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Zu der Oscar-Nominierung mit Hollow Man…
Zum eigenen, beruflichen Werdegang…
Die (Agentur) hat alles inhouse gemacht. Die haben gedreht, geschnitten und und und. In einem Raum stand eine Trickkamera, die kennt man so aus „Pumuckl“ und irgendwie habe ich mich in dieses Ding verliebt. Eigentlich habe ich da angefangen, wusste das aber nicht, und habe Visual Effects gemacht. Hab das Ding dann auch mal ausgereizt, um etwas schwierigere Sachen zu machen und bin irgendwann ans Limit gestoßen.
Irgendwann habe ich dann von Phil Tippett gehört und dachte, das wäre toll da zu arbeiten. Meine Frau sagte, dann versuche es doch einfach mal. Das war noch zu Faxzeiten. Ich habe dann ungefähr einen Monat lang jeden Tag ein Fax geschrieben: „Ich will einfach nur da sein. Ihr müsst mich nicht bezahlen. Ich mache Kaffee und will einfach nur dabei sein.“ Ich habe lange nichts gehört und eines Tages kam ein Fax zurück mit wenigen Worten: „Dann komm einfach vorbei!“ Ich bin dann für eineinhalb Tage nach Kalifornien für ein Interview geflogen und habe meine Rolle (35mm Film mit Arbeiten, kein Internet, kein Stick) mitgenommen. Phil Tippett sagte dann: Du hast Glück! Wir fangen gerade ein großes Filmprojekt an und ich könnte Dich gut gebrauchen. Ich brauche jemanden, der technikinteressiert ist, gleichzeitig aber auch weiß, wie eine Kamera funktioniert. Er war gerade in einem japanischen Laden und hat geröstete Heuschrecken gekauft, bot mir eine Schale an und sagte: „Do you like bugs?“ Und ich sagte: „Ja, klar!“ Und auf einmal wusste ich, dass ich bei Starship Troopers dabei war. Der damals teuerste Hollywood Film war mein Einstieg in Amerika. Ich wollte nur sechs Monate bleiben, es wurden dreizehn Jahre daraus.
Zur Aufgabe des Vfx in „Im Westen nicht Neues“, die Szenerie möglichst authentisch und realitätsnah wiederzugeben…
Das ist ein doppelseites Schwert. Wenn man sich für diesen Beruf entscheidet, muss man sich bewusst sein, dass es das Ziel ist, möglichst realistisch zu erscheinen. Das alle glauben, es sei echt. Bei Science fiction ist es natürlich offensichtlich. Das Problem bei Vfx ist, dass alle glauben, dass man dort jedes Mal das Rad neu erfindet und irgendwelche Rocket Science Projekte zusammen bastelt, siehe Avatar. Als ich das Drehbuch zu „Im Westen nichts Neues“ gesehen hatte, habe ich sofort gesehen, hier geht es gar nicht Special Effects, hier geht es um mehr. Und da müssen wir mal einen Schritt zurück nehmen: Es ist für einen Visual Effects Artist sehr schwer, denn natürlich wollen wir alles lauter, heller, bunter, unmögliche Kameraeinstellungen, die vorher noch nie jemand gesehen hat, aber das war (hier) halt nicht das Material und gerade in Deutschland hat man sehr viel Respekt vor dem Buch. Und wir mussten da wirklich aufpassen, allen war bewusst, dass wir da wirklich in den Hintergrund treten müssen. Wir durften nicht ablenken von dem genialen Schauspieler, den wir hatten und natürlich auch nicht von der Geschichte.
Weiterführende Links:
Doubleplusgood
Frank Petzold IMD
WDR Lokalzeit Bergisches Land
Tippett Studios
Seit rund 10 Jahren verantwortet Marc Raschke den Bereich Corporate Communication im Klinikum Dortmund. Dabei hat er mit seinem Team die PR-Arbeit, das Personalmarketing und die interne Kommunikation auf ein neues Level gehoben. Als pragmatischer „Erklärer“ der Gesundheitswirtschaft inmitten der Pandemie haben seine Beiträge, wie auch die Sichtbarkeit des Klinikums, einen gigantischen Aufschwung erfahren, was u.a. zahlreiche renommierte Preise und Auszeichnungen belegen. Beispielhaft sei hier auf den IK Manager des Jahres (2022) sowie den Forschungssprecher des Jahres (2021) verwiesen.
Seine Bereitschaft, auch weit über den eigenen fachlichen Horizont hinaus, Haltung zu zeigen und aktuelle gesellschaftliche Themen reflektiert und meinungsscharf zu bewerten, haben Marc auf allen von ihm betriebenen Socialmedia-Kanälen tausende Abonnenten beschert. Allein bei Instagram bringt er es inzwischen auf über 95.000 Follower.
Wir kreisen mit Marc – der sich beruflich künftig neu orientiert – über verschiedene Themen hinweg, die auch fernab der Gesundheitswirtschaft zum Nachdenken anregen und philosophieren zudem über Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung.
Zu den aktuellen Entwicklungen bei Twitter…
Tagesaktuell bin ich ja gerade ausgestiegen bei Twitter und habe meinen Account deaktiviert. Nach 30 Tagen wird der dann ja gelöscht. Ich finde – Stichwort Haltung – man muss gewisse Dinge auch einfach mal machen und nicht immer nur quatschen. Und in dem Punkt war mir jetzt wichtig, wenn Herr Trump zurückkommt und damit dann ja auch Fake-News wieder Tür und Tor offen gestellt werden, muss man da auch mal abstimmen und zwar mit den Füßen. Deshalb bin ich gegangen.
