Digitale Originale

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  • Glückauf mit Grubengold
    Im Gespräch mit Matthias Hoffmann

    Glückauf mit Grubengold

    Im Gespräch mit Matthias Hoffmann

    Über Grubengold…

    Wir sind ein kleines Unternehmen aus Bochum. Wir unterstützen Unternehmen und Personen dabei, die Welt nachhaltiger zu machen, indem wir ihnen auf der einen Seite helfen ihre Transformation durch Innovationsansätze zu schaffen und auf der anderen Seite denen helfen, die etwas Neues – ein Unternehmen, ein Produkte – starten wollen. Hier schauen wir, wie man das möglichst erfolgreich angehen und dabei gleichzeitig nachhaltig angehen kann.

    Zum Namen Grubengold…

    In der jetzigen Form gibt es Grubengold seit zwei Jahren, gab es aber vorher schon als kleines Seitenprojekt neben unserer Arbeit im Konzern und da war es einfach pure Bergbauromantik. Wobei das den Kern ans Licht holen, das herausfördern, als Team neue Ideen entwickeln schon Teile einer guten Reihe sind, in die man sich stellen kann.

    Es ist ein sehr schöner Name, aber auch ein unpraktischer Name, weil es ihn auch vielfach schon gibt. Es gibt einen Schnaps, es gibt ein Badesalz, es gibt einen Fotografie-Laden, es gibt ein Restaurant… also es war SEO-technisch schon eine Herausforderung, dass wir jetzt oben stehen.

    Über seinen Werdegang…

    Ich bin in Bochum geboren und habe hier Mathe studiert, danach noch ein bisschen Psychologie und BWL, bin dann bei RWE eingestiegen und der Bereich wurde dann irgendwann zu innogy. 12 Jahre in der Energiewirtschaft verbracht und die letzten fünf Jahre zum Thema digitale Produktentwicklung und Innovationen. Und so haben wir uns ja auch das erste Mal kennengelernt. Ich habe dann vor zwei Jahren – pünktlich zur Pandemie – den Schritt aus dem Konzern rausgemacht, nicht so sehr, weil es mir da nicht mehr gefiel, sondern weil ich noch einmal komplett etwas anderes machen wollte. So kam es, dass wir Grubengold neu aufgesetzt haben und jetzt da sind, wo wir sind.

    Zu Rolle innogys als Inkubator für neue Technologien…

    Auf der einen Seite, dass es ein ganz klares Commitment in Richtung Zukunftstechnologien gab. Man gründet sozusagen aus der RWE den Teil aus, der die Zukunftsthemen repräsentiert. Konkret: die Kunden, die erneuerbaren Energien und die Netze. Das werden nach der Transformation der Energiewirtschaft ja weiterhin die drei Säulen sein. Es war die Idee, diese auszugründen und vom fossilen zu befreien. Von diesem Kern ausgehend, hat man den richtigen Leuten auch immer Freiräume gegeben, die dann wiederum anderen Freiraum geschaffen haben, so dass diese gestalten konnten. Das, in Kombination mit der Marke, die ja viel Aufbruch repräsentiert hat, hat für so einen großen alten Tanker aus der Energiewirtschaft schon einiges möglich gemacht.

    Zur Unternehmenskultur bei Grubengold…

    Grubengold haben wir von der grünen Wiese aufgebaut und konnten uns von Anfang an überlegen, wie wir es machen wollen und haben dabei Aspekte wie „wir entscheiden gemeinschaftlich über Themen“ oder Ansätze von Holokratie mit einbringen können. Dann sind wir geprägt von dem Thema „Business Hippitum“, dass es bei der Arbeit nicht nur darum geht Geld zu verdienen, sondern auch um die Frage, was passiert mit den Leuten, die bei der Arbeit sind und wie wirkt es auf die Welt. Wir haben aber auch ganz viele Leute, die sehr viel Liebe zum Detail haben und die sich dann – wir haben gerade eine große Bewerbungswelle – fragen: Wie schreibt man eigentlich eine gute Absage? Über solche Dinge machen wir uns Gedanken und in Summe erzielt das eine Wirkung. Wichtig ist, dass man Verbündete auf diesem Weg dabei hat, dann muss man sicher auch ein bisschen verrückt sein und auch Sachen machen, die bewusst ein wenig aus dem Rahmen fallen und auch auf Sachen achten, die im Tagesgeschehen gerade nur eine Kleinigkeit auszumachen scheinen.

    Über Kunden und Nachhaltigkeit…

    Wir haben mit Kunden zu tun, die neue Produkte oder eine neue Innovation herausbringen wollen uns sich Gedanken machen, wie sie das am Besten hinbekommen. Und da kommen wir dann dazu und helfen ihnen. Und zusätzlich bringen wir dann die Facette der Nachhaltigkeit mit. Jedem, der heute ein Startup startet, der ein neues Produkt herausbringt, kann man nur raten, das direkt nachhaltig zu machen, denn morgen musst du eh nachhaltig werden. Das ist die von der Innovation kommende Seite. Wenn ich auf der anderen Seite als Unternehmen nachhaltiger werden möchte, komme ich ganz schnell zum Thema Innovation, weil ich vor der Herausforderung stehe, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern mich zum Kern meines Geschäftsmodells bewegen muss.

    Das Thema Nachhaltigkeit fängt jetzt an sich zu bewegen, was schon einmal gut ist. Zumindest in allen Marketing-Abteilungen ist es angekommen. Das reicht natürlich nicht. Was die Politik durch die Regulierungen gestartet hat, sind härtere Regeln und die Erkenntnis, dass ich nur noch „mitspielen“ darf, wenn ich nachhaltiger bin. Außerdem ist durch die Taxonomie eine Zweiklassen-Gesellschaft in der Finanzwirtschaft geschaffen worden und es eine klare Zuordnung gibt, was nachhaltig ist und was nicht.

    Weiterführende Links:

    Grubengold

    Sanderson Jones

    Ansvar2030

    51 min
  • DisruptHR
    Im Gespräch mit Chris Böhler

    Disrupt HR

    Im Gespräch mit Chris Böhler

    Zur aktuellen Situation in der Energiewirtschaft…

    Die Energiewirtschaft ist immer noch in einem mächtigen Berg-/Tal-Fahren. Ich habe im September erst die letzte Preiserhöhung gehabt und jetzt – haben sie gesagt – müssen sie die Preise leider noch einmal erhöhen, weil sich seit September die Energiepreise verdreifacht haben. Das ist unglaublich. Da musst Du dann gucken, dass Du mit Kunden auch so zurecht kommst und das Du die noch bei der Stange hältst. Aber wo wollen die auch hin? Die machen ja alle gerade ihre Preise teuer.

