
Sign up to save your podcasts
Or


Eine Feststellung
Am Ende dieser Durchsicht drängt sich eine Feststellung auf, die jede Teillektüre erahnen ließ, ohne sie je ganz auszusprechen: Dieser Papst hat Frankreich — und darüber hinaus — auf drei Wegen zugleich erobert, die selten bei ein und demselben Mann zusammenkommen.
Seine Herangehensweise, zunächst. Alle Quellen stimmen in diesem Punkt überein, von Wiegel von der FAZ bis Die Presse, über die in Lourdes und im Stade de France gesammelten Zeugnisse: Er hört zu, bevor er spricht, er schaut, bevor er urteilt. Das ist kein Detail der Kommunikation, es ist eine Methode der Begegnung — und sie hat, mehr noch als seine Reden, offenbar die meisten Menschen berührt, Gläubige wie Nichtgläubige gleichermaßen.
Seine Vision, sodann. Ein amerikanischer Papst, der nach Europa kommt, um an dessen Wurzeln zu erinnern, nicht um sie einzuschließen, sondern um sie zu öffnen; der Schuman und den heiligen Benedikt in demselben Satz nennt; der sich, mit den Worten Jean-Marc Sauvés, weigert, sich „gegenüber Gegnern zu definieren“, während er, nach demselben Zeugen, eine Botschaft trägt, die „anti-Trump ist und sich gegen alle Extremisten richtet“. Eine Vision, die zusammenhält, was viele für unvereinbar hielten: die Treue zu einem Erbe und die Offenheit für den anderen.
Seine Methode, schließlich — die eigenartigste der drei, und diejenige, die die Presse am schwersten in einem einzigen Wort zu fassen vermag. Kritisieren, ohne je jemanden zu nennen; Spaltendes sagen, ohne dass es spaltend wirkt; es jedem Zuhörer überlassen, sein eigenes Ziel in einem Satz zu erkennen, der niemanden benennt. Es ist eine Kunst der politischen Untertreibung, deren genaue Mechanik wir in unserem zweiten Beitrag zu rekonstruieren versuchten — so sehr schien es uns, dass keine der von uns konsultierten Quellen diese Beweisführung zu Ende geführt hatte.
Herangehensweise, Vision, Methode: Die drei nähren einander, und es ist wohl ihr Zusammenspiel, mehr als jede für sich genommen, das erklärt, was die gesamte Presse, von Paris bis Wien, am Ende mit einer Mischung aus Überraschung und Bewunderung feststellte — dass ein einzelner Mann, allein, in vier Tagen zusammenführen konnte, was kein Politiker seit langem zu vereinen vermocht hatte.
A Finding
At the end of this review, one finding emerges, which every partial reading hinted at without ever spelling it out fully: this pope won over France — and beyond — through three paths at once, rarely found together in one man.
His approach, first. Every source converges on this point, from Wiegel at the FAZ to Die Presse, by way of the testimonies gathered at Lourdes and at the Stade de France: he listens before he speaks, he looks before he judges. This is not a communications detail, it is a method of contact — and it, more than his speeches, seems to have touched the most people, believers and non-believers alike.
His vision, next. An American pope who comes to remind Europe of its roots, not to enclose them but to open them up; who places Schuman and Saint Benedict in the same sentence; who refuses, in Jean-Marc Sauvé’s words, “to define himself against adversaries,” while carrying, by that same witness’s own admission, a message “anti-Trump and aimed at all extremists.” A vision that holds together what many thought could not be reconciled: faithfulness to a heritage and openness to the other.
His method, finally — the most distinctive of the three, and the one the press struggles most to name in a single word. Criticizing without ever naming anyone; saying divisive things without their seeming divisive; leaving it to each listener to recognize their own target in a sentence that names no one. It is an art of political understatement whose precise mechanics we tried to reconstruct in our second piece — so much did it seem to us that no outlet we consulted had followed the thread to its end.
Approach, vision, method: the three feed one another, and it is probably their combination, more than any one taken alone, that explains what the entire press, from Paris to Vienna, ended up noting with a mix of surprise and admiration — that one man, alone, in four days, managed to bring together what no politician had managed to unite in a long time.
