Tierhaut und Arbeitszeit, Gedächtnis und Macht, Glaube und Verwaltung, Schönheit und Disziplin, ein Gegenstand, der getragen, verschenkt, geraubt, versteckt, gerettet, gelesen und weitergegeben wurde.

                    Und mitten in dieser scheinbar so männlichen Welt des ehemaligen Gallusklosters treten in der Sommerausstellung 2026 die Frauen hervor.

                    Nicht eine einzige idealisierte mittelalterliche Frau, nicht die Frau als ewige Heilige, Mutter, Verführerin oder Opferfigur, sondern Frauen in der Mehrzahl: Inklusinnen und Nonnen, Mächtige und Dienerinnen, Produzentinnen und Mütter, Widerständige; Herrscherinnen, Äbtissinnen, Schreiberinnen, Heilerinnen, belesene Klosterfrauen und hart arbeitende Mägde. Genau darin liegt die Stärke der Ausstellung «Frauen – Weibliche Lebenswelten im Mittelalter»: Sie ersetzt ein Klischee nicht durch ein anderes, sondern öffnet die Geschichte für die Vielfalt der Lebensformen.

                    Hören Sie den Kunstpodcast von laStaempfli: „Die Frauen, die Europa machten. Über Vitrinen gegen das Vergessen.“ Bilder sind alle von laStaempfli

                    Besuch im Sommer in der Stiftsbibliothek St. Gallen. Regula Staempfli und Stéphanie Throeler mit exzellentem Audio durch die Frauenausstellung.

                    Link zur Stiftsbibliothek St Gallen: https://stiftsbezirk.ch/de/stiftsbibliothek/

                    55 min
                  • Die Kunst des Sachbuchs: Gespräch mit Heiko Heinisch, Historiker und Autor. "Der Civilization Jihad der Muslimbruderschaft" – das neue Buch beim Nomos-Verlag mit dem Titel: Politischer Islam – eine hybride Bedrohung Europas Frühjahr 2026. Moderation: Regu

                      Heiko Heinisch – Bild an Veranstaltung, zur Verfügung gestellt vom Porträrtierten selber.

                      Sachbücher haben ein Imageproblem.
                      Sie gelten im besten Fall als notwendig, aufklärend, aber selten als politische Poesie. Sachbücher im deutschsprachigen Raum sind korrekt, nicht kunstvoll; sie sind Informationsspeicher, keine Erzählung. Dabei entscheidet sich gerade im Sachbuch, ob Denken lebendig wird, oder im akademischen Aktivismus-Jargon der Gegenwart erstickt. Heiko Heinisch hat mit Nina Scholz und Gustav E. Gustenau ein wunderbares Sachbuch der poetischen und praktischen Aufklärung verfasst. In grosser Detailarbeit, mit brillantem Überblick und einem ganzen Katalog an Handlungsanweistungen inklusive wichtiges Quellenverzeichnis erklärt uns Heiko Heinisch, wie die „hybride Gefahr“ des politischen Islams für Europa aussieht, was in den letzten 50 Jahren zur longue durée von Seiten der Muslimbruderschaft, die sich in die totalitären Strömungen von Faschismus, Nationalsozialismus und Sowjetkommunismus einreiht und auch zur ähnlichen Zeit entstanden ist, bei uns in Europa so getan hat. Das Gespräch zwischen Heiko Heinisch erzählt auch viel über die Lehrstellen des öffentlichen Diskurses zu der seit dem Zweiten Weltkrieg wohl grössten Gefahr für europäische Demokratien.

                      Daneben unterhalten sich Heiko Heinisch und Regula Stämpfli auch über das Sachbuch als Kunst. Es geht nicht nur um Inhalte, sondern um die Frage, wie Wissen entsteht – und wie es so vermittelt werden kann, dass es Wirkung entfaltet. Zwischen Quellenkritik und Gegenwartsanalyse, zwischen präziser Recherche und erzählerischer Verdichtung liegt jene Zone, in der Sachbücher entweder sterben oder beginnen zu wirken. Dieses Gespräch führt mitten hinein in diese Zone. Es geht um die Verantwortung des Autors, um die Versuchung der Vereinfachung, um die Notwendigkeit der Klarheit – und um den Mut, auch unbequeme Zusammenhänge sichtbar zu machen. In Zeiten von schnellen Meinungen, algorithmischen Erregungswellen und ideologisch aufgeladenen Debatten wird das Sachbuch zur Gegenform: langsam, argumentativ, überprüfbar.

