Die Geschichte ist zurück – aber anders, als es die westliche Welt nach dem Ende des Kalten Krieges erwartet hatte. Die Vorstellung, Globalisierung und Modernisierung würden die Welt langfristig auf das gemeinsame Modell liberaler Demokratie und Marktwirtschaft zulaufen lassen, hat sich als westliche Illusion erwiesen. China, der globale Süden und die Rückkehr geopolitischer Machtpolitik zeigen, dass unterschiedliche Wege in die Moderne bestehen. Vielleicht erleben wir deshalb nicht nur das Ende einer liberalen Weltordnung, sondern auch das Ende der Vorstellung von der Geschichte im Singular: An ihre Stelle treten unterschiedliche Geschichten und historische Erfahrungsräume, aus denen Gesellschaften ihre Gegenwart und Zukunft jeweils anders verstehen.