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Glückauf mit Grubengold
Im Gespräch mit Matthias Hoffmann
Über Grubengold…
Wir sind ein kleines Unternehmen aus Bochum. Wir unterstützen Unternehmen und Personen dabei, die Welt nachhaltiger zu machen, indem wir ihnen auf der einen Seite helfen ihre Transformation durch Innovationsansätze zu schaffen und auf der anderen Seite denen helfen, die etwas Neues – ein Unternehmen, ein Produkte – starten wollen. Hier schauen wir, wie man das möglichst erfolgreich angehen und dabei gleichzeitig nachhaltig angehen kann.
Zum Namen Grubengold…
In der jetzigen Form gibt es Grubengold seit zwei Jahren, gab es aber vorher schon als kleines Seitenprojekt neben unserer Arbeit im Konzern und da war es einfach pure Bergbauromantik. Wobei das den Kern ans Licht holen, das herausfördern, als Team neue Ideen entwickeln schon Teile einer guten Reihe sind, in die man sich stellen kann.
Es ist ein sehr schöner Name, aber auch ein unpraktischer Name, weil es ihn auch vielfach schon gibt. Es gibt einen Schnaps, es gibt ein Badesalz, es gibt einen Fotografie-Laden, es gibt ein Restaurant… also es war SEO-technisch schon eine Herausforderung, dass wir jetzt oben stehen.
Über seinen Werdegang…
Ich bin in Bochum geboren und habe hier Mathe studiert, danach noch ein bisschen Psychologie und BWL, bin dann bei RWE eingestiegen und der Bereich wurde dann irgendwann zu innogy. 12 Jahre in der Energiewirtschaft verbracht und die letzten fünf Jahre zum Thema digitale Produktentwicklung und Innovationen. Und so haben wir uns ja auch das erste Mal kennengelernt. Ich habe dann vor zwei Jahren – pünktlich zur Pandemie – den Schritt aus dem Konzern rausgemacht, nicht so sehr, weil es mir da nicht mehr gefiel, sondern weil ich noch einmal komplett etwas anderes machen wollte. So kam es, dass wir Grubengold neu aufgesetzt haben und jetzt da sind, wo wir sind.
Zu Rolle innogys als Inkubator für neue Technologien…
Auf der einen Seite, dass es ein ganz klares Commitment in Richtung Zukunftstechnologien gab. Man gründet sozusagen aus der RWE den Teil aus, der die Zukunftsthemen repräsentiert. Konkret: die Kunden, die erneuerbaren Energien und die Netze. Das werden nach der Transformation der Energiewirtschaft ja weiterhin die drei Säulen sein. Es war die Idee, diese auszugründen und vom fossilen zu befreien. Von diesem Kern ausgehend, hat man den richtigen Leuten auch immer Freiräume gegeben, die dann wiederum anderen Freiraum geschaffen haben, so dass diese gestalten konnten. Das, in Kombination mit der Marke, die ja viel Aufbruch repräsentiert hat, hat für so einen großen alten Tanker aus der Energiewirtschaft schon einiges möglich gemacht.
Zur Unternehmenskultur bei Grubengold…
Grubengold haben wir von der grünen Wiese aufgebaut und konnten uns von Anfang an überlegen, wie wir es machen wollen und haben dabei Aspekte wie „wir entscheiden gemeinschaftlich über Themen“ oder Ansätze von Holokratie mit einbringen können. Dann sind wir geprägt von dem Thema „Business Hippitum“, dass es bei der Arbeit nicht nur darum geht Geld zu verdienen, sondern auch um die Frage, was passiert mit den Leuten, die bei der Arbeit sind und wie wirkt es auf die Welt. Wir haben aber auch ganz viele Leute, die sehr viel Liebe zum Detail haben und die sich dann – wir haben gerade eine große Bewerbungswelle – fragen: Wie schreibt man eigentlich eine gute Absage? Über solche Dinge machen wir uns Gedanken und in Summe erzielt das eine Wirkung. Wichtig ist, dass man Verbündete auf diesem Weg dabei hat, dann muss man sicher auch ein bisschen verrückt sein und auch Sachen machen, die bewusst ein wenig aus dem Rahmen fallen und auch auf Sachen achten, die im Tagesgeschehen gerade nur eine Kleinigkeit auszumachen scheinen.