                      Oder, anders gesagt: zur Kunst des Denkens in Textform. Das Buch kann bestellt werden (es gibt sogar ein Gratis-PDF) unter https://www.nomos-shop.de/de/p/politischer-islam-eine-hybride-bedrohung-europas-gr-978-3-7560-4077-3

                      Regula Stämpfli traf Heiko Heinisch am 5. Mai 2026 via Zoom und führte das Livegespräch ungeschnitten – mit der Ausnahme eines kurzen, störenden Hustanfalls.

                      1 hr 25 min
                    • "Alma." Ein Gedicht an eine Stadt: Triest. Ein Roman über die Sprachlosigkeit des Krieges in höchster Poesie. Das Gespräch zwischen laStaempfli und Federica Manzon über ihren italienischen Bestseller "Alma" - ein Roman, der ganz frisch im Pfaueninsel Verl

                        „Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Alma in ihre Heimatstadt Triest zurück. Hier begegnet sie ihrer Jugendliebe Vili wieder, der ihr nun das väterliche Erbe übergeben soll. Zwischen den Erinnerungen an die Habsburger Kaffeehäuser ihrer Großeltern, an endlose Kindheitssommer und die Straße gen Osten, auf der ihr Vater einst immer wieder verschwand, wird Alma mit Fragen nach Herkunft, Liebe und Identität konfrontiert.“ Die italienische Schriftstellerin Federica Manzon gehört zu den interessantesten Stimmen der zeitgenössischen europäischen Literatur. Geboren in Trieste, jener Stadt zwischen Italien, Mitteleuropa und Balkan, ist ihr Schreiben stark geprägt von Grenzräumen, Erinnerung und der Frage nach Herkunft und Identität.

                        Federica Manzon arbeitete viele Jahre im literarischen Betrieb, unter anderem als Lektorin beim Verlag Guanda und als Dozentin an der von Alessandro Baricco gegründeten Scuola Holden in Turin. Diese doppelte Perspektive – als Autorin und als leidenschaftliche Vermittlerin von Literatur – prägt auch ihr Werk.

                        Bereits ihre frühen Romane wie Il bosco del confine und Come si dice addio machten deutlich, worum es Manzon literarisch geht: um die unsichtbaren Linien zwischen Ländern, Sprachen und Erinnerungen.

                        Mit ihrem Roman Alma hat sie nun ein Werk geschrieben, das viele Leserinnen und Leser besonders berührt. Alma ist nicht nur der Name einer Figur. Alma ist auch ein Echo der Geschichte, ein Spiegel jener europäischen Landschaften, in denen Identität nie eindeutig ist. Der Roman bewegt sich zwischen Triest, dem Balkan und den Spuren der Vergangenheit – zwischen Familiengeschichte, politischer Erinnerung und persönlicher Suche. Das Gespräch mit der unglaublich inspirierenden Autorin im Februar 2026 Literaturhaus München wurde auf italienisch geführt – laStaempfli übersetzt die wichtigsten Passagen und lässt aber die tolle Stimme und die Persönlichkeit von Federica Manzon auch im Original rüberkommen.

                        Im Gespräch zeigt sich Federica Manzon als eine Autorin, die mit großer Sensibilität über Erinnerung, Zugehörigkeit und das Schreiben selbst spricht. Ihr Blick auf Europa ist weder nostalgisch noch ideologisch – sondern geprägt von Neugier, Empathie, den poetischen Zwischentönen in einer komplexen Welt und literarischer Genauigkeit.

                        Vielleicht ist genau das die besondere Qualität von Federica Manzons Büchern: Sie erinnert uns daran, dass Identität kein fertiger Zustand ist, sondern eine Reise – über Grenzen, Zeiten und Geschichten hinweg.

                        „Es gibt Bücher, die liest man, und es gibt Bücher, die lesen einen. Alma von Federica Manzon gehört zu letzterem. Ich habe diesen Roman nicht einfach gelesen – ich bin durch ihn gegangen wie durch Triest selbst: eine Stadt der Übergänge, der Winde, der gebrochenen Biografien und der grossen europäischen Fragen.