    Zur aktuellen Selbsterfahrung als Energiekunde…

    (auf die Frage: Wie fandest Du den Service Deines Energieversorgers)
    Ich habe jetzt einen anderen Energieversorger. Ich fand den gut, muss aber sagen, dass es auf dem Weg dahin echt ruckelig war. Ich kenne das ja. Ich weiß, wie die Netzbetreiber und Energielieferanten sich abstimmen müssen. Und bei mir passierte dann folgendes: Ich habe einen Anruf vom Netzdienstleister bekommen, der gesagt hat, Euer Stromzähler ist ja gesperrt, ich komme jetzt gleich, um den zu entsprerren. Und ich habe geantwortet, dass ich seit ungefähr zweieinhalb Jahren Strom habe und gerade vor einem Rechner säße, der lädt. Ich hätte damit kein Problem. Er entgegnete, dass wir doch gesperrt seien und ich antwortete: Nein, das sind wir nicht.

    Zum persönlichen Hintergrund…

    Ich komme eigentlich aus einer ganz anderen Ecke. Ich bin eigentlich Zimmerer und im Herzen bin ich es immer noch. Ich würde da wahrscheinlich auch noch arbeiten, wenn ich damit Geld verdienen könnte. Ich habe dann irgendwann einmal Informatik studiert (a.d.R. Medieninformatiker) und habe mich anschließend darauf spezialisiert Leute zu befähigen, weil ich irgendwann gemerkt habe, die Informatik ist einfach arschtrocken. Daraus ist dann irgendwann die Nische entstanden, die ich gesucht und gefunden habe. Leute digital zu befähigen, über Online-Lernprogramme oder andere Medien. Ich habe mich dann sukzessive weiterentwickelt und habe die Agilität für mich entdeckt. Ich bin wie ein Fisch im Wasser: Wenn die Strömung in eine andere Richtung geht, dann schwimme ich da ganz gerne hin. Ich habe es über verschiedene Stationen geschafft, dass ich jetzt selbstständig bin und Unternehmen dazu zu befähigen, vielleicht auch anders zu denken, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die sie vorher nicht hatten und alte Hindernisse loszuwerden. Meistens stehen sich die Leute ja eher selbst im Weg als das es irgendwelche anderen Probleme auf dem Weg dahin gibt erfolgreich zu sein. Und was ich predige, versuche ich auch bei mir anzuwenden, denn da ist es auch recht holperig.

    Zur Freiheit in der Selbstständigkeit…

    Definitiv. Da gebe ich Dir absolut recht. Ich habe jetzt ein Sabbatjahr mehr oder weniger hinter mir und bin jetzt seit Januar so richtig drin. Dieses Jahr habe ich genossen. Da konnte ich mich um die Familie kümmern und ich konnte mich um meinen Bau kümmern. Und das war einfach auch notwendig, um diesen Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Von daher alles gut. Es sind halt nur diese Abhängigkeiten, wenn man sich vorstellt, dass die Stricke reißen und man sich sagt: Wow, wenn hier was schief geht, dann fahre ich den Karren aber ganz schön an die Wand.“ Ein Plan B tut da halt ganz gut.

    Zur Suche nach beruflicher Erfüllung…

    Ich kann es nicht mehr haben, mich irgendwie in einen Kasten stecken zu lassen. Als Angestellter bist du halt in einem Kasten drin und kommst da eigentlich auch nicht mehr raus. In einem ganz normalen deutschen Unternehmen hast Du einfach Deine Rolle und Deine Aufgaben und die hast Du zu erfüllen. Crossfunktionalität, selbst organisierte Teams – das, was Agilität so reizvoll macht – wird einfach nicht gelebt. Nicht in den Unternehmen, in denen ich eigentlich ganz gern arbeiten würde. Ich bin eigentlich permanent im Aufbruch und ich reorganisiere mich eigentlich permanent. Das war anfänglich der Switch vom Zimmermann zur Informatik. Ich habe an einem Tag wirklich den Hammer in die Kiste gelegt und am anderen Tag die Tastatur rausgeholt. Wortwörtlich. Ich saß vorher noch nie an einem Computer. Der erste Tag meines Studiums war der erste Tag an einem Computer.

    Zum Thema „Disrupt HR“…

    Ich habe im HR Bereich gearbeitet und habe gedacht: Leute! Das können wir besser. Warum eigentlich immer Dienst nach Vorschrift? Warum stellen wir uns nicht selbst infrage?

    Zum unternehmerischen Wandel bei innogy…

    Das war sicher auch von der Notwendigkeit zur Veränderung getrieben. Die Energiewirtschaft hat schon relativ bald erkannt, das es so nicht weitergeht. Sie hatten ihr Monopol verloren, sahen sich zunehmend mit mehr Wettbewerb konfrontiert und dann auch noch unter dem Eindruck von Fukushima, mit dem die Atomkraft den Bach hinunter gegangen ist usw. In Summe also extreme Disruption. Im Zuge dessen wurde innogy mit dem Anspruch mehr renewable zu sein und mehr ökologisch geprägt, die Dinge anders zu machen eben auch gegründet. Mit der Idee und auch dem Anspruch Business-Modelle zu entwickeln, die vielleicht später einmal tragfähig sind. Ich denke, dass ist eben das kreative und explorative Element gewesen, das so reizvoll war. Das hat von der Idee her erst einmal innen fruchtbaren Boden gefunden und ist dann eben nach außen getragen worden.

    Mehr Infos unter:

    Rodenwerk

    Chris Böhlen bei LinkedIn

    42 min
  • Interfaces und Erlebnisse
    Im Gespräch mit Nadia Wiegand

    _Zum Thema Autolayout als neuer Gamechanger…

    Autolayout ist ein sehr gutes Tool, mit dem man als Designer sehr schnell arbeiten kann und sich in einem Kontext bewegt wie ein Entwickler, weil wir immer in Boxed Models arbeiten, was es für skalierbare Anwendungen sehr viel besser macht. Und Autolayout ist ja auch nur ein kleines Fragment in diesem großen System, wie man sehr schnell Prototypen erstellen kann, was wiederum sehr nützlich ist, um schnelle Ergebnisse zu generieren.

    Zur Automatisierung im Design allgemein…

    Ich finde nichts ist schlimmer als ein Zeitfresser, den man hätte automatisieren können. Es gibt im Job so viele Aufgaben bei denen man darüber nachdenkt, warum sich dort noch niemand Gedanken gemacht hat, wie das einfacher funktionieren kann. Und dort spielt mir dann ein Tool wie Autolayout in die Karten. Bei einem Screendesign, wo du ein großes Projekt anlegst und viele verschiedene Pages hast, über Autolayout initial Aufgaben und Komponenten anzulegen, die sich dann auf das gesamte Design niederschlagen, betrachte ich als einen echten Gamechanger.