Un constat
Au terme de cette revue, un constat s’impose, que chaque lecture partielle laissait deviner sans jamais le formuler en entier : ce pape a conquis la France — et au-delà — par trois voies à la fois, rarement réunies chez un même homme.
Son approche, d’abord. Toutes les sources convergent sur ce point précis, de Wiegel de la FAZ à Die Presse en passant par les témoignages recueillis à Lourdes et au Stade de France : il écoute avant de parler, il regarde avant de juger. Ce n’est pas un détail de communication, c’est une méthode de contact — et c’est elle, davantage que ses discours, qui semble avoir touché le plus de monde, croyants et non-croyants confondus.
Léon XIV, un pape qui écoute les gens et qui leur répond — Photo © François de Vries
Sa vision, ensuite. Un pape américain qui vient rappeler à l’Europe ses racines, non pour les enfermer mais pour les ouvrir ; qui associe dans la même phrase Schuman et Saint-Benoît ; qui refuse, selon le mot de Jean-Marc Sauvé, de « se définir par rapport à des adversaires » tout en portant, de l’aveu du même témoin, un message « anti-Trump et dirigé contre tous les extrémistes ». Une vision qui tient ensemble ce que beaucoup pensaient inconciliable : la fidélité à un héritage et l’ouverture à l’autre.
Sa méthode, enfin — la plus singulière des trois, et celle que la presse a le plus de mal à nommer d’un seul mot. Critiquer sans jamais citer personne ; dire des choses clivantes sans qu’elles paraissent telles ; laisser à chacun le soin de reconnaître sa propre cible dans une phrase qui ne désigne personne. C’est un art de la litote politique dont nous avons tenté, dans notre second papier, de reconstituer les ressorts exacts — tant il nous a semblé qu’aucun media consulté n’était allé au bout de cette démonstration.
Approche, vision, méthode : les trois se nourrissent l’une l’autre, et c’est sans doute leur réunion, plus que chacune prise isolément, qui explique ce que la presse entière, de Paris à Vienne, a fini par constater avec un mélange de surprise et d’admiration — qu’un homme seul, en quatre jours, ait pu rassembler ce qu’aucun responsable politique n’était parvenu à réunir depuis longtemps.
Ein Land, das keine Verlierer mag
Man soll das Fell des Bären niemals verteilen, bevor man ihn erlegt hat: Fünf Wochen vor den Zwischenwahlen kann sich noch alles wenden, und Donald Trump hat schon Situationen überstanden, die als unausweichlich galten. Doch eines muss klar gesagt werden: Im Moment sitzt er in der Klemme.
Es ist nicht so sehr die Summe der einzelnen Dossiers, die ihn belastet — Iran, Inflation, Diesel, die Hochzeit seines Sohnes, eine Epstein-Geschichte, die nicht verschwinden will, und nun diese Clips zur eigenen Verherrlichung —, es ist das, was sie zusammen bewirken, in einem Land, das seinen Präsidenten vieles verzeiht, außer einer Sache: als Verlierer dazustehen. Amerika liebt Gewinner, erträgt Betrüger, arrangiert sich manchmal mit Lügnern. Verlieren verzeiht es nicht. Und genau dieses Bild formt sich, Woche für Woche, in den Umfragen, in der Werbung des eigenen Lagers, die seinen Namen verschweigt, bei Kandidaten, die ihre Wahlkampfseiten von ihm säubern.
Es gibt in Washington ein Wort für das, was einen Präsidenten in dieser Lage erwartet: lame duck, wörtlich „lahme Ente“ — ein Staatsoberhaupt, das schon auf dem Absprung ist, das nicht erneut antreten kann und dessen Autorität schwindet, während das eigene Lager bereits über ihn hinwegblickt. Les Échos verwendet den Begriff ohne Umschweife, um zu beschreiben, was Trump erwarten könnte, sobald die Novemberwahlen vorüber sind.[04] Bemerkenswert ist vor allem, dass dieses Wort kaum ein Jahr nach seinem Amtsantritt fällt — beispiellos zu diesem Zeitpunkt einer zweiten Amtszeit.