Über Kunden und Nachhaltigkeit…
Wir haben mit Kunden zu tun, die neue Produkte oder eine neue Innovation herausbringen wollen uns sich Gedanken machen, wie sie das am Besten hinbekommen. Und da kommen wir dann dazu und helfen ihnen. Und zusätzlich bringen wir dann die Facette der Nachhaltigkeit mit. Jedem, der heute ein Startup startet, der ein neues Produkt herausbringt, kann man nur raten, das direkt nachhaltig zu machen, denn morgen musst du eh nachhaltig werden. Das ist die von der Innovation kommende Seite. Wenn ich auf der anderen Seite als Unternehmen nachhaltiger werden möchte, komme ich ganz schnell zum Thema Innovation, weil ich vor der Herausforderung stehe, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern mich zum Kern meines Geschäftsmodells bewegen muss.
Das Thema Nachhaltigkeit fängt jetzt an sich zu bewegen, was schon einmal gut ist. Zumindest in allen Marketing-Abteilungen ist es angekommen. Das reicht natürlich nicht. Was die Politik durch die Regulierungen gestartet hat, sind härtere Regeln und die Erkenntnis, dass ich nur noch „mitspielen“ darf, wenn ich nachhaltiger bin. Außerdem ist durch die Taxonomie eine Zweiklassen-Gesellschaft in der Finanzwirtschaft geschaffen worden und es eine klare Zuordnung gibt, was nachhaltig ist und was nicht.
Weiterführende Links:
Grubengold
Sanderson Jones
Ansvar2030
Disrupt HR
Im Gespräch mit Chris Böhler
Zur aktuellen Situation in der Energiewirtschaft…
Zur aktuellen Selbsterfahrung als Energiekunde…
Zum persönlichen Hintergrund…
Zur Freiheit in der Selbstständigkeit…
Zur Suche nach beruflicher Erfüllung…
Zum Thema „Disrupt HR“…
Zum unternehmerischen Wandel bei innogy…
Mehr Infos unter:
Rodenwerk
Chris Böhlen bei LinkedIn
_Zum Thema Autolayout als neuer Gamechanger…
Zur Automatisierung im Design allgemein…
Zum eigenen Toolset…
Zum Weg und zur Spezialisierung im Design…
Über aktuelle Trends im Design…
Über die Erfahrungen mit dem eigenen Tesla…
Über die "Idee Tesla"…
Weiterführende Links:
Wie sexy ist B2B?
Im Gespräch mit Ansgar Hein, Thinkb2b
Ansgar Hein ist bereits seit 1997 professionell im Internet als Marketingprofi und Technik-Versteher unterwegs. Über NewMedia, E-Commerce, E-Payment hat er online schnell Fahrt aufgenommen, um anschließend den Weg zu einer eigenen Agentur und einem eigenen Verlag zu finden. Dann als Marketer wieder zurück auf die B2B-Unternehmensseite und seit kurzem wieder zurück in die Selbstständigkeit als Unternehmensberater für Marketing und Embedded Technologies. Marketing trifft Technik kennzeichnet dabei kontinuierlich seinen beruflichen Werdegang.
Zu der Zurückhaltung von Kreativagenturen gegenüber B2B
B2B ist nicht so „fancy“ in der Außendarstellung wie B2C, was aber auch daran liegt, dass man eben keine breite Masse erreichen muss. Das bedeutet aber wiederum keineswegs, dass es langweilig sein muss oder nicht sexy sein darf…ganz im Gegenteil. Für mich persönlich sehe ich da kaum Unterschiede zum B2C.
Zur Kommunikation im B2B Umfeld
Das B2B Marketing-Thema ist in der Historie schon sehr stark technisch geprägt. Das wird auch immer noch von Ingenieuren oder Technikern geführt, die mitunter gar keinen Marketing Background haben, aber dann ins Marketing gegangen sind. Entsprechend werden dann Fakten „gebolzt“, was ja prinzipiell auch richtig und wichtig ist. Das heißt aber natürlich nicht, dass Fakten langweilig dargestellt werden müssen.
Zur Frage, wie man Coca Cola im B2B Umfeld vermarkten würde
Man würde vermutlich damit anfangen, die Rezeptur auseinander zu nehmen, ohne dabei das Geheimnis der Rezeptur zu verraten. Die Cola würde über eine Erklärung, dass da ein Phenolsäureextrakt sei, das zu 0,2% antiseptisch wirke verkauft werden. So würde es B2B aufziehen.