    Zum eigenen Toolset…

    Bei mir hat sich Figma inzwischen als wichtigstes Tool durchgesetzt. Ich habe mit einigen, verschiedenen Anwendungen wie Sketch oder Adobe XD gearbeitet und besitze eine dunkle Vergangenheit mit Photoshop, Illustrator und sogar Paint, was inzwischen aber auch schon mehr als zehn Jahre her ist. Die jetzige Lösung hat sich dabei vor allem deshalb heraus kristallisiert, weil sie gut zur Zusammenarbeit mit einem Entwickler passt. Als UX- und Interface Designer musst Du ja immer in einer Doppelspitze unterwegs sein und neben dem Design auch die Arbeit der Entwickler im Auge behalten. Es gibt zahlreiche Plugins, die am Ende sogar Code-Snippets „ausspucken“ und vieles mehr. Wie sich das inzwischen bei anderen Tools verändert hat, kann ich nicht sagen, weil ich seit über einem Jahr ausschließlich mit Figma unterwegs bin.

    Zum Weg und zur Spezialisierung im Design…

    Rückblickend war das schon sehr früh. Damals in der Schulzeit hat mich immer schon interessiert, wie ich Informationen schlau gliedern kann, dass man sie auch wirklich versteht. Bei Vorträgen oder auch Hausaufgaben etwa. Das hat sich später dann dahingehend entwickelt, dass ich meine Leidenschaft für das Design damit verbunden habe. Die Begeisterung und den Feinschliff hat mir dann an der Uni ein Professor vermittelt, bei dem ich beinahe alle Kurse belegt habe und der die Fragen in den Raum stellte: Wie können wir digitale Medien besser machen? Wie können wir digitale Medien nutzen? Nach dem Abschluss bin ich dann als Art Direktorin in eine Agentur gegangen und war dort für UX- und UI-Design verantwortlich und habe viele Projekte begleitet. Und bei dieser Arbeit bin ich bis heute geblieben, weil ich merke, dass ist etwas, für das ich jeden Morgen gerne aufstehe, weil es mir einfach großen Spaß macht.

    Über aktuelle Trends im Design…

    Ich bin immer sehr vorsichtig, wenn es um Trends geht, schaue aber auf Dinge, die sich zum Wohl des Nutzers verändern. Dabei kommt es dann auch immer sehr darauf an, in welchem Kontext man sich gerade bewegt. Was ich verstärkt beobachte ist eine stärkere Veränderung hin zu Micro-Interactions, was ich persönlich auch total gut finde., weil Interfaces dadurch immer lebendiger werden. Sie erzeugen Emotionen, indem sie – über kleine Ebenen und kleine Animationen – quasi mit dir kommunizieren. Das ist jetzt nichts unbedingt Neues, wird aber immer häufiger eingesetzt. Das liegt sicher auch daran, dass der Zugang dazu – beispielsweise durch den Zugriff auf entsprechende Libraries – immer einfacher geworden ist. Ein anderes Thema, das ich beobachte ist das UX-Writing, bei dem es um anwendungsbezogene Kommunikation geht, die man als kleine „Brotkrumen“ verstreut, so dass man sich viel einfacher durch ein Interface durchnavigieren kann. Und dann auf jeden Fall auch noch 3D-Animationen oder generell das Thema 3D. Diese Weite, die ich auf meinem Screen haben kann, wenn ich mit WebGL unterwegs bin.

    Über die Erfahrungen mit dem eigenen Tesla…

    Ein Benutzerhandbuch brauchte ich tatsächlich noch nie, weil alles ganz intuitiv gelöst ist, was ich sehr begrüße. Man muss sich erst einmal umstellen, weil man keine Anzeigen mehr hinter seinem Lenkrad hat, sondern nach rechts auf das große Display schauen musst und das du von dort aus auch viele Dinge bedienst. Das ist ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung, auch wenn es natürlich auch dort Dinge gibt, die noch nicht so richtig funktionieren. Ich begrüße immer Dinge, die getestet werden und das ist ja auch nichts anderes als ein Test. Dieses Display ist sehr beeindruckend und du kannst unendlich viele Dinge damit machen. Du kannst die Heizung damit steuern, du kannst Fahrerprofile damit speichern, du kannst Netflix gucken, wenn du irgendwo beim Laden stehst. Was sich noch verbessern ließe, ist die Bedienung während des Fahrens. Da gab es jetzt ja so ein schönes Update, was von der Nutzerführung und dem Interface meiner Meinung nicht so in die richtige Richtung gegangen ist. An machen Stellen vielleicht, an anderen ein bisschen weniger.

    Über die "Idee Tesla"…

    Man macht eine sehr steile Lernkurve mit, zu der auch gehört, dass die Dinge anders eingestellt werden müssen. An der einen oder anderen Stelle stelle ich mir auch die Frage, ob das nicht schon der Bedienung eines Smartphones nahekommt. Wenn ich meinen Scheibenwischer einstellen will, mache ich das nicht mehr über einen Regler, sondern muss über das Display in ein entsprechendes Menü wechseln, wenn ich die Sitzheizung nutzen möchte, muss ich über einen passenden Shortcut gehen. Es ist einfacher wenn du Knöpfe drücken kannst bei einem Fahrzeug, das nicht über ein Display gesteuert wird. Wenn du keinen Beifahrer hast, musst du für die eine oder andere Einstellung tatsächlich ranfahren, damit du sicher unterwegs bist. Und ich weiß nicht, ob das in die richtige Richtung geht.

    Weiterführende Links:

    Website Nadia Wiegand

    51 min
  • Wie sexy ist B2B?
    Im Gespräch mit Ansgar Hein

    Wie sexy ist B2B?

    Im Gespräch mit Ansgar Hein, Thinkb2b

    Ansgar Hein ist bereits seit 1997 professionell im Internet als Marketingprofi und Technik-Versteher unterwegs. Über NewMedia, E-Commerce, E-Payment hat er online schnell Fahrt aufgenommen, um anschließend den Weg zu einer eigenen Agentur und einem eigenen Verlag zu finden. Dann als Marketer wieder zurück auf die B2B-Unternehmensseite und seit kurzem wieder zurück in die Selbstständigkeit als Unternehmensberater für Marketing und Embedded Technologies. Marketing trifft Technik kennzeichnet dabei kontinuierlich seinen beruflichen Werdegang.

    Zu der Zurückhaltung von Kreativagenturen gegenüber B2B

    B2B ist nicht so „fancy“ in der Außendarstellung wie B2C, was aber auch daran liegt, dass man eben keine breite Masse erreichen muss. Das bedeutet aber wiederum keineswegs, dass es langweilig sein muss oder nicht sexy sein darf…ganz im Gegenteil. Für mich persönlich sehe ich da kaum Unterschiede zum B2C.

    Zur Kommunikation im B2B Umfeld

    Das B2B Marketing-Thema ist in der Historie schon sehr stark technisch geprägt. Das wird auch immer noch von Ingenieuren oder Technikern geführt, die mitunter gar keinen Marketing Background haben, aber dann ins Marketing gegangen sind. Entsprechend werden dann Fakten „gebolzt“, was ja prinzipiell auch richtig und wichtig ist. Das heißt aber natürlich nicht, dass Fakten langweilig dargestellt werden müssen.