Zur PR Arbeit für die Dortmunder Kliniken…
Das ist ein weites Feld. Man darf überhaupt schon einmal froh sein, dass Kliniken verstanden haben, dass das ein Thema ist und das mittlerweile solche Abteilungen überhaupt da sind. Früher hat das die Sekretärin des Chefarztes noch mal eben so mitgemacht. Das hat jetzt einen anderen strategischen Wert. Spätestens mit dem Thema Personalmarketing wird man jetzt den Wert sehen. Und wenn wir uns jetzt dann auf dem Markt der Arbeitskräfte bewegen, müssen wir uns ein wenig aufhübschen und nach draußen kommunizieren, was wir so sind und wie wir so sind. Und das gilt im Krankenhaus eben nicht nur für das Personal, sondern auch für die Patienten. Da gibt es genug zu tun. Wenn man das dann noch ein wenig professionalisiert, kann man auch noch in die Politik hineinwirken. Ich sage immer meinen Kollegen, die in diesem Umfeld unterwegs sind, dass es keine Kommunikationspolitik gibt, die vielfältiger ist als die in einem Krankenhaus. In dieser Hinsicht ist es ein sehr dankbares Umfeld.
Zum Einfluss von Corona für die wachsende Aufmerksamkeit…
Es hat zumindest einigen Dinge nach außen gekehrt, die man mit Kommunikation hätte lösen müssen und zum Teil dann auch gelöst hat. Ich erinnere nur an die Wertschätzung der Pflege, die ja mit Applaus begann und dann gab es irgendwann auch einmal ein paar Goodies, etwas „Schmierwurst“. Das sind dann ja auch wieder kommunikative „Fails“, das hätte man anders darstellen müssen. Aber in der Tat: In einer Zeit, in der alles unsicher ist, in der du gucken musst, wie kommst du an Informationen, da war natürlich Kommunikation der Schlüssel. Das hat aber natürlich auch dazu geführt, dass die Menschen irgendwann auf ihrer eigenen Felge liefen. Da war auch wenig mit Florett-Fechten, da haben viele einfach mit der Axt draufgehauen. Da war psychisch auch gar nicht mehr viel anderes machbar. In einem Krankenhaus, das Angst hat, dass da jeden Moment die große Welle kommt, sind die Leute alle bis zum Anschlag angespannt. Das ist schon eine Herausforderung gewesen.
_Zur Digitalisierung in Krankenhäusern und der Gesundheitswirtschaft…
Weiterführende Links:
Klinikum Dortmund
RaschPublic
Profil auf LinkedIn
Die digitale Energiezukunft
_Zu seiner aktuellen Rolle als „Energieerklärer“…
_Zur Rolle von Kraftwerken bei der Netzstabilität…
_Zu der Frage, ob die Energiekrise auch als Chance für die künftige Reform der Energieversorgung betrachtet werden kann… _
Ich würde das schon so beurteilen, dass wir eine Chance haben, gerade was die Aufklärung betrifft. Das Thema Energie dringt in der Breite der Bevölkerung viel stärker in das Bewusstsein und kann uns dahin bringen, Energie viel bewusster zu nutzen. Das mir klar wird, dass wenn ich nachhause komme und meine „schnuckeligen“ 24-26 Grad erwarte, das irgendwo herkommt, insbesondere wenn es draußen -10 Grad kalt ist. Das ich mir Gedanken mache, was das eigentlich bedeutet und woher die Energie kommt.
Das fängt ja bei der Mobilität an und da ist es schon ganz interessant, über welche Schlagzeilen man spricht. Meine letzten Schlagzeilen kamen vom Wochenende und bezogen sich auf das 49,– Euro Ticket. Das ist ein Punkt, der ja auch in die Energie mit reinreicht. Elektromobilität ist schön und gut und hilft dem CO2-Ausstoß, aber ein Elektroauto braucht eine ganze Weile, um seinen CO2-Balast wieder reinzufahren. Eine S-Bahn ist auch elektromobil, aber da fällt die Bilanz pro Kopf erheblich besser aus.
Zu eMobility und der Lade-Infrastruktur
In der Energieversorgung geht man immer von einem Viertelstundenraster aus. Und da kann es natürlich schon vorkommen, dass wir innerhalb einer Viertelstunde alle nachhause kommen und unser Elektroauto anschließen. Die Frage ist dann, ob die alle erwarten innerhalb der nächsten Stunde wieder voll geladen zu sein oder ob nicht vielleicht einerseits das Auto oder andererseits das Ladegerät des Versorgers intelligent genug sind, die Ladeleistung gezielt zuzulassen und zu steuern. Das hat viel mit Digitalisierung zu tun und ist ein Feld für künstliche Intelligenz.
Zur Dezentralisierung der Energieversorgung…
Es ist definitiv ein Trend. Ich halte es nicht für wirtschaftlich, dass jeder Haushalt autark wird. Da geht der Trend hin, da zielt ja auch die Photovoltaik-Branche drauf ab. Das hat für mich so ein bisschen einen Rebound-Effekt, dass Anlagen geplant werden und wir ein Stück weit Autarkie haben und möglichst unabhängig werden wollen. Beim privaten Haushalt muss man schon ziemlich genau hingucken, ob sich so ein Photovoltaik-Speicher lohnt. Es ist schön, den zu haben, ob sich das aber wirtschaftlich rechnet ist in vielen Fällen fraglich. Da stellt sich dann die Frage: Hätte ich den gleichen Effekt nicht auch mit einer kleineren PV-Anlage erreicht, wo ich weniger einspeise, die vielleicht eine etwas andere Ausrichtung hat – z.B. nicht nach Süden, sondern nach Westen – so dass ich die meisten Spitzen habe, wenn ich auch den größten Verbrauch habe. Vielleicht komme ich so auch auf eine bessere Autarkie und einen höheren Eigenverbrauch. Autarkie und Wirtschaftlichkeit beißen sich meist.