Genau das beschreibt die Diskrepanz, die wir zwischen B2B und B2C beobachten. B2C hat sich davon komplett gelöst und argumentiert nicht mehr über die Stoffe – zumindest zum größten Teil nicht mehr – während es für B2B die Unterscheidungsmerkmale zum Wettbewerb darstellt.
Zum Community Gedanken im B2B Business
Wenn wir jetzt mal auf den Kundenstamm eines mittelständischen Unternehmens blicken, dann treffen wir da keine Millionen an, sondern es handelt sich um einen kleinen, ausgewählten Kreis von einigen hundert oder manchmal ein paar tausend Kunden, je nachdem wie weit die Marke trägt und agiert. Aber wenn man sich das anschaut, dann ist das wie ein VIP Klub. Und ich finde, dass das dann auch gemanaged werden sollte wie ein VIP Klub. Da muss man dann vielleicht auch noch einmal ein wenig segmentieren und die Top-Kunden filtern, dann hat man vielleicht noch ein paar „Möchte-gern“-VIPs und man hat Leute, die vielleicht überhaupt einmal in den Klub hinein schnuppern möchten. Und um diese Situation herum kann man doch eine tolle Geschichte bauen.
Zum Unterschied legendärer B2B „Love brands“ und "typischen KMU"
Wir haben diese Leuchttürme wie John Deer, Catarpillar oder auch Intel und neigen schnell dazu, diese zu überhöhen. Ich habe aber auch bereits in einem eher ländlichen Unternehmen mit rund 45 Mitarbeitern erfolgreich eine B2B Community aufgebaut.
Zur Vorgehensweise bei diesem Modell
Es gibt keine Blaupause dafür. Was ich in dem genannten Fall gemacht habe, war zunächst mit meinem Team einen tollen Event aus dem Boden zu stampfen. Hierzu haben wir alle Topkunden eingeladen und haben die Veranstaltung auch direkt als VIP Event kommuniziert. Und wir haben damit eine überragende Quote erzielt: Von 200 eingeladenen Adressaten konnten wir 160 bei der Veranstaltung begrüßen. Und das war der Startpunkt. Und von da an haben wir nicht mehr losgelassen. An die Veranstaltung schloss sich eine Nachberichterstattung an, haben dann an Weihnachten und zwischendurch Events veranstaltet und ihnen Informationen zugespielt, die sonst niemand bekommen hat. Klar, zwischendurch springen auch schon mal ein paar ab, aber es kristallisiert sich schnell ein harter Kern heraus, der Interesse am Austausch, am Netzwerken mit anderen und daran, sich immer stärker an den Brand des Unternehmens zu binden, verspürt. Und das haben wir entsprechend bedient.
Links zum Thema:
Think B2B
B2B Marketeer
The Community Canvas
Im Gespräch über Sound Kommunikation
DO ist aufgefallen, wie wichtig Sound – also nicht einmal unbedingt ausschließlich Musik – in der Kommunikation ist, wenngleich er oft auch nur unbewusst wahrgenommen wird.
Auch ohne den Blick auf den psychologischen Zusammenhang spielt Musik aus Sicht der DO in der Kommunikation eine zentrale Rolle. Wenn man beim Film ansetzt, denkt man schnell an die Stummfilmzeit, in der die filmischen Werke von einem Live-Musiker – einem Pianisten – begleitet wurden. Ihnen fiel dabei schnell die Rolle zu, angedachte emotionale Reaktionen auf die Handlung über Musik zu verstärken. Damit ist die Rolle, die Musik in der Folge im Film und auch in der Werbung traditionell einnimmt bereits sehr klar umrissen. Musik ist geeignet uns emotional auf eine sehr prägende Weise einzunehmen, was auch an Songs und Musikern deutlich wird, die uns während des Heranwachsens begleiten und nicht mehr loslassen. Man verbindet Situationen, Begegnungen, Beziehungen und vieles mehr mit Musik oder mit Sound.