Ebenso bemerkenswert: Trump hat vieles davon selbst zu verantworten. Niemand hat ihn gezwungen, drei Wochen vor der Wahl ein Dieselexportverbot ins Spiel zu bringen und im selben Atemzug einzuräumen, dass es die Preise an der Zapfsäule für amerikanische Autofahrer erhöhen würde. Niemand hat ihn gezwungen, einen Krieg im Iran ohne den versprochenen klaren Sieg dahinschleppen zu lassen, noch seinen Sohn die Gastfreundschaft eines Putin-nahen Oligarchen annehmen zu lassen — ausgerechnet in dem Moment, in dem seine Regierung vorgibt, Moskau die Stirn zu bieten. Niemand hat ihn vor allem gezwungen, sich mit Steuergeldern und einem gestohlenen Lied in Videos vor dem Mount Rushmore selbst zu feiern. Jede dieser Entscheidungen für sich schien beherrschbar. Zusammengenommen, fünf Wochen vor einer Wahl, ergeben sie genau das Bild, das sich kein Wahlkampfstratege für seinen Kandidaten wünscht: das eines Mannes, der die Ereignisse erleidet, statt sie zu beherrschen — und der sie zuweilen fast selbst zu provozieren scheint.
Eine grundlegende Frage bleibt, und sie ist entscheidend für das, was noch kommt: Ändert ein Präsident, der den Wind spürt, seinen Kurs — oder verdoppelt er den Einsatz? Trumps jüngste Geschichte spricht eher für Letzteres. Das macht die kommenden fünf Wochen besonders unberechenbar — für ihn, für seine Partei, und für alle, nicht zuletzt in Europa, die mit Sorge beobachten, aus welcher Richtung der Wind — Diesel wie Wahlstimmung — als Nächstes weht.
A Country That Doesn’t Love Losers
Never sell the bear’s skin before you’ve killed it: with five weeks to go before the midterms, anything can still turn around, and Donald Trump has already survived situations once declared fatal. But one thing needs saying plainly: right now, he’s cornered.
It isn’t so much the sum of the individual dossiers that weighs him down — Iran, inflation, diesel, his son’s wedding, an Epstein story that won’t die, and now these self-glorifying clips — it’s what they produce together, in a country that forgives its presidents a great deal, except for one thing: looking like a loser. America loves winners, tolerates cheats, sometimes puts up with liars. It does not forgive losing. And that is precisely the image now taking shape, week by week, in the polls, in his own party’s ads that omit his name, in candidates scrubbing their campaign sites clean of him.
There’s a word in Washington for what awaits a president in this position: lame duck — a head of state already on the way out, unable to run again, whose authority erodes as his own camp starts looking past him. Les Échos uses the term without hesitation to describe what could await Trump the moment the November polls close.[04] What’s most striking is that the word is being used barely a year into his term — unheard of at this stage of a second mandate.
What’s just as striking is that Trump did much of this to himself. No one forced him to float a diesel export ban three weeks before the vote, admitting in the same breath that it would raise pump prices for American drivers. No one forced him to let a war in Iran drag on without the clean victory he had promised, nor to let his son accept the hospitality of a Putin-linked oligarch at the very moment his administration claims to be standing firm against Moscow. No one, above all, forced him to fund, with taxpayer money and a stolen song, videos glorifying himself at Mount Rushmore. Each decision, taken alone, seemed manageable. Added together, five weeks from an election, they sketch the one portrait no campaign strategist wants for their candidate: a man overtaken by events rather than mastering them — and who, at times, seems almost to be provoking them himself.
One question remains, and it matters for what comes next: does a president who feels the wind turning change course, or double down? Trump’s recent history suggests the latter. Which is what makes the coming five weeks particularly unstable — for him, for his party, and for everyone, not least in Europe, watching anxiously to see which way the wind — diesel and electoral mood alike — will blow.