Weiterführende Links:
Labor für regenerative Energien – FH Dortmund
**Digital nonverbal
Im Gespräch mit Isabella Herzig**
Isabella versucht seit ganz vielen Jahren für sich einen „Pitch“ zu machen, bekommt den aber nicht über das, was sie tatsächlich tut. Möchte mit ihrer Dienstleistung Menschen für sich selbst und für andere die Augen öffnen. Das große Ganze besteht darin, die Menschlichkeit, das Zwischenmenschliche und das Interpersonale besser zu verstehen und damit die Frage, warum man reagiert, wie man reagiert und was für Konsequenzen das hat.
Zur Frage, ob sich nonverbale Kommunikation trainieren lässt…
Das ist eine sehr schöne Frage. Tatsächlich ist es so, dass der Körper immer spricht und wenn Du nicht darauf achtest, wird der Körper immer verraten, wie Du Dich gerade fühlst. Wir betrachten den Körper neuerdings auf eine ganz spannende Art und Weise. Bis vor 10 bis 15 Jahren haben wir die Menschen noch omnimodal statisch betrachtet. d.h. wir haben uns Menschen eher auf Fotos angeguckt und gesagt, wenn Du die verschränkten Arme hast, dann bist Du ablehnend. Heute sind wir in der Körpersprache viel spannender unterwegs und betrachten neun Kanäle in der Körpersprache und jeder Kanal hat etwas anderes zu berichten. Erst das Zusammenspiel der Kanäle bietet mir dann die Information. Wenn Du Dich beispielsweise darauf konzentrierst, dass Du spannende Gesten machen willst, die Dich unterstützen sollen, kann es passieren, dass Du Deinen Kopf vergisst und das Deine Füße vielleicht auch etwas ganz anderes machen. Also ja, man kann die nonverbale Kommunikation beeinflussen und man kann sie auch lernen. Und wenn man zurückblickt und sich fragt, wie war ich mit siebzehn, wie bin ich heute, wird man feststellen, dass da viel dazugekommen ist. Das Repertoire wächst, aber ich würde einfach einmal behaupten, dass Du sie nicht immer kontrollieren kannst.
Zum Zusammenspiel von Inhalt und nonverbaler Kommunikation
Alles, was wir von uns preisgeben, wird immer davon begleitet, wie wir nonverbal kommunizieren und wir Menschen sind sehr gute Kenner der subtilen Signale. Wenn wir beispielsweise Politiker beobachten, dann hat jeder seine eigene Übersetzung. Das ist spannend. Körpersprache ist nicht universell, sondern total individuell. Je nachdem, wer ich bin, so sehr betrachte ich den anderen und finde ihn sympathisch oder unsympathisch. Wenn ich zum Beispiel jemand bin, der gerne in der Dominanz zuhause ist, der von sich sagt, ich bin sehr durchsetzungsstark, bin jemand, der andere an die Hand nimmt und voranschreitet. Ich trage gerne einen Anzug, eine Krawatte und schicke Schuhe, dann werden die, die das repräsentieren, auch sehr sympathisch finden. Weil, wir lieben Menschen, die so sind, wie wir. Sehe ich aber jemanden, der konträr unterwegs ist, wird mein Bild von mir und anderen Menschen,, diese Person in eine andere Schublade stecken. Auf diese Weise werde ich alles, was diese Person von sich gibt, durch diese Brille bewerten.
Zum Verlust nonverbaler Kommunikation in der digitalen Kommunikation…
Ich bin in die Kommunikation über Zoom & Co. mit Corona reingeschlittert und fand das am Anfang auch gut, weil wir uns überhaupt sehen konnten. Ich dachte, das Internet ist so fantastisch, weil es uns verbindet, auch wenn wir getrennt sind. Aber die so genannte Zoom-Fatigue hat dann ebenfalls sehr schnell eingesetzt. Das Fenster geht auf und wir sehen ganz viele Menschen in Briefmarkengröße, was bedeutet, ich kann schon ganz wenig von der Körpersprache wahrnehmen. Dann habe ich mich selbst immer noch, was mich total ablenkt, weil viele von uns damit beschäftigt sind, wie sie hier aussehen. Vielleicht habt ihr auch schon Menschen beobachtet, die sich dort, wie in einem Spiegel, noch einmal die Haare zurechtlegen, weil man sich selbst auch wohlfühlen will.
Wenn ich andere Menschen beobachte, will ich immer Informationen sammeln. Ich möchte wissen, wie es dem anderen geht, wie er sich fühlt und welche Zeichen er sendet. In der Telko sehe ich aber eben immer nur Deinen Kopf. Wenn ich nicht besonders geübt bin im Microexpressionen lesen und aus der Kopfwinkel-Neigung schließen kann, was das wohl bedeuten könnte, dann versucht mein Gehirn immer Informationen zu fühlen und das ist schon nach zwanzig Minuten wahnsinnig anstrengend.
Zum Thema Pseudo-Autismus im Kontext digitaler Kommunikation…
Den Begriff Pseudo-Autismus gibt es bereits seit ein paar Jahren. Und das ist etwas, das in den Medien stattfindet. Wir leben ja nicht mehr mit den Medien, sondern in den Medien. In der Folge lässt dies ganz viele aus der Realität aussteigen, was dazu führt, dass wir sozial immer weniger aktiv werden, dass wir immer weniger emphatisch sind und nicht sehen, was bei anderen passiert und uns daraufhin immer weiter zurückziehen. Menschen zeigen zunehmend autistische Verhaltensweisen, die aber mit Autismus nichts zu tun haben, sondern eben angelernt sind. Deshalb glaube ich, dass das schon ein gefährliches Phänomen ist, das wir da beobachten. Mir hat mal jemand gesagt, wenn Du auf Facebook einen traurigen Smiley postest, dann fragen Dich in kürzester Zeit 120 Menschen, was los ist und wie es Dir geht. Wenn Du aber auf der Straße unterwegs bist und weinst, kommt keiner auf Dich zu und es interessiert keinen Menschen.