Was das akustische Treiben von Sound im Film betrifft, ist Hitchcocks „Psycho“ mit der legendären „Duschszene“ für die DO ebenfalls ein fantastisches Beispiel. Ohne eine wirkliche Bedrohung oder Gewaltanwendung zu zeigen, verstärkt der kreischende Sound der Violinen die bedrohliche Stimmung. Ähnlich gut gelungen ist das bei Spielbergs „Der weiße Hai“, bei dem man das bedrohliche Tier lange Zeit gar nicht zu Gesicht bekommt, über das musikalische Motiv aber dennoch seine Anwesenheit „wahrnimmt“.
Als Reaktion auf das Übermaß akustisch verstärkter Emotionstreiber im Film, hat sich die Gruppe „Dogma 95“ um den dänischen Regisseur Lars von Trier einem Manifest verschrieben, dass u.a. keine nachproduzierte Musik in Filmen zuließ. Musik im Film war damit nur möglich, wenn sie als Teil der Handlung tatsächlich auch auftauchte.
In der Weiterentwicklung hat auch das Marketing diese Idee aufgegriffen und sich beispielsweise mit der Gestaltung von Sound Logos beschäftigt. Die DO nennen hier stellvertretend Audi, die mit der akustischen Idee eines schneller schlagenden Herzens ein Sound-Signet gesetzt haben. Das legendäre „dadadadida“ der Telekom feierte 2019 bereits seinen 20. Geburtstag, und Frosta lieferte in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts in einem eindrucksvollen Blog-Beitrag eine vage Vorstellung vom Wert eines Sound-Logos. Der klägliche Versuch, in diesem Zusammenhang einen Kalauer mit Bezug auf die Glocke bei den Pawlowschen Hunden zu reißen und deren Klang als Signet für Hundefutter zu verkaufen, scheitert auf der ganzen Linie.
Im Web tut man sich dagegen mit der Einbindung von Musik und Sound deutlich schwerer. Er muss in der Regel, wenn überhaupt vorhanden, aktiv vom Seitenbesucher „angefordert“ werden, was den Aufbau einer natürlichen emotionalen Stimmung eher erschwert. Eine Theorie der DOs führt dieses auf den eher inflationären Einsatz von Sounds und Musik in den Zeiten der weit verbreiteten Flash-Technologie zurück. Heute aber sei Sound im Web eigentlich wieder wünschenswerter und könnte im Bereich des Nutzererlebnisses beispielsweise als Feedback-Instrument für eine richtig oder falsch ausgeführte Handlung viel stärker zum Einsatzkommen. Auf Computern und Devices ist das ja bereits ein fester Bestandteil der Oberflächen-Gestaltung.
Gott ist ein Kreativer – und kein Controller
Im Gespräch mit Frank Dopheide
Zu den Kanzler-Kandidat:innen der bevorstehenden Bundestagswahl
Ich erkenne große Traurigkeit. Ich erkenne Fake-Leadership, aber nicht irgendjemanden der die Ärmel hochkrempelt, die Dinge in die Hand nimmt, tapfer genug ist, eine eigene Vision oder Zielrichtung zu entwickeln und ich glaube, das spüren irgendwie alle. Wenn das das Beste ist, was Deutschland an politischer Führung zu bieten hat, dann fühlen wir uns alle nicht gut. Und deshalb gibt es wahrscheinlich auch noch so viele Unentschiedene und Unentschlossene und man hofft, dass sich noch irgendetwas ändert, auch wenn wir nicht genau wissen, wie das passieren soll.
Zur Motivation für das Buch
In erster Linie ist es Kampfgeist, in zweiter Linie ein großes Ungerechtigkeitsgefühl und in dritter Linie großer Optimismus. Wir haben die Kreativität abgeschaltet. Die rechte Gehirnhälfte ist in der Welt der Wirtschaft gar nicht mehr im Einsatz. Woran können wir das sehen? Die Logik entscheidet mittlerweile allein. Du kannst als Unternehmenslenker uninspiriert sein, du kannst unmoralisch sein und dann kannst sogar unerfolgreich sein, solange deine Entscheidungen nicht unlogisch werden und du allen erklären kannst, warum du das jetzt gerade so entschieden hast. Das führt aber dazu, dass wir alles, was für Menschen auch wertvoll ist – obwohl da gar kein Preisschild dran ist – zur Seite schieben. Somit haben wir für jede Lösung immer nur ein logisches Problem. Wir betrachten die Probleme der Welt wie eine Mathematikformel. Alle gucken drauf und alle kommen, rein logisch betrachtet, zu der selben Erkenntnis und zu der selben Logik. Das ist wie ein Navi, dass nur eine Route hat und da sind alle unterwegs und da ist Stau. Und deshalb glaube ich, mit dem logischen Denken, mit dem reinen Effizienzdenken á la „wir sourcen alles out“, „wir schneiden alles raus“, „wir optimieren uns im Detail“ kommen wir allmählich in eine Sackgasse. Die Kreativen unterscheiden sich massiv davon, weil die überhaupt neue Gedanken haben, die sie in die Welt bringen können. Die können etwas Neues von Wert schaffen und das ist jetzt mal gefordert. Wir sind mit unserem alten System, egal, ob wir Autos bauen, wie seit hundert Jahren, Zeitungen drucken, wie seit hundert Jahren, dieselbe Kopfschmerztablette schlucken, wie seit hundert Jahren, Strom produzieren, wie seit dreihundert Jahren allmählich in eine Sackgasse geraten und jetzt brauchen wir den gedanklichen Sprung, was in der Natur Mutation heißt.