                        Federica Manzon erzählt keine klassische Frauenfigur. Alma ist keine Heldin im Instagram-Sinn unserer Zeit. Sie ist keine Selbstoptimierungsfigur. Sie ist eine Suchende. Und genau das macht diesen Roman so radikal. Denn in einer Zeit, in der alle wissen sollen, wer sie sind, erzählt Manzon von einer Frau, die herausfinden muss, wer sie überhaupt sein kann.

                        Das ist grosse europäische Literatur.

                        Mich hat besonders beeindruckt, wie hier Geschichte nicht als Ideologie erzählt wird, sondern als Erfahrung. Triest ist bei Manzon kein touristischer Sehnsuchtsort, sondern eine Denklandschaft Europas: Habsburg, Kalter Krieg, italienische Identität, slowenische Geschichten, Migration, Erinnerung – alles liegt übereinander wie geologische Schichten der europäischen Seele.

                        Und Alma bewegt sich darin wie wir alle: zwischen Herkunft und Freiheit.

                        Was ich an diesem Buch so schätze: Es ist kein moralisches Buch. Es ist ein Urteilskraft-Buch im besten Sinne Hannah Arendts. Es zwingt nicht zu Positionen, sondern öffnet Räume des Denkens. Es zeigt, dass Identität nichts Festes ist, sondern etwas, das wir im Leben immer wieder neu verhandeln müssen.“

                        27 min
                      • Die Stadt als Gedicht - Jana Revedin und ihre "Gärtnerin von Venedig." Ein wunderbares Gespräch mit Prof. Dr. Jana Revedin anlässlich des neuen Buches Die "Gärtnerin von Venedig. Es ist ein Buch über Wurzeln, die Stadt als Gedicht, die Architektur von Lit
                          Jana Revedin – Porträt von Martin Rauchenwald.

                          Jana Revedin gehört zu den faszinierendsten Frauen unserer Zeit – und darüber hinaus. Die Architekturtheoretikerin, Professorin und Schriftstellerin spricht und publiziert in fünf Sprachen fliessend, liest Fachliteratur mühelos in weiteren Sprachen und lebt in Venedig. Einer Stadt, die sie bereits einmal literarisch verzaubert hat: mit der Geschichte eines armen Zeitungsmädchens, das sich in einen Conte verliebt und schliesslich das älteste Filmfestival der Welt erfindet – erzählt in ihrem Roman Margherita.

                          Auch ihr neu erschienener Roman „Die Gärtnerin von Venedig“ macht diese einzigartige Stadt erneut zum eigentlichen Hauptakteur. Revedins Sprache ist Architektur und Poesie zugleich – präzise gebaut und zugleich von grosser Leuchtkraft.

                          Die junge Eri, eine Gärtnerin von der schwäbischen Alb – wie so viele Figuren Revedins inspiriert von realen Lebensgeschichten – findet nach dem Tod ihrer Mutter eine Stelle in Venedig. Dort arbeitet sie in einem ambitionierten europäischen Projekt zur Wiederbepflanzung und ökologischen Pflege der Lagune. Es ist eine Geschichte über Herkunft und Verlust, über weibliche Selbstbehauptung und über die Frage, wie Menschen – wie Pflanzen – ihre Wurzeln neu schlagen können.

                          Im Gespräch mit Jana Revedin wird schnell klar: Architektur, Literatur und Leben gehören für sie untrennbar zusammen.

                          Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis ihrer Bücher – sie bauen Räume aus Sprache, in denen Menschen wieder lernen, sich selbst und die Welt neu zu verstehen.

                          Die „Gärtnerin von Venedig“ ist schon auf Platz 4 der Bestsellerlisten – März 2026. Wir gratulieren!

                          Es gibt zwei Korrekturen, die in der Tonspur unglücklicherweise nicht zu beseitigen sind:

                          Minute 10,45: Eugenia Errázuriz ist die Heldin vom 3. Roman „Flucht nach Patagonien“ (die Mäzenin von Jean-Michel Frank), die Mutter aber ist die Heldin vom 4. Roman „Der Frühling ist in den Baumen“ – das ist im Schnitt missverständlich.

                          Minute 16: Das Ernst Bloch Zitat zur Heimat aus „Das Prinzip Hoffnung“ ist nicht vollständig auf der Tonspur. Hier vervollständigt: „Was allen in die Kindheit schien und worin noch niemand war: Heimat.“

                          46 min

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