    Zur Frage, wie man Coca Cola im B2B Umfeld vermarkten würde

    Man würde vermutlich damit anfangen, die Rezeptur auseinander zu nehmen, ohne dabei das Geheimnis der Rezeptur zu verraten. Die Cola würde über eine Erklärung, dass da ein Phenolsäureextrakt sei, das zu 0,2% antiseptisch wirke verkauft werden. So würde es B2B aufziehen.

    Genau das beschreibt die Diskrepanz, die wir zwischen B2B und B2C beobachten. B2C hat sich davon komplett gelöst und argumentiert nicht mehr über die Stoffe – zumindest zum größten Teil nicht mehr – während es für B2B die Unterscheidungsmerkmale zum Wettbewerb darstellt.

    Zum Community Gedanken im B2B Business

    Wenn wir jetzt mal auf den Kundenstamm eines mittelständischen Unternehmens blicken, dann treffen wir da keine Millionen an, sondern es handelt sich um einen kleinen, ausgewählten Kreis von einigen hundert oder manchmal ein paar tausend Kunden, je nachdem wie weit die Marke trägt und agiert. Aber wenn man sich das anschaut, dann ist das wie ein VIP Klub. Und ich finde, dass das dann auch gemanaged werden sollte wie ein VIP Klub. Da muss man dann vielleicht auch noch einmal ein wenig segmentieren und die Top-Kunden filtern, dann hat man vielleicht noch ein paar „Möchte-gern“-VIPs und man hat Leute, die vielleicht überhaupt einmal in den Klub hinein schnuppern möchten. Und um diese Situation herum kann man doch eine tolle Geschichte bauen.

    Zum Unterschied legendärer B2B „Love brands“ und "typischen KMU"

    Wir haben diese Leuchttürme wie John Deer, Catarpillar oder auch Intel und neigen schnell dazu, diese zu überhöhen. Ich habe aber auch bereits in einem eher ländlichen Unternehmen mit rund 45 Mitarbeitern erfolgreich eine B2B Community aufgebaut.

    Zur Vorgehensweise bei diesem Modell

    Es gibt keine Blaupause dafür. Was ich in dem genannten Fall gemacht habe, war zunächst mit meinem Team einen tollen Event aus dem Boden zu stampfen. Hierzu haben wir alle Topkunden eingeladen und haben die Veranstaltung auch direkt als VIP Event kommuniziert. Und wir haben damit eine überragende Quote erzielt: Von 200 eingeladenen Adressaten konnten wir 160 bei der Veranstaltung begrüßen. Und das war der Startpunkt. Und von da an haben wir nicht mehr losgelassen. An die Veranstaltung schloss sich eine Nachberichterstattung an, haben dann an Weihnachten und zwischendurch Events veranstaltet und ihnen Informationen zugespielt, die sonst niemand bekommen hat. Klar, zwischendurch springen auch schon mal ein paar ab, aber es kristallisiert sich schnell ein harter Kern heraus, der Interesse am Austausch, am Netzwerken mit anderen und daran, sich immer stärker an den Brand des Unternehmens zu binden, verspürt. Und das haben wir entsprechend bedient.

    Links zum Thema:

    Think B2B

    B2B Marketeer

    The Community Canvas

    57 min
  • Sound Kommunikation
    Olli und Ralf sprechen über die Macht der Musik

    Im Gespräch über Sound Kommunikation

    DO ist aufgefallen, wie wichtig Sound – also nicht einmal unbedingt ausschließlich Musik – in der Kommunikation ist, wenngleich er oft auch nur unbewusst wahrgenommen wird.

    Auch ohne den Blick auf den psychologischen Zusammenhang spielt Musik aus Sicht der DO in der Kommunikation eine zentrale Rolle. Wenn man beim Film ansetzt, denkt man schnell an die Stummfilmzeit, in der die filmischen Werke von einem Live-Musiker – einem Pianisten – begleitet wurden. Ihnen fiel dabei schnell die Rolle zu, angedachte emotionale Reaktionen auf die Handlung über Musik zu verstärken. Damit ist die Rolle, die Musik in der Folge im Film und auch in der Werbung traditionell einnimmt bereits sehr klar umrissen. Musik ist geeignet uns emotional auf eine sehr prägende Weise einzunehmen, was auch an Songs und Musikern deutlich wird, die uns während des Heranwachsens begleiten und nicht mehr loslassen. Man verbindet Situationen, Begegnungen, Beziehungen und vieles mehr mit Musik oder mit Sound.

    Was das akustische Treiben von Sound im Film betrifft, ist Hitchcocks „Psycho“ mit der legendären „Duschszene“ für die DO ebenfalls ein fantastisches Beispiel. Ohne eine wirkliche Bedrohung oder Gewaltanwendung zu zeigen, verstärkt der kreischende Sound der Violinen die bedrohliche Stimmung. Ähnlich gut gelungen ist das bei Spielbergs „Der weiße Hai“, bei dem man das bedrohliche Tier lange Zeit gar nicht zu Gesicht bekommt, über das musikalische Motiv aber dennoch seine Anwesenheit „wahrnimmt“.

    Als Reaktion auf das Übermaß akustisch verstärkter Emotionstreiber im Film, hat sich die Gruppe „Dogma 95“ um den dänischen Regisseur Lars von Trier einem Manifest verschrieben, dass u.a. keine nachproduzierte Musik in Filmen zuließ. Musik im Film war damit nur möglich, wenn sie als Teil der Handlung tatsächlich auch auftauchte.

    In der Weiterentwicklung hat auch das Marketing diese Idee aufgegriffen und sich beispielsweise mit der Gestaltung von Sound Logos beschäftigt. Die DO nennen hier stellvertretend Audi, die mit der akustischen Idee eines schneller schlagenden Herzens ein Sound-Signet gesetzt haben. Das legendäre „dadadadida“ der Telekom feierte 2019 bereits seinen 20. Geburtstag, und Frosta lieferte in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts in einem eindrucksvollen Blog-Beitrag eine vage Vorstellung vom Wert eines Sound-Logos. Der klägliche Versuch, in diesem Zusammenhang einen Kalauer mit Bezug auf die Glocke bei den Pawlowschen Hunden zu reißen und deren Klang als Signet für Hundefutter zu verkaufen, scheitert auf der ganzen Linie.

    Im Web tut man sich dagegen mit der Einbindung von Musik und Sound deutlich schwerer. Er muss in der Regel, wenn überhaupt vorhanden, aktiv vom Seitenbesucher „angefordert“ werden, was den Aufbau einer natürlichen emotionalen Stimmung eher erschwert. Eine Theorie der DOs führt dieses auf den eher inflationären Einsatz von Sounds und Musik in den Zeiten der weit verbreiteten Flash-Technologie zurück. Heute aber sei Sound im Web eigentlich wieder wünschenswerter und könnte im Bereich des Nutzererlebnisses beispielsweise als Feedback-Instrument für eine richtig oder falsch ausgeführte Handlung viel stärker zum Einsatzkommen. Auf Computern und Devices ist das ja bereits ein fester Bestandteil der Oberflächen-Gestaltung.