Le pays qui n’aime pas les perdants
Ne vendons jamais la peau de l’ours avant de l’avoir tué : à cinq semaines des midterms, tout peut encore basculer, et Donald Trump a déjà survécu à des situations qu’on annonçait fatales. Mais un fait mérite d’être dit sans détour : aujourd’hui, il est dans la seringue.
Ce n’est pas tant la somme des dossiers qui l’accable — l’Iran, l’inflation, le diesel, le mariage de son fils, Epstein qui ne s’éteint pas, et maintenant ces clips à sa propre gloire — c’est ce qu’ils produisent ensemble, dans un pays qui pardonne beaucoup à ses présidents, sauf une chose : donner l’image du perdant. L’Amérique aime les vainqueurs, tolère les tricheurs, s’accommode parfois des menteurs. Elle ne pardonne pas à qui perd. Et c’est précisément l’image qui commence à se former, semaine après semaine, dans les sondages, dans les publicités de son propre camp qui taisent son nom, dans les candidats qui nettoient leurs sites de campagne.
Il y a un mot, à Washington, pour désigner ce qui guette un président dans cette position : lame duck, littéralement « canard boiteux » — un chef d’État déjà sur le départ, incapable de se représenter, et dont l’autorité s’érode à mesure que son propre camp regarde déjà vers l’après. Les Échos l’emploient sans détour pour décrire ce qui pourrait attendre Trump dès la sortie des urnes de novembre.[04] Le plus frappant, c’est qu’on prononce ce mot à peine un an après son investiture — du jamais-vu à ce stade d’un second mandat.
Le plus frappant aussi, c’est que Trump lui-même y a mis du sien. Personne ne l’a obligé à évoquer un ban sur le diesel trois semaines avant le vote, en admettant dans la même phrase qu’il ferait grimper le prix à la pompe pour les automobilistes. Personne ne l’a obligé à laisser filer une guerre en Iran sans la victoire nette qu’il avait promise, ni à laisser son fils accepter l’hospitalité d’un oligarque proche de Poutine au moment même où son administration prétend tenir tête à Moscou. Personne, surtout, ne l’a obligé à se payer, sur l’argent du contribuable et sur une chanson volée, des vidéos où il se célèbre lui-même devant le mont Rushmore. Chacune de ces décisions, prise isolément, semblait gérable. Additionnées, à cinq semaines d’un scrutin, elles dessinent le portrait qu’aucun stratège électoral ne souhaite pour son candidat : celui d’un homme qui subit les événements plutôt qu’il ne les maîtrise — et qui, par moments, semble presque les provoquer lui-même.
Reste une question de fond, et elle vaut pour la suite : un président qui sent le vent tourner change-t-il de cap, ou double-t-il la mise ? L’histoire récente de Trump suggère plutôt la seconde option. C’est ce qui rend les cinq semaines qui viennent particulière-ment instables — pour lui, pour son parti, et pour tous ceux qui, en Europe notamment, regardent avec inquiétude où le vent — diesel et humeur électorale américaine confon-dus — va souffler.
On the War in Ukraine
This piece follows directly from the analysis Admiral Girard has been developing since the very start of the conflict, and which he was already describing in 2023 as the “emancipation of Ukrainian strategy”: the idea that, over time, Kyiv could only seek to loosen the constraints imposed on it by its Western backers. This paper confirms that this movement has indeed continued — the crossing of the initial red lines, the development of a domestic missile industry, deep strikes into Russian territory — without triggering the nuclear escalation that was originally feared.
What is changing, however, is the second term of the equation he had already set out in late 2022: the West’s “indirect strategy.” It has not disappeared, but its engine has shifted — from a deficit of political will to a deficit of means, European ones above all, as Washington withdraws from the file. The admiral thus points to a shift rather than a reversal: the Europeans are no longer merely indirect supporters by choice, but increasingly by necessity, for lack of a defence industry equal to the American shortfall in Patriot missiles.