Weiterführende Links:
Website Herzig EQ
Zum Thema Pseudo-Autismus
Zur Frage, an welcher Stelle die CX in die Projekte einsteigt…
Teilweise ist es tatsächlich so, dass die Strategieberatung gemeinsam mit dem Kunden überlegt, wo die digitale Reise hingehen kann und dass das anschließend bei uns weiterentwickelt wird. Wir brechen es dann runter auf die Idee der Digitalisierung oder das Geschäftsmodell, um es wirklich anfassbar zu machen und zu überlegen, welche Seitentypen und Touchpoints gibt es überhaupt und dann auch wirklich das digitale Produkt zu konzipieren und zu entwickeln.
Zum konkreten Vorgehen beim Projektstart…
Wir haben ein Modell, das wir immer wieder anwenden, mit dem wir schon viele Digitalisierungsprojekte vorangetrieben und konzipiert haben und das UX Operating Modell heißt. Das Modell gliedert sich in fünf Phasen: das ist einmal der Bereich Discover, wo wir mit Kunden sprechen und uns die Anforderungen von der Business-Seite anschauen. Uns ist es wichtig, dass wir Business, Design und Technologie miteinander verheiraten. Im Wesentlichen wird hier bereits die UX-Strategie festgelegt und das Format basiert auf einem ISO-Prozess.
Es folgt dann die Deliver-Phase, in der wir wirklich konkret anfangen zu konzipieren, die Customer Journey zu gestalten und Sitemaps zu erstellen. Dies zunächst in Form von Wireframes und dann natürlich auch im Feindesign. Beim Validate Track, wo wir mit echten Nutzern Prototypen oder auch schon Wireframes validieren können, erfahren wir dann, ob unsere getroffenen Annahmen zutreffend sind. Die vierte Phase dient der Conversion Rate Optimierung, vor allem relevant im E-Commerce, aber auch in anderen Branchen, wie etwa bei Versicherungen, weil sie auf der einen Seite die Anzahl an Bestellungen, aber auch an Abschlüssen beeinflusst.
Die letzte Phase ist das UX Management, das ist relativ nah am Bereich Requirement Engineering hängt und sich stark auf den Kundennutzen bezieht. Wenn Du keinen UX-ler im Projekt hast, kannst Du nicht gewährleisten, dass der Fokus auf den Kunden/Nutzer der Anwendung auch immer gewährleistet bleibt.
Zum Thema nutzergetriebenes Wachstum und Messbarkeit…
Wenn wir Workshops machen, versuchen wir auch im Vorfeld gemeinsam zu definieren, welche KPIs – zum Beispiel mit einer E-Commerce Lösung – gepushed werden sollen. Es können ja unterschiedliche sein, wobei es am Ende immer die Conversion-Rate und der Umsatz sind. Aber das können auch Newsletter-Anmeldungen oder sämtliche andere KPIs sein., die für den Kunden relevant sind. Wir versuchen auch, bevor wir mit einem Projekt starten, einmal den Status quo aus der Web-Analyse abzufragen. Und auch wenn wir konzipieren, fragen wir immer bestimmte Klickverhalten etc. ab, um möglichst viel in die Konzeption einfließen zu lassen und daraus zu lernen. Wir stellen aber auch oft fest, dass die Tracking-Konzepte in den alten Lösungen gar nicht so gut sind, so dass wir nicht nur die falschen, sondern häufig auch gar keine Zahlen zur Verfügung haben.
Zur Relevanz und Größe einer Testgruppe…
Normalerweise sagt man, dass man nach dem Fünften, den man befragt hat, zu 80-90% die gleichen Rückmeldungen bekommt und vielleicht, wenn man Glück hat, noch einmal etwas Neues, aber das Meiste, nach dem Pareto-Prinzip, kann man schon fast mit fünf Probanden abdecken und kann da sogar sehr vereinfacht testen. Und das ist ja auch genau die Kultur, um die Unternehmen auch reinzubringen. So reicht es häufig, dass man einfach einmal ein paar Kollegen fragt, bevor man anfängt einen Prototypen und ein stumpfes Frontend zu bauen.
Weiterführende Links:
KPS – Customer Experience & Marketing
„Wir gehen mit dieser Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum“, urteilte Actrice und Aerobic-Göttin Jane Fonda schon in den Achtzigern. Und tatsächlich: Mit dem Metaverse scheint es beinahe so, als könnten wir inzwischen technisch einen weiteren Planeten aus dem Hut zaubern, wenn auch nur in virtueller Form. Aber was heißt schon nur. Lassen wir die Realitäten einmal außer Acht, ergeben sich natürlich auch ganz neue Möglichkeiten.
Blickt man auf den Investoren- und Finanzmarkt sowie die Aktivitäten der GAFAs, hat das Thema längst eine Eigendynamik entwickelt, hochglänzend aufbereitet von den üblichen Verdächtigen. So liefert beispielsweise das Beratungshaus McKinsey unter dem Titel „Value creation in the metaverse“ die typischen milliarden- und billionenschweren Wachstumscharts, die den Kapitalhaltern unseres Planeten in Sachen Metaverse den Mund wässrig machen sollen. Diese büffeln im Gegenzug schon fleißig Vokabeln, damit sie im persönlichen Austausch Begriffe wie NFT, Blockchain, Wallet, Ethernet, Token oder DAO sauber auseinander halten können. Und sie investieren zum Üben auch schon einmal ein paar zehntausend Decentraland (MANA) oder Sandbox (SAND) für virtuellen Grund und Boden oder den Zugang zu exklusivem Content. Und wie um die Bedeutung des Themas für die Breite der Gesellschaft noch einmal eindringlich zu unterstreichen, hat sich der Konzern Facebook jüngst direkt einmal in Meta umfirmiert.