    34 min
  • Gott ist ein Kreativer – kein Controller
    Im Gespräch mit Frank Dopheide

    Gott ist ein Kreativer – und kein Controller

    Im Gespräch mit Frank Dopheide

    Zu den Kanzler-Kandidat:innen der bevorstehenden Bundestagswahl

    Ich erkenne große Traurigkeit. Ich erkenne Fake-Leadership, aber nicht irgendjemanden der die Ärmel hochkrempelt, die Dinge in die Hand nimmt, tapfer genug ist, eine eigene Vision oder Zielrichtung zu entwickeln und ich glaube, das spüren irgendwie alle. Wenn das das Beste ist, was Deutschland an politischer Führung zu bieten hat, dann fühlen wir uns alle nicht gut. Und deshalb gibt es wahrscheinlich auch noch so viele Unentschiedene und Unentschlossene und man hofft, dass sich noch irgendetwas ändert, auch wenn wir nicht genau wissen, wie das passieren soll.

    Zur Motivation für das Buch

    In erster Linie ist es Kampfgeist, in zweiter Linie ein großes Ungerechtigkeitsgefühl und in dritter Linie großer Optimismus. Wir haben die Kreativität abgeschaltet. Die rechte Gehirnhälfte ist in der Welt der Wirtschaft gar nicht mehr im Einsatz. Woran können wir das sehen? Die Logik entscheidet mittlerweile allein. Du kannst als Unternehmenslenker uninspiriert sein, du kannst unmoralisch sein und dann kannst sogar unerfolgreich sein, solange deine Entscheidungen nicht unlogisch werden und du allen erklären kannst, warum du das jetzt gerade so entschieden hast. Das führt aber dazu, dass wir alles, was für Menschen auch wertvoll ist – obwohl da gar kein Preisschild dran ist – zur Seite schieben. Somit haben wir für jede Lösung immer nur ein logisches Problem. Wir betrachten die Probleme der Welt wie eine Mathematikformel. Alle gucken drauf und alle kommen, rein logisch betrachtet, zu der selben Erkenntnis und zu der selben Logik. Das ist wie ein Navi, dass nur eine Route hat und da sind alle unterwegs und da ist Stau. Und deshalb glaube ich, mit dem logischen Denken, mit dem reinen Effizienzdenken á la „wir sourcen alles out“, „wir schneiden alles raus“, „wir optimieren uns im Detail“ kommen wir allmählich in eine Sackgasse. Die Kreativen unterscheiden sich massiv davon, weil die überhaupt neue Gedanken haben, die sie in die Welt bringen können. Die können etwas Neues von Wert schaffen und das ist jetzt mal gefordert. Wir sind mit unserem alten System, egal, ob wir Autos bauen, wie seit hundert Jahren, Zeitungen drucken, wie seit hundert Jahren, dieselbe Kopfschmerztablette schlucken, wie seit hundert Jahren, Strom produzieren, wie seit dreihundert Jahren allmählich in eine Sackgasse geraten und jetzt brauchen wir den gedanklichen Sprung, was in der Natur Mutation heißt.

    _Zur Frage, inwieweit auch die Agenturszene vom „Logikproblem“ betroffen ist

    _
    Das ist todtraurig. Hier ist ja wirklich die große kreative Kraft. Menschen, denen etwas Neues einfällt, die hohe Empathie … Einfühlungsvermögen in unterschiedliche Zielgruppen, Lebensformen usw. haben. Die übrigens auch sehr zäh sind und Nächte durcharbeiten können und aufs Wochenende verzichten, weil sie an bestimmte Ideen glauben. Und weil sie ja immer ein magisches Element haben, um zu hören: Wie seid ihr denn jetzt auf diese Idee gekommen? Wie kann diese Idee wertvoll sein? Wann immer Kreative ins Spiel kommen, erhöht sich der Wert eines Produkts, weil er nicht nur auf den reinen Erschaffungswert zurückzuführen ist. Dann kostet eine Louis Vuitton Tasche wahrscheinlich eher 29,90 EUR. Dann ist folgendes passiert: Man hat die Kreativität der Magie beraubt. Du hast die kreativen Prozesse auseinander geschraubt. Da war erst die Strategie, dann hast du Richtungen abgestimmt, dann hast du die Richtung in Überschriften formuliert, dann hast du die Überschriften mit Bildern illustriert und dann wurde praktisch gar nicht mehr das Gesamterlebnis zelebriert, sondern Stückchen für Stückchen für Stückchen, wie beim Auto, ein Produktionsprozess daraus gemacht. Dann hast du – auch grausam – nicht nur die Magie, sondern auch den Wert weggenommen, weil du auf einmal auf Stundensätze gegangen bist. (Beispiel:) „Wie lange brauchst Du denn als Texter, um dir da mal einen guten Satz einfallen zu lassen? Länger als einen Tag ja wohl nicht!“ Und ganz zum Schluss, das war vielleicht der größte Fehler von allen, haben wir gesagt: „Wir kreativen Leute fangen an zu denken, wenn Ihr ein Mediabudget habt. Solange Ihr keinen Mediaplan habt, braucht Ihr uns doch gar nicht.“ Solange es irgendetwas mit Menschen zu tun hat, mit Kommunikation, mit Vertrauen und Glauben, können kreative Geister innerhalb der Werbeindustrie zu Lösungen beitragen. Was wäre es eigentlich wert zu sagen, wir haben da übrigens eine Idee, wie sich jetzt einmal 15 Millionen Deutsche mehr impfen lassen. Hier ist unser Beitrag. Mein Gefühl ist, das wäre Milliarden wert. Aber das wird gar nicht abgerufen, weil das nicht mit Mediaplanung unterlegt ist.

    Weiterführende Links:

    Frank Dopheide: Gott ist ein Kreativer kein Controller

    Wikipedia zur Person

    human unlimited

    Interview absatzwirtschaft: Warum ist Excel eine Erfindung des Teufels, Frank Dopheide?

    43 min
  • Von der Zukunft erzählen
    Im Gespräch mit Dr. Martin Kiel

    Von der Zukunft erzählen

    Im Gespräch mit Dr. Martin Kiel

    Wo wir Martin kennengelernt haben…

    Martin war als Germanist viele Jahre IT-Leiter der Douglas Gruppe in Hagen. Er zollt dem Unternehmen noch heute Respekt dafür, so etwas auch zugelassen und den Blick über den Tellerrand ermöglicht zu haben.

    Zu seiner Rolle als Kreativer…

    Ich kombiniere vielleicht ganz gut ein paar Dinge und bin manchmal auch ein wenig früh mit meinen Ideen. Ich wäre gar nicht denkbar, ohne das andere mich gut erklären.