The most serious point he raises — and one he frames, with his usual caution, as questions rather than statements — concerns Russia’s hybrid war aimed directly at European countries: electoral interference, funding of parties such as the AfD, attacks already recorded. He does not settle the question of the response required (NATO’s role, European coordination), but poses it as the most urgent and least addressed issue of the moment — a strategic void that echoes, by another path, the institutional voids the international press identifies elsewhere, on other theatres.
Über den Krieg in der Ukraine
Dieser Text steht in direkter Kontinuität zu der Analyse, die Admiral Girard seit Beginn des Konflikts ent-wickelt und die er bereits 2023 als „Emanzipation der ukrainischen Strategie“ bezeichnete: die Vorstellung, dass Kiew mit der Zeit zwangsläufig versuchen würde, sich aus dem Korsett der ihm von seinen westlichen Unterstützern auferlegten Beschränkungen zu befreien. Dieser Beitrag bestätigt, dass sich diese Bewegung tatsächlich fortgesetzt hat — Überschreitung der anfänglichen roten Linien, Aufbau einer eigenen Raketenindustrie, Schläge tief im russischen Hinterland —, ohne die anfangs befürchtete nukleare Eskalation auszulösen.
Carte de la guerre en Ukraine 5CESM, Mai 2022)
Häfen, Marinestützpunkte, Meerengen und Gasfelder im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer — Sewastopol, Noworossijsk und die Schlangeninsel erscheinen dabei im Zentrum des Geschehens. Quelle: Centre d’Études supérieures de la Marine, Bulletin Marine Nr. 261, Mai 2022 [4] — geografische Bezugspunkte weiterhin gültig, operative Lage seither weitgehend verändert — Karte, — Carte Marine Nationale © CESM
Was sich hingegen ändert, ist der zweite Teil der Gleichung, die er bereits Ende 2022 aufgestellt hatte: die „indirekte Strategie“ des Westens. Sie ist nicht verschwunden, aber ihr Antrieb hat sich verlagert — von einem Defizit an politischem Willen hin zu einem Defizit an Mitteln, vor allem europäischen, in dem Maße, wie sich Washington aus dem Dossier zurückzieht. Der Admiral verweist damit eher auf eine Verschiebung als auf eine Umkehr: Die Europäer sind nicht mehr nur aus freier Wahl indirekte Unterstützer, sondern zunehmend aus Notwendigkeit, mangels einer Verteidigungsindustrie, die dem amerikanischen Patriot-Defizit gewachsen wäre.
Der schwerwiegendste Punkt, den er anspricht — und den er mit seiner gewohnten Vor-sicht eher als Frage denn als Behauptung formuliert —, betrifft den russischen hybriden Krieg, der sich direkt gegen die europäischen Länder richtet: Einmischung in Wahlen, Finanzierung von Parteien wie der AfD, bereits registrierte Übergriffe. Er entscheidet nicht über die notwendige Antwort (Rolle der Nato, europäische Koordinierung), stellt die Frage aber als die dringlichste und am wenigsten behandelte des Augenblicks — eine strategische Leere, die auf einem anderen Weg an jene institutionellen Leerstellen anknüpft, die die internationale Presse anderswo, auf anderen Schauplätzen, feststellt.
De la guerre d’Ukraine
Ce texte s’inscrit dans la continuité directe de l’analyse que l’amiral Girard développe depuis le début du conflit, et qu’il qualifiait déjà en 2023 d’« émancipation de la stratégie ukrainienne » : l’idée que Kiev ne pouvait que chercher, avec le temps, à desserrer l’étau des limites qui lui étaient imposées par ses soutiens occidentaux. Ce papier confirme que ce mouvement s’est bien poursuivi — franchissement des lignes rouges initiales, développement d’une industrie nationale de missiles, frappes en profondeur sur le territoire russe — sans provoquer l’escalade nucléaire que l’on craignait à l’origine.
Ce qui change, en revanche, c’est le second terme de l’équation qu’il posait déjà fin 2022 : la « stratégie indirecte » des Occidentaux. Elle n’a pas disparu, mais son moteur s’est déplacé — d’un déficit de volonté politique vers un déficit de moyens, européens en premier lieu, à mesure que Washington se retire du dossier. L’amiral signale ainsi un glissement plus qu’un renversement : les Européens ne sont plus seulement des soutiens indirects par choix, mais de plus en plus par nécessité, faute d’une industrie de défense à la hauteur du déficit américain en Patriot.