Nun könnte man kritisch einwenden, dass es das mit dem bereits 2003 gestarteten Second Life (Linden World) doch schon alles einmal gegeben habe und diese Nummer in der Rückschau als ein elender Rohrkrepierer in den ewigen, virtuellen Jagdgründen verloren gegangen sei. Ja, aber… Heute gibt es schnelleres Internet, es gibt bessere Nutzer mit mehr Erfahrung, es gibt eine Reihe cooler Gadgets (wie VR-Brillen) und leistungsstarke Hardware, die dazu in der Lage ist, lebensechte 3D-Welten entstehen und in Echtzeit erleben zu lassen. Ein virtuelles Paradies, in dem sich insbesondere Gamer schnell zuhause fühlen dürften.
Und das ist dann auch so ein Punkt. Aktuell setzen die Modellversuche zum Metaverse schon einen deutlichen Schwerpunkt auf Umgebungen (oder neudeutsch: environments), die denen, die wir aus den Zimmern unserer Kinder kennen, spürbar ähneln. Ob nun Minecraft oder Fortnite: Vieles von dem, was uns die Experten ins Stammbuch der Metaversen schreiben, ist dort längst gängige Realität. Kein Wunder also, dass auch Unternehmen wie Microsoft oder Epic Games als Schwergewichte im Kampf um Vormachtstellungen bei diesem Thema betrachtet werden müssen.
Mit dem Begriff Metaverse ist beinahe synonym auch immer schnell vom Web 3.0 die Rede. Welches Verständnis verbirgt sich dahinter? Einen ganz schönen Erklärungsansatz findet man diesbezüglich in dem Buch „The Metaverse“ von Terry Winters. So unterteilt er die Entwicklung des Web in die Startphase (Web 1.0) in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als das Internet beim globalen Austausch und Teilen von Inhalten anderen Diensten wie Teletext oder auch dem Telegramm den Rang ablief. Die zweite Phase (Web 2.0) dauert im Grunde bis heute an und ist durch die Schaffung und Etablierung vielfältiger Dienste und Angebote gekennzeichnet, die über Plattformen verbreitet werden und Nutzer anlocken und binden. Nutzer entwickeln hier auch durchaus eigene Inhalte (User Generated Content ), sind am Ende aber stets an die Plattform gebunden. Genau diese Bindung endet mit dem Web 3.0 und der möglicherweise damit verbundenen Etablierung des Metaverse. Nutzer erstellen nicht nur ihre eigenen Inhalte, sie hosten diese ebenso und vermarkten sie in ihrer eigenen Blase (Bubble). Die one-size-fits-all Plattform ist Geschichte und Dezentralisierung das Schlagwort bei der künftigen Verbreitung von Inhalten.
Um sich dazu auch heute bereits ein besseres Bild machen zu können, empfehlen sich Ausflüge in die Gaming-Community. So hat „Twitch“ dem Google-Videochannel „YouTube“ in mancherlei Hinsicht bereits den Rang abgelaufen und Discord sich parallel zu einem Eldorado für den autonomen Austausch neuer Nutzergemeinschaften und Clans entwickelt. Dezentralisierung entwickelt sich innerhalb der Gaming-Community vollkommen autark von den GAFAs, was es erschweren dürfte, diese Gruppe für die über Jahre und mit hohem zeitlichen und finanziellem Aufwand entwickelten Lösungsideen wirklich und nachhaltig zu begeistern.
Auf der sozialen und gesellschaftlichen Ebene könnte der Einzug der Metaversen dagegen tatsächlich zu einem bedeutsamen Gamechanger mutieren. In einer Welt, die ihre Werte exponentiell auf eine Handvoll Auserwählter verteilt, schwinden die Chancen des Einzelnen auf gesellschaftlichen Aufstieg außerhalb seiner sozialen Kaste radikal. Wird es mir aber möglich, die eigene Existenz und mit ihr auch meine Schattenidentität aus aufgezeichneten Profil- und Bewegungsdaten in einer virtuellen Welt zu überwinden und gegen einen oder auch mehrere Avatare zu tauschen, stehen mir dort mit einem Male ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten offen. Oder wie es Cyberpunk-Autor Neal Stephenson – von dem der inhaltlich dazu passende Science-Fiction Roman „Snow Crash“ stammt – ausdrückt: „Wenn Du in einer beschissenen Umgebung lebst, gibt es immer noch das Metaverse…“ Der Spielberg-Streifen „Ready Player One“ bekommt diese Dystopie auf unterhaltsame Weise ebenfalls visuell sehr gut gegriffen. Hier erahnen wir aber auch gleichzeitig, welche Möglichkeiten zur Manipulation und zu kriminellen Machenschaften mit einem solchen Universum verbunden sein können.
Auch wenn die technischen Möglichkeiten wachsen und die im Raume stehenden Barrieren schwinden, haben wir die Reise ins Metaverse gerade erst begonnen. Auch dort wird das „Content is king“ Prinzip uneingeschränkt gelten und es werden sich Angebote entwickeln müssen, die es so – außerhalb des Metaverse – nicht geben kann und die dem Metaverse damit einen echten Mehrwert bieten. Einfach Exklusivität über eine künstliche Verknappung herzustellen, taugt allenfalls für die Startphase, um dort die First-Mover abzuholen und zu begeistern. Anschließend darf es dann gerne ein wenig mehr sein.
Weiterführende Links:
Decentraland
Über die Idee und den Start von Quickticket…
Wir haben uns dem Thema gewidmet, dass Patienten und Kunden im Gesundheitsbereich so viel Zeit mit Warten verbringen als die Zeit sinnvoller zu nutzen. Das ist einfach verlorene Lebenszeit, die einfach vergeudet wird, weil man irgendwo stundenlang wartet. Ich habe da einmal in einer Studie gelesen, dass wir allein im Gesundheitsbereich elf Tage mit Warten verbringen. Und das ist schon verrückt, wenn man bedenkt, was mit Hilfe aktueller Technologien schon alles möglich ist. Als haben wir das in Angriff genommen.
