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Der Krieg in Gaza, die Eskalation mit dem Iran und die wachsende humanitäre Krise stellen nicht nur die internationale Politik vor neue Herausforderungen – sie stellen vor allem eine unbequeme Frage an Deutschland: Bedeutet historische Verantwortung gegenüber Israel politische Zurückhaltung oder gerade die Pflicht zur Kritik? Ein Blick auf das Gespräch zwischen Helmut Schmidt und Fritz Stern zeigt, warum verantwortungsvolle Politik ohne differenzierte Urteilsbildung nicht möglich ist – und weshalb Kritik an der israelischen Regierung kein Antisemitismus ist, sondern eine notwendige Voraussetzung für einen ernsthaften politischen Diskurs.
Die aktuellen Kriege im Nahen und Mittleren Osten werden im Westen meist als isolierte Krisen verstanden – als Sicherheitsprobleme, als Ausdruck von Instabilität oder politischem Versagen. Doch was, wenn diese Perspektive selbst zu kurz greift? Die im Jahr 2010 ausgestrahlte Dokumentation „Das Ende der weißen Weltherrschaft“ von Peter Scholl-Latour eröffnet einen anderen Blick: Sie zeigt, dass die heutigen Konflikte Teil eines langfristigen historischen Wandels sind – einer Verschiebung globaler Machtverhältnisse und der Rückkehr regionaler Eigenständigkeit. Wer die Gegenwart verstehen will, muss diese tieferen Zusammenhänge erkennen. Genau deshalb lohnt es sich, diese Dokumentation heute erneut zu betrachten.
Südkorea ist längst eine technologische und kulturelle Großmacht – doch seine eigentliche Transformation vollzieht sich in der Außenpolitik. Zwischen der Sicherheitsallianz mit den USA und der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China entwickelt Seoul eine neue Form strategischer Autonomie. Der Beitrag zeigt, wie Südkorea vom Randstaat des Kalten Krieges zu einer selbstbewussten Mittelmacht geworden ist, die ihren eigenen Platz in der globalen Ordnung definiert.
Der Beitrag zeichnet nach, wie Martin Heidegger die nationalsozialistische Machtübernahme als geschichtliche Zäsur deutet und philosophisch überhöht. Ausgehend von seinem Denken über Herkunft, Heimat und Seinsvergessenheit zeigt sich, wie Kritik an der Moderne in politische Deutung umschlägt. Heideggers Rektorat, sein Verhältnis zu Husserl und Karl Löwith sowie die Nähe zu Carl Schmitt machen sichtbar, wie philosophische Sinnsuche in moralische Blindheit kippen kann. Die Episode fragt, wie aus dem Anspruch auf Tiefe eine Verstrickung entsteht – und warum die Verwechslung von geschichtlicher Bedeutung und politischer Wahrheit zu den gefährlichsten Irrtümern des Denkens gehört.
Donald Trumps Aufstieg ist mehr als ein politisches Ereignis – er ist Symptom einer langfristigen Verschiebung in der Tiefenstruktur der amerikanischen Gesellschaft. Im Sinne Fernand Braudels zeigt der Beitrag, wie sich seit 1945 eine kognitive Elite herausgebildet hat, deren Autorität auf Bildung, Institutionen und Deutungshoheit beruht – während die industrielle Mittelschicht zugleich ökonomisch und kulturell an Status verliert. Trumps populistische Revolte knüpft damit an das anti-elitistische Erbe der Amerikanischen Revolution an, radikalisiert es aber zu einer neuen Geschichtserzählung: Die Nachkriegsordnung aus Globalisierung, Expertise und internationaler Führung gilt nicht mehr als Erfolg, sondern als fundamentaler Irrweg.
Ein Blick auf den Iran, der über Schlagzeilen hinausgeht: Pankaj Mishra zeigt, wie sehr westliche Perspektiven die historische Tiefe und kulturelle Verflechtung dieser Region ausblenden – und warum genau darin ein grundlegendes Missverständnis unserer Gegenwart liegt.
Die Eskalation in der Straße von Hormus zeigt, wie schnell ein regionaler Konflikt globale wirtschaftliche und strategische Folgen entfalten kann. In diesem Kommentar analysiert Andreas Heuer die enorme geopolitische Bedeutung dieser Meerenge, erklärt die asymmetrische Strategie Irans und zeigt, warum Donald Trumps Forderung an NATO-Staaten und sogar China, die Passage zu sichern, weniger Ausdruck strategischer Führung als vielmehr eine Reaktion auf eine zuvor unterschätzte Dynamik des Konflikts ist.
Frankreich steht ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2027 vor einer politischen Richtungsentscheidung. Der erste Wahlgang der Kommunalwahlen zeigt ein Land, das stärker fragmentiert ist als je zuvor in der Geschichte der Fünften Republik. Während die radikale Rechte und die radikale Linke an Gewicht gewinnen und die traditionellen Parteien lokal weiterhin verankert sind, verliert die politische Mitte um Präsident Emmanuel Macron sichtbar an Einfluss. Die Kommunalwahlen werden damit zu einem frühen Signal für eine mögliche Neuordnung der französischen Politik – mit weitreichenden Folgen für Frankreich selbst und für Europa.
Mit dem Tod von Jürgen Habermas verliert Europa einen der letzten großen Verteidiger der Aufklärung. In einer Zeit, in der öffentliche Debatten immer stärker von Polarisierung, populistischen Narrativen und der Logik sozialer Medien geprägt sind, erinnert sein Denken an eine zentrale Voraussetzung moderner Demokratie: die Idee einer öffentlichen Vernunft. Der Kommentar zeichnet nach, warum Habermas diese Idee als Fundament moderner Gesellschaften verstand – und weshalb sie gerade heute, in einer politisch und intellektuell „dürftigen Zeit“, von neuer Bedeutung ist.
Kommt die Atomkraft zurück? Während Deutschland den Atomausstieg vollzogen hat, erlebt die Kernenergie weltweit eine neue Aufmerksamkeit. Viele Staaten planen neue Reaktoren, die EU-Kommission spricht von einem möglichen „strategischen Fehler“ beim Rückgang der Atomkraft, und Länder wie Finnland setzen weiterhin stark auf nukleare Energie. Gleichzeitig steht Deutschland vor einem eigenen moralischen Dilemma: Fracking ist im Inland verboten, doch ein großer Teil des importierten LNG stammt aus amerikanischem Fracking-Gas. Zwischen Klimazielen, geopolitischen Abhängigkeiten und unterschiedlichen nationalen Strategien steht Europa damit vor einer grundlegenden energiepolitischen Frage: Gibt es eine gemeinsame europäische Linie – oder entwickelt sich die Energiepolitik zunehmend zu einem Feld nationaler Entscheidungen?
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