_Zur Frage, inwieweit auch die Agenturszene vom „Logikproblem“ betroffen ist
Weiterführende Links:
Frank Dopheide: Gott ist ein Kreativer kein Controller
Wikipedia zur Person
human unlimited
Interview absatzwirtschaft: Warum ist Excel eine Erfindung des Teufels, Frank Dopheide?
Von der Zukunft erzählen
Wo wir Martin kennengelernt haben…
Zu seiner Rolle als Kreativer…
Zum Binnen-Verhältnis von Kreativität und Technik…
Zu Verhältnis mit der eigenen Kreativität…
Zur These, dass die Zukunft heute schneller geschieht als das von ihr erzählt wird…
Zum Thema "Von der Zukunft erzählen"…
Weiterführende Links:
The Black Frame
Digitale Werkbank Dortmund
A. Reckwitz: Die Erfindung der Kreativität
Wikipedia: Learning from Las Vegas
A lot of E Commercy
Im Gespräch mit Stefan Zessel, Sales Director bei Shopware
Bezogen auf die Entwicklung von Shopware (als Unternehmen)…
Es ist eine ganz verrückte Reise gewesen bisher. Ich bin jetzt knapp im zehnten Jahr dabei. Als ich angefangen habe, waren bei Shopware um die 20-25 Mitarbeiter dabei und da haben wir einen Jahresumsatz gehabt, wie jetzt in zwei schlechten Wochen. Es ist ohne Ende auseinander gegangen. Aber seit den Zeiten mache ich eigentlich immer dasselbe: Als Director Sales bin ich verantwortlich für die Zufriedenheit unserer Kunden und Partner. Das hat sich nicht geändert. Nur die Anzahl der Menschen im Team, die dabei unterstützen, ist ziemlich gewachsen. Von den anfänglich 20 Leuten sind wir inzwischen bei über 300 Mitarbeitern, die dafür sorgen, dass unsere Kunden gehört und unsere Partner unterstützt werden, die Onlineshops betreuen und dafür sorgen, Deutschland und inzwischen zusätzlich auch Europa zu digitalisieren.
Zu den Veränderungen, die mit der Entwicklung des Unternehmens einhergehen…
Da kann ich Euch zunächst einmal Greiners Curve Modell ans Herz legen. Das ist natürlich eine starke Vereinfachung der Realität, aber da geht es um Unternehmen, die im Wachstum verschiedene Phasen und Krisen durchlaufen. Ich habe mir das durchgelesen und dabei dann gedacht: „O.K. wir haben wirklich schon viele Krisen mitgemacht, aber auch Wachstumsphasen. Unterschiedliche Führungsstile haben wir dabei nicht unbedingt entwickelt, glaube ich. Wir versuchen mit unseren drei Werten: Offen, authentisch, visionär einen möglichst laissez-fairen Führungsstil mit flachen Hierarchien an den Tag zu legen und versuchen unsere Mitarbeiter so zu empowern, dass sie Entscheidungen selbst und dadurch auch schnell treffen können und damit auch den Spielraum haben, aus Fehlern lernen zu können. Vom Führungsstil haben wir nicht viel geändert, aber das Loslassen können, weg vom Micromanagement, die Leute machen lassen, das ist etwas, was wir alle kräftig lernen mussten. Und du hast halt ständig das Thema, das du an Strukturgrenzen kommst.