Ich habe Gesundheitsinformatik studiert, auf Englisch eHealth, und habe schon immer gewusst, ich will was bewirken können. Bei einem guten Freund, der schon lange ein IT-Unternehmen führt, ist dann irgendwann die Idee auf dem Tisch gelegen und dann haben wir beide gesagt: Let’s Go!
Über das eHealth-Studium…
Das Studium umfasst sehr viele Bereiche. Du kannst jetzt nicht sagen, ich habe jetzt nur die Informatik, aber mir fehlt das Wissen vom Gesundheitsbereich oder wie es in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus abläuft. Wir sind eigentlich so zwischendrin. Wir sind keine hundertprozentigen Informatiker, sondern schlussendlich sind wir so die Bindeglieder und gemeinsam stellen wir uns die Frage: Wie können wir die Gesundheitswirtschaft effizienter gestalten oder die Versorgung der Patienten verbessern? Da braucht man einfach beide Blickwinkel.
Zur Gründung während des Studiums…
Ich bin mit den Professoren in Kontakt getreten und die haben uns mit ihrer Expertise auch sehr unterstützt. Es war auf jeden Fall der Rückhalt da und es war auch jeder begeistert. Für die Professoren und Mitarbeiter am Institut ist es natürlich auch super spannend, wenn sie sehen, dass da jemand ist, der eine Idee hat und man dort unterstützen kann.
Zur Funktionsweise von Quickticket…
Im Grunde wollen wir, dass Personen überprüfen können, wann sie zum Arzt können. Dafür soll gefördert werden, dass diese Menschen verstärkt die Website ihres Arztes aufsuchen und sehen können, dass aktuell die Nummer 20 an der Reihe ist und die nächste Nummer die man ziehen kann, wäre aktuell die Nummer 40 und diese wäre dann heute um 19.00 Uhr an der Reihe. Damit verbunden wäre dann die Frage: Möchten Sie sich das Ticket nehmen? Indem ich dann auf das Ticket klicke, tauche ich sofort in der Warteliste des Arztes auf und kann die Wartezeit zuhause abwarten. Was für uns das Wichtigste ist, dass wir im Hintergrund einen machine-learning Algorithmus nutzen, der diese Zeitprognosen durchführt. D.h. er lernt mit der Praxis, er lernt mit den Abläufen, er schaut, wer heute überhaupt in der Praxis arbeitet, welche Uhrzeit und Jahreszeit es gerade ist. Im Winter müssen die Patienten Strumpfhosen etc. ausziehen. Der Algorithmus lernt mit der Praxis und kann dann wirklich verlässliche Zeitprognosen durchführen.
Über den Weg zur Markteinführung…
Von heute auf morgen ist natürlich unsere Rakete nicht angestoßen. Intern haben wir immer gesagt, wir sind wie eine Lokomotive, die nur langsam ins Rollen kommt, aber wenn sie dann einmal fährt, dann lässt sie sich nicht mehr so rasch bremsen… Wenn Du in der Gesundheitswirtschaft eine Idee hast, brauchst Du Zeit, Durchhaltevermögen und Motivation. Bei uns hat es bis zum heutigen Tag auch über zwei Jahre gedauert. Man braucht einen starken Atem und ein gutes Team im Hintergrund. Was das Gesundheitssystem betrifft, war das mit der Corona-Pandemie – wie Du vorhin angedeutet hast – jetzt nicht so schlecht für uns.
Katharina Feiertag über das, was sie treibt:
Meine Mission ist es, mit heimischen, digitalen Produkten das Personal im Gesundheitswesen zu entlasten. Digitale Produkte unterstützen unser alltägliches Leben schon so sehr, warum hinkt das Gesundheitswesen hinterher? Neue Informations- und Kommunikationstechnologien können dazu beitragen, Lösungen anzubieten, die die Prozesse und die Reise der Patientinnen und Patienten im Gesundheitswesen effizienter gestalten. Dadurch können die Qualität, die Prozesse und die Effizienz in unserem Gesundheitswesen verbessert werden. Ebenso wird die Zufriedenheit aller Beteiligten gesteigert.
Weiterführende Links:
Website Quickticket
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Music-Commerce
Im Gespräch mit Sven Schoderböck
Bis 1991 absolviert er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Musikfachgeschäft. Im Anschluss daran folgen Jahre der Selbstständigkeit, in denen er sich daran macht, eine eigene Musiksoftware zu entwickeln. 1996 steigt er dann bei Thomann ein und ist schnell für die Bereiche Vertrieb und Marketing verantwortlich. Sie steigen sehr schnell in den E-Commerce ein und setzen insbesondere in den Bereichen Content-Marketing, Produktbewertungen und Affiliate-Marketing neue Maßstäbe. Thomann entwickelt sich im Laufe der Jahre und bis heute zum größten Online-Händler für Musikinstrumente weltweit und knackt 2020 die Umsatzschwelle von 1 Milliarde Euro. Ende 2021 verlässt Sven das Unternehmen nach 25 Jahren, weil die Geschichte für ihn persönlich auserzählt ist und er Lust verspürt anderen Ideen hinterher zu jagen. Dabei verfolgt er auch persönliche Challenges und absolviert etwa „10 Praktika in 10 Monaten“ (u.a. BabyOne und Declathon). Heute bringt er sein Wissen als Berater ein, unterstützt vielversprechende Startups und ist u.a. CEO bei Sunlab Holding und der Awesome Stuff GmbH.
Was passiert mit Dir, wenn Du unterwegs bist und im Radio die ersten Takte von „Smoke on the water“ oder „Stairway to heaven“ erklingen?
