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„Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“ (Prediger 3,11).
Warten kann aufreibend sein
„Immer muss man(n) auf sie warten!“, wenn das mal so stimmen würde. In unserer Familie scheint das anders zu sein. Ich bin ja der Meinung, Frau muss immer auf die Männer warten, zumindest ist das in unserem Haushalt so. Antreiben meinerseits bewirkt nur das Gegenteil. Irgendwie scheinen Mann und Sohn ihren ganz eigenen Zeitplan zu verfolgen, der anders abläuft als meiner. Ungeduldig stehe ich daneben und warte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir alle im Auto sitzen und es endlich losgehen kann. Ich bin einem Nervenzusammenbruch nahe und meine beiden Männer sitzen entspannt neben mir, neugierig auf das, was der Tag noch so bringen wird.
Das Gefühl für Zeit und der Umgang damit, kann ganz schön unterschiedlich sein, vor allem dann, wenn es um Gottes Zeitplan geht. Das hat auch schon König Salomo im Alten Testament festgestellt. In seinem Buch „Prediger“ findet man seine berühmten Gedanken über „Alles hat seine Zeit“, Geboren werden, Sterben, Weinen, Lachen, Klagen, Tanzen und so weiter. Zusammenfassend schreibt er:
Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. – Die Bibel in Prediger 3,11
In der „Gute Nachricht“-Bibel wird der kompakte Anfang des Verses etwas ausführlicher übersetzt: „Gott hat für alles eine Zeit vorherbestimmt, zu der er es tut; und alles, was er tut, ist vollkommen“.
Das bedeutet, wenn Gott etwas tut, tut er es zum richtigen Zeitpunkt und dann ist das, was er getan hat, schön, gut, vollkommen, genau richtig.
Bei schönen Ereignissen ist das immer einfach zu glauben. Gott hat meinen Mann und mich vor einigen Jahren zusammengeführt und wir passen perfekt zueinander. Was aber, wenn das „Perfekt“ nicht mehr so „perfekt“ ist, wenn es Risse gibt in einer Ehe, die von Gott gestiftet war, was wenn Krankheit, Tod und Leid einen scheinbar überfallen? Wie sieht es dann damit aus?
Warten auf Gott und sein Eingreifen kann dann unendlich lange dauern, kann weh tun, kann uns etwas kosten, kann uns schier um den Verstand und um den Glauben bringen.
Wenn Gottes Zeitplan anders ist
Der Vers geht weiter: Auch „hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende“. Das heißt, Gottes Handeln hat immer eine Ewigkeitsperspektive. Unsere menschliche Perspektive ist begrenzt. Unser Blick ist zu klein, um das, was Gott tut, in seinem ganzen Ausmaß zu erfassen. Gott hat die ganze Menschheitsgeschichte im Blick und ich als Mensch kann noch nicht einmal mein eigenes Leben überblicken. Wo ich mir als Mensch gerne sofort Linderung meiner Not wünsche, kann es sein, dass Gott einen anderen Zeitplan hat. Dieses Warten auszuhalten, kann mich völlig an die eigenen Grenzen bringen. Für mich ist das eine Spannung, die ich kaum aushalten kann.
Salomo kommt bei diesen Gedanken in Vers 12 zu dem Schluss: „Das Beste, was der Mensch tun kann, ist, sich zu freuen und sein Leben zu genießen, solange er es hat“. Das klingt äußerst merkwürdig in den Ohren eines Menschen, der verzweifelt auf das Eingreifen Gottes wartet. Wenn ich aber immer auf das sehe, was ich mir für die Zukunft wünsche, verpasse ich das, was ich gerade erlebe. Im Hier und Jetzt leben birgt nämlich …