    Zum Binnen-Verhältnis von Kreativität und Technik…

    Ich zitiere hier gerne den lieben Kollegen der UdK Berlin, Stephan Porombka, der Menschen in ihrer Praxis als Medium der Gegenwart begreift und "als Medium der Gegenwart treffe ich natürlich jeden Tag Entscheidungen". Mache ich nur Print oder anderes oder begreife ich mich als gestaltender Mensch mit allem, was mir zur Verfügung steht. Ich sehe oft, dass radikale Trennungen noch immer opportun sind und das finde ich im Sinne der "hyper literacy" schwierig. Also das Erlernen der Sprache zur Digitalisierung bis hin zur Programmierung, diese zweite Alphabetisierung, die natürlich ein bisschen komplexer ist, macht dann den Unterschied.

    Zu Verhältnis mit der eigenen Kreativität…

    Eine meiner Leitphilosophien war schon immer die der Immersion, nur damals konnte ich das gar nicht so nennen. Was kann das denn jetzt heißen? Da ich aus der Sprachforschung komme, also Deutsch als Fremdsprache, habe ich mir das irgendwann dort abgeguckt. D.h. wenn ich eine Sprache lernen will, dann gehe ich ja meist dahin, wo die Sprache gesprochen wird. Bei Innovation und Kreativität stellt sich ja die Frage, wo das "Land" dafür ist. Für mich waren immer der Keller, die Garage, die Werkstatt Orte, von denen ich dachte, da kommen Leute zusammen und da kann ich etwas ausprobieren… deshalb hatte ich auch immer so einen Anspruch – auch bei Douglas habe ich dann einen Keller ausgebaut – Menschen am Gegenstand zusammen zu führen. Darum finde ich es spannend, was heute im Bereich MVP, Agilität passiert, wenn das Ganze wieder anfassbarer wird, wenn man es zulässt.

    Zur These, dass die Zukunft heute schneller geschieht als das von ihr erzählt wird…

    Das muss man aufpassen, weil so ein Thema damit einhergeht, dass Kreativität auf einen Sockel gehoben wird und – ich glaube – Reckwitz (Soziologe) in dem Falle vom Kreativitäts-Imperativ spricht und das ist natürlich ein Joch für Menschen, kreativ sein zu müssen und letztlich dann auch zu wollen und das ist – glaube ich – auch nicht klug. Also dieses Prinzio: Wir schaffen das nur, wenn alle kreativ sind.

    Zum Thema "Von der Zukunft erzählen"…

    Ich mache das ja nicht alleine, sondern u.a. mit der Carmen Radeck von RuhrGründer:innen und dem Arne Elias von der Wirtschaftsförderung Dortmund. Auslöser war hier tatsächlich die Frage, welchen Beitrag können wir – die Menschen – im Bezug auf Nachhaltigkeit etc. pp noch leisten? Was uns auffiel, war natürlich, dass wir als Germanisten mit der hermeneutischen Kompetenz, bei der "Entschlüsselung" von Systemen unterstützen könnten. Wie würden wir denn die Akteure, die heute schon etwas machen und wie sie es machen, deuten und interpretieren für eine Gegenwart und Zukunft? Wie wäre es, wenn wir Menschen, die heute schon in ihrem Feld aktivistisch tätig sind, manches Mal aber mit anderen so gar nicht zusammenpassen, tatsächlich zusammenbringen? Im Sinne einer Kollision. Also Menschen zu Themen zusammenbringen. Und wenn wir das dann einmal aufschreiben für eine Stadt oder vielleicht auch für mehrere Städte und da Geschichten aus einer Praxis herausbringen, dann könnte das eine schöne Dokumentation sein, es könnte aber auch – und das ist unsere große Hoffnung – eine Art cokreativen Moment haben, wo Leute anschließend etwas zusammen machen.

    Weiterführende Links:

    The Black Frame

    Digitale Werkbank Dortmund

    A. Reckwitz: Die Erfindung der Kreativität

    Wikipedia: Learning from Las Vegas

    50 min
  • A lot of E Commercy...
    Im Gespräch mit Stefan Zessel, Shopware

    A lot of E Commercy

    Im Gespräch mit Stefan Zessel, Sales Director bei Shopware

    Bezogen auf die Entwicklung von Shopware (als Unternehmen)…

    Es ist eine ganz verrückte Reise gewesen bisher. Ich bin jetzt knapp im zehnten Jahr dabei. Als ich angefangen habe, waren bei Shopware um die 20-25 Mitarbeiter dabei und da haben wir einen Jahresumsatz gehabt, wie jetzt in zwei schlechten Wochen. Es ist ohne Ende auseinander gegangen. Aber seit den Zeiten mache ich eigentlich immer dasselbe: Als Director Sales bin ich verantwortlich für die Zufriedenheit unserer Kunden und Partner. Das hat sich nicht geändert. Nur die Anzahl der Menschen im Team, die dabei unterstützen, ist ziemlich gewachsen. Von den anfänglich 20 Leuten sind wir inzwischen bei über 300 Mitarbeitern, die dafür sorgen, dass unsere Kunden gehört und unsere Partner unterstützt werden, die Onlineshops betreuen und dafür sorgen, Deutschland und inzwischen zusätzlich auch Europa zu digitalisieren.

    Zu den Veränderungen, die mit der Entwicklung des Unternehmens einhergehen…

    Da kann ich Euch zunächst einmal Greiners Curve Modell ans Herz legen. Das ist natürlich eine starke Vereinfachung der Realität, aber da geht es um Unternehmen, die im Wachstum verschiedene Phasen und Krisen durchlaufen. Ich habe mir das durchgelesen und dabei dann gedacht: „O.K. wir haben wirklich schon viele Krisen mitgemacht, aber auch Wachstumsphasen. Unterschiedliche Führungsstile haben wir dabei nicht unbedingt entwickelt, glaube ich. Wir versuchen mit unseren drei Werten: Offen, authentisch, visionär einen möglichst laissez-fairen Führungsstil mit flachen Hierarchien an den Tag zu legen und versuchen unsere Mitarbeiter so zu empowern, dass sie Entscheidungen selbst und dadurch auch schnell treffen können und damit auch den Spielraum haben, aus Fehlern lernen zu können. Vom Führungsstil haben wir nicht viel geändert, aber das Loslassen können, weg vom Micromanagement, die Leute machen lassen, das ist etwas, was wir alle kräftig lernen mussten. Und du hast halt ständig das Thema, das du an Strukturgrenzen kommst.