Da habe ich inzwischen ein total dickes Fell dagegen. Da blende ich aus, ganz ehrlich.
HH oder Berlin bezeichnen sich gerne als die Hauptstädte des deutschen E-Commerce. Für wahre Weltmarktführerschaft muss man aber ins beschauliche Treppendorf nach Franken reisen. Wie kommt das denn?
Genau. Treppendorf ist Thomann. Thomann ist weltgrößter Versender für Musikinstrumente, Licht- und Tonequipment. Treppendorf ist der Heimatsitz der Familie Thomann und schon immer gewesen. Aus dem Wohnzimmer der Familie Thomann hat sich irgendwann das Musikbusiness entwickelt. Der Standort ist auch nicht schlecht, wenn Du Logistik machst, weil die Grundstückspreise doch recht niedrig sind. Die Mitarbeiter sind ehrlich, fleißig und echt liebe Kerle. Einzig die digitalen Talente sind etwas schwierig an den Standort zu bekommen. Das ist eine echte Herausforderung.
Zu der Entwicklung des Musikhauses Thomann…
Als ich 1996 angefangen habe, war es ein Musikladen mit Einzugsgebiet – ein ganz wichtiger Begriff damals, heute völlig irrelevant – wo sich die Leute in einem Radius von 150 km ins Auto gesetzt haben (das Geld hing schon halb aus der Tasche heraus) und versucht haben, vor Ort einen guten Deal zu machen. Der Versand hat zu dieser Zeit, mit knapp 10 Paketen pro Tag, noch in den Kinderschuhen gesteckt. E-Commerce war noch nicht existent bzw. den Begriff gab es zwar, aber er war so ein bisschen verpönt.
Zu Historie bei Netzmarkt…
Unser Host, der damals auch den ersten Webshop programmiert hat, war Netzmarkt, quasi ein Internet-Kaufhaus. Und wir waren da im 6. Stock „Freizeit“ mit der ersten Website vertreten. Netzmarkt ist inzwischen eine Tochterfirma von Thomann und die machen jetzt die ganze Infrastruktur.
Zur eigenen Unabhängigkeit von E-Commerce Standardlösungen…
Ja, wir hatten halt einen eigenen Shop, weil unser Sortiment sehr speziell ist und zu dem Zeitpunkt, als wir diese Entscheidung getroffen haben, gab es auch nicht wirklich etwas Gutes zu kaufen. Intershop fand ich technisch nicht gut und hätte unser Sortiment auch nicht gut abbilden können. Die anderen Sachen waren so ein bisschen wackelig und hätten auch die ganzen Produkte nicht handeln können. Ich bin selbst auch Entwickler, weshalb es auch ein bisschen Entwickler-Ehre war, dass ich halt einen eigenen Shop bauen wollte, was ich heute wohl auch nicht mehr so gemacht hätte. Wir sind aber auch heute noch froh, dass wir einen eigenen Shop haben, den wir anpassen können.
Zur Frage, was sie in der „Aufbruchzeit“ besser gemacht haben als Musicstore, Musik produktiv und Co. …
Es war eben schon so die DNA, dass wir uns immer ein wenig mehr anstrengen müssen, um überhaupt Kunden zu bekommen. Musicstore sitzt halt in Köln, hat eh immer Laufkundschaft gehabt und ist in seiner Region der Größte. Da hast Du eine andere Selbstwahrnehmung als in einem Laden, der quasi um jeden einzelnen Kunden kämpfen muss. Ich glaube, was wir besser gemacht haben war, von Anfang an auf Logistik zu setzen. So haben wir von Beginn an auf das größte Sortiment, die besten Preise und auch die beste Produktdarstellung abgezielt. Ich weiß noch, wie ich damals dafür gekämpft haben, dass wir wirklich für jedes Produkt auf jeder Seite ein Bild haben und das halt auch die Website schnell und auch mit jedem Device bedienbar ist. Das sind alles Sachen, die waren damals nicht immer selbstverständlich. Aber wir wussten, dass wir Kunden haben, die stundenlang auf der Website herumstöbern und denen wollten wir ein cooles Erlebnis bieten. Die Kunden sind zu Fans geworden, haben uns weiterempfohlen und Thomann halt in die Band reingebracht oder dem Nachbarn empfohlen. So sind wir halt zu dem Category Killer in der Branche geworden.
Zur Bedeutung von Content-Marketing bei Thomann…
Es war so, dass wir schnell gemerkt haben, dass wir keinen Tech-Krieg gegen irgendwen gewinnen können, aber wir können halt mit Produktliebe punkten. Wir haben alles auf Lager gehabt, also jedes Produkt, das bei uns auf der Website ist, führen wir auch. Du kannst ins Auto steigen, wenn ein Produkt auf der Website als verfügbar angezeigt wird und das Produkt vor Ort ausprobieren. Wir haben versucht, mit Produktdarstellung und Produktliebe zu punkten. Ein großes Netzwerk an Musikern und Musiker-Websites hochgezogen und inzwischen auch viele YouTube-Kanäle und haben es darüber geschafft, den Nutzern, die sich in ihrer Freizeit damit beschäftigt haben, die Produkte auf eine Art und Weise nahezubringen, dass sie halt keine anderen Fragen mehr hatten und auch nicht mehr in einen stationären Musikladen fahren mussten, um die Sachen auszuprobieren oder anzufassen. Das war früher wirklich ein Riesenthema, dass viele Leute gesagt haben, dass sie nie etwas über den Versand kaufen würden. Durch die Möglichkeiten des Internets mit 360 Grad Bildern, mit User-Bewertungen und Geld-Zurück-Garantie haben wir diese Hürde genommen.
