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Sachsen-Anhalt markiert eine neue Etappe im Aufstieg der AfD. Erstmals stellt sie einen Landtagspräsidenten – und ihre Kandidaten erhalten Stimmen über die eigene Fraktion hinaus. Gleichzeitig erreicht die AfD bundesweit in Umfragen fast die Stärke der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD zusammen. Die bisherigen politischen Gewissheiten verlieren schneller ihre Gültigkeit, als die etablierten Parteien darauf reagieren können. Was gestern noch ausgeschlossen schien, wird heute möglich. Der politische Umbruch beschleunigt sich.
Grenzen sind wieder zu einem zentralen politischen Thema geworden. Doch hinter den Auseinandersetzungen über Migration und Grenzkontrollen steht eine grundlegendere Frage: Was verbindet Menschen innerhalb einer politischen Gemeinschaft, und welche besonderen Verpflichtungen entstehen daraus? Mit Michael Sandel geht dieser erste Beitrag über das Thema „Grenzen“ dem Spannungsverhältnis zwischen universellen Menschenrechten, politischer Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Solidarität nach – und fragt, welche Bedeutung Grenzen in einer global vernetzten Welt noch besitzen.
Brasilien wählt, Frankreich protestiert, Spanien demonstriert. Auf den ersten Blick haben der Erfolg Flávio Bolsonaros, die Proteste der französischen Jugend und die spanische Revolte gegen die Wohnungsnot wenig miteinander zu tun. Doch hinter diesen Konflikten zeigt sich eine Krise, die viele westliche Gesellschaften erfasst hat: Das Versprechen, dass Bildung und Leistung sozialen Aufstieg und wachsenden Wohlstand ermöglichen, verliert an Glaubwürdigkeit. Zugleich fühlen sich Teile der Bevölkerung politisch nicht mehr repräsentiert und gesellschaftlich nicht mehr anerkannt. Brasilien, Frankreich und Spanien zeigen drei unterschiedliche Symptome derselben Entwicklung – Gesellschaften in Aufruhr.
Der deutschsprachige Denker Erich Kahler (1875 – 1970) ist heute fast vergessen. Dabei bietet seine Analyse des deutschen Geistes einen überraschend aktuellen Blick auf die Bundesrepublik: auf die Spannung zwischen Universalismus und Nation, moralischem Anspruch und politischem Interesse. Was erklärt Kahler über die neue deutsche Zerrissenheit – und warum lohnt es sich, ihn fast neunzig Jahre später wieder zu lesen?
Die Welt befindet sich im Wandel. Die globale Ordnung, wie sieseit dem Ende des Kalten Krieges bestand, gerät ins Wanken. Immer häufiger ist von einer unipolaren und einer multipolaren Welt die Rede – Begriffe, die den tiefgreifenden Umbruch unserer Zeit beschreiben. Während die unipolare Welt vomwestlichen Machtanspruch geprägt war, zeichnet sich heute eine neue Vielstimmigkeit ab: China, Indien, Russland, aber auch regionale Bündnisse gewinnen an Einfluss.
Um diese Entwicklungen zu begreifen, lohnt sich ein Blick zurück – auf die Geschichte der internationalen Beziehungen. Sie führt vom Westfälischen Frieden über die Revolutionen und Weltkriege bis zur Entstehung der modernen globalen Ordnung. Erst in dieser historischen Perspektive wird deutlich, dass keine Weltordnung von Dauer ist – sie alle sind Ausdruck eines ständigen Ringens um Macht, Legitimität und Gleichgewicht.
In diesem Teil geht es anhand dreier Denker um Fragen der Gerechtigkeit in unseren gegenwärtigen Gesellschaften: Michael Sandel, Thomas Piketty und Hermann Heller. Ihre Analysen reichen von der moralischen Krise der Leistungsgesellschaft über die ökonomische Logik desKapitals bis zur sozialen Voraussetzung der Demokratie.
Andy Burnham gilt als neuer Hoffnungsträger der britischen Labour Party. Sein politischer Ansatz könnte jedoch über Großbritannien hinausweisen. Burnham setzt auf einen Staat, der sich nicht darauf beschränkt, die sozialen Folgen des Marktes abzufedern, sondern in zentralen Bereichen wie Pflege, Gesundheit, Wohnen, Energie und Verkehr wieder selbst Gestaltungsmacht beansprucht.
Die französischen Senatswahlen markieren mehr als einen institutionellen Erfolg des Rassemblement National. Sie zeigen, wie aus einer einstigen Protestpartei eine gesellschaftlich und politisch verankerte Volkspartei geworden ist. Eine ähnliche Entwicklung hat die AfD in Deutschland vollzogen. Damit verändern sich die Parteiensysteme der beiden zentralen Länder der Europäischen Union – und mit ihnen die politischen Grundlagen, auf denen Europas Ordnung bislang beruhte.
Francis Fukuyama sieht einen grundlegenden Fehler des globalen Liberalismus: Er habe universelle Menschenrechte zunehmend mit der Vorstellung einer grenzenlosen Welt verbunden und dabei unterschätzt, dass liberale Demokratien auf Nationalstaaten, gemeinsamer Zugehörigkeit und politischer Handlungsfähigkeit beruhen. Der Beitrag fragt, warum für Fukuyama Grenzen und nationale Identität keine Gegensätze zum Liberalismus sind – sondern Voraussetzungen dafür, dass er dauerhaft funktionieren kann.
Der Nationalstaat schien im Zeitalter der Globalisierung an Bedeutung zu verlieren – doch seine Rückkehr prägt dieGegenwart. Zwischen Souveränität und Kooperation, Macht und Legitimität, Freiheit und Kontrolle steht der moderne Staat erneut im Zentrum der politischen Weltordnung.
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