_Zur besonderen Situation des Münsterlands in Sachen Digitalisierung…
Zu Veränderungen im Markt und der Shopware Community…
Das ist so. Das ist ein Brett. Aber das ist einer unser Grundwerte und fest bei uns verankert. Vom Quellcode bis hin zur Kommunikation nach außen, zieht sich das quasi durch. Nichtsdestotrotz müssen wir inzwischen in einer Matrix und in Märkten denken, die wir vorher so nicht hatten. Und jetzt ist es tatsächlich auch so: Mit einer. gewissen Größe und Anzahl an Kunden, die in unterschiedlichsten Branchen und Größen unterwegs sind, von notebooks-billiger, die sehr groß und enterprise-lastig unterwegs sind und entsprechende Themen einfordern, bis hin zu einem sehr kleinen Betrieb, der Torten über das Internet versendet. Und das alles immer zu kanalisieren und zu bestimmten Themen auch einmal nein zu sagen, trifft natürlich nicht immer auf Applaus. Das Opportunitätsmanagement dahinter – auch verbunden damit, warum wir etwas nicht machen – bekommst du nur durch sehr transparente Kommunikation transportiert. Und da reden wir gar nicht einmal von Verständnis – das wäre dann schon die Kür – sondern einfach nur von Akzeptanz. Input aus der Community in das Produkt einfließen zu lassen, geht halt nicht immer und passt nicht immer zur Produkt- oder Unternehmens-Strategie.
Zum Thema Corona und Digitalisierung…
Erst einmal sind wir selbst in eine Art Schockstarre gefallen, haben uns dann aber auch sehr schnell gefragt, wie wir helfen können. Als Software-Anbieter liegt es nahe, dass wir Lösungen schaffen. Zum einen haben wir unser Produkt günstig gemacht oder für den Einzelhändler, der sehen musste, wie er seine Lager leer bekommt, eine Zeit lang kostenlos angeboten. Da hat man auch gesehen, dass die Leute gut zusammenhalten, das hat gut funktioniert. Gleichzeitig haben wir ein Projekt namens „Down town“ mit initiiert, bei dem es um eine Art Marktplatz ging, auf den alle Händler einer Kommune – wie beispielsweise Münster – ihre Produkte „raufhauen“ konnten und dann konnten die Kunden dort ihre Beschaffungen machen. Da haben wir versucht zu unterstützen, haben als Softwareanbieter aber gleichzeitig auch von der Situation partizipiert. Für die Händler, die dieses Business vorher verpennt haben, muss aber auch klar gesagt werden, dass es nicht so ist, dass Du mit 1-2 Klicks das E-Commerce Business beherrschst. Das haben wir auch immer klar so gesagt.
Zum Social-Shopping auf Facebook, Instagram & Co. …
Es ist ja nicht nur Facebook und Instagram, es ist WhatsApp, es ist YouTube…eigentlich versucht jeder die Commerce-Funktionalitäten mehr und mehr anzubieten. Die Gatekeeper Funktion wird mehr und mehr dazu genutzt, den Verkauf direkt selbst mit einzubinden. Damit beschäftigen wir uns auch und stellen uns die Frage der Positionierung. Wer nutzt das und wie abhängig bist du dann von diesen Plattformen? Die Frage als professioneller Mittelständler lautet hier: Kannst Du es Dir überhaupt leisten, die Prozesse an dieser Stelle nicht zu ownen und den Finger drauf zu haben? Oder begibst du dich in die komplette Abhängigkeit und sparst dafür einen Teil deiner Marketingausgaben.
Weiterführende Links zu Shopware:
Shopware Website
Shopware Community Day 2021
Shopware TV
Die Digitalen Originale sprechen über Digital Thinking
Ausgehend von der These, dass die Digitalisierungsvorhaben in Unternehmen und bei der „öffentlichen Hand“ sehr häufig schon direkt beim Einstieg an mangelndem Wissen und einer zu hohen, zugrunde gelegten Komplexität scheitern, überlegen Olli und Ralf in dieser Ausgabe, ob sich die Prinzipien des Design Thinking nicht auch auf die Digitalisierung von Prozessen übertragen lassen. Dabei schauen sie zu Beginn auf die im Zusammenhang mit der Pandemie in relativ kurzer Zeit entwickelten App-Lösungen sowie die aktuell viel diskutierte Warnapp Nina und ziehen eine kurze Bilanz. Hier verfestigt sich der Eindruck, dass man – wenn die Not nur groß genug ist – tatsächlich auch in die Umsetzung gelangt und „etwas gebacken bekommt“, während man sich bei allem anderen einfach nur das Hirn zermartert und ohne Ergebnis bleibt. Der eher pragmatische Ansatz, einfach einmal loszulegen und sich auszuprobieren, ggf. zu korrigieren und anzupassen, ist hier eher selten anzutreffen.