Weiterführende Links:
Thomann Music
OMR Feature Thomann
Brandeins: Der Ton macht die Musik
In dieser Ausgabe unseres Podcasts sprechen wir mit dem bekannten Designer Cihan Tamti aus Bochum im Schwerpunkt über das zugrunde liegende Projekt seiner Bachelor-Arbeit „Blind Spot“ an der FH Dortmund. Die Idee für das Vorhaben entstand dabei eher zufällig über einen Clubhouse-Kontakt und eine KI, die aus Worten Bilder entstehen lassen kann. Diese Gattungsform ist heute auch unter „text2art“ bekannt. Aus dieser Möglichkeit heraus entwickelte sich dann die Idee, ein entsprechendes Setup im Rahmen eines Projekts zur kreativen Arbeit mit Blinden zu nutzen. Hierfür fand man drei Probanden, die sich an dem Vorhaben beteiligten und alle in einer früheren Phase ihres Lebens sehend waren.
Die Begriffe, die anschließend für die Visualisierung durch die KI genutzt wurden, sind über Interviews mit den Probanden und relativ allgemeinen Fragen entwickelt worden. Anschließend wurde versucht, den Blinden das Resultat ihres Schaffens verbal zu vermitteln, was sich als relativ schwierig herausstellte. Denn auch hier im Visuellen griff das Phänomen der „stillen Post“, was zu gänzlich unterschiedlichen Beschreibungen des gleichen Bildes durch verschiedene Betrachter führte.
Aus diesem Dilemma für die Probanden entwickelte sich die nächste Folgestufe des Projekts. Mit Hilfe eines 3D-Druckers wurden die Bilder nunmehr in eine formale Ausprägung umverwandelt, um fortan als taktile Lösung von den Probanden sensitiv wahrgenommen werden zu können. Hierfür hat der 3D Designer eine entsprechende Auswahl aus den bestehenden Arbeiten getroffen, um anschließend das Bild in eine dreidimensionale Gestalt hinein zu interpretieren. Auch der 3D Drucker selbst hat mit seiner Textur dann noch eine zusätzliche Veränderung in das Werk einfließen lassen. Aus diesen Aspekten der Umsetzung heraus, wurden die Einflüsse zum Prinzip des Modellversuchs erklärt und damit als ein Teil der Arbeit definiert.
Die finale Plastik wurde dann wiederum an die Probanden als Arbeitsergebnis übergeben, begleitet von der Frage, ob so viel externer Einfluss auf das Werk überhaupt hinnehmbar sei. Das sei ihr „tägliches Brot“ erwiderten die Probanden darauf. So müssten sie sich auch im alltäglichen Leben auf Schilderungen und Beschreibungen anderen verlassen, ungeachtet einer von ihnen abweichenden Wahrnehmung. Sie begriffen sich in ihrem Schaffen am Ende auf jeden Fall als künstlerisch Aktive und können sich eine Fortführung dessen ungeachtet des Projekts sehr gut vorstellen.
Außerdem hatte Cihan bei unserem Gespräch eine neue Ausgabe des „Homebound“ im Gepäck. Inzwischen ist es die Nummer drei dieses „Herzensprojekts“, dass seinen Anfang unmittelbar in der Pandemie-Startphase genommen hat und in dem sich freie Plakatarbeiten unterschiedlichster Künstler – vom internationalen Top-Designer bis zum ungeschliffenen Rohdiamanten aus dem Erstsemester – wiederfinden. Aber nicht allein die Arbeiten, sondern auch das Publishing und die Produktion selbst fällt immer wieder spektakulär aus und ist einen Blick wert.
Viel Spaß und Inspiration beim Hören unseres – hoffentlich kurzweiligen – Podcasts mit Cihan…
Haltung zeigen, Marketier!
Public Relations und Marketing in Unternehmen haben schon lange nicht mehr allein mit dem Zweck der Unternehmung zu tun. Die Messlatte liegt inzwischen deutlich höher. Immer häufiger geht es auch darum, neben reinen Purpose-Aspekten zudem Haltung in gesellschaftlichen, ethisch-moralischen und politischen Fragen zu zeigen und ggf. auch zu beweisen. Das erwarten potenzielle Mitarbeiter inzwischen ebenso wie Kunden und Partner. Ob es nun um #blacklivesmatter, #climatechange, #diversity oder ganz aktuell um #standwithukraine geht: Unternehmen fühlen sich – insbesondere im Bereich der Socialmedia-Kommunikation – beinahe schon genötigt, hier „klare Kante“ zu zeigen und eindeutig Position zu beziehen. Kein leichtes Unterfangen für die Marketer und Kommunikations-Profis, weil man – trotz bester Absichten und einem einwandfreien ethisch-moralischen Kompass – schnell das Gegenteil der mit der Positionierung verfolgten Absichten erreichen kann.
In dem aktuellen Podcast der Digitalen Originale tauschen sich Olli und Ralf, vor allem auch unter dem Eindruck des aktuellen Kriegs in der Ukraine, genau zu diesem Thema aus und versuchen damit verbundene Risiken und Verhaltungsweisen für Unternehmen zu benennen sowie sich daraus ergebene parallele Aspekte wie die immer stärker grassierende „Cancel Culture“ einzuordnen. Ein schwieriges Thema, dass nur insofern mit Digitalisierung zu tun hat, als dass große und entscheidende Teile der Kommunikation im Socialweb stattfinden. Die Äußerungen spiegeln dabei auch vielmehr persönliche Gedanken, Äußerungen und Standpunkte wieder, als dass sie eine gesamte unternehmerische Haltung der Agentur repräsentieren würden.
Sollte es die Hörer dazu anregen, den geäußerten Meinungen eigene Standpunkte gegenüber zu stellen oder Inspiration zur eigenen Auseinandersetzung schaffen, wäre alles erreicht, was wir mit dieser Ausgabe erreichen möchten. Feedback ist selbstredend ebenfalls jederzeit willkommen!
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