    _Zur besonderen Situation des Münsterlands in Sachen Digitalisierung…

    _
    Uns kennzeichnet der Mut, Dinge einfach anzugehen, auch mal zu stolpern. Die Gründermentalität dahinter, wenn man sich die Vita von dem Tobi Groten von tobit.software als auch die von unserem Stefan Hamann anschaut (Einwurf: „Tobi Groten ist ordentlich älter“), sind beide einfach ins kalte Wasser gesprungen, haben Dinge einfach gemacht und das leben Beide auch noch heute vor. Ich will nicht sagen, das ist typisch fürs Münsterland, aber wir haben auch noch „develop“ und ein paar andere Unternehmen, die auch diesen Geist versprühen. Mut ist der Treiber und nicht Sicherheit!

    Zu Veränderungen im Markt und der Shopware Community…

    Das ist so. Das ist ein Brett. Aber das ist einer unser Grundwerte und fest bei uns verankert. Vom Quellcode bis hin zur Kommunikation nach außen, zieht sich das quasi durch. Nichtsdestotrotz müssen wir inzwischen in einer Matrix und in Märkten denken, die wir vorher so nicht hatten. Und jetzt ist es tatsächlich auch so: Mit einer. gewissen Größe und Anzahl an Kunden, die in unterschiedlichsten Branchen und Größen unterwegs sind, von notebooks-billiger, die sehr groß und enterprise-lastig unterwegs sind und entsprechende Themen einfordern, bis hin zu einem sehr kleinen Betrieb, der Torten über das Internet versendet. Und das alles immer zu kanalisieren und zu bestimmten Themen auch einmal nein zu sagen, trifft natürlich nicht immer auf Applaus. Das Opportunitätsmanagement dahinter – auch verbunden damit, warum wir etwas nicht machen – bekommst du nur durch sehr transparente Kommunikation transportiert. Und da reden wir gar nicht einmal von Verständnis – das wäre dann schon die Kür – sondern einfach nur von Akzeptanz. Input aus der Community in das Produkt einfließen zu lassen, geht halt nicht immer und passt nicht immer zur Produkt- oder Unternehmens-Strategie.

    Zum Thema Corona und Digitalisierung…

    Erst einmal sind wir selbst in eine Art Schockstarre gefallen, haben uns dann aber auch sehr schnell gefragt, wie wir helfen können. Als Software-Anbieter liegt es nahe, dass wir Lösungen schaffen. Zum einen haben wir unser Produkt günstig gemacht oder für den Einzelhändler, der sehen musste, wie er seine Lager leer bekommt, eine Zeit lang kostenlos angeboten. Da hat man auch gesehen, dass die Leute gut zusammenhalten, das hat gut funktioniert. Gleichzeitig haben wir ein Projekt namens „Down town“ mit initiiert, bei dem es um eine Art Marktplatz ging, auf den alle Händler einer Kommune – wie beispielsweise Münster – ihre Produkte „raufhauen“ konnten und dann konnten die Kunden dort ihre Beschaffungen machen. Da haben wir versucht zu unterstützen, haben als Softwareanbieter aber gleichzeitig auch von der Situation partizipiert. Für die Händler, die dieses Business vorher verpennt haben, muss aber auch klar gesagt werden, dass es nicht so ist, dass Du mit 1-2 Klicks das E-Commerce Business beherrschst. Das haben wir auch immer klar so gesagt.

    Zum Social-Shopping auf Facebook, Instagram & Co. …

    Es ist ja nicht nur Facebook und Instagram, es ist WhatsApp, es ist YouTube…eigentlich versucht jeder die Commerce-Funktionalitäten mehr und mehr anzubieten. Die Gatekeeper Funktion wird mehr und mehr dazu genutzt, den Verkauf direkt selbst mit einzubinden. Damit beschäftigen wir uns auch und stellen uns die Frage der Positionierung. Wer nutzt das und wie abhängig bist du dann von diesen Plattformen? Die Frage als professioneller Mittelständler lautet hier: Kannst Du es Dir überhaupt leisten, die Prozesse an dieser Stelle nicht zu ownen und den Finger drauf zu haben? Oder begibst du dich in die komplette Abhängigkeit und sparst dafür einen Teil deiner Marketingausgaben.

    Weiterführende Links zu Shopware:

    Shopware Website

    Shopware Community Day 2021

    Shopware TV

    48 min
  • Digital Thinking
    Olli und Ralf im Gespräch

    Die Digitalen Originale sprechen über Digital Thinking

    Ausgehend von der These, dass die Digitalisierungsvorhaben in Unternehmen und bei der „öffentlichen Hand“ sehr häufig schon direkt beim Einstieg an mangelndem Wissen und einer zu hohen, zugrunde gelegten Komplexität scheitern, überlegen Olli und Ralf in dieser Ausgabe, ob sich die Prinzipien des Design Thinking nicht auch auf die Digitalisierung von Prozessen übertragen lassen. Dabei schauen sie zu Beginn auf die im Zusammenhang mit der Pandemie in relativ kurzer Zeit entwickelten App-Lösungen sowie die aktuell viel diskutierte Warnapp Nina und ziehen eine kurze Bilanz. Hier verfestigt sich der Eindruck, dass man – wenn die Not nur groß genug ist – tatsächlich auch in die Umsetzung gelangt und „etwas gebacken bekommt“, während man sich bei allem anderen einfach nur das Hirn zermartert und ohne Ergebnis bleibt. Der eher pragmatische Ansatz, einfach einmal loszulegen und sich auszuprobieren, ggf. zu korrigieren und anzupassen, ist hier eher selten anzutreffen.

    Mit Blick auf die jüngste Hochwasser-Katastrophe in NRW, Rheinland-Pfalz und Bayern gerät die Warnapp NINA in den Blick, an deren Funktionalität öffentlich ja auch sehr viel Kritik entbrannt ist. Olli und Ralf verdeutlichen aber auch, wie wertvoll solche Apps heute eigentlich sein können und belegen das zusätzlich mit einem eigenen Projekt aus der Vergangenheit, als sie – gemeinsam mit einem großen Energieversorger – die App „stromausfall“ ins Leben gerufen haben. Die Beiden sind sich darüber einig, dass es unendlich viele Themen gibt, die sich schnell und einfach lösen ließen, faktisch aber gar nicht angegangen werden.

    Über diese Beispiele geht es anschließend ins Grundsätzliche. Ralf unterstellt, dass viele Unternehmen bereits deutlich zu komplex bzw. kompliziert an das Thema Digitalisierung gehen und das Vorhaben allzu schnell an technische Überlegungen und Lösungen heften. Nach dem Modell des Design-Thinking ginge es aber doch zunächst viel grundlegender bei der Definition des Problems, dem kreativen Entwickeln möglicher Ideen mit anschließender, konzeptioneller Lösungsfindung los, bevor man sich der konkreten technischen Lösung im Sinne einer Prototypen- oder MVP-Entwicklung widmet. Oliver führt aus, dass dieses Modell in der Praxis nicht zuletzt auch durch die Struktur der unterschiedlichen Dienstleister, die ein Unternehmen zur Unterstützung heranzieht, zum Scheitern verurteilt sei. Ein klassisches IT-Unternehmen steige gar nicht in einer so frühen Phase in das Projekt ein, um einen Ansatz wie Design-Thinking verfolgen zu können, während eine Agentur klassisch auf die „schönen Bilder“ und die Gestaltung beschränkt würde. Außerdem seien sie innerhalb der Unternehmen eher dem Marketing zugeordnet und säßen damit nicht unbedingt dort, wo die zentralen strategischen Entscheidungen getroffen werden. Dort fände man dann vielmehr die klassischen Berater, denen es in vielen Fällen wiederum an der praktischen Expertise fehle. Vor diesem Hintergrund seien dann auch die Bemühungen der einzelnen Gewerke zu verstehen, das fehlende Wissen entsprechend aufzubauen. Dieser Prozess sei allerdings noch im Gange.