Mit Blick auf die jüngste Hochwasser-Katastrophe in NRW, Rheinland-Pfalz und Bayern gerät die Warnapp NINA in den Blick, an deren Funktionalität öffentlich ja auch sehr viel Kritik entbrannt ist. Olli und Ralf verdeutlichen aber auch, wie wertvoll solche Apps heute eigentlich sein können und belegen das zusätzlich mit einem eigenen Projekt aus der Vergangenheit, als sie – gemeinsam mit einem großen Energieversorger – die App „stromausfall“ ins Leben gerufen haben. Die Beiden sind sich darüber einig, dass es unendlich viele Themen gibt, die sich schnell und einfach lösen ließen, faktisch aber gar nicht angegangen werden.
Über diese Beispiele geht es anschließend ins Grundsätzliche. Ralf unterstellt, dass viele Unternehmen bereits deutlich zu komplex bzw. kompliziert an das Thema Digitalisierung gehen und das Vorhaben allzu schnell an technische Überlegungen und Lösungen heften. Nach dem Modell des Design-Thinking ginge es aber doch zunächst viel grundlegender bei der Definition des Problems, dem kreativen Entwickeln möglicher Ideen mit anschließender, konzeptioneller Lösungsfindung los, bevor man sich der konkreten technischen Lösung im Sinne einer Prototypen- oder MVP-Entwicklung widmet. Oliver führt aus, dass dieses Modell in der Praxis nicht zuletzt auch durch die Struktur der unterschiedlichen Dienstleister, die ein Unternehmen zur Unterstützung heranzieht, zum Scheitern verurteilt sei. Ein klassisches IT-Unternehmen steige gar nicht in einer so frühen Phase in das Projekt ein, um einen Ansatz wie Design-Thinking verfolgen zu können, während eine Agentur klassisch auf die „schönen Bilder“ und die Gestaltung beschränkt würde. Außerdem seien sie innerhalb der Unternehmen eher dem Marketing zugeordnet und säßen damit nicht unbedingt dort, wo die zentralen strategischen Entscheidungen getroffen werden. Dort fände man dann vielmehr die klassischen Berater, denen es in vielen Fällen wiederum an der praktischen Expertise fehle. Vor diesem Hintergrund seien dann auch die Bemühungen der einzelnen Gewerke zu verstehen, das fehlende Wissen entsprechend aufzubauen. Dieser Prozess sei allerdings noch im Gange.
Ein Beispiel für die gelungene Umsetzung eines digitalen Prozesses mit hohem Mehrwert liefert das Projekt SNAP der Mitnetz Strom. Hierbei handelt es sich um einen Netzbetreiber, der aus dem Ansatz einer Informationsübersicht über Strom-Einspeisungspunkte eine Anwendung geschaffen hat, mit dem sich der gesamte Antragsprozess zeitlich radikal verkürzen lässt und damit einen echten Mehrgewinn darstellt.
Bei der Digitalisierung fehlt es nach Olli und Ralf noch immer an der nötigen Aufbruchstellung und dem Mut, einfach einmal loszulegen. Hier möchten sie Unternehmen motivieren, sich mit ihren Prozessen und Abläufen kritisch auseinander zu setzen und auf mögliche Potenziale abzuklopfen. Gerne auch mit Unterstützung der Dienstleister ihres Vertrauens, die zumeist den notwendigen Blick von Außen in die Vorhaben tragen, was den Prozess der Lösungsfindung oft deutlich verbessert.
Links zum Thema:
Corona Warn App
Luca App
Warn App NINA
Stromausfall & Co.