Le point le plus grave qu’il soulève, et qu’il formule avec sa prudence habituelle sous forme de questions plutôt que d’affirmations, concerne la guerre hybride russe visant directement les pays européens — ingérence électorale, financement de partis comme l’AfD, agressions déjà recensées. Il ne tranche pas sur la réponse à y apporter (rôle de l’Otan, coordination européenne), mais pose la question comme la plus urgente et la moins traitée du moment — un vide stratégique qui rejoint, par un autre chemin, les vides institutionnels que la presse internationale identifie ailleurs sur d’autres théâtres.
Der Wolf im Schafstall
Diese Leerstelle, die die Weltpresse einhellig beschreibt, blieb nicht lange unbesetzt. Im Nahen Osten haben Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei am 7. August den Mekka-Verteidigungspakt formalisiert — aufbauend auf dem ein Jahr zuvor zwischen Riad und Islamabad geschlossenen gegenseitigen Verteidigungsabkommen, das nach Andeutungen mehrerer Verantwortlicher beider Länder sogar eine Form erweiterter nuklearer Abschreckung umfassen soll. Drei Mittelmächte finden sich hier verbündet, ohne dass Washington weder Dreh- und Angelpunkt noch überhaupt Zeuge wäre: die pakistanische Atommacht, die saudische Finanz- und Ölmacht, auf türkischer Seite die zweitgrößte Armee der Nato.
Nawaf Kabbara bietet in einer klugen Analyse, veröffentlicht bei unseren Kollegen von Levant Time, ein Bild, das es wert ist, unverändert übernommen zu werden: Er verglich den Nahen Osten bereits 1988 mit einer Aktiengesellschaft, deren Vorstandsvorsitz allein bei den Vereinigten Staaten lag. „Die Gesellschaft existiert noch“, schreibt er heute, „aber der Vorstandsvorsitzende kann nicht mehr allein entscheiden.“
Was das Mekka-Abkommen signalisiere, sei seiner Ansicht nach nicht notwendigerweise ein viertes Hegemonialprojekt neben den israelischen, türkischen und iranischen Ambitionen, sondern ein Gleichgewichtsprojekt: weder iranische Hegemonie noch israelische Vorherrschaft, sondern mehrere Mächte, die sich nun weigern, einen einzigen Akteur allein die Regeln des regionalen Spiels diktieren zu lassen — und die dafür, bemerkenswerterweise, keinem großen Block Gefolgschaft leisten müssen, sondern sich frei zwischen Washington, Peking und Moskau bewegen.
In Europa verläuft die Bewegung von gleicher Art, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß: Die britische Presse selbst, wie gezeigt, drängt London und Brüssel inzwischen dazu, eigene strategische Autonomie aufzubauen, statt weiter auf einen zunehmend unzuverlässigen amerikanischen Schutzschirm zu setzen. Ein Verbündeter, der ein neues Gleichgewicht sucht, ist ein Verbündeter, der dem alten nicht mehr vertraut.
Das Paradox liegt offen zutage: Gerade in dem Moment, in dem der eigene Sicherheits- und Militärapparat erodiert — gelähmt von Prestigelaunen statt strategischer Vision, selbst in den eigenen Reihen desavouiert, zu ständigen Rückziehern gezwungen, beim Diesel wie beim Iran —, hat Donald Trump denen, die Amerika selbst als seine strategischen Rivalen bezeichnet, weit die Tür geöffnet. Er empfing Xi Jinping mit großem Prunk, umwarb Putin und ließ über Nordkorea ein fast freundschaftliches Schweigen walten. Der Wolf musste sich den Zutritt zum Schafstall nicht erzwingen: Der Schäfer, beschäftigt mit der Bewunderung seiner eigenen Erweiterungsbauten, hat ihm das Tor selbst geöffnet.
From the publisher's feed

42 Listeners