    Ein Beispiel für die gelungene Umsetzung eines digitalen Prozesses mit hohem Mehrwert liefert das Projekt SNAP der Mitnetz Strom. Hierbei handelt es sich um einen Netzbetreiber, der aus dem Ansatz einer Informationsübersicht über Strom-Einspeisungspunkte eine Anwendung geschaffen hat, mit dem sich der gesamte Antragsprozess zeitlich radikal verkürzen lässt und damit einen echten Mehrgewinn darstellt.

    Bei der Digitalisierung fehlt es nach Olli und Ralf noch immer an der nötigen Aufbruchstellung und dem Mut, einfach einmal loszulegen. Hier möchten sie Unternehmen motivieren, sich mit ihren Prozessen und Abläufen kritisch auseinander zu setzen und auf mögliche Potenziale abzuklopfen. Gerne auch mit Unterstützung der Dienstleister ihres Vertrauens, die zumeist den notwendigen Blick von Außen in die Vorhaben tragen, was den Prozess der Lösungsfindung oft deutlich verbessert.

    Links zum Thema:

    Corona Warn App

    Luca App

    Warn App NINA

    Stromausfall & Co.

    SNAP / Mitnetz Strom

    Artikel zu Design Thinking

    31 min
  • Zurück in die Zukunft – Sonderausgabe
    Im Gespräch mit Dieter von Acken

    Sonderausgabe (Länge 60 Minuten)

    Im Gespräch mit Dieter von Acken, Tobit.Software

    Zu den Anfängen Tobits

    Wir sind eigentlich schon seit 1986 auf dem Markt, also sehr, sehr lange für ein IT-Unternehmen, sind aber kein alter Laden, sondern eher Startup. Eigentlich erfinden wir uns jedes Jahr neu. Angefangen haben damals, als Du uns wahrscheinlich kennengelernt hast, noch mit dem Thema Fax. Da hatten wir so eine Lösung, mit der konnte man direkt vom Computer Faxe versenden. Sensationell, weil das gab es damals nicht. Versenden und empfangen, zeitversetzt, termin- und versandoptimiert. Das war damals angesagt. Und dann kam irgendwann das Internet und hat dafür gesorgt, dass diese ganze Art der Kommunikation überflüssig wurde.

    Zum Zusammenhang von Tobit und Ahaus

    Wir sind hier in Ahaus groß geworden. Bevor es das Internet gab, hat wir verschiedene Niederlassungen in der ganzen Welt, waren weltweit unterwegs und das war eine coole Zeit. Als der Vertrieb über das Internet kam, brauchtest Du das alles nicht mehr und es konzentrierte sich alles auf den Standort. Wir haben uns dann stärker auf den deutschen Markt konzentriert. Irgendwann kam dann das erste, echte Smartphone (2007) und damit dann eine ganz neue Welle und Welt. Und damit entwickelte sich ein neues Produkt, dass wir auch noch heute haben, das heißt Chayns – ein System und eine Plattform – mit der man vieles schaffen kann und mit diesem System digitalisieren wir eigentlich alles.

    Zum Einstieg in die Community App Entwicklung

    Das war früher eine coole Zeit, da war eine Smartphone App etwas ganz Besonderes und für große und für Hyper-Läden vorbehalten. Da haben wir uns gefragt. Wieso? Wir machen einfach aus Deinem Facebook-Auftritt eine eigene App. Du drückst einfach auf einen Knopf und dann hast Du Deine App hochgeladen in alles Stores. Wir waren phasenweise weltweit der größte App-Hersteller, bis die Stores festgestellt haben, dass da 50.000 bis 100.000 Apps von uns drin waren, die industriell erzeugt wurden und kein individueller Content waren, also löschen wir die. Da haben die uns auf einen Tag 50.000 Apps gelöscht. Von da an haben die dann festgelegt, dass man eine App nur als Developer hochladen kann.

    Zum besonderen Tobit Spirit

    Wir wollen digital. Wir wollen alles digital. Und da muss man dann einfach auch machen. Man muss manchmal die Augen und Ohren zumachen und einfach da durch. Also nicht hören auf das, was die anderen sagen, sondern einfach selber ausprobieren.

    Zum Thema, wie man im Münsterland zu geeignetem Personal kommt

    Gar nicht. Das ist ja das Problem. Wir sind nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn sehr gut sehen von hier. Wir sind hier direkt an der niederländischen Grenze, wir haben das Einzugsgebiet Münster, Essen, Dortmund und Düsseldorf, was die Suche nach qualifiziertem Personal erschwert. Also bildest Du selber aus. Und das machen wir von Anfang an. Wir haben jedes Jahr 30-40 neue Azubis, die dann auch alles durchlaufen. Die bleiben dann 2-3 Jahre und dann gehen die woanders hin. Das befruchtet die anderen Unternehmen in der Region, aber das sorgt auch bei uns dafür, dass hier immer so ein Startup Spirit herrscht, dass viele junge Leute da sind, das neue Ideen reinkommen und man gezwungen wird, auch mal wieder anders zu denken und nicht in dem alten Trott zu verfahren.

    Über Chayns zu Corona Zeiten

    Gerade jetzt in der Corona Zeit haben wir einen sehr guten Draht zur Stadtverwaltung und zum Kreis, weil wir in diesen Zeiten auch eine Möglichkeit geschaffen haben, digitale Testzentren aufzubauen und über Chayns die Termine zu buchen und nachher dann direkt auch den Testnachweis auf sein Smartphone zu bekommen. Das war super und hat Millionen von Tests gebracht. Hunderttausende von Menschen wurden getestet. Alles sehr, sehr einfach, sehr smart, sehr digital. Und mit dem Impfen machen wir jetzt genauso weiter.

    …

    Weiterführende Links:

    Tobit.Software

    Chayns App

    Stadt Ahaus

    AufHaus

    1 hr 5 min

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Olli und seine Freunde nehmen euch mit auf ihre virtuelle Reise durch die digitale Welt. Regelmäßig treffen sie auf Persönlichkeiten, die mit ihrem ganz eigenen Blick auf Web-Technologien bestechen…

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