SNAP / Mitnetz Strom
Artikel zu Design Thinking
Sonderausgabe (Länge 60 Minuten)
Im Gespräch mit Dieter von Acken, Tobit.Software
Zu den Anfängen Tobits
Wir sind eigentlich schon seit 1986 auf dem Markt, also sehr, sehr lange für ein IT-Unternehmen, sind aber kein alter Laden, sondern eher Startup. Eigentlich erfinden wir uns jedes Jahr neu. Angefangen haben damals, als Du uns wahrscheinlich kennengelernt hast, noch mit dem Thema Fax. Da hatten wir so eine Lösung, mit der konnte man direkt vom Computer Faxe versenden. Sensationell, weil das gab es damals nicht. Versenden und empfangen, zeitversetzt, termin- und versandoptimiert. Das war damals angesagt. Und dann kam irgendwann das Internet und hat dafür gesorgt, dass diese ganze Art der Kommunikation überflüssig wurde.
Zum Zusammenhang von Tobit und Ahaus
Wir sind hier in Ahaus groß geworden. Bevor es das Internet gab, hat wir verschiedene Niederlassungen in der ganzen Welt, waren weltweit unterwegs und das war eine coole Zeit. Als der Vertrieb über das Internet kam, brauchtest Du das alles nicht mehr und es konzentrierte sich alles auf den Standort. Wir haben uns dann stärker auf den deutschen Markt konzentriert. Irgendwann kam dann das erste, echte Smartphone (2007) und damit dann eine ganz neue Welle und Welt. Und damit entwickelte sich ein neues Produkt, dass wir auch noch heute haben, das heißt Chayns – ein System und eine Plattform – mit der man vieles schaffen kann und mit diesem System digitalisieren wir eigentlich alles.
Zum Einstieg in die Community App Entwicklung
Das war früher eine coole Zeit, da war eine Smartphone App etwas ganz Besonderes und für große und für Hyper-Läden vorbehalten. Da haben wir uns gefragt. Wieso? Wir machen einfach aus Deinem Facebook-Auftritt eine eigene App. Du drückst einfach auf einen Knopf und dann hast Du Deine App hochgeladen in alles Stores. Wir waren phasenweise weltweit der größte App-Hersteller, bis die Stores festgestellt haben, dass da 50.000 bis 100.000 Apps von uns drin waren, die industriell erzeugt wurden und kein individueller Content waren, also löschen wir die. Da haben die uns auf einen Tag 50.000 Apps gelöscht. Von da an haben die dann festgelegt, dass man eine App nur als Developer hochladen kann.
Zum besonderen Tobit Spirit
Wir wollen digital. Wir wollen alles digital. Und da muss man dann einfach auch machen. Man muss manchmal die Augen und Ohren zumachen und einfach da durch. Also nicht hören auf das, was die anderen sagen, sondern einfach selber ausprobieren.
Zum Thema, wie man im Münsterland zu geeignetem Personal kommt
Gar nicht. Das ist ja das Problem. Wir sind nicht am Arsch der Welt, aber man kann ihn sehr gut sehen von hier. Wir sind hier direkt an der niederländischen Grenze, wir haben das Einzugsgebiet Münster, Essen, Dortmund und Düsseldorf, was die Suche nach qualifiziertem Personal erschwert. Also bildest Du selber aus. Und das machen wir von Anfang an. Wir haben jedes Jahr 30-40 neue Azubis, die dann auch alles durchlaufen. Die bleiben dann 2-3 Jahre und dann gehen die woanders hin. Das befruchtet die anderen Unternehmen in der Region, aber das sorgt auch bei uns dafür, dass hier immer so ein Startup Spirit herrscht, dass viele junge Leute da sind, das neue Ideen reinkommen und man gezwungen wird, auch mal wieder anders zu denken und nicht in dem alten Trott zu verfahren.
Über Chayns zu Corona Zeiten
Gerade jetzt in der Corona Zeit haben wir einen sehr guten Draht zur Stadtverwaltung und zum Kreis, weil wir in diesen Zeiten auch eine Möglichkeit geschaffen haben, digitale Testzentren aufzubauen und über Chayns die Termine zu buchen und nachher dann direkt auch den Testnachweis auf sein Smartphone zu bekommen. Das war super und hat Millionen von Tests gebracht. Hunderttausende von Menschen wurden getestet. Alles sehr, sehr einfach, sehr smart, sehr digital. Und mit dem Impfen machen wir jetzt genauso weiter.
…
Weiterführende Links:
Tobit.Software
Chayns App
Stadt Ahaus
AufHaus
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